2. Universität Berkeley/ Kalifornien/ Sonntag 13. 45 Uhr
Dorothy Chairman schloss die Tür zum Büro des Universitätsdirektors auf und trat ein. Dorothy liebte das Büro mit den alten hölzernen Wandvertäfelungen und dem dunklen Parkett. Was ihr daran nicht gefiel, waren die vielen ausgestopften Tiere, die die Vorgänger von Mr Layman über die Jahre gesammelt hatten. Sie ging auf den riesigen Schreibtisch zu und klemmte sich vor den Computer. Dorothy war für den Kontakt mit den Teilnehmern der Expedition, an der auch ihr Bruder teilnahm, verantwortlich und lenkte alles weitere von Los Angeles aus. Der Direktor war gerade auf dem Weg hierher und sie hatte sich schon Eintritt zu seinem Büro verschafft. Sie klopfte mit den Fingern auf den Tisch, als der Computer mal wieder länger brauchte um ins Internet zu kommen.Endlich kam der Direktor zur Tür herein. Vincent Layman war ein mittelgroßer dicklicher Mann, mit grauem Haar und einer Nickelbrille. „Hallo Dorothy! Ist der Bericht schon da?"
„Ich bin noch nicht online!"
Mr Layman stellte seinen Kaffee auf den Tisch und holte sich einen Stuhl. „Ist das jetzt der aktuellste Bericht?", fragte er, und bewunderte, wie Dorothy mit ihren Fingern schnell über die Tastatur glitt.
„Ja! Phillip muss ihn heute erst geschrieben haben!"
Mr Layman sah aus dem Fenster und seufzte. Es regnete. „Hoffentlich haben sie da hinten nicht so schlechtes Wetter wie hier!"
Dorothy lächelte, endlich war sie online. Doch zu ihrem Erstaunen hatte sie keine Post. „Mr Layman, Sir?"
Vincent Layman stellte seine Kaffeetasse wieder auf den Tisch. „Was ist? Was schreiben sie?"
„Gar nichts! Sie haben nicht geschrieben!"
„Was meinen sie mit, sie haben nicht geschrieben ?"
„Gestern haben wir den Tagesbericht von Samstag bekommen, richtig?"
Layman sah Dorothy ungläubig an. „Ja, und?"
„Heute müssten wir also hier den Tagesbericht für Sonntag bekommen!"
„Ja!"
Dorothy schüttelte ihren Kopf und blickte dann besorgt zu Layman. „Da ist aber kein Tagesbericht in unserer Mailbox!"
Vincent Layman starrte auf den Monitor. „Prüfen sie das noch einmal!"
„Gut!" Wieder sah Dorothy in der Mailbox nach. „Nein, Sir! Es ist kein Tagesbericht da. Ich habe hier Tagesberichte von jedem Tag der Expedition. Abgeschickt jeden Tag um dieselbe Uhrzeit. Der heutige Tagesbericht fehlt, Sir!"
Layman konnte sich das nicht erklären. „Das kann nicht sein. Vielleicht sind sie nur ein bisschen spät. Ich werde mit den Investoren telefonieren. Vielleicht haben die Post, ansonsten warten wir bis morgen."
Dorothy nickte und starrte dann wieder auf den Bildschirm.
Layman hatte Dorothy nach Hause geschickt und sass nun vor dem Telefon in seinem Büro. Vor ihm lag die Nummer der Firma, die die Expedition mitsponserte. Langsam wählte er die Nummer. Es dauerte, aber dann nahm endlich jemand ab.
„Net Technologies, Guten Tag, was kann ich für sie tun?"
Eine freundliche Stimme am anderen Ende liess Layman lächeln. „Hallo, mein Name ist Professor Layman von der Universität Berkeley. Ich würde gerne mit Mr Morgan reden!"
„Einen Augenblick, ich verbinde sie!"
Es dauerte einen kurzen Augenblick und dann hatte er einen Mann am Apparat.
„Morgan!"
„Pete? Hier ist Vincent!"
„Vincent! Ich glaube ich weiss, warum du anrufst."
„Habt ihr auch nichts gehört?"
„Nein!" Das Seufzen am anderen Ende verriet ihm, dass sich Pete Morgan ebenfalls Sorgen um die Expeditionsgruppe machte.
„Pete, ich mache mir Sorgen! Auf Phillip McCarthy kann man sich verlassen. So etwas würde er nicht einfach vergessen!"
„Du meinst, es ist etwas passiert?"
Layman nickte. „Ja, das denke ich! Vielleicht ist etwas schiefgegangen!"
Stille.
„Sag etwas, Pete!"
„Je länger wir warten, desto mehr Geld verschwenden wir!"
Layman nickte still. „Und was jetzt?", fragte er nach einer kurzen Pause. „Was sollen wir jetzt machen?"
„Mach Dir keine Sorgen, Vincent! Ich kenne da jemandem. In zwei Tagen rufe ich dich zurück!"
Erleichtert atmete Layman aus, dann legte er auf.
