12. Camp der amerikanischen Expeditionsgruppe/ Kongobecken, Demokratische Republik Kongo/ Montag 7. 12 Uhr
Mulder hatte nicht besonders gut geschlafen. Immer hatte ihn die Vision dieses Tieres im Schlaf verfolgt. Zur Vorsicht hatte er sogar seine geladene Waffe neben sein Kopfkissen gelegt. Er wusste so gut wie nichts über dieses Tier, und das machte ihm Angst. Doch noch mehr Angst hatte er um Scully, die ganz alleine in einem der hintersten Zelte schlief. Es hatte keine Doppelzelte mehr gegeben und so schlief sie nun nicht mit Dorothy zusammen. Das machte Mulder ebenfalls Sorgen. Doch auch um die anderen Expeditionsteilnehmer machte er sich Sorgen. Als Mulder aus dem Zelt kroch hatten die Vögel schon lange mit ihrem Konzert wieder begonnen und er war erstaunt, dass Dorothy ihm entgegen kam.„Morgen, Fox! Haben sie gut geschlafen?" Fragte sie freundlich.
Er grinste freundlich und schüttelte dann den Kopf. „Nein!"
Dorothy hatte einen Becher mit Kaffee in der Hand und war wieder auf dem Weg zu ihrem Zelt, das direkt neben seinem lag. „Ich möchte hier so schnell es geht weg!"
Er sah sie verwundert an.
„Sidney hat mir und Jason gerade von diesem Akti..."
„Aketi!" Verbesserte Mulder.
„... erzählt, und wenn das stimmt, dann sind wir auch in Gefahr. Ich will nur meinen Bruder finden, und dann will ich hier weg!" Wieder sammelten sich Tränen in ihren Augen, doch sie versuchte Mulder anzulächeln. „Ich will sie nicht länger aufhalten, wenn sie schlecht geschlafen haben, dann holen sie sich einen Kaffee um wach zu werden!" Mit diesen Worten verschwand sie, und Mulder folgte ihr mit seinem Blick, bis sie im Zelt verschwunden war.
Dann liess er seinen Blick von Dorothys Zelt in Richtung Scullys Zelt schweifen, und hielt plötzlich die Luft an. Ein Teil von ihm starb in diesem Moment. Ängstlich rannte er auf das Zelt zu und rief nach ihr. „Scully!" Ihr Zelt stand nicht mehr, die meisten Heringe waren aus der Erde gerissen und an einer Seite war der Stoff zerfetzt. „Scully!" Er liess sich vor dem Zelt auf den Boden fallen und suchte panisch nach dem Eingang. Hätte er sie doch bloss nicht alleine gelassen. „Scully!" Plötzlich hörte er ihre besorgte Stimme hinter sich.
„Mulder was suchen sie?"
Er stand auf und drehte sich zu ihr um. Vor ihm stand Scully in einer blauen Jeans und einem T–Shirt mit der Aufschrift Maine – the way life should be , lächelte ihn unsicher an und strich sich vorsichtig eine Haarsträhne aus der Stirn.
„Scully!" Mulder atmete erleichtert aus und schloss dann die Augen. Alles war in Ordnung. Seine Phantasie ging mit ihm durch – und das war gar nicht gut.
„Gott, Mulder, was ist denn los? Sie machen mir Angst."
Erleichtert schüttelte er den Kopf und lächelte sie an. „Nichts, aber was ist denn mit ihrem Zelt passiert?"
Scully zuckte mit den Schultern. „Ich glaube, ich bin irgendwann heute Morgen an eine Stange gekommen, habe mich in einer Spannleine verheddert, die Seite des Zeltes eingerissen und dann ist alles zusammengebrochen. Ich bin dann aufgestanden, weil ich nicht mehr schlafen konnte!"
„Jetzt bin ich aber enttäuscht!"
„Und wieso?"
„Sie hätten doch zu mir kommen können!"
Sie grinste ihn an und schlug ihn dann mit dem Handtuch, das über ihrer Schulter hing. Sie liebte diese kleinen gespielten Streits zwischen ihnen.
„Begleiten sie mich zum Frühstück, Scully?"
„Danke, aber ich habe schon etwas anderes vor!"
Mulder zog seine Augenbrauen hoch.
„Gucken sie nicht so, Mulder. Ich wurde abkommandiert, um Wasser zu holen!"
„Na dann, viel Spass!" Er grinste sie an.
„Danke!" Sie ging mit ihm zusammen zur Mitte des Camps, schnappte sich zwei Eimer und ging dann in Richtung Fluss, als sich Mulder neben Jason auf einen eigenen Klappstuhl fallen liess.
„Guten Morgen!" Sagte Mulder freundlich und war wirklich erleichtert, dass Scully nichts geschehen war.
„Morgen!" Sagte Layman freundlich und reichte ihm eine Tasse Kaffee.
Jason war natürlich wieder mit seinen Waffen zugange. „Also, da wir ja nun wissen, dass wir es mit einem Tier zu tun haben und nicht mit einer Gruppe von gehirnverbrannten Spinnern, sind wir schon mal weiter. Wir durchkämmen heute das umliegende Gelände, und wenn ich dieses Ding vor meine Flinte kriege, dann ..." Jason visierte einen fernen Baum an und machte das Geräusch eines Schusses. „ ... dann BUMMMM!"
Mulder musste sich, genauso wie Layman, verkneifen loszulachen.
„Aber an erster Stelle sollte stehen, die Expeditionsteilnehmer zu finden, und nicht diesen Aketi!" Sagte Layman, als er sich wieder beruhigt hatte.
„Ich kann beides verbinden!" Antwortete Jason und lud sein Gewehr nach.
„Ich bin Professor Laymans Meinung!" Dorothy war wieder zum Lagerfeuer gekommen und griff in die Obstkiste, um einen Apfel heraus zu fischen, den sie vorher noch an ihrem Pullover abwischte. „Wir sollten sie finden!"
Alle nickten stumm.
„Das sind wir ihnen schuldig!"
Wieder war alles still.
„Ich denke, dass das nicht mehr nötig ist!"
Erschreckt wirbelten alle herum und sahen Scully, ausser Atem vor ihnen stehen. Scullys porzellanartige Haut war noch weißer, als sonst. „Das habe ich schon getan!"
Scully führte sie langsam zum Fluss, denn sie war immer noch ausser Atem. „Ich habe sie beim Wasser holen entdeckt!" Sie holte tief Luft und drückte mit einer Hand in ihre Seite, um gegen das Stechen anzukämpfen. Sie war zu schnell gerannt und hatte zu aufgeregt geatmet. Mit diesem Fund hatte selbst sie nicht gerechnet.
Endlich waren sie am Ufer des Tshuapa angekommen. Man konnte noch Scullys Spuren im Sand sehen, denen sie jetzt folgten.
„Und sie sind sicher, dass es, naja, ... dass es Teilnehmer der richtigen Expedition sind, Dana?" Layman fragte vorsichtig.
„Nein, es sind natürlich andere Expeditionsteilnehmer, die nur zufällig von dem selben scheiß Vieh gekillt wurden!" Fuhr Jason ihn an.
„Ruhe!" Rief Mulder und funkelte Jason böse an. „Halten sie jetzt endlich die Klappe, Mr Turner!" Man konnte sehen, wie Mulders Kiefer bebten und wie sich seine Augen vor Zorn verengten. Gut, dass er seine Waffe nicht dabei hatte.
Scully legte Mulder beruhigend die Hand auf den Rücken. „Mulder, bitte!"
Er nickte und holte tief Luft, und dann folgten sie Scully, die sich einem Teil des Ufers näherte, der schon wieder mit Pflanzen bewuchert war.
„Warum gehen sie denn hierher Wasser holen, Agent Scully? Irgendeine geheime FBI Taktik?" Jasons zischende Stimme war noch deutlich zu hören, als Mulder herum wirbelte, doch Scully konnte ihn noch zurückhalten.
Er konnte es nicht leiden, wenn irgendjemand so mit Scully sprach. Noch so eine Bemerkung und Mulder bräuchte keine Waffe um Jason aus dem Verkehr zu ziehen. Doch als er ihre sanfte Berührung auf seinem Rücken spürte beruhigte er sich sofort.
„Bitte!" Ihr Blick flehte ihn an und Mulder nickte. Plötzlich blieb Scully stehen.
Sie waren schon eine ganze Weile über ein paar Felsen geklettert, die den Sand vom Ufer abgelöst hatten.
„Da vorne sind sie! Es sind vier Männer. Drei Weiße und ein Schwarzer!" Scully sah auf den Fluss. „Ich rate jedem, der schon etwas gefrühstückt hat, sich das nicht anzusehen!" Ihre Stimme klang kühl und sachlich und sie meinte das, was sie sagte ernst.
„Gut, dann warten Dorothy und ich hier!" Sagte Layman und wartete auf Dorothys bestätigendes Nicken, als sich die kleine Truppe mit Scully an der Spitze wieder in Bewegung setzte.
„Dana?"
Scully drehte sich um, als sie Dorothys Stimme hörte.
„Sagen sie mir, wenn es Walter ist?"
Scully nickte und versuchte zu lächeln, dann verschwand sie hinter einem grossen Felsen, gefolgt von Jason, Mulder und Sidney.
Die vier bekleideten Körper lagen halb im Wasser und halb auf den Felsen. Es war wirklich keinschöner Anblick. Die Haut war aufgequollen und fing an sich abzulösen. Der Gestank war kaum zu ertragen.
Sidney stützte sich an einen Felsen und sah weg.
„Sie müssen seit einer Woche im Wasser liegen!" Sagte Scully und musste sich die Hand vor die Nase halten, um den Geruch zu verdrängen. „Ich denke, dass da war Phillip McCarthy. Und der Schwarze wird Nadu Nkebe gewesen sein. Die anderen beiden sind dann also Geoffrey Potter ..."
„Und Dorothys Bruder Walter!" Schloss Mulder und drehte sich weg. An Wasserleichen hatte er sich nie gewöhnen können. Das war wohl das Abstoßendste was er jemals gesehen hatte. Rein vom äußerlichen konnte er jedoch auch bei diesen Toten die tiefen Wunden an einigen Körperstellen entdecken, die nun eine grünschwarze Farbe angenommen hatten und wie Wülste nach oben standen.
„Ich denke, wir sollten gehen! Wir können uns nachher um die Leichen kümmern!" Jason hatte seine große Klappe verloren, und war der Erste, der sich wieder auf den Rückweg machte.
Mulder gesellte sich zu Scully, die sich um einen Felsen schob. „Wollen sie mit Dorothy reden?"
Sie lächelte ihn an und nickte dann. „Ja!"
Er nickte und half ihr, damit sie auf den glitschigen Felsen nicht abrutschte.
Layman und Dorothy sassen auf einem grossen Felsen und standen auf, als sie Jason sahen.
„Und?"
Jason sagte gar nichts sondern ging direkt an den beiden vorbei.
Dorothy hatte kein gutes Gefühl, denn irgendetwas sagte ihr, dass sie sich keine Hoffnung mehr zu machen brauchte.
Endlich kam Scully auf die beiden zu.
„Dana, was, ... ich meine ..." Dorothy sah sie aus geröteten Augen an, so dass Scully ihre Lippen aufeinander pressen musste.
„Dorothy ..."
Dorothy fing furchtbar an zu weinen und musste sich an einem Felsen abstützen. „Sie sind tot, nicht wahr? Walter ist tot!"
Scully nickte und sah auf den Boden. „Es tut mir so leid!" Sagte sie, als Dorothy ihr um den Hals fiel, und sich ausweinte.
Mulder nickte Layman zu und beide verließen den Uferabschnitt um, wie Sidney und Jason, zurück zum Camp zu gehen.
Dorothys Gesicht war vom weinen gerötet und aufgequollen, als sie mit Scully zurück zum Camp kam. Die einheimischen Träger sassen ein paar Meter von ihr entfernt und unterhielten sich.Dorothy trottete langsam auf ihr Zelt zu, während Scully auf die Mitte des Camps zulief, wo sie von allen anderen erwartet wurde.
„Wie geht es ihr?" Fragte Layman sichtlich besorgt.
„Sie hat gerade ihren Bruder verloren. Ich würde sagen, sie fühlt sich schlecht!" Scully öffnete eine der grossen blauen Plastikkisten und wühlte nach dem erste Hilfe Koffer, den sie für diese Expedition ausgestattet hatte. „Ich suche nach dem erste Hilfe Koffer, aber ... verdammt ..." Sie schmiss einen Stapel Landkarten raus und suchte weiter. „Habt ihr ihn vielleicht irgendwo ..." Scully sah auf und blickte in Mulders entschuldigend lächelndes Gesicht.
„Hier ist er!" Er reichte ihr den kleinen, kompakten Koffer aus stabilem Plastik.
Scully sah ihn fragend an.
„An einem der Felsen habe ich mir die Hand aufgeschürft!" Er hielt seinen Hand hoch, um die er einen dicken Verband gewickelt hatte.
Verwirrt sah sie ihn an. So ein Verband für eine Abschürfung? „Aufgeschürft?" Besorgnis schwang in ihrer müden Stimme mit. Bei einer Abschürfung würde er niemals so einen Verband verwenden, er musste sich wirklich verletzt haben.
„Ist nicht so wild!"
Sie sah zum Zelt von Dorothy und dann wieder zu Mulder. „Ich, ich kümmere mich nur eben um Dorothy und bin dann sofort wieder bei ihnen, Mulder!"
„Aber es ist nicht schlimm!"
„Trotzdem könnte es sich hier draussen leicht entzünden!" Mit diesen Worten zog sie in Richtung von Dorothys Zelt ab, und alle sahen ihr hinter her. Nach einer Weile kam Scully zurück und liess sich sichtlich erschöpft neben die Herren fallen. „Dorothy schläft jetzt! Ich habe ihr ein Beruhigungsmittel gespritzt!" Scully wollte sich im Moment lieber nicht vorstellen, wie sich Dorothy fühlte. Jeder Tag in dieser grünen Hölle hatte einen Verlust mehr für die junge Studentin bereitgehalten. Scully schluckte bedrückt. Wo sollte das noch alles enden? Dann sah sie zu Mulder, der sie von der Seite musterte. „Und jetzt will ich ihre Hand sehen!" Das war Scully, die aus ihr sprach – Dana selbst hätte liebend gerne einfach nur Ruhe gehabt. Schnaubend erhob sie sich und kam dann auf ihn zu.
„Aber es ist doch überhaupt nicht schlimm, es tut ja noch nicht einmal weh, Scully!"
Sie bedachte ihn mit einem tadelnden Blick, und begann dann langsam den Verband zu lösen, bis nichts anderes als eine mickrige Hautabschürfung zum Vorschein kam. Scully legte ihre Stirn in Falten und den Kopf schief. Das konnte doch nicht wahr sein. Leicht verärgert, aber auch leicht erzürnt sah sie in seine braunen Augen. „Mulder, konnten sie nicht noch einen größeren Verband finden?"
„Tschuldigung!"
Männer! „Gott!" Langsam zog sie eine Tube Jod aus dem Koffer und beträufelte die Wunde, danach klebte sie ein Pflaster darüber. „Fertig! Und sie waren ja so tapfer! Leider habe ich keinen Lolli für sie!" Sie lächelte ihn zaghaft an und Mulder konnte gar nicht anders, als zurück zu lächeln.
„Was machen wir mit den Leichen?" Sidney stellte die Frage auf die die anderen gewartet hatten.
„Das Expeditionsteam ist ja jetzt wieder vollzählig! Ich denke wir verbuddeln sie bei den anderen!" Jason zuckte mit den Schultern und wollte nach einem Apfel greifen, den er sich vorhin geputzt hatte.
Mulder wollte gerade etwas sagen, als ihm Scully zuvor kam. „Wissen sie was, Mr Turner, so langsam habe ich es wirklich satt ihre niederträchtigen Kommentare zu ertragen. SIE zu ertragen! Was bilden sie sich eigentlich ein? Diese Menschen sind tot! Haben sie keinen Respekt oder wenigstens ein bisschen Ehrgefühl?" Fuhr ihn Scully an, biss in den Apfel und ging auf ihr Zelt zu. Jeder dachte das, was Scully gesagt hatte.
Es war sehr später Nachmittag, als Dorothy wieder aus ihrem Zelt kam. Scully hatte sie geweckt, damit sie an der Beerdigung für ihren Bruder teilnehmen konnte. In der Zeit, in der sie geschlafen hatte, hatten sich die anderen um das Bergen der Leichen gekümmert, und dafür war sie dankbar. Obwohl sie ihren Bruder gerne noch ein Mal gesehen hätte, hatte Scully ihr davon abgeraten. Und sie konnte sich vorstellen wieso, deshalb nahm sie sich vor, sich Walter immer so vorzustellen, wie er früher war.
Sidney hatte mit einigen Trägern vier Löcher gegraben und Holzkreuze gebaut, die jetzt neben den offenen Löchern lagen.
Dorothy stellte sich zu Mulder und Scully und versuchte ein freundliches Gesicht zu machen.
Layman hatte die Rolle des Priesters übernommen und stand vor ihnen um ein paar Worte über die Verstorbenen zu sagen, wobei sich Dorothy erstaunlich gut im Griff hatte.
Nachdem die Zeremonie zu Ende war, gingen sie wieder auf das Lagerfeuer zu und setzten sich, doch Dorothy blieb stehen. „Ich werde noch mal zum Fluss gehen!"
Mulder sah zu Scully, die Dorothy ansah.
„Sind sie sicher, Dorothy? Soll ich vielleicht mitkommen?" Fragte Dana Scully.
Freundlich schüttelte Dorothy ihren Kopf. „Danke, aber bleiben sie ruhig hier!" Mit diesen Worten verliess sie das Feuer und verschwand in Richtung Fluss.
Es herrschte eine bedrückte Stimmung unter denen, die am Feuer sassen. Keiner von ihnen wagte als Erster von der Abreise zu reden. Obwohl die Sonne nicht schien, war es wieder feucht warm und Mulder öffnete die obersten Knöpfe seines Hemds, als Scully endlich als Erste die Stille brach.
„Vielleicht ist das nicht der passende Moment, aber irgendwann müssen wir über die Abreise reden. Wir sollten so schnell wie möglich von hier verschwinden! Und bis wir hier verschwinden, sollte jeder von uns äußerst vorsichtig sein!" Sie blickte jedem Verbliebenen, der am Feuer sass, fest in die Augen. „Das, was wir gesucht haben, haben wir gefunden." In ihrem Kopf schwirrten die schrecklichen Bilder der toten Wissenschaftler herum, gegen die sie nichts tun konnte. „Ich denke, es wird Zeit nach Hause zu gehen."
„Ich bin ihrer Meinung, junge Dame! Und ich denke, dass sind wir alle!" Sagte Layman und nahm seine Brille ab, um sich den Nasenrücken zu massieren.
Scully nickte, und wandte sich dann an Sidney. „Mr Washington, würden sie veranlassen, dass die Träger anfangen unser Gepäck einzupacken?"
Sidney nickte freundlich und ging dann zu den Trägern.
Scully stand auf, und wollte in Richtung Fluss gehen, als sie merkte, dass Mulder neben ihr war.
„Hey!" Sagte er und legte seine Hand auf ihren Rücken, wobei er die Wärme ihres Körpers unter dem warmen Baumwollstoff spüren konnte. „Wohin wollen sie gehen?"
„Wieso sind sie so neugierig?"
Er hob entschuldigend die Arme und vermisste dabei sofort das Gefühl ihrer Wärme. „Ich weiss nicht!"
Sie musste leicht grinsen. „Ich bin auf dem Weg zu Dorothy!"
„Dann sollte ich sie beschützen!"
Scully zog ihre Augenbrauen hoch. „Vor Dorothy?"
Mulder lächelte und biss sich dann auf die Unterlippe. „Ups! Das wollte ich damit eigentlich nicht sagen!"
Scully nickte und kratze dann an einem Mückenstich auf ihrem Arm. „Aha!"
„Ach, dann begleite ich sie einfach so!" Sagte Mulder und legte seine Hand wieder auf ihren Rücken, um sie in Richtung Fluss zu schieben.
Sie konnten Dorothy schon von weitem sehen. Sie stand mit dem Rücken zu ihnen am Fluss und beobachtete das langsam dahin gleitende Wasser.
„Dorothy?" Rief Scully vorsichtig und blieb mit Mulder ein paar Meter entfernt stehen.
Dorothy drehte sich sofort um und lächelte sie zögernd an. „Dana! Fox!"
Gott, ist es ungewohnt den eigenen Vornamen zu hören dachte Scully.
„Was machen sie beide hier? Einen romantischen Spaziergang?" Dorothy lächelte die beiden gequält an und Mulder warf einen kurzen Blick zur Seite, um zu sehen, wie Scully reagierte.
„Ich wollte ihnen nur sagen, dass wir dabei sind unsere Sachen zu packen. Morgen früh werden wir das Camp verlassen!" Sagte Scully und strich Dorothy über den Arm, die erleichtert aufatmete. Obwohl Dorothy innerhalb von zwei Tagen die meisten ihrer Freunde und ihren Bruder verloren hatte, schien sie sich erstaunlich gut unter Kontrolle zu haben. Scully bewunderte sie, denn selbst als ihre eigene Schwester gestorben war hatte sie sich nicht so unter Kontrolle gehabt.
„Dürfen wir sie mit zurück zum Camp nehmen?" In Mulders Stimme schwang dieser beruhigende Ton mit, den Scully so liebte. Er bot Dorothy seinen Arm an und lächelte. Mulder hatte so ein gutes Gespür für Menschen.
Dorothy griff nach seinem Arm und dann gingen alle drei zurück zum Camp.
Die Sonne war vor einer Stunde im Westen untergegangen und hinterließ ihren roten Schimmer am Himmel. Langsam wurde es Nacht.Dorothy, Layman, Mulder und Scully sassen als Einzige am Lagerfeuer. Jason war gerade dabei einen einheimischen Träger zu erklären, wie man seine Waffen in die Kisten packt und Sidney stand bei den übrigen Träger und redete mit ihnen.
Die Luft hatte sich empfindlich abgekühlt, und Scully fing an zu frieren. Sie war noch nicht dazu gekommen sich etwas Wärmeres anzuziehen, doch das wollte sie jetzt nachholen. „Ich werde mir eben ..." Sie war schon halb aufgestanden, als sie von Mulder unterbrochen wurde.
„Hier!" Er hielt ihr die Decke hin, unter der er sass.
„Mulder, sie brauchen die Decke selbst!" Auch Mulder hatte nur ein T–Shirt an.
„Nehmen sie sie!"
„Mulder, ich kann doch eben einfach ..."
Diesmal wurden sie von Dorothy unterbrochen. „Sie können sich doch auch beide unter die Decke setzen!"
Scully legte ihre Stirn in Falten und sah Mulder an, der ihr die Decke hinhielt.
„Ja, oder so!" Sagte Mulder, als sich Scully zögernd neben ihn setzte.
„Danke!"
Vorsichtig legte er ihr die Decke um die Schultern und zog sie ein Stück zu sich heran, damit sie schneller warm werden würde. „Alles in Ordnung?" Fragte er sie und spürte ihre kalte Haut an seinen Armen.
„Alles in Ordnung!"
Für ein paar Minuten herrschte Stille am Lagerfeuer, doch dann begann Dorothy zu reden, die ihre Hände um die warme Kaffeetasse gelegt hatte. „Ich bin froh, dass wir morgen aufbrechen! Es wird zwar schwer sein meinen Bruder hier zurück zu lassen, aber ..." Ihr ganzes Gesicht bedeckte ein glückliches Lächeln. Nur in ihren Augen begannen sich Tränen zu sammeln. „ ... Walter hat Afrika geliebt!"
Layman legte vaterhaft seinen Arm um Dorothys Rücken und strich beruhigend über ihren Arm. „Ich weiß es ist hart, aber glauben sie mir, so klischeehaft sich das alles auch anhören mag – irgendwann wird alles wieder gut!"
Dorothy nickte und wischte sich dann die Tränen aus den Augenwinkeln, als sich Jason stöhnend neben Scully und Mulder in den Staub fallen liess.
„Oh man, diese Träger sind so dämlich!"
Mulder schüttelte seinen Kopf. Gott, wie er diesen Kerl hasste.
Endlich kam auch Sidney zu ihnen und setzte sich neben Dorothy auf den Baumstamm. „Die Einheimischen sind mindestens genauso froh darüber von hier wegzukommen wie wir!" Sidney fischte sich seine silberne Zigarettenschachtel aus der Jackentasche und zog eine Zigarette heraus.
„Haben die Träger ihnen das erzählt?" Fragte Layman nach und stocherte mit einem Stock im Lagerfeuer herum.
„Ja! Sie haben gesagt, dass sie hier das Böse und den Tod spüren!" Er zündete sich seine Zigarette an, indem er sich Laymans Stock schnappte und das glühende Ende an seine Zigarette hielt.
„Kein Wunder, dass sie den Tod spüren! Da hinten liegen ja auch sieben Leichen unter der Erde!" Jason schien sich dabei zu amüsieren.
Mulder merkte, wie sich Scullys Haltung versteifte und dann schnaubend ausatmete.
Wie geschmacklos konnte ein Mensch eigentlich sein? Scully warf einen kurzen Blick zu Dorothy um sicher zu gehen, dass es ihr gut ging und bekam als Antwort von Dorothy ein beruhigendes Nicken.
„Wir sollten schlafen gehen! Der Weg morgen wird sicher nicht leichter, und ausserdem müssen wir diesmal nicht nur unser Gepäck tragen!" Sagte Sidney und stand auf.
Scully war enttäuscht als Mulder seinem Beispiel folgte und ebenfalls aufstand.
„Wir werden sie morgen um 5. 00 Uhr wecken! Gute Nacht!" Mit diesen Worten verschwand Sidney in der Dunkelheit.
„Kommen sie, Scully, ich bringe sie zu ihrem Zelt!" Mulder hielt ihr seine Hand hin und zog sie mit einem kräftigen Ruck hoch, und legte ihr dann die Decke um die Schultern.
Dorothy und Layman waren auch schon auf dem Weg zu ihren Zelten, nur Jason blieb am Feuer sitzen und starrte in die Flammen.
Die Nacht war sternenklar.
Mulder ging langsam neben seiner Partnerin her und starrte zum Himmel hinauf. „Scully, in zwei Tagen um diese Uhrzeit liegen sie ganz sicher schon in ihrer Badewanne!"
Scully schloss die Augen und seufzte. „Hoffentlich!" Sie lockerte ihre Schultern und den Hals und liess dabei ihre Nackenwirbel knacken. Sie waren an ihrem Zelt angekommen. „Gute Nacht, Mulder!" Sie drehte sich noch ein Mal zu ihm um, wobei sie bemerkte, wie nah sie beieinander standen, und an zu lachen fing.
Mulder lachte mit. „Gute Nacht!" Er wartete bis sie in ihr Zelt gekrabbelt war und schlenderte dann beruhigt auf sein eigenes zu. Doch er fühlte sich irgendwie nicht wohl. Immer wieder sah er zum Wald, denn er wurde das Gefühl nicht los, dass irgendetwas anders war. Er hatte Recht. Alles war seltsam ruhig und leise. Zu leise.
