Kapitel 12 Verzweiflung und Not
Der Soldat wollte sofort aufbrechen, doch die anderen Wachen waren sich nicht sicher, ob sie ihn alleine gehen lassen sollten. Schließlich blieb ihnen nichts anderes übrig, da der Schutz Celebnîns und Silmarwens mehr als zwei Wachen bedurfte.
Der Soldat, dessen Name Galdor war, sprang auf ein Pferd und machte sich sofort auf den Weg.
Celebnîn machte sich Sorgen. Was hatte Arod vor? Und würde Legolas rechtzeitig wiederkommen? Schließlich waren sie schon seit zwanzig Tagen fort. Allerdings hatten sie mehr Tage in den Dörfern verbracht als zu reisen, da diese dringend ihre Hilfe benötigten.
Die drei Wachen schienen plötzlich äußerst unruhig zu sein. Drausen tat sich etwas. Celebnîn hörte deutlich das Klacken von Pferdehufen und dem Anschein nach war es eine ganze Herde. Das konnten nicht die Pferde aus den verbrannten Ställen sein, sie waren längst in den Wald verschwunden und würden sicher nicht so bald zurückkehren.
Celebnîn, Slimarwen, die Wachen und die Verletzten verhielten sich ganz ruhig um nicht bemerkt zu werden, schließlich konnten das die Feinde sein. Celebnîn verstand das jedoch nicht, wieso sollte Arod zurückkehren wenn dieses Dorf doch sowieso schon zerstört war. Doch dann wurde es ihr schlagartig klar, sie hatte einen dummen Fehler begangen...
In diesem Moment schlug jemand die große Tür zum Rathaus auf und Arod trat mit seinen Männern ein. Alle waren gänzlich in schwarz und mit schwarzen Umhängen bekleidet. Arod sah Celebnîn an und grinste triumphierend. „Ich wusste, dass du hier her kommen würdest." Celebnîn konnte sich vor Angst nicht rühren. All die schrecklichen Erlebnisse der letzten Zeit schossen ihr durch den Kopf, während ihre Wachen mutig versuchten die Übermenge an Gegnern zu bekämpfen, dies jedoch schnell mit ihrem Leben bezahlten.
Arod grinste Celebnîn immer noch an. In seinen Augen lag eine beängstigende Kälte. „Versperrt die Türen und Fenster!" Celebnîn ahnte böses. „Und dann zündet das Haus an!"
Glador hatte vom Wald aus mit mitverfolgt wie die Truppen Arods in das Rathaus drangen und jetzt sah er mit entsetzen, dass sie alle Ausgänge versperrten und das Haus mit Alkohol tränkten. Nirgends konnte Glador die Prinzessin oder sonst jemanden der vorher im Haus war entdecken, sie alle waren eingesperrt, nur de Männer in schwarzen Umhängen, mit den Kapuzen tief ins Gesicht gezogen, waren zu sehen. Arod fiel ihm ins Auge, denn er entzündete eine große Fakel. „Die soll dem Prinzen ein Zeichen sein!" Und mit diesen Worten warf er die Fakel auf das Dach des Hauses.
Glador konnte sich nicht bewegen. Fassungslos sah er wie das Haus sofort in Flammen aufging und die Flammen alles verschlangen. Er hörte die Hilfeschreie der Leute im inneren, doch Arod hatte kein Mitleid mit ihnen und zog mit seinen Truppen ab. Als sie weg waren lief Glador zum Haus. Verzweifelt versuchte er mit einigen Dorfbewohnern die sich versteckt gehalten hatten die Flammen zu löschen und die Türen aufzubrechen, doch es war zu spät. Das Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder und hinterlies nichts außer Asche und ein paar Trümmer. Die Helfer waren geschockt und verzweifelt, bis zum Ende hatten sie gegen die Flammen gekämpft, doch nun war ihnen die letzte Hoffnung genommen.
Legolas hetzte durch den Wald. So schnell war er noch nie geritten. Sein Pferd schnaupte vor Anstrengung, doch er wusste, dass sein Hengst treu und ergeben war, nur wenn es wirklich nicht mehr anders ginge würde er nach einer Pause verlangen. Dieses seltsame Gefühl hatte ihn dazu getrieben zu Mittag sofort aufzubrechen und in Richtung Schloss zu reiten. Irgendetwas stimmte nicht, irgend etwas war passiert. Das ungute Gefühl in seinem Inneren wurde immer stärker und Legolas hoffte, dass er noch rechtzeitig kommen würde. Die Soldaten hinter ihm hatten große Mühe mit zu halten, doch das war ihm egal. Sie ritten die ganze Nacht hindurch und wenn sie dieses Tempo in etwa behielten, würden sie schon innerhalb von zwei Tagen am Schloss ankommen. Legolas war jetzt froh, dass er die Karten so gut studiert hatte, denn dies erlaubte ihn viele wegsparende Abkürzungen zu nehmen. Einen Vorteil verschafften ihn nun auch die langen Aufenthalte in den Dörfern, so waren sie insgesamt nur fünf Tage unterwegs gewesen, während sie den Rest der Zeit mit der Versorgung der Verletzten und dem Wideraufbau verbracht hatten.
Ein weiterer Tag und eine weiter Nacht vergingen so, doch Legolas ließ nun doch Pausen zu, da die Pferde dieses Tempo nicht durchhalten konnten. Schon am nächsten Morgen konnten sie beim Schloss sein, und dann konnte er endlich seine Celebnîn wieder in die Arme nehmen.
Doch es sollte alles anders kommen...
Legolas und seine Männer kamen an eine Lichtung zu einem Dorf, das sie bereits durchquert hatten, es war eines der wenigen, dass noch unversehrt gewesen war. Aber nun bot sich zu ihren Entsetzen ein anderer Anblick. Alles war zerstört, kein einziges Haus stand ehr und vor der Asche eines der Häuse saß eine verstörte Gruppe von Personen, unter der er einen seiner Wachen erkannte. Legolas stieg ab und ging zu der Wache, die in der Asche saß und gerade aus starrte.
„Was ist hier passiert?" Legolas sah den Mann an und erschrak bei dem Ausdruck in seinen Augen.
Glador sah den Prinzen, es kam ihm vor als wäre er in einen schlimmen Alptraum versetzt. Er stand auf und umarmte den Prinzen. Noch nie in seinem Leben hatte Glador Tränen vergossen, doch nun konnte er sie nicht zurückhalten. „Es tut mir so leid mein Prinz..." Dann sank er zu Boden und sah in das überraschte Gesicht seines Herrn. „Ich konnte nichts mehr tun... ich konnte sie nicht retten..."
Legolas durchlief ein kalter Schauer, wurden nun seine schlimmsten Alpträume wahr? Er beschloss sich nicht von seinen Gefühlen übernehmen zu lassen, schließlich konnte er noch nicht wissen von wem der Soldat sprach. Oder doch?
„Was ist passiert?"
Unter Tränen berichtete ihm Glador was er beobachtet hatte. Auch die anderen Soldaten hörten mit an welche Grausamkeit hier begangen wurde und einige konnten das nicht verkraften.
Legolas starrte in die Asche. Doch dann überkam ihm eine unglaubliche Wut „Das kann nicht sein... Du irrst dich! Sie ist nicht tot, das hätte ich gemerkt! Ich würde das spüren!" Wütend wandte er sich von Glador ab, er war überzeugt, dass dieser sich irrte. Doch dann erblickte er etwas glitzerndes in der Asche und hob es auf. Sein Entsetzen war nun so groß, dass seine Knie nachgaben und er in die Asche niedersank. Die Soldaten die in der nähe standen, kamen sofort im ihn zu stützen und ihm wieder auf zu helfen, aber er wies sie zurück. Fassungslos starrte er in seine Hand. In dieser glitzerte Celebnîns tränenförmiger Anhänger mit der Kette. Es war die Wahrheit, sie war tot...
„Nicht Prinz! Wartet auf uns!" Legolas hörte nicht auf die Soldaten, deren besorgte Rufe ihm nachhallten. Er ritt in den Wald, sein Pferd lief so schnell, dass die Soldaten ihm nicht folgen konnten.
Nach langer Zeit des Reitens, er wusste nicht wie lange, verlangsamte er schließlich das Tempo. Tränen liefen ihm über die Wangen und tiefe, stechende Trauer bildete sich in seinem Herzen. Zu dieser mischte sich große Wut, Wut auf Arod und Rachegedanken. Doch dann dachte er an Celebnîn, wie sie ihn gebeten hatte bei ihr zu bleiben. Welche Sorgen sie sich um ihn gemacht hatte. Er hatte ihr versprochen auf sich auf zu passen und heil zu ihr zurück zu kommen. Nun war sie diejenige, die nicht zurückkehren würde. Der Tränenfluss der ihm entglitt wurde immer stärker. „Es tut mir so Leid, Malemin, es ist alles meine Schuld..." Ein stechender, schier unerträglicher Schmerz bildete sich in seiner Brust, aber als er an sich herunter sah, merkte er das dies nicht nur innerer Schmerz war. Ein Pfeil hatte sich durch seine Brust gebohrt. Unfähig sich dagegen zu wehren fiel Legolas aus dem Sattel, auf den Boden. Er konnte noch erkennen wie eine schwarz gekleidete Gestalt auf ein Pferd stieg und davon ritt, dann wurde alles schwarz.
