Zusammenfassung: Ron wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muß sich entscheiden. Doch wird er auch die Konsequenzen ertragen können?

Hinweis: SLASH Wenn ihr nicht wisst, was das ist oder es nicht mögt - dann weg hier!

Disclaimer: Alle Personen etc. aus dem HP-Universum gehören JKR - mir leider nur die künstlerische Freiheit schnüff
(Obwohl ich - wenn ich könnte - Draco für immer ans Bett fesseln würde ggg)
Ich werde mich bemühen, jede Verwendung anderer Literatur (orig oder ff) entsprechend zu kennzeichnen. Sollte mir allerdings mal etwas durch die Lappen gehen, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich dies dann nachholen kann.

Mein Dank gebührt an dieser Stelle natürlich meiner Beta-Leserin Visiongirl76. Was wäre ich ohne Deine Kommentare?
Und selbstverständlich darf ich auch Euch Leser/Reviewer nicht vergessen. Vielen Dank, daß ihr bis hierher durchgehalten habt.


Wenn Dich die Vergangenheit einholt...

Kapitel 5 - Unsicherheit

Dicke Nebelschwaden verdichteten sich um die Felsformationen der Karpaten. Die Temperaturen waren mittlerweile doch erheblich gesunken und Ron zog seinen Mantel enger um seinen Körper. Kleine Wölkchen kamen aus seinem Mund, als er leise vor sich hinfluchte und versuchte, seine Hände durch Aneinanderreiben aufzuwärmen. Er hatte zwar einen Wärme-Zauber gesprochen, doch dieser wirkte nur auf seine Kleidung und die Taschen in seinem Mantel waren nicht tief genug, um seinen Händen die nötige Wärme zu spenden.

Es war später Abend und morgen würde die Quidditch-Weltmeisterschaft beginnen...

Ron war erst ziemlich spät wieder nach Hause gekommen und Hermine war, genau wie er erwartet hatte, schon verschwunden. Die meisten ihrer Sachen lagen noch an ihrem Platz, doch eine Nachricht auf einem kleinen Stück Pergament, direkt an der Haustür befestigt, besagte, dass sie in ein paar Tagen wiederkommen würde, um den Rest zu holen. Er solle sich keine Sorgen machen – wenn er aus Rumänien zurück wäre, würde alles weg sein.

Da Ron keine weitere Notwendigkeit gesehen hatte, in England zu bleiben, holte er seine schon fertig gepackten Sachen aus dem Schlafzimmer und öffnete die Schublade, in der er den Portschlüssel, eine kleine Holzfigur in Form einer Fledermaus, aufbewahrt hatte. 'Typisch Rumänen – immer noch stolz auf ihre Vampire.' Belustigt schüttelte Ron den Kopf und griff nach der Figur...

Als er in einer dunklen Gasse wieder zu Sinnen gekommen war, hatte er ein ziemlich flaues Gefühl im Magen. Er mochte Portschlüssel nicht besonders, ihm wurde jedes Mal fürchterlich schwindelig. Aber es war momentan die beste und schnellste Möglichkeit zwischen seinem Haus und dem Austragungsort für die Meisterschaft hin und her zu reisen. Zum Apparieren war die Entfernung zu groß, die Zwischenhalte hätten ihn nur unnötig aufgehalten.

Er lehnte sich kurz an die Mauer und schaute sich dann seine Umgebung genauer an. Er sah an der Hauswand zur Hauptstraße ein Schild hängen, auf dem "La Liliac"(1) geschrieben stand. Er war also genau dort angekommen, wo der rumänische Sicherheitschef für ihn eine Unterkunft arrangiert hatte. Von ihm hatte er auch den Portschlüssel erhalten.

Razvan Draghincescu war seine Kontaktperson in Rumänien. Mit ihm zusammen hatte er den Plan für die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft entwickelt. Da er und sein Team von einheimischen Auroren schon seit Monaten mit Ron und seinen Kollegen zusammenarbeiteten, war die Verständigung mittlerweile auch kein Problem mehr. Gleich am frühen Morgen des nächsten Tages würden sie sich in der Sicherheitszentrale am Stadion treffen, um letzte Korrekturen durchzugehen und alle auf ihre entsprechenden Posten zu schicken.

Doch jetzt wollte Ron einfach nur einen warmen Platz am Kamin, ein Butterbier und ein gutes Gespräch mit seinem Bruder Charlie, dessen Einladung zum Abendessen er vor ein paar Minuten per Eule bekommen hatte.

Charlie wollte ihn am Ortsausgang abholen und Ron hatte keine Lust gehabt, die Zeit in seiner Unterkunft zu verbringen. Er konnte genauso gut schon mal loslaufen und ein wenig den Abend genießen. Doch er hatte nicht daran gedacht, dass es hier in den Bergen nachts schneller kalt wurde, als im flachen Land rund um London. Und so stand er leicht zitternd in einer windstillen Ecke, als Charlie ein paar Minuten später eintraf.

"Hey Char'," rief Ron und trat einen Schritt vor.

Charlie drehte sich nach der Stimme um und sah Ron aus dem Schatten treten. Ein Lächeln umspielte seine Lippen; es tat so gut, seinen Bruder einmal wieder zu sehen. Charlie ging schnellen Schrittes auf Ron zu und umarmte ihn.

"Ron! Mann, wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?"

"Viel zu lange. Es ist wirklich schade, dass erst eine Quidditch-Meisterschaft hier stattfinden muß, damit wir uns mal wieder sehen."

Er löste sich aus der Umarmung seines Bruders und trat einen Schritt zurück um seinem Bruder ins Gesicht sehen zu können. "Ich freue mich wirklich riesig, Dich wieder zu sehen, Charlie. Aber lass uns irgendwo hingehen, wo es etwas gemütlicher ist. Ich habe keine Lust, hier festzufrieren."

Charlie lachte laut auf. "Du hast Recht. Es gibt hier in der Nähe eine kleine Kneipe, in der ich gelegentlich bin. Wirklich gemütlich." Er trat an Ron's Seite und legte einen Arm um seine Schultern. "Na komm, es ist nicht weit."

Zwei Straßen weiter führte Charlie ihn in eine Gaststätte mit dem Namen "Cavitate de Dragon"(2). Ron musste unweigerlich schmunzeln. "Ich hätte es wissen müssen."

"Was?" Charlie schaute ihn leicht verwundert an, als sie über die Schwelle traten.

"Dass eine Kneipe mit diesem Namen zu Deinen Aufenthaltsorten gehört."

Jetzt musste auch Charlie grinsen. "Ich wusste gar nicht, dass Du rumänisch sprichst." Er musste sich selbst eingestehen, dass er recht beeindruckt war von seinem Bruder. Er hatte nicht gedacht, dass Ron sich für fremde Sprachen interessieren würde.

"Na ja, ich verstehe es ein bisschen. Schließlich muß ich mich ja auch mit meinen Kollegen hier verständigen können."

Charlie schaute sich in dem kleinen Schankraum um und deutete auf einen Tisch nahe dem Kamin, der die einzige Lichtquelle zu sein schien. "Lass uns den Tisch dort hinten nehmen. Dann können wir uns in Ruhe unterhalten."

Während sie am Tresen vorbei zum Kamin gingen, schaute sich Ron ein wenig um. Der Raum war für eine Gaststätte ziemlich klein, die Anzahl der Tische konnte an zwei Händen abgezählt werden. Das Mobiliar bestand größtenteils aus dunklem Holz, was dem Raum eine noch düstere Atmosphäre verschaffte. Die niedrige Zimmerdecke machte einen beengenden Eindruck und der Wirt hinter der Theke schien auch nicht gerade sehr freundlich. Doch Charlie schien ihn gut zu kennen, denn er hob die Hand zum Gruß und bestellte etwas zu trinken.

Sie setzten sich an den Tisch neben dem Kamin und genossen für ein paar Minuten die von ihm ausstrahlende Wärme. Nachdem der Wirt ihnen ihre Getränke gebracht hatte, unterbrach Ron die zwischen ihnen herrschende Stille.

"Und? Was machen Deine Drachen?"

"Wie? Ach so, die Drachen. Alles soweit im grünen Bereich – bis auf ein ausbrütendes Opalaugen-Weibchen, das sich hierher verirrt hat. Weiß auch nicht, was sie dazu bewogen hat. Auf jeden Fall ist sie ziemlich aggressiv, was das Arbeiten in ihrer Nähe nicht gerade einfach macht. Ansonsten haben wir im Moment einiges damit zu tun, die Sicherheitssysteme zu kontrollieren, damit uns keiner während der Meisterschaft ausreißt."

"Wäre wohl nicht so angebracht, wenn plötzlich ein Langhorn den Quaffel aufspießt," scherzte Ron und Charlie konnte sich bei dem Gedanken ein Schmunzeln nicht verkneifen.

"Jetzt erzähl aber mal von Dir, Ron. Wie geht's Dir so? Was macht Hermine?"

Ron's Gesichtsausdruck wurde augenblicklich ernst. "Lass uns bitte von etwas anderem sprechen. Das ist im Moment ein Thema, mit dem ich mich in letzter Zeit genug beschäftigt habe."

"Aber was ist denn los?" Charlie gefiel der Tonfall seines Bruders überhaupt nicht.

"Wir haben uns gestern im Streit getrennt." Als Ron Charlie's besorgten Gesichtsausdruck sah, fügte er hinzu "Frag' lieber nicht. Es war wirklich nicht schön. Alles was ich jetzt brauche ist Abstand und ein wenig Ablenkung."

Er konnte sich einen tiefen Seufzer nicht verkneifen und beschloß, das Thema zu wechseln. "Also, Du kommst doch sicherlich auch mal zu den Spielen."

Charlie war etwas überrumpelt von den Neuigkeiten und dem schnellen Themenwechsel, wollte Ron aber nicht weiter bedrängen. "Klar, wenn schon mal so ein Ereignis direkt vor meiner Tür ist, kann ich es doch nicht einfach ignorieren. Du weißt doch, wie sehr ich Quidditch liebe."

In der Zwischenzeit kam der Wirt zu Ihnen an den Tisch. Da Ron trotz seiner gelegentlichen Aufenthalte in Rumänien sich nicht mit den landesüblichen Speisen auskannte, bestellt Charlie für ihn etwas mit.

Sie unterhielten sich bis nach dem Essen über Quidditch und Drachen, als Charlie auf den Orden zu sprechen kam. "Und was macht die Jagd nach den Todessern?"

Ron's Miene hatte sich während ihres Gespräches entspannt, doch jetzt verdunkelten sich seine Gesichtszüge wieder. "In letzter Zeit war es ziemlich ruhig. Doch jetzt scheinen sie wieder zu agieren. In Frankreich wurde eine Schule angegriffen."

Charlie schaute ihn entsetzt an, doch Ron ließ ihm keine Zeit diese Neuigkeit zu verarbeiten. "Ich befürchte, dass wir bei der Weltmeisterschaft mit einem Angriff rechnen müssen. Hab' die letzten Stunden damit verbracht, die Pläne umzuarbeiten."

"Das wäre ja schrecklich! So viele Menschen kommen in diesen Tagen hier zusammen. Mal abgesehen von den ganzen Zivilisten könnten sie mit einem Schlag einen Großteil der wichtigsten Mitglieder der magischen Weltbevölkerung auslöschen."

Ron nickte nur. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu "Man möchte meinen, dass der Orden mit der doppelten Anzahl an Spionen jetzt mehr Informationen bezüglich der gegnerischen Aktivitäten erhält. Aber anscheinend ist dies ja nicht der Fall." Er konnte sich ein verächtliches Schnauben nicht verkneifen.

"Doppelte Anzahl an Spionen?" Charlie schaute recht verwundert. "Hab ich was verpasst? Ich dachte, der einzige wäre Severus Snape. Habt ihr jetzt eine ganze Horde bei den Todessern eingeschleust?"

"Keine ganze Horde." Ron musste unwillkürlich lachen, aus irgendeinem Grund drängte sich ihm der Gedanke an eine Horde wildgewordener Trolle auf. "Wir haben neben Snape jetzt noch jemand anderen bei den Todessern, der uns angeblich Informationen zukommen lässt."

"Was heißt angeblich?"

"Ich weiß nicht, ob ich dem Ganzen trauen soll. Ich hab keine Ahnung, wer diese zweite Person ist. Eigentlich weiß es keiner. Nur Snape, Dumbledore und Remus kennen den zweiten Mann." Ron glaubte, ein Aufblitzen in Charlie's Augen zu erkennen, schob diesen Gedanken aber schnell wieder beiseite. "Er kommt nicht zu den Treffen und ist momentan das wohlgehütetste Geheimnis der drei. Jegliche Kommunikation geht nur über einen von ihnen. Und der Rest von uns erfährt nicht die geringste Kleinigkeit."

"Das klingt ja nicht gerade vertrauenerweckend."

"Vor allem nicht, wenn nach einer langen Zeit wieder eine Attacke passiert und wir nicht im Geringsten gewarnt wurden."

"Scheint, als ob wir die nächsten Wochen besonders wachsam sein sollten," erwiderte Charlie mit düsterer Miene.

Ihre Unterhaltung drehte sich noch eine Weile um den Orden, bis sie dann wieder zu den etwas angenehmeren Themen zurückkamen. Ron entspannte sich wieder und war froh, seinen Gedanken etwas Zerstreuung bieten zu können. Außerdem war es gut, Charlie mal wieder zu sehen und zu hören, was in den entlegenen Gegenden Europas so vor sich ging. Schließlich war die Weltmeisterschaft das Einzige, mit dem er sich in letzter Zeit beschäftigte.

Als der Wirt sie schließlich darauf aufmerksam machte, dass es Zeit war, zu schließen, beendeten sie ihr Gespräch und verließen das Lokal in Richtung Stadtkern, wo Ron's Unterkunft lag.

"Hey, ich hoffe, wir sehen uns noch ein paar Mal, während Du hier bist," sagte Charlie, als sie den Lichtern der Innenstadt näher kamen.

"Klar, es wäre schön, wenn wir das wiederholen könnten."

"Okay, ich schick' Dir eine Eule, sobald ich weiß, wann ich zu den Spielen kommen kann." Er gab Ron einen Klaps auf den Rücken. "Bis bald."

"Bis bald, Charlie," antwortete Ron. Er schaute seinem Bruder hinterher, bis dieser hinter einer Häuserecke verschwunden war.

Ein paar Minuten später kam Ron zu dem Platz, an dem das schmale, aber hohe Haus stand, in dem er die nächsten Nächte verbringen würde. Es waren schon fast alle Lichter gelöscht. Leise betrat Ron die Gaststätte und stieg die Stufen hoch zu dem Gang, auf dem sein Zimmer lag. Alle paar Meter war eine Fackel an den Wänden angebracht, so dass die Flure in ein düsteres Licht getaucht wurden.

Ron ging in sein Zimmer und machte keine Anstalten, die Kerze auf seinem Tisch zu entzünden. Durch das Fenster drang genügend Licht von den Straßenlaternen, um die Umrisse in seinem Zimmer zu erkennen.

Er war auf einmal furchtbar müde und so ließ er sich einfach aufs Bett fallen, nicht darauf achtend, dass er seine Kleidung immer noch anhatte. Doch anstatt sofort einzuschlafen, wanderten seine Gedanken zurück zu den Ereignissen des vergangenen Tages. Er hoffte inständig, dass er sich täuschte...

-----

Es war früher Vormittag und Draco hatte noch ein paar Stunden Zeit, bevor das erste Spiel der Weltmeisterschaft anfangen würde. Da die Zeit jedoch nicht ausreichend war, sich um seine weiteren Schritte bezüglich des schwarzen Diamanten zu kümmern, beschloss er, sich schon mal zum Quidditch-Stadion zu begeben und einfach die Atmosphäre zu genießen. Schließlich hatte sein Vater ihm früher nie erlaubt, sich bei solchen Gelegenheiten unter das "gewöhnliche" Volk zu mischen und die einfachen Freuden zu genießen. Selbst bei der letzten Weltmeisterschaft, als er schon erwachsen und vollständig ausgebildeter Zauberer war, hatte er keine andere Wahl gehabt, als sich den Anweisungen seines Vaters zu unterwerfen. Was soviel hieß wie möglichst kurzfristig an einen der VIP-Eingänge apparieren und sich direkt zu den Logen-Plätzen zu begeben.

Die Ablenkung würde ihm gut tun, vor allem da sein Kopf förmlich zu rauchen schien, weil er die ganze Nacht über die neu gewonnenen Erkenntnisse gegrübelt hatte.

Er war der kleinen Gruppe von Zauberern zur Drachensenke gefolgt und hatte aus sicherer Entfernung beobachtet, wie sie ihren bewusstlosen Kollegen aus einer Felsspalte herausholten. Charlie und seine Männer hatten sichtliche Schwierigkeiten bei dieser Aufgabe gehabt, denn aus einer Höhle nahe der Spalte schossen scharlachrote Flammen, untermauert von einem Fauchen, dass Draco das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Gelegentlich konnte der Slytherin einen Blick auf den Drachen erhaschen, dessen perlmutfarbigen Schuppen das Sonnenlicht reflektierten. Da der Drache sich nicht aus der Höhle begab, konnte Draco jedoch noch nicht einmal erahnen, wie groß der Drache war.

Als er sah, wie problematisch sich die Rettungsaktion gestaltete, machten sich Zweifel in Draco breit, ob es wirklich eine gute Idee war, sich mit diesem Geschöpf anzulegen. Doch der Drang nach Macht überwog und verscheuchte die Bedenken in die hinterste Ecke seines Unterbewusstseins. Nun wusste er wenigstens, mit was er es zu tun bekommen würde. Er würde sich gut überlegen müssen, wie er vorgehen wollte. Er wusste ja noch nicht einmal, wie der Drache der Schlüssel zu seinem Erfolg sein sollte. Doch er spürte, dass er sich in die Höhle begeben musste und bei dem Gedanken daran schlug sein Puls schneller.

Während der letzten Stunden hatte Draco versucht, die Geschehnisse des vergangenen Tages zu verarbeiten und sich einen Plan zurecht zu legen. Bisher jedoch vergebens. Doch nun wollte er diese Gedanken beiseite schieben und einfach nur das Spiel genießen.

Je näher Draco dem Stadion kam, umso bevölkerter wurden die Strassen. Immer mehr Menschen drängten in Richtung des Großereignisses. Kaum jemand wollte das erste Spiel der Weltmeisterschaft verpassen. Schließlich spielte der amtierende Vize-Weltmeister Frankreich gegen den Gastgeber Rumänien, Viertplazierter des letzten Turniers – ein absolutes Spitzenspiel.

Es war nicht zu übersehen, wem die größten Sympathien bei dieser Partie galten. Überall konnte man Fähnchen mit der Landesflagge Rumäniens sehen. Viele Menschen hatten sich zudem in den Farben blau, gelb und rot gekleidet, um jedem zu zeigen, wer ihr Favorit war. Zwischendurch konnte man jedoch auch Anhänger der französischen Mannschaft erkennen. Hin und wieder begegnete Draco ein paar Zauberern, die stolz die Nationalhymne Frankreichs sangen.

Amüsiert schüttelte er den Kopf über den in seinen Augen völlig überzogenen Nationalbezug. Für ihn zählte nur das Spiel an sich. Er hatte zwar auch die ein oder andere Lieblingsmannschaft, doch für ihn zählte nur die Qualität der Mannschaft, nicht welchem Land sie angehörte. Und nur weil er eine Mannschaft gut fand, würde er sich noch lange nicht in deren Farben kleiden.

Aber vielleicht lag es auch an dem Anschlag auf eine französische Schule, dass die Stimmung bei den Anhängern der Franzosen so gedämpft war. Draco hatte überraschenderweise in seiner Herberge den Tagespropheten erhalten können. Die Schlagzeile war unübersehbar gewesen. Und anhand der Fotos auf den anderen in- und ausländischen Zeitungen konnte Draco erkennen, dass das Thema schnell die Runde gemacht hatte. Anscheinend war man überzeugt, dass dies das Werk der Todesser gewesen war. Draco traute Voldemort zwar solch einen Schritt zu, war sich über seine eigene Meinung jedoch nicht ganz sicher, da er bisher nichts von einer solchen Aktivität erfahren hatte. 'Aber ich bin auch schon seit längerer Zeit nicht mehr zu Hause gewesen. Wer weiß, was sich alles so entwickelt hat, während ich nicht da war. Schließlich ist Lucius' Brief von gestern der erste seit...' Auf jeden Fall hatte diese Neuigkeit ihn dazu bewegt, noch mehr auf der Hut zu sein, als bisher. 'Vielleicht war es wirklich eine kurzfristige Entscheidung... Oder... haben sie einen Verdacht und vertrauen mir nicht mehr?' Doch es nützte nichts, sich den Kopf zu zerbrechen, das sah auch er ein. Sein nächstes Treffen mit Lucius würde auf jeden Fall interessant werden...

Nach einer Weile kam Draco auf einem großen Platz an, der sich direkt vor dem Stadion befand. Hier befanden sich eine Unmenge von Ständen mit Fanartikeln, Prospekten, Quidditch-Equipment und anderen Dingen, die die Verkäufer mit Eifer an den Mann zu bringen versuchten.

Draco wanderte eine Weile auf dem Platz umher und beobachtete die Menschen. Als er plötzlich ein bekanntes Gesicht erblickte, erstarrte er, doch die Person verschwand so schnell in der Menge, dass er ihr nicht folgen konnte. 'Ich könnte mich auch einfach nur geirrt haben. Aber was, wenn nicht? Er ist bestimmt nicht derjenige, der aus reiner Freude zu einem Spiel kommt. Ich dachte, Lucius würde sich noch ein wenig Zeit lassen...'

Grübelnd ging Draco in Richtung Stadioneingang. Er würde auf der Hut sein müssen. Sollte wirklich das eintreten, was er befürchtete, so musste er schnell reagieren können. Er wollte auf keinen Fall zwischen die Fronten geraten.

Aufgrund des anherrschenden Krieges, waren die Sicherheitsbestimmungen bei dieser Weltmeisterschaft besonders hoch, so dass jeder nur durch einen der acht bewachten Eingänge ins Innere des Quidditch-Stadions gelangen konnte. Lange Reihen von Zauberern aus aller Welt bildeten sich, so dass es eine Weile dauerte, bis man zu den Wachposten kam, die jeden kontrollierten, der ihnen verdächtig vorkam.

Spätestens jetzt war Draco froh, sich seine Eintrittskarte schon am Vortag gesichert zu haben. Er war beileibe nicht derjenige, der die Geduld dazu hatte, in mehr als einer Schlange anzustehen.

Als er durch den Torbogen schritt, merkte er wie die Luft um ihn herum knisterte. 'Was ist das denn für ein Zauber? Was außer meinem Zauberstab sollte ich schon an Gefährlichem bei mir tragen?' Doch dann entdeckte er an einer der Wände eine riesige Tafel, auf der plötzlich sein Name erschien. 'Wie? Man wird hier registriert?' Unwillkürlich musste er spöttisch grinsen. 'Als ob das jemanden wie Lucius abhalten würde...'

Eine große Treppe führte zu den begehrten Logen-Plätzen, für die er trotz halber Mordandrohungen keine Karte mehr ergattern konnte. Stattdessen musste er sich mit einem Sitzplatz in der unteren Hälfte der Ränge begnügen. 'Wenigstens ist es kein Stehplatz geworden! Obwohl ich mir wahrscheinlich den Hals verrenke von dort unten.' murrte Draco. Als er schließlich an seinem Platz angekommen war und sich das Spielfeld des Stadions ansah, bemerkte er, dass so ziemlich überall Wachposten standen. 'Rechnen die Ministerien mit einem Anschlag?' Jeder Durchgang war gesichert und niemand kam in eine Zone, für die er keine Genehmigung oder Eintrittskarte hatte.

Es dauerte nicht mehr lange, bis ein Zauberer, der offensichtlich der Stadionsprecher war, in die Mitte des Spielfeldes trat und den Sonorus-Zauber sprach, um das Spiel anzukündigen. Draco konnte ihn nicht verstehen, da er die rumänische Sprache nicht verstand, doch an jeder Seite des Stadions waren riesige Leinwände angebracht, auf denen die Übersetzung in den unterschiedlichsten Sprachen zum Vorschein kam.

"Willkommen zur 424. Quidditch-Weltmeisterschaft! Wir freuen uns, dieses Großereignis in diesem Jahr ausrichten zu dürfen und wünschen allen Angereisten einen angenehmen Aufenthalt und spannende Spiele!" Abertausende von Quidditch-Begeisterten applaudierten dem Stadionssprecher. Allerdings merkte dieser anhand etlicher Zwischenrufe, dass die meisten Zauberer nicht unbedingt auf seine ausschweifenden Worte erpicht waren, sondern am liebsten sofort das so lang erwartete Spiel sehen wollten. Also schob er seine Gedanken an eine etwas längere Begrüßungsrede beiseite und gab dem Publikum, was es wollte.

"Doch nun will ich Sie nicht weiter auf die Folter spannen und Ihnen die Teams des ersten Spiels vorstellen." Lautes Getöse erschallte durch die Reihen.

"Als erstes Team der amtierende Vize-Weltmeister Frankreich mit seinen Spielern... Jaques "Der Verdrehte" Le Tort als Hüter... den Jägern Jean Camus, Rachel Breton und Madeleine Marquand... Pierre Gabin und Damien Faure als Treiber... und der Sucherin Seraphine Serrault!"

Die französischen Spieler, gekleidet in azur-blaue Trikots, kamen ins Stadion geflogen, umringt von hunderten von Feen, offensichtlich die Maskottchen der Franzosen. Fans der französischen Mannschaft schwenkten ihre Fähnchen und jubelten ihren Idolen zu. Die Feen, so klein, dass sie perfekt in der Hand eines Menschen hätten liegen können, waren anscheinend nach ihren Flügelfarben ausgesucht worden, denn diese entsprachen den Farben der französischen Nationalflagge. Durch ihre schnellen Bewegungen tauchten sie das Stadion in einen bunt-glitzernden Schimmer, während sie in großen Kreisen um das Spielfeld zogen und sich schließlich auf der Seite ihrer Mannschaft niederließen.

Draco erkannte unter den französischen Spielern ein bekanntes Gesicht und fragte sich, woher er jemanden aus dieser Nationalmannschaft kennen könnte. Doch dann dämmerte es ihm – das Trimagische Turnier in seinem vierten Jahr in Hogwarts. Die Jägerin war unter den Besuchern aus Beauxbatons gewesen und hatte ihm ständig Avancen gemacht. Er musste bei dem Gedanken an Pansy's eifersüchtiges Verhalten kichern. Was hätten wohl die beiden dazu gesagt, wenn er ihnen damals erzählt hätte, dass er an Mädchen nicht interessiert war.

Draco's Gedanken wurden durch die Stimme des Stadionsprechers wieder unterbrochen. "Und als Gegner der Gastgeber Rumänien, Viertplazierter der letzten Weltmeisterschaft mit seinen Spielern... als Hüter Marius Trausan... Radu Diaconu, Angela Hurezeanu und Dan Tomuta auf den Jäger-Positionen... den Treibern Viktoria Ceausescu und Cosmin Ionescu... sowie Adrian Perlea als Sucher!"

Unter tosendem Applaus flogen die Spieler der gastgebenden Mannschaft von der gegenüberliegenden Seite her ins Stadion, blut-rote Umhänge hinter ihnen flatternd. Die Spieler wurden dicht gefolgt von einer riesigen schwarzen Wolke, die sich plötzlich auflöste und hunderte von Fledermäusen zu erkennen gab. Die Fledermäuse flogen in einer großen Geschwindigkeit kreuz und quer durch das Stadion, das Schlagen ihrer Flügel ohrenbetäubend.

Als auch die Fledermäuse sich zur rumänischen Seite des Spielfeldes begeben hatten, kündigte der Stadionssprecher den Schiedsrichter an, ein amerikanischer Zauberer, dessen Blick jeden einzelnen Spieler am liebsten aufgespießt hätte.

"Ich will nicht länger Reden schwingen. Lasst das Spiel beginnen!" Der Sprecher verließ unter großem Applaus das Spielfeld und begab sich zu einer verglasten Loge, von der aus er anscheinend das Spiel kommentieren würde.

Die Zuschauer wollten endlich ihre Mannschaften in Aktion sehen und so öffnete der Schiedsrichter die hölzerne Truhe, die er mitgebracht hatte, um die Klatscher und den Goldenen Schnatz in die Freiheit zu entlassen. Mittlerweile hatten sich die Spieler in einem Kreis um den Unparteiischen geschart und warteten auf den Quaffel, der kurz darauf in die Luft geworfen wurde.

Die Franzosen waren schneller und schnappten sich den Quaffel als erstes – das Match hatte begonnen. Wie bei jeder Begegnung dieser Spitzenklasse war es dem Stadionssprecher nicht möglich, weit auszuschweifen, zu schnell waren die Spielzüge.

"Camus... Breton... böser Treffer durch Klatscher... Tomuta... Diaconu... TOR!!! 10:0 für Rumänien!"

Das Stadion bebte. Die rumänischen Fans standen auf ihren Rängen und applaudierten den Spielern, während die Fledermaus-Wolke eine weitere Runde um das Spielfeld zog. Die Leinwände mit den Kommentaren des Stadionssprechers zeigten währenddessen eine Zeitlupenwiederholung des Torschusses durch Diaconu.

Und schon ging das Spiel weiter. "Falkenkopf-Formation durch die Franzosen... Camus… Marquand... Camus... TOR!!! 10:10"

Nun waren die Feen an der Reihe, ihre Freude auszudrücken, indem sie mit ihrem bunten Flügelschlag durch die Zuschauermenge fegten.

Das Spiel hielt sich für längere Zeit die Waage, keine der Mannschaften schaffte es, über einen Vorsprung von 30 Punkten zu kommen. Es war ein erstklassiges Spiel, das zu keiner Zeit langweilig wurde. Jede Mannschaft zeigte ihr Können durch die verschiedensten Spielzüge. Aber auch Fouls blieben nicht aus und der ein oder andere Spieler trug etliche Blessuren davon.

Draco genoss die Atmosphäre im Stadion, vielleicht war es doch gar nicht so verkehrt, mal nicht in den Logen zu sitzen. Schon lange hatte er kein so gutes Spiel mehr gesehen. Die französische Mannschaft nahm gerade eine kurze Auszeit, um ihren Hüter verarzten zu lassen, der einen Klatscher direkt in die Magengegend bekommen hatte, so dass er rücklings durch einen der Torringe geflogen war, um dann im freien Fall auf dem Sandboden zu landen.

Währenddessen schweifte Draco's Blick durchs Stadion. Hier und da waren einige Fans der gegnerischen Mannschaften in einen Streit geraten und die Wachleute hatten einiges zu tun, die Streithähne wieder zu beruhigen.

An einem der unteren Eingänge, in der Nähe der Katakomben, aus denen die rumänischen Spieler geflogen waren, stand eine weitere kleine Gruppe von Wächtern. Sie schienen ein wenig beunruhigt. Draco konnte aufgrund ihrer Körperbewegungen erkennen, dass mehrere Zauberer gleichzeitig sprechen mussten. Plötzlich erstarrte der Blondschopf, denn aus dem Eingang trat eine Gestalt, wie er sie erst vor einem Tag gesehen hatte. Doch diesmal konnte es keine Verwechslung sein. Was sollte der Drachenhüter inmitten einer Gruppe von Auroren zu suchen haben? Sein Nachbar hatte sein magisches Fernglas auf die Balustrade vor ihm gelegt, während er sich mit einem weiteren Zuschauer darum stritt, welcher Sucher der fähigere war. Draco nahm sich das Omniglas und richtete es auf die Gruppe. 'Er ist es.' Sein Herz schien auf einmal viel schneller zu schlagen. 'Was hatte ER hier zu suchen?'

Draco wusste zwar, dass Ron manchmal für den Orden arbeitete, hatte ansonsten jedoch keinen blassen Schimmer, was dieser sonst so tat. Er spürte plötzlich den Drang, zu ihm hinzurennen und ihn aus dem Stadion zu bringen. Er war sich zwar nicht sicher, ob heute überhaupt etwas passieren würde, aber er wollte es ungern dem Zufall überlassen, Ron in einer gefährlichen Situation zu wissen. Zuviel hatte er ihm zu verdanken, als dass er einfach hätte zusehen können.

Doch plötzlich schaltete sich seine innere Vernunft ein und erzählte ihm, dass er kein Dummkopf sein sollte. Was würde das für ein Bild abgeben? Ein ängstlicher Slytherin, besorgt um jemanden, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und der wahrscheinlich keinen einzigen Gedanken mehr an ihn verschwendete.

Bevor Draco es realisieren konnte, war Ron aber auch schon wieder verschwunden und ließ ihn für einen kurzen Moment an seinen Sinnen zweifeln. Seine Gedanken wurden von der Stimme des Stadionssprechers unterbrochen, die verkündete, dass das Spiel nun weitergehen würde und die Sicht auf die gegenüberliegenden Ränge wurde durch die wild durcheinander fliegenden Spieler unterbrochen.

Es dauerte nicht mehr lange, bis Adrian Perlea in einem waghalsigen Manöver um die Stangen der gegnerischen Ringe herum den Schnatz fing und das Spiel bei einem Stand von 350:180 für Rumänien beendete. Rasender Jubel durchströmte das Stadion, untermauert von wildem Geflatter der Fledermäuse, als der Sucher der Rumänen triumphierend seine Ehrenrunde flog, den Schnatz immer noch in seiner linken Hand haltend.

Doch gerade als dieser an den Ehrenlogen vorbeiflog, erschütterte eine gewaltige Explosion die Ränge...
(1) La Liliac (rumänisch) – Zur Fledermaus
(2) Cavitate de Dragon (rumänisch) – Drachenhöhle
Anmerkungen: Es ist übrigens Visiongirl76 zu verdanken, daß Draco in die unteren Ränge abgeschoben wurde. Sie meinte, daß ihm das mal gut tun würde. :p Wir werden sehen, was er davon hat...
Und jetzt her mit Eurer Meinung! :)