Zusammenfassung: Ron wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muß sich entscheiden. Doch wird er auch die Konsequenzen ertragen können?
Hinweis: SLASH Wenn ihr nicht wisst, was das ist oder es nicht mögt - dann weg hier!
Disclaimer: Alle Personen etc. aus dem HP-Universum gehören JKR - mir leider nur die künstlerische Freiheit ::schnüff::
(Obwohl ich - wenn ich könnte - Draco für immer ans Bett fesseln würde ::grins::)
Ich werde mich bemühen, jede Verwendung anderer Literatur (orig oder ff) entsprechend zu kennzeichnen. Sollte mir allerdings mal etwas durch die Lappen gehen, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich dies dann nachholen kann.
Wie immer erstmal eine riesiges Dankeschön an meine Beta-Leserin Visiongirl76. Ich liebe es, wie Du mich immer wieder aufheiterst. :D
Und Euch Lesern danke ich für die lieben Reviews. Ich freue mich jedes mal riesig über Eure Kommentare.
Wenn Dich die Vergangenheit einholt...
Kapitel 6 - Nachwirkungen
Ron war sichtlich genervt. Alles war so gut geplant gewesen, doch aus irgendeinem Grund liefen die Dinge nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Anscheinend waren die rumänischen Sicherheitskräfte nicht dazu in der Lage, auch nur die kleinsten Probleme in den Griff zu bekommen.
Zuerst war alles gut verlaufen. Durch einen Anti-Apparations-Zauber mussten alle Besucher der Weltmeisterschaft durch einen der bewachten Eingänge, um ins Stadion zu gelangen. Die Sicherheitsvorkehrungen funktionierten bestens; jeder Besucher wurde registriert, wenn er durch die Torbögen lief. Somit hätte es möglich sein sollen, im Falle eines "unerwünschten Ereignisses", eine Übersicht über die Anwesenden zu bekommen.
Doch es sollte alles anders kommen, als geplant...
Ron hatte sich während des Spiels in die Kabine des Stadionsprechers begeben, da er von hier aus einen guten Überblick über das Stadion hatte. Während der von der französischen Mannschaft genommenen Auszeit bemerkte er, dass sich in der Nähe der Katakomben einige Sicherheitskräfte versammelt hatten und wild miteinander am diskutieren waren.
Ein ungutes Gefühl in der Magengegend bewegte Ron dazu nachzuschauen, was die zur Überwachung abgestellten rumänischen Zauberer so in Aufruhr gebracht hatte.
Der Weg zu dem Eingang, an dem sich die Gruppe versammelt hatte dauerte nicht länger als ein paar Minuten und als er um die letzte Ecke bog, hörte er schon das aufgeregte Stimmengewirr der Rumänen. Normalerweise konnte er sich soweit ganz gut mit den Rumänen verständigen, doch in diesem hektischen durcheinander, fing er nur ein paar Bruchstücke ihrer Unterhaltung auf.
"...Sicherheitsleck...Eindringlinge...Razvan..."
"Was ist mit Razvan?" fragte Ron, als er zu den größtenteils rumänischen Auroren stieß. Die leichte Beunruhigung, die sich jetzt in ihm breit machte, konnte er nur schwerlich unterdrücken. "Wo ist er?"
Ein hochgewachsener Zauberer namens Marian Galaicu wandte sich zu ihm um und schaute ihn etwas erschrocken an. Er war der Gruppenführer in der Region der rumänischen Katakomben. Eigentlich war er in Ron's Augen ein recht fähiger Mann, der dazu in der Lage war, seine Beherrschung auch in schwierigen Situation zu bewahren, doch jetzt meinte Ron, in seinen hell-braunen Augen eine gewisse Verunsicherung erkennen zu können.
Als er sprach, wirkte er jedoch gefasst. "Wir fanden ihn in einer der Zellen in den Katakomben. Irgendjemand hat ihn mit einem Fesselzauber belegt. Er war bewusstlos."
"WAS?" Ron war außer sich vor Wut, Sorge und Beunruhigung. "Wie konnte das passieren?" Doch eigentlich wollte Ron es gar nicht wissen. Viel schlimmer war die Realisierung, dass irgendjemand ihr Sicherheitssystem durchbrochen hatte. 'Was geht hier vor?'
"Razvan hatte einen der Eingänge für kurze Zeit alleine bewacht. Dabei muß ihn jemand überrumpelt haben. Als Emil zurück zum Eingang kam, war er verschwunden und der Registrierungszauber aufgehoben." Ron merkte, dass Marian sich die ganze Sache sehr zu Herzen nahm, obwohl es ganz bestimmt nicht seine Schuld gewesen sein konnte. Wenn Razvan freiwillig alleine Wache gestanden hatte, konnte ihm keiner einen Vorwurf machen.
"Verdammt," fluchte Ron vor sich hin, "wie oft haben wir besprochen, dass keiner von uns alleine auf seinem Posten bleibt? Jetzt seht Ihr, was dabei rauskommt." Er wollte Emil keinen Vortrag halten, zumal es auch nicht seine Aufgabe war. Marian würde ihn sicherlich später zur Rede stellen.
"Ok, wir müssen herausfinden, wer der Angreifer war und vor allem, was er vorhat. Du kümmerst Dich um Razvan," befahl er einem der Zauberer, der aussah, als würde er sich am liebsten in einer dunklen Ecke verkriechen, "und zwei von Euch kümmern sich um die Sicherheitsvorkehrung am Tor. Der Rest durchsucht in Zweiergruppen die Katakomben und Ränge. Schickt blaue Funken durch die Gänge, wenn ihr etwas Auffälliges bemerkt und wartet auf Verstärkung." Ron schaute kurz in die Runde und sah, dass ihm alle zunickten. "Dann los. Marian?"
Der angesprochene Rumäne folgte dem Gryffindor in Richtung Ehrenloge. Es war selbstverständlich, dass sie sich selbst um diesen kritischen Punkt kümmern würden. Schließlich waren zur Eröffnung der Weltmeisterschaft einige Persönlichkeiten aus allen möglichen Ländern angereist.
Doch bevor sie um die letzte Ecke bogen, die auf den langen Gang zur Ehrenloge führte, hielt Marian ihn zurück. Auf Ron's fragenden Blick schüttelte er nur den Kopf und sendete mit seinem Zauberstab blaue Funken in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Ron verstand zwar nicht, da er bisher nichts Auffälliges bemerkt hatte, fand aber, dass es sicherer wäre, seinem Kollegen zu vertrauen.
Als die beiden Auroren vorsichtig auf den dunklen Flur blickten, konnten sie im Schein der Fackeln eine verhüllte Gestalt erkennen, die am Eingang der Ehrenloge kniete, den Rücken zu ihnen gewand. Neben ihm die bewusstlosen Körper der zwei zuvor abgestellten Wachen. 'Hoffentlich nur bewusstlos...' dachte Ron und fühlte sich plötzlich ziemlich unwohl. 'Wie konnte er nur hierher gelangen?' Nach einem kurzem Blickkontakt und einem Nicken seitens seines Kollegen versuchten er und Marian, sich möglichst lautlos an den Fremden heranzuschleichen. Dabei bemerkten sie, dass dieser sich über etwas gebeugt hatte, das sie in dem dämmrigen Licht der Katakomben nicht erkennen konnten. Nur gelegentlich erkannten sie einen leichten Schimmer, als würde sich das Licht der Fackeln in irgendetwas widerspiegeln.
Sie brauchten keine Worte, um sich zu verständigen. Mit gezückten Zauberstäben traten die Beiden näher an den offensichtlichen Eindringling heran. Sie wagten es nicht, ihn jetzt schon anzugreifen, da sie die Gefahr nicht einschätzen konnten, die von ihm ausging. 'Mit was beschäftigt er sich da gerade? Und wer ist diese Person überhaupt?' Mitten in Ron's Gedankengänge stand die Person jedoch plötzlich auf und drehte sich zu ihnen um.
"Ihr seid zu spät!" Die Augen des Fremden sahen aus, als ob sie glühen würden, sie stachen förmlich in der Dunkelheit hervor, obwohl der Rest des Gesichts unter der Kapuze verborgen blieb. Er streckte eine Hand aus, in ihr eine Glaskugel mit grünen Blitzen, die wild in der Kugel umherzuckten, als würden sie verzweifelt einen Ausgang suchen.
'Was soll das sein?' dachte Ron. Noch nie hatte er so einen Gegenstand gesehen, geschweige denn davon gehört. Und auch Marian schien verwundert zu sein, seine Gesichtzüge hatten sich merklich verdunkelt. Da sie nicht wussten, mit was sie es zu tun hatten, waren ihre Möglichkeiten ziemlich eingeschränkt. Noch während beide nachdachten, wie sie den Fremden ausschalten konnten, sprach dieser wieder.
"Ihr könnt mich nicht mehr aufhalten. Diese Kugel hier enthält dutzende von tödlichen Zaubersprüche. Und wenn sie zerbricht..." Das irre Lachen des Unbekannten drang in seine Ohren und langsam fing Ron an zu glauben, dass er die Stimme kannte. Er konnte bloß nicht genau sagen woher.
Doch dann zog sein Gegenüber die Kapuze von seinem Kopf und Ron's Augen weiteten sich. Vor ihm stand einer seiner ehemaligen Mitschüler, von dem er gedacht hatte, ihn nie wieder sehen zu müssen...
"Ronald Weasley..." Das tiefe Knurren ließ dem Angesprochenen einen Schauer über den Rücken laufen. "Es ist mir eine große Freude, gerade Dich hier wiederzutreffen. Endlich bekomme ich die Gelegenheit, dir heimzuzahlen, dass Du Draco damals aus unserer Mitte entreißen wolltest."
Ein Anflug von Panik machte sich in Ron breit. All die Jahre hatte er gedacht, dass niemand etwas über ihn und den blonden Slytherin gewusst hatte. Anscheinend hatte er sich gründlich geirrt. Er hatte zwar bemerkt, dass die übrigen Slytherins, speziell derjenige der jetzt vor ihm stand, etwas garstiger als sonst waren, als er mit Draco zusammen gewesen war, doch er hätte nie geglaubt, dass das mit ihrer Beziehung zusammen gehangen hatte. 'Wie naiv bin ich doch gewesen...' Ron fragte sich, wie viel der Slytherin wirklich wusste und ob er der Einzige war.
"Du kannst nur froh sein, dass Draco irgendwann wieder zu Sinnen gekommen ist. Aber jetzt..." Das Glühen in den Augen war nun noch bedrohlicher und Ron merkte, dass er jetzt nur noch einen Schritt von seinem Feind entfernt war, da dieser während er sprach immer weiter auf ihn zugegangen war.
Die folgenden Geschehnisse liefen so schnell ab, dass Ron nicht imstande war, auch nur einen Finger zu krümmen. Er fühlte sich wie gelähmt, noch immer konnte er die Worte hören, die ihm voller Hass entgegengebracht wurden.
Ohne Ron's Bemerken, hatte der Slytherin seinen Zauberstab gezogen und richtete ihn auf die schwere Holztür zur Ehrenloge. Ein lauter Schrei hallte durch den langen Gang als der Fluch ausgesprochen wurde, doch der Blitz traf nicht die Tür. Marian hatte die ganze Zeit das Gespräch zwischen den beiden beobachtet und hatte sich nun auf den Angreifer gestürzt, um ihm den Zauberstab zu entreißen.
Irgendwo in der hintersten Ecke seines Bewusstseins fragte sich Ron, warum Marian ihn nicht mit einem Zauberspruch betäubt hatte. Doch es blieb ihm nicht genug Zeit, diesen Gedanken weiter zu verfolgen, da der abgefälschte Blitz die Wand zu den Rängen neben der Ehrenloge traf und mit einem lauten Knall ein Loch in das Holz riss. Die Wucht der Explosion traf Ron frontal, so dass dieser mehrere Schritte zurücktaumelte. Trotz redlicher Bemühungen konnte er sich nicht auf den Beinen halten und fiel rücklings auf den harten Steinfußboden.
Obwohl alles so schnell ablief, kam es Ron wie in Zeitlupe vor, als er sah, wie Marian und sein Gegenspieler gemeinsam umfielen. Alles was Ron tun konnte, war auf die Hand zu starren, die die Glaskugel festhielt und wie sich langsam die Finger lösten, so dass die Kugel gen Boden fiel.
Mit weit aufgerissenen Augen verfolgte Ron apathisch das Geschehen. Er wollte schreien, zu den Beiden hinrennen, die Kugel auffangen, doch seine Gliedmaßen wollten sich einfach nicht bewegen. Noch immer hörte er die Worte des Todessers in seinen Ohren, die ihn so unvorbereitet getroffen hatten. Und nur langsam begann er zu begreifen, was hier eigentlich passierte.
Auch Marian schien bemerkt zu haben, dass sie einer Katastrophe kurz bevorstanden und bevor Ron es richtig begreifen konnte, schaffte er es, sich lang genug zu strecken, um die Kugel im letzten Moment aufzufangen.
Während dieser Aktion hatte er allerdings seinem Gegner einen gewissen Freiraum geben müssen und dieser nutzte diese Gelegenheit, um sich zu Marian umzudrehen und seinen Zauberstab auf ihn zu richten. Die Wut war ihm im Gesicht abzulesen und als Ron sah, dass sich das "Avada..." auf seinen Lippen formte, fand er endlich seine Fassung wieder. Irgendetwas hatte ihn aufgerüttelt, als er die direkte Bedrohung für seinen Kollegen sah und er schleuderte den Todesser mit seinem eigenen Fluch gegen die schon reichlich lädierte Wand der Ehrenloge.
Erst jetzt wagte Ron, wieder auszuatmen, langsam wich die Anspannung aus seinem Körper. Er wagte es kaum, zu dem bewusstlosen Körper zu gehen, doch seine Füße bewegten sich wie von selbst. Aus dem Augenwinkel heraus sah er, wie Marian ihn geschockt anstarrte, immer noch zu sehr erschüttert von dem, was ihn beinahe ereilt hätte.
Doch Ron ging weiter auf den Slytherin zu, sein Kopf fühlte sich an, als würden tausend Gedanken auf einmal auf ihn einströmen. Gedanken an die Explosion, an die Verletzten oder Toten, von denen sie noch keine Ahnung hatten, Bilder von mehreren Todessern, die in den Gängen umherirrten. Doch am Allermeisten machte sich auf einmal die Erinnerung an Draco in seinem Kopf breit, die Angst, dass jeder in Voldemort's Reihen von ihnen wusste. Was, wenn sie versuchen würden, durch Draco an ihn heranzukommen? Welche Informationen hatten sie durch Draco über ihn und den Orden bekommen?
Er hörte die entfernten Schritte der rumänischen Auroren, die mittlerweile eintrafen, doch sein Blick war nur auf den regungslosen Körper gerichtet, auf die nun glasigen Augen Theodore Nott's...
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Als er langsam begriffen hatte, was passiert war, befand sich Draco inmitten in einer hysterischen Menge. Tausende von Menschen liefen in Panik umher, schrien und versuchten verzweifelt, aus dem Stadion herauszukommen. Nur mühsam konnte er verhindern, von den Massen umgerissen zu werden, konnte jedoch nicht den Strom abwehren, der ihn einfach mitzog.
Er hatte das Gefühl, von einer riesigen Welle mitgerissen zu werden. Von allen Seiten wurde geschubst und gedrängelt, desöfteren landete ein Ellbogen in seinen Rippen und hätte er sich nicht so bemühen müssen, nicht einfach von der Menge überrannt zu werden, hätte er sich wahrscheinlich mehrmals umgedreht und den Entsprechenden verflucht. Doch er wollte beileibe nicht so enden, wie einige Zauberer über die er hinweg steigen musste. Einige hatten es nicht geschafft, sich in der Masse aufrecht zu halten und versuchten verzweifelt, lebend zwischen tausenden von Füßen herauszukommen.
Während Draco versuchte, aus dem Gedränge herauszukommen, bemühte er sich, seine Gedanken zu ordnen.
Anscheinen hatte Lucius seine Andeutungen eher wahr gemacht, als Draco angenommen hatte. 'Andererseits... es hätte keinen perfekteren Augenblick geben können... außer vielleicht dem Endspiel...'
Doch er musste vorsichtig sein. Was wenn einer der Lakaien seines Vaters ihn hier sah? Wie sollte er aus dieser Sache herauskommen, ohne sich auf eine Seite zu schlagen? Man würde zwar nicht überrascht sein, ihn hier zu sehen, doch er würde auch Stellung beziehen müssen. Das war das letzte was er wollte. 'Oder ist Lucius vielleicht selbst hier? Nein, für solche Arbeiten ist er sich viel zu schade.' Er konnte sich ein verächtliches Schnaufen nicht verkneifen. Sein Vater war noch nie ein Mann fürs Grobe gewesen. Nur wenn es um etwas hochwichtiges, etwas sehr spezielles ging, trat Lucius selbst in Aktion. Nicht jedoch bei solchen, in seinen Augen trivialen, Aufgaben.
Die Menschenmenge war mittlerweile näher zu einem der Ausgänge gelangt und Draco nutzte seine Chance, um in eine der Nischen zu verschwinden. Erst jetzt wagte er es wieder entspannt zu atmen und zog tief die Luft in seine Lungen. Er hatte zwar keine Probleme mit großen Menschenmengen, doch wenn diese in solchem Maße auf ihn einwirkten, konnte er seine Fassung doch nicht ganz bewahren.
'An alles haben sie gedacht, nur nicht daran, wie sie all die Menschen heil aus dem Stadion herausbekommen sollen, wenn wirklich etwas passiert.' Draco konnte über solch einen Fehler nur den Kopf schütteln. 'Soviel zum Thema Anti-Apparations-Zauber.'
Er brauchte ein paar Minuten bis er sich orientiert hatte. Die Menge hatte ihn automatisch in die Nähe der rumänischen Katakomben geführt. Von hier aus konnte es nicht mehr weit bis zu dem Ehrenlogen, wo die Explosion stattgefunden haben musste, sein. Zumindest war das die einzig logische Erklärung, die ihm im Moment einfiel.
'RON!' Der Gedanke traf ihn wie ein Blitz. Wo war er zum Zeitpunkt der Detonation? Kurz zuvor hatte er ihn noch am anderen Ende des Stadions gesehen. Was war passiert?
Draco war ein wenig erschrocken über sich selbst. Er hätte nicht gedacht, dass er so schnell alles andere vergessen könnte, nur aus Sorge um den Rotschopf. All die Jahre hatte er seine noch immer vorhandenen Gefühle für ihn in die hinterste Ecke seinen Bewusstseins verdrängen können, doch nun, wo er wusste, dass er ganz in der Nähe war, schien alles andere nebensächlich zu sein. Trotzdem versuchte er sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, indem er überlegte, was sein Vater alles über den Anschlag auf die Weltmeisterschaft erwähnt hatte.
Sofern er sich erinnerte, sollte dieser Angriff nur der Auftakt sein, der Beginn einer Reihe von weiteren Offensiven, die zeigen sollten, dass die Todesser alles andere als untätig waren in den letzten Wochen. Allerdings sollte der Angriff auch noch einen anderen Zweck erfüllen. Wie immer bei den Weltmeisterschaften würde die Ehrenloge voll von hochrangigen Gästen aus aller Welt sein. Es wäre ein schwerer Schlag für die jeweiligen Länder, wenn ihre Regierungen derartig geschwächt werden würden. Insgeheim war Draco nun doch froh, keine Karte mehr für einen dieser Plätze bekommen zu haben.
Anscheinend musste jedoch etwas schief gegangen sein, da die Explosion die Ehrenloge nicht direkt getroffen hatte. Soviel hatte Draco noch mitbekommen, bevor ihn die Menschen in Richtung Ausgang gezogen hatten.
Die Ungewissheit war etwas, was Draco überhaupt nicht mochte und so entschloss er sich, durch die Nebengänge, die hoffentlich etwas weniger bevölkert waren, in Richtung der Ehrenloge zu gehen. Er wollte sich selbst einen Überblick verschaffen. Auch wenn dies bedeutete, dass er eventuell Anhängern Voldemorts über den Weg laufen könnte.
Zu seinem Verwundern begegnete ihm jedoch niemand in den dunklen Gängen der Katakomben und der Slytherin begann sich ernsthaft zu fragen, was das alles zu bedeuten hatte. Wie wenig Leute hatte sein Vater denn geschickt? Er hatte mit wesentlich mehr gerechnet. Oder sollte alles wirklich nur auf diese eine Explosion konzentriert haben?
Draco musste sich eingestehen, dass seine Unkenntnis, die seine Abwesenheit verursacht hatte, ihn nun doch etwas verunsicherte. Er hätte doch mehr Energie in die Pläne seines Vaters stecken sollen. Doch das war nun nicht zu ändern. Umso mehr musste er auf der Hut sein und versuchen im Falle eines Falles entsprechend unauffällig zu handeln.
Doch all seine Vorhaben wurden ruiniert, als er um die letzte Ecke bog und auf dem Gang zur Ehrenloge angelangt war...
Er huschte schnell in eine der Nischen, als er die beiden Auroren sah, die sich über einen bewusstlosen Körper gebeugt hatten. Er stand einige Meter von ihnen entfernt und ihre Rücken waren zu ihm gerichtet, doch er erkannte sofort, dass einer von ihnen Ron war und ihm entwich unbeabsichtigt ein erleichterter Seufzer.
Allerdings reichte der Schein der Fackeln nicht aus, um das Gesicht der bewegungslosen Person zu sehen, die vor ihnen am Boden lag. Draco hatte zwar eine Ahnung, doch er wollte sich vergewissern. Jedoch wagte er es nicht, sich weiter heran zu wagen, jetzt war beileibe der schlechteste Zeitpunkt, um eine Begegnung mit seinem früheren Liebhaber zu provozieren.
Um die beiden herum standen einige Zauberer, die Draco nicht kannte, doch aufgrund ihrer Kleidung und ihres aufgeregten Verhaltens vermutete er, dass sie in der Ehrenloge gesessen haben mussten. Als er das riesige Loch in der Wand neben der Ehrenloge sah, konnte er sich nur wundern, dass von ihnen tatsächlich noch einige die Explosion überlebt hatten.
In dem Moment hörte er die eiligen Schritte mehrerer Personen und er drückte sich noch mehr in das Dunkel der Wandvertiefung. Vier oder fünf Zauberer, die wahrscheinlich zum Sicherheitsteam gehörten, liefen an ihm vorbei. Plötzlich blieb einer der Männer stehen und schaute skeptisch zurück zu der Stelle, an der sich Draco dicht an die im Schatten liegenden Holzbohlen gedrückt hatte. Doch bevor der Auror näher auf ihn zukommen und ihn entdecken konnte, rief einer seiner Kollegen nach ihm und er verschwand wieder.
Draco wagte es kaum zu atmen und es dauerte ein paar Sekunden bis er sich traute, vorsichtig den Kopf hervor zu strecken, um sich das Geschehen anzusehen. Die Entfernung war zu groß, um irgendetwas von dem Gesprochenen zu verstehen, doch es war eindeutig, dass Ron und der Auror, der bei ihm war, den gerade Eingetroffenen Anweisungen gaben. Kurze Zeit später kamen dieselben Personen, die ihn kurz zuvor passiert hatten, wieder an ihm vorbei, zwischen ihnen ein schwebender Körper. Nun endlich konnte der Slytherin erkennen, wer dieser war.
'Theo!' Sein Herz schien auf einmal etwas schneller zu schlagen. 'Also hab ich doch richtig gesehen. Aber er ist doch bestimmt nicht alleine hier...' Theodore Nott war zwar ein fähiger Todesser, doch Draco glaubte nicht, dass er diese Aufgabe hier alleine auf sich genommen hatte. 'Ich frage mich, wieviele noch hier sind.'
Draco sah, dass einer der Sicherheitskräfte jedoch bei der Ehrenloge geblieben war und sich nun um die hochrangigen Gäste kümmerte. Er führte sie mit beschwichtigenden Gesten den Gang in die entgegengesetzte Richtung fort.
Noch bevor er einen weiteren Gedanken fassen konnte, sah er plötzlich einen sich bewegenden Schatten auf der anderen Seite des Ganges.
Ron und sein Kollege kümmerten sich gerade um zwei weitere bewegungslose Personen, die in der Nähe der Ehrenloge lagen und er vermutete aufgrund ihres Verhaltens, dass diese Beiden zu ihrem Stab gehörten. Anscheinen versuchten sie, die Beiden wieder zu Bewusstsein zu bringen und schienen so sehr in ihre Arbeit vertieft zu sein, dass sie nicht merkten, wie sich jemand an sie heranschlich. Vielleicht rechneten Sie auch einfach nicht mit einem weiteren Todesser, jetzt wo Nott's Versuch mehr oder weniger fehlgeschlagen war. 'Idioten!' Oder sie warteten nur auf weitere Sicherheitskräfte, bevor sie anfangen wollten, die Gänge abzusuchen.
Durch die Öffnung, die die Explosion in die Wand gerissen hatte, konnte Draco die panischen Schreie einiger Menschen hören, auch wenn diese mittlerweile abzuebben schienen. Doch sie waren immer noch laut genug, um die fast lautlosen Schritte der im Dunkeln lauernden Person zu übertönen. Selbst Draco musste angespannt hinüberschauen, um sie nicht aus seinem Blickfeld zu verlieren und ihm stockte der Atem, als er sah, wie in diesem Moment ein Zauberstab auf die beiden Auroren gerichtet wurde.
Die Situation löste in ihm einen ungewollten Konflikt aus. Er wusste nicht, wie er reagieren sollte und seine Gedanken schienen förmlich zu rasen. Eigentlich wollte er sich aus der Sache heraushalten, doch er konnte einfach nicht zusehen, wie Ron verletzt oder sogar getötet wurde. Aber dann müsste er seine Deckung aufgeben und die Gefahr eingehen, entdeckt zu werden – egal von welcher Seite. Irgendwie musste er es schaffen, heil aus dieser Situation herauszukommen, ohne sich zu verraten. 'Aber wie?'
Es blieb ihm nicht viel Zeit, sich zu entscheiden, als er sah, wie der Todesser aus dem Schatten trat und zu einem Spruch ansetzte. Instinktiv richtete Draco seinen eigenen Zauberstab auf die Person, die er jetzt, da sie im Licht der Fackeln stand, erkannte. Trotz seinen angespannten Nerven versuchte er, nicht zu laut zu sprechen. Vielleicht konnte er es ja schaffen, die ganze Situation unter Kontrolle zu bringen, ohne die Aufmerksamkeit Ron's und seines Kollegen zu erregen. So oder so würde er schnell handeln müssen.
Der Todesser schien ihn bemerkt zu haben, denn in dem Augenblick als Draco sein Fessel- und Knebel-Zauber sprach, drehte dieser seinen Kopf und starrte ihn an. Als der Spruch ihn traf, wandelte sich sein angespannter Blick in einen fragenden Ausdruck, der jedoch kurz darauf durch puren Hass ersetzt wurde.
Alles war relativ schnell und geräuschlos abgelaufen, doch Draco wollte sein Glück nicht auf die Probe stellen und so beförderte er den nun hilflosen Todesser mit einem Schwebezauber in den nächstliegenden Korridor. Gerade rechtzeitig, wie er feststellen musste, denn aus dem Augenwinkel heraus konnte er sehen, wie sich Ron gerade in dem Moment zu ihm umdrehte, als er um die Ecke verschwand.
Er hörte Stimmen und schnelle Schritte, die auf ihn zuzukommen schienen. Und so musste er sich beeilen, mit dem gefesselten Körper möglichst spurlos zu verschwinden.
Ohne zurückzuschauen lief er durch die langen dunklen Gänge der Katakomben, bis er endlich in der Nähe eines Ausgangs angelangt war. Ob seine Verfolger ihm immer noch auf den Fersen waren, wusste er nicht, die Geräusche wurden durch das Stimmengewirr vor dem Stadion und in den Hallen übertönt.
Er konnte nun sehen, wie die Sicherheitskräfte versuchten, die Menschen zu beruhigen und sie einigermaßen zivilisiert aus dem Stadion hinaus zu befördern. Hier und da mussten sie einige Zauberer ruhig stellen, die versuchten, sich ihren Weg nach draußen zu fluchen. Draco wollte sich erst gar nicht vorstellen, wie es sonst aussehen würde. Aber wahrscheinlich war es das, was die Todesser durch ihren Angriff beabsichtigt hatten – eine komplette Massenhysterie, in der sich jeder gegenseitig bekämpfte.
Der Slytherin beförderte den immer noch wehrlosen Todesser wieder auf seine Füße und legte seinen Arm um ihn, damit er ihn inmitten der Massen mit nach draußen ziehen konnte. Die Menge half ihm durch das dichte Gedränge dabei, das Gewicht der Person zu tragen, so dass es ihm nicht allzu viel Anstrengung kostete.
Als er endlich im Freien war, zog er den Körper mit sich hinter eins der vielen kleinen Zelte, die auf dem Stadionvorplatz standen. Dort ließ er ihn auf den Boden fallen und entledigte ihn von dem Knebel-Zauber.
"Draco! Verdammt, was sollte das hier? Auf welcher Seite stehst Du eigentlich?" Die Augen seines Gegenüber blitzten förmlich vor Misstrauen und der Angesprochene überlegte verzweifelt, wie er sich aus dieser Situation wieder herauswinden konnte.
"Könntest Du Dich bitte für einen Augenblick beruhigen? Sei froh, dass wir den Sicherheitskräften entkommen sind. Hättest Du ein wenig mehr aufgepasst, hättest Du bemerkt, dass mehrere Auroren auf dem Weg zur Ehrenloge gewesen sind." Draco wusste nicht, wie er so schnell auf diese Lüge gekommen war, die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus. Doch anscheinend hatten sie ihre Wirkung auf seinen Gegenüber.
"Sie hätten Dich überrumpelt, bevor Du auch nur daran hättest denken können, wie Du wieder herauskommst. Bei den Gründern, hast Du denn immer noch nicht gelernt Deinen Verstand zu benutzen, Vince?"
Sein ehemaliger Mitschüler schaute ihn nun recht fragwürdig an, als ob er seinen Worten nicht so recht trauen wollte, auf der anderen Seite sich aber vor Augen führte, dass Draco schließlich der Sohn von Voldemort's rechter Hand war und somit eine gewisse Stellung in den Reihen der Todesser genoss.
Dieser befreite ihn in diesem Moment jedoch vom Fesselzauber. "Was habt ihr als nächstes vor? In der Zeit, in der ich weg war, habe ich nicht sehr viel Informationen von Vater erhalten."
Offensichtlich hatte sich Crabbe dazu entschlossen, ihm zu glauben, denn er stürzte sich nicht sofort auf ihn, sondern schaute ihn jetzt etwas verwirrt an. "Das Ministerium... Was genau passieren wird weiß ich auch nicht, nur, dass sie jemanden eingeschleust haben."
"In Ordnung, jetzt seh' zu, dass Du hier verschwindest. Ich hab hier noch etwas zu erledigen." Doch Crabbe schien sich nicht von der Stelle rühren zu wollen. "Oder willst Du etwa, dass Dich die Sicherheitskräfte doch noch schnappen? Sag Vater, dass ich in ein paar Tagen wieder zurück bin. Und nun GEH!" Der scharfe Ton ließ Crabbe zusammenzucken, doch er erhob sich und verschwand ohne ein weiteres Wort in der Menschenmenge.
Draco ließ sich erschöpft auf den Boden sinken, den Rücken gegen die Zeltplane gelehnt. Ein tiefer Seufzer entwich seinen Lippen. Er hatte wirklich nicht gedacht, dass es so leicht sein würde, Vincent zu überzeugen.
'Wenn das mal gut geht...'
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Der Tag war lang gewesen und Ron wollte einfach nur vergessen. Er hatte eine kurze Nachricht an seine Familie und Dumbledore geschickt, um sie von den Vorfällen zu informieren, doch jetzt wollte er das alles zumindest für einen Abend hinter sich lassen.
Nach dem Vorfall bei der Ehrenloge hatten sie mehrfach die Katakomben durchsucht, wobei sie noch zwei weitere Todesser gefunden und zeitweilig inhaftiert hatten. Doch auch ihre Seite war nicht ohne Verluste geblieben, mehrere Verletzte und ein Toter bei den Sicherheitskräften.
Der Schaden bei den Besuchern der Weltmeisterschaft war jedoch weit größer. Die Explosion hatte ein riesiges Loch in die Ränge gerissen und nach aktuellem Stand mindestens zehn Zauberer getötet. Mehrere dutzend waren schwer verletzt und lagen mittlerweile in einem provisorischen Krankenzelt auf dem Stadionvorplatz, wo sie von einigen Heilern behandelt wurden. Das nächste Krankenhaus war einfach zu weit weg, da diese nur in den größeren Städten gefunden werden konnten, und teilweise wäre ein Transport nicht zu verantworten gewesen. Und das waren nur die Erkenntnisse über die direkte Auswirkung der Explosion. Wie viele Menschen schwere Folgen durch die ausgebrochene Panik davontrugen war noch längst nicht bekannt.
Tausend Gedanken rasten Ron durch den Kopf und er wusste, dass er sowieso nur weiter grübeln würde als Marian ihn fragte, ob er mit in einen der Clubs in der Stadt kommen würde. Also willigte er ein, froh über ein wenig Ablenkung. Ein Club war zwar nicht gerade das, was er jetzt bevorzugen würde, doch er würde genügend Zerstreuung bieten, um wenigstens für eine kurze Zeit die Ereignisse des Tages zu vergessen. Und das war etwas, was Ron jetzt wirklich gut gebrauchen konnte. Außerdem wollte er nicht alleine bleiben, er kannte sich selbst zu genau, um zu wissen, dass ihn die Einsamkeit jetzt erdrücken würde. Anscheinend ging es den anderen ähnlich.
Fast alle der Sicherheitskräfte, die nicht verletzt im Krankenzelt lagen, waren mitgekommen. Doch sie verloren sich schnell in der Menge, nachdem sie den Club betreten hatten. Marian und Ron suchten sich einen Tisch und bestellten sich etwas zu trinken.
Keiner der beiden wollte über das Geschehene sprechen und so saßen sie für eine Weile schweigend nebeneinander, beide zufrieden mit der Stille zwischen ihnen. Ron ließ seinen Blick über die Menschen in dem Raum wandern, einige saßen an der Bar oder an Tischen wie sie und unterhielten sich, andere wiederum hatten sich auf einer kleinen Tanzfläche eingefunden und bewegten sich zu einer Mischung aus traditioneller aber auch moderner Musik. Je nach Musikrichtung wechselte das Licht, das auf die Tanzfläche gerichtet war, von grellend hell zu schummrig oder eine Mischung aus beidem.
Nach dem dritten Feuerwhiskey merkte Ron, wie sich seine Muskeln langsam lockerten und er lehnte sich in den Polstersitzen entspannt zurück. Er sah, dass neben ihm sein Kollege dasselbe getan hatte.
Die Wirkung des Alkohols und die Musik hüllten den Gryffindor in einen warm wohligen Zustand und er schloss für einen Moment die Augen, versuchend, alles um ihn herum für einen Moment zu vergessen, die Ereignisse des vergangenen Tages in den hintersten Winkel seines Gedächtnisses zu verdrängen.
Auf einmal hörte er die leise Stimme Marian's ziemlich nah an seinem Ohr. "Du hast am Hals eine ziemlich tiefe Schramme." Ron spürte, wie sein Kollege mit einem Finger die Verletzung sanft berührte, die noch nicht vollständig geschlossen war. Neben dem kurzem Schmerz durch die Berührung der Wunde nahm Ron jedoch auch ein leichtes Kribbeln wahr, das sich langsam von seinem Hals aus ausbreitete. Er merkte, wie ein oder zwei Blutstropfen an seinem Hals bis zum Schlüsselbein entlangronnen. Seine Finger wischten vorsichtig die Tropfen auf und er öffnete seine Augen, um sie zu betrachten.
"Ein Fluch hat mich vorhin gestreift und ich bin in eine Holzballustrade gefallen. Muß mich wohl dabei verletzt haben," erwiderte Ron in einem etwas zittrigen Ton. Marian saß plötzlich viel näher bei ihm als vorher. 'Wie hat er das gemacht, ohne dass ich es gemerkt habe?' Der Rumäne griff nach seiner Hand und führte seine Lippen an seine Finger, um diese ganz sachte und langsam mit seiner Zunge von den Blutstropfen zu befreien. Ron schaute ihm dabei die ganze Zeit in die Augen und fühlte sich, als hätte er auf einmal einen Kloß im Hals und er musste schwer schlucken, trotzdem genoss er irgendwie die Nähe seines Kollegen.
Der drehte nun seinen Kopf sanft mit seiner Hand wieder zurück und Ron spürte Marian's Atem dicht auf seiner Haut. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, schon viel zu lange war es her, dass er jemanden so nah bei sich gespürt hatte, als dass dies alles einfach so an ihm vorbei gegangen wäre. 'Warum eigentlich nicht?'
Die Hand des Rümänen ließ sein Gesicht wieder los, nur um langsam an seinem Hals entlang bis zu seinem Brustkorb zu gleiten und Ron merkte, wie er dabei eine Gänsehaut bekam. Er entschied sich dafür, die Empfindungen einfach nur zu genießen und schloss wieder die Augen. Wenn Marian es auch wollte, würde er bestimmt der letzte sein, der dieses Angebot ausschlagen würde.
Schließlich war er nicht gerade unattraktiv. Er war groß und schlank, mit etwas kräftigeren Schultern, an die man sich gerne anlehnen würde. Seine langen dunklen Haare fielen in leichten Wellen auf seine Schultern herab und jetzt wo Ron darüber nachdachte, würde er gerne einmal mit seinen Fingern durch sie hindurch streichen. Seine sanften Gesichtszüge ließen Ron beim ersten Aufeinandertreffen vermuten, dass er wahrscheinlich noch nicht einmal einem Flubberwurm etwas zuleide tun konnte, doch es sollte sich herausstellen, dass dies bei weitem nicht der Fall war. Manchmal funkelten Marian's hell-braunen Augen spielerisch und man konnte einfach nicht seinen Blick von ihnen abwenden. Ein paar feine Narben konnte man auf seinem Gesicht und seinen Armen erkennen, wenn man genau hinsah, doch sie entstellten ihn nicht und Ron fragte sich, aus welchem Grund der Rumäne die Narben behielt. 'Vielleicht als Erinnerung oder Mahnung?'
Die Finger auf seiner Brust begannen nun, leichte Kreisbewegungen zu machen und Ron spürte, wie sein Körper langsam auf die Berührungen reagierte. Als Ron bemerkte, wie Marian's Zunge dem Verlauf der Wunde folgte, konnte er ein scharfes Einatmen nicht verhindern. Das leichte Brennen durch den Kontakt von Blut und Speichel breitete sich auf eine angenehme Weise auf seinen ganzen Oberkörper aus. 'Merlin, es ist wirklich schon viel zu lange her.'
Der sanfte Reiz wurde allzu schnell ersetzt durch ein leichtes Knabbern, was Ron's Sinneseindrücke nur noch verstärkte. Das behutsame Liebkosen verwandelte sich in fordernde, jedoch sachte kleine Bisse und sein Herz schien plötzlich wie wild zu schlagen. Bevor er allerdings einen weiteren Gedanken verschwenden konnte, merkte er, wie Marian von ihm fortgerissen wurde. Zu abrupt war die Bewegung, als dass sie hätte gewollt sein können.
Verwirrt öffnete Ron die Augen um zu sehen, was hier passiert war, seine Gedanken noch ein wenig verschwommen von den intensiven Gefühlen, die ihn soeben übermannt hatten. Marian lag auf dem Boden, um ihn herum Scherben der Gläser, die er mit sich gerissen hatte.
Sein Blick wanderte von dem Rumänen zu der Gestalt, die über ihm stand und sein Herz schien von einer Sekunde auf die andere stillzustehen, als er in die wütend funkelnden Augen von Draco Malfoy starrte...
Anmerkungen: Dieses Kapitel hier war ein hartes Stück Arbeit und ich bin froh über Visiongirl76's Unterstützung. Ohne Sie hätte ich es nicht geschafft! Und sie hat mich wieder auf einige Ideen gebracht, die recht vielversprechend für die nächsten Kapitel erscheinen...
Über Reviews würde ich mich wie immer riesig freuen! :)
