Kapitel 10 Ein erzwungenes Geständnis
Vorsichtig und zärtlich küsste Legolas Celebnîns Hals. Sie genoss diese Zärtlichkeit und schloss die Augen um sich ganz seinen Berührungen hinzugeben. Diese Nacht gehörte nur ihnen, niemand konnte sie jetzt auseinander bringen, nicht in dieser Nacht.
Legolas wanderte mit seinen Küssen hinunter, über ihre Schulter und ihre Brust zu ihrem Bauch. Während dessen streichelte Celebnîn sanft durch sein Haar. Dann kam er zu ihr hoch und sah ihr tief in die Augen. „Du weißt, dass du immer mein Licht sein wirst, Melamin. Wir gehören zusammen." Sie nickte. „Du hast mein Herz, Legolas niemand sonst wird es sein eigen nennen dürfen."
Und in ihren gemeinsamen Gemach, im Leuchten der Sterne, das durch das Fenster hereinbrach vereinigten sich ihre Körper um den Bund für immer zu besiegeln. Diese Nacht war von einem Glück erhellt, das beide schon lange nicht mehr erlebt hatten, und das sie auch nicht mehr so schnell erleben würden.
Die Morgensonne erwärmte Celebnîns Gesicht, als sie erwachte. Legolas schlief noch neben ihr und hatte einen Arm um ihre Tailie gelegt. Vorsichtig legte sie seinen Arm beiseite und stand auf. Mit einer seidenen Decke umwickelt ging sie zum Fenster und blickte seufzend zum Wald. Nun war sie nicht mehr alleine, nun würden sie immer zu zweit sein. Ihre Gedanken schweiften zu Valandil und einen kurzen Moment überkam sie ein Schuldgefühl. So schnell hatte sie sich verheiratet, so schnell nach seinem Tod. Doch dann wusste sie mit einem eigenartigen Gefühl der Sicherheit, dass dieser es so gewollt hätte.
Ihr strömte der Duft des Waldes in die Nase und führte zu einem eigenartigen Gefühl der Sehnsucht. Dieses verschwand jedoch sofort als sie von den Geräuschen unter sich aus ihren Gedanken gerissen wurde.
Celebnîn blickte hinunter und sah mit Entsetzen, dass sich dort Soldaten auf einen Aufbruch vorbereiteten. Wagen wurden beladen und Schwerter poliert.
Als sich Legolas starke Arme um sie legten wich Celebnîn ihnen aus und starrte Legolas wütend an. „Wann brecht ihr auf?" Legolas sah aus dem Fenster und blickte sie dann schuldbewusst an. „Morgen." „Was?!" Nun wich sie wütend von ihm zurück, als er nach ihrer Hand greifen wollte. „Und wann wolltest du mir das sagen? Am Tag deiner Abreise?!"
Legolas wusste, dass Celebnîn jedes Recht zur Wut hatte. „Es tut mir Leid, ich wollte dich damit nicht belasten, nicht jetzt." Sie funkelte ihn böse an. „Und wann dann? Wolltest du einfach heimlich verschwinden, oder mir es doch gnädiger weise noch kurz vorher sagen?" „Nein, natürlich nicht..." Er wusste nicht wie er sie beruhigen könnte. „Es sieht aber so aus, Legolas! Ich fasse es nicht, dass du mir das verschwiegen hast! Wir sind gestern den Bund eingegangen und schon morgen willst du mich verlassen!" „Ich verlasse dich doch nicht, Celebnîn, doch es muss geschehen, das weißt du." Einen Moment lang sah sie ihn an, dann verließ sie schnellen Schrittes das Zimmer. Legolas blieb zurück, wissend, dass er einen dummen Fehler begangen hatte.
Den ganzen Vormittag sah er Celebnîn nicht. Er hatte sie schwer enttäuscht. Natürlich vertraute er ihr, doch er wollte sie schützen und hatte deshalb mit der Nachricht des Abzuges noch gewartet, eine falsche Entscheidung wie sich nun herausgestellt hatte.
Erst zu Mittag fand er sie wieder. Sie war im Stall bei den Pferden und streichelte Elen. Langsam ging er auf sie zu, sie würdigte ihn keines Blickes. Er musste seine Worte nun vorsichtig wählen. „Es tut mir Leid Melamin, ich weiß es war falsch, aber ich wollte dich nicht verletzen, im Gegenteil. Jetzt weiß ich, dass ich dir so nur noch mehr weh getan habe..." Sie wandte sich zu ihm um. Sie wirkte nicht mehr wütend, sondern eher besorgt. „Ich weiß Legolas, ich weiß dass es dir Leid tut. Aber du musst mich verstehen. Valandil ging auch in den Krieg du er kehrte nicht mehr zu mir zurück. Ich könnte es nicht verkraften wenn du nun auch sterben würdest." Mit einen aufmunternden Lächeln ging er zu ihr und nahm ihre Hand. „Wir haben das doch schon einmal besprochen, ich werde zu dir zurückkehren. Wir sehen uns wieder, das verspreche ich dir." Ihr Lächeln war nicht sehr überzeugend, doch als er sie umarmte hielt er sie fest und gab ihr so neue Kraft, oder versuchte es zumindest.
Der Tag verging schnell. Sie verbrachten die gesamte Zeit, die ihnen blieb nur noch zusammen und wenn möglich ungestört.
Viel zu bald schon brach der Morgen herein und Legolas musste seine elbische Rüstung anlegen. Celebnîn sah ihm besorgt dabei zu. Es war ungerecht. Sie hatten sich doch eben erst die ewige Zweisamkeit versprochen und nun musste er gehen und sie blieb zurück.
Schließlich war es soweit. Legolas stieg auf sein Pferd und hielt noch einmal Celebnîns Hand. „Ich kehre zu dir zurück Melamin, das weißt du." Er schenkte ihr ein Lächeln und ritt los, die Truppen anführend.
Celebnîn sah ihm nach, wie gerne würde sie ihm das glauben, doch sie wusste ja nicht einmal wie lange sie nun von einander getrennt waren.
Und so verging die Zeit. Minuten kamen ihr vor wie Stunden und Stunden wie Tage und lange hörte sie nichts von ihrem Prinzen. In dieser Zeit führte sie ein Schattendasein. Sie aß kaum, schlief nicht und redete wenig. Man begann sich Sorgen um sie zu machen, allen voran Silmarwen, der Heilerin, die sie oft in ihrer Einsamkeit begleitete und versuchte sie auf zu muntern.
Endlich, nach 10 Tagen erhielt sie einen Brief von Legolas. Er berichtete ihr von zerstörten Dörfern und obdachlosen Menschen und Elben, von Trauer und Qual, aber auch von Kampfgeist und Hoffnung. Sie waren noch nicht auf Arods Truppen gestoßen, also gab es auch noch keine Kampfhandlungen. Immer wieder beteuerte er wie sehr er sie liebte und wie sehr sie ihm fehlte.
Celebnîn antwortete ihm, ihr Brief beinhaltete vor allem die Worte „Ich liebe dich.", „Ich vermisse dich.", und „Sei bitte vorsichtig!" Sie wusste auch nicht was sie im sonst berichten sollte, das Schloss war seltsam leer seitdem er und die Soldaten aufgebrochen waren. Und in ihrem Schattendasein hatte sie auch nicht viel erlebt.
Jeden Abend betete Celebnîn und hoffte, dass Legolas bald gesund und heil zu ihr zurückkommen würde.
