Titel: About Business
Teil:1- American Drug
Autor: Yusuka
Email: Yusukagmx.de
Rating: PG-16
Warning: Shônen-Ai (Yaoi), lime, fluff, (gilt für aktuelles Kapitel!)
Pairing: K + Tohma
Disclaimer: Gravitation ist Eigentum von Murakami Maki, Sony Magazines Inc., Studio Deen und SPE Visual Works. Diese Fan Fiction dient keinerlei kommerziellen Zwecken.
Kommentar: Wieder eine KOMPLETTE Überarbeitung die im Storyverlauf nun GANZ anders ist, anders ihr Vorgänger. Eigentlich ist mir nur die Einleitung von meiner ehemaligen FF „Need your Love tonight" (unter welchen Drogen stand ich eigentlich, als ich auf den Titel kam? Oo) erhalten geblieben. Im ersten Kapitel geht's eigentlich nur um Sex . und das ist alleine Umis Schuld, sie hat mit ihren Ideen (die ich umgesetzt habe .) einen Porno aus meiner armen FF gemacht. Naja… TT
Über Kommentare würde ich mich natürlich wie immer sehr freuen. KONSTRUKTIVE Kritik ist also jederzeit willkommen.
- About Business -
1. Kapitel: American Drug
Eigentlich hatte ihm japanisches Essen noch nie geschmeckt, selbst das Fast Food hier hatte einen leichten Fischgeschmack. So empfand er es jedenfalls. Auch das Kantinenessen von N-G, kam nicht seiner Vorstellung einer renommierten Firma gleich. Im Eifer seiner schlechten Laune, verfluchte er Seguchi Tohma, der allerdings nicht wirklich Schuld an dem eher spärlichen Mittagsangebot hatte.
Letztendlich hatte er sich mit einem viel zu schwachen Kaffee auf einen viel zu kleinen Stuhl, am Ende des Speisesaals zurückgezogen und beobachtete die seltsamen Japaner beim Mittagessen. Leider blieb ihm für seine Beobachtungen nicht genug Zeit. Schon von weitem war ihm Sakano aufgefallen der sich entschuldigend an den Tischen vorbeidrängelte und ihn zu suchen schien, seufzend lehnte er sich zurück. Das konnte nur wieder Arbeit für ihn bedeuten.
„K-san! Ich habe Sie überall gesucht! Wo waren Sie bloß?"
„Ich bin geflüchtet", antwortete der Amerikaner ohne Umschweife, obwohl Sakano schon eine Ausrede von ihm erwartet hatte. Im nächsten Augenblick musste K sich allerdings schon die Ohren zuhalten. Sakano machte ihm nämlich in theatralischer Darbietung klar, wie spät sie doch eigentlich waren, was dem Amerikaner denn einfiele, Mittagspause zu machen und auf wie viele unterschiedliche Arten man sie lynchen könnte, würde der Chef herausfinden, dass noch so gut wie nichts erledigt war.
„Wo ist Shindô-kun? Er hätte schon vor über einer Stunde hier sein müssen! Heute geht wirklich ALLES den Bach runter! Das ist ja schrecklich!"
Sakano erinnerte an einen dieser Kreisel mit denen K als Kind gespielt hatte, seine waren auch stets nie sehr weit gekommen und gegen die nächste Wand geklatscht.
„Hey Sakano, wenn du hier herumliegst und verblutest können wir nicht arbeiten."
Genervt verdrehte K die Augen und beförderte den schmächtigen Produzenten wieder auf die Beine, schniefend blickte dieser den Amerikaner an und nickte.
„Es wird Zeit für die Arbeit, Sakano, lass uns anfangen!"
Mehr oder weniger zwangsmotiviert, machte er sich mit ihm auf den Weg zum Proberaum, wo Shuichi und die anderen hoffentlich schon warteten. Im Grunde war ihm eigentlich schon klar, dass heute der ganz normale Wahnsinn ablaufen würde.
„Will nicht mehr", maulte der pinkhaarige Vokalist und gähnte herzhaft.
Suguru schüttelte ebenfalls den Kopf, nach neun Stunden Proben, Promotion Absprechung und Planung, wieder Proben und Aufnahmen für die Remix CD, war es auch ihm zuviel geworden. Selbst die auf sie alle gerichtete 45er Smith Wesson aus K's heiligem Privateigentum, schien sie nicht mehr zu motivieren. Auch Hiro zeigte dem blonden Manager einen Vogel. Es reichte, definitiv.
„Das ist genug. Ich geh nach Hause, Shuichi?"
Unaufgefordert war Shuichi schon zur Türe gefolgt.
Binnen Sekunden war der Proberaum leer und K sah sich allein in dem verlassenen Raum, der ihn nur so anzugähnen schien.
„Ey! Und was mach ich jetzt!" Empört sah er den anderen hinter, fuchtelte gefährlich mit der Pistole herum, jedoch auch diese Geste konnte die drei nicht mehr zum arbeiten zwingen.
Er glaubte, Grillen zirpen zu hören, als er keine Antwort bekam.
„Gut, gut! Geht nur! Lasst mich allein! Ich weiß schon wie ich mich amüsieren kann..."
„... und das VIEL besser als ihr!" schrie er ihnen hinterher.
Nach ein paar Minuten schaltete er das Licht aus und verließ den Raum. Die leeren Gänge des N-G Corp. Bürogebäudes, wirkten auch nicht grade aufmunternd, einladend oder gar gemütlich, das grelle Neoporenlicht ließ eine kühle Atmosphäre entstehen, selbst jetzt noch nach Feierabend.
Seine Miene verriet Langeweile und Enttäuschung, als er auf seine Armbanduhr blickte, um die genaue Zeit festzustellen. Punkt halb zwölf Uhr Nachts an einem befreienden Freitag. Na, da war er ja doch gar nicht so allein! Es gab nur einen, der um diese unmögliche Zeit noch arbeiten konnte, außer ihm selbst verstand sich natürlich.
Gespannt, ob er jene Person wirklich in seinem Büro vorfand, steuerte er auf den Fahrstuhl zu und fuhr anschließend in das oberste Stockwerk hinauf. Unübersehbar lag am Ende des Ganges das Büro des Chefs, es war das einzige Büro das eine Beschilderung mit dessen Namen besaß, außerdem befand sich vor diesem wohl wichtigsten Büro von ganz N-G, eine ganz eigene Verwaltung. Zur normalen Tageszeit, tummelten sich hier drei Sekretärinnen, die K allesamt als wirklich hübsch empfand, einzig und allein um das Wohl des Chefs besorgt und seine Arbeiten organisierend, sowie seine Termine verwaltend. Nun aber, zu dieser so späten Stunde, war natürlich keiner mehr da, die Lichter wurden zwar von einem Bewegungsmelder gesteuert so, dass er nicht im Dunkeln stand, jedoch vermittelte auch dies nicht wirklich auch nur den Hauch von Leben im Gebäude.
Langsam drückte er die Tür zu Seguchi Tohmas Büro auf, vielleicht, auch wenn es ihm unwahrscheinlich schien, war ja doch noch jemand außer dem Chef anwesend, man konnte ja nie wissen. Doch, als er sah, dass niemand anderes im Büro verweilte, als der ehemalige Keyboarder von Nittle Grasper selbst, betrat er mit einem Grinsen das Büro.
„Ich wusste doch, dass man zu so später Stunde niemanden mehr außer dir hier antreffen kann. Kennst du die Bezeichnung „Workaholic"?"
Immer noch grinsend lehnte er sich über Tohmas Schreibtisch der im Halbdunkeln in seinem Chefsessel saß und dem Amerikaner ein erschöpftes, aber erfreutes Lächeln schenkte. Mit einem leisen Seufzen schloss er die Akte, mit der er sich bis eben noch beschäftigt hatte.
„Diese Bezeichnung ist mir bestens bekannt, aber zu dir würde sie auch perfekt passen, schließlich bist du auch noch hier."
Verdutzt sah er ihn an und zuckte die Schultern.
„Ok. da ist was dran, du hast Recht."
Er lächelte verschmitzt, ehe er um den Schreibtisch herum ging und Tohma dazu bewegte aufzustehen. Seufzend suchte dieser seinen Blick und legte den Kopf schief, seine grünen Augen schauten fragend, und doch konnte er sich selbst die Antwort geben, als sich K zu ihm nach vorn beugte und in diesem Moment seine Arbeit beendete. Der Amerikaner schob den Stuhl von Tohmas Schreibtisch zur Seite und strich ihm das feine platinblonde Haar aus dem Gesicht.
„Aber wenn ich jetzt nicht mehr hier wäre, könnte ich „das hier" nicht tun."
Tohma schloss die Augen, als er K's Lippen auf den seinen spürte. In dem geräumigen Büro war es so still geworden, dass ihre Küsse ein Geräusch verursachten, ein prickelndes Knistern, sie entfachten ihr eigenes verbotenes Spiel, und ganz alleine sie waren an diesem beteiligt.
Ihre Affäre hatte ebenso knisternd begonnen, wie sie noch anhielt. Heimlich natürlich, so wie es für eine Affäre üblich ist. In ihren Küssen schmeckte Tohma die verführende Süße ihres verbotenen Liebesspiels, so unglaublich intensiv, dass er glaubte, daran zu vergehen. Ihm war, als hätte er vorher nur halb existiert, nicht mit der ganzen Süße des Lebens das seine geführt. Der Sex mit K allerdings, erfüllte ihn jedes Mal von neuem mit dem wirklichen puren Leben. Er fühlte sich frei, lebendig und unglaublich befriedigt, jedes Mal nachdem sie miteinander geschlafen hatten.
Es war nicht so, als hätte er nie Interesse an Männern gezeigt, selbst die väterliche Zuneigung zu Uesugi Eiri, drückte dies aus. Aber nie zuvor hatte er es gewagt, sich von einem Mann küssen zu lassen, sich berühren zu lassen. Erst mit K hatte er diesen Schritt gewagt. Und er bereute es nicht, keine Sekunde lang. Sie waren eins geworden im Körper, jedes einzelne Mal, wenn alssie miteinander verschmolzen. Der bittersüße Schmerz selbst war es, der Tohma in diesem Augenblick so sehr erregte. Er fühlte sich wohl in der Rolle des Sünders, empfand es als aufregend unter seiner teuren Designerkleidung einen Körper zu verbergen, der fast jedes Mal nach Feierabend von einem anderen Mann begehrt und genommen wurde.
Auch jetzt würde er gleich die wahre Bedeutung von „Sex" zu spüren bekommen. K hatte ihn gegen den Schreibtisch gelehnt, kümmerte sich nicht im Geringsten um seine teure Kleidung die zerknitterte, die Knöpfe des Hemdes die nachzugeben drohten. Seine kräftigen Hände fuhren Tohmas zierlichen Oberkörper entlang, strichen unter das geöffnete Hemd und streichelten die weiche Haut. Sanft liebkosten seine Lippen den zarten Hals während seine Finger über Tohmas Brust wanderten, eine warme Spur hinterließen und schließlich seine Hose aufknüpften. Schelmisch grinste er gegen die Lippen seines Chefs, fing sie wieder in einem verlangenden Kuss.
„Hast du dich extra für mich so schick gemacht?"
Er senkte die Lider und zeigte Tohma immer noch dieses gewisse Grinsen,während er ihm den Gürtel öffnete, ihn zu Boden fallen ließ und ihm die Hose abstreifte. Der Japaner ließ sich daraufhin zurücksinken, schloss die Augen und streckte blind die Hände nach dem Amerikaner aus, sie bekamen sein Hemd zu fassen und zogen es ihm aus, das einzige was er berühren wollte, war der leicht gebräunte und muskulöse Körper des Amerikaners. Er fühlte sich vom Inbegriff der Männlichkeit umarmt, als K ihn an sich zog und endlich von seinen Shorts befreite. Nunmehr ohne Kleidung lehnte er sich an den Schreibtisch gestützt nach hinten und ließ K freie Hand. Er wusste schon wie er ihn zu berühren hatte um schon nach kurzer Zeit die Maske seiner Unnahbarkeit und Professionalität abzustreifen. Bald würde er nur noch ein einfacher williger Mensch sein, bettelnd um jede Berührung, der Lust des Fleisches ausgeliefert. Und dennoch waren es nur kleine Details seiner Maske die schwinden würden.
Sie berührten sich in absoluter Leidenschaft, gaben sich dem anderen hin, ihre Hände erforschten den Körper des anderen. Vorsichtig und dann immer schneller und gewagter, bewegte sich K gegen den zierlichen Körper, der Schweiß trat ihm auf die Stirn und lief ihm in feinen Rinnsälen hinab, jeder Stoß versetzte Tohma in einen unbeschreiblichen Zustand der Ekstase, er hatte den Kopf zurückgelehnt, die Hände auf K's Schultern abgelegt. Seine Beine umschlangen K's Hüften, seine Finger krallten sich in seine Haut, hinterließen hellrote Streifen die K ein erregtes Stöhnen entlockten, es schien ihn nicht zu stören, eher im Gegenteil.
„K… nicht so fest!"
Tohma protestierte, verzog schmerzhaft das Gesicht und schluchzte leise. Der Amerikaner hatte sich so sehr in ihr leidenschaftliches Liebesspiel hineingesteigert, dass er übermütig geworden war. Immer schneller, immer heftiger war er in ihn eingedrungen, Stoß um Stoß hatte er sich kräftiger in ihn gedrängt bis seine Stimme nur ein heiseres Krächzen war, sein Stöhnen sich in ein atemloses Keuchen verwandelte. Er murmelte eine Entschuldigung und verlangsamte das Tempo, jedoch vergaß er Tohmas Schmerz schon im nächsten Moment, in den letzten Stößen steckte all seine Kraft, er wollte sich erlösen, er musste einfach, er musste dieses befreiende Gefühl erleben, sonst würde er daran ersticken. Tohmas wimmerndes Stöhnen klang ihm in den Ohren, als er endlich in ihm kam. Er musste sich an der Tischkante festhalten, da seine Beine so zitterten. Mit einem erschöpften, aber erleichterten Seufzen, ließ der Japaner seine Beine von K's Hüften gleiten und lehnte sich außer Atem an den Schreibtisch.
„Wie brutal, hattest du solche Sehnsucht oder steckte nur dein eigennütziges Vergnügen dahinter?"
Unter seinem verschwitzen Haar, grinste Seguchi Tohma ihn an, seine Augen glänzten und ließen die grüne Farbe darin glasig schimmern.
K verzog die Mundwinkel zu einem ebenbürtigen Grinsen und bückte sich, um sich Shorts und Hose wieder anzuziehen.
„Das letzte Mal war lange her."
„Ja, gestern."
Tohma schmunzelte und zog sich ebenfalls wieder an. Er leckte sich über die Lippen, verließ K's blaue Augen mit seinem Blick und ging zu dem riesigen Fenster,das alleine sein Büro zierte. Wenn er hinaus sah, konnte er in weiter Ferne die Lichter der Ginza State erkennen. Er liebte diesen Ausblick, die modernen Lichter vermitteltem ihm den Eindruck von ewiger Jugend und gaben auch ihm das Gefühl noch ein junger Mann in einer modernen Welt zu sein.
„Du bist so still."
K hatte sich wieder an den Schreibtisch gelehnt, an derselben Stelle, an der sie eben noch miteinander geschlafen hatten. Nun hatte er sich eine Zigarette angezündet, blies den blauen Dunst vor sich her und betrachtete das Objekt seiner Begierde. Im Halbdunkeln konnte man den 32-jährigen N-G Präsidenten leicht für eine junge Frau halten. Die Wirklichkeit strafte diese Illusion natürlich Lügen, aber Tohmas Silhouette wirkte so schlank und unglaublich zierlich, dass die Täuschung fast perfekt war.
Langsam stand K auf, drückte die Zigarette aus und trat hinter Tohma, der ihm noch immer den Rücken kehrte. Den Kopf auf seine Schulter legend, schlang er die Arme um ihn und zog ihn an sich.
„Über was denkst du nach? In welcher Stellung ich dich das nächste Mal nehmen soll?"
Grinsend begann er an seinem Ohr zu knabbern. Als er Tohmas Stimme hörte, klang sie monoton, nicht wirklich an ihm interessiert.
„Nicht ganz."
„Über was dann?"
Doch ehrlich gesagt interessierten ihn Tohmas Worte nicht mehr im Geringsten. Sie hatten immer nur diese paar Stunden nach Feierabend und diese wollte K so gut es geht nutzen. Er fragte sich ehrlich gesagt,warum sie sich überhaupt wieder angezogen hatten. Langsam strich er ihm das Hemd über die Schulter, küsste die nackte Haut die darunter zum Vorschein kam und drängte ihn dann langsam in Richtung der exklusiven Sofas die eine Ecke des großen Büros ausfüllten.
„Kannst du denn immer nur an Sex denken?", brachte Tohma unter einem heiseren Stöhnen hervor, das Grinsen das ihm zuvor auf den Lippen lag, verlor sich in einem weiteren Keuchen, als K sich sein Bein über eine Schulter legte und sich wieder zu ihm hinunter beugte. Ein zweites Mal in dieser Nacht, hatte Tohma das Gefühl von unendlicher Glückseligkeit durchflutet zu werden.
Der Versuch, sich anzukleiden, sollte dieses Mal nicht vergebens sein. Mit einem anhaltenden Grinsen auf den Lippen, küsste er noch einmal K's Lippen und knüpfte sich das Jackett wieder zu, band sich die Krawatte und schlüpfte wieder in die Schuhe. K der sich hinter ihm ebenfalls wieder anzog, strich sich durch das leicht zerzauste Haar das ihm allerdings sofort wieder ins Gesicht fiel, seufzend gab er es auf Ordnung hineinzubringen und band sich den Zopf neu. Tohmas Grinsen verblieb auf seinen Lippen. Er liebte es während sie miteinander schliefen, die Finger durch K's lange blonde Mähne zu streichen. Das weiche Gefühl auf seiner Haut,wenn sie ihn dann an Schultern und Brust streiften, vermischte sich mit dem intensiven Gefühl ihres erotischen Erlebnisses.
„In der Firma geht das Gerücht um, du und deine Frau wüsstet bereits das Geschlecht des Kindes."
Die Zigarette im Mundwinkel hängend, zündete er sie an und hob den Blick. Tohma allerdings zeigte nur sein übliches maskenartiges Lächeln,das er immer geschickt einzusetzen wusste, auch in solchen Augenblicken war dies der Fall.
„Grade dich, so schätze ich, werden irgendwelche Gerüchte nicht beeindrucken, oder irre ich mich?"
„Ich schenke ihnen nicht sofort Glauben, aber sie regen zum nachdenken an."
„Ja, das kann sein."
K streckte sich und hob eine Braue. Schon wieder kehrte Tohma ihm den Rücken zu.
„Und?" hakte er nach.
Er war nicht der Einzige der neugierig war. Alle Sekretärinnen schienen Amok zu laufen und Sakano war seitdem ein einziges Nervenbündel, mehr denn je sogar, obwohl K an keine Steigerung geglaubt hatte.
Seguchi Tohmas Ehe und nun die Schwangerschaft seiner Frau, wurde nicht nur liebend gerne in der Boulevardpresse diskutiert, selbstverständlich war das anstehende Kind der beiden Eheleute auch das Topthema in der Firma selbst. Und seit das Gerücht die Runde gemacht hatte, der Chef wüsste nun,ob er einen Sohn oder eine Tochter bekäme, war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Überall wurde getratscht und spekuliert. Sogar Wetten wurden darauf abgeschlossen!
Gespannt wartete K seine Antwort ab, während er ihn weiterhin betrachtete, seine Zigarette rauchte und einfach nur in dem gedämpft beleuchteten Büro vor sich hin starrte. Mit einem jugendlichen Grinsen auf den Lippen, drehte Tohma sich schließlich zu ihm um und kam auf ihn zu. Ihm die Krawatte bindend, zuckt er eine Schulter und legte den Kopf schief.
„Das erfährst du in zwei Monaten, dann ist es soweit."
Grinsend ließ er von ihm ab und begann dann seinen Schreibtisch aufzuräumen, für K das Zeichen, dass ihre gemeinsamen erlebnisreichen Stunden beendet waren und sie jetzt beide nach Hause gehen konnten. Tohma zu seiner Frau in dem luxuriösen Haus,gar nicht weit von hier und K in sein kleines,aber schmuckes Appartement am Rande der Stadt.
„Ich hab einen Auftrag für dich."
Tohma hatte sich schon Mantel und Handschuhe angezogen. Es war kalt geworden in letzter Zeit, trotzdem wirkte er eher aus modischen Gründen so gekleidet, als zweckmäßig. K schmunzelte.
„Was für ein Auftrag ist das, speziell für mich?"
„Speziell für dich ganz alleine."
Er schnappte sich die lederne Aktentasche und kramte nach den Schlüsseln in seiner Tasche, dann nickte er K heraus der brav folgte, zusammen gingen sie den Weg bis zu den Aufzügen und fuhren hinab.
K war neugierig geworden, doch aus Tohma war nichts weiter herauszubekommen, er vertröstete ihn auf morgen. Die Uhrzeit prüfend,warf dieser einen Blick auf seine Armbanduhr,die wohl ein ganzes Monatsgehalt von K gekostet hatte. Sie verabschiedeten sich wie so üblich an ihren Autos. Vom Wachpersonal blieben sie ungesehen und wenn so würde man keinen Verdacht schöpfen. K hatte ihn küssen wollen bevor er in sein Auto stieg, aber er verkniff es sich. Er winkte lediglich kurz, als er die aufleuchtenden Rücklichter von Tohmas dunkelblauen BMW sah, der vor ihm den Parkplatz der Firma verließ, vielleicht hatte Tohma ihn noch im Rückspiegel gesehen.
Im Dunkeln seines Wagens, einem Renault, zündete er sich eine Zigarette an und rauchte sie geduldig auf, dann startete er den Wagen und fuhr nach Hause. Die Gedanken an den verstrichenen Abend, legten ihm ein Grinsen auf die Lippen.
„Womit hat der Chef Sie eigentlich rumgekriegt?"
„Mit Geld. Sozusagen."
Dass es eigentlich ein rein körperlicher Gefallen war, bei dem Seguchi Tohma diesmal die Lippen und nicht die Finger im Spiel hatte, konnte er Sakano wohl schlecht sagen.
„Das ist gefährlich", jammerte der noch nicht einmal Dreißigjährige und vergrub missmutig den Kopf in den Armen.
Seit einer geschlagenen Stunde vertrödelten die beiden Angestellten den Tag damit,sich in Sakanos Büro zu besprechen. Wofür wusste K selbst nicht. Er hatte den Auftrag bekommen, auf den er so neugierig gewesen war, jetzt galt es ihn zu erledigen. Was das mit Sakano zu tun hatte,war ihm allerdings schleierhaft.
„Was soll daran gefährlich sein?" Verwundert und zugleich doch gelangweilt von dem Jüngeren, hob er eine Augenbraue, während er zum fünfzigsten Mal seinen Kaffee umrührte. Noch am frühen Morgen hatte er Tohmas Büro aufgesucht,um sich den Auftrag abzuholen,den Tohma noch am Vortag irgendwie geheimnisvoll angekündigt hatte. Auf die Frage, um was genau es sich handeln würde, hatte der Chef ihm nur eine dünne Akte auf den Schreibtisch geworfen, bevor er sich wieder dem Lap Top gewidmet hatte.
„Was ist das?", hatte K gefragt.
Mittlerweile hatte er im Stuhl gegenüber dem Schreibtisch Platz genommen. Er schlug die Akte auf und blätterte darin herum, bis ihm ein Foto entgegen fiel. Das Foto schien wie zufällig aufgenommen, mit irgendeiner billigen Kamera. Die Aufnahme zeigte einen Mann, ungefähr knapp über die Vierzig, der in einen schwarzen Nissan stieg. K musste ein wenig grinsen.
Der Mann auf dem Foto war älter als er selbst, trug aber ein auffälliges Hawaiihemd unter einem dunklen Jackett, die Haare waren hellbraun gefärbt, so vermutete er, und in einen kurzen Zopf nach hinten gebunden. Auf den ersten Blick wirkte dieser Typ lächerlich auf ihn, nicht zuletzt wahrscheinlich wegen der viel zu großen Sonnenbrille, die nicht zu seinem strengen Gesicht passen wollte.
„Sieht aus wie einer dieser Yakuza,die ich in Shinjuku gesehen habe."
„Er ist einer", sagte Tohma gelassen und zeigt sein weltberühmtes Lächeln.
Hätte K sich eine Zigarette angesteckt, wäre sie ihm in diesem Moment aus dem Mund gefallen.
„Wie bitte?"
Verwirrt blätterte er die Akte durch,während er sich noch immer wunderte, warum ihm Tohma diese gereicht hatte. Eine Akte über einen Yakuza! Just in diesem Augenblick war ihm Seguchi Tohma irgendwie unheimlich geworden. Genau der Mann den er sich seit einigen Wochen zum Liebhaber genommen hatte, hatte nun etwas Gruseliges an sich das K schlucken ließ.
„Was hast du mit einem solchen Kerl zu schaffen?"
Verdutzt blickte Tohma ihn an,bis er in ein Lachen ausbrach und mit kleinen Tränchen in den Augenwinkeln den Kopf schüttelte.
„Gar nichts! Wo denkst du hin?"
„Und was soll ich dann mit dem Kerl?"
„Ihn beschatten." Mit einem Schlag war der junge Präsident ernst geworden. Seine schlanke Gestaltdie K als viel zu dünn empfand, wirkte trotz des übergroßen Sessels in dem er saß, wichtig und erhaben. In den grünen Augen in die er so oft hineingesehen hatte, die ihn mit vor Lust flackernden Lidern angesehen hatten, erkannte K etwas Gefährliches aufblitzen. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnte er noch nicht, was dies zu bedeuten hatte.
„Nur damit ich das richtig verstehe, der Chef hat dich damit beauftragt dich in Shinjuku umzusehen und diesen Mann auszuspionieren?"
K verdrehte die Augen. „Ausspionieren" wie klang denn das? Wie etwas illegales, wie ein Verbrechen! Nein, Tohma hatte ihn lediglich darum gebeten ein Auge auf diesen Typen zu werfen. Weswegen er das tun sollte, war ihm allerdings weder bekannt, noch hatte er eine Ahnung.
Weil Sakano ihn nur zum denken anregte und gleichzeitig irgendwie deprimierte, packte er die Akte zusammen die er von Tohma erhalten hatte und ging. Sakano blieb ratlos zurück,ehe er sich aufrappelte und murmelnd etwas Schreibtischarbeit erledigte.
Die einzelnen Informationen durchgehend, blätterte sich K durch die Akte und las hier und dort eine Zeile. Die Mappe an sich war ein Witz da sie grade einmal zwei Seiten besaß, hinzu kam nur das billige Foto von dem Typen der K sofort unsympathisch war. Eine Adresse gab es ebenfalls nicht, nur den Namen eines wohl nicht sehr seriösen Nachtclubs.
„Du warst doch beim Geheimdienst, dann wird das eine deiner leichtesten Übungen sein!", hatte Tohma gesagt und sich dann auf seinen Schoß gesetzt. K hatte dem nichts entgegen zusetzen gehabt und ihm die Arme um die schlanke Taille gelegt, während der Japaner um ihn herum schnurrte, seinen Hals mit kleinen Küssen bedeckte und den Reißverschluss seiner Hose öffnete.
„So eine fiese Überredungskunst!" K war hin und weg, als Tohma sich vor ihn hinkniete, ihm die Hose ganz öffnete und den Kopf zwischen seine Beine gleiten ließ, fordernd griff er in das kurze platinblond gebleichte Haar und zog ihn mit einem Stöhnen näher. Wenn er schon einmal in der Situation war, dass der Präsident des erfolgreichsten Platenlabels von ganz Asien, ihn hier mit Lippen und Zunge befriedigte, würde er das auch ausnutzen wollen. Wann schon einmal bekam man Seguchi Tohma so zusehen? So unterwürfig, ihm so hörig? Dieses raffgierige durchtriebene Biest mit der Raffinesse und Heimtücke einer Frau und der Stärke und Kälte eines Mannes? Ja, er wollte diesen Mann nach sich verzehren sehen, wollte sich von ihm verführen lassen, wollte sein Stöhnen hören das nach ihm verlangte, Crawd Winchester der einigste der Seguchi Tohmas Wünsche zu erfüllen mochte, der ihn nahm, ihn sich unterlegen machte.
Ein Gefühl mischte sich in seine Lust, leichter als seine Erregung und schwerer als die Bewunderung für den N-G Präsidenten. Es war ein zwiespältiges Gefühl, etwas das ihm selbst unheimlich war und ihm Angst einjagte. Wie gut kannte er Tohma eigentlich? Wie viel wusste er über ihn?
Aber war das im Moment eigentlich von Belang? K saß grübelnd in seinem Wagen, wie ein Teenager den Fuß aufs Lenkrad gestützt und den Ellenbogen zum Fenster rausgestreckt. Jetzt zur Mittagszeit fuhr ein Wagen nach dem anderen an ihm vorbei, viele Angestellten nutzten ihre kurze Pause für einen schnellen Trip in die Stadt wo sie aber eigentlich auch zu Fuß gut hinkamen, K blieb es ein Rätsel.
Mit der Zigarette im Mund die nur noch ein Stummel war und ihm fast die Lippen verbrannte, blickte er auf die Mappe auf dem Beifahrersitz. Das Foto des Mannes – des Yakuza – lag obenauf, fast wie eine Warnung, oder ein lächerlicher Witz dachte K.
„Ich möchte wissen mit wem er verkehrt, welche Leute ihn umgeben."
Tohma hatte sich bei diesen Worten vorhin in seinem Büro, auf den Schreibtisch gesetzt, K zog sich in diesem Augenblick grade wieder die Hose an, immer noch ein wenig außer Atem.
„Das soll ich herausfinden?"
Tohma nickte und schob beiläufig den Lap Top beiseite.
„Worum es dabei geht brauchst du nicht zu wissen, das hat dich nicht zu interessieren, was ich will sind Informationen die du mir besorgen sollst."
Die großen grünen Augen, die nicht so schmal wirkten wie die anderer Japaner, sahen ihn durchdringend an. K stellte sich die Frage, ob er diesen Blick schon immer beherrscht hatte, oder ob ihm jemand diese Art zu gucken gelehrt hatte, ob es eine der vielen Dinge war die Tohma so perfekt zu beherrschen gelernt hatte. Die Antwort auf diese Frage blieb ihm unbeantwortet, er wusste nur, dass er diesen Blick an Tohma abgrundtief hasste. Er konnte die Anmaßung darin lesen, die Überlegenheit durch seine hohe Position in der Gesellschaft die ihn herabblicken ließ auf jeden der unter ihm stand. So schien es K noch zu dieser Zeit, nur fehlten ihm jetzt noch die gewissen Details, um die Gründe und vielleicht auch die Wahrheit zu erkennen.
„Geht es um Geld?", fragte er schließlich.
„Auch. Mehr verrate ich dir nicht."
K nickte und erhob sich von dem Stuhl in dem Tohma ihn so befriedigt hatte. Nun stand er vor Tohma, packte ihn hart an den Schultern und presste ihm zwingend die Lippen auf den Mund. In einem festen Griff packte er ihn wie zuvor an den Haaren, riss ihm den Kopf auf die Seite und begann ihn leidenschaftlich zu küssen. Tohma schnaufte gegen seine Lippen, wehrte sich ein wenig, weil der Kuss zu plötzlich kam, vielleicht auch weil K ihm wehtat.
Hastig knüpfte er Tohma die Hose auf, hob ihn an den Hüften kurz an und zog sie ihm mitsamt der Boxershorts herunter, um das Hemd kümmerte er sich nicht. In diesem Moment wollte er nur diesen Ausdruck in Tohmas Augen auslöschen, diesen überlegenden beherrschenden und arroganten Blick mit dem er ihn eben angesehen hatte, er wollte ihn nicht mehr sehen, er wollte den mächtigen Präsidenten dieser Firma zum Menschen machen der er war, ihn ganz klein und bedeutungslos sehen, ebenbürtig und ohne den anmaßenden Stolz mit dem er auf alle herabsah. Er wollte ihn winseln hören vor Schmerzen, wollte Tränen sein hübsches Gesicht hinunterlaufen sehen.
Doch er konnte keine Tränen in Tohmas Augen erkennen, nur die Kontaktlinsen wenn er ganz genau hinsah die sich transparent leicht abhoben. Seine Wut auf den N-G Präsidenten stieg von Sekunde zu Sekunde. Was erlaubte es Tohma auf ihn hinab zu blicken? Das viele Geld? Sein Geschäftssinn, seine Intelligenz, sein Talent? Dieser intensive Blick den er zu spüren bekommen hatte war noch immer voller Stolz, denn Seguchi Tohma war bestens bewusst was er geschafft hatte, was er noch alles schaffen würde, er war von sich überzeugt, der „geniale Tohma" wie er von der Presse präsentiert wurde.
Doch den würde er versuchen zu brechen, sollte es auch heute nicht gelingen, irgendwann würde er es schaffen. Er steigerte sich selbst in die Anmaßung hinein die er Tohma vorwarf, für ihn war klar, dass er derjenige war,der als einziger in der Lage dazu war ihm das wahre Gesicht zu enthüllen. Er wollte ihn ganz und gar sehen und spüren.
Seine Bewegungen, seine Handgriffe mit denen er Tohma die Beine spreizte, drückten dieses Gefühl aus, er wollte ihn besitzen, ihn den mächtigen Firmenpräsidenten, er wollte ihn sich nehmen. Diesmal sollte es kein Sex werden,der in Tohmas Büro verabredet wurde, keiner zu dem Tohma ihn lockte. Diesmal würde er sich ihn ganz und schlicht einfach nehmen.
Er war dabei seinen Gedanken und Vorstellungen Taten folgen zu lassen, als er sich die eigene Hose öffnete. Ja er würde sich nehmen was er begehrte, in diesem Land voller Höflichkeiten wollte er unverschämt sich einfach das nehmen,was er wollte.
K spürte, dass Tohma dieses Mal alles andere als bereit dazu war mit ihm zu schlafen, doch aus irgendeinem ihm unbekannten Grund ließ er es geschehen. Es war so einfach gewesen ihn sich zu nehmen, zu einfach und doch war der Sex den er gehabt hatte, nicht mit einer willenlosen Puppe geschehen.
Er hatte ihn hart an den Schultern gepackt und den zierlichen Körper gegen den Tisch gedrückt, ihm die Beine auseinander gezwungen und fast vollständig von seiner Kleidung befreit, doch Tohmas Stolz war nicht zu brechen. Ein paar Mal hatte er sich gewehrt wenn K besonders grob geworden war, doch jeder Blick den der Amerikaner von dem Jüngeren erhaschen konnte, beinhaltete die gleiche Arroganz wie zuvor, nur erschöpft schien er, als er sich atemlos an den Schreibtisch lehnte.
„Du kannst heute Abend damit anfangen", sagte er und strich sich durch das zerzauste Haar, als er sich wieder anzog. Es schien ihm nicht im Geringsten etwas auszumachen, dass K so brutal geworden war und es blieb ihm ein Rätsel warum.
„Womit anfangen?"
„Na, mit dem Auftrag natürlich. Du fährst heute Abend noch nach Shinjuku. Erreichen kannst du dort erst etwas wenn es Nacht ist, Shinjuku ist in der Nacht lebendiger als am Tag."
K kam sich vor, wie in die Army zurückversetzt, Tohma gab ihm kühl die Befehle die er auszuführen hatte, doch K hinterfragte das Vorhaben. Tohmas Verhalten blieb ihm rätselhaft. Natürlich, mittlerweile hatte er so oft mit Tohma geschlafen, aber heute war er zum ersten Mal so herrschsüchtig, so brutal geworden. Nie im Leben hätte er gedacht, dass Seguchi Tohma, der Mann der sich von nichts und niemanden unterdrücken oder etwas sagen ließ, sich so willenlos geben würde.
„Das ist doch ein rein privater Gefallen,den ich dir da tue."
Tohma hob abwertend die Brauen.
„Und das eben war kein persönlicher Gefallen gewesen?"
Fassungslos blickte K ihn an. Das war es also gewesen. Ein Gefallen. Er schüttelte ungläubig den Kopf.
„Du bist eine verkommene Hure."
Tohma grinste nur spottend und setzte sich wieder in seinen Schreibtischstuhl.
„In den Papieren steht alles, was du wissen musst, du solltest keine Probleme bekommen."
Sein jung gebliebenes Gesicht vermittelte K oft den Eindruck, er hätte einen Teenager vor sich. In Amerika hatte er ständig Jugendliche gesehen, die auf die schiefe Bahn geraten waren, die in ihren jungen Jahren schon so durchtrieben und falsch waren, dass sie einem unheimlich waren. Doch den Anblick den Tohma ihm nun bot, ließ ihn fast das Blut in den Adern gefrieren.
Nun war ihm klar warum Tohma das über sich ergehen hatte lassen. Er hatte ihn bezahlt.
Dieser Nachmittag hatte sich nun in K's Gedächtnis gefressen. Nicht weil es einfach nur guter Sex gewesen war, weil er ausleben durfte was sonst bestraft werden würde, nein er hatte einen Schock erlitten. Ihm waren in seinem Leben so viele unterschiedliche Menschen begegnet aber noch nie war ihm so mulmig dabei gewesen einer Person in die Augen zu sehen.
Es machte den Anschein, als stände alle Schönheit nun im Zwielicht.
Er schloss die Augen und drückte die Zigarette im Aschenbecher aus. Dann startete er den Wagen.
Er stand mitten in Kabuki-cho und lauschte dem Lärm von Pachinko-Hallen und Männergeschrei, aus Karaoke-Kabinen drangen grausame Laute auf die Straße. Er war fast am Ziel. Obwohl ihm bewusst war, wie sehr er mit seinem Aussehen hier auffiel, betrat er selbstbewusst das „Ikkoku". Es war das fragwürdige Etablissement,das er von ein paar nicht grad seriös wirkenden Männern genannt bekommen hatte. Er schmunzelte bei dem Anblick, den die beiden jungen Männer ihm geboten hatten. Auf sie musste er wie ein Polizist gewirkt haben, ein eigens aus den Staaten angereister FBI oder CIA Agent die sie für gewöhnlich nur aus dem Fernseher kannten.
Er erntete skeptische Blicke mit dem Eintritt in das Lokal,dessen Adresse aus der Akte hervor gegangen war. Obwohl K aus dem ganzen nicht schlau wurde und wirklich nichts einen Sinn für ihn ergab, hatte er Tohma keine Fragen mehr gestellt und hatte den Auftrag angenommen. Von Higashi-guchi, östlich des Bahnhofs, war er hierher gelangt und nun befand er sich mitten im grellbunten Shinjuku das ihm beklemmender als New York und lauter als Las Vegas vorkam.
Hatte man ihn eben noch aufmerksam gemustert, beachtete ihn nun niemand mehr, als er an einem der billigen Tischchen Platz nahm, nur ein paar Tische weiter lächelten zwei junge Frauen süffisant bei seinem Anblick. K hob die Mundwinkel zu einem Grinsen und die überaus attraktiven Damen kicherten los, widmeten sich aber sogleich wieder mit spitzen Fingern ihrem süßen Cocktail. In aller Ruhe sah er sich um. Draußen hatte er sich erschlagen gefühlt von den vielen Sex-Bars und Porno Videotheken, hier drinnen, so fürchtete er, war er allerdings erst recht diesem fragwürdigen Milieu ausgeliefert. Ihm schien es abstrus, dass ausgerechnet Seguchi Tohma, dessen alltägliche Kleidung er auf mehrere Monatsgehälter von ihm schätzte, ihn in so eine Kaschemme von Lokal geschickt hatte.
Um nicht mehr ganz so aufzufallen, bestellte er Bier wozu leichte Snacks gereicht wurden. Die Bedienung war noch sehr jung, kaum an die Zwanzig so schätzte K und zwinkerte ihm lächelnd zu. Sie war Chinesin, K wusste selbst nicht woher er plötzlich Asiaten zu unterscheiden vermochte, erwiderte das Lächeln aber schließlich. Er war ein wenig ratlos und überlegte hin und her, wie er an die gewünschten Informationen gelangen konnte. Im Grunde genommen hatte er keine Ahnung, wie er anfangen sollte, was er überhaupt hier zu suchen hatte. Trotzdem. Wenn er nur herumsaß und sich betrank, würde er auch nicht viel weiter kommen. Mit dem Glas in der Hand trat er an die Bar, an der die junge Chinesin grade eine Zitrone zerteilte. Als sie ihn bemerkte, hob sie den Kopf und zeigte ihm wieder ein Lächeln.
"Kann ich Ihnen helfen?"
K nickte.
„Das hoffe ich", sagte er und deutet in die Richtung der zwei Frauen, die immer noch ihren Cocktail schlürften. Mittlerweile war ein älterer Mann an ihren Tisch zurückgekehrt, der die Arme um die beiden Hübschen legte. Die Situation war so eindeutig, dass sich K davor ekelte. Statt sich weiter dieses Schauspiel anzutun, widmete er sich wieder der jungen attraktiven Chinesin, die verstanden hatte, was der Ausländer mit dem langen blonden Haar wollte. Irgendwie war es ihm unangenehm sich vor dieser hübschen Frau als ein Mann auszugeben, der nichts anderes wollte, als all die anderen männlichen Gäste hier. Ja, es war ihm sogar sehr unangenehm. Auf was für ein Niveau ließ er sich wegen Tohma herunter? Unfassbar! Wenn er seinen Auftrag erledigt hatte, würde er ihm nie wieder einen derartigen Gefallen tun, selbst wenn er ihn nackt und mit Geldscheinen geschmückt in einem Wasserbett erwarten würde, selbst dann nicht.
„Die sind schon vergeben", sagte die Chinesin und widmete sich wieder ihrer Arbeit, sie lud ein paar Getränke auf ein billiges Plastiktablett das mehrere Risse aufwies. K nickte, sie sprach ziemlich gut japanisch, schien aber weder beeindruckt von seinem fließenden japanisch, noch hatte sie angenommen, er würde von ihr erwarten, dass sie englisch mit ihm sprach.
„Was ist mit Ihnen?" fragte K und hob grinsend eine Braue, sie war grade im Begriff den Tisch mit den jungen Mädchen und dem Tattergreis zu bedienen, als sie inne hielt und ihre schmalen geschminkten Lippen wieder ein Lächeln zeigten.
„Dann würden Sie Ärger mit ihm bekommen."
K blinzelte verwirrt und wollte grade fragen, wen sie mit „ihm" meinte, als sie mit dem Kinn auf einen Mann deutete, der schräg hinter K am anderen Ende des Tresens stand.
Der Mann war eben noch nicht da gewesen, doch K entdeckte den Hinterausgang vor dem er stand, ein einfaches Loch in dem Gemäuer mit einem Vorhang davor so schien ihm.
Er beobachtete ihn, so unauffällig wie möglich verschob K sein Bier und setzte sich so, dass er eine bessere Sicht hatte. Er fragte sich unwillkürlich warum ihm der Mann nicht schon vorher aufgefallen war. Jedem anderen wäre sofort das quietschbunte Hawaiihemd ins Auge gefallen, das er unter dem dunklen teuren Jackett trug. Er stand seitlich zum Tresen und unterhielt sich mit einem anderen Mann, aus dem man glatt zwei machen könnte. K fragte sich augenblicklich, wie man sich nur so auffällig kleiden konnte, damit gaben sich die beiden Männer wohl eindeutig als Yakuza zu erkennen, auch wenn K nicht die geringste Ahnung von Yakuza hatte.
Die junge Chinesin kehrte an die Theke zurück und schob K eine Schale mit weiteren Snacks entgegen.
„Entschuldigen Sie", murmelte sie und wischte mit einem feuchten Lappen vor ihm her. Irgendwie hatte dieses ganze Lokal nur wenig Japanisches an sich, es machte einen ziemlich westlichen Eindruck, dachte K.
„Ist das ihr Chef?", fragte er und nickte zu dem Mann hin den sie ihm gezeigt hatte. Er trug das hellbraun gefärbte mittelange Haar zu einem kurzen strengen Zopf nach hinten gebunden, die Augen die K nicht genau erkennen konnte, wurden diesmal nicht von einer Sonnebrille verdeckt. Es war der Mann von dem Foto, das der Akte beilag die Seguchi ihm gegeben hatte.
„Sie sollten nicht zu viele Fragen stellen, amüsieren Sie sich."
„Wie heißen Sie?", K blickte ihr fest in die dunklen mandelförmigen Augen.
„Ich bin Cui Hua."
„Freut mich." K lächelte höflich und neigte etwas den Kopf. Sie erwiderte seine Geste, wurde dann aber von der Seite angesprochen.
In dem Moment bekam K einen leichten Schlag gegen die Schulter.
„Entschuldigung."
Der Mann mit dem bunten Hemd und dem kurzen Zopf war so plötzlich neben ihm erschienen, dass er es gar nicht bemerkt hatte. Ungläubig blickte K dem Älteren ins Gesicht. Auf dem Foto hatte er nahezu lächerlich gewirkt. Die klischeehafte Kleidung, der schlanke, aber doch irgendwie schlaksige Körper und die übergroße Sonnenbrille. Doch jetzt wo er neben ihm stand, wagte er nicht einen verspottenden Gedanken über ihn. Ihm wurde bewusst wie wenig Realität ein Foto dem Menschen übermittelte, erst recht wenn es ein so billiges war wie das was er von diesem Mann gesehen hatte.
Er kannte dieses Gesicht, es war ein wenig älter, aber es besaß definitiv die hübschen und elegant wirkenden Züge, die so typisch japanisch waren. Die schmalen Lippen waren blass, verrieten aber ebenfalls eine unnahbare Eleganz. Er konnte sich selbst nicht beschreiben, was er beim Anblick dieses bekannten Gesichts empfand, konnte sich nicht von den Augen lösen die zwar nicht ihm zugewandt waren sondern Cui Hua, aber doch bereit waren, aufmerksam alle Geschehnisse des Lokals wahrzunehmen.
Er schluckte. Noch heute Nachmittag hatte ihn der Blick eines Menschen schier wahnsinnig gemacht, es war der Blick aus jenen grünen Augen die nicht so schmal, wie die der anderen Japaner waren. Aber dies konnte nicht sein, es gab nur eine logische Erklärung und genau diese war grade dabei Gestalt in Crawd Winchesters Gehirn anzunehmen.
Es war nicht dieselbe Person, nicht der selbe Mann, der hier neben ihm stand und die hübsche Barkeeperin um irgendeinen Gefallen bat, aber die Augen die er eben mit solcher Sorgfalt studiert hatte, waren die von Seguchi Tohma.
Fortsetzung folgt…
