11. Camp der amerikanischen Expeditionsgruppe/ Kongobecken, Demokratische Republik Kongo/ Sonntag 20. 47 Uhr

Mulder hatte mit Layman im umliegenden Wald nach Feuerholz gesucht und Sidney hatte daraufhin ein neues Feuer gemacht, um das nun alle sassen und zu Abend aßen.

In jedem Kopf spukte eine eigene Theorie umher und so aßen alle in Stille. Die Nacht zog langsam ihren dunklen Umhang über die Welt und kühlte sie ab.

„Es wird kalt, ich hole mir einen Pulli!" Sagte Scully und stand auf, um in ihr Zelt zu gehen.

Mulder sah ihr nach und stand auch auf, um die Gelegenheit zu nutzen mit ihr alleine zu reden. Kurz vor ihrem Zelt holte er sie ein. „Scully!"

Sie drehte sich zu ihm um und blickte in seine dunklen Augen. „Was ist?" Ihre Stimme klang ein wenig gereizt, und Mulder wusste, wie er sich in dieser Situation verhalten musste. Er durfte sie mit seinen Theorien nicht vor den Kopf stoßen, denn sonst kam es wieder zu einem ihrer typischen Streits, in denen die Wissenschaft und das rationale Denken gegen das Unglaubliche kämpften.

„Woran ist Frank Blackwood gestorben?"

Sie sah ihn ungläubig an. „Meinen sie das jetzt ernst? Ich habe im Grunde mit einer verrückten Theorie ihrerseits gerechnet, wenn ich ehrlich sein soll."

„Tut mir leid – ich will einfach nur ihr Fachwissen."

Sie holte tief Luft und ging dann weiter auf ihr Zelt zu. „Naja, soweit ich das beurteilen kann ist er gestorben, weil ihm das Genick gebrochen wurde! Natürlich hätten aber auch nur die äußeren Verletzungen zum Tod führen können, von den Inneren ganz zu schweigen."

Mulder rief sich das Bild von Frank Blackwoods zerstückelter Leiche ins Gedächtnis, und schüttelte dann angewidert den Kopf. „Und Mara Dales?"

Scully sah ihn noch einmal an und musterte ihn, krabbelte dann aber ins Zelt und holte einen dunkelgrünen Pullover hervor. „Genau wie Blackwood. Ich denke der Genickbruch hat sie getötet aber auch die äußeren und inneren Verletzungen wären tödlich gewesen!"

Mulder nickte und fragte sofort weiter. „Jenny Levinson?"

Fassungslos sah Scully ihn an, und schien ernsthaft daran zu zweifeln, ob er das alles ernst meinte. „Ich dachte, es wäre ihnen klar, Mulder, dass man stirbt, wenn einem der Schädel zerquetscht wird!" Sie meinte zu glauben, dass er sie angrinste, doch mittlerweile war es zu dunkel, um das genau sagen zu können.

„Eigentlich weiss ich das ja auch, aber aus ihrem Mund hört sich so etwas immer viel besser an!" Jetzt grinste sie ihn an, und wollte wieder auf das Lagerfeuer zugehen, als Mulder sie am Arm festhielt. Jetzt war der richtige Zeitpunkt. Er musste es jetzt riskieren sie nach ihrer eigenen Theorie zu fragen. Alles was er von ihrem Gesicht sehen konnte, war das Weiße ihrer Augen. „Wer, denken sie, hat das getan?" Er konnte sich diese Frage nicht mehr verkneifen, auch wenn das bedeuten würde, dass einer dieser typischen Kämpfe zwischen ihnen beginnen würde. Er bemühte sich trotzdem so freundlich wie möglich zu klingen.

„Um ehrlich zu sein, ich weiss es nicht! Aber ich weigere mich ihrer Theorie über den hier ortsansässigen Killer King Kong anzuschließen!" Das Licht des entfernten Feuers warf warme Muster auf ihre Haut und liess ihr Haar seltsam leuchten.

„Ich habe nie etwas von King Kong gesagt! Eigentlich habe ich noch gar nichts gesagt!" Beteuerte Mulder und hob entschuldigend seine Hände.

„Aber gedacht haben sie daran ganz sicher!"

„Nun ja, ich ..." Mulder mußte zugeben, dass sie Recht hatte.

Sie ging wieder auf das Lagerfeuer zu doch erneut hielt er sie an ihrem Arm fest. „Was denn, Mulder? Denken sie wirklich, dass es hier einen Killergorilla ..." Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „... gibt?"

„Scully, das kann möglich sein!"

„Es kann aber auch nicht möglich sein! Denken sie, dass hier eine Spezies herumläuft, die noch nie jemand entdeckt hat, und die dazu noch extrem gefährlich ist? Das ist theoretisch nicht möglich! Früher oder später hätte jemand das Tier entdecken müssen, Mulder! Vor allem bei einer solchen Brutalität und Wildheit. Wie schon gesagt, es ist theoretisch nicht möglich."

„Und praktisch? Denken sie doch nur mal an die Antarktis. Am wohlmöglich lebensfeindlichsten Ort der Welt wurde nur durch Zufall Leben gefunden, von dem wir noch nichts wussten. Und das ist gerade mal zwei Jahre her. Es ist möglich, Scully! Es gibt sogar eine spezielle Fachrichtung für die Endeckung neuer Arten, die Kryptozoologie!"

Sie schüttelte den Kopf und atmete aus. „Mulder, das waren kleine, zellenartige Organismen, die man mit dem bloßen Auge niemals gefunden hätte. Hier reden wir von einem Tier so gross wie ein Gorilla, wenn nicht größer."

Mulder sah zum Feuer und dann wieder in Scullys Gesicht. „Noch eine Frage!" Es war so schwer mit jemandem zu reden, der nicht glauben wollte, vielleicht sogar nicht glauben konnte.

Wartend sah sie ihn an und fing an, sich den grünen Pulli um die Schultern zu legen.

„Warum sind die Leichen so entsetzlich entstellt? Wer hat das gemacht? Scully, ich will doch einfach nur ihre Meinung zu diesem Fall, mehr nicht."

Er hatte Recht. Denn genau diese Fragen hatte sie sich den ganzen Abend über immer wieder gestellt – doch sie hatte keine Antworten gefunden. Alle Leichen, die von Jenny, von Frank und von Mara, waren bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Es musste einen Grund dafür geben. „Ich, naja, ich . . ." Sie wusste nicht, was sie denken oder glauben sollte.

„Wenn ich mal etwas anmerken darf, dann würde ich sagen, dass einige der Schnitte in Blackwoods Brust, so wie riesige Kratzer aussahen."

„Mulder, sie wollen doch nicht sagen, dass, dass..." Sie rief das Bild auf dem Computerschirm in ihr Gedächtnis und sah wieder die scharfen Krallen vor sich. Aber das war alles unmöglich. Das konnte doch nicht wahr sein. „Wenn sie damit sagen wollen, dass es dieses Vieh war, dann kann ich dass nur schwer glauben! Die Kameraaufnahme war beinahe schlechter als ganz schlecht und das Standbild war miserabel. Das menschliche Auge spielt uns Tricks, warum nicht auch bei dieser Videoaufnahme?"

Er sagte nichts sondern starrte nur in die Dunkelheit des nächtlichen Dschungels.

„Mulder? Hören sie mir überhaupt zu?"

Ohne sie anzusehen, wusste er wie sie vor ihm stehen würde. Die Hände ruhten auf ihren Hüften und ihr Haar war nicht wie sonst sorgfältig hinter die Ohren gesteckt sondern lag wild um ihren Kopf. Als er sich wieder zu ihr umdrehte hatte er noch immer dieses seltsame Leuchten in seinen Augen, das Scully nur zu gut kannte.

„Mulder, sie wollen mir doch nicht erzählen, dass das hier eine X–Akte ist, oder?" Natürlich dachte er daran und sie schalt sich innerlich, dass sie es eigentlich hätte wissen müssen – immerhin kannten sie sich schon eine Ewigkeit.

Doch er sah sie nur mit diesem denken sie darüber nach Blick an und verliess sie dann in Richtung Lagerfeuer.

Als Scully zurück zum Lagerfeuer kam, waren Layman und Dorothy gerade dabei, einige Fotos, die sie aus der Kameratasche von Jenny Levinson hervorgeholt hatten, durchzusehen. Sie liess sich neben Mulder auf ein Sitzkissen fallen und schielte schnell zu ihm herüber. Sie überlegte, ob sie mit ihm zu hart gewesen war, doch eigentlich war er es doch gewöhnt von ihr die wissenschaftlichen Erklärungen zu hören. Bei allem was sie mit ihm erlebt und gesehen hatte, wusste sie selbst, dass es noch verrückter war an das Paranormale nicht zu glauben. Doch die Aufgabe des wissenschaftlichen Denkens würde auch die Aufgabe der Kontrolle und an alles woran sie immer geglaubt hatte bedeuten und davor hatte sie Angst. Sie hoffte, dass er das irgendwie verstehen könnte.

„Hey, seht euch mal das an!" Rief Layman den anderen zu und hielt ein Foto eines stattlichen Gorillamännchens hoch. „Sein Name ist Elvis!" Es schien Layman köstlich zu amüsieren, bis Dorothy plötzlich ein Foto mit den Expeditionsteilnehmern in den Händen hielt, auf dem auch ihr Bruder war.

Tränen sammelten sich in ihren Augen. „Was machen wir denn jetzt?" Fragte sie und wischte mit dem Handrücken unter ihrer Nase vorbei.

„Wir werden morgen großräumig das Gelände durchkämmen und nach ihnen suchen!" Sagte Jason und legte zum ersten Mal an diesem Abend sein Gewehr beiseite.

Mulder sah Scully genauso erstaunt an, wie sie ihn ansah. Dieser Ausspruch aus Jasons Mund war wie ein Wunder.

„Und wenn wir sie gefunden haben, dann werden wir hier so schnell es geht verschwinden!"

Die anderen nickten.

„Und was ist, wen wir sie nicht finden?" Fragte Sidney und wirkte dabei irgendwie nervös.

Mulder wurde das Gefühl nicht los, dass Sidney irgendetwas bedrückte. Er sah es an Sidneys Körpersprache – an der Art wie er mit seinen Fingern spielte oder sich mit seinen langen Händen über das glänzende Gesicht fuhr.

Alle waren wieder still.

„Mr Washington hat Recht! Damit müssen wir rechnen!" Sagte Scully und versuchte nicht in Dorothys enttäuschte Augen zu sehen.

Dorothy nickte traurig. „Ich weiss, und mittlerweile denke ich nicht mehr, dass Walter oder die anderen noch leben. Nach einer Woche hätten wir etwas von ihnen hören müssen!" Es war Dorothy schwer gefallen das zu sagen. Und man hörte es an ihrer bebenden Stimme.

„Aber es gibt immer noch die Möglichkeit mit den Separatisten!" Versuchte es Layman tröstend.

Mulder schüttelte den Kopf und wollte gerade etwas sagen, als sich hinter ihnen im Regenwald plötzlich etwas bewegte. „Ruhe!" Befahl er und drehte sich dann langsam mit Scully zum Wald um.

Alles war still, nur das leise Knistern des brennenden Holzes war hinter ihnen zu hören. Wieder raschelte etwas Großes im Gebüsch, diesmal sogar an drei Stellen.

Scully zog ihre Waffe. „Was ist das?" Flüsterte sie Mulder zu, der den Wald mit seinen Augen zu durchdringen versuchte.

„Ich weiss nicht!" Antwortete Mulder.

Hinter ihnen hörten sie Dorothy ängstlich atmen. Alles war dunkel, nicht mal die Sterne am Himmel waren zu sehen.

Scully hasste solche Situation, in denen sie etwas oder jemandem ausgeliefert war. Sie waren auf einer Lichtung, noch dazu mit einem gut sichtbaren Feuer, und um sie herum war der Dschungel mit tausenden Verstecken. Langsam fuhr sie den Waldrand mit ihren Augen ab bis ihr Blick plötzlich starr auf etwas gerichtet stehen blieb. Vorsichtig zupfte sie Mulder am Ärmel, der genau in die falsche Richtung blickte. „Mulder!" Ihre Stimme war kaum zu hören. Und langsam breitete sich die Gänsehaut auf ihrem ganzen Körper aus. „Mulder!"

Endlich drehte er seinen Kopf zu ihr und folgte ihrem Blick in Richtung Dschungel. Gut versteckt und kaum zu erkennen standen dort drei Männer mit Speeren und Schilden und beobachteten sie.

Scully spürte, wie Mulder seinen Atem anhielt und merkte dann, dass sie dasselbe tat.

„Washington!" Rief Mulder und nickte dann in Richtung Männer.

Sidney sah erschreckt auf und verstand, als er die Männer in ihren rituellen Kleidern sah. Er kannte diese Menschen. „Das ist der Geisterstamm! Sie leben seit Ewigkeiten abgeschieden von der Zivilisation im Regenwald."

„Aber was wollen die hier?" Fragte Layman und klammerte sich an seinen Teller, den er noch in der Hand hielt.

„Normalerweise suchen sie keinen Kontakt!" Gab Sidney zurück.

Die drei Männer traten aus dem Versteck des Waldes, kamen nah zum Feuer und musterten das neue Expeditionsteam.

„Wie wär´s, Agent Mulder? Kontakt mit einer fremden Lebensform?" Jasons bissiger Kommentar durchschnitt die angespannte Situation.

Mulder hätte am liebsten zu seiner Waffe gegriffen und diesem aufgeblasenen Ex-Soldat eine Kugel in den Kopf gejagt. Doch er beruhigte sich schnell wieder – im Grunde war das Jasons Art die Anspannung von sich abzuschütteln.

„Ja, sie und Dana sollten mit Sidney zu denen da rüber gehen!" Sagte Layman und rückte seine Nickelbrille wieder zurecht.

Scully nickte Mulder zu und dann erhoben sich alle drei und gingen auf die Männer zu.

Ein alter Mann, der von zwei Jüngeren umgeben war, fing freundlich an zu lächeln, als sich Scully, Mulder und Sidney vor ihn stellten. Langsam und mit einer unbeschreiblichen Gestik und Mimik fing der alte Mann an in einer fremden Sprache zu sprechen.

„Was sagt er?" Fragte Scully und sah sich zu Sidney um, der hinter ihr stand.

„Er redet von seinen Göttern und davon, dass er uns warnen will. Glaube ich!"

Wieder setzte der alte Mann zu einem Vortrag in seiner Sprache an.

„Er sagt, er hat den Tod gesehen, denn er lebt hier in diesen Wäldern - unter ihnen seit Ewigkeiten, und der Tod ist auch unter uns!"

Mulder sah Sidney besorgt an und blickte dann wieder zu dem alten Mann, der mit Federn geschmückt war und eine seltsame Kette um den Hals trug, an der genau die Klauen hingen, die Mulder auf dem Bildschirm gesehen hatte. Auch die anderen beiden Männer trugen diese Kette. Mulders Herz hämmerte wie wild gegen die Innenseite seines Brustkorbs.

„Er weiss, dass wir nach den weißen Menschen suchen!" Übersetzte Sidney weiter.

„Fragen sie ihn, ob er weiss, wo sie sind!" Befahl Scully und musterte die beiden Begleiter des Mannes, die mit traditionellen Zeichnungen auf ihrer Brust vor ihr standen.

Sidney versuchte sich dem alten Mann verständlich zu machen, was sich als schwerer erwies, als Sidney zuerst angenommen hatte. „Er sagt, dass wir sie finden werden!"

Der alte Mann griff in eine Tasche und zog seine Hand dann wieder mit einem kleinen Beutel hervor, den er öffnete. Ein eigenartiges rotes Pulver kam zum Vorschein, dass er plötzlich in die Luft blies und etwas murmelte.

Mulder, Sidney husteten leicht und wandten sich ab doch Scully konnte ein Niesen nicht unterdrücken und musste ihre Augen schließen. Als sie sie wieder öffnete waren die drei Männer verschwunden und vor ihnen lag ein weiterer Beutel auf dem Boden. Suchend sahen die drei sich um, doch niemand hatte sie verschwinden sehen – nicht einmal Jason, Dorothy und Layman, die die Situation vom Feuer aus beobachtet hatten.

Vorsichtig bückte sich Scully, die noch immer nicht begreifen konnte, was hier vor sich ging, und nahm den ledernen Beutel auf, um ihn zu untersuchen.

„Was ist das?" Fragte Mulder und sah über Scullys Schulter.

„Da ist eine Art Wurzel drin. Aber ich habe keine Ahnung, wozu man die braucht!" Interessiert drehte Scully die lilafarbene Wurzel in ihrer Hand hin und her, als plötzlich Sidney wieder an zu reden fing. Er hatte die ganze Zeit in den Regenwald gestarrt.

„Der Mann hat gesagt, dass die Nacht unser Feind ist!"

Scully blickte wieder in den Wald und dann hinauf zum tiefschwarzen Himmel. Nichts war zu sehen, nicht einmal Sterne. Und um sie herum schien der Wald lebendig zu sein. „Meinen sie, dass sie uns drohen wollten?"

Sidney schüttelte den Kopf. „Nein, ich glaube eher, dass sie uns schützen wollen, denn irgendwie habe ich dass Gefühl, als sind wir immer noch nicht alleine." Er drehte sich um seine eigene Achse und ging dann ruhig wieder auf das Feuer zu.

Mulder kam auf Scully zu, die intensiv den Waldrand im Auge zu behalten versuchte. „Können sie mir sagen, was das gerade war?" Fragte sie, noch immer unsicher über die Dinge die gerade stattgefunden hatten.

Mulder schüttelte den Kopf und sah sie von der Seite an. „Aber es hat etwas mit der Sache zu tun, Scully!" Wenn er doch nur schon wissen würde inwiefern.

„Und wieso?"

„Haben sie die Kette gesehen, die der alte Mann trug?"

„Da waren ..." Ihre Stimme verstummte und sie sah mit einer raschen Bewegung wieder in den Wald und dann zu Mulder. „Die Krallen!" Scullys Stimme war kaum zu hören und Mulder nickte.

„Kommen sie Scully, wir sollten zurück zum Feuer gehen!" Er legte seine Hand auf ihren Rücken und schob sie sanft auf das Lagerfeuer zu.

Mulder war froh, dass Sidney den anderen schon erzählt hatte, was passiert war, so dass er ungestört nachdenken konnte. Ihn ließen die Sachen nicht in Ruhe, die der Mann ihnen gesagt hatte. Der Tod ist schon lange hier im Wald, und er ist auch unter uns . Er konnte sich daraus keinen Reim machen, genauso wenig wie aus dem Satz Die Nacht ist euer Feind . Wieder sah er zum Wald und konnte Tiere entdecken, deren Augen in der Dunkelheit leuchteten, aber sie waren zu scheu und verschwanden. Bald würden sie wissen, was der alte Mann mit diesen Worten gemeint hatte, das konnte er spüren. Mulder wurde aus seinen Überlegungen gerissen, als sich Dorothy und Jason erhoben um schlafen zu gehen.

Als sie verschwunden waren, fing Sidney an zu reden. „Ich weiss, dass sie die Kette gesehen haben, Agent Mulder!"

Mulder wusste was er damit meinte. Vielleicht würde er nun endlich erfahren, was Sidney vor ihnen verbarg.

„Wissen sie etwas über diese Kette?" Fragte er interessiert, und sah, dass Scully und Layman aufmerksam zuhörten.

„Ich habe so eine Kette schon einmal gesehen, als ich noch klein war." Sidney machte eine Pause, als ob er noch einmal überlegen musste, was damals geschehen war. „Mein Vater hat mir eine Geschichte über diese Kette erzählt, die er in einem Dorf erworben hat. Sie sollte den beschützen, der sie trägt." Wieder machte er eine Pause. In der Ferne heulte ein Tier des Dschungels und die Grillen und Baumzikaden summten unaufhörlich weiter.

„Wovor sollte sie beschützen?" Fragte Mulder ruhig und lehnte sich vor.

„Es gibt eine Legende, Agent Mulder, die so alt ist, wie die der Wald den sie hier sehen. Es gab einmal einen König, der über das Reich Zinj herrschte, also das heutige Kongobecken. Seine Leibgarde waren die Männer, die bis heute als Geisterstamm weiterbestanden haben. Der König hatte eine besondere Vorliebe für gefährliche Tiere, die er zähmte. Löwen, Krokodile und Affen als Haustiere, verstehen sie? Einen Zoo. Eines Tages kam ein Medizinmann aus einem anderen Reich und hatte ein Geschenk dabei - einen Aketi, wie man das Tier nannte. Eine Art Gorilla." Sidney schüttelte den Kopf und schluckte. „Der König von Zinj war begeistert. Doch eines Nachts, ist der Aketi ausgebrochen und hat den König dafür bestraft, dass man ihn gefangen genommen hatte. Er tötete die geliebte Frau des Königs und verschwand in Wald, um nie mehr gesehen zu werden. Mit dem Tod der Königin starb auch Zinj, doch der König hatte seiner Leibwache auf Ewigkeiten befohlen den Aketi zu jagen und zu töten. Dabei sollte ihnen die Kette helfen, denn sie beschützt diejenigen, die sie tragen." Sidney fuhr sich mit seiner Hand durch das Gesicht und schüttelte wieder seinen Kopf.

Mulder wusste, was Sidney damit sagen wollte. „Der Aketi ist jetzt hier!"

Scully atmete aus und wollte erst den Kopf schütteln, doch es sprachen viel mehr Argumente dagegen als dafür. Es gab dieses Wesen anscheinend tatsächlich und dieser ganze Fall war doch eine X–Akte. Was sollte es sonst sein? Damit musste sie jetzt erstmal fertig werden.

Layman sass ruhig neben Scully und schien nachzudenken. „Und er wird wieder jagen! Das ist sein Instinkt." Sagte Layman und legte die Fotos aus seiner Hand, bevor Sidney nickte.

„Wir sollten alle vorsichtig sein, vielleicht beobachtet er uns schon!" Sagte Sidney und alle sahen sich um.