Hallo meine Lieben!
Tut mir Leid, länger nichts von mir hören lassen, aber ich bin wieder da! Sobald ich wieder einen Nerv dazu habe, antworte ich auch auf eure Reviews ;) Im Moment bin ich nur glücklich, eine neue Reviewerin gewonnen zu haben :D
Viel Spaß mit dem neuen Kapitel!
Kapitel 13
Wald. Kein schöner Wald, nein. Hohe Bäume, die erst in vielen Metern Höhe spärliches Blätterbewuchs aufwiesen, daneben dürre Fichten mit bräunlichen Nadeln. Als Natalie ihren Kopf nach links drehte, sah sie, dass dort mehr Licht eindrang. Hier war es eher düster, selbst die Helligkeit schien eigenartig dunkel zu sein. Natalie schauderte und rappelte sich auf. Sie war noch nie im Verbotenen Wald gewesen und war sich sicher, dass sie es auch nicht so schnell wieder tun würde.
Hinter ihr ertönte ein Geräusch, als würde ein Stück Stoff auf etwas sehr Hartem scheuern. Erschrocken fuhr Natalie herum und sah gerade noch, wie Jack direkt aus einem Erdhügel fiel und auf den Waldboden aufschlug.
„Alles klar?" fragte Natalie.
Jack stöhnte nur und stand wackelig auf.
„Telkens hätte was von Höchst Gefährlich dazuschreiben können, oder?"
Natalie sah den Erdhügel beunruhigt an. Er sah aus, wie... wie ein ganz gewöhnlicher Erdhügel. Keine Tür, kein Durchgang.
„Sie hätte vor allem schreiben sollen, wie wir wieder zurückkommen", sagte sie verzweifelt.
Jack runzelte die Stirn und tastete den Hügel ab. Nichts geschah.
„Das Passwort?" fragte er bemüht ruhig. „Gluckgluck?"
Der Erdhügel kicherte. Natalie starrte ihn an. Er hatte sich nicht verändert.
„War das der Hügel?" fragte Jack verdattert.
Schon wieder kicherte der Hügel schrill.
Natalie suchte ihn mit den Augen nach etwas Seltsamen ab, nach irgend etwas.
Als wieder ein hohes Kichern zu hören war, klang es weiter entfernt.
Jack hob den Blick. „Da!" rief er und zeigte in die Richtung.
Natalie versuchte, etwas zu erkennen. „Was ist da?"
„Das Pferd da!"
Natalie erhaschte einen Blick auf einen seltsam klobigen Schweif und dann sah sie den kleinen Pferdekörper.
„Ein Pony!" sagte sie überrascht. „Was macht das hier?"
Endlich sah sie das ganze Tier – und es war kein Pony. Der Rumpf und die vier Läufe wie bei einem kleinen Pferd, doch der Oberkörper mit Armen und Kopf war eindeutig menschlich, wie bei einem kleinen Jungen.
„Ein Zentaur!" flüsterte Jack begeistert. „He! He, komm her! Wir tun dir nichts!"
Der Zentaur schnaubte abfällig und kam mit spöttisch langsamen Schritten näher.
„Seien Sie", sagte er, „lieber froh, wenn ich Ihnen nichts tue!"
Seine Stimme war hoch und wackelig.
„Du bist doch noch ein Fohlen", sagte Natalie grinsend, als sie sah, dass der Zentaur ihn gerade bis zur Schulter reichte. „Spiel dich nicht so auf."
Der Zentaur schlug mit dem zusammenklebenden Schwanz. „Spielen Sie sich nicht so auf, Natalie McDonald."
Jack runzelte die Stirn. „Woher kennst du ihren Namen?"
Der Zentaur ließ wieder sein schrilles Lachen hören. „Ich bin ein Zentaur, Jack Sloper", sagte er altklug.
„Oh, ein Zentaur, na so was", meinte Jack sarkastisch. „Wenn du das nicht gesagt hättest, hätte ich dich glatt für ein Pferd gehalten."
Der Zentaur plusterte sich ob dieser Beleidigung auf, aber Natalie schritt rasch ein. Sie hatte genug von beleidigten Zentauren gehört. Die meisten waren sowieso nicht gut auf Zauberer zu sprechen.
„Er meint es nicht so", sagte sie schnell. „Eh... wie... wie heißt du denn?"
Der Zentaur warf Jack einen wütenden Blick zu, konzentrierte sich jedoch auf Natalie. „Ari. Was machen Sie beide hier, wenn ich fragen darf?"
Natalie sah probeweise zum Erdhügel, als erwartete sie, er würde sich gleich öffnen. „Wir sind durch einen Geheimgang hierher gekommen, von Hogwarts aus." Ihr kam ein Gedanke und sie schöpfte Hoffnung. „Kennst du vielleicht einen Weg aus diesem Wald?"
Ari lächelte spöttisch. „Da." Er wies in die Richtung, aus der das Licht kam. „Da hinten ist der Waldrand. Und in der gegenüberliegenden Richtung ist der Lieblingslauer der Acromantulas." Er lachte schrill.
„Acromantulas? Das sind doch diese Riesenspinnen, oder?" fragte Jack.
Ari nickte. „O ja."
Natalie biss sich auf die Lippen. „Aber wenn wir den ganz normalen Weg zum Schlosstor nehmen und anklopfen, werden wir einen Haufen Ärger kriegen!"
„Wer das Gras geschluckt hat, muss es auch wiederkäuen", erklärte Ari mit einem gespielt weisen Gesichtsausdruck. „Mit anderen Worten: Das ist Ihre eigene Schuld."
Natalie dachte angestrengt nach, aber ihr fiel keine andere Lösung ein.
„Du kennst doch bestimmt den ganzen Wald, oder?" fragte Jack den jungen Zentauren hoffnungsvoll.
Ari lachte. „Ich kenne die Dinge, die mich interessieren. Und menschliche Geheimgänge interessieren mich nicht."
„Bitte, Ari!" flehte Natalie. „Hör mal, sonst ziehen die uns Millionen von Punkten ab! Oder wir fliegen wir gleich von der Schule!"
„Ich habe doch gesagt, ich kenne diese menschlichen Geheimgänge nicht!" wiederholte Ari gelangweilt.
„Kennst du nicht irgend jemanden, der uns helfen könnte?" fragte Jack.
„Oder irgend etwas?" fügte Natalie hinzu.
„Nun, die Acromantulas sind sehr klug", feixte Ari. „Wenn sie einen nicht fressen, bevor man Sternengucker sagen kann."
„Bitte!" rief Natalie halb verzweifelt, halb wütend.
Ari verzog sein grobes Gesicht. „Wie bitte?"
„Bitte!" wiederholte Natalie. „Bitte, bitte!" Sie kam sich selbst dämlich vor, wie sie das freche Zentaurenfohlen inständig bat, aber ich wusste sich nicht anders zu helfen.
„Ich höre etwas schwer", sagte Ari, seinen Triumph auskostend. „Was, bitte, hattest du gesagt?" Er hob fragend die wulstigen Augenbrauen.
„BITTE ZEIG UNS EINEN WEG HIER HERAUS, EINEN, BEI DESSEN BENUTZUNG WIR NICHT VON DER SCHULE GESCHMISSEN WERDEN!" schrie Natalie vollkommen entnervt.
Ari lächelte breit und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch dann reckte er den Kopf in die Höhe und schien auf etwas zu lauschen. Im nächsten Moment machte er kehrt und gallopierte mit einem halsbrecherischen Tempo tief in den Wald hinein.
Natalie wandte sich, mit vom Brüllen hochrotem Kopf, zu Jack. „Meint er, wir sollen ihm folgen?"
„Ich lauf ihm garantiert nicht -"
Jack verstummte und im nächsten Moment hörte auch Natalie die Stimmen, die sich näherten.
„... brüllen nicht. Warum auch?" Eine sehr grimmige, weibliche Stimme.
„Das könnte eine Falle sein." Eine zweite Stimme, geduldig und ruhig. Ein junger Mann.
„Ich sag dir, was das ist, das ist jemand vom Schloss. Ein Schüler, der sich unsagbar klug vorkommt. Abenteuerlustig heißt das. Bedeutet das Selbe wie - dämlich!" Die Frau klang recht aufgebracht.
„Dann wird es einen Rausschmiss geben", antwortete der Mann sanft.
„Rausschmiss! Die haben keine Ahnung, wie gefährlich das hier ist! Jeden Moment könnte jemand Hogwarts überfallen! Die denken doch, die sitzen sicher in ihrem Schloss. Hätte ich gewusst, dass es hier dermaßen gefährlich ist, hätte ich niemals dieses Job angenommen!"
Die Stimmen waren sehr nahe, doch Natalie und Jack konnten aus Richtung Waldrand nicht gesehen werden. Der Erdhügel war im Weg.
„Wir müssen abhauen!" zischte Natalie panisch. „Die schmeißen uns echt von der Schule!"
Jack schüttelte mit tief gefurchter Stirn den Kopf. „Besser, wir zeigen uns. Sonst fangen die noch an, uns zu verfluchen."
Natalie zupfte sich nervös am Ohrläppchen. „Aber wenn die uns rausschmeißen...!"
Zu spätEine Frau war um den Erdhügel herum gestürzt. Sie war zweifellos eine beeindruckende Erscheinung. Allein ihre Kleidung war ungewöhnliche, eine Mischung aus den verschiedensten Stilen. Eine reich bestickte Bluse, ein weiter, zerfetzter Rock, unter dem eine rote, knallenge Hose hervorsah. Die Frau war furchtbar dick, und trotz ihrer Ungewöhnlichkeit kam sie Natalie entfernt bekannt vor. Die Kulleraugen der Frau fixierten ihre beiden Opfer mit einem Ausdruck beunruhigender Mordlust.
„Was – habt – ihr – hier – zu – suchen?" fragte sie herrisch.
Natalie hatte es vor Schreck die Sprache verschlagen und sie blinzelte die Frau, die ihr gerade bis zur Schulter reichte, nur ängstlich an.
„Wir...", begann Jack unsicher, „Wir haben uns... verlaufen?"
„HA!" schnaubte die Frau und fuchtelte mit ihrem ungewöhnlich kurzen, dafür aber sehr stabilen Zauberstab herum. „Verlaufen! Verlaufen haben sie sich, Grandleg!"
Sie sah ihren Begleiter, der um den Erdhügel herum gekommen war, um einen Kommentar heischend an.
„Natürlich haben sie das nicht, Aleksandra", sagte er deutlich müde. „Mach doch nicht so einen Aufstand."
Aleksandra lachte rau auf. „Du solltest ganz genau wissen, dass es hier lebensgefährlich ist! Jeden Moment – ja, jeden Moment! – könnten Todesser auftauchen! Du bist es doch, der dauernd so übervorsichtig ist!"
Grandleg seufzte tief und hob seine feinen, kaum sichtbaren Augenbrauen. „Aber das", sagte er und wies auf Natalie und Jack, „sind Schüler. Keine Todesser."
„Vielsaftrank!" trumpfte Aleksandra blitzschnell auf.
Grandleg fuhr sich mit der Hand durch das schütternde blonde Haar. „Jeder, der die Mauern durchquert, wird identifiziert, wir bekommen umgehend Nachricht, wenn jemand das Gelände betritt oder verlässt."
„Aaach, das war Dumbledores Zauber! Als ob die restlichen Lehrer imstande wären, diese hohe Magie aufrecht zu erhalten!"
Grandleg ignorierte die zornige Frau und wandte sich Natalie und Jack zu. „William Grandleg", stellte er sich ruhig vor. „Sie ist Aleksandra Krum. Wir sind zwei von den Wächtern von Hogwarts, die dieses Jahr -"
„Krum?" echote Jack verblüfft und Natalie wurde klar, an wen die Frau sie erinnerte. „Krum wie in Viktor Krum?"
Grandleg nickte. „Eine Verwandte."
Seine Mutter konnte Aleksandra nicht sein, sie mochte höchstens Mitte Dreißig sein, überlegte Natalie. Eine Schwester?
„Seine Tante", sagte Grandleg erklärend. „Sie lebt schon länger in England."
Jack wandte den Blick nicht von Aleksandra. Natalie rümpfte die Nase. Er starrte die dicke Tante an, als wäre sie eine Göttin.
„Was... was passiert mit uns?" wagte sie schließlich zu fragen.
„O ja, was passiert mit Schülern, die sich verlaufen haben?" warf Aleksandra höhnisch ein.
„Das ist nicht unsere Angelegenheit", sagte Grandleg, sie wiederum nicht beachtend. „sondern Sache des Schulleiters."
Natalie schluckte mühsam. „Und was glauben Sie, was passiert?"
„Na, Rausschmiss!" rief Aleksandra unwirsch. „Glaubt nicht, dass das keine Konsequenzen hat!"
Grandleg sagte nichts, aber sah Natalie vielsagend an.
„Könnten Sie mir... ein Autogramm besorgen?" fragte Jack auf einmal und flehte Aleksandra mit stummen Blicken an.
Die Frau schnaubte. „Unsinn!"
Der bittende Ausdruck in Jacks Gesicht verschwand und wurde durch einen recht grimmigen ersetzt. Er schwieg.
„Aleksandra, ich bringe die beiden zum Schloss", sagte Grandleg.
„Damit sie sich nicht verlaufen", grinste seine Partnerin hämisch. Grandleg warf ihr einen resignierten Blick zu, den sie unbeirrt erwiderte.
„Kommt jetzt", sagte Grandleg dann und ging in Richtung Waldrand.
Natalie erwog es für den Bruchteil einer Sekunde, zu bleiben oder besser in den Wald zu rennen. Aber der Anblick der grimmig dreinblickenden Aleksandra machte ihre vorschnelle Entscheidung rückgängig. Folgsam lief sie Grandleg hinterher, und Jack schloss sich ihr, Aleksandra einen wütenden Blick zuwerfend, an.
Sobald Natalie den Wald und Aleksandra hinter sich gelassen hatte, fühlte sie sich bedeutend wohler. Doch der Blick auf Hogwarts machte ihr gleichzeitig klar, dass sie diese Schule zum letzten Mal sehen würde.
„Nehmt es Aleksandra nicht übel, dass sie so schlecht gelaunt ist", sagte Grandleg munter, während sie auf das gewaltige Schloss zugingen. Er klang so, als hätten die drei eine vergnügliche Teestunde hinter sich und als stünden Natalie und Jack nicht kurz vor ihrem Rausschmiss. „Sie vermisst Bulgarien. Ist schon seit Jahren im Ministerium tätig und sieht ihr Land nur sehr selten. Das macht sie beizeiten sehr grantig."
Natalie sah ihn unsicher von der Seite an. „Mr Grandleg, glauben Sie, man schmeißt uns echt von der Schule?"
„Ich bin mir beinahe sicher", erwiderte Grandleg. „Ein grober Regelverstoß, meine Liebe. Aber vielleicht bedeutet der Grund, weshalb Sie die Schule verlassen haben, mildere Umstände."
Natalie lief rosa an. „Wir wollten schwänzen."
Grandleg hob die Augenbrauen. „Oh, dann fürchte ich, dass Sie sich als von der Schule verwiesen betrachten können. In welchem Schuljahr befinden Sie sich?"
„Ich bin der vierten Klasse, Jack in der fünften", gab Natalie Auskunft. Sie biss sich auf die Lippen. Wie sollten sie mit diesem Abschluss jemals einen Arbeitsplatz bekommen? Höchstens als Straßenfeger.
Warum waren sie beide so dämlich gewesen, zu schwänzen? War ihnen nicht vollkommen klar gewesen, dass es weder erlaubt noch geduldet werden würde? Natalie wünschte sich im Moment nichts sehnlicher, als in Binns Unterricht zu sitzen. Schläfrig und gelangweilt, doch nicht der Schule verwiesen.
Natalie fiel ihre Quidditchmannschaft ein. Gerade hatte sie sich einen Platz als Jägerin erkämpft gehabt, hatte Dennis in die Schranken weisen können. Sie hätte hier eine gute Ausbildung erhalten, ihre Freunde behalten, eine vielversprechende Zukunft gehabt. Siedend heiß fielen ihr ihre Eltern ein. Was würden sie sagen, wenn sie nach Hause kam, mit ihren Koffern und ohne Schulplatz? Immer hatten sie Lobreden auf Hogwarts gehalten, waren immens stolz darauf gewesen, dass auch Natalie jedes Jahr gute Noten von dort mitbrachte.
Wie würden sie reagieren, wenn sie hören würden, dass Natalie sich gerade vier Tage im neuen Schuljahr gehalten hatten?
Jack schien ähnliches zu denken. Mit gesenktem Kopf trottete er hinter Grandleg und sah nicht einmal aus, als sie die steinernen Treppen zum großen Portal hinauf gingen.
Grandleg hob die Faust und klopfte einige Male fest gegen die Tür.
Im nächsten Moment steckte der Fast Kopflose Nick sein Haupt durch das Eichenholz.
„Ja, bitte?" fragte er verbindlich.
„William Grandleg. Ich bringe zwei Ausreißer."
Dem Geist kippte der Kopf beiseite, als er Natalie und Jack erkannte. Während er ihn hastig wieder in die richtige Position brachte und mit seiner Halskrause sicherte, starrte er die beiden fassungslos an. „Meine Güte, Miss McDonald, Mister Sloper, wie konnten Sie...! Ist Ihnen nicht bewusst... Bei Merlin, Gryffindor wird Unmengen von Punkten verlieren!"
Natalie knabberte weiter auf ihrer Lippe herum.
„Gryffindor verliert keine Punkte, Nick", sagte Jack mit schwerer Stimme. „Wir fliegen."
Der Fast Kopflose Nick schwebte, sie entsetzt beobachtend, durch die Tür.
Es dauerte wenige Minuten, bis die Tür entriegelt wurde und Flitwick sie öffnete.
„Sind Sie verrückt!" rief er quiekend. „Um Himmels Willen, was hätte passieren können! Mr Grandleg, wenn Sie sie nicht aufgegriffen hätten... In dieser Zeit kann man nicht mehr sicher sein! Ja, dachten Sie etwa, die Ausgangssperre ist umsonst?"
Natalie und Jack schwiegen schuldbewusst. Grandleg nickte Flitwick zu und musterte die beiden Schwänzer noch einmal. Dann drehte er sich mit einem kurzen Gruß um und machte sich auf den Weg zurück.
„Kommen Sie schon rein", befahl Flitwick hastig.
Schweigend betraten Natalie und Jack das Schloss und Flitwick murmelte, seinen Zauberstab schwingend, leise Worte. Das Portal knallte zu und verriegelte sich.
„Was haben Sie sich nur dabei gedacht?" fragte Flitwick kopfschüttelnd.
„Nicht genug, Sir", antwortete Jack betreten.
„Werden wir wirklich der Schule verwiesen?" wagte Natalie die große Frage erneut.
„Es würde mich wundern, wenn es nicht so wäre", entgegnete Flitwick streng. „Miss McDonald, Sie haben sich wirklich beunruhigend verändert. Dieser entwürdigende Streit in meinem Unterricht, das Verlassen der Schule – haben Sie denn keinen Unterricht?"
„Geschwänzt, Sir", sagte Jack leise.
Flitwick runzelte die Stirn und zupfte sich an seiner knolligen Nase. „Letztendlich entscheide jedenfalls nicht ich über Ihre Zukunft, sondern Ihre Hauslehrerin und der Schulleiter."
Natalie schüttelte entmutigt den Kopf. McGonnagal würde niemals Gnade walten lassen.
„Kommen Sie mit mir", gebot Flitwick und durchquerte die Eingangshalle mit schnellen Schritten.
Mit gesenkten Köpfen folgten Natalie und Jack ihrem Lehrer. Während sie die große Marmortreppe zum ersten Stock hochgingen, ließ Flitwick seinen Zauberstab graue Funken sprühen. Bruchteile einer Sekunde später knallte es und ein Hauself verbeugte sich vor Flitwick. „Ja, Sir?" quiekte er und verdeckte einen dicken Soßenfleck auf seiner Toga notdürftig mit einer knochigen Hand.
„In wenigen Minuten wird Professor McGonnagals Unterricht vorüber sein", sagte Flitwick. „Sag ihr dann, dass sie umgehend zu Professor Lovegoods Büro kommen soll."
Der Hauself verneigte sich ein zweites Mal, dann verschwand er mit einem Knall.
Flitwick führte Natalie und Jack einen langen Korridor entlang, eine gewundene Treppe hinauf und wieder von Fackeln erleuchtete Gänge entlang. Sie erklommen steile Treppen, die Natalie noch nie gesehen hatten und sie sah Gegenden im Schloss, von deren Existenz sie nie gewusst hatte.
Ihre Füße taten weh, als sie schließlich im siebten Stock angekommen sein mussten. In jeder anderen Lebenslage wäre Natalie neugierig auf das Büro des Schulleiters gewesen, doch jetzt sah sie nicht einmal genauer hin, als Flitwick einem steinernen Wasserspeier ein Passwort zumurmelte. Der Wasserspeier sprang beiseite und gab den Blick auf eine sich teilende Wand frei.
Als der Durchgang breit genug für einen Menschen war, winkte Flitwick Natalie und Jack hindurch. Er selbst blieb draußen stehen. Die Wand schloss sich wieder, und das letzte, das Natalie von Flitwick sah, war sein bekümmertes Gesicht. Es versetzte ihr einen Stich ins Herz.
Die Wendeltreppe, auf der Natalie und Jack standen, drehte sich und trug sie nach oben. Nach einigen Umdrehungen standen sie vor einer Eichentür mit einem Türklopfer in Form von einem Greif.
Jack betätigte ihn zögerlich, aber niemand reagierte auf das Klopfen.
„Gehen wir einfach rein?" fragte Natalie unsicher, als auch auf ein weiteres Klopfen nichts geschah.
Jack nickte und drückte die Türklinke vorsichtig herunter. Die Tür war nicht abgeschlossen und er öffnete.
Widerstrebend trat Natalie ein. Der Raum war kreisrund und voll von Tischen, Regalen und kleinen Hockern. Die Regale waren überladen mit Gläsern, in denen sich Blätter und Flüssigkeiten befanden, in einem warf sich ein Klumpen Erde gegen das Glas und summte dabei. Auf den Tischen lagen Pergamente, Bücher und Hefte aufeinander gestapelt, an einer Wand reichte ein Stapel von alten Klitterer-Ausgaben mehrere Meter hoch. Vor einer kleinen Wendeltreppe, die weiter nach oben führte, stand ein weiterer Schreibtisch, der jedoch tadellos aufgeräumt war. Neben einer großen Schreibmaschine, die seltsame Symbole anstatt Buchstaben auf den Tasten hatte, stand ein bauchiges Tintenglas mit einer Adlerfeder und ein Stapel von unbeschriebenen Blättern.
Als Natalie sich dem Schreibtisch näherte, entdeckte sie das Titelblatt der nächsten Ausgabe des Klitterers. Natalie warf einen Blick auf die Überschrift. Ein Teil war in düsterem Grau gehalten – „Du-Weiß-Schon-Wer – Mörder..." – und die nächsten Worte in bunten Farben – „... oder missverstandener Kleingärtner?"
Darunter war ein Bild von Voldemort – erst in einem schwarzen Umhang und düster dreinblickend, dann wurde der Umhang strahlend bunt und eine Sonne lachte mit Voldemort um die Wette, während er pfeifend Blumen pflanzte.
„Was, bei Merlin, soll das denn sein?" fragte Natalie verblüfft.
Erschrocken hob sie den Kopf, als das Geräusch von Stiefeln auf Holz zu hören war und Lovegood die Wendeltreppe herunter stieg.
A/N: Schon wieder ein Cliffhanger, aber dieses Mal werde ich eher updaten, so dass die Wartezeit für euch nicht so lang wird. Versprochen. Und im Gegenzug auch ein Review von notorischen Schwarzlesern+liebguck+
