11.02 Uhr EST-Zeit, Samstag

Landstraße, Georgia

Es war schrecklich heiß. Alle sehnten sich nach dem Meer. Scully saß hinter dem Steuer ihres Wagens und fuhr auf einer wirklich einsamen und wirklich unglaublich heißen Landstraße in Richtung Küste. Mulder saß neben und die Kinder saßen hinter ihr.

Mulder sagte nichts sondern sah, wie Patrick, nur aus dem Fenster, als Scully endlich und anscheinend irgendwo mitten in der Pampa anhielt.

„Der Strand liegt eines halbe Meile hinter diesem Wald.", sagte Scully und stieg aus.

Die beiden Kinder versuchten dann, sich selbst aus ihren Gurten und Kindersitzen zu befreien, während Mulder ebenfalls den Wagen verließ und zum Kofferraum ging.

Scully sah auf, als Mulder neben sie trat und reichte ihm einen Korb, eine Decke, Spielzeug, Sonnencrème, Schwimmflügel und die Tragetasche für Matthew.

„Wir wollen auch was tragen!", kreischte Annabelle und zupfte an der Decke auf Mulders Arm, so dass alles hinunterfiel.

Mulder reichte ihr und Patrick das Spielzeug und sofort verschwanden die beiden im Wald. Langsam kam er selber um das Heck des Autos herum, um Scully vielleicht bei Matthew behilflich zu sein.

Matthew, der noch immer zu schlafen schien, lag ganz eng an Scullys Brust gekuschelt, als sie sich zu Mulder umdrehte. Sie sah auf und konnte dann genau in seine nußfarbenen Augen sehen, die liebevoll zu ihr und dem kleinen Kind in ihrem Arm blickten. Scully schluckte.

„Gehen wir?", fragte er sanft.

„Ich schließe den Wagen ab und komme nach. Könnten sie Annabelle und Patrick im Wald suchen? Sie müssen dann einfach dem kleinen Trampelpfad durch den Wald folgen, dann kommen sie zum Strand. Sind sie in einer halben Stunde noch nicht da, dann komme ich sie suchen. Okay?", sagte sie mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht, das sie gegen die knallendheiße Sonne mit einer Hand abschirmte.

Mulder nickte und griff dann nach Matthews kleinem Fuß, der schlaff an ihrer Seite herunter baumelte, und streichelte ihn sanft. Dann schnappte er sich die Sachen und ging an der Stelle in den Wald, an der er Annabelle und Patrick zuletzt gesehen hatte.

Scully sah ihm einfach nur nach.

Sie kniete neben Patrick und Annabelle im Sand und warf von Zeit zu Zeit immer mal wieder einen Blick auf den schlummernden Matthew und ihre Uhr. Sie bauten eine Sandburg, und sie war schon richtig groß. Mulder war jedoch noch nicht bis zum Strand vorgestoßen, anscheinend war für ihn die Definition Folgen sie dem Trampelpfad durch den Wald nicht so verständlich wie sie gedacht hatte. „Annabelle?"

Die siebenjährige sah sofort auf und blickte mit ihren smaragdfarbenen Augen zu ihrer Tante. „Ich werde jetzt Fox suchen gehen. Meinst du, du kannst solange auf deinen Bruder und Cousin aufpassen, Kleines?"

Annabelle nickte während Scully aufstand und sich den feinen Sand von den Knien strich. Gott, ist es heiß, dachte Scully und sah dann hinauf zur Sonne. Hoffentlich ist ihm nichts passiert. Kaum hatte sich Scully zum Wald umgedreht, als sie Mulders Silhouette auch schon von weitem erkennen konnte. Erleichterung legte sich auf sie und sie kam langsam auf ihn zu. Sie war wirklich neugierig auf seine Erklärung.

Bepackt bis zum geht nicht mehr schleppte er sich durch den heißen Sand und sah auch Scully schon von weitem. Sein Gesicht leuchtete in einem krebsrot und er fühlte sich wie in der Wüste.

„Mulder, wo waren sie denn so lange?"

„Ich ... ich ... konnte Annabelle und Patrick nicht finden." Hoffentlich war den Kindern nichts passiert. „Wir ... müssen sie suchen gehen ..."

Scully nahm ihm lächelnd die Sachen ab. „Die beiden sind schon lange hier."

Erleichtert aber auch ein wenig sauer sah er zu den beiden Kindern rüber, deren Silhouette er entfernt erkennen konnte. „Aber ..." Sie kamen immer näher auf die Kinder zu. Annabelle und Patrick grinsten ihn beide so niedlich an, dass er auch grinsen musste. Erschöpft ließ er sich neben der Sandburg in den Sand fallen und schloß für einen kurzen Moment die Augen, bis er die erschreckende Kälte an seiner Stirn spürte. Blitzartig schlug er die Augen auf und sah vor seinem Gesicht in Scullys Händen eine eisgekühlte Flasche Wasser. „Oh man, sie wissen wirklich, was ein Mann braucht." Er nahm einen kräftigen Schluck, während Scully ihn die ganze Zeit ansah.

„Natürlich weiß ich das!", antwortete sie mit einem breiten Grinsen, während sie sich neben ihn setzte und mit ihren nackten Füßen den Sand durch ihre Zehen gleiten ließ. Sie liebte dieses Gefühl.

Auch er lächelte und stellte dann die leere Flasche neben ihn in den Sand. „So, wer hat Lust schwimmen zu gehen?", fragte er.

Annabelle und Patrick schrieen wild auf und sprangen in die Höhe vor Freude. „Jaaaa!"

Mulder und Scully grinsten. „Okay, wer ist als erster im Wasser?", fragte Mulder und machte sich bereit für ein Wettrennen.

Doch ohne, dass er Auf die Plätze, fertig, los gerufen hatte, rannte Patrick mit einem Wahnsinns Tempo los und verschwand über den weißen Strand in Richtung Meer.

„Hey, warte! Das ist unfair.", schrie seine ältere Schwester und folgte ihm.

Mulder sah sich grinsend zu Scully um, die neben Matthew auf dem Boden saß und rannte dann ebenfalls los, während er im Lauf seine Sachen los zu werden versuchte.

Scully musste grinsen, als er Probleme bei seinem T-Shirt bekam, dass bei seinem Tempo einfach nicht über den Kopf wollte. Es war ein wirklich himmlischer Anblick. Und die Kinder liebten ihn. Seufzend lehnte sie sich zurück und streckte ihr Gesicht der Sonne entgegen. Dies war definitiv der schönste Tag seit langer, langer Zeit.

Endlich war Matthew wach und das gab Scully die Möglichkeit nach ihren Lieben zu sehen. Mit dem kleinen auf dem Arm stapfte sie durch den heißen Sand und freute sich schon auf den Moment, in dem ihre Zehen das kühle Meer berühren würden. Scully sah hinauf zur Sonne, die ihren höchsten Punkt erreicht hatte. Es war also Mittag. Das hätte ihr eigentlich auch ihr Magen sagen können, der sich seit ungefähr zehn Minuten bei ihr meldete. Immer näher kam sie dem Meer und das Rauschen der Wellen war nicht mehr zu überhören. Genau vor ihr tobten Patrick, Annabelle und das dritte, große Kind im Wasser.

„Tante Dana!", schrie Annabelle mit ihrer piepsigen Stimme, als Mulder sie aus dem Wasser hob und zwei Meter weiter wieder mit einem lauten Platsch fallen ließ. „Hilf mir!"

Scully lächelte und trat mit ihren Füßen ins Wasser. Es war herrlich. Genauso hatte sie sich diesen Moment vorgestellt.

Matthew drehte sich ständig auf ihrem Arm hin und her und zeigte mit seinen kleinen Fingern auf die Kinder und Mulder im Wasser. „Da!", sagte er monoton und zeigte wieder auf die Kinder, die im Wasser planschten. Ein süßes Lächeln legte sich auf sein kleines Kindergesicht und er fing an zu quietschen, wie jedes kleine Kind.

Scully hob ihn von ihren Armen und stellte ihn ebenfalls mit seinen Füßchen ins Wasser, wobei Matthew noch mehr an zu quieken fing. Scully hielt ihn an ihren Händen und zusammen liefen sie ein wenig am Strand durch das seichte Wasser. Dann blickte sie wieder zu Mulder, der gerade Patrick durch die Luft wirbelte, während Annabelle neben ihnen tauchte. Es war ein wunderschönes Bild. Er wird ein guter Vater, dachte sie und ertappte sich dann dabei, wie sie seinen Körper mit ihren Blicken abtastete. Sie wurde ein wenig rot, als er sie dann auch noch ansprach. Hoffentlich hat er nichts bemerkt!

„Hey, Scully, wollen sie nicht auch reinkommen?" Sie sah so wunderschön aus, wie sie da am Strand mit diesem kleinen Kind stand und sich von dem Meer ihre Beine umspülen ließ. Ihre Haare flatterten frei im Wind und ihre hellen, schlanken Beine würden nach diesem Tag am Strand garantiert sehr viel Farbe bekommen.

Lächelnd schüttelte sie ihren Kopf. „Wollen sie nicht lieber rauskommen? Es ist Mittag. Habt ihr keinen Hunger?"

„Essen!", kreischte Patrick und rannte als erster aus dem Wasser, dicht gefolgt von seiner Schwester.

Mulder blieb zurück und machte ein etwas enttäuschtes Gesicht. „Wir hatten gerade so viel Spaß!" Doch sofort im nächsten Moment verwandelte sich sein Gesicht zu einem Grinsen und er kam aus dem Wasser.

Scully musste schlucken. Dass er eine verdammt gute Figur hatte, ließ sich ja schon in seinen Anzügen vermuten. Fast jeder Mann sah im Anzug gut aus. Doch jetzt, in einer Boxershorts, mit freiem Oberkörper und mit diesen glitzernden Wasserperlen überall auf seinem muskulösen Körper war es eine unanfechtbare Tatsache. Wow, dachte sie und hoffte nicht rot zu werden. „Es ... gibt doch ... Essen!", stammelte sie, als er nur noch wenige Meter von ihr entfernt war. Reiß dich zusammen, Mädchen!

Jetzt würde er sie schocken, das hatte er sich vorgenommen. Mit einem hinterhältigen Grinsen kam er langsam auf sie zu. An dem Lächeln, das sie ihm schenkte, konnte Mulder sehen, dass sie nicht einmal ahnte, was er vorhatte. Selbst der kleine Matthew auf ihrem Arm schenkte ihm ein Lächeln und entblößte dabei seine einzigen beiden Milchzähne. Und dann war es soweit – er legte seine langen, nassen Arme um sie und presste seinen feuchten Körper gegen ihren.

„Ieehhh!", schrie sie lachend auf und versuchte sich aus seiner Umarmung zu befreien, doch sie hatte keine Chance. Auch wenn sie es gewollt hätte, hätte sie seinen Armen niemals entkommen können. „Mulder, sie sind so kindisch!", maulte sie, konnte sich aber gleichzeitig ein Kichern nicht verkneifen.

Mulder sah hinab auf ihre roten Haare und legte seinen Kopf auf ihren. „Wenn sie schon nicht ins Wasser wollen, dann bringe ich eben ein bisschen Wasser zu ihnen!" Und dann ließ er von ihr los, ging einen Schritt zurück und betrachtete sein Meisterwerk. Ihre Bluse war nass und ihre Hose ebenfalls. Er hatte es geschafft!

„Kommen sie endlich! Sonst lassen uns Patrick und Annabelle nichts mehr übrig.", sagte sie.

Mulder nahm ihr Matthew aus dem Arm und lief dann hinter ihr her. „Übrigens, ihre ganze Rückseite sieht noch so trocken aus ... ich wüsste da eine Möglichkeit ..."

„Mulder ...", warnte ihn Scully und musste im selben Moment losrennen, als er ihr über den Sand in Richtung Dünen folgte.