Zusammenfassung: Ron wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muß sich entscheiden. Doch wird er auch die Konsequenzen ertragen können?

Hinweis: SLASH Wenn ihr nicht wisst, was das ist oder es nicht mögt - dann weg hier!

Disclaimer: Alle Personen etc. aus dem HP-Universum gehören JKR - mir leider nur die künstlerische Freiheit schnüff
(Obwohl ich - wenn ich könnte - Draco für immer ans Bett fesseln würde ggg)
Ich werde mich bemühen, jede Verwendung anderer Literatur (orig oder ff) entsprechend zu kennzeichnen. Sollte mir allerdings mal etwas durch die Lappen gehen, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich dies dann nachholen kann.

Und natürlich darf ich an dieser Stelle nicht vergessen, meiner Beta-Leserin Visiongirl76 zu danken, die mir immer den entscheidenden Denkanstoss zum richtigen Zeitpunkt gibt.

Und auch ein herzliches Dankeschön an all diejenigen, die sich das erste Kapitel durchgelesen haben und Lust auf mehr bekommen haben.


Wenn Dich die Vergangenheit einholt...

Kapitel 2 - Erinnerungen

Die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Hügellandschaft in ein mystisches rot-orange.

Draco hatte die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Die Bilder hatten ihn einfach nicht mehr losgelassen. Bilder aus seiner Vergangenheit - einer Zeit, in der er gelernt hatte, dass sein Vater nicht das Maß aller Dinge war.

Alles hatte Mitte seines 6. Schuljahres in Hogwarts angefangen. Er erinnerte sich noch genau daran, wie er im Bad der Vertrauensschüler vor dem Spiegel stand und sein Bild anstarrte, das so sehr dem seines Vaters glich. Wie sehr er es doch hasste...

Diese seltenen einsamen Momente hatte Draco immer genossen. Er konnte dann seine äußere Fassade fallen lassen und ganz er selbst sein, ohne Gefahr laufen zu müssen, dass irgendwer seinem Vater berichten würde. Zwar hatte er einige "Freunde" bei den Slytherins, das musste jedoch nicht heißen, dass er diesen auch blind vertraute. Er wusste, dass sein Vater überall seine Augen und Ohren hatte - auch wenn er jetzt in Askaban saß.

Draco schlug mit der blanken Faust auf sein Spiegelbild ein. Tausend Splitter verteilten sich im Waschraum. Er konnte es nicht ertragen, seinen Vater in sich selbst zu sehen. Zu viele Erinnerungen...

Er drehte den Wasserhahn auf und hielt seinen Kopf unter das eiskalte Wasser. Wie sehr er sich doch wünschte, alles einfach wegspülen zu können.

Draco stütze sich auf das Waschbecken und versuchte, seine innere Ruhe wiederzufinden. Auf einmal spürte er eine Hand auf seiner Schulter - warm und beruhigend. Er drehte sich um und sah in die fragenden Augen von Ron Weasley. Noch nie hatte er so viel in einem Paar Augen gesehen, wie in diesem Augenblick. Kein Hass lag in ihnen, nur Verwirrtheit, Mitgefühl und ... Wärme.

Draco fühlte sich ertappt und war so verwirrt, dass er noch nicht mal einen seiner schneidigen Kommentare über die Lippen brachte, die er sonst für Ron übrig hatte. Er schreckte nur zurück und starrte ihn mit Panik in den Augen an.

"Ich... Ich wollte... nicht..." Ron schien ziemlich durcheinander zu sein. Plötzlich zeigten seine Gesichtszüge, dass er realisierte, was hier passiert war. Er drehte sich um und wollte wegrennen. Draco wusste nicht warum, aber er hielt Ron am Handgelenk fest und hinderte ihn daran, dass Bad zu verlassen.

"Warum?" fragte er Ron. Dieser schaute ihn jedoch nur ängstlich und verständnislos an.

"Warum hast Du mich nicht einfach in Ruhe gelassen?" Draco konnte die Wut, die langsam wieder in ihm aufkam, nicht ganz unterdrücken.

"Ich..." Ron schien nach den richtigen Worten zu suchen, doch seine Stimme versagte ihm den Dienst. "Ich konnte einfach nicht." brachte er in einem Wispern, das mehr einem Krächzen galt, hervor.

Für mehrere Minuten herrschte Stillschweigen zwischen ihnen und nur das Rauschen des Wassers erfüllte den Raum. Draco konnte einfach nicht verstehen, wie jemand, der ihn abgrundtief hassen musste, ihm so viel entgegenbringen konnte, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Schließlich beschloss er, die Sache auf sich beruhen zu lassen und ging Richtung Ausgang.

Als er an Ron vorbeiging, hörte er wie dieser flüsterte "Wenn Du..."

"Ich glaube nicht." antwortete Draco nur knapp und verlies endgültig das Bad.

Draco musste lächeln, als er an die Situation zurückdachte. Sie waren beide damals ängstlich gewesen, hatten beide gefürchtet, zu viel von sich dem anderen preiszugeben.

Er war seinerzeit viel zu durcheinander über die kürzlichen Geschehnisse gewesen, als dass er sich noch zusätzlich mit einem neugierigen Ronald Weasley beschäftigen konnte. Die Inhaftierung seines Vaters und der dadurch verursachte Verlust seines bisherigen Lebens waren genug Dinge, die er bewältigen musste. Auf eine gewisse Art war er froh, nicht mehr direkt den Fängen seines Vaters ausgesetzt zu sein, doch andererseits war er auch beunruhigt - er wusste einfach nicht, wie es weitergehen sollte.

Es war nicht bei diesem einen Aufeinandertreffen von Draco und Ron geblieben. Ihr Verhalten dem anderen gegenüber hatte sich geändert - die bissigen Bemerkungen waren zwar geblieben, denn irgendwie verstanden sie beide, dass sie ihre Fassade in der Öffentlichkeit nicht so einfach fallen lassen konnten. Aber die Begegnung im Bad der Vertrauensschüler hatte ihnen gezeigt, dass nicht alles so war, wie es zu sein schien.

Irgendwann trafen sie dann mitten in der Nacht am See aufeinander. In dieser Nacht hatten sie endlich miteinander geredet. Nicht viel, aber es hatte gereicht, die Barriere zwischen ihnen ein wenig bröckeln zu lassen.

Mit der Zeit trafen sie sich öfter und unterhielten sich. Ron erzählte ihm, warum er im Bad der Vertrauensschüler nicht einfach hinausgeschlichen war. Er war schon immer ein anteilnehmender Mensch gewesen und jemanden so zu sehen - egal ob Freund oder Feind - konnte er nicht einfach an sich vorbeiziehen lassen. Er war einfach neugierig gewesen, als er bemerkte, dass jemand wie Draco so durcheinander und zerbrechlich sein konnte. Wo gerade er doch normalerweise derjenige war, den nichts und niemand etwas anhaben konnte. Zumindest hatte Ron das bis zu diesem Augenblick gedacht, denn selbst nach der Inhaftierung von Draco's Vater hatte sich dieser in der Öffentlichkeit Hogwarts' nicht anders verhalten als bisher.

Und Draco erzählte Ron mit der Zeit von seiner Kindheit, den Spielchen seines Vaters und seiner "Vorherbestimmung". Um ihn gefügig zu machen, hatte Lucius ihm jeden Bezug zur Außenwelt verboten. Die seltenen Besuche seiner "Geschäftspartner" und deren Familien waren leider viel zu selten, als dass Draco daraus Freundschaften hätte bauen können. Jeglicher Fehltritt Draco's wurde bestraft, mit Flüchen oder Arrest in den Kerkern von Malfoy Manor. Einmal hatte Lucius sogar seine Lieblingsschlange, eine Königskobra, zu Schlangenragout verarbeitet, nur weil ihm nicht gefiel, dass Draco diesem Tier mehr Aufmerksamkeit schenkte als seinen Worten.

Ron hatten Draco's Geschichten schockiert. Er starrte ihn einfach nur verstört an, als ob er seinen Ohren nicht trauen könnte. Doch dann überkam ihn das Gefühl, Draco zu zeigen, dass dies alles vorbei war und jemand da war, der mit ihm fühlte. Aus diesem Reflex heraus nahm er ihn eines Abends einfach in den Arm, als wolle er ihn vor all seinen Erinnerungen beschützen. Erst hatte Draco davor zurückgeschreckt und verkrampfte, so viel Nähe war er nicht gewohnt. Doch schließlich hatte er nachgegeben und fand es sogar recht angenehm. Er hatte das Gefühl, zum ersten Mal in seinem Leben jemanden gefunden zu haben, dem er sich nicht gegenüber rechtfertigen musste.

Irgendwie schien Ron eine Lücke in ihm zu füllen, von der er nicht gewusst hatte, dass sie vorhanden war. Das erste Mal seit der Inhaftierung seines Vaters fing Draco wieder an zu leben. Früher war es immer sein Vater gewesen, der ihm verständlich gemacht hatte, wo seine Prioritäten zu liegen hatten.

Doch Lucius war nicht mehr präsent, um ihm zu sagen, was er zu tun und zu lassen hatte. Die Sommerferien waren die Hölle gewesen. Seine Mutter war herumgelaufen, wie eine leere Hülle. Von ihr konnte er keine Hilfe erwarten. Doch auch er selbst wusste weder aus noch ein. Schon seit jeher hatte sein Vater seinen Weg bestimmt und jetzt, wo er in Askaban saß, schien Draco's Welt zu bröckeln. Und das war etwas, was er nicht verkraften konnte.

Erst durch Ron schienen sich für Draco neue Perspektiven aufzutun. Langsam begann er zu begreifen, dass Lucius nicht alles war. Er musste lernen, auf eigenen Füssen zu stehen. Und durch die Gespräche mit Ron fing er langsam an zu begreifen...

Mit der Zeit waren ihre kleinen Treffen am See zum regelmäßigen Ritual geworden. Sie redeten bis in die Nacht hinein über ihr Umfeld, ihre Zukunft, aber auch über Belanglosigkeiten. Es war, als wäre aus ihrer langjährigen Feindschaft eine tiefe Freundschaft geworden. Anscheinend hatten Draco und Ron jeweils in dem anderen etwas gefunden, was sie bisher nicht gehabt hatten. Draco hatte jemanden, der ihm zuhörte, mit ihm sprach und mit ihm zusammen war nur um seiner selbst willen und nicht wegen dem, was er vorgab zu sein oder sein sollte. Und Ron fühlte, dass Draco ihn gerade deswegen beachtete und respektierte. In seinen Augen war er jemand besonderes und Ron stand zum ersten Mal in seinem Leben nicht im Schatten eines anderen.

Und dann, in einer sternenklaren Nacht wie der vergangenen, gingen sie einen Schritt weiter...

"Harry stellt in letzter Zeit ziemlich viele Fragen." sagte Ron, als sie sich wieder an ihrem Lieblingsbaum, einer zweistämmigen Trauerweide, am See trafen.

"Und?"

"Er wundert sich, dass wir uns nicht mehr so heftig beschimpfen wie früher."

"Was hast Du ihm erzählt?" Draco fühlte sich auf einmal seltsam. Er wollte nicht, dass diese "Freundschaft" zu Ron an jemandem wie Mister-Ich-rette-die-Welt-Potter zerbrach. Er fühlte sich wohl in Ron's Nähe. Aus irgendeinem Grund, den er sich nicht erklären konnte, war er der Einzige, dem er sich komplett anvertrauen konnte.

"Ich sagte ihm, dass wir eben unser kindliches Verhalten abgelegt haben und eingesehen haben, dass man auch zivilisierter miteinander umgehen kann. Man muss sich nicht immer gleich an die Kehle gehen."

Draco schluckte und sah Ron an.

"Du hättest sein Gesicht sehen sollen. Er starrte mich an, als hätte Hagrid gerade die Erlaubnis erhalten, Knallrümpfige Kröter zu züchten." Ron fing auf einmal an zu lachen. Sein Lachen war schon immer ansteckend gewesen und so konnte Draco nicht anders, als mitzulachen.

Nachdem sie sich wieder beruhigt hatten, saßen sie eine Weile schweigend nebeneinander, jeweils an den gegenüberliegenden Stamm gelehnt. So ging jeder seinen eigenen Gedanken nach.

"Mein Vater hat mir geschrieben." Ron schreckte auf, als Draco die Stille durchbrach. "Irgendetwas wird passieren. Da er aus Askaban schreibt, kann er nichts konkretes sagen, aber es scheint wichtig zu sein, wenn er solche Risiken auf sich nimmt, mir eine Nachricht zukommen zu lassen."

Ron starrte ihn mit schockerfüllten Augen an. "Was denkst Du..."

"Ich habe keine Ahnung. Aber ich weiß, dass es mir nicht gefallen wird." Draco senkte den Blick und spielte gedankenverloren mit ein paar heruntergefallenen Blättern. "Ich habe Angst." Die letzten Worte waren nicht mehr als ein Wispern, doch Ron schien sie verstanden zu haben, denn Draco merkte, wie plötzlich eine Hand seinen Arm berührte. Er entspannte sich ein wenig.

"Ich kann Dich verstehen - nichts Gutes kann dabei herauskommen. Aber ich glaube, wir können nichts weiter tun als abwarten."

Draco merkte, dass trotz dieser Worte auch Furcht in Ron's Worten lag. Er blickte zu ihm und sagte "Welch starke Worte für so einen ängstlichen Gryffindor wie Dich." Er konnte sich einfach nicht das zynische Grinsen verkneifen, dass in seinem Mundwinkel zuckte.

Ron zuckte mit den Schultern und antwortete mit einem Lächeln. "Manchmal erschrecke ich mich selbst vor mir."

Draco bemerkte dieselbe Wärme in Ron's Augen wie bei ihrem Treffen vor einigen Wochen im Bad der Vertrauensschüler. Auf einmal überkam ihn das Gefühl, noch nie einem Menschen vorher so nah gewesen zu sein - noch nicht einmal seiner Mutter. Und er wusste, dass da noch mehr war - mehr als Freundschaft...

Ehe Draco auch nur weiter über seine Handlungen nachdenken konnte, streckte er seine Hand nach Ron's Gesicht aus und zog ihn näher an sich. Ihm fiel Ron's fragender Blick auf, doch für ein Zurück war es jetzt zu spät. Er konnte diesem Gefühl einfach nicht wiederstehen.

In dem Moment wo sich ihre Lippen trafen, zuckte Ron zusammen und Draco erfasste urplötzlich Panik. Doch er merkte, dass Ron sich kurz darauf entspannte und den Kuss erwiderte. Die Anspannung fiel von Draco ab und er wollte nichts mehr, als nur noch fühlen - keine Gedanken an seinen Vater und eine eventuelle Zukunft in den Reihen der Todesser. Alles was in diesem Moment zählte, waren Ron und er...

Der Schrei eines Falken, der hoch über ihm seine Kreise zog, schreckte Draco aus seinen Erinnerungen auf. Mittlerweile stand die Sonne vollständig über dem Horizont - ein neuer Tag seiner Suche hatte begonnen.

Draco seufzte. 'Was hätte aus uns werden können, wenn nicht...'

Er schüttelte seinen Kopf und verdrängte die Erinnerungen. Er musste einen klaren Kopf bewahren.

Draco ging zum See und schüttete sich einen Schwall eiskalten Wassers ins Gesicht. Jetzt konnte er sich wieder auf sein Vorhaben konzentrieren. Er erinnerte sich an ein Dorf nicht weit vom See entfernt und entschied sich für einen Fußmarsch in dessen Richtung. Mit einer Bewegung seines Zauberstabes packte er seine Sachen zusammen und machte sich auf den Weg.

-----

Ron betrat das kleine unscheinbare Cafe in der Winkelgasse. Ginny hatte es als Treffpunkt vorgeschlagen, als er sie am Vorabend um ein Gespräch gebeten hatte. Er brauchte nicht erst lange Erklärungen vorbringen, Ginny hatte sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Und wegen ihrer hilfsbereiten Art erklärte sie sich sofort dazu bereit, sich mit ihm so bald als möglich zu treffen.

Das Cafe lag in einem der Hinterhöfe, so dass es nicht direkt von der Strasse aus eingesehen werden konnte. Ron fragte sich, wie ein Laden so überhaupt überleben konnte. Die Inneneinrichtung war ziemlich düster, die Holzvertäfelung und die vielen Nischen gaben dem ganzen jedoch eine gemütliche Atmosphäre. Überall auf den Tischen standen Kerzen, denn durch die kleinen Fenster drang kaum Licht, selbst an einem sonnigen Tag.

Ron atmete tief durch. Irgendwie fürchtete er sich vor diesem Gespräch und dem, was eventuell daraus resultieren könnte.

'Verdammt... Ich weiß ja selbst noch nicht mal, was dieses Wirrwarr alles zu bedeuten hat. Wie soll ich denn bloß darüber auch noch reden können?'

Aber ein Rückzug kam jetzt nicht mehr in Frage. Er hatte die ganze Nacht gegrübelt und versucht, eine gewisse Ordnung in seine Gedanken zu bringen. Selbst eins seiner heißgeliebten Schaumbäder mit Orangen-Aroma hatten ihn nicht dazu gebracht, abzuschalten und einfach nur zu entspannen. Immer wieder stellte er sich die selben Fragen...

'Wann hat das eigentlich angefangen, in falschen Bahnen zu laufen? Soll das wirklich alles sein? Merke nur ich die Veränderungen? Was hat das alles zu bedeuten?'

Und dann war da noch ein Gedanke, den er die meiste Zeit in sein Unterbewusstsein verdrängte. Aber in letzter Zeit kamen diese Erinnerungen immer öfter an die Oberfläche und verwirrten ihn nur noch mehr, als er es eh schon war. Trotz allem versuchte er, sich vorerst nur auf ein Problem zu konzentrieren.

Ron suchte den Raum nach Ginny ab und fand sie in einer der hinteren Ecken. Sie winkte ihm zu. Der Tisch, den sie ausgewählt hatte, lag mehr im Dunkeln als alle anderen und insgeheim war er froh über ihre Wahl des Treffpunktes. Er wollte seine Probleme nicht unbedingt in alle Welt hinaus posaunen.

Ron setzte sich zu Ginny an den Tisch und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. "Hi, Gin. Danke, dass Du Zeit für mich gefunden hast."

"Ron, Du bist mein Bruder! Für Dich habe ich doch immer Zeit." Sie schenkte ihm eins ihrer innigsten Lächeln. Doch bevor sie noch weiter etwas sagen konnte, kam die Bedienung zu ihnen an den Tisch.

"Was darf ich Euch bringen?" fragte der Zauberer, der nicht älter als 20 zu sein schien.

"Zwei Cappuccino bitte" antwortete Ginny bevor Ron auch nur eine Silbe herausbringen konnte. Er starrte sie etwas verwirrt an.

Ginny lachte nur. "Sie servieren hier auch Muggel-Getränke. Hermine hat mir mal dieses Getränk gezeigt. Es schmeckt richtig gut - versuch's einfach mal."

Sie brauchten nicht lange warten, als ihre Getränke gebracht wurden. Ron schaute skeptisch auf die Tasse, entschied sich jedoch dafür, dass ein Versuch nicht schaden könne. "'s ok" gab er Ginny's fragendem Blick zur Antwort. "Aber ich bevorzuge doch lieber einen Becher heißer Schokolade." Sie zuckte nur mit den Achseln, so als ob sie sagen wollte 'Typisch Männer'.

"Also - was ist es, was Du so dringend mit mir bereden wolltest?" Ron spritze den Cappuccino, den er gerade trank, fast über den gesamten Tisch. 'Sie war schon immer direkt.'

"Was?" fragte Ginny als sie seinen Reaktion sah. "Du hast mich doch nicht um ein Treffen gebeten, nur um über Merlin-weiß-was zu plaudern." Sie gab ihm einen ihrer durchbohrenden Blicke. "Also raus damit, was betrübt Dich?"

"Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll..." Irgendwie war Ron dieses Gespräch unangenehm, obwohl er wusste, dass er derjenigen war, der darum gebeten hatte.

"Red' einfach drauf los. Je länger Du es vor Dich herschiebst, umso mehr wird es Dich bedrücken." Ginny legte eine Hand auf seinen Arm und schaute ihn mit weichen Augen an.

"Hermine..." Er wusste einfach nicht, was er sagen sollte. Er war sich ja noch nicht mal selbst seiner Gefühle bewusst. "Ich weiß nicht, ob unsere Beziehung noch das ist, was sie einmal war."

"Ron, eine Beziehung verändert sich immer. Das ist normal."

"Ja schon - aber irgendwie scheint diese hier in falschen Bahnen zu laufen."

"Wie meinst Du das?"

"Wir sehen uns kaum noch. Und wenn wir uns sehen, streiten wir fast nur noch." Ron atmete tief durch. "Ich weiß nicht, ob ich sie überhaupt noch liebe."

Ginny starrte ihn mit großen Augen an. "Das ist nicht Dein Ernst."

"Gin, ich wäre nicht so durcheinander und frustriert, wenn es nicht mein Ernst wäre. Ich weiß nicht, wo das alles hinführt."

"Hast Du mit ihr darüber gesprochen?"

Ron fand auf einmal den Fußboden ziemlich interessant. "Nein" antwortete er recht leise, doch Ginny verstand ihn sehr gut.

"Das solltest Du aber. Schließlich ist sie ein Teil Eurer Beziehung. Vielleicht geht es ihr ähnlich und sie weiß auch nicht, was sie machen soll."

"Ich weiß nicht. Immer wenn wir miteinander reden ist sie so gereizt. Nie kann ich ihr etwas recht machen. Ich glaube, wir wären beide besser dran, wenn wir unsere eigenen Wege gehen würden."

"Ron," Ginny schnappte nach Luft "Du weißt, dass ich Dir, egal was passiert, immer zur Seite stehen werde. Aber bitte versuch noch mal, mit ihr zu reden."

Bevor Ron jedoch etwas antworten konnte, wurden sie unterbrochen. Kein anderer als einer der Zwillinge setzte sich auf einmal zu ihnen an den Tisch. "Hey ihr zwei. Was macht ihr denn hier?"

"George!" Ron hatte sich ziemlich erschrocken über das plötzliche Auftauchen seines älteren Bruders.

Auch Ginny schien ein wenig durcheinander, ließ es sich jedoch nicht so sehr anmerken. "Darf man sich nicht einfach mal so zu einem Schwätzchen treffen?" Sie schenkte George einen ihrer durchbohrenden Blicke. "Außerdem könnten wir Dich das selbe fragen."

"Ist ja schon gut. Ich dachte bloß, dass es ziemlich ungewöhnlich für Euch zwei ist, an einem Ort wie diesem aufzutauchen. Etwas helleres hätte ich eher erwartet." George machte eine entschuldigende Geste. "Was mich angeht, ich bin hier öfters zum Mittagessen. Die machen hier verdammt gute Baguettes." Er winkte Ron's fragenden Blick mit einer Handbewegung ab. "Da Fred und ich im Moment viel zu tun haben, wollte ich uns ein paar Snacks rausholen."

Ginny wollte gerade etwas erwidern, als Ron sie unterbrach. "Ist schon gut, Gin. Was soll's, vielleicht hat er ja den richtigen Rat für mich."

"Worum geht's hier eigentlich?" George schaute nun ziemlich verwundert von Ron zu Ginny und wieder zurück.

"Ron hat Probleme mit Hermine." antwortete Ginny.

"GIN!" rief Ron etwas lauter als er eigentlich wollte. Er schaute sich um, doch keiner der anderen Gäste interessierte sich für die drei Geschwister. Er wendete sich wieder seiner Schwester zu. "Darf ich bitte selbst erzählen?"

"Okay, okay, wollte nur behilflich sein." Schmollend verschränkte sie ihre Arme über ihrer Brust und schwieg.

Ron erzählte seinem Bruder alles, was er auch Ginny erzählt hatte. Dieser schwieg, bis Ron geendet hatte und ihn fragend ansah.

"Hast Du jemand anderen?"

"WAS?" Ron und Ginny sprachen gleichzeitig und starrten George mit großen Augen an.

"So wie Du klingst, gibt es da jemand anderen. Ansonsten würde ich Dich für verrückt halten, weil Du noch nicht mit Hermine über Eure Probleme gesprochen hast." erwiderte George. Er klang, als würde ihn das gerade gehörte überhaupt nicht wundern.

Ron senkte den Blick auf seine Hände, die die ganze Zeit mit der Kerze gespielt hatten.

"Ron?" Ginny rückte etwas näher zu ihrem Bruder. "Hat George recht?"

"Nicht wirklich..." Ron wagte es nicht, auch nur einem seiner Geschwister in die Augen zu sehen.

"Aber...?" bohrte George mit einem zweideutigen Grinsen nach.

"Naja, es gab da jemanden - lange vor Hermine. Doch irgendwie hab ich geschafft, das ganze zu vermasseln." Ron seufzte. "Aber das ist jetzt egal. Darum geht es nicht." Er wollte dieses Thema nicht anschneiden. Er wollte sich selbst ja noch nicht einmal eingestehen, dass er in letzter Zeit des öfteren an diese Beziehung zurückdachte. Da brauchte er nicht auch noch einen neugiereigen Bruder, der in seinen Erinnerungen herumstocherte.

"Zwischen mir und Hermine war es noch nie das Wahre seit wir zusammen gekommen sind. Mag sein, dass es mal für Hermine so war, doch für mich war es eher so etwas wie eine etwas tiefere Freundschaft und die Angst, alleine zu sein." Ron schaute wieder auf und sah in zwei verständnislose Gesichter. "Es gab mal eine Zeit, in der ich nichts lieber wollte, als mit Hermine zusammen zu sein - doch das ist längst vorbei. Alles was ich mir jetzt wünsche, ist ein wenig Freiheit und die Möglichkeit, für mich selbst zu stehen."

Ron hielt inne, doch es kam keine Erwiderung seitens seiner Geschwister.

Nach einer Weile fand Ginny ihre Sprache wieder. "Aber Ron, ich dachte..."

"Ja, wahrscheinlich dachten alle, dass wir das perfekte Paar wären. Doch vielleicht ist es genau das, was mich stört. Immer nur an das zu denken, was andere sagen oder denken."

Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu "Ich denke, es ist einfach an der Zeit, auf meinen eigenen Füßen zu stehen - mein eigenes Leben zu leben, ohne auf andere Rücksicht nehmen zu müssen."

"Ron," Es war George, der sprach. Die ganze Zeit hatte er still dagesessen und sich angehört, was sein kleiner Bruder zu sagen hatte. Er war vermutlich der einzige, der genügend Abstand zu dieser ganzen Geschichte hatte und genügend Vertrauen in Ron setzte, zu wissen was er tat. Und das wollte er ihm sagen. "Egal was Du tust, Du wirst schon die richtige Entscheidung treffen. Und wir bleiben schließlich Deine Geschwister." Er lächelte seinem Bruder zu und Ron verstand. "Tu, was Du für richtig hältst. Es ist Dein Leben."

"Danke, George." Ron stand von seinem Stuhl auf. "Gin?" Er schaute zu seiner Schwester in der Hoffnung, sie würde noch irgendetwas sagen, doch sie nickte nur. "Danke, ihr zwei. Wahrscheinlich brauchte ich einfach nur mal jemanden, mit dem ich offen darüber reden konnte. Ich weiß jetzt, was ich zu tun habe." Er gab Ginny noch einen Abschiedskuß auf die Wange und George einen brüderlichen Klaps auf die Schulter bevor er das Cafe verließ.

"Ich denke, er ist endlich aus seinem eigenen Schatten getreten." George's Worte waren nicht wirklich an jemanden gerichtet, doch Ginny blickte nickend zu ihm. "Anscheinend hast Du recht. Ich hoffe nur, er stürzt sich nicht in irgendetwas hinein."

...Wenn sie nur wüssten...
Anmerkungen: Endlich ist das zweite Kapitel draußen. Hat zwar ein wenig gedauert, aber ich hoffe, das Warten hat sich gelohnt. ;-) Eure Meinung ist mir wie immer wichtig - also her damit.