15. FBI – Hauptquartier/ Washington D. C./ Montag 9. 24 Uhr

Scully fuhr mit ihrem Wagen in eine, der freien Parklücken und stieg dann aus. Gestern morgen um 5. 03 Uhr war ihre Maschine mit einiger Verspätung auf dem Dulles Airport gelandet. Mulder hatte darauf bestanden sie zuerst zu einem Arzt und dann nach Hause zu bringen. Und sofort, als sie zu Hause war hatte sie ein heißes Bad genommen und sich dann ins Bett gelegt. Sie fühlte sich jetzt wesentlich besser, doch trotzdem sah sie immer noch sehr mitgenommen aus. Ihr rechter Arm hing in einer Schlinge und an ihrem ganzen Körper waren kleine Kratzer und Schnitte. Sie sah in die Seitenscheibe und strich ihre Haare und ihr Kostüm glatt, doch richtig zufrieden war sie nicht.

„Sie sehen sehr gut aus!" Mulders ruhige Stimme erschreckte sie.

Sie hatte nicht gewusst, dass er sie beobachtete, dass sie überhaupt irgendeiner beobachtete.

„Wo sind sie?" Ein wenig ärgerlich drehte sie sich um, und sah dann, wie er sich aus dem Schatten einer Säule löste. Nachdem sie ihn fast eine Woche in Leinenhosen und hellen Hemden gesehen hatte, wirkte der dunkelblaue Anzug schon geradezu overdressed.

„Vor allem diese Schlinge steht ihnen wirklich ausgezeichnet!" Grinsend zupfte er an der Schlinge um ihren Hals, als er sie erreicht hatte.

Sie lächelte ihn ebenfalls an und schloss dann ihren Wagen ab. „Guten Morgen, Mulder!"

„Morgen!" Er schob sie vor sich her auf die Treppen zu und durchquerte dann mit ihr die riesige Eingangshalle des Hoover Buildings. „Haben sie sich ein wenig ausgeruht?" Fragte er sanft und sah ihr direkt in die Augen, als sie sich vor die stählernen Türen eines Aufzugs stellten.

„Ich denke schon!" Sie nickte mit dem Kopf und versuchte dann ihre Tasche wieder richtig in den Griff zu bekommen, was ziemlich schwierig war, da sie nur einen Arm zur Verfügung hatte.

„Geben sie mir die Tasche!" Er griff nach der Tasche und hielt sie dann fest. „Sie sind jetzt sozusagen behindert, Scully!"

„Behindert?" Ihr Augenbrauen schossen hoch und ihr Mund verzog sich ganz leicht. Diesen Blick liebte Mulder.

„Hey, da kommt mir eine Idee! Mit ihnen kriege ich jetzt überall eine Ermäßigung, und ausserdem darf ich dann auch auf den Behindertenparkplätzen überall in der Stadt parken!"

Sie musste grinsen. „Das ist nicht witzig!"

„Na gut, dann eben nicht!"

Beide starrten auf die Türen des Aufzugs und warteten, dass sie sich endlich öffnen würden, doch nichts geschah.

„Mulder?"

„Hhm?"

„Haben sie überhaupt den Knopf gedrückt?"

Sie sahen beide gleichzeitig zu dem kleinen Knopf, der normalerweise gelb leuchten sollte, doch er leuchtete nicht.

„Ähm ... nein!" Sagte Mulder entschuldigend und wollte gerade drücken, als ihm jemand zuvor kam.

Skinner war hinter ihnen aufgetaucht. „Guten Morgen, Agent Mulder, Agent Scully! Worauf warten sie?"

Die Türen des Aufzugs schwangen auf und alle drei traten ein.

„Ich sehe also, sie sind wieder zurück?! Ich erwarte sie in einer Viertelstunde in meinem Büro!" Skinner lächelte die beiden freundlich an und drückte den Knopf für die vierte Etage, als sich die Türen wieder schlossen. „Dann können sie mir alles erzählen!"

„Ja, Sir!" Sagte Scully und drückte den Knopf für das Kellergeschoss, als sich der Fahrstuhl in Bewegung setzte.

„Ich hoffe, ihrem Arm geht es soweit gut, Agent Scully?"

„Ähm ... danke Sir, ja!"

„Gut!" Die Türen zur vierten Etage öffneten sich und Skinner verliess die Kabine. „Bis gleich!"

Wieder zog Scully ihre Augenbrauen in die Höhe und tauschte mit Mulder einen Blick aus.

Die Türen des Fahrstuhls schlossen sich.

„Scully ... wie lange waren wir noch gleich weg?"

„Eine Woche!"

Mulder blies geräuschvoll die Luft aus seinen Lungen und zuckte dann mit den Schultern.

Dann hatten sie das Kellergeschoss erreicht. Die Türen schwangen auf und Mulder inhalierte tief die vertraute Luft. „Haaaa ... Home sweet home!"

Scully grinste und lief zielstrebig auf das Büro zu, als Mulder sich an ihr vorbei schob und für sie die Tür öffnete. „Vielen Dank!" Sie betrat die vertrauten Räumlichkeiten und sah, dass sich wirklich nichts verändert hatte. Immer noch herrschte dieses trostlose Durcheinander.

Mulder sah ihren Blick und liess sich dann auf seinen Stuhl fallen. „Tut mir leid, die Putze war noch nicht da!"

Sie grinste und zog dann vorsichtig ihren Mantel aus, wobei sie an ihren Arm kam. Nur leise stöhnte sie auf, doch Mulder war sofort alarmiert.

„Tut weh, oder?" Er lief zu ihr hinüber und sah sie besorgt an.

„Gott, sie sind ja schlimmer, als meine Mutter!" Sie lächelte ihn an, doch diesmal konnte sie nicht so gut verbergen, dass sie ganz offensichtlich Schmerzen hatte. „Könnten sie mir vielleicht doch einmal helfen?" Bettelnd blickte sie ihn an und versuchte dabei seinen Hundeblick ein wenig zu kopieren.

„Gerne!" Vorsichtig half Mulder Scully aus dem Mantel.

„Autsch!" Sagte sie und biss dann die Zähne zusammen.

„Tut mir leid!"

„Schon gut!"

„Wirklich?"

Sie musste wieder grinsen. „Ja, Mum!"

Er grinste zurück und legte dann ihren Mantel über einen freien Stuhl. „Gut, und was machen wir zwei Hübschen jetzt?"

Er hatte sie wieder zum lachen gebracht. „Wir ..." Sie schnappte sich seine Hand und zog ihn aus seinem Stuhl hoch, wobei Mulder anfing zu grinsen.

„Special Agent Scully, was haben sie bloss vor?"

Scully musste grinsen und wollte gerade anfangen zu reden, als Mulder sie wieder unterbrach.

„Nur zu ihrer Information, man kann die Bürotür nicht von innen abschließen!"

Sie verpasste ihm einen kleinen Schlag und er grinste sie an. „Wir ..." Sie zog ihn zur offenen Tür. „... haben jetzt einen Termin bei Skinner, und das dauert ganz sicher eine Weile!" Sie knipste das Licht aus und schob ihn vor sich, wie einen kleinen Jungen, aus dem Büro.

„Na toll, jetzt ist die Stimmung weg!" Maulte er ein wenig verletzt.

Scully schüttelte belustigt ihren Kopf und schloß dann die Tür des gemeinsamen Büros. Als sie sich umdrehte, stand er genau vor ihr und sah in ihr Gesicht.

„Scully, wissen sie eigentlich, wie dankbar ich bin, dass es sie gibt?" Seine Stimme war leise, aber er flüsterte nicht. Vorsichtig griff er nach ihrer Hand, die er darauf hin fest drückte. Langsam beugte er seinen Kopf zu ihr hinunter und legte ihn an ihre Stirn.

„Ich weiss!" Hauchte sie und erwiderte den Druck seiner Hand. Scully spürte die Wärme seiner Stirn auf ihrer und schloss die Augen.

Beide lächelten sich an und schwiegen für ein paar Sekunden, bevor Mulder sie dann zum Fahrstuhl zog.

„Und ich weiss auch wieso!" Sagte Scully, als sie neben Mulder im Aufzug stand.

„Und wieso?" Er grinste sie an, und sie konnte gar nicht anders, als mit zu grinsen.

„Weil sie durch mich jetzt alles ermässigt kriegen und auf den Behindertenparkplätzen der Stadt parken dürfen!"

Beide lachten, als sich die Fahrstuhltüren schlossen.