Kapitel 17: Ein Kennen lernen mit Folgen I

Wieder war in Hogwarts eine gedrückte Stimmung eingekehrt. Lauter trauernde und verängstigte Schüler, die einem in den Gängen und in der großen Halle über den Weg liefen. Alleine in den Klassenzimmern herrschte Totenstille, wie, als würde jeden Moment Voldemort höchst persönlich in das Klassenzimmer kommen und Mord und Totschlag verüben. Die Weihnachtszeit gehörte in diesem Schuljahr garantiert nicht zu der schönsten und fröhlichsten Zeit. Fröhlich konnten nur noch die wenigsten Schüler sein. Die Meisten beteten inständig, dass ihre Eltern, Geschwister, Großeltern und andere Verwandte noch lebten, wenn sie sie das nächste Mal sahen.

Grauenhaft war es, wenn der Hauslehrer betroffene Schüler zu sich ins Büro holte und schon einen Beruhigungstrank auf dem Tisch stehen hatte. Die Professoren hatten schon eine gewisse Routine in der Überbringung von Todesmitteilungen erlangt. Auch wenn es grausam klingt, wenn Verwandte verschwunden waren und man nicht wusste, ob sie noch lebten oder nicht oder einfach nur auf grausamste Weise gefoltert wurden, war es dennoch besser zu wissen, dass ihre Leichen gefunden wurden und sie nicht mehr leiden mussten.

Den Schmerz, den die Schüler in jenem Moment empfanden, lässt sich nicht in Worte fassen und es wird auch nie die Möglichkeit herrschen dies zu tun. Denn der Verlust eines geliebten Menschen – die Trauer und der Schmerz, lässt sich niemals in Worte fassen. Es tut einfach nur tief im Inneren des Herzens weh. Es schmerzt so sehr, als würde man denken, der Körper würde jeden Moment wegen der Trauer zerspringen. Die Erkenntnis, das ein geliebter Mensch nicht mehr wieder kehrt, ist schwer realisierbar – es klingt einfach nur surreal und wenn man dann langsam anfängt zu begreifen, dass dieser Mensch nicht mehr da ist, dass man ihn nicht mehr umarmen kann, nicht mehr mit ihm reden kann, dann bricht eine Welt zusammen und man ist so nahe am Abgrund, dass man glaubt, dass man aus dieser Trauer und diesem Tief nie mehr heraus kommen kann. In diesem Fall der Trauer hilft es einzig und alleine nur, wenn man Menschen um sich hat, die einem durch die schwere Zeit helfen und zeigen, dass sie für einen da sind. Die einen trösten, wenn man einfach nicht mehr kann und den Tränen freien Lauf lässt.

Die Angst, die einen immer auf Schritt und Tritt verfolgte, als wenn man spüren würde, dass jeden Moment etwas passieren könnte, war schlimm. Man rechnete damit, aber wenn es dann wirklich eintrat, dann schmerzte es umso mehr. Und die Angst war begründet. Es wurde ja versucht den Schülern ein wenig Freude in diese tristen Schultage zu bringen, doch sie reagierten nicht darauf. Sie lebten einfach nur noch vor sich hin und hofften inständig, dass sie nie einen schwarzen Brief erhalten und im Büro eines Professors landen würden. Denn dies war das Zeichen, das keiner missverstehen konnte. Es war eines, das den Tod überbrachte und einfach nur eine klaffende Wunde hinterließ.

Sogar Lily wirkte ein wenig traurig und immer, wenn James sie darauf ansprach, schaltete sie auf stur und sagte, dass ihr nichts fehlte. Dass es ihr bestens ging und sie einfach nur nachgedacht hatte. Doch keiner wollte ihr so Recht glauben. Sie kannten sie einfach schon zu gut, als dass sie Lily so eine Lüge glauben würden.

Eines Tages, ein paar Tage vor Weihnachten, war Lily nicht in ihrem Schlafsaal und auch nicht im Gemeinschaftsraum. Amy war am späten Abend zu den Maraudern in den Schlafsaal gegangen, weil sie Lily bei James vermutete, doch es stellte sich heraus, dass sie auch dort nicht war. Amy machte sich Sorgen. Es war eigentlich nicht Lilys Art einfach spurlos, ohne ein Wort, zu verschwinden und nicht einmal nach der Sperrstunde im Gemeinschaftsraum zu sein. Wenn es nach Amy ging, hatte James einen schlechten Einfluss auf sie, aber sie glaubte es sich nicht einmal selbst. Denn seit Lily und James ein Paar waren, war Lily aufgelebt und hatte zu leben begonnen. Lily war zwar vorher schon richtig lebensfreudig gewesen, doch in den letzten paar Monaten war es immer offensichtlicher geworden, dass ihr sehr viel an James lag und sie das nicht mehr missen wollte.

Am Anfang war Amy ziemlich skeptisch über die Beziehung der Beiden, doch als sie sah, wie die Beiden mit einander umgingen, fühlte sie einfach, dass die Beiden für einander bestimmt waren. Zuerst belächelten alle nur diese „Scheinbeziehung". Doch aus dieser zum Scheitern verurteilten Beziehung, wurde etwas Tiefes und Inniges, was wohl niemand so schnell zerstören konnte. Lily und James vertrauten sich beide gegenseitig so sehr, dass sie nicht den geringsten Grund dazu hatten eifersüchtig zu sein. Eine gewisse Eifersucht war zwar da, aber niemand gab seinem Partner einen Grund, diese wirklich auszuleben.

„Ich weiß nicht wo Lily ist", sagte James erneut. Langsam aber sicher nervte es ihn, dass Amy so ein sturer Dickkopf war – schlimmer als Lily!

Amy stapfte mit beiden Füßen auf und stieß Luft aus. Man konnte ihr anmerken, dass sie schon ein wenig nervös diesbezüglich war.

Remus war Sirius und James einen Blick zu, worauf Sirius nur eine Augenbraue hob und Remus verwirrt ansah. Remus machte mehrere komisch Gestiken zu den Beiden verschlafen wirkenden Maraudern. Amy dachte, dass die Drei völlig übergeschnappt waren, doch als Sirius plötzlich ein verstehendes „Ah!" von sich gab, war Amy sehr verwirrt. Was sollte das Verhalten der Jungs eigentlich bedeuten?

James schien es zwar noch immer nicht verstanden zu haben, doch plötzlich konnte man beinahe auch über ihm eine Glühbirne aufleuchten sehen.

„Amy, wenn wir dir jetzt was verraten, musst du uns hoch und heilig versprechen, niemanden etwas darüber zu verraten. Hast du verstanden?", sagte Remus eindringlich.

Amy verschränkte die Arme vor ihre Brust und sah ihn skeptisch an.

„Bitte", sagte er noch einmal.

Sie seufzte. „In Ordnung. Ich verspreche es euch." Sie sah zum vierten Bett was in diesem Raum stand. „Sagt mal … weckt ihn eigentlich überhaupt nichts auf?"

„Eigentlich nicht", meinte Sirius.

„Peter ist sogar noch schwieriger wach zu kriegen, als Sirius", meinte Remus.

„Hey", beschwerte sich dieser sofort.

„Ist doch wahr", meinte Remus und verdrehte die Augen.

Sirius schmollte gespielt und Amy konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Währenddessen holte James etwas aus seinem Koffer, den er unter dem Bett hervorgezogen hatte. Ein kahles, verblichenes, altes Pergament hielt er ihr vor die Nase.

„Und das ist?"

„Dieses etwas, worüber du niemandem etwas sagen darfst", sagte Sirius noch einmal eindringlich.

James nahm seinen Zauberstab in die Hand und hielt ihn auf das Pergament und sagte: „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!"

Amys Augen weiteten sich, als sie sah, dass an genau jener Stelle, wo sich James' Zauberstab befand, feine Linien über das ganze Pergament verteilt und sich zu Buchstaben formten. Langsam waren aus diesen verschlungenen Buchstaben auch Wörter zu lesen. Immer noch fasziniert starrte sie auf das Pergament. „Was ist das?"

„Das hast du schon einmal gefragt", erinnerte sie James.

„Es ist eine Karte", sagte Remus und Amy wandte sich ihm zu.

„Eine Karte?"

Remus nickte. „Eine Karte, die wir vier, als James, Sirius, Peter und ich im Laufe der Zeit angefertigt haben. Sie zeigt ganz Hogwarts, mit Geheimgängen und einen Großteil der Ländereien."

„Aber da sind auch Punkte, wo die Namen stehen", sagte sie und deutete auf einen, mit dem Namen Severus Snape.

„Ein kleiner Zauber der Person zeigt, die sich wo befinden. So brauchen wir einfach nur einen Blick auf die Karte werfen und wir wissen, wo wir nicht hingehen sollten, wenn wir nicht erwischt werden wollen."

„Aber was macht Snape eigentlich um diese Uhrzeit noch außerhalb des Gemeinschaftsraumes?", fragte Amy.

„Das würde ich aber auch gerne wissen", meinte Sirius und beobachtete den Punkt, der sich im zweiten Stock hin und her bewegte. Als würde er auf etwas warten oder etwas suchen.

„Aber Snape ist ja jetzt nicht die Hauptperson", meinte Remus und suchte mit seinen Augen das ganze Pergament ab. „Wir suchen Lily!"

„Da ist sie!", sagte James nach einem kurzen Moment und zeigte auf einen Punkt mit dem Namen ‚Lily Evans', der sich nicht bewegte. „Sie ist auf dem Astronomieturm."

„Ich sehe nach ihr", sagte Amy und wollte bereits den Schlafsaal verlassen, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte und sie zurückhielt.

„Ich geh schon", sagte James und ließ keine Widerrede zu. Amy blinzelte mit ihren Wimpern und sah auf die geschlossene Türe, durch die James vor ein paar Sekunden gegangen ist.

„Versuche nie ihn zu etwas zu überreden oder etwas aus ihm herauszubekommen. Es hat keinen Sinn", gab Remus ihr den Rat. „Wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es auch durch und lässt sich wirklich nicht davon abbringen."

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James

Die Karte hatte er in seiner rechten Hand, in der linken hatte er seinen Zauberstab und leuchtete sich somit den Weg durch die verlassenen Gänge. Immer wieder warf er einen Blick auf die Karte, ob nicht Filch oder sonst jemand, der ihm Probleme machen könnte, in der Nähe von ihm war. Zu seinem Glück konnte er den direkten Weg zum Astronomieturm gehen, denn alle Personen, die die Karte anzeigte, bewegten sich von ihm weg.

James rannte nicht, denn er wusste, dass Lily sich nicht bewegt hatte und es in nächster Zeit auch nicht tun würde. Er hatte zwar ein schlimmes Gefühl, als dass Lily etwas passiert war, doch sie hatte sich kurz ein paar Schritte am Astronomieturm bewegt. Immer wieder fragte er sich, weshalb Lily dort oben alleine war und niemandem etwas gesagt hatte. Es musste einen triftigen Grund haben, warum sie dort oben alleine war, aber wofür waren Freunde da? Dachte sie etwa, sie müsste, was auch immer es war, alleine durchstehen? Gewiss nicht!

James stand nun vor der geschlossenen Tür, die auf den Astronomieturm hinausführte. Langsam legte er seine Hand auf den Türknopf und öffnete sie. Mit einem leisen Quietschen ging die Türe auf, aber Lily schien es nicht zu bemerken. James konnte ihr ansehen, dass sie in tiefe Gedanken versunken war. Langsam ging er auf sie zu und blieb kurz etwas weiter hinter ihr stehen. Ihre Haare wehten leicht im Wind, der über das Gelände zog. Ihr Blick wirkte traurig, genauso wie ihr ganzes Gesicht. Die Hände hatte sie vor der Brust verschränkt und in einer Hand hielt sie einen Brief. James sah sie noch einen Moment an, ehe er die letzten paar Schritte, die sie beide von einander treten, zurücklegte und vorsichtig eine Hand um ihre Schultern legte.

Plötzlich zuckte Lily zusammen und drehte sich erschrocken um. Als sie dann aber in James' warme, haselnussbraune Augen sah, wurde ihr Blick wieder traurig und sie wandte sich wieder ab. James zog sie näher an sich und legte eine Hand unter ihr Kinn und wandte es sich zu. So zwang er sie ihn anzusehen. In ihren Augen spiegelte sich Trauer und Verzweiflung wieder.

„Was ist mit dir?", fragte James sie sanft.

Lily konnte nicht gleich antworten. Sie holte ein paar Mal tief Luft, ehe sie überhaupt die richtigen Worte fand. „Ich habe heute am Abend einen Brief bekommen", war alles, was sie ihm sagte. James wartete ab und ließ ihr Zeit, dass sie sich sammeln konnte, um weiter zu erzählen, doch sie sagte nichts.

„Lily, du kannst mit mir über alles reden und das weißt du", versuchte James sie aufzumuntern und blickte ihr immer weiter in die Augen.

Plötzlich konnte James in ihren smaragdgrünen Augen Tränen schimmern sehen, die sich lautlos einen Weg ihre Wangen hinunter bahnten. Mit einem Finger wischte James sanft die Tränen weg. Er schwor, wer seine Lily zum Weinen brachte, hatte sich ihn zum Feind gemacht. Er konnte sie einfach nicht weinen sehen.

„Lily", sagte er leise. „Du weinst doch sonst nie. Was ist passiert?" James vermutete, dass vielleicht jemandem aus ihrer Familie etwas zugestoßen war, weshalb sie so traurig war. Sie zitterte, weil sie nicht laut los weinen wollte. James ließ die Karte und seinen Zauberstab in seinen Umhang gleiten und umarmte Lily. Ihr ganzer Körper bebte und James schmerzte es, sie so zu sehen.

Immer noch hielt sie diesen Brief in der Hand, welcher der Grund war, weshalb sie so zerstreut war, vermutete zumindest James und er sollte Recht behalten.

„Meine Eltern ...", begann Lily leise. „Sie haben mir einen Brief geschrieben. Sie … sie schreiben, dass ich dieses Weihnachten nicht nach Hause kommen soll und in Hogwarts am Besten aufgehoben bin. Kannst du dir das vorstellen? Sie wollten, dass ich in Hogwarts bleibe, damit meine Schwester mit ihrem Verlobten nach Hause kommt. Bin ich denn nicht auch die Tochter meiner Eltern? Habe ich vielleicht irgendetwas falsch gemacht, weshalb sie mich zu Weihnachten nicht zu Hause haben wollen? Und es mir ein paar Tage vorher sagen?" Lilys Stimme wurde immer belegter. Es fiel ihr schwer darüber zu reden. Sie liebte ihre Eltern und ihre Eltern liebten sie, doch warum wollten ihre Eltern wirklich nicht, dass sie jetzt nach Hause kam? Letztes Jahr hatte es ihre Eltern doch auch nicht gestört. Sie meinten: „Petunia, Lily kann nach Hause kommen wann sie will und daran kannst du auch nichts ändern. Sie ist genauso unsere Tochter wie du es bist und daran solltest du dich gewöhnen."

Was hatte sich seit daher verändert? Was hatte Petunia ihren Eltern erzählt? Liebten sie ihre Eltern nicht mehr? Sahen sie sie jetzt auch als Freak, genauso wie ihre Schwester? Hatte es Petunia letztendlich geschafft, ihre Eltern von ihr abzuwenden? Sie dazu gebracht sie nicht mehr zu lieben?

Lily merkte es nicht, doch sie klammerte sich mit beiden Händen fest an James und vergrub ihr Gesicht in seinem Pullover. Eine Hand strich ihr als beruhigende Geste über den Kopf. Sie fühlte sich in dieser Geste so wohl, sie war ihr so vertraut. Ihre Eltern hatte es früher mit ihr gemacht, wenn sie traurig über etwas war und genau diese Erinnerung, hatte sie wieder verletzt. Wieso taten ihre Eltern es jetzt nicht mehr? Hatte sie ihre Eltern enttäuscht? Hatte sie etwas gemacht, was sie verärgert hatte? Lily kannte den Grund nicht und suchte ihn wirklich bei sich, obwohl sie nichts dafür konnte.

Die Zeit verstrich und keiner der Beiden wusste genau, wie lange sie schon dort oben standen, als Lily sich langsam zu beruhigen begann und endlich ihren Kopf hob und James in die Augen blickte. Als sie James freundliches, aufmunterndes Lächeln sah, welches sich sogar auf seine Augen ausbreitete. So konnte Lily, egal ob sie nun wollte oder nicht, auch nur Lächeln. Alleine James' Art munterte sie auf und das er für sie da war auch.

„Was hältst du davon, wenn du Weihnachten bei mir zu Hause verbringst? Ich kann dich doch nicht so einfach alleine in Hogwarts lassen", sagte James.

„Haben deine Eltern eigentlich nichts dagegen?", fragte Lily ihn. „Ich meine, bin ich keine Belastung für sie?"

James lächelte sie aufmunternd an. „Lily, darüber machst du dir Sorgen?" Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

„Warum lachst du? Und ja, ich mache mir darüber Gedanken."

Er schüttelte leicht seinen Kopf. „Glaub mir, meine Eltern haben sicher nichts dagegen. Und wenn sie Sirius und mich aushalten, dann werden sie dich auch noch aushalten und du bist sowieso jemand, der sehr ruhig ist und auf Regeln bedacht ist. Sie werden dich lieben!"

„James, jetzt übertreibst du aber." Lily schlug ihn gespielt auf den Arm. „Aber wie meinst du das, deine Eltern halten Sirius auch aus? Kommt der zu Weihnachten auch mit?"

„Ähm Lily? Habe ich dir nicht gesagt, dass Sirius bei uns wohnt?" James sah sie verwirrt an.

„Möglich? Aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern."

„Das merke ich gerade", sagte James. „Ich werde sofort eine Eule an meine Eltern schreiben, dass du zu Weihnachten auch mitkommst."

„Du willst deinen Eltern jetzt noch schreiben? Du weckst sie doch nur auf."

„Glaub mir, ich weiß, dass meine Eltern jetzt garantiert noch nicht schlafen."

Einen kurzen Moment blieben die Beiden noch auf dem Astronomieturm, ehe sie zurück in den Gemeinschaftsraum gingen. Wieder hatte James seine Karte herausgeholt und war mit Lily so gegangen, dass sie nicht erwischt wurden. Nachdem die fette Dame ihnen einen bösen Blick zugeworfen hatte, weil sie schon wieder aus ihrem Schlaf geholt wurde, ließ sie schließlich doch in den Gemeinschaftsraum eintreten, wo bereits ihre Freunde warteten. Lily und James wurden auch plötzlich von Fragen bombardiert.

Als Sirius dann erfuhr, wo Lily ihre Ferien verbrachte, strahlte er und zählte sogleich viele Dinge auf, die sie zusammen unternehmen konnten. Doch Lily verzog bei den meisten Aktivitäten das Gesicht und fragte sich wirklich, ob man Sirius noch als zurechnungsfähig bezeichnen konnte.

„LILY", regte sich Amy sogleich auf. „Du hättest mir das ruhig sagen können. Du hättest Weihnachten auch bei mir verbringen können. Meine Eltern hätten kein Problem damit gehabt, sonst hätten sie dich wohl auch nicht für zwei Wochen in den Sommerferien bei sich wohnen lassen. Und meine kleinen Geschwister scheinen dich auch zu mögen." Amy seufzte. „Wie hast du das eigentlich angestellt?"

„Was angestellt?", fragte Lily.

„Das dich meine Geschwister mögen, du sie auch wieder loswerden kannst, wenn sie nerven und … und … ja wie hast du das denn gemacht?"

„Keine Ahnung?"

Über die Unwichtigkeit dieses Gespräches bewusst, begannen dann plötzlich alle zu lachen und konnten nicht mehr so schnell aufhören.

„Ich schreib jetzt wirklich meinen Eltern", sagte James und beschwer mit einem kurzen Schwenker mit seinem Zauberstab, Pergament, Feder und Tintenfass herauf.

James schien wirklich konzentriert zu schreiben und alle versuchten mitzulesen, was er schrieb, doch er deckte den Text ab und sagte: „Ich lese es euch später noch vor, aber erst dann, wenn ich fertig bin."

Nach einer Ewigkeit, wie es ihnen schien, legte James die Feder beiseite und ließ seine Augen noch einmal über das Pergament wandern, ehe er zufrieden nickte und seine Freunde ihn begierig ansahen, dass er doch endlich vorlesen sollte, was er geschrieben hatte.

„Ihr seid überhaupt nicht neugierig, was?", fragte James süffisant grinsend.

„Nein, wie kommst du darauf?", fragte Sirius zurück.

Er zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, nur so!"

„Also lies jetzt vor", forderte Amy auf.

James räusperte sich kurz, ehe er begann:

Liebe Mum! Lieber Dad!

Wie geht es euch? Hoffe doch, dass es euch gut geht. Wie sollte es euch auch anderes gehen? In Hogwarts ist es eigentlich so wie immer, nur dass eben gewisse Nachrichten nicht gerade die Stimmung heben.

Ich glaube, ihr fragt euch, warum ich euch ausgerechnet jetzt schreibe, wo wir uns doch schon in ein paar Tagen sehen. Keine Panik, ich bleibe über die Weihnachtsferien nicht in Hogwarts, doch ich möchte euch bitten, ob nicht auch Lily Evans, meine Freundin, über Weihnachten zu uns nach Hause kann. Ihre Eltern sind zu dieser Zeit leider verhindert und ich kann sie irgendwie nicht alleine Weihnachten feiern lassen. Und sie ist das komplette Gegenteil von Sirius, so in etwa wie Remus, nur eben in weiblicher Form.

Wenn jetzt schon Sirius und Lily zu Weihnachten bei uns sind … wäre es ein großes Problem, wenn Remus und Amy auch mal vorbeischauen? Nicht? Danke schon jetzt dafür!

Viel gibt es eigentlich nicht mehr zu schreiben, wir sehen uns dann ja in ein paar Tagen zu Hause!

Gruß

James

Sirius' Augen hatten sich ein wenig verengt und er formte mit seinem Mund ein paar lautlose Worte.

„Tut mir leid Sirius, aber ich lüge meine Eltern nicht an. Ich sage ihnen nur die Wahrheit, da brauchst du gar nicht so zu schauen und zu reagieren", meinte James.

„Aber du hast deine Eltern gerade belogen", tadelte Lily.

„Wo?", fragte er.

„Bei dem Teil, wo du geschrieben hast, dass meine Eltern zu Weihnachten leider verhindert sind. Sie sind nicht verhindert, sie wollen nicht, dass ich zu Weihnachten nach Hause komme, sondern in Hogwarts bleibe."

„Wie gesagt, deine Eltern sind in gewisser Weise doch verhindert", antwortete James verschwörerisch.

Lily konnte nicht anders, als nur den Kopf zu schütteln. Sie fragte sich immer wieder, wie jemand so wie James sein konnte. So gut gelaunt und dann doch manchmal ernst und einfach … ja einfach so sein, wie er sein will und nicht künstlich.

Wie gerufen, flog plötzlich eine Eule auf das Fenster des Gemeinschaftsraumes zu, der James das Pergament um das Bein band.

Sie wussten nicht wie lange sie noch im Gemeinschaftsraum saßen und sich amüsierten, doch dann übermannte sie alle die Müdigkeit und sie schliefen ein und wurden erst wieder durch den Lärm, den die Schüler machten, die in die große Halle zum Frühstück gingen, geweckt. Nicht wissend wo sie waren, wachten sie auf und erschraken, als es ihnen dann plötzlich bewusst wurde. Hastig eilten sie in ihre Schlafsäle und richteten sich her und waren dann auch gleich in der großen Halle beim Frühstück anzutreffen.

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Die letzten Schultage verstrichen wie im Fluge, doch dennoch war eine gewisse Deprimiertheit bei ihnen zu spüren, denn die Professoren hatten ihnen eine Menge Hausaufgaben über die Ferien aufgegeben und zwar Dinge, die schwer waren und wo sie wirklich eine Menge Bücher lesen mussten, um die Daten mit Quellen belegen mussten.

Lily meinte eigentlich nur, dass es eigentlich nicht viel sei und wenn sie diese Dinge gleich am Anfang ihrer Ferien erledigten, dann hätten sie den Rest der Ferien frei und müssten dann nicht gegen Ende der Ferien mehrere Nachtschichten einlegen, um alles zu erledigen.

Resignierend gaben James und Sirius klein bei und versprachen ihr, alles sofort zu erledigen und dann konnten sie tun und lassen, was sie wollten.

Nach einem kleinen stärkenden Frühstück, holten sie noch schnell ihre Koffer, verstauten sie in den Kutschen und schleiften sie in den Hogwarts Express. Erleichtert ließen sich alle in die Sitze fallen. Sirius schloss die Augen und sagte: „Endlich Ferien! Wurde auch wirklich langsam Zeit! Diese Foltern, die die Professoren jetzt gemacht haben, waren einfach nicht mehr im normalen Bereich."

„Sieh es so, wir haben heuer unsere UTZ und da müssen wir eben Stoff machen, weil wir dann, kurz vor den UTZ, auch noch Vorbereitungsstunden bekommen", sagte Amy und holte ein Buch aus ihrem Koffer. Sirius schüttelte einfach nur den Kopf.

„Wie kann man nur am Anfang der Ferien schon Bücher lesen?"

Amy sah bedrohlich von ihrem Buch auf. „Wenn du genau auf den Titel schaust, wirst du merken, dass es kein Schulbuch oder ein Buch von oder für Hogwarts ist, sondern einfach ein Muggelroman, der sehr interessant ist."

„Ist ja schon gut", gähnte Sirius. „Weißt du, was mir schon länger aufgefallen ist?" Er wartete nicht einmal eine Antwort ab, sondern fuhr einfach fort. „Dass du und Remus euch extrem ähnlich seid. Ihr würdet perfekt zusammen passen … Aua! Hey, was soll das?", fragte er gereizt. Nach Beendigung seines Satzes, trat ihm Amy ans Schienbein und Remus gab ihm eine Kopfnuss, die sich gewaschen hatte.

„Das bestärkt meine Theorie nur noch mehr!"

Wenn Lily so über Sirius' Worte Nachdachte, musste sie zugeben, dass er Recht hatte. Es war eigentlich offensichtlich, dass die Beiden perfekt zusammen passen würden, doch ob sie das auch so sahen? Nach ihrer Meinung nach – ja! Sonst würden sie sich ja nicht vehement dagegen wehren, wenn jemand diese Meinung äußerte. Vielleicht konnte sie da mit der Hilfe von ein paar gewissen Personen etwas tun.

„Lily?", fragte James und sah sie von der Seite her an.

„Hmm?", fragte sie verwirrt.

„Wieso lächelst du so?"

„Wie lächle ich denn?"

„So, als würdest du etwas planen!"

Ihr Lächeln wurde breiter und sie sah James einfach nur an. Nach dem Remus, Peter, Sirius und Amy das Interesse an der Unterhaltung von den Beiden verloren hatten, beugte sie sich zu James und flüsterte ihm ihren Plan ins Ohr. Auf sein Gesicht stahl sich ebenfall ein wissendes Lächeln. Er war vollends von dieser Idee begeistert. Seine Lily war eben etwas Besonderes!

Gegen späten Abend fuhren sie endlich in Kings Cross ein. Sie warteten ein wenig ab, bis die meisten Schüler aus dem Zug gestiegen waren und konnten sehen, wie sie liebevoll von ihren Eltern begrüßt wurden. Wie sie voller Wiedersehensfreude in die Arme geschlossen wurden und sie dann den Bahnhof verließen.

Amy, Remus und Peter verabschiedeten sich und machten sich aus, sich einmal in der Winkelgasse zu treffen und dann schließlich zu Silvester bei James zu Hause.

Es dauerte nicht lange, da war das Gedränge vom Bahnhof verschwunden und nur noch Sirius, Lily und James standen noch am Bahnhof. Lily wunderte sich, weshalb sie noch immer hier standen und James' Eltern nicht da waren. Doch ehe Lily auch nur fragen konnte, holte James eine Feder aus seinem Umhang und hielt sie ihr hin. Sirius hatte sein Gepäck in der einen und die Feder berührte er mit der anderen Hand. Beide sahen Lily auffordernd an, als ihnen wie Schuppen von den Augen fiel.

„Bist du eigentlich schon einmal mit einem Portschlüssel gereist?"

Sie schüttelte den Kopf. „Aber ich habe davon gelesen."

„Lesen hilft nicht gerade viel, aber ist ja egal. Du greifst jetzt einfach diese Feder an und eben deinen Koffer, dann zähle ich bis drei und dann kommen wir eigentlich schon bei uns im Wohnzimmer an. Ist nicht so kompliziert, wie du vielleicht denkst. Portschlüssel sind eigentlich ganz praktisch, vor allem, wenn man nicht apparieren kann."

„Blöd ist es eigentlich nur, dass man die Portschlüssel beim Ministerium melden muss, sonst kann man ziemlichen Ärger bekommen:"

„Und dieser Portschlüssel ist gemeldet?", fragte Lily skeptisch.

„Meine Eltern haben diesen Dauerportschlüssel beim Ministerium gemeldet, also keine Sorge, dass du hier etwas Verbotenes tust." James zwinkerte ihr zu.

Immer noch ein wenig unsicher über das, was jetzt passieren würde, griff sie nach der Feder und James zählte, wie er es ihr gesagt hatte, bis drei und plötzlich spürte sie ein ziehen in ihrer Magengegend. Ihr war schlecht! Es war schlimmer als Achterbahn fahren und sie hoffte, dass es bald aufhörte. Genau in diesem Moment hörte dieses Gefühl auf und sie landete unsanft auf dem Boden. Sie konnte James sehen, wie er ihr seine Hand hinhielt, um ihr beim Aufstehen zu helfen.

„Willkommen im Haus der Familie Potter!"