Kapitel 14 Stimmen in der Dunkelheit

„Geh nicht" Diese Stimme, diese helle, klare Stimme, er kannte sie. Sie war wie ein Licht im Dunklen, wie eine zarte Brise in einer stickigen Höhle. Er kannte sie. „Bleib, Legolas, geh nicht." Der Klang der Worte... der Klang seines Namens durch diese Stimme. Woher kannte er bloß diese Stimme?

„Celebnîn?"

„Ich bin hier."

„Wo, ich sehe dich nicht!"

„Hab keine Angst."

„Wie komme ich zu dir?"

„In dem du aufwächst."

„Aber... du bist verstorben."

„Wach auf Legolas!"

„Warum?"

„Du musst mich finden..."

Bei diesem Satz wurde Celebnîns Stimme immer leiser, als würde sie fortgehen und nach dem Ausklang des letzten Wortes wachte Legolas mit einem lauten Schrei auf.

„Ruhig Herr, es ist schon vorbei. Wir mussten den Pfeil aus Eurem Oberkörper entfernen."

Legolas sah in die besorgten Augen eines Heilers der die Spitze eines blutigen Pfeils in der Hand hielt. Er presste ein paar Kräuter auf die Wunde und verband sie fest. Legolas spürte den dumpfen Schmerz, doch er beachtete ihn nicht. „Ich muss sie finden." „Wen, Herr?" „Celebnîn." Nun wirkte der Heiler noch besorgter. „Mein Prinz, sie ist ... tot." „Nein, ich habe sie gehört! Sie sprach mit mir." Der Heiler wusste nicht recht wie er reagieren sollte. „Herr, Ihr habt hohes Fieber, ihr habt geträumt." „Nein! Sie lebt, ich weiß es."

„Was habt Ihr vor?!" Arod grinste Celebnîn an. „Das hast du doch gehört." „Aber das könnt Ihr nicht machen!" Arod schritt auf sie zu und legte seine Hand auf ihren Hals. Celebnîn wollte zurückweichen, doch zwei seiner Männer hielten sie fest. „Du hast keine Ahnung wozu ich fähig bin." Und mit einem Ruck riss er Celebnîn die Kette von Hals. „Die hast du von ihm. Aber dieses billige Ding wirst du nun nicht mehr tragen." Mit einem Wink von Arod kam einer seiner Männer und überbrachte ihm eine kleine Schatulle. Aus dieser holte er eine Kette, oder besser gesagt ein Kollier. Celebnîn erkannte die Ähnlichkeit mit der Kette Valandils, die ihr gestohlen wurde sofort. „Dann wart Ihr in meinem Haus! Ich hätte es wissen müssen!" „Nicht direkt ich, aber einer meiner Männer." Er legte ihr das Kollier um den Hals. Celebnîn fand es scheußlich. „Ich habe mich von der Kette die Valandil dir geschenkt hat inspirieren lassen."

Celebnîn wusste nicht was er jetzt von ihr erwartete, eine Bedankung? Statt dessen aber blickte sie ihn nur wütend an. In Wirklichkeit hatte sie allerdings nur große Angst, die Wut spielte sie ihm großteils vor. Er hatte ihr etwas so schlimmes angetan und nun befürchtete sie er würde es wieder tun, oder gar schlimmeres.

„Los zieh das an." Arod gab ihr einen großen schwarzen Umhang. Sie zögerte, was hatte er nur vor? „Beeil dich, oder deine Freundin wird für deine Trödeleien bezahlen!" Celebnîn sah zu Silmarwen hinüber, der von einem der Soldaten ein Schwert an den Hals gehalten wurde. Sie zog sich den Umhang über und starrte Arod weiterhin „wütend" an. Er kam zu ihr und zog ihr die Kapuze tief ins Gesicht. Celebnîn wusste nicht was das alles bedeuten sollte. „Solltest du dein Gesicht zeigen, oder auch nur einen Laut von dir geben, sind du und deine erbärmlichen Freunde zum Tode verurteilt." Celebnîn schluckte, er meinte es ernst, das sah sie in seinen kalten, dunklen Augen.

„Du wirst mit mir reiten." Sie sagte nichts, es kam ihr vor als wäre sie in einen Alptraum versetzt. Dann ginge sie hinaus und Arod warf Celebnîns Kette auf den Boden.

Die Männer verbarrikadierten alle Fenster und Türen und begossen das Haus mit Alkohol. „Was habt Ihr vor?!" In Celebnîn ging es nun drunter und drüber. Ihre panische Angst galt nun den Personen im Haus, dazu mischte sich Entsetzen und Ungläubigkeit. „Sei still!" Augenblicklich blidete sich um sie herum ein Kreis Männer, die sie von allem abschirmten. Sie konnte nicht mehr sehen was Arod jetzt tat. Sie dachte schon daran, dass es jetzt zu Ende sein würde, doch die Männer taten ihr nichts, sie standen nur um sie herum wie eine große Mauer. Dann hörte sie Arods Stimme. „Los! Wir brechen auf!" Sofort wurde sie von den Männern zu Arods Pferd gebracht und gezwungen sich hinter ihn zu setzen. Er ritt augenblicklich los, sodass sie keine Zeit hatte sich ein Bild von ihrer Umgebung zu machen. Doch als sie zurück sah, sah sie das brennende Haus und hörte die Schreie. „Was habt Ihr getan..." Doch Arod hörte nicht auf sie, sondern ritt in schnellem Tempo weiter.

Celebnîn sprach von diesem Augenblick an nicht mehr, weder mit Arod noch mit sonst einem seiner Männer. Sie starrte nur noch vor sich hin und zeigte ihrer Umgebung kein Gefühl mehr.

Ihre Unterkunft war diesmal wesentlich bescheidener. Es war etwas kellerartiges, ohne Fenster und mit nur einer Tür. Es gab ein Bett ein kleines Badezimmer und einen Tisch mit einem Sessel, mehr nicht, aber das war Celebnîn gleichgültig.

Arod hatte natürlich bemerkt, dass Celebnîn ihm jedes Wort verweigerte. „Du wirst dich schon an mich gewöhnen, Melamin." Celebnîn sagte nichts. „Das alles hätte nicht passieren müssen, wenn du freiwillig zu mir gekommen wärst." Auch diesmal gab sie ihm keine Antwort, dies weckte Wut in Arod. „Und falls du glaubst, dass dein Prinz dich wieder retten wird, so irrst du dich! Einer meiner Wachen hat ihn mit einem Pfeil getöte. Er traf ihn direkt in sein gebrochenes Herz." Er grinste jetzt triumphierend. „Warum es gebrochen war willst du wissen? Weil e dachte du seist tot. Keiner wird dich jetzt mehr retten, denn sie alle denken du bist tot." Celebnîn bemühte sich keine Reakton zu zeigen und anscheinend wirkte das auch, denn Arod ging. Er schlug die Tür hinter sich zu und Celebnîn hörte, wie sie mit einem Schlüssel versperrt wurde.

Erst nachdem alle Schritte verklungen waren, nachdem sie nichts mehr hörte, brach sie verzweifelt in Tränen aus. Sie konnte nicht mehr als weinen, sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, und nach kurzer Zeit weinte sie sich in den Schlaf.

Plötzlich sah Celebnîn Legolas. Er lag auf dem kalten Waldbogen, ein Pfeil steckte in seiner Brust.

„Legolas?" Er schien sie nicht zu hören.

„Geh nicht." Tränen liefen über Celebnîns Wangen. Doch bei diesem Satz öffnete er die Augen.

Celebnîn fasste neue Hoffnung.

„Bleib, Legolas, geh nicht."

„Celebnîn?" Seine Stimme klang leise und gequält. Er starrte wie ein Blinder ins Leere.

„Ich bin hier."

„Wo, ich sehe dich nicht!" Seine Augen suchten sie, streiften über sie, doch er schien sie nicht zu sehen. Er wirkte verzweifelt.

„Hab keine Angst."

„Wie komme ich zu dir?" Mit seiner flehenden Stimme drängte er sie zu antworten.

„In dem du aufwächst."

„Aber... du bist verstorben." Sie lächelte.

„Wach auf Legolas!"

„Warum?" Für einen kurzen Moment sah sie eine tiefe Hoffnungslosigkeit in seinen Augen.

„Du musst mich finden..." Diesen Satz rief sie ihm förmlich zu, denn plötzlich entfernte sie sich von ihm, oder er sich von ihr.