7. Karten auf den Tisch

Sirius

Mir war es egal, dass ich den Clown machte. Das einzige, was wirklich zählte, war Lilys Lachen. Das mag vielleicht idiotisch klingen, aber allein, dass sie lachte, erfüllte mich mit angenehmer Wärme. Auf einmal wurde ihr Blick kalt und fixierte einen Punkt oberhalb meiner Schulter. Ihre Wangen röteten sich, die Augenbrauen zogen sich zusammen. Ich schaute mich um, um festzustellen, wer sie so durcheinanderbringen konnte, und ich sah ... meinen besten Freund.

James errötete etwas unter dem durchdringenden Blick der Rothaarigen. Er lächelte ihr verkrampft zu und sie entspannte sich schließlich. Kate war besorgt. Sie hatte diesen stillen Blicktausch beobachtet. James konnte nicht … er konnte doch nicht wieder einen Rückfall haben! Nicht noch einmal! Er musste sich von Lily fernhalten. Koste es, was es wolle. Sie war ihre beste Freundin. Wenn James sie wirklich lieben würde …

„Hey, die Potters!" erklang eine heitere Stimme, die Kate sofort als die von Sirius erkannte. James zuckte zusammen und schien wieder zu sich zu kommen. Er fuhr sich nervös durch die Haare und machte einen Schritt – der einen selbstsicheren Eindruck machen sollte – auf den kleinen Ecktisch zu.

Nachdem sich alle hingesetzt hatten und vier kalte Butterbier bestellt hatten, fing Sirius an „Lily und ich … wir müssen euch etwas sagen …" und nahm Lilys Hand.

James erbleichte, als er dies sah, während Kate leicht lächelte.

„Wir … äh … sind zusammen … also äh wir sind ein Paar." schloss Sirius ungeschickt und vermied James' Blick. James Flasche fiel mit einem dumpfen Knall auf dem Boden, während Kate von Freude hüpfte.

„Ooooh, das ist wunderbar! Herzlichen Glückwunsch meine kleine Lily" rief sie und nahm ihre Freundin in ihre Arme.

Diese Reaktion überrumpelte Lily und ein großes Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit, als sie ihre alte Kate und ihr altes Lächeln wiederfand. Sie sah, dass das idiotische Grinsen von Sirius größer wurde und als Kate sie endlich los lies, umarmte sie unter aller Erstaunen auch Sirius.

James jedoch …

Seine Wange zuckte nervös. Seine Augen schienen sehr weit weg, und ihr Funkeln war brutal erloschen. Seine Hand zitterte. Er sprang auf und rannte aus den Drei Besen.

Die anderen brauchten nur wenige Sekunden um zu reagieren. Kate sprang auf und lief ihm hinterher. Schließlich verschwanden sie hinter dem Regenvorhang. Geschockt, machte Lily dasselbe und ließ einen überraschten Sirius stehen. Draußen regnete es große Tropfen.

Verdammt!

Sie atmete tief ein und lauschte, um James durch das Toben des Windes zu hören. Egal, sie kümmerte sich nun nicht mehr um ihr Make-up. Lily schloss ihre Strickjacke bis nach oben hin und ging los. Intuitiv schloss sie die Augen, um sich vor der Kälte zu schützen. Sie konnte die Silhouetten von Kate und James sowieso nicht erkennen. Wo konnten sie nur sein?

Da hatte sie eine Idee. Im fünften Schuljahr hatte Lily aus sicherer Quelle gehört, dass die Rumtreiber in einer alten Scheune Unterschlupf suchten, um ihre Reserve an Butterbier zu verstecken, die Lily und Kate ihnen stibitzen wollten.

Nur da konnte James sich versteckt haben. Das war am nächsten und am sichersten. Tippelten Schrittes rannte sie Richtung Scheune. Bald erkannte sie den Wetterhahn, der das Dach der Scheune schmückte. Seltsamerweise hatte er die Form eines großen schwarzen Hundes und schwankte gefährlich im Wind.

Lily schützte ihr Gesicht mit ihren Armen und erreichte endliche den Eingang der Scheune Padfoot , wie sie die Herumtreiber seltsamerweise genannt hatten.

„Beruhige dich" befahl eine Stimme, die der Kates sehr ähnelte.

Lily blieb stehen, sie hatten sie nicht gesehen. Noch nicht. Sie, das waren James und Kate, die sich so hart stritten, dass sie sich fast ins Gesicht spuckten.

„NEIN ICH KANN NICHT MEHR! VERSTEHST DU DAS! ICH KANN NICHT MEHR SO TUN, ALS OB ICH DICH LIEBE! ALS OB SIE MIR EGAL WÄRE! Brüllte James unter Tränen.

"DU HAST KEINE WAHL!" schrie Kate und hielt ihn an seinem Pullover fest.

„Man hat IMMER eine Wahl!" schrie James und stieß sie weg.

„Was willst du? Wir haben geschworen, uns für sie zu opfern! Erinnere dich!" brach es aus Kate raus, die nahe eines Nervenzusammenbruchs war.

„Ich konnte nicht … ich konnte mich nicht zurückhalten!" stotterte James, mit ernster und trauriger Miene.

„Ich weiß, dass muss schwierig für dich sein." antwortete Kate mit sanfteren Ton. „Es tut mir auch weh! Aber nur wir können sie retten!"

„Aber andere werden sterben!" seufzte James bitter.

„Ich weiß …"anscheinend hatte sie darauf keine Antwort. Sie verstummte. „Wenn nur meine Mutter nicht diese verdammte Prophezeiung gemacht hätte!" fuhr sie fort.

Kate erinnerte sich noch sehr genau an den Nachmittag, den sie mit James und ihrer Mutter zusammen verbracht hatte. Ihre Mutter war Wahrsagerin. Und genau an diesem schrecklichen Nachmittag hatte sie eine Prophezeiung verkündet. Es ist ja bekannt, dass der Prophet sich nie mehr an seine Prophezeiung erinnert. Und nur James und Kate hatten sie gehört und dieses Geheimnis in den Tiefen ihrer Herzen verborgen.

„Sprich ja nicht von dieser Prophezeiung."

Aber Kate murmelte sie mit trauriger Stimme vor sich hin, wie eine dumme und verfluchte Litanei. Es musste raus, zu lange schon, wurde sie davon gequält.

Die Blume muss wählen zwischen dem Hirsch und dem Hund

Leben oder lieben

Überleben oder sich opfern

Mit dem Hirsch vereint, der durch die Wälder läuft,

wird ein Kind entstehen

ein Kind, das uns alle erlösen wird.

Doch wird sie ihr Leben lassen.

Vereint mit dem Hund,

verliert sich unsere Welt in der Dunkelheit.

Die Blume jedoch wird im endlosen Glück leben.

Geschützt, geliebt und glücklich

Bis ans Ende ihrer Tage."

James stöhnte und vergrub seinen Kopf in seinen Armen.

„Ich will nicht … ich will nicht, dass sie stirbt!"

„Also müssen wir weiter lügen!" rief Kate, mit entschlossenem Blick und Tränen in den Augen.

Etwas weiter weg, wich Lily voll Schrecken zurück. Eine Kälte ergriff sie, ihr Gehirn war erfroren, ihr Körper gehorchte ihr nicht mehr. In ihren Adern pulsierte die Verunsicherung. Die kleine Blume war sie. Sterben oder lieben. Überleben oder sich opfern …

Sie stieß gegen jemanden. Sie hob ihre großen grünen verängstigten Augen zu Sirius. Sein Gesicht war verschlossen. In seinen Augen glitzerten Tränen. Er hatte es gehört. Er hatte verstanden, dass Lily die Wahl hatte. Leben mit ihm oder sich opfern, um sie alle zu retten…

Ein Windstoß riss den Wetterhahn in Form eines Hundes vom Dach, der brutal auf dem Boden zerschellte. Sirius spürte, wie etwas in ihm zerbrach.