Titel: Raul und Julia
Teil: 3/?
Autorin: R-chan aka Hoshisaki
Rating: PG-14
Genre: AU
Warning: Angst
Disclaimer: Don't own BeyBlade!
A/N: Und das dritte Kapitelchen! Leset und banget, wo doch...

Kapitel 03: Kein Schimmer am Horizont

Raul und Julia sahen blass und zitternd auf, also sie die kratzige Stimme vernahmen und das ungeheure Gefühl sie überkam, ein bedrohlicher Schatten läge auf ihnen.

Da bewahrheitete sich ihre Ahnung, als sie plötzlich am Kragen gepackt und grob hochgezogen wurden.

Raul wimmerte ängstlich und Julia hatte die Augen vor Schreck weit aufgerissen. Sie zappelten im Griff der fremden Gestalt, deren Gesicht im Schatten der Nacht verborgen lag.

«Seid ruhig, ihr verlausten Bälger!», bellte sie, doch die Zwillinge hatten viel zu viel Angst, um vernünftig zu sein und Ruhe zu geben. Sie wollten weg von hier, nur weg, raus aus der Gefahr.

Sie wurden im festen Griff über die Lichtung Richtung Hütte geschliffen.

«Es tut uns leid!», jammerte Raul unablässig, als es durch die Gartenpforte und zur Tür hin ging.

Eine stickig warme Luft schlug ihnen ins Gesicht und gedämpftes Licht erleutete den Raum. Krachend landeten sie auf einer betagten, abgenutzten Couch. Im Kamin prasselte ein Feuerchen, eine gänzlich schwarze Katze hatte sich auf dem Läufer davor zusammengerollt.

Ein Poltern ließ die Zwillinge ausehen.

Die Gestalt entpuppte sich als eine alte, gebückte dastehende Frau, in schmuddelige Fetzen gekleidet, die sich anschickte, langsam auf die zuzukommen.Die unzureichende Beleuchtung hüllte die Fremde in ein seltsames Licht, warf so gruselig Schatten über ihr faltengezeichnetes, eingefallenes Gesicht mit der großen, hässlich krummen Nase.

Den Geschwistern wurde angst und bange. Sie drängten sich aneinander und sahen mit furchterfüllten Augen zu der Frau hinüber.

«Ihr habt also aus meinem Garten genascht, ja?», frage sie mit ihrer Drahtbürstenstimme und baute sich vor den Kindern auf.

Raul klammerte sich an seine Schwester, die ihre Arme um ihn legte und sich mutig zusammennahm.

«Es tut uns wirklich leid! Wir hatten so dolle Hunger! Wir haben nur 2 Pfirsiche genommen! Es tut uns leid! Wir wollten nichts böses tun!», sprundelte es beinah panisch aus Julia unter dem Blick der Buckligen heraus.

«Das sagen sie allle!», grinste die Alte und ihre vergilbten Zähne kamen zum Vorschein.

Raul schluckte bei diesem Anblick. Übelkeit war in ihm aufgestiegen, als er das ungepflegte Gebiss angesehen hatte. Glücklicherweise wandte die Eigentümerin der Hütte ihnen den Rücken zu, um mit Mühe zwei ellenlange, unterarmdicke Holzscheite in den Kamin zu hiefen. Doch dann drehte sie sich, die Hände in die Seiten stämmend und prustend, zurück.

«Ihr zwei kleinen Bälger werdet schön hierbleiben und dafür büßen, dass ihr mich bestohlen habt!»

Ihre kratzige Stimme klang bedrohlich und toternst.

Angsterfüllt klammerten die Zwillinge aneinander und nickten unterwürftig mit gesenkten Häuptern.

«Seht euch nur an! Hockt da und bibbert und zittert wie Espenlaub!» Die Alte grinste zufrieden und begab sich zum anderen Ende des Zimmers, wo sie aus einer Art Wandschrank zwei mottenzerfressene Wolldecken herausnahm. Achtlos warf sie diese mit den Worten «Morgen reden wir weiter!» in die ungefähre Richtung der Geschwister.

«Danke...», piesten sie leise und hoben die Decken auf.

Doch die Alte schien das nicht mehr zu interessieren. Sie verschawnd vor sich hinmurmelnd hinter einer kleinen, knarrenden Tür, die wohl zum Schlafzimmer führte. Die Tür schlug lautstark zu und die Kinder fanden sich mit einer dösenden Katze und dem Kaminfeuer alleine wieder. Julia seufzte tief.

«Scheint so, als müssten wir hierbleiben, Raul...» Sie sah ihn an und er nickte.

«Weißt du, Schwesterchen, das stört mich», sein Gähnen unterbrach ihn, «gar nicht so dolle. Ich bin so müde und hier ist es warm und kein wildes Tier wird mich anknabbern... Ich glaub, hier kann ich schlafen...» Er gähnte erneut.

«Wenn die komische Frau uns nicht ins Feuer wirft, dann ja...»

Seufzend breitete Julia die Decken über Raul und sich aus.

«Schalf schön, Bruderherz!», flüsterte sie, doch alles, was Raul noch tat, war sich in die sichere Umarmung seiner Schwester zu kuscheln und ein schläfriges «Du auch...» von sich zu geben. Das brünette Mädchen schmunzelte und sah sich ein letztes Mal in der Stube um: Katze, Kamin, Spinnweben in den Ecken und an der anscheinend kaputten Deckenlampe und die Tür, durch die die Alte verschwunden war, die so fest zuzusein schien, als lehnte von der anderen Seite ein riesiger Feldstein dagegen. Das Brennen in ihren müden Augen brachte sie schließlich dazu, sie zu schließen und keine Minute später war sie mit Raul zusammen im Land der Träume.

Das Klimpern von Alukochtöpfen oder sonstigem Geschirr weckte Raul am nächsten Morgen. Es sah sich langsam um und setzte sich auf, da er vom Sofa aus nicht viel sehen konnte. Das Kaminfeuer war zu einem Häufchen Asche abgebrannt und Sonnenlicht fiel in das schmutzige Zimmer.

«Guten Morgen», sagte Raul leise, als er die Frau an einer Art Herd werkeln sah.

«Sei ruhig, Balg!», keifte sie und steckte ihren schon rußgeschwärzten Schädel zurück in den Ofen des Herdes. Ein frustriertes Grummeln erklang.

Raul zog fragend die Augenbrauen zusammen und löste sich von seiner noch immer tief schlafenden Schwester.

«Kann ich vielleicht helfen?», fragte er vorsichtig und ging auf den Herd zu. Seufzend kroch die Alte aus ihrem Ofen heraus und rubbelte mit dem ohnehin schon dreckigen Zipfel ihrer Schürze ihr verrußtes Gesicht ab.

«Wenn du das hinkriegst, bitte!» Sie drückte ihm einen zerfetzen Lappen in die Hand. «Mir ist vorgestern ein Malheur beim Backen passiert und jetzt sieht das da drin», sie deutete auf das dunkle Innere des Ofens, «aus wie ein Schweinestall.»

Raul verkniff sich eine Bemerkung wie etwa «Das fällt in Ihrer Wohnung doch gar nicht auf!» und guckte nickend zum fraglichen Gegenstand. Er kniete sich davor und besah sich das «Malheur», was zwar eher einem Schlachtfeld glich als irgendeiner Art von Stall. Er wollte lieber nicht fragen, was denn da drin verunglückt war...

Die Alte schaute ihm kurz über die Schulter, als Raul mit dem Schrubben begann.

«Das schaffst du mit deinen dürren Ärmchen sowieso nicht.», meinte sie abwertend und widmete sich der Fellpflege ihrer Katze.

Eine Weile später hatte Raul zwar keinen Millimeter Dreck aus dem Opfen bekommen, dafür aber einen schmerzhaften Krampf im rechten Arm. Ein munteres Seufzen ließ ihn um Kamin blicken.

«Morgen Brüderchen!», lächelte Julia, den Traumsand noch in den Augen. «Die Nacht überlebt?»

Raul nickte schüchtern.

«Wie siehst du denn aus??»

«Ich weiß...», sagte er leise und fasste an seine Wange, «Ich mach hier den Backofen der komischen Frau sauber.» Da fiel Julia erst auf, dass jene ja gar nicht anwesend war. «Sie ist im Garten und rupft das Unkraut raus, hat sie gesagt», antwortete er auf ihren verwirrten Blick. «Jula, meinst du, sie lässt uns laufen, wenn wir ihr mit der Hausarbeit helfen??»

Ein raues Kichern ließ die beiden zum offenen Fenster sehen. Die Alte grinste breit, während sie auf die Ellenbogen gestützt auf dem Fensterbrett lehnte.

«Na, in meinen Garten lass ich euch bestimmt nicht mehr!», krächste sie und ihre gelblichen Zähne kamen erneut zum Vorschein. «Wenn die Bude sauber ist und glänzt wie neu, habt ihre eure Strafe verbüßt!» Sie rieb sich das Kreuz. «Mein lieber Garten verlangt mir alles ab. Wenn der Ofen fertig ist, sucht euch was anderes zum Putzen, es gibt ja genug!» Sie lächelte hämisch und verschwand wieder zwischen ihren grünen Lieblingen.

Die Kinder saßen für geschlagene drei Minuten stillschweigend da.

Dann beobachtete Julia ihren Bruder, wie er schulterzuckend in den Ofen zurückkroch. Sie stand auf und ging zu ihm, stellte sich neben ihn und schaute ihm zu. Für einige Momente musterte sie Rauls Arbeit, bis sie schließlich schwer seufzte.

«Was tust du denn? So wird das doch nie was!» Sie zerrte ihn heraus, nahm ihm die abgenutzte Bürste und den Lappen ab und machte sich daran, dem Ofen zu zeigen, was es bedeutete sauer zu sein. Raul sah staunend zu und nach nur fünfunddreizig Minuten strahlte das alte Gerät in neuem Glanz. Ein Türknarren lenkte die Aufmerksamkeit woanders hin.

«Gut gemacht, Kleine!», grinste die Frau und rieb ihre mit Erde beschmutzen Finger an ihren Sachen. «Dann kannst du ja gleich weitermachen!» Sie zeigte befehlend auf den Berg benutzen Geschirrs.

Julia nickte gezwungen und tat, wie ihr aufgetragen. Raul entschloss sich derweil, die Stube von Staub und Spinnweben zu befreien.

Dabei packte ihn die Neugier. Seine Schwester was mit dem Teppich ausklopfen draußen beschäftigt und das Weibsbild schnarchte seelenruhig im Kaminsessel, die Katze dösend auf dem Schoß. Leise schliech sich Raul durch den Raum und hin zu der geheimnisvollen Tür, durch die die Alte letzten Abend verschwunden war. Er würde sich rausreden. Er hatte ja nur Staubwischen wollen, falls die Alte ihn erwischte. Nur mit Mühe und viel Kraftaufwand schaffte er es die Tür zu öffnen. Er blickte, sich gegen das Gewicht der Tür stemmend, hinein.

Ein seltsamer Dunst lag in dem kleinen, düsteren Kämmerlein und ein komsicher Geruch stieg in Rauls Nase. Neben einem dicken Eichenschrank stand das Bett, bezogen mit weiß-rot karierter Wäsche. Die Fensterscheibe über dem ungemachten Schlaflager war so dreckig, dass er kaum durchgucken konnte. In der Raummitte lag ein Läufer mit Mottenlöchern und in den Ecken hingen dichte Spinnweben. Ein leises Quicken erreichte das Ohr des Jungen und er fragte sich, ob es wohl eher Mäuse oder doch Ratten waren, die da unter dem Bett zu wohnen schienen.

«Schön, nicht?», krähte es plötzlich stolz hinter ihm und Raul erschrak dermaßen, dass er stolperte und in den Raum fiel. Ein dumpfes Geräusch begleitete seinen Aufprall, ebenso wie ein schadenfrohes Lachen.

«Du wolltest wohl schnüffeln, was?»

«Ne-nein! Wollt ich nicht!» Schutzsuchend hielt er den Fetzen, der ihm als Staublappen diente, hoch.

«Aha, Bürschchen... Dann kannst du ja gleich mal mein Bett aufschütteln. Aber wehe du guckst in meine Schränke und Schubladen, dann gnade dir Gott!» Damit verschwand sie kurz und kam wieder als Raul gerade versuchte, sich nicht über die unreine, mit Flecken besähte Bettwäsche zu übergeben. Er ekelte sich so sehr. So einen Dreck kannte er nicht mal von zuhause, wo es schon ziemlich schlimm gewesen war, wenn Julia nicht gerade wieder etwas aufgeräumt hatte.

«Schneller Bubi! Sonst wirst du nie fertig! Ich hab heute noch etwas anderes mit dir vor!»

Rauls Nackenhärchenh stellten sich bei diesem Satz auf.

„Was meint sie denn damit?" Einmal hatte er in den Nachrichten etwas über kranke, alte Menschen gehört, die Kindern gemeine Dinge antaten. Er schluckte, die Kissen stapelnd. Nicht den Mut aufbringend, sich umzudrehen, piepste er leise: «Fertig.» und strich noch schnell die Decke glatt. Daraufhin hörte er, dass sich die Frau bewegte und plötzlich spürte er einen Ruck an seinem Nicki.

«Komm, wir spielen jetzt ein lustiges Spielchen! Ich erkläre dir auch die Regeln, wenn du willst!» Ihr breites Grinsen verunsicherte den kleinen Jungen zutiefst.

Julia kam ungefähr eine halbe Stunde später mit einem fast auseinanderfallenden Korb voll Wäsche, die sie zuvor von der Leine genommen hatte, während sie den Teppisch draußen auslüften ließ, denn er stank schrecklich, herein und traute ihren Augen nicht recht, als sie die Alte und ihren Zwilling am Couchtisch sitzen und Karten spielen sah.

«Das Bügelbrett müsste da hinten irgendwe sein!», tönte es hinter den schäbig wirkenden Karten hervor. Sie legte eine Karte ab und nahm eine andere auf. «Dann zeig mal her, was du da hast, Raul, mein Kleiner!»

Julia sah, wie Raul schauderte und legte seine Karten auf den Tisch. Ein Pfeifen und dann Kichern.

«Nicht schlecht, nicht schlecht, zwei Paare! Aber», sie legte ihre Karten hin, «Ich habe ein Full House!» Sie freute sich offensichtlich darüber.

Dem Mädchen kamen diese Begriffr so bekannt vor. Hatten nicht die Freunde ihres Vater immer Karten gespielt mit solchen Wörtern? Moment! Die Alte brachte ihrem kleinen Bruder das Pokern bei?? Das konnte doch nicht...

Frustriert grummelte sie, den Wäschekrob neben das Bügelbrett stellend und mit den Bügeln beginnend. Und während sie arbeitete, spielte und amüsierte sich die Alte köstlich mit Raul. Kalt lief es Julia den Rücken runter, als sie nicht nur die Lache der grauhaarigen Dame, sondern auch das zarte Lachen ihres Bruders vernahm.

So sollte es auch die nächsten Tage weitergehen. Julia schufftete sich die Hände wund und die anderen beiden hatten sehr viel Spaß. Und sie glaubte fast nicht, wie viel Spaß! Von Zeit zu Zeit kam es Julia so vor, als wären die zwei nicht Fremde, sondern Großmutter und Enkelsohn und hätten sich offenbar auch noch sehr lieb. „Zu lieb!", schoss es dem jungen Mädchen dann oft durch den Kopf und ihre hellgrünen Augen blitzten vor Eifersucht. Und vor Wut, welche sich auf beide gerecht verteilte. Die Alte verpflegte Raul so gut, dass er langsam aber sicher den Gürtel ein Loch weiter tragen musste, während Julia, die immer nur die Reste oder etwas Aufgewärmtes vom Vortag bekam, der Rock lockerer saß.

Eines Abends dann, als Julia völlig erschöpft und mit heftigen Rückenschmerzen vor dem Kamin einzuschalfen versuchte, begann sie zu grübeln,ob sie und Raul nicht von hier fort sollten. Erstens waren sie Julias Meinung noch schon viel zu nah an ihrem Heimatdorf, also war die Gefahr des Gefundenwerdens beträchtlich hoch. Und zweitens wollte es ihr bei dieser unheimliche Greisin so gar nicht gefallen, was sicher nicht daran lag, dass sie so viel arbeiten musste. Beschließend, am nächsten Morgen mit Raul darüber zu reden, holten sie Kummer und Müdigkeit ein und zerrten sie in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Ende des dritten Kapitels

A/N: Au weia... Sieht nach Ärger aus, was? Hey, und unmenschlich ist die arme, alte Frau auch nicht, klar? sich schon denken kann, auf was man da kommen könnte Bis zum nächsten Kapitel!

BeyBye!
R-chan
aka Hoshisaki