Disclaimer: Siehe Prolog
Es wäre wundervoll, wenn ganz viele die schwarz-lesen reviewen würden, denn schreiben ohne Reviews ist wirklich deprimierend. Also, ran an die Tasten und widmet mir Lob oder Kritik.
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Kapitel1: Wiedersehen mit Hindernissen
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Im hohen Norden Norwegens, unweit von Harstad, lag ein kleines Fischerdorf mit einer einzigen Kneipe. Alte Männer saßen in ihren nassen Anoraks dicht aneinander gedrängt auf den wenigen Plätzen. Sie spielten Karten, tranken Schnaps oder sahen gelangweilt zu dem kleinen Fernseher auf der Bar, der tonlos einen Ski-Langlauf zeigte. Zwischen all diesen hartgesottenen Kerlen mit wettergegerbten Gesichtern saß eine hagere, dunkelblonde Gestalt, die ein Glas Schnaps vor sich stehen hatte. Es stand da, unangetastet, seit der Fremde es vor Stunden bestellt hatte. Mit einer Hand hielt er es fest umschlossen, als suche er daran Halt, die andere trommelte nervös auf seinem Oberschenkel. Ab und zu blickte er nachdenklich zu dem alten Elchkopf hinüber, der wissend und geduldig über die Männer hinweg blickte, als würde er mehr sehen, als nur eine verrauchte, kleine Wirtschaft.
Remus machte Urlaub.
Die menschenleere Gegend und die wildromantische Landschaft taten ihm gut nach all den Strapazen, die ihm in Hogwarts wiederfahren waren:
Harry zu sehen und in ihm James zu erblicken. Snape und dessen alter Hass, dem er nichts entgegenzusetzen hatte. Sirius, der einfach wieder auftauchte. Und dann... Peter: Der wahre Verräter.
Die Wahrheit war ein Schlag ins
Gesicht gewesen.
Sirius war unschuldig, die ganzen dreizehn Jahre
lang war er unschuldig gewesen. Erst diese alles verändernde
Erkenntnis, dann ein überhastetes Verzeihen, ein Kampf mit Peter
und schon war Sirius wieder weg gewesen.
Das war zu viel gewesen.
Nachdem Remus Hogwarts verlassen hatte, hatte er sich nichts sehnlicher gewünscht als Ruhe und Einsamkeit. Er hatte sich in die Muggelwelt geflüchtet. Er hatte einen Muggeljob angenommen, sich in einer Muggelwohnung eingemietet und hatte sich eine Muggelfreundin gesucht.
Danielle und er waren irgendwie, irgendwann ein Paar geworden. Kein besonders glückliches, aber die Nähe und Zuwendung taten ihm gut. Ihr größter Vorteil war, dass sie ein Muggel war: sie stellte keine unangenehmen Fragen und er war nicht gezwungen zu lügen. Während all der Zeit hatte er gewartet, immer in der Hoffnung, Nachricht von Sirius zu erhalten. Doch es war nichts gekommen.
Nach einem knappen halben Jahr war es ihm zuviel geworden. Er hatte sich eingesperrt gefühlt, beengt. Also hatte er den Aushilfsjob geschmissen und war mit seinem letzten Ersparten nach Norwegen geflüchtet. Um dort den Frieden zu finden, den er so schmerzlich vermisste.
Stunden verstrichen bis Remus beschloss, zurück in sein Zimmer zu gehen. Er hatte etwas außerhalb des Dorfes eine Bleibe gefunden. Die Leute waren freundlich, diskret und es waren nicht allzu viele. Er hatte sich in die Holzhütte eines älteren Ehepaars eingemietet, die ein kleines Zimmer für Feriengäste hatten. Die Bleibe war schlicht aber gemütlich und genügte seinen, mit der Zeit immer bescheidener gewordenen, Ansprüchen.
Er hob das Glas und betrachtete einen Moment lang die klare Flüssigkeit darin. Dann leerte er es in einem einzigen Zug, stellte es zurück auf den Tresen und ging zur Tür. Ein kalter Wind blies ihm entgegen und der Regen durchweichte innerhalb kürzester Zeit seine Kleidung. Im Moment wünschte sich Remus nichts sehnlicher als die Geborgenheit seiner Hütte. In der Dunkelheit war der Weg nur vage zu erkennen. Eine kräftige Böe fuhr durch seine Kleidung und Tropfen schlugen ihm hart ins Gesicht. Er ging schneller, um diesem Sauwetter zu entkommen. Rechts von ihm hörte er die Brandung gegen die steinernen Klippen klatschen, links rauschte ein Birkenwäldchen und vor ihm erstreckte sich die Landstraße vage in der Finsternis. Da nahm er im Augenwinkel eine schemenhafte Bewegung war. Er drehte sich um, aber erkannte nichts in der Schwärze der Nacht nichts. Einen Moment bereute er es, den Zauberstab in der Hütte gelassen zu haben. Unruhig versuchte er schneller zu gehen. In der Dunkelheit konnte er nur den Weg erkennen, ein paar Bäume und die vereinzelten Lichter aus den Häusern in der Nähe. Inzwischen hatte er das Wäldchen erreicht, hinter dem der Hof lag. Einige Meter vor ihm lief etwas Großes über den Weg. Es fröstelte ihn und aus seiner Nervosität wurde Unruhe. Eine leise Vorahnung beschlich ihn. Er verließ das Wäldchen und konnte die Lichter des nahen Hofes erkennen. Da stand das Haupthaus, stolz und unbewegt in der Nacht. Eine Nacht, die in diesen Wochen, kurz vor der Wintersonnenwende allgegenwärtig war. Ein Kuhstall stand neben dem Hauptgebäude, in dem es die ganze Nacht über rumorte und schnaubte. Remus wandte sich dem kleinen, unscheinbaren Häuschen an der Stallwand zu. Man brauchte dort drinnen keine Heizung, die Hitze des Stalls wärmte die Hütte ganz von selbst. Er schüttelte sich und wollte die wenigen Stufen zur Tür nehmen, da knurrte ihn aus der Dunkelheit etwas an. Ein schwarzer, ungewöhnlich großer Hund stand vor der Tür und knurrte ihn an.
Remus blieb stehen.
„Da bist du also. Nach all der Zeit treffen wir uns ausgerechnet hier wieder. In Norwegen!"
Der Hund hörte auf zu knurren und schenkte ihm einen langen, eindringlichen Blick, dann veränderten sich seine Proportionen und schließlich stand Sirius vor ihm. Er sah besser aus als das letzte Mal. Noch immer war er hager, aber er machte nicht mehr den Eindruck eines ausgemergelten Gespensts.
„Willst du einen alten Freund nicht herein bitten?" Sirius Stimme klang rau. Remus ging wortlos an ihm vorbei, ließ aber die Tür offen stehen. Sirius kam nach und setzte sich auf den einzigen Stuhl im Zimmer. „Schön hast du's hier." Er blickte sich um.
„Meine Wohnung in London ist schöner. Du hättest dir den weiten Weg sparen können!"
„Albus hat mir gesagt, wo ich dich finden würde."
„Und, was willst du hier?" Remus biss sich auf die Lippe bis es schmerzte. Er würdigte Sirius keines Blickes, zog die nasse Kleidung aus und warf die Stiefel achtlos in den Raum. Dann setzte er sich aufs Bett.
„Was wohl? Mit dir reden!" Sirius blickte ihn ungläubig an.
„Dann red."
„Was ist los mit dir? Begrüßt man so einen alten Freund? Ich freu mich auch wahnsinnig dich zu sehen!", spottete Sirius bissig.
„Ach ja, du bist ja der gute, alte Freund. Hätte ich fast vergessen. Der gute Freund, der mich das letzte halbe Jahr vergeblich auf ein Lebenszeichen hat warten lassen." Der bittere Sarkasmus in Remus Stimme überraschte Sirius.
„Zum Teufel mit deinem Selbstmitleid! Ich habe mich die letzten fünf Monate von Ratten und Kakerlaken ernährt. Habe selber nicht gewusst, wo ich hin soll und musste ständig vor Dementoren und dem Ministerium flüchten. Es tut mir wirklich leid, dass ich keine Zeit hatte, dir eine Postkarte zu schreiben.", polterte Sirius und schlug mit der Faust auf den Tisch.
„Andere wussten wo du bist!", hielt Remus ihm entgegen.
„Dumbledore wusste es. Er war der einzige." zischte Sirius „Was ist das eigentliche Problem? So ein Kinderkram würde dich doch nicht so wütend machen!"
„Was mich wirklich wütend macht, ist, dass du hier etwas von guten Freunden erzählst und keine Ahnung hast, wovon du redest! Gute Freunde vertrauen sich, weißt du?"
„Merlin! Das ist alles so lange her! Erinnerst du dich? Ich habe mich in Hogwarts bei dir entschuldigt. Ich habe für diesen verdammten Fehler 12 Jahre in Askaban gesessen. Das müsste doch sogar für dich genug Zeit sein, um mir zu verzeihen, oder? Ich dachte, wir hätten das hinter uns."
„So, dachtest du das?" Remus lachte bitter. „Ein kurzes ‚Verzeih mir' und die Vergangenheit wird einfach zur Erinnerung? Lily und James werden von einem ‚Verzeih mir' nicht wieder lebendig, Sirius!"
Sirius durchquerte den Raum mit zwei großen Schritten und stand vor Remus. Seine Fäuste waren geballt und zitterten, sein Gesicht war aschfahl. Er blickte Remus an, die Lippen schmal, der magere Körper zitterte vor Wut.
„Ist das ist dein Ernst?", seine Stimme bebte vor unterdrückter Wut, „Glaubst du das wirklich? Du wagst es tatsächlich, mir die Schuld am Tod von Lily und James zu geben?" Remus sah ihn an, ohne die Spur eines Gefühls in den Augen.
„Es wäre vielleicht nicht passiert, wenn du mir vertraut hättest! Wenn du mir mehr vertraut hättest als Peter."
Sirius blickte ihn an und einen Moment schien er die Hand heben zu wollen. Ließ sie dann aber tatenlos wieder sinken. „Ich kann das einfach nicht glauben. Das ist das dümmste was ich je von dir gehört habe." Sirius schüttelte den Kopf: „Ist das alles, was übrig geblieben ist von unserer Freundschaft? Alberne Vorwürfe und Schuldzuweisungen?"
„Vielleicht, Sirius. Vielleicht ist auch gar nichts mehr übrig." Einen kurzen Moment schwiegen sie, keiner der beiden fand die richtigen Worte.
„Ich geh dann besser." sagte Sirius fast tonlos und verließ die Hütte Remus blickte ihm nach, schweigend, bis die Tür ins Schloss fiel und er wieder alleine war. Noch einsamer als zuvor.
