Es war wunderbar warm, als beide nebeneinander durch den mit bunten Papplampions behangenen Garten der Plantage liefen. Die meisten Menschen standen in der Nähe des Hauses und waren nicht hier, wo sich Scully und Mulder aufhielten. Sie steuerten wieder auf die runde Bank zu.

Die Frösche versuchten gegen den Lärm der entfernten Musik anzuquaken, hatten aber kein Glück. Grillen zirpten und der Duft der süßen Pfirsiche vermischte sich jetzt mit dem Geruch des Buffets und der vielen Leute.

Scully stand noch immer neben sich. Aber auf eine positive Art und Weise. „Mulder, ist ihnen klar, dass sie gerade mit meinem Bruder geredet haben?" Dann setzte sie sich auf die Bank.

Mulder nickte ebenfalls fassungslos. Auch ihm ging die Konversation noch einmal durch den Kopf. Er nickte abwesend mit einem seltsamen Lächeln auf dem Gesicht. „Nicht wirklich!" Auch er setzte sich.

Scully lachte und schnappte sich dann von dem Teller, den Mulder mit Essen bepackt hatte ein Salatblatt. „Mulder, das ist der schönste Tag, meines ganzen Lebens. Wissen sie wie glücklich ich heute bin? Wie froh ich bin, dass sie hier bei mir sind?", sagte sie mit einem solchen Strahlen auf dem Gesicht, dass es ihr schon fast peinlich war. Vor Glück trat ihr eine Träne in die Augen.

Jetzt sah Mulder seine Partnerin fassungslos an. Er sah das Strahlen und ihre Freude und Zufriedenheit. „Hätte ich gewusst, dass sie das so glücklich macht, dann hätten sie mich ja schon mal eher fragen könne, ob ich nicht mit zu einem ihrer Familienfeste will, damit sich ihre ganze Familie über mich lustig machen kann.", sagte er lächelnd.

„Aber ... sie machen sich doch nicht über sie lustig!"

„Oh doch, ihre Granny hat das mit den Schnabeltassen irgendwie rausgefunden."

Scully lachte auf und schnappte sich dann wieder ein Salatblatt. „Ich wollte nur Danke sagen."

Mulder nickte und stellte den Teller zur Seite, um sich dann entspannt an die Lehne der Bank zu lehnen und zum Haus zu blicken. „Scully ... ich muss ihnen danken. Ich hatte das schönste Wochenende seit langem. Wissen sie, ich wäre eh nur wieder bei den Gunmen gelandet und das ist doch wohl kein Vergleich mit dem hier."

Wieder lächelte sie und sah dann zu Mulder auf, der ausgestreckt auf der Bank, saß und sie ebenfalls ansah. Seine sanften Augen musterten ihr ganzes Gesicht und sie spürte jeden Blick, der über ihren Körper glitt. „Mulder ..."

„Danke!", hauchte er und kam langsam näher.

Ihr Herz schlug bis zum Hals. Sie wusste was passieren würde. Sie wusste es ganz genau. Aber wollte sie es wirklich? Innerlich schrie alles JA. Erwartungsvoll schloß sie die Augen und wartete auf das, was sie sich schon so oft vorgestellt hatte.

Sie schloß die Augen. Sie hatte anscheinend an dasselbe gedacht wie er. Sein Herz setzte aus, als er ihr fein geschnittenes Gesicht so dicht vor ihm sah. Die nahen Lampions tauchten es in die verschiedensten Farben und ließen alles noch viel magischer wirken, als es sowieso schon war. Gott, hoffentlich mache ich nichts falsch! , dachte Mulder und fühlte sich wie bei seinem ersten Date. Hey, du kennst sie seit sieben Jahren? Und du liebst sie seit sechs Jahren, was ist dein Problem? Genau das war sein Problem! Alles würde sich in wenigen Sekunden verändern. Alles. Würden sie mit diesen Veränderungen leben können? Sein Körper nahm ihm die Entscheidung ab und er kam ihr noch ein bisschen näher, so dass er die Hitze ihrer Haut an seinem Gesicht spüren konnte.

Sie konnte jetzt nicht mehr denken, an gar nichts. Und dann spürte sie auch schon seine Lippen an ihren, als plötzlich: „Tante Dana, Onkel Fox, kommt schnell! Urgroßmutters Freunde geben jetzt ihr Geschenk ab!"

Patrick, der natürlich wieder schneller als seine Schwester war, stand plötzlich direkt neben den beiden und sah zwischen ihnen hin und her.

Mulder musste sofort wieder an die vor ein paar Stunden geführte Konversation mit den Kindern denken. Jetzt lächelte er Patrick an, konnte aber an nichts anderes denken, als an das Gefühl von Scullys Lippen auf seinen. Ein wirklicher Kuss war das leider nicht gewesen.

Annabelle kam neben ihrer Tante zum stehen und legte ihr ihre Hände auf die Knie. „Komm schon, Tante Dana, schnell!"

Scully nickte, während sich ihr Atem wieder verlangsamte und sie einen ersten zaghaften Blick zu Mulder warf.

Auch er sah sie an.

Beide dachten in diesem Moment dasselbe. Es wäre passiert. Wenn Patrick und Annabelle nicht dazwischen gekommen wären, dann hätten beide für nichts mehr garantieren können.

Mulder lächelte leicht und hoffte, dass Scully das auch tun würde. Hoffentlich wird sie das nicht bereuen, dachte er und hoffte ebenfalls, dass sie sich jetzt nicht abweisend gegenüber ihm verhalten würde. Doch zu seinem Glück lächelte auch sie.

Sie standen auf und gingen zusammen mit den Kindern zum Haupthaus. Vielleicht sollte es einfach nicht sein. Oder es sollte an einem anderen Ort und zu einer andren Zeit geschehen.

„ ... deshalb schenken wir dir eine Reise durch das ganze Land.", sagte Frederic Burton in dem Moment, als Annabelle, Scully, Mulder und Patrick das Haus betraten.

Katherine, die direkt neben Frederic stand, schlug ihre Hände vor dem Gesicht zusammen und nahm den Umschlag, den ihr Frederic hinhielt, vollkommen gerührt an sich. „Danke! Oh Gott, vielen Dank!", sagte sie und hatte Tränen in den Augen. „Das kann ich doch gar nicht annehmen! Ich bin sprachlos."

Mulder grinste. Dass diese Frau sprachlos war, war wirklich eine Überraschung. Dann sah er zu Scully, die sich in die Nähe ihrer Mutter gestellt hatte. Sie lächelte ihn an. Und plötzlich hatte er nicht mehr Angst, dass sich etwas zwischen ihnen geändert hatte. Sie hatten nur einen weiteren Schritt auf einem langen Weg getan. Ein Weg, auf den er sich freute.