Kapitel 4: Der neue Professor
Die Zugfahrt nach Hogwarts verlief ohne weitere Probleme, nur das Wetter spielte verrückt. Von einer Minute auf die andere, wechselte es von strahlendem Sonnenschein in einen pechschwarzen Himmel und die Regentropfen prallten nur noch so an die Fenster. Blitzte zuckten in regelmäßigen Abständen über den Himmel, gefolgt von lauten Donnern. Der Zug vibrierte leicht, als ein Blitz in der Nähe einschlug und ein ohrenbetäubendes Knallen war zu hören.
Gewöhnlich traf der Zug gegen halb neun Uhr am Abend am Bahnhof in Hogsmeade an, doch durch dieses Wetter, hatte er eine knappe dreiviertel Stunde Verspätung.
Bei diesem Wetter, brachen die Professoren sogar die Tradition, die Erstklässler über den See nach Hogwarts zu bringen, da die Gefahr bestand, dass die Boote kenterten und sie für die Überfahrt zulange brauchen würden. Deshalb wurden alle Schüler mit den Kutschen zum Schloss gebracht.
Die Straßen waren ein paar Zentimeter mit Wasser bedeckt und hatten den Boden so gelockert, dass sich Teile der Straße mit dem Wasser vermengt hatten und eine braune Brühe entstand. Das Wasser spritzte hoch.
Als nun endlich alle Schüler auf ihren Hausbänken Platz gefunden hatten und die älteren Schüler den Jüngeren bei den Trockenzaubern behilflich waren, konnte die Auswahlzeremonie beginnen.
Wie üblich wurde der zerschlissene, alte Hut auf den dreibeinigen Stuhl gelegt, wo er sein neues Lied präsentierte:
Die Nacht verbirgt,
die Nacht die zeigt,
der Weg ist unendlich weit.
Nun haltet zusammen,
in solchen Zeiten,
und findet von jedem auch gute Seiten.
Das Leben birgt schon genug Gefahren,
ohne das viel Leid ertragen
und ohne etwas darüber zu sagen.
Ich entscheide über einen Teil,
der für ein paar Jahre euer Leben bestimmt,
es liegt in eurer Hand, wie es jemand nimmt.
Nachdem das Lied verklungen war, entrollte Professor McGonagall, die seit diesem Jahr auch als stellvertretende Direktorin tätig war, das Pergament, auf dem die Namen der neuen Schüler standen.
Von „Bush, Kevin" bis hin zu „Zabini, Ralph" wurden alle auf die vier Häuser aufgeteilt. Bei einigen brauchte der Hut länger, um sich zu entscheiden, wo er die Person hinschickte, bei anderen hatte er seine Wahl schnell getroffen.
Nachdem sich dann auch der größte Tumult gelegt hatte, erhob sich Dumbledore: „Es freut mich, alle zu einem neuen Jahr in Hogwarts begrüßen zu dürfen. Für die alten, sowie die neuen Schüler gilt: das Betreten des verbotenen Waldes ist verboten." Dabei sah er die vier Marauder streng an, die nur mit den Schultern zuckten und in Remus' Fall auch ein wenig verlegen lächelten. „Die Liste für verbotene Gegenstände ist wie immer an der Tür des Hausmeisters zu finden. Da Hausmeister Pringle seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten ist, hat Argus Filch diesen Posten übernommen. Seit letztem Jahr hat er immer mal wieder ausgeholfen und deshalb war sich der Lehrkörper einig, dass er diesen Posten übernehmen soll und wir niemand weiteren suchen zu brauchen."
Kein Applaus, nur ein wenig geschockte Gesichter. Pringle war gegen Filch noch harmlos gewesen. Filch folgte einem wirklich auf Schritt und Tritt, dass wussten die Marauder, denn er hatte einige Geheimgänge entdeckt, die er immer benutzte. Das einzige Glück schien zu sein, dass Filch einige Geheimgänge nicht aufmachen konnten, aber aus irgendeinem Grund, welcher es auch war, wusste er, wo sich zwei weitere Geheimgänge befanden, vor allem jene, die nach Hogsmeade führten.
Für das, das er erst ein Jahr da war, kannte er sich schon ziemlich gut aus, zu gut, behaupteten einige. Und dann war da noch diese Katze, die überall dort war, wo Filch war.
Sah man diese Katze, konnte man sich sicher sein, dass Filch gleich um die nächste Mauer gestürmt kam und die Person, die er erwischte, zum Hausmeister schleppte oder zum Hauslehrer. Ab heuer konnte er also selber ein gewisses Maß an Strafarbeiten austeilen und dies schien ihm besonders Freude zu bereiten.
„Gewiss, wenn einige hier Fragen haben, welche Gegenstände es sind oder welche Schulregeln es gibt, die man nicht brechen sollte, da es bei schlimmen Vergehen sogar zu Schulverweis führen kann, bei solchen Sachen, werden euch sicher vier Herren behilflich sein. Nicht war Mr. Black?", fragte Dumbledore unschuldig und alle sahen die Marauder an.
„Natürlich Herr Direkter", antwortete Sirius. McGonagall, die neben dem Direktor saß, warf ihm einen wachsamen Blick zu, als wartete sie darauf, dass jeden Moment etwas passieren würde.
„Und ihr bekommt heuer wieder einen neuen Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste", fügte Dumbledore hinzu.
„Das ist aber nicht unsere Schuld, Professor", schrieen die Marauder unison nach vorne, was einige Schüler zum Lachen brachte.
„Nein, gewiss nicht", antwortete Dumbledore schmunzelnd. „So war es schon vor euch."
McGonagall hatte ihren Blick noch immer nicht von ihnen abgewandt und sah sie mit zusammengekniffenen Lippen an.
„Ich glaube, sie nimmt uns die Sache vom letzten Jahr noch immer übel", sagte Sirius, der seine Hauslehrerin ansah.
„Du meinst, als wir sie aus versehen in Brand gesteckt haben?", fragte James beiläufig.
„Ja, genau das."
„Wäre möglich."
„Auch kein Wunder. Bei den Dingen, die ihr die letzten Jahre gemacht habt, würde es mich echt nicht wundern, wenn die Professoren und die restlichen Schüler, nächstes Jahr eine Party steigen lassen würden, dass ihr beide endlich euren Abschluss habt", sagte Remus, ein Junge mit hellem, braunen Haar. Seine Augen wirkten müde, jedoch strahlten sie auch Stärke aus.
„Aber du bist auch nicht gerade unschuldig. Einige Streich sind sogar auf deinem Mist gewachsen", sagte Sirius und grinst hämisch. „Mich wundert es wirklich, dass du Vertrauensschüler geworden bist."
„Weil vielleicht kein Professor so lebensmüde wäre, euch so eine Position zu geben, die ihr bei einer sich bietenden Gelegenheit sofort ausnutzt?", konterte Remus sofort. „Also blieb nur noch ich übrig und ich muss sagen, dass ich kläglich gescheitert bin."
„Eine Runde Mitleid für unseren Freund?", schlug James vor.
„Wenn ihr das wagt ..:", drohte Remus und hielt inne, als er die Flügeltüren hörte, wie sie aufgingen. Alle Schüler taten es ihm gleich und wandten den Blick auf die hoch gewachsene Gestalt, die dort in der Türe stand. Zuerst konnte man nur den Schatten sehen, dann setzte sich die Person in Bewegung und jeder Schritt hallte in der Halle wieder.
Geschmeidig und mit federnden Bewegungen setzt die Person ihren Weg fort. Als sie in das Licht der Schatten traf, konnte man ein freundliches Gesicht erkennen. Es zeigte zwar kein Lächeln, jedoch bewirkte die Ausstrahlung einiges.
Er schien sicheren Schrittes zu sein und schien genau zu wissen, was auf ihn zu kam und was ihn erwartete.
„Ah", sagte Dumbledore. „Euer neuer Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste ist soeben eingetroffen." Dumbledore schritt nach vorne, streckte seine Hand aus und schüttelte sie. „Schön, dass Sie kommen konnten."
„Tut mir wirklich leid, Direkter, dass ich erst jetzt kommen konnte, aber ich musste noch etwas erledigen", sprach er mit ruhiger, sachlicher Stimme.
„Schon in Ordnung", sagte Dumbledore und wandte sich wieder den Schülern zu, die alle gebannt den Blick zu ihm gerichtet hatten. Gewiss nicht auf ihn, aber sie warteten gespannt darauf zu erfahren, wer denn nun ihr neuer Professor war.
„Frank Longbottom wird euch dieses Jahr in diesem Gegenstand unterrichten." Viele Schüler schienen von der Selbstsicherheit dieses Professor mehr als beeindruckt zu sein, denn alle Lehrer, die sie bisher in diesem Gegenstand hatten, kannten sich entweder nicht aus oder wenn sie sich auskannten, bekamen sie eine Klasse nicht unter Kontrolle. Noch nie hatte ein Lehrer so ein Auftreten gehabt, dass alle Schüler diesen gespannt angesehen hatten, bis auf Dumbledore natürlich.
McGonagall wirkte zwar streng und hatte deshalb sofort die Aufmerksamkeit der Schüler und sie konnte problemlos eine Klasse unter Kontrolle halten.
Aber Frank Longbottom wirkte gänzlich anders. Er strahlte besondere Ruhe aus, wirkte freundlich, aber dennoch umgab ihn auch eine gewisse Autorität, was ihn anders machte.
Er ging um den Tisch und setzte sich auf den leeren Platz neben McGonagall.
Dumbledore hingegen schien mit seiner Rede noch nicht fertig zu sein. „Die Auswahlspiele für die Quidditch-Teams sind für das Wochenende geplant. Die, die sich melden möchten, können sich bei ihrem Hauslehrer melden oder gleich beim Kapitän der jeweiligen Mannschaft. Und da ich nun euch nicht länger in Anspruch nehmen möchte und da ich bereits merke, wenn ich noch weiter rede, dass einige verhungern und das wollen wir doch alle nicht, oder?" Daraufhin gab es ein paar Lacher. Das war einfach nur typisch Dumbledore. „Dann haut rein!"
Jedes Mal war es ein neues Erlebnis, wenn das Essen vor ihnen erschien. Die leckersten Dinge erschienen und was auf das am Besten zutraf war: „Wer die Wahl hat, hat die Qual."
„Kaum zu glauben", sagte Amy, Lilys beste Freundin.
„Was denn?", fragte Sirius neugierig.
Amy Smith hatte braune Haare, die ihr knapp über die Ohren reichten. Sie war etwas mollig und nicht besonders groß, aber sie hatte eine liebenswürdige Art, Leuten das Gefühl zu geben, dass sie gebraucht werden. Sie war eine gute Zuhörerin.
Sie hatte braune Augen, die kleine, grüne Tupfer hatten. Meist beneidete sie Lily für ihre schöne Augenfarbe, aber Lily meinte dann immer zu ihr: „Die Augen sind der Spiegel zur Seele und jeder ist nun mal einzigartig und das bist du auch. Also bild dir nicht ein, dass du hässlich bist."
„Kaum zu glauben, dass das gerade unsere letzte Auswahlzeremonie war", sagte sie.
„Wieso glaubst du, dass es unsere letzte gewesen ist?", fragte James.
„Weil wir in der Siebten sind und heuer unseren Abschluss machen?", antwortete sie.
„Was ist, wenn du Professorin an dieser Schule wirst?", fragte James. „Dann hast du heute nicht die letzte Auswahl gesehen."
„Außer sie wird Professorin für Verteidigung gegen die dunklen Künste", fügte Sirius hinzu und alle begann lauthals zu lachen. Sogar Lily stimmte mit ein, nur Amy fand das ganz und gar nicht witzig.
„Ich sage euch, was ich mal werden will und ihr macht mich einfach zu Witzfigur und lacht mich aus." Sie spießte ihr Fleisch mit voller Gewalt auf, dass der Kürbissaftkrug vor ihnen beträchtlich zu wanken anfing. „Tolle Freunde seid ihr."
„Wir wissen, dass wir tolle Freunde sind", sagte James. „Aber deswegen musst du das doch nicht an dem armen Fleisch auslassen. Es ist nämlich schon tot, weißt du?"
„Haha", kommentierte sie nur. „Wie witzig wir heute wieder sind."
„Ich sage nur das was Tatsache ist und dieses Stück Fleisch, muss nicht mehr erlegt werden, weil es das schon ist."
Amy seufzte und schlug sich mit einer Hand aufs Gesicht. „Hoffentlich ist Blödheit nicht ansteckend."
„Wie meinst du das?", fragte Remus misstrauisch und hob eine Augenbraue.
„Ach, vergiss es", tat sie ab.
„Nichts da, ich will es wissen", forderte er.
„Lass sie doch, Remus", tadelte James. „Eine Dame zwingt man nicht zum Reden."
„Eine Dame? Wo?" Sirius sah sich um und James stieß ihn mit seinem Ellbogen. „Was soll das?"
„Bin abgerutscht", antwortete James und grinste Sirius hämisch an.
„Das bedeutet Rache", antwortete Sirius.
„Nicht jetzt, sonst bekommen wir heute noch Nachsitzen und ich habe jetzt keine Lust dazu", sagte er.
„Lily hat echt einen schlechte Einfluss auf dich", bemerkte Sirius.
„Tja, ich färbe halt ab", antwortete sie.
„Dann komm mir nicht zu nahe." Sirius hob seine Hände schützend vor sich. „Ich will nicht auch zu so einem Zombie werden, der sich zusammen reißt und nicht mehr weiß was Spaß ist."
„Ich weiß sehr wohl noch was Spaß ist, aber ich möchte eben nicht neben meiner Holden Maid darüber sprechen."
„Toll", sagte Lily sarkastisch. „Jetzt werde ich auch noch ausgeschlossen."
„Du bist Schulsprecherin", sagte Remus. „Deshalb reißen sie sich ein wenig zusammen."
Plötzlich begannen ihre Augen diabolisch zu leuchten und sie drehte sich mit einem triumphierenden Grinsen zu ihnen um.
„James", sagte Sirius und rüttelte seinen Freund.
„Was ist?"
„Deine Freundin macht mir gerade Angst", sagte Sirius und benahm sich wie ein kleines Kind und schon wieder begannen sie zu lachen.
„Ich bin Schulsprecherin", sagte Lily, als wäre das die Neuigkeit des Jahrhunderts gewesen.
„Weiß ich, hast du uns im Zug immer wieder gesagt", sagte James.
„Und wenn ihr was anstellt, dann darf ich euch bestrafen."
„Ich war ganz schlimm", sagte James und grinste anzüglich. „Ich muss bestraft werden."
Lily schlug ihn gespielt auf seinen Arm. „So habe ich das aber nicht gemeint."
„Dann musst du dich klarer ausdrücken, Liebling", sagte er und gab ihr einen kurzen Kuss auf die Lippen.
Den Rest des Essens genossen sie und sprachen über Dinge, die sie im Zug zwar schon besprochen hatten, aber dennoch längere Gespräche erforderten.
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Völlig genervt standen alle am nächsten Morgen auf. Kaum waren sie ins Bett gegangen, mussten sie sich auch schon wieder aus ihren warmen, gemütlichen Betten hinaus klettern.
Völlig übermüdetet trafen sie zum Frühstück in der großen Halle ein. Meistens war die Halle von lautem Stimmengewirr erfüllt, aber einige Schüler mussten sich wirklich konzentrieren, dass ihr Kopf nicht auf die Tischplatte knallte. James und Sirius ging es nicht besser.
Peter war eben Peter. Er war so wie immer, aber Remus und Lily waren putzmunter und topfit. Sie sahen aus, als hätten sie gut geschlafen und waren bereit für den ersten Schultag.
Ein paar Minuten nach allen anderen traf Amy auch ein und setzte sich, mit einem herzhaften Gähnen, zu ihnen an den Tisch.
„Ich dachte schon du kommst gar nicht mehr", bemerkte Lily.
„Bin doch gekommen", antwortete sie und gähnte wieder.
„Die Dusche scheint dir wohl nicht viel geholfen zu haben. Mich wundert es, dass du nicht unter der Dusche eingeschlafen und ertrunken bist."
„Das Wasser war zu kalt und zu nass."
„Wasser hat die Eigenschaft, dass es nass ist. Und wenn das Wasser kalt ist, sollte man eigentlich aufwachen, weil kaltes Wasser einen eigentlich munter macht, weil es kalt ist."
„Lily hör auf", sagte Sirius. „Deine Sätze machen überhaupt keinen Sinn."
„Schlaf weiter, dich hat keiner gefragt", fauchte sie.
„Mich würde es nicht wundern, wenn du in deinem früheren Leben eine Raubkatze gewesen wärst", sagte Sirius.
„Bitte?", fragte Lily und ihre Lippen wurden so schmal, dass sie sogar McGonagall Konkurrenz gemacht hätten.
James, der gerade einen Schluck von seinem Wasser genommen hatte, sprühte es über den ganzen Tisch, so dass Remus ihn einen verächtlichen Blick zuwarf. James sah ihn entschuldigend an.
„Ihre Stundenpläne", hörten sie eine bekannte, strenge Stimme. Professor McGonagall war zu ihnen gekommen, so wie jedes Jahr am ersten Schultag und hatte ihnen die Stundenpläne ausgeteilt. „Und Potter? Black?"
„Ja?", antworteten beide gleichzeitig.
„Das Sie sich heuer zusammen reißen. Ist immerhin Ihr letztes Jahr. Sie haben schon genug angestellt für, ich weiß nicht wie viele Jahre. Ich habe ein Auge auf Sie", sagte sie mit Nachdruck, ehe sie auch den anderen Schülern ihre Stundenpläne gab.
„Ist ein Auge nicht zu wenig?", fragte Sirius.
„Sie hat ja auch noch meine", sagte Lily. „Wenn du es vergessen haben solltest, ich bin Schulsprecherin."
„Das hast du schon mal erwähnt", antwortete Sirius und löffelte gemütlich sein Müsli weiter.
„Verteidigung gegen die dunklen Künste", warf James ein.
„Was?"
„Drei Stunden Verteidigung", wiederholte er. „Wir haben gleich die ersten Stunden bei ihm."
„Ich bin schon gespannt", sagte Amy und lächelte.
Remus nickte.
Dann hörten sie auch schon die Glocke, die zur ersten Stunde läutete. Viele fragten sich, ob sie die Zeit vorgedreht hatten, weil sie normalerweise genug Zeit zum Frühstücken hatten, aber einige ihr Frühstück noch nicht beendet hatten.
Gemütlich gingen sie aus der Halle, die Treppe hinauf bis in den dritten Stock, wo sie heuer der Unterricht für Verteidigung gegen die dunklen Künste erwartete. Einige Schüler standen schon vor der Treppe, die gerade herunter zu kommen schien und stiegen schnell auf.
Der Gang war von Fackeln gesäumt und strahlte in hellem Licht und wies ihnen, nicht, dass sie es noch nicht gewusst hatten, den Weg ins Klassenzimmer.
Die Türe war bereits offen, als sie eintraten. Die einzigen Plätze die noch frei waren, waren jene in der ersten Reihe, da sich viele, wegen des Professors im letzten Jahr, weiter hinten hin gesetzt hatten. Sie hatten schlechte Erfahrungen gemacht und hatten es sich schließlich gemerkt. James, Sirius und Remus, setzten sich an einen Tisch.
Lily und Amy setzten sich zu der anderen Gryffindor, die noch in diesem Kurs war. Ansonsten waren noch alle Ravenclaw und zwei Hufflepuff im Kurs. Kein Slytherin hatte sich für Verteidigung gemeldet. Was nach der Meinung der Jungs auch kein Wunder war. Wieso brauchten sie Verteidigung gegen die dunklen Künste, wenn sie doch sowieso nach Hogwarts zu Todessern wurden und ihnen die dunklen Künste mehr brachten?
Frank Longbottom betrat kurz nach ihnen den Raum und ging zielstrebig nach vorne. Bevor er etwas sagte, sah er sich jeden einzelnen genau an. Er schien sie zu scannen und genau das tat er auch. Er wollte so viel wie möglich über sie herausfinden, vor allem, weil es ihn interessierte, was er ihnen zumuten konnte und was nicht.
„Als Anrede ‚Sie' oder ‚ihr'?", fragte er.
Völlig verwirrt über diese Frage, sagten sie ihr. Viele Lehrer sagten zwar ‚Sie', aber andere wiederum ‚duzten' sie.
„In Ordnung", sagte er und lächelte leicht. „Wie ihr sicher wisst, heiße ich Frank Longbottom. Das Problem, dass jedes Jahr ein neuer Lehrer in diesem Gegenstand kommt, das kenne ich auch. Und deshalb, würde ich gerne von euch wissen, was ihr bis jetzt durchgenommen habt", sagte er. Keiner schien etwas sagen zu wollen, also opferte sich Lily.
„Chimära, Doxys, Drachen, Feuerkrabben, Gnome, Hippogreife, Manticore, Sphinxen", zählte Lily die Tiere auf, die ihr gerade eingefallen waren.
„Dir ist bewusst, dass du auch einige aufgezählt hast, die ihr in Pflege magischer Geschöpfe gemacht habt oder haben solltet?", bemerkte Longbottom nebenbei.
„Nein", sagte eine Ravenclaw. „Lily hat Recht. Bei unserem Professor letztes Jahr, haben wir auch solche Lebewesen durchgenommen."
„Keine Irrwichte? Keine Werwölfe? Keine Dementoren?", fragte er.
„Nein?", sagte die Ravenclaw und es klang mehr nach einer Frage, als nach einer Antwort.
„Das müssen wir dann noch nachholen." Nach einer kurzen Pause fragte: „Und Zauber? Flüche?"
„Entwaffnungszauber! Zauber wie man Doxys loswird! Feuerlöschzauber! Gefrierzauber!", zählte James auf.
„Euch ist schon bewusst, dass diese Zauber nichts mit Verteidigung gegen die dunklen Künste zu tun haben? Zumindest einige nicht?" Jeder Schüler in der Klasse nickte. „Also kann mir jemand sagen, was zu eigentlich zu den dunklen Künsten gehört, aber von denen ihr die Verteidigung lernen sollt?"
„Todesser", antwortete Sirius überzeugend.
„Ich meinte jetzt keine Personen, sonder eher Zauber, Flüche, Banne, Tränke oder ähnliches, was in diese Kategorie gehört."
„Die Unverzeilichen Flüche", sagte Remus.
„Weiter", forderte Frank die Schüler auf.
„Die, die Sie eben genannt haben", antwortete ein Hufflepuff, worauf sich Frank wirklich kein Lachen verkneifen konnte.
„Ich habe schon vieles gehört, aber so eine Antwort ist mir noch nie untergekommen. Sehr originell. Noch weitere?"
„Vielsafttrank", sagte Sirius.
„In welcher Hinsicht?", fragte Frank.
„Ein Vielsafttrank verwandelt ja jemanden für eine Stunde in eine Person seiner Wahl. Und wenn man Person, die kopiert werden soll, genug beobachtet und sie so imitiert, wie sie ist, kann man ganz leicht jemanden hintergehen, ohne erwischt zu werden. Es gibt aber gewisse Zauber, die das verhindern können."
„Sehr gut. Noch etwas?"
„Alle Flüche, Zauber, Banne, Tiere, Tränke, Gegenstände und so weiter, die auf dem ‚verbotenen Index' des Ministeriums stehen", sagte James. „Und Inferi."
„Ihr scheint ja gut darüber bescheid zu wissen", bemerkte Frank.
„Wenn, und ich glaube, ich kann hier für alle sprechen, wir uns nicht für diesen Gegenstand interessieren würde und uns selbst darüber informiert hätte, dann würde dieser Kurs jetzt völlig leer stehen. Die Meisten, die bei unseren Lehrern in der Vergangenheit, die UTZ-Kurse gemacht haben, haben sich in die Bibliothek gesetzt und sich das alle selber beigebracht", erklärte eine brünette Ravenclaw.
„Nach dieser Aussage nach, klingt es für so, als wären eure Professoren inkompetent gewesen?"
„Ja, und wie", war die einstimmige Antwort.
„Na dann hoffe ich, dass ich es nicht bin", bemerkte Frank mit einem Augenzwinkern. „Wie mir scheint, habt ihr wichtige Dinge nicht durch genommen. Um Irrwichte durchzunehmen, benötigen wir einen Irrwicht und so einen, werde ich besorgen müssen. Werwölfe machen wir zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ihr die Grundprinzipien verstanden habt", fuhr er fort und sah dabei Remus kurz an. Alle Professoren in Hogwarts wussten von seinem Problem. „Die unverzeihlichen Flüche machen wir nach den Dementoren, da ich nach den Flüchen etwas geplant habe."
„Und was?", fragte Amy, die von Natur aus schon ziemlich neugierig war.
„Ich dachte mir, da es in letzter Zeit so viele Angriffe gab, werde ich euch das Duellieren beibringen. Denn dann könnt ihr sehen, wie die Flüche wirken und wie ihr sie einsetzen müsst und wir haben das Nützliche und Praktische mit dem Unterricht verbunden.
Flüche, die ihr gezielt einsetzen könnt, um euch vor eurem Gegner einen Vorsprung zu verschaffen. Denn was sollte man nicht tun?"
„Einen Gegner unterschätzen", antwortete James prompt. „Das Aussehen sagt nichts über die Person aus, der Charakter in dieser Hinsicht genauso wenig. Man muss eine Person duellieren gesehen haben, um sich ein Bild machen zu können."
„Nie jemanden unterschätzen, wenn man ihn nicht kennt. Das ist eine wichtige Regel", fasste Frank kurz zusammen. „So, dann holt mal eure Zauberstäbe heraus."
Die Ravenclaw zeigte wieder auf. „Brauchen wir denn keine Bücher?"
„Ich sage euch dann, wenn ihr sie mitnehmen sollt. Benötigen werdet ihr sie bei den Flüchen und Zaubern, um darin etwas nachzulesen, auch über Dementoren. Aber ansonsten machen wir Praxis-Training. Was sind eigentlich Dementoren?"
Jede Hand hob sich in die Lüfte. „Dann sagt jeder etwas dazu, was im beziehungsweise ihr einfällt."
„Dementoren sind Wächter in Askaban, gewöhnlich jedenfalls", korrigierte sich die Ravenclaw.
„Überall wo sie hinkommen herrscht Kälte und Gefühllosigkeit."
„Sie ernähren sich von glücklichen Gefühlen und quälen die Menschen, in denen sie ihre Opfer die schlimmsten Momente wieder durchleben lassen."
„Sie töten, in dem sie die Menschen küssen."
„Muggel können sie nicht sehen, aber fühlen, gefühlskalte Muggel, die von der Art her gleich sind wie sie, können nicht einmal das", sagte Amy.
„Der Patronus-Zauber bringt sie zwar nicht um, aber ein mächtiger, gestaltlicher Patronus kann sie vertreiben."
„Und wieso ist das so? Sirius?"
„Weil ein Patronus durch eine glückliche Erinnerung hervorgerufen wird und der Patronus nur aus guten ‚Dingen' besteht, was einen Dementor nicht satt machen kann."
„Noch etwas?", fragte Frank.
„Sie brüten", sagte Lily.
„Ja, dann hätten wir ja alles, weiß jemand etwas über das Brüten?", fragte er.
„Dementoren hauchen Muggeln, die genauso von der Art her sind wie sie, das Leben aus. Es gibt verschiedene Stadien, die ein junger Dementor durchlebt. Ein alter Dementor, der schon einen Überschuss an Energie hat, haucht sie dann eben dem Muggel ein, der dann durch diese Stadien zu einem jungen Dementor wird." James machte eine kurze Pause. „Und da die ganzen Gefühle ausgetauscht werden und Leben ausgehaucht werden, entsteht dieser kalte, dichte Nebel."
„Bemerkenswert", sagte Frank nachdenklich. Er hatte diese Frage eher sporadisch gestellt. Er hätte nicht gedacht, das sie jemand beantworten kann, geschweige denn so ausführlich und genau darüber bescheid wissend. Er selbst hatte sich in der Hogwarts-Bibliothek darüber erkunden wollen, aber nichts gefunden. Den genauen Vorgang lernte er in seinem ersten Jahr in seiner Aurorenausbildung.
„Wie Sirius vorhin erwähnt hat, gibt es einen Zauber, der Dementoren von einem abhalten kann. Die Beschwörungsformel lautet ‚Expecto Patronum'. Dann nehmt jetzt eure Zauberstäbe und probiert ihn. Denkt an eine glückliche Erinnerung. Haltet euch an dieser fest und sprecht dann die Formel." Die Schüler wollten gerade einen Patronus herauf beschwören, als Frank sie stoppte. „Wenn ihr nicht wollt, dann zeige ich es euch nicht."
„Doch", bat Amy und die anderen nickten bekräftigen.
„Expecto Patronum", sagte Frank gelassen, als wäre es das Normalste der Welt. Für einen Auroren war es das ja, aber das wussten die Schüler nicht.
Aus dem Zauberstab kam ein Wolf, der einmal durch die Klasse lief und dann, bevor er Frank berührte, sich wieder in Luft auflöste.
„Wow", kommentierten einige und versuchten sich selbst an ihren Patroni.
James und Lily bekamen ihre Patroni auf Anhieb hin und sollten auf Anweisung von Longbottom den Anderen helfen.
Am Ende erschienen bei allen Patroni, die aber nur kurz ihren Umriss zeigten, aber dann wieder verschwanden. Frank erklärte es so: „ Sucht euch wirklich eine starke Erinnerung aus, die bei euch die Glücksgefühle nur so durch den Körper strömen lässt. Haltet es dann ganz fest und sprecht dann die Formel. Ihr bekommt vor mir nur eine Aufgabe und zwar, findet eine Erinnerung, das nächste Mal, will ich sehen, dass sie euren Patronus stärkt." Alle nickten. „Diese Woche machen wir noch Dementoren, nächste Woche, kämpfen wir uns zu den Flüchen, Zaubern und so weiter durch. Eine Woche darauf, beginnen wir mit Duellen und Flüche, die euch dabei helfen."
Danach waren sie aus dem Unterricht entlassen. Völlig begeistert redeten die Schüler des UTZ-Kurses noch miteinandern.
„Der versteht was von den dunklen Künsten", meinte die Ravenclaw. „Und er weiß, wann er was einsetzen muss."
„Er meinte auch, dass wir ziemlich im Rückstand sind, wegen unseren ehemaligen Lehrern", bemerkte Amy. „Stimmt aber. Wenn wir uns nicht dafür interessieren würden, dann hätte er keine UTZ-Klasse."
Alle nickten ihr zustimmend zu.
„Er weiß, wie es da draußen vor sich geht und bringt uns duellieren bei. Das ist wirklich mal etwas, was man nach Hogwarts brauchen kann", bemerkte der Hufflepuff.
„Ich bin echt schon gespannt darauf", sagte Remus. „Das dürfte wirklich interessant werden. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, scheint ihn dieses Gebiet wirklich zu interessieren und er weiß was er tut und was er zu tun hat. Zumindest wirkt er so auf mich."
„Und er wirkt sicher", fügte Lily noch hinzu, ehe sie sich an der Treppe trennten und jeder zu seinem nächsten Gegenstand ging.
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Es sei erwähnt, dass Frank Longbottom noch nicht so ein bekannter Auror ist, sondern eher für Verhöre und die Ausbildung von neuen Rekruten zuständig ist. Und da er eben gut mit solchen umgehen kann, bei mir jedenfalls, hat er diesen Posten übernommen. Wieso? Das klärt sich noch. Vermutungen könnt ihr ruhig aufstellen.
Frank ist gerade mal 10 Jahre älter als die Marauder. Ich wollte nicht unbedingt Alice und Frank in Hogwarts einbauen, sondern ihnen eher eine andere Aufgabe zuteilen. Davon werdet ihr aber noch genug lesen.
Erklärung genug? liebguckt
Narnia: Hi! Wegen den Gerichtsflüchen ... kommt ganz darauf an, wie die FF weiter verläuft und ob ich eine Gerichtsverhandlung überhaupt einbauen kann. Aber dass könnte ich machen, wirst du und auch die Anderen noch lesen. HDL
Vielleicht habt ihr für mich noch ein Review übrig? Ja, ich weiß, dass ich das jedes Mal erwähne, aber mir hilft eure Meinung wirklich weiter
lg
Magic
