Hermine wurde von einem dumpfen Aufschlag geweckt. Sie riss die Augen auf und versuchte angestrengt zu lauschen. Wieder war ein Geräusch zu hören. Leise schlug sie die Bettdecke zurück und schlüpfte in ihre Hausschuhe.
Leise schlich sie sich zur Tür und öffnete diese einen Spalt. Helles Licht flutete ihr entgegen. Zwei Gestalten trugen einen leblos aussehenden Körper. Hermine kniff die Augen zusammen und erkannte die beiden Gestalten als ihre Eltern.
Sie öffnete nun die Tür ganz und trat in den Raum ein, wo ihre Eltern sich über den Körper beugten und ihn inspizierten.
„Mom? Dad?" fragte Hermine und sah entgeistert auf den scheinbar leblosen Körper, von dem eine blasse Hand schlaff herunter hing. Hermines Eltern hatten den Fremden auf dem abgenutzten Sofa abgelegt und schnauften erschöpft. Hermine klappte der Unterkiefer herunter. Ihr Blick wanderte von der Hand zum Gesicht, das nur schwer zu erkennen war, da es von Blut überlaufen war. Helle, blonde Haare klebten blutig an der Stirn und trotz des vielen Bluts war seine Haut blass. Es war ein Junge, etwa im Alter von Hermine und sie wusste genau wer er war.
„Mom, das ist-" sich brach fassungslos ab. „Malfoy!". Sie war schockiert, einerseits, dass ihre Eltern ihr Draco Malfoy ins Haus geschleppt hatten, andererseits, dass er so stark verwundet war und woher er plötzlich kam.
„Du kennst den jungen Mann?" fragte Mrs Granger überrascht, während sich Mr Granger daran machte, das Blut von Malfoys Stirn abzuwischen.
„Ja." Hermine starrte hinunter auf Malfoys Körper. „Ist er... tot?" fragte sie vorsichtig.
„Nein. Wir haben ihn gefunden, als wir einen kleinen Spaziergang machen wollten. Er lag gleich hier in der Nähe des Hauses." sagte Hermines Vater.
Hermine entschied sich, ihren Hass für einen kurzen Moment zu vergessen und sah besorgt auf Draco hinab. „Was – was ist passiert?" fragte sie und runzelte ängstlich die Stirn.
„Wir wissen es nicht, aber er sieht ziemlich mitgenommen aus..." Mrs Granger tupfte vorsichtig mit einem Tuch die zerschnitten Hände sauber. „Hermine, bring mal schnell eine Wolldecke aus dem Schrank... Und ein Kissen." fügte sie noch schnell hinzu bevor Hermine aus dem Raum verschwand.
Hermine stapfte fassungslos in das Schlafzimmer ihrer Eltern und öffnete einen Flügel des schäbigen Schranks. Es verletzte ihren Gryffindor Stolz, einen Slytherin zu bedienen. Wütend riss sie die löchrige Decke und das vergilbte Kissen aus dem Schrank und ließ dessen Türen wütend zuschlagen.
„Schätzchen, kannst du da irgendwas machen?" fragte ihre Mutter und zeigte auf Malfoys Wunde, als Hermine ihr das Bettzeug gab.
Sie verdrehte genervt die Augen, besah sich jedoch Malfoys Wunde. Sie war nicht besonders weit aufgerissen, jedoch zog sie sich über die linke Hälfte Malfoys Stirn.
„Mal sehen..." brummelte sie und stapfte zurück in ihr Zimmer. Sie wusste genau, welchen Zaubertrank sie anwenden musste, um Malfoys Stirn wieder zu richten, doch war sie nicht besonders versessen darauf, Malfoy zu pflegen.
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Als Hermine von den Strahlen der Sonne geweckt wurde, vielen ihr schlagartig die Geschenisse von gestrigen Abend ein und versuchte sich einzureden, dass sie nur geträumt hatte, doch spätestens als sie verschlafen in den Wohnraum eintrat und Malfoy sah, konnte sie sich nichts mehr vormachen und ein wütendesischen entfuhr ihrem Mund.
Malfoys Augenlider flogen auf, er versuchte sich zu bewegen doch fiel er, bei dem Versuch sich auf den Bauch zu rollen und sich dann hoch zu stützen, hart auf den Boden.
Verwirrt sah er die Decke in seinen Händen an, dann den Holzboden und dann wanderte sein Blick zu Hermine.
„Granger!" rief er erschrocken. „Was zum Teufel machst du hier?"
Hermine zog die Augenbrauen hoch. „Die Frage ist eher, was machst du hier?" sie verschränkte die Arme vor der Brust.
„Was ist das hier?" fragte Malfoy und sah sich in dem kleinen Raum um. Außer dem kleinen moosgrünem Sofa auf dem er die Nacht verbracht anscheinend hatte, stand noch ein kleines Regal aus dunklem Ahornholz. Der ebenfalls hölzerne Boden war abgenutzt und in den Fugen verfing sich der Schmutz. Malfoy hatte sich aufgerichtet, was ihm jedoch immer noch ziemlich schwer fiel.
„Das ist eine Ferienhütte." sagte Hermine abwertend. „Falls du es nicht gemerkt hast, ich wollte hier mit meiner Familie den Sommer verbringen und mich erholen, aber ich wollte garantiert nicht dich treffen!" rief sie aufgebracht. „Was suchst du hier?" sie funkelte ihn wütend an.
Draco verengte die Augen und überlegte, wie er wohl in dieses Zimmer kam, in dem Granger mit einem äußerst seltsamen Schlafanzug bekleidet vor ihm stand und auf seine Antwort wartete.
Er wollte ihr wütend etwas entgegen schleudern, doch schließlich seufzte er und gab fast flüsternd zu „Ich habe keine Ahnung wie ich hier her gekommen bin, das letzte woran ich mich erinnern kann -" Draco sah helles Licht vor seinem geistigem Auge. Jemand schrie. Er sah sich, wie er durch den Wald lief und sich hektisch umsah, ob ihm jemand folgte.
„Was? Malfoy! Beende deinen Satz!" Hermine sah ihn ungeduldig an.
„Wo sind wir?" fragte Malfoy verkrampft. Er musste sich vergewissern, dass er weit genug weg war.
„Wir sitzen hier irgendwo in der Pampas." antwortete Hermine gelangweilt, „und mich wunderte es wirklich, dass du hier her gekommen bist. Was willst du hier?" fragte sie nochmals.
„Ich bin nicht freiwillig hier her gekommen." Malfoy sah Hermine feindselig an.
„Und warum bist du dann hier?" fragte Hermine genervt.
„Ich..." begann Malfoy, doch dann brach er ab. „Ach was weiß ich, ich nehme an, du hast mich hier rein geschleppt."
„Genau Malfoy, ich brenne darauf mir meine Ferien, wo ich dich mal nicht ertragen muss, mit dir zu versauen, indem ich dich hier herschleppe." Feindselig starrte sie ihn an. Dann fügte sie seufzend hinzu, „Nein, das waren leider meine Eltern, die ihre Hilfe gerne jedem aufdrängen. Ich frage mich nur, was du in diesem Wald gesucht hast."
„Ahh, ihr seid schon wach," sagte Mrs. Granger bevor Malfoy etwas sagen konnte. „Nun ich nehme an, unser Gast wird hungrig sein. Hermine, hilf doch bitte deinem Dad Frühstück zu machen. Ich muss mich noch schnell umziehen."
Mrs. Granger, die in einem Morgenmantel gewickelt war, verließ den Raum und ließ Hermine und Draco zurück.
„Bilde dir ja nicht ein, dass ich dich bediene, Malfoy." warnte Hermine und rausche an ihm vorbei in die Küche.
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Draco saß an dem kleinen Küchentisch während Hermine geräuschvoll den Tisch deckte. Er fühlte sich ein wenig unwohl, da er weder Hermine beleidigen konnte, da ihr Vater sich mit ihnen ihm Raum befand, noch konnte er an etwas anderes als die vergangene Woche denken.
Alles passierte so schnell. Er war überfordert gewesen, die Bilder tauchten vor seinem geistigen Auge auf und trieben ihm Angst in alle Glieder, ein lauter Schrei in seinen Gedanken, ließ Draco wieder in die Gegenwart zurück kehren. Plötzlich bemerkte er, dass der Tisch bereits fertig gedeckt war und die Familie begonnen hatte, zu frühstücken.
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Draco stand vor der Tür, und sah finster in den Wald. Die Wiese stand im Wasser und am Himmel hingen schwarze Regenwolken. Die kleine Blockhütte befand sich auf einer weiten Wiese, von der man in das weit entfernte Tal hinab blicken konnte. Die Wiese endete zu beiden Seiten der Hütte und ging in einen dunklen Wald über. Der Wald, den Draco durchquert hatte. Verdammt, er konnte eigentlich froh sein hier bei Granger zu sein. Es hätte genauso gut anders enden können. Draco sah missmutig in den Wald. Er hatte keine Ahnung, wo hin er jetzt gehen sollte. Er war zu müde und erschöpft um weiter zu gehen. Als Draco den Kopf hob, um den Himmel zu betrachten, traf ihn ein einzelner Regentropfen im Gesicht, ein zweiter gleich darauf.
Die Tür hinter Draco ging auf. „Na komm rein, du erkältest dich sonst noch, bei diesem Wetter." Mrs. Granger zog Draco in das Haus und schloss die Tür. Wie Draco bemerkte, befand sich Hermine ebenfalls im Raum und starrte ihn hasserfüllt an.
„Also, ich denke, du kannst auf der Couch schlafen, wenn du länger bleiben-" setzte Mrs. Granger an wurde jedoch von ihrer Tochter unterbrochen. „Nein, will er nicht Mom. Malfoy will nicht lange bleiben." Hermine funkelte Malfoy wütend an.
Draco blickte zu Boden. Ihm war momentan nicht nach Streitereien mit Granger. Er dachte nach, es würde ein weiter, langer und qualvoller Weg sein, wenn er weitergehen würde, andererseits konnte er unmöglich hier bleiben, bei einem ganzen Pack von Schlammblütern und Muggeln. Doch was konnte er noch mit seinem seinem Stolz anfangen, wenn ihn doch seine Familie schon verlassen hatte? Hier bekam er Essen und einen Schlafplatz und am wichtigsten, ein Versteck. Er war außerdem geschützt von Regen und Wetter, doch konnte er sich nicht zumuten mit einem Schlammblut zusammen zu wohnen und erst Recht, konnte er sich nicht dazu erniedrigen, ein Muggel um Hilfe zu bitten.
Hermine betrachtete Malfoy wie er stupfsinnig den Boden betrachtete, wieso konnte er jetzt nicht einfach gehen? Plötzlich sah Malfoy auf. Er sah schwach aus, seine Augäpfel drehten sich nach oben bis sein Lid den weißen Augapfel bedeckten und sein blonder Kopf auf dem Boden aufschlug. Malfoy war in sich zusammen gefallen.
Wie am Tag zuvor lag Malfoys Körper reglos auf dem Boden. Entsetzt schlug Mrs. Granger die Hände vor den Mund und kniete sich sogleich neben ihn. Im ersten Moment, war Hermine erleichtert, doch dann sah sie die Blider des Abends, an dem ihre Eltern Malfoy hergebracht hatten. Er war schwer verletzt, erschöpft und seine Wunde zierte immer noch seine Stirn. Sie hatte ihm nicht geholfen.
Einem plötzlichen Impuls folgend stürzte Hermine besorgt zu Malfoy hinunter und schüttelte ihn. „Malfoy," flüsterte sie, „Malfoy, wach auf, bitte." entsetzt starrte sie in das bleiche Gesicht Malfoys und dessen Wunde. „Malfoy!" wisperte sie verzweifelt. „Verdammt, wach doch auf!" Sie war fast den Tränen nahe.
„Er ist nicht tot," stellte Mrs. Granger trocken fest. „Komm, hilf mir, ihn wieder auf das Sofa zu legen."
Hermine widerstrebte dies ein wenig, doch nach einigem Zögern nahm sie seine Schultern und platzierte Malfoy mit Hilfe ihrer Mutter auf dem Sofa.
„Ich denke, es wäre das beste wenn wir ihn einige Tage hier behalten würden." sagte Mrs. Granger und übersah das bloße Entsetzten im Gesicht ihrer Tochter.
„Aber Mom-" begann Hermine, doch wurde sie von ihrer Mutter unterbrochen.
„Sei still, es ist dringend nötig, dass wir uns um ihn sorgen." erwiderte sie ernst.
Hermine blickte ihre Mutter trotzig an und verschwand in ihr Zimmer.
„Schlaf ein wenig." flüsterte Mrs. Granger zu Malfoy und betrat die Küche um ihrem Mann alles zu berichten.
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Nachdem Draco sich versichert hatte, dass er allein war, öffnete er die Augen und grinste triumphierend. Die nächsten Tage hatte er zu mindestens schon ein Versteck und Verpflegung, ohne einen von diesen Muggeln zu bitten. Und das war reiner Luxus für ihn, verglichen mit den letzten Tagen.
Die letzten Tage...
Draco erschauderte, wie weit war es gekommen? Er wusste nichts vom Zustand seiner Mutter, was ihm Sorgen bereitete, obwohl sie ihn verlassen hatte. Draco sah die Bilder wieder und wieder vor sich, dieser Schrei, der Schmerzen in seinem Inneren bereitete. Schmerzen, die sie ihm bereiteten und das grüne Licht, dass den Wald an jenem Abend erfüllte.
Draco schloss gequält die Augen, möge er doch in der Lage sein, diese Gedanke zu bannen. In diesem Augenblick öffnete Granger die Tür.
„Oh, wie ich sehe bist du wieder wach. Du hast zwar die Augen geschlossen, doch dieser Gesichtsausdruck spricht eindeutig für Schmerzen."
„Ja, Granger, in der Tat, ich bin wach. Die Frage ist bloß, ob ich nicht die ganze Zeit wach war." er grinste sie süffisant an.
Hermine öffnete den Mund, jedoch ohne etwas zu sagen.
„Malfoy, Malfoy, wach auf bihihiteee... Ich dachte nicht, dass du mich so schmerzlich vermissen würdest, wenn ich von dieser Welt gehe." er zog fragend die Augenbrauen hoch.
Hermine runzelte verwirrt die Stirn. „Du, du warst wach?" sie nahm einen rosigen Ton an. „Nun, Malfoy ich bin im Gegensatz zu dir, eben menschlich." Hermine stuzte, „aber, warum hast du das getan? Warum willst du hier bleiben?"
„Granger, das sind Dinge, die du nicht verstehst." antwortete Malfoy schroff.
„Nun wenn das Dinge sind die ich nicht verstehe, dann denke ich, kannst du dieses Haus hier auch gleich verlassen." sagte Hermine gereizt und wies mit ausgestrecktem Arm auf die Tür.
„Granger, glaub mir, es ist nicht an der Zeit es dir zu sagen." Malfoys Stimme nahm einen bittenden Klang an.
„Aber... wirst du es mir sagen?" Für einen Moment, hatte Hermine vergessen, mit wem sie sprach. „Ich meine, Malfoy, überleg dir, ob du hier bleiben willst oder nicht, aber wenn ja, dann sag mir bitte deinen Grund." fügte sie dann gereizt hinzu und verließ den Raum.
Entsetzt darüber, dass sie mit Malfoy darüber diskutierte ihn hinaus zu meißen anstatt es zu tun, ließ sie ernsthaft überlegen, ob sie noch geistig bei gesundem Verstand war. Hermine ließ auf ihr Bett fallen, legte sich unter die Bettdecke und dachte über das nach, was Malfoy eben gesagt hatte. Den Kopf voller verwirrender Gedanken schlief sie schließlich ein und wurde nicht von Mrs. Granger zum Abendessen geweckt.
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Draco lag auf dem viel zu weichen Sofa und hatte die Augen geschlossen, damit nicht wieder Grangers nervig fürsorglich Mutter kam und fragte ob mit ihm alles in Ordnung sei. Wenn er vorgab zu chlafen, würde sie es nichtr wagen in von seiner Erholung zu wecken.
Hermine war spät aufgewacht. Leise schlich sie zur Tür in der Hoffnung, sie würde Malfoy nicht antreffen. Sie öffnete die Tür einen Spalt breit und stellte erleichtert fest, dass er schlief. Als sie jedoch versuchte an ihm vorüber zu schleichen, drehte er sich jäh um und blickte sie aus kalten Augen an.
„Du kannst mich doch nicht mit diesen Muggeln allein lassen." zischte er wütend.
Ein kleiner Schrei entfuhr Hermines Mund, bevor er sich zu einer harten Linie formte.
„Diese Muggel sind meine Eltern und du wirst sie respektieren, sonst sitzt du DA DRAUßEN!" die letzten beiden Wörter schrie Hermine Draco ins Gesicht und wies abermals auf die Tür.
„Schon gut, ich..." murmelte Draco, „... hatte für eine kurzen Moment vergessen, dass wir auf verschiedenen Seiten stehen." beendete er den Satz in Gedanken und schämte sich ihrer. Stattdessen vollendete er den Satz reumütiger als von ihm beabsichtigt. „... bin es nicht gewohnt mit Muggeln zusammen zu leben." Er hoffte, dass Hermine ihn nicht verstand. Sein Stolz war wirklich gesunken und er mit ihm.
