Kapitel 15 Eindringlinge in der Nacht
Obwohl er wusste, dass die Soldaten sich nicht sicher waren, ob sie ihm glauben konnten, oder ob er nicht doch nur einen Fiebertraum hatte, hatte Legolas seine Soldaten an seiner Seite. Er hatte sie vor die Wahl gestellt, entweder straffrei nach Hause zu gehen, oder ihm zu folgen und Arod zu bekämpfen. Alle wollten mit ihm gehen.
So ritten sie also nach Calentawar, das nicht sehr weit entfernt war, in einen Krieg, dessen Ausgang ungewiss war. Doch Legolas war sich sicher, er würde Celebnîn finden und sie befreien, und wenn es das Letzte war, das er tat.
Seine Brust schmerzte sehr, seine Verletzung war kaum geheilt, dennoch biss er die Zähne zusammen und trieb seine Männer zur Eile an, denn er hatte Angst vor dem was Arod Celebnîn inzwischen antun könnte.
Celebnîn saß stumm in ihrer Zelle und dachte nach. Ständig fragte sie sich ob sie wirklich Legolas in dieser Nacht begenet war, oder ob es doch nur ein Traum war. Wenn es nur erin Traum war, war alle Hoffnung veloren, denn dann wäre ihr geliebter Elb tot und sie würde für immer Arods Gefangene bleiben. Celebnîn verwarf diesen Gedanken schnell wieder. Natürlich war Legolas am Leben und natürlich war sie ihm begegnet! Schließlich waren sie seelenverwandt und hatten deshalb eine ständige Verbundenheit.
Ein leises Seufzen entschliech ihr. Wie lange würde es wohl dauern bis Legolas kam? Und was würde sie in der Zwischenzeit alles durchleben müssen. Schon jetzt hatte sie jedes Mal Panikausbrüche, wenn sie nur hörte, dass jemand an ihrer Tür vorbeiging, ständig verfolgte sie die Angst, dass Arod kommen würde und ihr schlimmes antun könnte.
Tatsächlich aber ließ sich Arod kaum blicken. Er schaute nur manchmal vorbei und dann versuchte er eigentlich nur mit ihr zu sprechen, ging jedoch wieder wenn er ihr Schweigen satt hatte. Er schien zu denken, dass er alle Zeit der Welt hätte und bemühte sich deshalb sie langsam auf seine Seite zu bringen. Doch Celebnîn wusste, dass Arod bald ungeduldig werden würde und sie fürchtete diesen Tag.
„Wie weit sind wir noch von Calentawar entfernt, Herr?" Legolas blickte auf eine seiner Karten und schätzte den Weg ab. „Ich denke wir werden bei Anbruch der Dunkelheit ankommen." Sein Berater blickte auf die Karte und schwieg eine Weile. „Wir sollten mit dem Angriff bis Tagesanbruch warten, mein Prinz. Nachts ist es zu gefährlich." Legolas dachte lange darüber nach. „Nein, mit jeder Minute wird die Gefahr für Celebnîn größer und ich ertrage es nicht sie noch länger in der Gewalt dieses Monsters zu lassen. Wir haben ja gesehen wozu er fähig ist." Legolas sah zur Mittagssonne hoch und betrachtete dann seine Männer, die sich mit Lembasbrot und Wasser stärkten. „Ich werde mit ein paar Männern eindringen. Wir werden die Tore für das Heer öffnen und Celebnîn so schnell es geht befreien. Ich verlasse mich auf euch, dass ihr ehrenhaft und geübt vorgeht. Ihr müsst die Stadt so schnell es geht einnehmen, möglichst ohne Unschuldige zu verletzen." Sein Berater nickte ernst und nach einer kurzen Pause ritten sie weiter.
Bei Anbruch der Dunkelheit erkannten sie in der Ferne die großen Mauern Calentawars. Legolas und die fähigsten seiner Männer ließen ihre Pferde zurück und wagten sich zu Fuß an die Grenzen der Stadt. Versteckt im Wald berieten sie lange wie sie die riesige Schutzmauer überweltigen konnten und fanden auch lange keine brauchbare Lösung. Schließlich aber fanden sie eine Schwachstelle. Durch ein sehr altes Stahlgitter, floss der Abfluss der Stadt nach draußen und mündete in einen kleinen Fluss, der an dem kleinen Königreich vorbeiführte. Das Gitter war unbewacht und könnte ohne große Mühen aufgestemmt werden. Jedoch machten sich die Männer Sorgen, dass der Lärm, der beim öffnen des Gitters entstand die Wachen aufschrecken könnte. Doch Lgolas kam eine Idee. Nahe der Stadt waren große Berge, die Steine und Geröll auf sich trugen. Es waren die Berge und Hügel, die Arods Reich von Imlardis abgrenzten. Sie sollten ihnen nun von Nutzen sein. Einige der Männer, die noch im Wald zurückgeblieben warn sollten eine kleine Gerölllawine verursachen, diese sollte die Geräusche des Gitters verschlucken. Sie durfte jedoch nicht zu groß sein, da sie die Wachen sonst misstrauisch machen könnte. Legolas vertraute da gänzlich auf seine Soldaten.
Bald war alles bereit und Legolas schlich mit einem Trupp von zehn Mann zu dem Gitter. Legolas ahmte den Ruf eines Falken nach, den die Truppen im Wald an die Männer auf den Hügeln weiter leiteten. So kam es bald zu einer Gerölllawine, deren Lärm groß genug war um das Geräusch des Gitters zu überdecken. Es brauchte alle Männer um das Eisengitter so schnell und leise wie möglich zu entfernen, der Rost und die schlechte Verankerung halfen ihnen dabei.
Jetzt musste alles ganz schnell gehen. Legolas schickte sechs Männer zu dem großen Tor um die Wachen möglichst lautlos unschädlich zu machen und das Tor für die Truppen, die sich draußen bereit hielten zu öffnen. Die vier restlichen Männer machten sich mit Legolas auf den Weg Celebnîn zu finden.
Es war jetzt tief in der Nacht, dies verschaffte ihnen den Vorteil, dass nur wenige Wachen patrollierten und kaum Bewohner unterwegs waren. Diesen konnten sie entweder aus dem Weg gehen, oder sie leise für eine Weile außer Gefecht setzen. Das größere Problem bestand darin Celebnîn zu finden. Der protzige Palast war groß und Legolas kannte sich kaum darin aus. Er versuchte es zuerst in den Zimmer in dem er sie das letzte Mal auffand, doch es war leer. Auch die Nebenzimmer stellten sich als unbewohnt heraus. Der dreistöckige Palast bat leider allzu viele Möglichkeiten, so entschlossen sich die Männer zur Trennung. Legolas erkundete alleine das Erdgeschoss, während die anderen Männer zu zweit das erste und zweite Stockwerk untersuchten. Sie waren schnell und diskret. Sie vermieden es jemandem zu begegnen und hatten ein Gespür dafür, welche der Zimmer von Angestellten des Palastes bewohnt warn. Innerhalb von eine Viertelstunde trafen sie sich wieder, leider ohne Erfolg.
Legolas hatte schon die Befürchtung Celebnîn würde sich in Arods Gemach befinden, als einer der Männer eine hinter einer Säule versteckte Treppe entdeckte. Es war keine Geheimtreppe, dennoch hatten sie sie nicht gleich bemerkt.
Mit gezogenen Schwert schritt Legolas voran und stieg die dunkle Treppe hinab. Sie führte die Männer in einen langen, höhlenartigen Gang, der mit ein paar Fakeln beleuchtet war. Sie hatten Glück, die einzige Wache, die sich in diesem Gang befand, schlummerte tief und fest an die Wand gelehnt und mit einem gekonnten Griff, verhalf Legolas dem Mann zu noch ein paar Stunden ungestörten Schlafes.
Der lange Gang hatte nur zwei Türen, beide waren versperrt. „Celebnîn?" Legolas flüsterte um nicht eine Scharr von Wachen anzulocken, doch es antwortete niemand. So mussten sie nun beide Türen öffnen. Mit verschlossenen Türen hatten sie bereits gerechnet und so hatten sie auch auf dem Weg nach Calentawar einen einzigartigen Schlüssel durch ein kompliziertes Verfahren hergestellt, der beinahe alle Türen öffnen konnte. So gelangen sie spielend leicht hinter die erste Tür, doch im Zimmer dahinter war nicht Celebnîn. Stattdessen bot sich ihnen der Anblick eines anderen Mädchens, dass übel zugerichtet war. Überall wies sie Verletzungen auf und ihr Blick war leer. Die langen, braunen haare des Mädchens hingen schlaff und kraftlos herunter und ihre Handflächen waren wund und blutig.
„Wer bist du?" Das Mädchen sah ihn an, jetzt regte sich etwas in ihr, ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Bitte tut mir nichts! Bitte..." Legolas ging zu ihr und nahm ihre Hand. „Keine Angst, wir wollen dir nichts tun, komm mit uns, wir bringen dich hier raus." Erst schien sie nicht zu glauben was er sagte und sah ihn misstrauisch an, doch Legolas hielt ihrem Blick stand und lächelte sie freundlich an. Schließlich stürzte sie vor und umarmte ihn, ihre Tränen übergossen sich über seine elbische Rüstung. Legolas war erst sehr überrascht über diese plötzliche Umarmung, dann jedoch hielt er sie fest und ließ ihr etwas Zeit sich wieder zu sammeln. „Wie heißt du?" „Miralia, Herr. Ich bin die Tochter des Bäckermeisters des Königs. Der König hat mich eingesperrt, als mein Vater seine Steuern nicht mehr zahlen konnte." Legolas verspürte immer mehr Wut gegen seinen ehemaligen Freund. „Du brauchst keine Angst mehr zu haben, wir befreien dich." Miralia nickte dankend. Legolas half ihr hoch und führte sie zu einem seiner Männer. „Das ist Haldamir, er wird dich beschützen. Du musst immer in seiner Nähe bleiben." Das Mädchen nickte und musterte mit Gefallen den strammen Soldaten.
Sie begaben sich nun zur zweiten Tür und Legolas steckte den Schlüssel in das Loch, doch er passte nicht. Ungeduld machte sich in ihm breit und er rüttelde an der Tür. „Herr?" Miralia meldete sich schüchtern und Legolas blickte sie verwundert an. „Der Wachmann hat den Schlüssel." Das ihm das nicht früher eingefallen war! Einer seiner Männer lief ur schlafenden Wache und nahm ihm den Schlüssel ab, so konnte Legolas endlich die Tür aufsperren.
Er betrat ein dunkles Zimmer und zweifelte schon daran, dass Celebnîn darin war, doch dann, im Schein der Fackel sah er eine schlafende Schönheit auf dem Bett liegen. Legolas´ Herz machte einen kleinen Sprung und sein ganzer Körper erwärmte sich. Langsam setzte er sich neben Celebnîn auf das Bett, sie schien nichts von dem Trubel mitbekommen zu haben. Er streichelte ihr sanft über ihre rosarote Wange, erst jetzt regte sie sich. Sie wachte auf und als sie Legolas sah fiel sie ihm in die Arme. „Es war also doch kein Traum!" Er lächelte „Nein, Melamin, es war kein Traum." Erst nach einer langen Zeit, die Legolas allerdings viel zu kurz vorkam lösten sie sich wieder voneinander. „Komm, wir müssen gehen."
