Hallo, ihr da draußen!
Sehr viele Reviews sind ja zum letzten Kapitel nicht gekommen, ich war, ehrlich gesagt, schon ein bisschen enttäuscht. Wenn das nächste Kapitel eher fertig und upgedatet sein soll, müsst ihr euch diesmal ein bisschen anstrengen. Das gilt auch für euch, meine lieben Schwarzleser! ;)
Kapitel 14
„Guten Morgen!" rief Lovegood munter. „Ich dachte, Miss Telkens wollte mir die Summseln bringen?"
„Ähm", machte Natalie, kurz versucht, zu fragen, was Summseln waren. Dann schob sie den Gedanken beiseite. „Wissen Sie nicht, wir... der Rauschmiss... also...?"
Lovegood runzelte die Stirn und ließ sich auf einem der Hocker nieder. „Rausschmiss! Was haben Sie angestellt?"
Natalie ließ sich auf einen Hocker fallen, der prompt unter ihr zusammenbrach. Verdutzt rappelte sie sich auf und betrachtete den Haufen verstreuter Holzsplitter, die sich sofort wieder zu einem Hocker zusammensetzten.
„Oh, entschuldigen Sie", bemerkte Lovegood milde, „Dieser Hocker nimmt es mit der Höflichkeit sehr genau. Also, um ihn zu besänftigen – setzen Sie sich!"
Misstrauisch setzte Natalie sich wieder, und diesmal blieb der Hocker so, wie man es eigentlich von ihm erwartet hätte.
„Nun", sagte Lovegood, als Jack sich ebenfalls einen Hocker ausgesucht hatte, „was führt Sie zu mir? Von was für einem Rausschmiss reden Sie?"
Natalie rieb sich verzweifelt die Schläfen. Sie hatte gehofft, dass Lovegood es kurz machen würde und sie mit wenigen Worten der Schule verweisen würde. Es war eine Strafe, die ganze Geschichte zu erzählen und sich einzugestehen, wie dumm sie gewesen waren.
„Es war so..." begann sie zögernd, aber weiter kam sie nicht.
Die Tür flog auf und McGonnagal stürmte schnaufend herein. Sie schien den Weg von ihrem Klassenzimmer zu Lovegoods Büro sehr schnell zurück gelegt haben, ein paar graue Strähnen ihres sonst so ordentlichen Dutts hingen ihr in das Gesicht und ihr Spitzhut saß schief.
Natalie erstarrte, als sie die blitzenden Augen ihrer Lehrerin sah. Ihren Lippen waren schmaler als sonst, eine steile Falte stand zwischen den Augenbrauen.
„Sind Sie denn verrückt? Ist Ihnen nicht klar, in was für eine Gefahr sie sich begeben haben? In Lebensgefahr, wie konnten Sie es wagen! Die Schule ist gefährdet, wenn Ihnen irgendetwas passiert wäre, hätte das Ministerium keine Sekunde gezögert, Hogwarts ganz zu schließen! Und das von Schülern meines Hauses!" Ihr Spitzhut fiel ihr beinahe vom Kopf, doch McGonnagal kümmerte sich nicht darum. „Obwohl gerade Sie im neuen Schuljahr so viel Unreife gezeigt haben, Miss McDonald, hätte ich doch von Ihnen mehr Klugheit erwartet, Mr Sloper! Mit diesem einzigen Vergehen haben Sie beide sich mehr zuschulden kommen lassen als Potter und seine Freunde zusammen! Sie haben große Dummheit und Naivheit bewiesen, alle beide!"
Natalie wünschte sich mit aller Macht weit, weit fort, sie sehnte sich nach Binns trockenem Unterricht. Die anderen gingen jetzt zu Zaubertränke – wieso hatten sie und Jack ihre Freunde nur so dumm der Gefahr ausgesetzt, von Hogwarts gehen zu müssen? Sie hätten Schuld daran haben können, dass die Schule geschlossen würde! Jack starrte stumm vor sich hin.
„Es tut mir wirklich Leid, Professor -" stammelte Natalie.
„Bei Merlin, Miss McDonald, es tut Ihnen Leid? Sie hätten tot sein können!" Auf einmal wurde die Stimme der Lehrerin beinahe bekümmert. „Belohnen Sie so das Vertrauen, dass Ihre Eltern in Sie gesetzt haben, als Sie sie trotz der Gefahren hierher geschickt haben? Sie hatten lernen sollen, sich in diesen Zeiten gegen die Bedrohung vom dem, dessen Namen nicht genannt wird, zu behaupten. Haben Sie nicht darüber nachgedacht?"
Natalie senkte den Kopf. „Nein, Professor", murmelte sie.
Jack stand abrupt von seinem Hocker auf, sodass Natalie überrascht aufsah.
„Professor, das war meine Schuld", behauptete er mit fester Stimme. „Natalie wollte gar nicht mitkommen, ich habe sie überredet."
McGonnagal hob die Augenbrauen und wollte zu einer weiteren Rede ansetzen, aber Lovegood kam ihr zuvor. „Entschuldigen Sie, Minerva, ich habe dem Gespräch nicht ganz folgen können", sagte er höflich. „Vielleicht könne Sie den beiden Sündern erst Gelegenheit geben, mir die Geschichte zu erzählen?"
McGonnagal nickte, die Lippen noch fester aufeinander gepresst. „Gut."
Lovegood hieß sie sich mit einer Handbewegung setzen und McGonnagal ließ sich steif auf einem Hocker nieder. Dann blickte er Natalie und Jack fragend an.
„Wir... also..." Jack räusperte sich. „Wir waren nach Verteidigung gegen die Dunklen Künste alle ziemlich fertig und haben uns im Gemeinschaftsraum ausgeruht. Natalie, Emma Dobbs, Malcolm Baddock, Jessica Dinns und ich. Dann kam jemand auf die Idee – ich weiß nicht mehr, wer von uns -"
„Das ist unerheblich, Mr Sloper", unterbrach Lovegood ihn nicht unfreundlich.
„Ja, Sir", sagte Jack rasch, „Ich wollte auch niemanden verpetzen."
Lovegood neigte den Kopf und Jack fuhr fort. „Jedenfalls kam jemand auf die Idee, dass wir den Unterricht von Binns, ich meine Professor Binns, schwänzen könnten. Die anderen wollten nicht, und Natalie auch nicht, aber ich habe sie überredet. Emma – also jemand wusste auch einen Geheimgang von der Schule weg. Wir wollten an den See, aber dahin gab es keinen Weg. Nur einen, der an den Rand des Verbotenen Waldes führt."
Lovegood runzelte die Stirn, sagte aber nichts.
„Wir haben dann den Weg gefunden", erzählte Natalie mit dünner Stimme weiter. „Und kamen auch zum Waldrand. Der Gang hat in einem Erdhügel geendet, und als wir draußen waren, hat er sich verschlossen und wir konnten nicht zurück. Nach einiger Zeit kam ein... ein Zentaurfohlen. Wir hatten gedacht, es könnte uns helfen, aber es war ziemlich... na ja, nicht sehr hilfsbereit. Es ist weggerannt, als es Stimmen gehört hat. Wir wollten uns verstecken, aber zwei der Wächter hatten uns entdeckt – Aleksandra Krum und... und William Grandleg. Mr Grandleg hat uns dann zum Schloss gebracht."
Sie sah bittend zu Lovegood. „Es tut uns wirklich sehr Leid und wir wissen, dass wir dumm waren, aber werfen Sie uns nicht von der Schule! Meine Eltern halten große Stücke auf Hogwarts und sie... sie waren so stolz auf mich."
„Sie haben keinen Grund mehr, stolz zu sein", sagte McGonnagal streng. „Ich schicke ihnen einen Brief und morgen nehmen Sie den Zug nach Hause."
Natalie biss sich auf die Lippen. Sie spürte, wie ihr die Tränen kamen und sie wandte sich ab.
„Aber das ist echt nicht Natalies Schuld!" rief Jack. „Ich habe sie doch überredet, Sie können sie nicht von der Schule werfen!"
Lovegood schwieg und betrachtete die beiden prüfend.
„Wir wissen doch, dass es... bescheuert von uns war, aber geben Sie uns noch eine Chance!"
McGonnagal schüttelte den Kopf. „Ich glaube Ihnen, dass Sie es bereuen, Mr Sloper", erwiderte sie unerbittlich. „Und es ist, nun, selbstlos von Ihnen, dass sie Miss McDonald die Strafe ersparen sollen, aber -"
„Ich lege es nicht darauf an, selbstlos zu sein!" sagte Jack laut. „Aber es wäre unfair, auch Natalie von der Schule zu werfen!"
„Miss McDonald hat in diesem Schuljahr, so kurz es bisher auch war und für Sie beide sein wird, kein gutes Verhalten an den Tag gelegt", sagte McGonnagal. „Sie benahm sich unreif und dazu unfair gegenüber anderen Schülern. Glauben Sie nicht, dass die Lehrer blind sind! Für ihre Entgleisung im Zauberkunstunterricht hat sie ihre Strafe erhalten. Ich hoffte, dass sie sich danach besser verhalten würde, aber ich habe mich getäuscht. Sie war eine gute Schülerin und im letzten Schuljahr auch ein kameradschaftliches Mädchen. Doch in diesem Jahr hat sie nicht den Mut, den mein Haus ausmacht, bewiesen, sich gegen ihre neuen Freunde zu stellen und ihre alten nicht zu vergessen."
Natalie schniefte und sah McGonnagal an, in ihr glomm eine plötzliche Wut. „Es ist nicht die Aufgabe der Lehrer, mir meine Freunde auszusuchen!" sagte sie zornig. „Wenn ich meine alten Freunde verlassen habe, dann, weil sie dumm und voller Vorurteile sind!"
McGonnagal sah sie enttäuscht an. „Miss McDonald, noch im letzten Schuljahr haben Sie sich gut mit Dennis Creevey verstanden und jetzt verabscheuen Sie ihn. Wie kann das in vier Tagen geschehen sein?"
„Ich habe andere Leute kennen gelernt, Slytherins! Und ich glaube, dass sie um einiges besser für mich sind als die meisten Schüler meines Hauses!" schrie Natalie. Ihr war es egal, dass sie ein unmöglichen Verhalten an den Tag legte. Jetzt war ihr alles egal.
„Bitte bewältigen Sie Ihre pubertären Probleme woanders, Miss McDonald!" sagte McGonnagal scharf. „Ich weiß, dass Ihnen die Schüler von Slytherin wohl als sehr interessant vorgekommen waren, ich kann mir vorstellen, dass Sie selbst einmal neben der Spur sein wollten."
„Wie bitte?" fragte Natalie verdutzt. „Es ging mit nicht darum, neben der Spur zu sein. Ich wollte die anderen Häuser kennen lernen! Sie sollten sich an Professor Dumbledores Worte erinnern, wir sollten die Kluft zwischen den Häusern überbrücken!"
McGonnagal schüttelte vehement den Kopf.
„Entschuldigen Sie, Minerva, Miss McDonald", mischte Lovegood sich mit sanfter Stimme ein.
Wie auf Kommando sahen die beiden zu ihm, beide mit wütenden Mienen.
Lovegood musste leise lachen. „Wie ähnlich Sie sich sehen, wenn Sie aufgebracht sind! Das erinnert mich an die Salzwasseramöben... Nein, ich weiche vom Thema ab." Er räusperte sich und wurde wieder ernst. „Ich erinnere mich gut an Albus´ Meinung und kann sie nur unterstützen. Aber mir scheint, Sie setzen sie nicht sonderlich gut in die Tat um, Miss McDonald. Sie können die zwei Seiten einer Kluft nicht verbinden, indem Sie sich statt auf der einen auf der anderen Seite aufhalten. Damit machen sie den Abgrund nur noch weiter und tiefer."
Natalie runzelte die Stirn. „Aber ich passe mit meinen alten Freunden einfach nicht mehr zusammen", versuchte sie zu erklären.
„Was genau ist vorgefallen?" fragte Lovegood knapp.
Natalie überlegte. Sie wusste es selbst nicht mehr. „Ich...", sagte sie langsam. „Ich glaube, irgendwas mit Quidditch. Dennis und ich wollten beide Jäger werden." Sie merkte selbst, wie unwichtig sich das anhörte.
„Mehr nicht?" fragte Lovegood nach.
„Doch, ich denke schon", sagte Natalie schnell und zerbrach sich den Kopf darüber. „Jessica hatte irgendeinen Streit mit Colin. Am nächsten Morgen haben er und Dennis nicht mit Jessica gesprochen. Im Zauberkunstunterricht hat Dennis dann meine Feder zu sich geholt und ich habe seinen Stuhl umgezaubert. Dann haben wir uns gegenseitig verhext... Mein Schweigefluch hat Professor Flitwick getroffen." Natalie wurde rot. Wie armselig sich ihre Gründe anhörten! „Und dann habe ich den Rest des Tages mit Emma Dobbs verbracht, und Jessica hat sich mit Malcolm Baddock angefreundet. Dennis war seitdem richtig abweisend und er hatte was gegen Slytherins! Irgendwann hat er mit anderen Leuten eine Art Gruppe gegründet, gegen Slytherins und ihre... Freunde? Jedenfalls ist das dann immer extremer geworden."
Lovegood nickte bedächtig. „Ich denke, sie sollten sich so schnell wie möglich bei ihren alten Freunden entschuldigen."
„Entschuldigen!" wiederholte Natalie verblüfft. „Das mach ich bestimmt nicht! Und überhaupt, wenn ich morgen nach Hause fahre, hat das eh keinen Sinn mehr!"
Lovegood runzelte ernst die Stirn. „Ich glaube, Freunde zu haben hat immer einen Sinn."
Natalie schüttelte den Kopf und schniefte.
„Außerdem bin ich mir über den Schulverweis noch nicht im Klaren."
Für einen kurzen Moment war es ihm Büro des Direktors bis auf das summende Glas in dem einen Regal vollkommen still. Natalie hielt den Atem genauso überrascht an wie Jack, während McGonnagal sich sprachlos den Hut zurecht rückte.
„Direktor, ich bin wirklich nicht glücklich, gleich zwei Schüler meines Hauses zu verlieren, aber wir waren uns vor Beginn dieses Schuljahres im Klaren, dass solch ein Vergehen durch einen Verweis bestraft werden muss", sagte sie dann aufgebracht. „Das Ministerium hat nur unter dieser Bedingung zugestimmt, die Schule überhaupt wieder zu öffnen!"
Lovegood stand von seinem Hocker auf und ging langsam zum Schreibtisch hinüber. Eine Weile lang betrachtete er das Titelblatt der nächsten Klitterer-Ausgabe.
„Minerva", sagte er schließlich. „Wir haben viele gute und eifrige Schüler verloren, weil deren Eltern den Besuch von Hogwarts nicht mehr für angebracht hielten. Die Volljährigen unter ihnen suchen jetzt ohne einen Abschluss nach Arbeit, die Jüngeren werden von ihren Eltern unterrichtet – und keiner von ihnen wird mit den Fähigkeiten, die sie jetzt noch erlernen werden, eine große Hilfe im Kampf gegen Sie-Wissen-Schon-Wen sein." Er seufzte tief und zum ersten Mal bemerkte Natalie die tiefen Falten, die seinen schmalen Mund umgaben, der sonst so seltsame Dinge von sich gab und nun unerwartet beinahe so klang wie Dumbledore. ‚Ja', überlegte Natalie, ‚Auf einmal hört er sich an wie Dumbledore.'
„Dieser Kampf wird voraussichtlich nicht so schnell enden und es kann sein, dass wir älteren Zauberer und Hexen sterben, weil wir altern. Nicht jeder von uns wird das hohe Alter von Albus erreichen können – und auch über eine solche Macht, die er besaß, verfügt niemand. Unsere größte Hoffnung ruht auf Harry Potter. Genau wie er sind die jüngeren Hexen und Zauberer unsere Zukunft. Wenn Sie-Wissen-Schon-Wer seine Macht weiter in dem Maße ausweitet, wie er es jetzt tut, werden seine Gegner immer weniger und haben immer mächtigere und zahlreicherer Feinde gegen sich. Sie wissen, dass jene, die auf unserer Seite stehen, systematisch ermordet oder kalt gestellt werden – auch von uns. Denken Sie an die Midgeons, Minerva. Wir brauchen junge, ausgebildete Magier. Und wir finden sie nicht, indem wir vielversprechende Schüler der Schule verweisen." Lovegood sah auf und nickte ernst. „Ich bin davon überzeugt, dass Mr Sloper und Miss McDonald ihre Lektion gelernt haben. Es liegt in Ihrer Hand, Minerva, welche Strafe sie erhalten sollen. Aber ich muss Sie bitten, sie nicht der Schule zu verweisen."
Eine ungeheure, warme Erleichterung durchflutete Natalie und in ihrem Gesicht breitete sich ganz von selbst ein strahlendes Lächeln aus. Was kümmerte sie jetzt die größte Strafe, solange sie auf Hogwarts bleiben konnte!
McGonnagal runzelte die Stirn. „Also gut, Imaginon", sagte sie widerstrebend. „Ich verstehe ihre Gedanken. Aber das Ministerium wird es nicht tun."
Lovegoods Gesicht nahm einen verschmitzten Ausdruck an. „Das Ministerium muss es nicht erfahren. Sie sagten, Grandleg und Krum hätten Sie entdeckt, Miss McDonald?"
Natalie nickte.
„Grandleg ist ein guter Mann. Er schätzt Hogwarts mehr als das Ministerium. Wenn ich ihm meine Einstellung erkläre, wird er schweigen", sagte Lovegood fest.
„Die Krum bestimmt nicht", knurrte Jack. Die ungeheure Erleichterung, die er genauso spürte wie Natalie, konnte seinen Ärger über die Sache mit dem Autogramm nicht ganz ersticken.
„Aleksandra Krum mag Ihnen seltsam und unhöflich erscheinen, aber sie ist eine talentierte Hexe und eine gute Bekannte, die zu Hogwarts halten wird." Lovegood lächelte. „Sie haben Glück gehabt. Andere Wächter, die vom Ministerium gestellt worden sind, würden ihr Fehlverhalten sofort melden."
„Sir, warum gibt es diese Wächter?" fragte Natalie neugierig. „Ich dachte, die Mauer um das Gelände ist stark genug, mit den ganzen Flüchen... Und niemand kann hierher apparieren. Was befürchten Sie?"
Lovegoods Gesicht wurde abwesend. „Es gibt Dinge, die auch Sie nichts angehen. Sie wissen schon genug. Ihnen ist doch klar, dass sie gegenüber den anderen Schülern nichts von den Wächtern und der gemäßigten Strafe erzählen dürfen?"
„Was sollen wir ihnen denn sonst sagen, warum wir nicht nach der Stunde zurück gekommen sind?" fragte Jack stirnrunzelnd.
„Denken Sie sich etwas aus", erwiderte Lovegood und in seinen Augen glitzerte es. „Ich glaube, ihnen fehlt ein bisschen Fantasie."
Über Natalie und Jack schwebte immer noch die drohende Strafe, als sie das Büro des Schulleiters nach einer Weile verließen. Nachdem auch McGonnagal den versteckten Zugang verlassen hatte und der Wasserspeier an seinen Platz zurückgesprungen war, drehte sie Lehrerin sich mit einem sehr ernsten Gesicht zu ihren beiden Schülern um.
„Seine Sie froh, dass sie nicht von der Schule geworfen worden sind", sagte sie streng.
„Das sind wir, Professor", murmelte Natalie leise.
McGonnagal sah sie lange an und nickte schließlich. „Ich hoffe es, Miss McDonald. Noch heute werde ich an Ihre Eltern schreiben, selbstverständlich auch an Ihre, Mr Sloper. Zusätzlich ziehe ich Gryffindor hundert Punkte ab – für jeden."
Natalie wusste, dass ihr Punktestand damit unter Null sinken würde. Aber die Frage, wie man das an den Stundengläsern zeigen würde, interessierte sie im Moment gar nicht.
„Und außerdem erwarte ich von Ihnen eine Entschuldigung bei ihren Mitschülern, insbesondere von Ihnen, Miss McDonald." McGonnagal rückte sich ihre quadratische Brille zurecht und blickte ihre Schüler streng an. Obwohl sowohl Jack als auch Natalie mindestens genauso groß waren wie sie, schien McGonnagal von einer seltsamen Höhe auf sie herab zu sehen. „Ich wünsche Ihnen einen schönen – und ereignisloseren – Tag."
Mit diesen Worten rauschte McGonnagal davon.
Natalie sah ihr hinterher. „Wir sind noch gut weggekommen", sagte sie, ohne den Blick abzuwenden.
„Stimmt."
„Aber ich denke, das Entschuldigen wird durch den Punktabzug nicht leichter."
„Das fürchte ich auch", sagte Jack und verzog das Gesicht.
Nebeneinander gehend suchten sie eine Treppe, die sie in die unteren Stockwerke bringen würde.
„Was haben wir jetzt eigentlich?" fragte Jack.
„Zaubertränke", antwortete Natalie missmutig.
Jack grinste über ihren Tonfall, und als Natalie aufsah, musste sie kichern. Im nächsten Moment standen sie sich gegenüber und lachten, aus Freude, aus Erleichterung, ohne Grund – sie wussten es nicht.
„Komm, wir holen unsere Taschen", sagte Natalie nach einer Weile kurzatmig. „Oder wollen wir schwänzen?"
„Das fehlt gerade noch."
