Kapitel 3: Die Schatten werden länger (sehr kreativ °augenroll°)
Benjamin betrat gefolgt von Moody den Raum.
Die Luft war schon ein wenig abgestanden, es war heiß und alle schienen genervt von dieser Situation zu sein. Ein einziger Tisch stand in der Mitte des Raumes, wo auf je einer Seite ein Sessel stand. Mit Blick Richtung Tür saß Alec Recor, ihm gegenüber saß Frank Longbottom.
Longbottom war einer von jenen Auroren, die mit ein paar Wörtern, die er einfach nur verdrehte, die Wahrheit aus jemandem heraus bekam. Nicht bei jedem, aber bei vielen funktionierte es.
Das Licht war gedämpft und die Wände waren einfach nur kahl und wirkten kalt. Moody meinte, ein Verhörraum sollte keine gemütliche Atmosphäre schaffen, sondern dazu da sein, um Dinge aus dem Gegner heraus zu bekommen.
„Noch einmal, Recor!", begann Longbottom. An seiner Stimmlage konnte man merken, dass ihn das Ganze schon nervte. Auch die anderen Auroren, die noch im Raum standen, blickten Recor mit verächtlichem Blick an und warteten nur darauf, dass er endlich weiter sprach. „Du hast doch gerade gestanden, dass du ein Todesser bist."
„Ja und?", fragte der Todesser frech zurück.
Benjy Fenwick, ein Zauberer Mitte dreißig, mit kurzem, braunem Haar und finsterem Gesichtsausdruck, war knapp davor, dem Todesser an die Gurgel zu springen und aus ihm die Wahrheit heraus zu prügeln. Nur seine harte Schulung, die er während der Ausbildung genoss und seine Selbstbeherrschung, hielten ihn davor zurück.
Benjamin Potter trat weiter in den Raum und alle Blicke wandten sich ihm zu. Einige hoffnungsvoll, andere zeigten wiederum keine Gefühlsregung.
Longbottom wandte sich sofort wieder seinem Gegenüber zu, der ein triumphierendes Lächeln aufgesetzt hatte. „Was gibt es da zu grinsen?", fauchte Longbottom.
Fenwick hob verwirrt eine Augenbraue, denn Frank Longbottom gehörte zu den Auroren, die bei Verhören viel Geduld bewiesen, sowie Ausdauer, was ihm meistens ein volles Geständnis einbrach. Zwar hatte er herausgefunden, dass er ein Todesser ist und Fenwick hatte ihn sogar dazu gebracht sein Mal zu zeigen, aber dann begann er von einem Angriff zu erzählen und genau in diesem Moment hatte er beschlossen, dass er plötzlich schweigen musste.
Recor schien es zu gefallen, dass er die Auroren zur Verzweiflung brachte. Man glaubte, dass man ihn so einer Situation zusah, dass man nicht noch mehr provozierte, aber Recor war anders. Aus ihm bekam man nicht so leicht eine Antwort, nicht, wenn er nicht freiwillig sprach.
Fenwick atmete tief ein und aus, dann ging er auf Recor zu und beugte sich über den Tisch. „Ich sag dir eins, Recor! Wenn du nicht bald weiter sprichst und endlich völlig gestehst, dann wirst du mich kennen lernen und glaub mir, ich kann auch ganz anders. Wenn Longbottom nicht hier wäre, dann würde ich dich zwingen, dass du das Veritaserum trinkst und nicht warten, bis du es freiwillig nimmst." Frank wollte ihn zurück halten, aber Benjy ließ sich nicht halten. „Noch einmal so eine Aktion und du kannst dir sicher sein, dass ich dir das Maul mit reinem Veritaserum stopfe."
Der letzte Satz war eine Drohung und ein Versprechen gleichzeitig.
„Das reicht, Benjy", sagte Benjamin.
„Mr. Potter lässt sich auch persönlich blicken", spottete Recor weiter und wenn Frank ihn nicht rechtzeitig am Arm gepackt hätte, hätte Fenwick ihm eine gescheuert.
Recor gluckste vergnügt vor sich hin. Er schien also ganz gut unterhalten worden zu sein.
„Lass los Frank", fauchte Benjy und entriss sich Franks Griff.
Längere Zeit herrschte Stille, nur Recor blickte belustigt zwischen allen Auroren hin und her. „Sind wir uns etwa nicht einig?", sagte er in einer Art Singsangstimme.
„Wir sind und schon einig, nur in der Bezeichnung wir, in dem du auch eingeschlossen bist, Recor, sind wir uns nicht einig. Also wenn du dem Abhilfe schaffen willst?", sagte Moody.
„Sehr nettes Angebot, aber ich verzichte", sagte er.
„Du bist aber nicht in der Lage solche Dinge zu tun und zu sagen", drohte Moody und stellte sich vor dem Tisch auf und blickte auf den Todesser nieder. „Du kannst es dir leicht machen und kooperieren oder so weiter tun wie bisher. Wir haben lange Zeit. Ich weiß nicht wie es mit dir steht, aber irgendwann wirst du Durst haben und dann wirst du das Wasser dort trinken."
Moody wies auf ein Trinkgefäß auf dem Tisch.
„Glaubst du wirklich, dass ich das freiwillig mit dem Veritaserum trinken würde?"
„Wenn du durstig bist, dann trinkst du auch das und wir können warten."
„Wie viel konntet ihr bisher aus ihm heraus bekommen?", fragte Benjamin Benjy.
„Das er gestanden hat, dass er ein Todesser ist. Er hat uns sogar das Mal auf seinem linken Unterarm gezeigt. Auch hat er zugegeben, bei einige Angriffen in letzter Zeit dabei gewesen zu sein." Fenwick machte eine Pause ehe er weiter sprach. „Dann kam er zu einem Thema, was heute betraf, also den Nebel. Er sprach die Situation an, in der wir ihn gefunden haben."
„In welcher Situation?"
„Er war auf einem Berg nahe Londons, wo er Kontakt mit den Riesen herzustellen versuchte und mit einigen Kumpanen sprach, die sich in irgendeinem Park befanden oder noch immer befinden. Zwar haben wir herausgefunden, dass dieser Nebel nicht zufällig heute entstanden war, sonder schon längere Zeit geplant war. Wir wissen auch, dass einige Todesser etwas gesucht haben. Wir wissen zwar, dass es in einem Park ist, aber nicht in welchem und was sie genau suchen. Und genau da hat er aufgehört zusprechen. Zuerst dachten wir ja, dass wir kein Problem mit einem Geständnis hätte, aber er hat uns hinters Licht geführt."
„Hat er bei den anderen Sachen die Wahrheit gesagt?", fragte Benjamin sofort nach.
„Ja."
„Also, Recor", begann Potter und ging auf ihn zu. Er stützte seine Handflächen auf dem Tisch ab und beugte sich leicht nach vorne, um ihm in die Augen sehen zu können. Immer noch konnte man dieses hämische in seinen Augen aufblitzen sehen, dass nun ganz dem Leiter des Aurorenbüros galt.
„Ja? Potter?"
„In welchem Wald sind sie?"
„Wer?"
„Stell dich nicht dümmer als du bist."
„Wieso sollte ich wissen, wo sie sind?"
„Weil du sie kontaktiert hast?"
„Ist das eine Frage oder eine Feststellung?"
„Such es dir aus."
„Ich habe aber keine Lust darauf zu antworten."
„Dir bleibt aber keine andere Wahl über." Benjamin sah ihn durchdringend an. Er dachte nach, ob er nicht zu einer Maßnahme greifen sollte, die er sonst nur in wirklich aussichtslosen Lagen verwendete? Aber wenn er so nachdachte, war das so eine Situation. „Wie du willst", sagte er und richtete sich wieder auf.
„Was?"
„Was?"
„WAS?"
„Was?"
„WAS?"
Kam es von den anderen Auroren sahen ihren Boss ziemlich verwirrend an. Was sollte das Ganze eigentlich? Er gab dem Todesser seinen Willen? Irgendetwas lief hier gewaltig schief.
„Aber, Benjamin, du kannst nicht ..:", begann Frank, doch Potter schnitt ihm das Wort mit einer einzigen Geste ab.
„Wenn er jetzt nicht sprechen will, dann werde ich gleich den Zaubergamot einberufen, dann bleibt ihm keine andere Wahl übrig, als das Veritaserum zu nehmen. Das Zaubergamot hat in solchen Situationen die Erlaubnis, auch ohne Einwilligung des Angeklagten, das Serum zu verabreichen." Er machte eine kurze Pause und ließ seine Worte kurz wirken. „Auch ist es dem Zaubergamot erlaubt, dem Angeklagten, falls er nicht kooperiert, mit Hilfe der Legilimentik zur Wahrheit zu ‚zwingen'."
„Nur wenn mich das Zaubergamot zwingt, kann es mein ‚Geständnis'", dieses Wort setzte er unter Häschenfüße. „nicht als ganz offiziell geltend machen."
„Doch, kann es", sagte Benjamin und wirkte so autoritär wie schon lange nicht mehr.
„Das ist illegal", behauptete Recor.
„Das wird nur den Leuten so mitgeteilt. Wenn du in letzter Zeit aufgepasst hättest, tut das Ministerium nichts illegales, sonder versucht mit Hilfe von nicht illegalen Zaubern, die Zauberer und Hexen zum Sprechen zu bringen, um damit das Wohl der restlichen Gesellschaft zu ermöglichen."
Recor wirkte nun nicht mehr so selbstsicher und übermütig wie noch kurz vorher.
Moody schien zu verstehen, worauf Potter hinaus wollte.
„Wir hier sind noch nett, aber wenn du vor dem Zaubergamot sitzt, dann wirst du nicht mehr mit soviel Geduld behandelt. Sie werden dich nicht fragen, ob du das Veritaserum trinken willst. Wenn du es trotzdem verweigerst es sogar unter Druck einzunehmen, dann kann wirst du unter einen Gerichtsfluch gelegt. Und ich glaube, nein, ich bin mir sicher, dass du es weißt, dass diese Flüche nicht sehr angenehm sind."
Recor begann auf seiner Unterlippe zu kauen. Ja, er wusste wie solche Gerichtsflüche funktionierten und er hatte nur Gerüchteweise gehört, dass sie einem Schmerz zufügten, wenn man sich weigerte, auch nur zu kooperieren. Die Wahrheit konnte auch nicht ausgelassen werden.
Unter einem Gerichtsfluch erzählte man, ohne auch nur gefragt zu werden, einfach die ganze Geschichte und die Dinge, die einem unangenehm waren, sodass man nachher nicht mehr leugnen kann, was man einmal gesagt hatte.
„Frank? Benjy?"
„Ja?"
„Hm?"
„Bringt ihn in eine unsere Zellen und haltet dort Wache. Ich komme dann vorbei und lasse euch wissen, wann die Verhandlung ist", sagte Benjamin und hatte sich zum Gehen bereit gemacht, er hatte gerade die Türklinke in die Hand genommen, als sich der Todesser hinter ihm schon zu Wort meldete: „Fein", sagte er. „Dann gib mir das verdammte Veritaserum."
Benjamin Potter sah immer noch zur Tür und konnte sich ein Lächeln nicht vermeiden. Die Auroren waren nicht dazu berechtigt, während Verhören von Todessern oder auch anderen schwarzmagischen Zauberern und Hexen, Gerichtsflüche einzusetzen, aber drohen konnte man den Leuten gut damit, denn viele hatten schon schlechte Erfahrung damit und würden vorher freiwillig ein Geständnis bei den Auroren ablegen, als sich noch einmal unter das Zaubergamot zu setzen und dort unter Gerichtsflüchen alles zu gestehen.
Er drehte sich zu Recor um, ging zu dem Stuhl, der ihm gegenüber stand und setzt sich hin. Benjamin nahm das Wasserglas, das mit ein paar Tropfen Veritaserum versehen war und reichte es Recor. Der es nach kurzer Überlegung dennoch nahm und bis auf den letzten Tropfen trank.
„Also?", begann er. „Welcher Park? Was suchen sie? Warum suchen sie es?"
„In einem Park in London, wo der Nebel am Dichtesten hängt. Ich weiß nicht, wie der Park heißt, aber er ist bei solchen Dingen immer im Mittelpunkt. Sie suchen den magischen Pol, der ein Geheimnis bewahrt, dass schon seit Jahrhunderten existieren soll. Der Legende nach sollen sich dort verschiedene magische Utensilien befinden. Es können Bücher sein, auch andere magische Gegenstände werden dort vermutet. Weiteres wird erzählt, dass sie von den Nachfahren der Hogwarts-Gründer dorthin gebracht wurde.
Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin sollen dort Dinge versteckt haben, die nicht für die magische Bevölkerung zugänglich waren. Es sollen gefährliche Dinge gewesen sein, die viel Macht besessen haben und jenen, die nicht mächtig genug waren mit diesen Dingen umzugehen, um den Verstand gebracht haben. Deshalb wurde dieser Ort magisch versiegelt. Viele Flüche, Banne, Zauber und Rätsel sollen ihn schützen.
Sie suchen es, weil es der dunkle Lord so will. Er möchte wissen, was hinter dieser Legende steckt."
Jetzt war erst der Anfang, jetzt konnte es auch weiter gehen.
„Was genau bedeutet der Nebel?"
„Die Dementoren Brüten."
„Aber es ist kein normales Brüten?"
„Nein."
„Was dann genau?"
„Egal ob es alte Dementoren sind oder nicht, alle brüten. Die Älteren machen das Brüten so, wie es eigentlich vorhergesehen ist, die Jüngeren brüten nur ein bis zwei."
„Wo befinden sich Thomas Jones und John Williams?"
„Im Hauptquartier des dunklen Lords."
„Leben sie noch?"
„Ja."
„Wo ist das Hauptquartier?"
„Das kann ich nicht sagen, weil es unter einem Zauber liegt."
„Wieso befinden sich die Beiden in eurer Gefangenschaft?"
„Weil sie viel über diesen Raum wissen, sogar die Details und sie haben sogar die Möglichkeit, dahinein zu kommen, weil sie schon länger daran forschen."
„Wie habt ihr herausgefunden, dass sie es wissen?"
„Weil es im Ministerium Spione gibt."
„Und die wären?"
„Mir hat niemand etwas über die Spione verraten. Ich weiß nur, dass es welche gibt."
„Wie lange dürfen wir noch damit rechnen, dass Jones und Williams noch leben?"
„Wenn der dunkle Lord das hat was er will, dann bringt er die Beiden um. Vorher müssen sie die Rätsel um diesen Ort lösen."
„Gibt es sonst noch etwas, was mit diesem Raum und deren Verschwinden zusammen hängt?"
„Es gibt mehrere Prophezeiungen, die zusammenhängen und die Jones und Williams entziffern müssen. Die Prophezeiungen sind in alten Büchern verzeichnet, die aus dem Archiv des Ministeriums gefunden wurden."
„Also fehlen diese Bücher?", hackte Benjamin nach.
„Ja", antwortete Recor. „Sie befinden sich bei Jones und Williams, die die betreffenden Personen herausfinden müssen, damit der dunkle Lord die Chance hat, schneller dorthin zu kommen und zu wissen, was er tun muss und was ihn erwartet."
„Danke, mehr will ich nicht wissen", sagte Benjamin, stand auf und an der Türe wandte er sich noch einmal den Anderen zu.
„Bringt ihn in eine Zelle, gebt ihm das Gegenmittel und seht zu, dass das Zaubergamot über seine weitere Zukunft entscheiden. Teilt es mir dann mit."
Benjamin Potter verließ den Gang der Verhörräume und ging wieder in sein Büro, um das soeben gehörte aufzuschreiben. Er las sich seine Niederschrift ein paar Mal durch. Er hatte von so einem Ort schon mal gelesen, aber er wusste nicht wo. Es musste ihm schnell wieder einfallen, sonst würden die Todesser und Voldemort vor ihm noch herausfinden, was hinter dieser Legende steckte. Und außerdem steckte hinter jeder Legende ein Funken Wahrheit.
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Lily und James drehten sich von einander und sahen sich um, woher diese plötzliche Kälte kam.
Beide blickten in dieselbe Richtung, als sie sahen, dass sich dort Schatten bewegten. Als die Schatten dann immer näher auf sie zukamen, zogen beide ihre Zauberstäbe und hielten sie einsatzbereit vor sich.
„Glaubst du, die Todesser sind zurück?", fragte Lily, für das logisch klang, aber als die Schatten weiter auf sie zukamen, hörte sie ein raschelndes, schweres Atmen. Sie hörte keine Umhänge rauschen, sondern spürte nur Kälte, die ihren ganzen Körper durchflutete. „Dementoren", flüsterte sie.
James nickte und sein Blick war weiterhin auf die Schatten gerichtet. Je näher sie kamen, desto weniger glücklich fühlten sich die Beiden.
„Das sind viele", flüsterte James.
„Wie viele schätzt du denn?", fragte Lily, die diese Frage, nach dem sie sie gestellt hatte, sofort wieder zurück nehmen wollte, weil man in diesem Nebel nichts sehen konnte und auch nicht zählen konnte. „Vergiss die Frage einfach. War völlig sinnlos."
„In Ordnung." James wandte sich kurz Lily zu. „Patronus-Zauber kannst du?"
„Ja", antwortete sie.
„Gestaltlicher Patronus?"
„Ja, wieso?"
„Weil es viele Dementoren werden dürften und diese nur mit einem gestaltlichen Patronus zu vertreiben sind."
„Das weiß ich James."
„Gut."
„Gut."
„Bereit?"
„Ja."
„EXPECTO PATRONUM!", schrieen beide gleichzeitig. Aus James' Zauberstabspitze kam ein Hirsch hervor, aus Lilys ein Adler. Die beiden Patroni bewegten sich auf die Dementoren zu, welche sich plötzlich nicht mehr zu bewegen schienen. Im Gegenteil, sie schienen sogar den Rückzug anzutreten.
„Toll", bemerkte Lily sarkastisch. „Schlimmer kann es heute gar nicht mehr werden."
„Wieso?"
„Todesser? Dementoren? Was kommt als nächste?"
„Auroren!"
„Die sind doch nicht schlimm", sagte Lily.
„Nein, dort hinten sind Auroren", wiederholte James und zeigte hinter Lily auf eine Gruppe Menschen, die in dunkelrote Roben gehüllt waren.
„Bist du dir sicher, dass das Auroren sind? Wäre schon ein wenig blöd, wenn das verkleidete Todesser sind." James lächelte sie an. „Ok, vergiss meine Aussage einfach."
„Dort hinten ist jemand", hörten sie einen Auroren gedämpft. „Sehen aus wie Muggel. Wenn das vorbei ist, müssen mir die ‚Vergiss-mich' informieren."
Die Auroren waren jetzt schon so nahe bei ihnen, dass sie sogar ihre Gesichter erkennen können. Da James es nicht gefiel, dass sie von ‚Vergiss-mich' sprachen, musste er ihnen sagen, dass sie magisch waren.
„Meine Freundin und ich sind magisch", sagte er. „Wir sind in Hogwarts, also brauchen sie die ‚Vergiss-mich' nicht zu informieren."
„Was machen Sie dann bitte in dieser Gegend?", sagte ein grimmig dreinschauender Zauberer. „Wenn Sie ein Zauberer sind und Sie eine Hexe, sollten Sie aber wissen, dass man bei einem solchen Nebel am Besten nicht nach draußen geht."
„Tut uns ja leid", sagte Lily ehrlich. „Aber wir waren schon im Park, als der Nebel einsetzte und wir dachten, dass wir das nur abwarten müssen, weil wir wirklich nichts mehr gesehen haben. Und als dann auch noch …" Doch Lily beendete den Satz nicht. Wenn sie jetzt erwähnen würde, dass sie Todessern begegnet waren, mussten sie den Auroren alles erzählen, so wie Lily es von anderen gehört hatte. Und die Auroren wirkten so, als würden sie keinen Spaß verstehen.
„Was ist denn dann noch passiert, Miss?", fragte er.
„Ähm…", begann Lily zu stottern.
„Was ist hier los?", sagte eine Stimme, die James sehr bekannt vorkam. Er hatte sich nicht getäuscht. Als die Person näher kam, konnte er seinen Vater in Aurorenroben erkennen.
„Was sie uns gesagt haben, sind sie schon hier, seit der Nebel eingesetzt hat. Nur das sie gerade dabei waren uns etwas zu sagen, was sie sonst noch gesehen beziehungsweise beobachtet haben."
Niemand in der Aurorenzentrale, bis auf seine Paten und ein paar andere Auroren, wussten davon, dass James Potter, der Sohn von Benjamin und Susan war. Wenn die Todesser das gewusst hätte, dann hätten sie ein Druckmittel gehabt und ihn solange gefoltert, bis er etwas über seine Elter gesagt hatte.
Damit James auch ja niemand mit den beiden Auroren in Verbindung brachte, sollte sich James in Hogwarts so benehmen, wie er es tat. Da ja Benjamin und Susan in gewisser Weise ja keinen Fehler und Ungehorsam duldeten, hätte ihn auch niemand mit ihnen in Verbindung gebracht.
„Haben Sie sonst noch etwas gesehen?", fragte Benjamin und sah seinen Sohn weiterhin an.
James überlegte, ob er hier und jetzt von den Todessern anfangen sollte und was Lily und er gehört hatten, oder ob er einfach nichts sagen sollte. Er wusste auch, dass die Auroren nicht zufällig hier waren, sondern dass etwas passiert sein musste, dass sie hier auftauchten.
„Todesser", antwortete James dann knapp und mehrere Auroren wandten sich ihm zu, wartend darauf, dass er endlich weiter sprach.
„Nachdem es angefangen hatte zu regnen, wollten wir uns unterstellen und sind eben auf ein Baumhaus", sagte Lily. „Nur hab ich keine Ahnung, wo es sich genau befindet."
„Es ist auch nicht mehr ganz", fuhr er weiter fort.
„Wie ist das zu verstehen?", fragte sein Vater.
„Als dann der Nebel aufgezogen ist, sind wir dort geblieben und dann sind auch noch Todesser aufgetaucht."
„Sie haben über etwas gesprochen, dass sie etwas suchen", meinte Lily. „Sie haben aber nicht gesagt was es war. Dann sind wie weg und wir dachten sie wären gegangen, aber kurz darauf sind wir dann am Boden gelandet und über uns standen mehrere Todesser."
„Was haben sie getan?"
„Sie wollten wissen, was wir hier machten", sagte James, in Gedanken fügte er noch hinzu: „Sie setzten alles ein, um herauszufinden, was wir hier machten."
„Irgendwie ist es uns gelungen zu verschwinden", erzählte Lily weiter und ließ die Tatsache aus, dass James mehrere Zauber gesprochen hatte, um sie abzulenken und dann als Animagus geflüchtet ist. „Und dann sind Dementoren aufgetaucht."
„Die wir aber mit Patroni vertreiben konnten", fügte James hinzu und Lily nickte eifrig.
„Haben Sie noch etwas vergessen?", fügte Moody mit einem Blick auf James hinzu. „Wenn ja, dann sollten Sie sofort erzählen, was sonst noch vorgefallen ist, denn wenn wir herausfinden, dass Sie etwas verschwiegen haben, dann …"
„Alastor! Hör auf", sagte Benjamin mit Nachdruck, was keinen Widerspruch duldete. „Sie Beide können gehen."
„Aber was ist, wenn die Beiden darüber sprechen?", sagte eine junge Frau, mit einem rundlichen Gesicht, das bei genauerem Betrachten sehr herzlich wirkte.
„Werden Sie nicht", sagte Moody. „Sonst lernen sie mich kennen."
Lily und James schluckten, als sie das entschlossene Gesicht des Auroren sahen.
„Jetzt sprechen wir schon Drohungen aus?", fragte Benjy Fenwick.
„Ich weiß nicht, wie es mit dir steht, Fenwick! Aber ich spreche schon Drohungen aus."
„Das reicht jetzt. Was sollen die Beiden denn sonst von uns allen denken?", sagte Potter und hatte die Beiden im Blick, dann wandte er sich nach kurzer Zeit Lily und James zu. „Sie beide können gehen und das Sie mir niemanden etwas von diesem Tag erzählen. Wenn Sie jetzt einfach den Lichtpunkten folgen, kommen sie auf die Hauptstraße der Muggel", sagte er und wies mit seiner Hand hinter sich. Als James jedoch bei ihm vorbeiging, flüsterte er, ohne das es jemand mitbekam: „Wir reden später noch weiter."
James nickte und ging gemeinsam mit Lily den Weg entlang.
„Wie heißt es so schön? Schlimmer geht's immer!", meinte Lily und seufzte. „Ehrlich, so einen Tag hatte ich noch nie und will ich auch nicht mehr haben."
„Zuerst Todesser, dann Dementoren, dann Auroren", machte James weiter. „Und wir sind heute nur knapp dem Tode entronnen, weil die Todesser ziemlich mordlustig waren."
„James, dass ist nicht witzig", bemerkte sie. „Was ist, wenn sie weiter gezogen sind und andere angegriffen haben?"
„Du machst dir wirklich Sorgen oder?"
„Ja, mache ich! Du etwa nicht?"
„Doch, aber du kannst dich um niemanden sorgen, wenn es keinen Grund gibt. Ich weiß, dass das jetzt ziemlich grausam klingen mag, aber wenn du dir immer Gedanken um andere machst, wirst du es in solchen Situationen auch machen und das nützen die Todesser aus. Ihnen gegenüber musst du gefühlskalt sein oder wenigstens nicht deine gesamten Gefühle offenbaren, denn das verwenden sie nachher sicher gegen dich und das könnte dein Todesurteil sein."
Lily und James gingen stumm nebeneinander her. Der Nebel hang in den Straßen und die Nacht war gerade herein gebrochen. Die Straßenlaternen hatten sich eingeschaltet und waren nur gebrochen durch den Nebel zu sehen. Ein leichter Windhauch streifte sie.
„Ich habe es in so einer Broschüre gelesen."
„Broschüre?", fragte James belustigt.
„Das Ministerium hat für Muggelhaushalte, die eine Hexe oder einen Zauberer in der Familie haben, aber sonst niemand magisch ist, meine Familie ist das beste Bespiel, Broschüren ausgeteilt, wo Informationen zu solchen Dingen standen. Ich wollte es nicht glauben, dass Leute so etwas tun konnten und immer, wenn ich den Tagespropheten gelesen habe, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken, aber dann, je öfter solche Meldungen kamen, desto schwerer viel es mir das Ganze zu glauben."
„So etwas ist auch nicht leicht zu verstehen, niemand kann das. Und Voldemort, der Leiter dieser Gruppe und der, der all das hier verursacht, sind am Schlimmsten. Niemand weiß, wieso er das tut und der Einzige den er fürchtet ist …"
„… Dumbledore", beendete Lily den Satz. „Ich weiß. Ich glaube, dass ist auch der Grund, warum er Hogwarts noch nicht angegriffen hat?"
„Er hat auch das Zaubereiministerium angegriffen, obwohl noch viele aus der AMS anwesend waren. Wenn es nur das wäre, was ihn aufhalten würde, dann hätte es nicht so viele Angriffe gegeben. Wenn es so weiter geht, dann glaube ich, dass er nicht einmal vor Hogwarts halt machen wird."
„Aber Hogwarts ist gut geschützt", sagte Lily.
„Geschützt schon, aber auch Hogwarts kann sich gegen Voldemort nicht wehren, wenn er mit seiner ganzen Gruppe einfällt. Anfangs wird sich Hogwarts noch halten können, aber mit der Zeit werden die Schutzzauber und –Banne nur noch einen Teil der Angriffe stoppen können und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie auf die Gelände kommen und der Kampf im Schloss beginnt."
„Ich möchte am Liebsten gar nicht daran denken, dass das passieren könnte."
„Ich bring dich jetzt am Besten nach Hause", sagte James.
„Willst du mich los werden?", fragte sie.
„Nein, gewiss nicht, aber nach so einem Tag, wie du schon selber mehrmals erwähnt hast, ist es am Besten, wenn du dich ausruhst."
„Ich bin aber nicht schwerkrank", beschwerte sich Lily sofort.
„Wie komme ich bloß darauf? Aber übermorgen müssen wir zurück nach Hogwarts und ich glaube, du musst noch einige Dinge erledigen?", fragte James sie.
„Ich habe schon alles erledigt, aber die letzten Tage noch genießen", antwortete Lily lachend. „Irgendwie schon komisch, wenn man bedenkt, dass wir unser letztes Jahr in Hogwarts beginnen."
James nickte leicht.
Den Rest des Weges legten sie stillschweigend zurück. Die Straßen waren verlassen. Kein Auto fuhr, nicht einmal einen Hund hörten sie aus einem der Häuser bellen. Als sie dann auf eine kleine Auffahrt gingen, die zu einem der Reihenhäuser führte, gingen sie gemütlich.
Vor der Türe angelangt, verabschiedeten sich die Beiden von einander.
„Bis Übermorgen, James", sagte Lily.
„Bis Übermorgen", sagte auch er.
Lily schloss hinter sich die Türe und lächelte James noch einmal warm an. Dann machte sich James auf den Weg und suchte eine abgelegene Stelle, von wo aus er apparieren konnte. Nicht das er erpicht darauf war, wieder in einen Wald zu gehen, aber es war eines der Gesetze, dass man nur in einer abgelegenen Gegend apparieren durften und unglücklicherweise, waren solche Gegenden meist Wälder.
Was James aber die ganze Zeit beschäftigte, waren die Auroren, die genau in diesem Wald auftauchten. Es musste dort etwas sein, es musste das sein, was die Todesser gesucht hatten und es musste gefährlich sein, sonst hätte es kein solches Aufgebot an Auroren benötigt. James wollte seinen Vater fragen, aber er wusste, dass er keine Antwort auf diese Frage bekommen würde.
Er wäre nicht James Potter, wenn er sich so leicht geschlagen geben würde. Lily würde ihm sicher Vorwürfe machen, wenn er ihr seine Gedanken und Vorhaben mitteilte, aber er musste wissen was dahinter steckte. Bisher hatte er vieles herausfinden können und ihn hatte nichts davon abgehalten, nur das viele nach etwas suchten, wovon er überhaupt nicht wusste, was sie überhaupt suchten.
Bei Gelegenheit musste er mit Sirius darüber sprechen, er würde ihm sicher helfen. Gemeinsam hatten bis jetzt noch jeder Herausforderung gestrotzt.
In Hogwarts hatten sie Zeit, ohne auch nur einen Verdacht auf sich zu lenken. Sie hatten es auch geschafft in Hogwarts zu Animagi zu werden, ohne das Dumbledore oder ein anderer Lehrer davon Wind bekommen hatte. Es wäre doch gelacht, wenn sie bei ihren Forschungen darüber gestört wurden. Sie kannten Hogwarts besser als jeder andere und mit Hilfe der Karte konnten sie nicht erwischt werden, denn sie wussten immer wo sich jemand befand und konnten diesen Personen somit immer rechtzeitig aus dem Weg gehen.
Hi!
Danke für die lieben Reviews, die ich bekommen habe. Wie ich schon mal erwähnt habe, würde ich gerne wissen was ihr von meiner FF haltet. Positives oder Negatives - soll mir gleich sein, hauptsache ihr seid ehrlich, ja?
Dann hoffe ich, dass ihr nach diesem Kapitel ein Review für mich übrig habt!
lg
Magic
