„Wie läuft das mit dir und deinem Ex?"
„Katharina
ist oft bei David, manchmal für einen Nachmittag, manchmal für
ein ganzes Wochenende. Und im Sommer fährt er mit ihr vielleicht
eine Woche nach Sylt."
„Verstehst
du dich gut mit ihm?"
„Ja.
Vor der Scheidung haben wir uns oft gestritten, aber jetzt verstehen
wir uns wirklich gut."
„Ich
war erst voll sauer, nachdem er Schluss gemacht hat. Er hat gemeint,
dass er nicht mit mir zusammen sein kann. Erst da hat er erzählt,
dass ihm eine Frau mal ziemlich wehgetan hat und er diese Frau
trotzdem nicht vergessen kann. Dass er sich nicht auf eine größere
Sache einlassen will und dass es mir gegenüber unfair währe,
einfach alles weiterlaufen zu lassen und nichts zu sagen. Wir haben
uns vorher schon oft gestritten und ein Kind war eigentlich auch
nicht geplant. Aber abtreiben war für mich kein Thema."
Lisa
starrte ihre Kaffeetasse an. Jetzt hatte sie keine Zweifel mehr.
Marie war wirklich mit Rokko zusammen gewesen, Sasha war sein Kind
und er hatte Schluss gemacht. Wegen einer Frau, die ihm sehr wehgetan
hatte. Wegen ihr? Besser, ich sag ihr nichts davon, dass ich Rokko
kenne, oder das ich mit ihm zusammen war oder dass ich ihn fast
geheiratet hätte…
„Mama,
der Film ist aus!", rief Sasha vom Sofa. „Mama!" Marie stand
auf und schaltete den Fernseher aus.
„Dann
müssen Katharina und ich jetzt nach Hause gehen.", meinte Lisa
und stand ebenfalls auf. „Tschüs Sasha, tschüs Marie."
Marie brachte die beiden zur Tür.
„Ich
ruf heute Abend an."
„Ok,
tschüs ihr zwei!"
Katharina
hüpfte vor Lisa die Treppe hinunter. Lisa beruhigte sich langsam
wieder. Immer wieder fragte sie sich, warum sie sich eigentlich so
darüber aufregte.
Es
klingelte. Lisa ging zur Tür.
„Hi
Lisa."
„Hi
Marie. Komm rein, ich bin gleich fertig."
Lisa
holte ihre Handtasche aus dem Schlafzimmer, nahm die Jacke vom Bett
und den Schlüssel von einem Regal im Flur.
„Wir
können los."
Marie
stand im Wohnzimmer und sah sich die Fotos auf der Fensterbank an.
Katharina im Alter von 2 Jahren, mit Helga und Bernd, im
Kindergarten, auf Sylt… Sie drehte sich um.
„Richtig
süß, die Kleine."
Bald
darauf saßen sie im Taxi und fuhren zur Tikibar.
„In
der Tiki war ich schon lang nicht mehr. Ich war ein paar Mal mit
Rokko da, wir haben auch mal ein paar alte Arbeitskollegen von ihm
getroffen."
Arbeitskollegen…
Hannah und Timo waren oft in der Tikibar, auch Hugo hatte sie hier
schon ein paar Mal getroffen. Sie wollte nicht, dass Marie erfuhr,
dass sie Rokko kannte; weder von ihr selbst noch von anderen.
Hoffentlich sind Hannah und Timo nicht da…
Das
Taxi hielt. Marie zahlte und die beiden Frauen stiegen aus. In der
Bar war schon einiges los. Lisa konnte weder Hugo noch Hannah und
Timo entdecken. Sie folgte Marie, die gerade zwei Gläser Sekt
bestellte, zur Bar.
„Marie!"
Sie drehte sich um. Vor ihr standen zwei bunt gekleidete Frauen. Eine
trug ein giftgrünes T-Shirt zu einer schwarzen Hose, die andere
ein feuerrotes Kleid.
„Hey
Sarah!" Sie umarmte die Frau mit dem Grünen Shirt.
„Und
Moni!"
„Was
machst du denn hier? Hab dich schon ewig nicht mehr gesehn! Wo ist
Sasha?"
„Sasha
ist bei Rokko. Ich wollte heute mal mit Lisa ausgehn." Marie wog
Lisa zu sich und zeigte auf die Frau im grünen Shirt.
„Das
ist Sarah." Lisa fiel auf, wie stark sie geschminkt war. „Und das
ist Moni." Sie zeigte auf die andere Frau. Sie hatte kurze,
schwarze Haare einen Teil davon mit viel Gel zu einer Art David
Beckham-Frisur gestylt. Die Haarspitzen waren so rot wie ihr Kleid.
„Hi
Lisa." Beide hatten ein Glas mit einem orangenen Cocktail in der
Hand.
Zu
viert setzten sie sich an einen Tisch. Moni und Sarah musterten Lisa.
Diese schaute immer wieder irritiert zu Marie, die Moni und Sarah
erzählte, wie sie Lisa kennen gelernt hatte.
„Ihre
kleine Tochter ist so süß!", schwärmte sie. Dann
erzählte sie noch eine Weile von Sasha. Moni und Sarah nickten
nur, auch Lisa kam nicht zu Wort. Mittlerweile hatte sie sich auch
diesen orangenen Cocktail bestellt und nippte daran. Das Zeug war
süß, schmeckte nach Orange und Zucker.
Noch
zwei weitere Stunden saß sie mit Lisa, Moni und Sarah in der
Bar, doch sie hörte keinem der dreien wirklich zu, wie sie sich
über ihre Exfreunde beklagten und erzählten, was sie in den
letzten Monaten alles gemacht hatten. Ihre Gedanken kreisten um
Sasha, Marie und Rokko. Keiner der Frauen am Tisch fiel auf, dass
Lisa auf einmal blass war. Sie wusste jetzt, warum sie sich so
aufgeregt hatte: eil Sasha auch ihr Kind hätte sein können.
Lisa lag in ihrem Bett und schaute sie Decke an. Doch so weit sah sie gar nicht. Sie sah nur das Bild von ihr und Rokko. Sie saßen in der S-Bahn. Neben ihn saß jedoch nicht nur ein kleiner Junge, sondern auch ein kleines Mädchen mit blonden Haaren.
