Lycienne: Danke für dein Review! Ja, ich wusste, wer Natalie ist. Das fand ich interessant an ihr, also habe ich sie zu meiner Hauptperson gemacht und nicht eine der anderen nicht weiter erwähnten Schüler. Die Geste von Rowling fand ich auch genial!
Marlia: Klar schreib ich weiter ;) Danke und viel Spaß beim Lesen!
MidsomerMelody: Danke schön. Das Gute bei Nebenpersonen ist, dass man sich bei ihnen so viel ausdenken darf. Ich darf sogar beschließen, wie Natalie auszusehen hat. Hach, diese Macht ;)
Kapitel 2
Als die Schüler die Große Halle betraten, sahen sich die allermeisten überrascht und teilweise entsetzt um. Statt der üblichen vier Haustische und dem Lehrertisch stand nur ein einziger dort, direkt unter der magischen Decke, aus deren dunklen Wolken die Regentropfen fast bis auf die Köpfe der Schüler fielen.
An der Stirnseite des Tisches stand Dumbledores großer Lehnstuhl, doch er war leer. Professor McGonnagal und Slughorn saßen dem unbesetzten Stuhl am nächsten, neben ihnen Flitwick, Sprout und der spärliche Rest des Lehrerkollegiums.
Ungewöhnlich leise und sichtlich unzufrieden verteilten die Schüler sich auf die Bänke.
„Was meinst du, was soll das?" murmelte Natalie ihrem Banknachbarn Dennis zu.
Der zuckte die Schultern. „Wir sind so wenige, da haben sich die Haustische nicht gelohnt, nehme ich an. Aber wieso sitzt McGonnagal nicht auf dem Schulleiterplatz?"
„Vielleicht soll das eine ehrende Geste sein. Du weißt schon, so eine Art Zeichen, dass Dumbledore nicht zu ersetzen ist", schlug Natalie vor.
Jack Sloper, der auf Natalies anderer Seite Platz genommen hatte, nickte. „Kann sein." Er sah nachdenklich zu den Lehrern hinüber. „Hey!" rief er dann leise. „Das ist doch Professor Lupin! Er war Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste in meinem ersten Schuljahr!"
Natalie reckte ebenfalls ihren Kopf. „Der neben der Frau mit den lila Haaren? Sieh ziemlich müde aus, der Kerl. Außerdem – ich dachte, Neville Longbottom würde Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten."
Jack hatte keine Zeit mehr, zu antworten, da die Tür der Großen Halle mit einem Ruck aufging. Schlagartig wurde es still und alle siebenundzwanzig Anwesenden drehten sich zum Eingangsportal um.
Hinein spazierte Luna Lovegood, ihr Haar schmutzig-blond wie immer, mitsamt Butterbierkorkenkette und Zauberstab hinter dem Ohr. Nur ihr Gesicht war anders als je zuvor, ihre Wangen glühten rosa vor Stolz und ihre Glubschaugen strahlten. Der Grund dafür ging an ihrer Seite. Die Ähnlichkeit zwischen Luna und dem Mann neben ihr war so unverkennbar, dass es sich nur um ihren Vater handeln konnte.
Mr Lovegood trug eine Stoffhose, die von einem mit glitzernden Steinen besetzten Gürtel in der Taille zusammen gehalten wurde. Unter dem Hosensaum blitzen graue Drachenlederstiefel hervor. Das Seltsamste war vielleicht das in allen möglichen und unmöglichen Farben schillernde Cape, dass Mr Lovegood mit blasierter Miene zur Schau trug. Sein Zauberstadt klemmte ihm nicht hinter seinen abstehenden Ohren, sondern hing an einer großgliedrigen silbernen Kette um seinen Hals. Natalie konnte sich nur fragen, wie er seinen Zauberstab in gefährlichen Situationen schnell ziehen wollte.
Mr Lovegoods Haare waren schüttern, aber von der gleichen Farbe wie die von Luna. Seine blassen Augen traten genauso hervor wie ihre und seine Wangen waren ebenso erhitzt.
„Professor Lovegood", brach Professor McGonnagal die fassungslose Stille. „Setzen Sie sich. Willkommen zurück, Miss Lovegood."
Zielstrebig ging der Redakteur des Klitterers auf Dumbledores Stuhl zu und zwinkerte unterwegs der lilahaarigen Frau zu, die es schelmisch erwiderte. Natalie fiel auf, dass Professor Lupin den Mann zornig anstarrte.
Luna setzte sich neben Michael Corner an das andere Ende des Tisches und winkte Ginny fröhlich zu. Die hob ebenfalls lahm die Hand und ließ sie schnell wieder sinken. Sie war zu beschäftigt, den Vater ihrer Freundin zu mustern.
„Wollen Sie vielleicht ein paar Worte sagen", forderte Professor McGonnagal ihn missbilligend auf.
„Oh", meinte Lovegood und kratzte sich am Kinn. „Natürlich." Seine Stimme war beinahe so rauchig wie die von Professor Trelawny. Er stand auf. „Willkommen zurück in Hogwarts, junge Zauberschüler. Es freut mich, nach vierunddreißig Jahren wieder hierher zurückzukehren, noch dazu in der Funktion als Schulleiter. Bedauerlich ist, dass mein Magazin jetzt nur noch alle zwei Monate erscheinen kann, aus Zeitmangel, Sie verstehen." Sein unsteter Blick schweifte über die Schülerschar. „Ich hoffe, mehr Sicherheit in Ihre Schule bringen zu können. Aus diesem Grund habe ich Tonks -" Die lilahaarige Hexe grinste Lovegood zu und er winkte begeistert. „- habe ich Tonks angewiesen, in der Schule Fliegenpilze zu züchten, um die Kobolde fernzuhalten." Tonks Lächelnd gefror und sie sah sich peinlich berühr um. Die Schüler sahen sich verdutzt an.
„Außerdem bat ich sie, den Riesenkraken im See mit einem sehr geheimen Fluch zu belegen, der mit dem Wabbelserum, das aus den Poren des Kraken kommt, einen äußerst wirksamen Schutz gegen möglicherweise von Sie-Wissen-Schon-Wem ausgesandte Gammelfrösche ergibt. Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Schuljahr – vielen Dank!"
Lovegood setzte sich wieder und zwei oder drei Schüler klatschten ein wenig, hörten aber gleich wieder auf. Die meisten waren einfach noch zu geschockt, um reagieren zu können. Luna strahlte ihren Vater an.
Doch McGonnagal lehnte sich zu dem neuen Schulleiter herüber und murmelte ihm etwas zu.
Lovegood sprang wieder auf. „Natürlich, natürlich, wie konnte ich das vergessen. Die Lehrer, ja, die Lehrer. Die Schule verlassen haben Professor Hagrid, Professor Trelawny – nun, ab jetzt denken Sie sich das ‚Professor' – Snape, Sinistra, Hooch und Raue-Pritsche.
Damit heißen die Lehrer der Fächer wie folgt..."
Er tippte mit seinem Zeigefinger seinen Zauberstab an, der sich mit einem Klick von der Kette löste und zu Boden fiel. Lovegood fing ihn elegant auf, führte ein paar schwunghafte Bewegungen mit ihm aus und hängte ihn mit einem leisen Spruch wieder an der Kette auf.
Die Schüler starrte ihn verwirrt an, bis sich ihre Blick langsam zu den Regetropfen wandten, die in der Luft stehen geblieben waren und Worte bildeten.
Schulleiter – Imaginon Lovegood
Verwandlung – Minerva McGonnagal
Zauberkunst – Filius Flitwick
Kräuterkunde – Pomana Sprout
Zaubertränke – Horace Slughorn
Verteidigung gegen die Dunklen Künste – Neville Longbottom
Arithmatik – Sinus Vektor
Geschichte der Zauberei – Phasmarc Binns
Wahrsagen – Firenze
Pflege magischer Geschöpfe – Sally-Anne Perks
Astronomie – Blaise Zabini
Natalie war von der Wahl der Lehrer nicht sehr überrascht. Das Neville Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichten sollte, hatte sie schon gehört; Sally-Anne Perks´ Vorliebe für die mannigfaltigsten Tierchen war bekannt; und auch, dass Zabini ein sehr guter Schüler war, besonders bewandert in Sternenkunde.
So konnte sie ich gut mit anderen Gedanken beschäftigen. „Wie bei Merlin kommt der verrückte Klitterer-Typ dazu, Schulleiter zu werden?"
Das hatte sie ein wenig zu laut gesagt. Luna, die nicht weit entfernt saß, wandte den Blick von ihrem Vater und sah Natalie böse an. Die schaute schnell woanders hin.
„Wir bei Merlin kommt Blaise Zabini dazu, zu unterrichten?" flüsterte Ginny, die Natalie gegenüber saß, heiser. „Astronomie ist mein Lieblingsfach. Oder, besser gesagt, war!"
Colin hatte sich schon wieder gefangen. „Astronomie oder dieser kuschelige, romantische Astronomieturm?" grinste er.
Ginny schien seine Bemerkung nicht einmal gehört zu haben.
Genau wie Colin erholte Jack sich schnell von dem Schock, den Lovegood ausgelöst hatte.
„Bestimmt hat Dumbledore irgend einen Hinweis gegeben, dass Lovegood Schulleiter werden soll. Sonst wäre McGonnagal doch Nachfolgerin gewesen."
Natalie nickte abwesend. „Hast recht", murmelte sie. „Wer, der bei klarem Verstand ist, würde Lovegood den Posten anbieten?" Sie achtete diesmal darauf, dass Luna sie nicht hören konnte.
Doch Luna hörte nicht auf, Natalie beleidigt zu beobachten.
Das Essen verlief leise und ungemütlich. Während die Schüler sich nur im Flüsterton unterhielten und die Lehrer sich in abweisendes Schweigen hüllten, unterhielt Lovegood sich lautstark mit Tonks. Die Hexe schien sich gut zu amüsieren, wenn Lovegood gerade nicht wilde Verdächtigungen von Kobolden, Vampiren und Kleinriesen verbreitete. Lupin bedachte jede von Lovegoods Bemerkungen mit einem sehr finsteren Blick.
Die meisten aßen nicht so viel, wie sie es sonst immer getan hatten, obwohl das Essen wie vorher vorzüglich schmeckte.
Schließlich verschwanden die Teller, Schüsseln und Platten und ließen einen leeren Tisch zurück. Lovegood erhob sich wieder.
„Ich nehme an, Sie sind alle satt geworden. Begeben Sie nun in ihren Gemeinschaftsraum. Die bezaubernde Tonks wird Sie dorthin führen. Ach, und auch Mr Lupin. Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht!"
Er winkte Tonks noch einmal zu.
Unschlüssig standen die Schüler auf.
„Gemeinschaftsraum?" wisperte Jessica Dinns den anderen Gryffindors zu. „Einen Raum? Was soll das denn?"
Tonks und Lupin führten die verständnislosen Schüler aus der Großen Halle, einige Treppen hoch und ungewohnte Gänge entlang, dann standen sie vor dem Portrait eines jungen, sehr attraktiven Zauberers. Seine kohlschwarzen Augen musterten die Schülerschar und er zwinkerte der hübschen Eleanor Branstone zu, die prompt rot anlief.
„Das Passwort ist Einheitsbrei!" verkündete Tonks, das Portrait schwang zur Seite und gab den Blick auf einen gemütlichen, großen Raum frei. Die Wände waren in hellen Erdtönen gehalten, Sessel und Sofas, die vor einem Kamin mit prasselnden Feuer standen, waren mit dunkelgrünem und blasgelbem Stoff bezogen. Vom kreisrunden Zimmer gingen fünf Türen ab.
„Ihr Gemeinschaftsraum", erklärte Lupin, als alle eingetreten waren. „Wir haben Sie nicht mehr nach Häusern eingeteilt. Einerseits, weil Sie sowieso nicht mehr so viele sind und so in jedem Haus eh nur noch höchstens sieben oder acht Schüler sind. Andererseits, weil es uns leichter macht, Sie zu schützen. Tonks und ich sind für euren Schutz zuständig. Wir wohnen in jenem Zimmer." Er wies auf die mittlere Tür. „Es gibt je zwei Schlafsäle für Schülerinnen und für Schüler. Dort schlafen die Mädchen von der ersten bis zur vierten Klasse, daneben die älteren Schülerinnen. Auf der anderen Seite die Jungen der ersten bis vierten Klasse und hinter der letzten Tür der Rest." Lupin zeigte nacheinander auf die vier anderen Türen. „Bis um zehn Uhr haben Sie sich im Gemeinschaftsraum zu sein, wenn sie nicht die schriftliche Erlaubnis eines Lehrers oder von Tonks und mir vorzuweisen haben. Bis um zwölf Uhr müssen Sie in Ihren Schlafsälen sein. Das wär´s erst einmal. Euer Gepäck befindet sich in euren Schlafsälen. Geht erst einmal hinauf."
Tonks strahlte die versammelten Schüler an und verschwand dann mit Lupin in ihrem Zimmer.
„Na, wunderbar", spottete Zabini. „Das Passwort passt – Einheitsbrei!" Wütend marschierte er zur Tür seines Schlafsaales.
Jack, Colin, Neville und Michael Corner folgten ihm.
David Sloper, Malcolm Baddock und Dennis verschwanden in den anderen Jungenschlafsaal.
„Na dann", murmelte Ginny und stieß die Tür zu ihrem Schlafsaal auf. Mit Jessica Dinns, Padma Patil, Sally-Anne Perks, der verträumten Luna und der unzufriedenen Morag McDougal ging auch sie.
Natalie sah sich unter den verbliebenen Mädchen um. Die Jüngste, Nadine Telkens, ging mit ihrer Freundin Rose Zeller zur Schlafsaaltür. Emma Dobbs hakte sich bei Eleanor ein und zog sie mit sich, den beiden Freundinnen hinterher. Natalie runzelte die Stirn. Da stand sie nun alleine. Achselzuckend folgte sie den anderen Mädchen. Das fing ja gut an.
Rasch entdeckte Natalie ihr Himmelbett, vor dem ihr Koffer schon stand. Die Betten waren im Kreis angeordnet und sie würde neben Emma schlafen, auf der anderen Seite war eine weitere Tür, die wohl zum Waschraum führte.
Nadine und Rose saßen auf dem Bett der Älteren und plauderten aufgeregt über den neuen Gemeinschaftsraum und die Möglichkeiten, die sich nun öffneten. Natalie war verdutzt, als sie den Namen Malcolm Baddock aufschnappte, das Gekicher der beiden hörte und Roses verlegenes Gesicht sah. Baddock war wirklich nicht der Junge, in den man sich verliebte. Auch nicht, wenn man Rose Zeller hieß.
Emma hatte Eleanor in ein angeregtes Gespräch verwickelt. Eleanor schien sehr unsicher zu sein, aber Emma redete immer wieder auf sie ein. Schließlich schlossen sich die beiden im Badezimmer ein. Emma hatte ihr umfangreiches Schminktäschchen dabei.
Natalie beschloss, nach unten zu gehen. Hoffentlich waren ein paar vernünftige Leute da.
A/N: Hat´s gefallen? Wäre lieb, wenn ihr mir nen Review da lasst.
