Kann meine Katze sprechen?
Ich drehte mich auf meine linke Seite und wollte gerade besonders unschuldig dreinschauen, da guckten mich nur zwei gelbe Augen an und eine raue Katzenzunge glitt mit über die Nase. War ich jetzt völlig verrückt und Cherry konnte sprechen? Nach diesem Tag wunderte mich nichts mehr.
„Hau ab, Cherry", murmelte ich und schob die weiße Katze mit der einen Hand weit weg von mir, und mit der anderen Hand wischte ich angeekelt die Katzensabber von der Wange. Aber Cherry wollte sich nicht abschütteln lassen.
„Kommst du noch immer nicht raus, Faye?"
Entgeistert starrte ich die Katze an. Aber irgendwie klang diese Stimme gar nicht so als würde sie von direkt neben mir kommen. Viel eher vom anderen Seite der Decke. Und für eine Katze wie Cherry war die Stimme viel zu tief.
„Nein", sagte ich ein wenig trotzig, denn so schnell wollte ich mein Versteck nicht aufgeben und dass es sich nicht um Precious handelte, erkannte ich schon allein von der Stimmlage.
Doch plötzlich wurde mir die Decke weggezogen und ich schnaubte empört. Doch Hiram grinste nur.
„Du willst mir bestimmt immer noch nicht verraten was du hier machst", meinte er und durchwuschelte mit der rechten Hand meine Haare. Ich zog meinen Kopf weg und rollte mich zusammen.
„Decke her", maulte ich und als er nicht nachgab, zog ich mir den Polster über den Kopf, doch auch diesem nahm er mir gleich wieder weg.
Grummelnd setzte ich mich auf.
„Du störst meine Versteck-Pläne", murrte ich und funkelte ihn extra böse an. Versteckpläne? Warum hatte ich ihm gesagt, dass ich mich versteckte? Verdammt…
„Du versteckst dich?", sagte er und seufzte ein Eigentlich-hätte-ich-mir-das-bei-Faye-denken-können-Seufzen. „Und vor wem?"
Die böse Miene verschwand von meinem Gesicht und ließ ein unschuldiges Ich-versteck-mich-gar-nicht-vor-deiner-Freundin-Grinsen zurück. Ich zuckte mit den Schultern und begann aufzustehen, damit ich mich „unaufällig" aus dem Staub machen konnte. Doch mir kam eine andere Idee.
„Gegenfrage, Freundchen", meinte ich und grinste süffisant während ich das Wort Freundchen besonders betonte. „Was machst du hier eigentlich in Jools' Bett?"
„Ich hab ein Buch gesucht, das sie mir borgen wollte"
„In ihrem Bett?"
„Wer sagt denn, dass ich in ihrem Bett war? Als du hereingestürmt bist, bin ich gerade da drüben beim Bücherregal gestanden" Er deutete auf Jools' Regal, das ein bisschen in einer Nische stand. „Und dann als du dich unter die Decke gelegt hast, bin ich rübergekommen. Ich weiß ja, dass du manchmal seltsame Anwandlungen hast" Er stand wieder auf und ging zurück zum Regal.
„Welches Buch?", fragte ich
„Per Anhalter durch die Galaxis", kam es von der kleinen Nische zurück, von der aus die Szene vorher bestimmt ziemlich lustig ausgesehen hatte.
„Ist bei mir drüben", antwortete ich und stand auf um mein Lieblingsbuch zu holen. Das hat doch einfach einen genialen Humor. Doch schon als ich die Klinke in der Hand hielt, wurde mir bewusst, dass der einzige Weg in mein Zimmer durch die Küche, in der sich auch Precious befand, war. Warum war ich noch mal vor Precious geflüchtet? Darüber musste ich jetzt wirklich mal nachdenken...Genau! Sie war mir unheimlich geworden, weil sich die Möglichkeit auftat, dass sie gar keine Solche Tussi war, wie ich vermutet hatte.
„Wolltest du nicht rausgehen, Faye?", fragte Hiram, der auf einmal hinter mir stand und hob eine Augenbraue, so wie er es ziemlich häufig tat.
„Ähm..ich..da..raus?", stammelte ich und setzte ein verlegenes Grinsen auf. „Nein. Eigentlich nicht. Bleiben wir doch noch da?"
Als draußen das Telefon zu läuten begann und ich immer noch keine Anstalten machte, hinaus zu gehen, stupste mich Hiram leicht zu Seite, öffnete genervt die Tür, und murmelte mir während er hinaus trat, zu:
„Manchmal kannst du echt eigenartig sein"
Ich zuckte mit den Schultern und wollte die Tür hinter ihm wieder schließen, doch er kannte mich offensichtlich schon viel zu gut und blockierte mit der einen Hand die Tür, mit der anderen umschlang er mein Handgelenk und zog mich mit hinaus, direkt auf Jools, Danko, Berry, Remus und Precious zu. Und wiedermal grinste ich verlegen.
Jools stand gerade am Telefon und machte einen leicht verwirrten Eindruck
„Hier, da ist ein Typ für dich dran, Prinzessin", sagte sie schließlich und streckte mir den Hörer entgegen. Ich nahm ihn entgegen und wusste, obwohl ich sein Gesicht nicht sah, dass Hiram mal wieder seine linke Augenbraue hob.
„Hallo?", sagte ich ins Telefon und ging mit dem Hörer in der Hand ein bisschen weiter weg von den anderen, man will ja nicht belauscht werden.
„Hey Prinzessin" Ich musste schmunzeln, schüttelte gleich darauf den Kopf um es mir selbst zu verbieten. Er hatte mich seltsam genannt, da kann man nicht schmunzeln nur weil er einen dann Prinzessin nennt. Obwohl Prinzessin schon lieb ist…
„Hi Snuffles" sagte ich und musste glucksen. Snuffles…
„Ich dachte mir ich lasse mich morgen mal wieder von dir anrempeln. Wenn du Zeit hast natürlich", sagte er und ich wusste genau dass er mal wieder ein schelmisches Grinsen aufgesetzt hatte.
„Hm, na klar. Ist ja mein großes Hobby", meinte ich trocken und er stieg auf meinen Sarkasmus ein:
„Naja, vielleicht entwickelst du dich ja zur Profi-Umremplerin, oder?"
„Aber klar. Aber dafür muss ich schon noch ein wenig üben. Ich denke also ich nehme dein Angebot an morgen noch mal zu üben" antwortete ich und fügte dann noch dazu:
„Aber zum Profi-Umrempeln gehört es dazu, dass das Umrempeln aus Zufall passiert. Und zufällig werde ich mich morgen zur selben Zeit wie heute wieder am selben Ort aufhalten. Vielleicht lenkt dich der Zufall ja auch zufällig dort hin?"
„Gut, dann hoffe ich natürlich, dass wir uns morgen zufällig zur selben Zeit am selben Ort befinden, damit wir richtig üben können. Und, dass manche von uns morgen etwas mehr Zeit haben. Also bis dann, Prinzessin"
Und noch ehe ich etwas sagen konnte, hatte er schon aufgelegt. Und so legte auch ich auf und musste darüber nachdenken, dass ich ihn morgen schon wieder sehen würde.
„Was grinst du denn so selig, Prinzessin?"
Berry stand auf einmal neben mir und durchwuschelte meine Haare, so wie es irgendwie alle gerne taten. Ich mochte das auch total gerne. Nur wenn ich gerade nicht gut drauf war durfte man es nicht machen.
„Gibt's da etwa einen Grund eifersüchtig zu sein? Oh wie kannst du mir das antun!", neckte er mich und tat ganz geschockt. Das war so unser Spielchen, wenn der andere einen neuen Freund oder eine neue Freundin hatte. Ich umarmte ihn und dann gingen wir wieder zu den anderen, wo ich versuchte Precious nicht alleine anzutreffen.
Als ich am Abend für alle Bobotie kochte, was ein gut gewürztes südafrikanisches Hackfleischgericht war, das ich nach dem Rezept meiner Großmutter machte, waren alle glücklich, denn sie liebten Jools' und meine afrikanischen Kochkünste. Während ich, da meine Mutter Südafrikanerin war, eher Kap-Küche kochte, zauberte Jools uns zeitenweise höllisch scharfe äthiopische Gerichte und die Jungs liebten diese Abwechslung. Manchmal kochten wir auch alle zusammen, was ich eigentlich am lustigsten finde. Aber nachdem Kochen ohnehin eines meiner größten Hobbies ist, bekochte heute ich eben die ganze Bande mit Bobotie (Hackfleisch wird mit einer Milchkruste überbacken und dann auf Safranreis serviert) und Chutney.
Precious, Hiram und Berry halfen Jools beim Tischdecken, während Danko versuchte den am Tisch eingeschlafenen Remus zu wecken, doch dieser brummte nur vor sich hin und wurde auch nicht wirklich wach, als Danko ihm schließlich ein Glas Wasser über den Kopf leerte.
„Ich will schlafen", murrte er nur und wieder fielen ihm die Augen zu.
„Aber er wollte es sich nicht nehmen lassen, mitzukommen", zuckte Berry mit den Schultern und Remus, der offensichtlich erst jetzt das Wasser auf seinem Kopf bemerkte, schreckte auf.
„Hey. Bin ich hier in der Dusche?", fragte er und Danko musste loslachen. Und auch ich fand das Bild komisch, Remus so über und über mit Wasser, noch halb verschlafen, wie er sich aufregt.
Remus hievte sich auf und verschwand im Bad, während ich schon mal das Essen austeilte, und sich alle um den engen Küchentisch setzten.
„Mahlzeit" hieß es dann und gespannt beobachtete ich wie sie auf mein Essen reagierten.
Jools, die Bobotie schon oft gegessen hatte – und es liebte – jubelte wie jedes Mal los wie klasse es doch schmeckte, Dankos Augen leuchteten auf, wie jedes Mal wenn er etwas Gutes aß – er war ein richtiger Gourmet – Berry hatte gar keine Zeit für eine Reaktion, er musste schließlich essen, Hiram lobte mich auch gleich für das tolle Essen und Precious fragte mich sofort nach dem Rezept. Zufrieden lächelte ich und wollte gerade ansetzen, beschloss dann aber, nach Remus zu schauen, doch das musste ich gar nicht mehr, da er schon wieder kam. Er sah zwar nicht mehr so müde aus, aber war immer noch ziemlich blass und wirkte nicht sonderlich gesund und so gab ich ihm eine extra große Portion, damit er bald wieder gesund würde.
Als alle satt und zufrieden waren, beschlossen Hiram und Precious zu gehen und auch Berry und Remus, der schon fast wieder einnickte, schlossen sich an. Berry rief nach Pippin, welcher so wie ich ihn kannte geradewegs aus meinem Bett angetrabt kam, und verabschiedete sich dann. Die anderen drei taten es ihm gleich und wünschten uns eine gute Nacht. Während ich die Gäste zur Tür begleitet hatte, waren Jools und Danko schon fast fertig alles aufzuräumen und verschwanden dann in Jools' Zimmer. Ich holte meine Tasche aus der Ecke hervor und als ich in mein Zimmer ging, öffnete sich Jools' Zimmertür noch mal und eine Katze kam herausgeflogen. Ich musste grinsen. Cherry war hier wohl nicht erwünscht. Ich ließ die Katze in mein Zimmer und schloss hinter uns die Tür. Wir verkrochen uns in meiner Höhle, so wie ich mein Bett meistens nenne, weil man durch einen kleinen Vorhang schlüpfen muss, dass man reinkommt, und kuschelten uns zusammen. Ich lag gerne mit Cherry in meiner Höhle, weil dort der beste Ort zum Nachdenken war. Und solange Cherry nicht sabberte, genoss ich es wenn sie so auf meinem Bauch lag und schnurrte.
