4. Universität Berkeley/ Kalifornien/ Mittwoch 8. 30 Uhr
Layman sass in seinem Büro und rauchte eine seiner kubanischen Zigarren, während er auf Dorothy wartete. Pete Morgan von Net Technologies hatte ihn zurückgerufen, und ihm gesagt, dass er mit dem Freund gesprochen hätte und ein Team zusammengestellt werden würde. Zwei FBI Agenten, ein Interessenvertreter von Net Technologies, er und Dorothy Chairman sollten die Reise ins Kongobecken antreten. Er hatte Dorothy zu sich gerufen, um ihr das zu sagen. Der Abflug einer privaten Maschine vom Flughafen in Washington D.C. war für Freitag angesetzt worden, und bis dahin war es nicht mehr viel Zeit eine neue Expedition vorzubereiten. Layman wurde durch ein zaghaftes Klopfen an seiner Bürotür aus seinen Überlegungen gerissen. „Herein!"Dorothy Chairman steckte ihren Kopf mit dem schwarzen Haar durch die Tür und kam dann mit einem schnellen Schritt auf ihn zu. Sie war eine gute Studentin, angehende Biologin, und weil sie so gross war, wirkte sie ziemlich schlaksig.
Er konnte sehen, dass sie nicht sehr gut geschlafen hatte, denn ihre Augen lagen in tiefen Höhlen. Kein Wunder, dachte sich Layman, schließlich war ihr Bruder ein Teilnehmer dieser verschollenen Expedition.
„Was ist los, Mr Layman? Haben sie doch noch geschrieben?" Für einen kurzen Augenblick hatte Dorothy gehofft Mr Layman würde ja sagen, doch dann sagte er das, was sie sich gedacht hatte.
„Nein!"
„Was dann?" Dorothy nahm Platz auf einem der schwarzen Ledersessel.
„Wir unternehmen eine zweite Expedition zum Tshuapa, Dorothy! Und sie und ich werden als Interessenvertreter der Universität mitgehen!"
Dorothy traf es wie ein Schlag. „Aber, Sir, wir? Wir fahren ins Kongobecken?"
„Dorothy, es gibt immer ein erstes Mal!" Er versuchte ihr mit einem Lächeln den ersten Schock zu nehmen und sie zu beruhigen, doch er selbst war viel zu unruhig.
„Ja, Sir!"
„Sie werden sehen, Dorothy!" Er sah sie an, doch Dorothy hatte ihre Brauen hochgezogen und schien zu fragen: ist das wirkliche eine so gute Idee, Mr Layman? Doch er selbst glaubte es nicht wirklich, wie sollte es da jemand anderes tun?
Pete Morgan hatte Jason Turner zu sich in sein Büro gerufen. Jason war ein mittelgroßer, sehr kräftiger Mann und hatte es innerhalb von Net Technologies schon weit gebracht. Er war der Sicherheitschef der Labore und hatte früher beim Secret Service gearbeitet. Und obwohl er für die Sicherheit verantwortlich war, machte er keinen vertrauensvollen Eindruck. Seine eng zusammenstehenden Augen verliehen ihm etwas animalisches, hinterhältiges.
Als er an diesem Tag von Pete Morgan, dem Präsidenten von Net Technologies, zu sich gerufen wurde, konnte er sich keinen Reim daraus machen. Kein Fehler war ihm oder seinen Angestellten unterlaufen, alles war so wie es sein sollte. Und dafür würde er seine Hand ins Feuer legen. Jason redete sich ein, dass es keinen Grund für dieses Zusammentreffen geben konnte. Und er liess noch nicht einmal den Gedanken an einen Fehler von seiner Seite aus zu. Er war kein Typ, der Fehler machte. Jason stieß die Tür zum Vorzimmer von Mr Morgan auf und meldete sich bei der Sekretärin.
„Sie werden schon erwartet, Mr Turner!" Sagte die freundliche Sekretärin und führte Jason in das Büro.
Pete Morgan hielt einen Golfschläger in der Hand und übte das Putten als seine Sekretärin mit Jason zur Tür herein kam. Morgan sah nicht auf sondern spielte ruhig weiter.
Jason konnte Pete Morgan nicht ausstehen, aber solange er in Morgans Gunst stand war ihm das egal.
„Hallo, Jason! Setzen sie sich!"
Jason setzte sich auf die nahegelegene Couch. „Tag, Mr Morgan!"
Endlich hatte Morgan den kleinen weißen Ball in eine dafür vorgesehene Kuhle geschlagen und ein elektronischer Beifall war zu hören. Morgan packte den Schläger weg und kam dann auf Jason zu, der immer noch auf der Couch sass. „Fantastisch, oder?" Morgan zeigte hinter sich auf das Home–golfing–System . „Haben die Japaner erfunden!"
Jason nickte ihm zu. „Sir, sie wollten mit mir reden. Weswegen?"
Morgans Gesicht verfinsterte sich und er stand auf um zu seinem Schreibtisch zu gehen. „Jason, wie lange kennen wir uns jetzt schon?"
Jason musterte Morgan mit Berechnung. „Acht Jahre, Mr Morgan, Sir!"
Morgan nickte mit dem Kopf. „Acht Jahre!" Dann sah ihn Morgan direkt an. „Und sie sind einer meiner treuesten Mitarbeiter, richtig? Immerhin leiten sie das Sicherheitssystem meiner Labore!"
Jasons Gesicht zeigte nach wie vor keine Miene. „Ja, Sir, das tue ich!"
Morgan winkte ihn näher heran. „Wissen sie, dass unsere Firma eine Expedition in das Kongobecken finanziert?"
Jason wusste es nicht. „Sir?"
„Jason, diese Expedition ist verschwunden, und wir wollen wissen, was mit ihr passiert ist!"
Jason ahnte schon, was Morgan ihm gleich sagen würde und lehnte sich ruhig in der ledernen Couch zurück.
„Sie sollen als Interessenvertreter unserer Firma die zweite Expedition begleiten!"
Seine Intuition hatte ihn nicht getäuscht.
„Sein sie übermorgen in Washington D.C., um alles weitere haben wir uns schon gekümmert!"
Jason nickte pflichtbewusst. Er spürte etwas abenteuerliches und sein Blut schoss schneller durch seine Venen.
„Sie werden von einem Professor, einer Studentin und zwei Bundesagenten begleitet werden!"
Jason gefiel die Idee mit den Bundesagenten gar nicht. Als er noch beim Secret Service war hatte er immer schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht. Er hasste sie förmlich. Diese Fed´s. Und er schwor sich, sich nicht von den Feds in seine Aufgaben pfuschen zu lassen. Das würde er zu verhindern wissen.
„Ihr Flugticket wird ihnen Miss Gutierrez am Ausgang geben!" Morgan legte so viel Vertrauen in seinen Stimme, wie es ihm möglich war.
Jason verabschiedete sich und lief in Richtung Tür.
