Disclaimer: Siehe Prolog

Für das letzte Kapitel hab ich wirklich nur ganz wenige Reviews bekommen. Gefällt euch die Geschichte nicht? Ein paar Sätze, egal ob Lob oder Kritik, wären wirklich nett. So war ich schon enttäuscht und niedergeschlagen.

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Er schlief schlecht in der Nacht. Auch in der folgenden. Er schlief die ganze Woche schlecht. Vielleicht lag es daran, dass er, immer wenn er ins Dorf ging nach einem Mann suchte, hochgewachsen, schwarzhaarig und hager. Dass er erwartete, dass er irgendwann hinter ihm stand, ihn abermals ansprach. Die Zwiespältigkeit seiner Gefühle trieb ihn um und zwang ihn in die Knie. Eine Stimme in ihm, die hoffnungsvoll nach einer neuen Zukunft rief und eine andere, die ihn darauf hinwies, dass Geschehenes geschehen war und er zu alt, um an ein Happy End zu glauben.

Fakt war, Sirius war verschwunden.

Es war fast eine Woche her, seit er vor seiner Hütte aufgetaucht war. Inzwischen hatte Remus Zeit gehabt sämtliche Phasen durch zu machen. Von der Bitterkeit am nächsten Tag, zur Wut am darauffolgenden, über ein schlechtes Gewissen bis er letztendlich bei Selbstvorwürfen angekommen war.

Lange hatte er sich gefragt, was er eigentlich wollte. Nun wusste er, dass er wenigstens versuchen musste Sirius zu finden. Wenn auch nur noch ein winziger Funke, ein kleines Glühen der alten Freundschaft da war, dann war es bei Merlin sein Pflicht, es zu versuchen.

Das Problem war nur, dass Sirius verschwunden war. Und blieb.

Er hatte in der Umgebung nach einem schwarzen Hund gefragt. Tatsächlich hatten einige einen großen, dunklen Streuner gesehen. Bis vor einer Woche, dann schien er verschwunden zu sein. Und da kamen sie auf, diese erst vereinzelten und leisen, aber mit der Zeit immer lauter werdenden Sorgen. Er kannte Sirius, kannte ihn so lange, und er wusste wozu dieser Kerl fähig war. Remus musste ihn finden.

Also war er losgestapft und hatte etwas getan, was er sonst nie tat. Er hatte den Wolf in sich zur Hilfe gerufen. Das sonst so sorgsam eingesperrte Tier in ihm, das zwischen den Monden keine Existenzberechtigung hatte. Jetzt gab es den Weg vor, nutzte seine feine Nase und führte Remus durch das Unterholz. Es hatte nicht lange gedauert, bis es Sirius Fährte gefunden hatte, sie führte direkt in den Wald. Einen Wald aus Birken und anderen Laubbäumen, die im schwachen Licht der Sonne, grün schimmerten. Keine halbe Stunde, da kam Remus zu einem Bach. Der Geruch wurde intensiver, und da, hinter einem kleinen Busch, war in den Boden eingegraben ein ehemaliger Fuchsbau. Nun lag darin eine schwarze magere Kreatur. Remus atmete erleichtert auf. Dort lag Tatze, sein Fell, stumpf und voller Kletten, bewegte sich mit den langsamen Atemzügen.

„Tatze, komm raus da. Ich bin's, Remus." Remus ging in die Hocke und bekämpfte den wölfischen Instinkt, die Zähne zu blecken und zu knurren. In der Höhle tat sich nichts.

„Hey Tatze, komm da raus. Ich will mit dir reden."

Ein Knurren als Antwort. Bedrohlich und langgezogen.

„Komm da raus, Tatze!", rief Remus, bereits leicht genervt. Er streckte die Hand aus und berührte das schwarze Fell. In dem Moment wurde das Knurren zu einem lauten Gebell und das schwarze Knäuel flog unerwartet schnell herum. Lange Fangzahne verbissen sich in Remus Hand, der Hund warf ihn zu Boden. Instinktiv bleckte auch Remus die Zähne und richtete sich wieder auf. Bis ihm einfiel, dass er nicht der Wolf war. Er war es nicht gewohnt Tatze zu begegnen, wenn er nicht der Wolf war. Der Druck um seine Hand wurde stärker, Blut lief dem Hund aus dem Maul. Tatze schien es ernst zu meinen, sie spielten ein Hundemachtspiel.

Es gab nur eine Lösung: Ganz behutsam legte sich Remus auf den Boden und bot dem Hund den Hals dar. Es dauerte einen, oder auch zwei, Augenblicke, dann wurde der Griff der Schraubzwinge wieder lockerer. Der Hund setzte sich auf seine Hinterläufe und blickte auf ihn herab. Erleichtert stützte sich Remus auf seine Unterarme und wollte aufstehen. Der Hund war sofort wieder über ihm. Er ließ sich wieder fallen und blickte zu Tatze auf. Oft hatte er sich gefragt, wie viel vom Hund in Sirius war und wie viel Sirius ihm Hund. Wenn Sirius jetzt die Oberhand hatte, dann kostete er den Triumph aus. Tatze stand über ihm und knurrte leise, Remus bewegte sich keinen Zentimeter. Nach seiner Schätzung vergingen Ewigkeiten bis Tatze von ihm herunter kletterte und im Gebüsch verschwand. Remus rappelte sich auf und ging ihm nach. Er führte ihn zur Lichtung, der Mond, bereits wieder zur Hälfte voll, stand über der dunklen Landschaft.

Tatze blieb Tatze als sie spazieren gingen, unter dem Mond, schweigend und zumindest Remus, tief in Gedanken versunken. Irgendwann hatte ihn Tatze zurück zu Hütte geführt.

„Sollen wir einen neuen Versuch wagen? Willst du noch mal reinkommen?" Remus stieß die Tür auf. Der Hund blieb sitzen.

„Nicht? Angst vor einem Dejà-vu?" Remus machte einen Schritt hinein. Tatze blickte ihn kurz an und bellte dann einmal laut.

„Du hast Hunger, nicht wahr? Hmm, da muss ich dich enttäuschen. Wenn du nicht reinkommst, dann wirst du nichts kriegen." Remus grinste verschlagen.

Der Hund knurrte kurz und trottete dann in die Hütte hinein. Dort ließ er sich vor dem Küchenschrank fallen. Den Kopf auf die Pfoten gelegt blickte er zu Remus auf, die Lefzen hochgezogen.

„Ist ja gut, du dummer Hund."

Knurren.

„Was willst du? Jogurt, Quark, Erdnüsse, Bier... hm, nein, wohl nicht." Er stellte leere Dosen auf den Kühlschrank und griff tiefer hinein. „Hier schau mal, die könnte noch gut sein!" Remus beförderte eine Salami zu Tage und warf einen prüfenden Blick auf das Ablaufdatum. „Willst du?"

Tatze schnappte zu und schleifte die Salami unter den Tisch. Er nestelte ungeschickt mit der Schnauze an der Plastikfolie herum und heulte ungeduldig auf, als er nicht an die Salami kam.

Remus hatte sich auf den Boden gesetzt, mit dem Rücken gegen den Kühlschrank gelehnt. „Na du scheinst ja einen ordentlichen Hunger zu haben."

Tatze ignorierte ihn.

„Soll ich dir vielleicht helfen?" Vorsichtig schob er sich auf allen vieren zum Hund unter den Tisch. Ein böses Knurren und gebleckte Zähne hielten ihn davon ab, dem Hund zu nahe kommen.

„Willst es also alleine machen, hm?" Remus zuckte mit den Achseln.

Der Hund wandte sich wieder seiner Beute zu und schüttelte sie wie ein Raubtier die Beute. Die Salami flog gegen die nächste Wand, Tatze hinterher. Wieder unter den Tisch. Gleiches Spiel von vorne.

„Hast du nichts zu essen gehabt? Wärst du Sirius könntest du ein Brot dazu haben." Die Lockversuche schlugen fehl. Tatze dagegen schlug die Zähne durchs Plastik und kaute auf der verpackten Salami herum.

„Ein Bild für die Götter: Das Salamimassaker.-„ spottete Remus und zog das letzte Ass aus dem Ärmel. Hoch oben, über der spärlichen Ansammlung an bunt gemischten Tellern stand eine Flasche mit einer klaren Flüssigkeit. Das angemessenste was Remus für diesen edlen Tropfen fand, waren zwei Weingläser. Während die Ermordung der Salami unter dem Tisch zu einem Ende kam, schenkte er ein. Reichlich. Dann kehrte er zum Tisch zurück.

„Komm Sirius, trink mit mir."

Der Hund blickte zu ihm auf, umgeben von den Resten seines Mahls, von der Salami war nicht mehr viel zu sehen. Remus setzte das Glas an die Lippen und trank einen Schuss vom Schnaps. Er schloss die Augen und die brennende Flüssigkeit rann seine Kehle hinab. Als er die Augen wieder öffnete stand Sirius vor ihm und griff nach der Flasche, das zweite Glas ließ er achtlos stehen. Dann setzte er sich auf Remus Bett, nahm einen Schluck, leckte sich die Lippen und beobachte Remus. Erst nach einem weitern Schluck ergriff er das Wort.

„Ich hab dich gesehen, vor zwei Wochen, im Wald."

„Mich, im Wald?" Remus blickte sich erstaunt um.

„Besser gesagt den Wolf und sein Rudel. Wusste gar nicht, dass Werwölfe und Wölfe mit einander streunen gehen." Sirius blickte ihn an.

„Nun, ich bin wohl ein domestizierter Werwolf, immerhin bin ich schon mit Hirschen, Ratten und einem großen, dummen Hund unterwegs gewesen." Remus lächelte.

Sirius nahm noch einen großen Schluck „Darf man dich fragen, was du eigentlich hier im hohen Norden machst?"

Remus stutzte, wollte Sirius jetzt Smalltalk machen? „Urlaub, ich mache Urlaub."

„Du hättest an einen freundlicheren Ort fahren sollen. Hier ist es düster, kalt und dunkel. Das nennst du Urlaub? Aber du hattest ja schon immer einen schrecklichen Geschmack." Er streifte die schweren Stiefel von seinen Füßen und streckte sich auf dem Bett aus, die Flasche in der Hand.

„Und du? Du hast dir wohl die Sonne auf den Pelz scheinen lassen?" Remus entspannte sich etwas.

„Jepp, Karibik, besser gesagt Tobago, noch besser gesagt Scarborough. Tropisches Klima, Vögel über Vögel und Extra-bitter-Schokolade." bei dem Gedanken zog ein Lächeln über Sirius Gesicht. „Hab dort gearbeitet, auf einer Zuckerrohrplantage. Kleine Hütte, wenig zu Essen, aber eine Weile Ruhe. Dann nach Dubai, Bedienung und Animateur. Und von da aus nach Nepal, als Touristenführer und Sherpa durchs Gebirge. Beeindruckend, nicht."

„Na, da hättest du mir ja nicht nur eine sondern sogar drei Postkarten schreiben können.", lächelte Remus. Einen Moment war es still, dann räkelte sich Sirius auf dem Bett, streckte die Arme und lächelte. „Ach halt den Mund, du nachtragender Schafskopf. Aber ist ja auch kein Wunder bei dem Wetter. Wie lange gedenkst du eigentlich noch hier zu bleiben?"

„Hm, ich weiß nicht." Remus zuckte mit den Achseln, eine Frage, die er bisher tunlichst vermieden hatte.

„Und wie geht's dann bei dir weiter?" Sirius blickte in die Flasche, nahm noch einen Schluck und knallte sie auf den Nachttisch.

„Das Gleiche könnte ich dich fragen."

„Gut ausgewichen, alter Junge. Ich hab nicht den geringsten Schimmer. Tansania, Myanmar, Feuerland, irgendwas wird sich schon finden. Es gibt noch eine Menge Länder dieser Welt, in denen ich nicht gesucht werde."

„Und wie lange wirst du das so machen?" Sie lag Remus auf der Zunge, die Frage, die alles auf den Kopf stellen würde. Er schluckte hart.

„Keine Ahnung, bis das Ministerium in seine Einzelteile zerfällt, Peter gesteht, oder ich eine Million verdient hab und mich einer Ganzkörperoperation unterzogen habe."

„Ach lass den Unsinn, ich mein's ernst..." Scheiße, wie sollte er das Unvermeidliche nur unausgesprochen lassen. „Du kannst doch nicht in deinem Alter durch die Welt tingeln, einfach so-", murmelte Remus etwas unbeholfen.

„Immer noch der Alte, hm. Kannst deine väterliche Sorge einfach nicht für dich behalten. Und was heißt eigentlich in meinem Alter. Ich bin 34, wenn dass nicht das beste Alter ist!" Ein weiterer und dieses Mal auffällig tiefer Schluck aus der Flasche. „Was brauch ich ein Zuhause mit Verpflichtungen, Fragen und Enttäuschungen. Wozu braucht man überhaupt irgendjemanden? Jeder Mensch, der einem nahe steht, tut einem früher oder später ja doch nur weh!" Je mehr sich Sirius hineinsteigerte, umso lauter wurde er „Und wozu braucht man jemanden, der einen hält, wärmt und gern hat. Ich scheiß drauf, am Ende tut's ja doch nur weh. Da zieh ich lieber um die Welt, mutterseelenallein, genügsam und vor allem... glücklich."

„Du Held! Glücklich? Selbst ein Tauber, der dein Gebrüll nicht ertragen muss, merkt, dass es dir beschissen geht."

„Und was soll ich tun, du Klugscheißer? Hab ich eine Wahl? Kannst du mir sagen, was ich machen soll? Wo ich hin soll?" Er warf sich zurück aufs Bett.

- Scheiße, jetzt war es zu spät -

„Komm mit zu mir."

Einen Augenblick schien es, als würde Sirius schlagartig nüchtern werden. Er saß senkrecht auf dem Bett und blickte Remus an.

„Bist du bei Trost? Hallo, ich bin das Arschloch, dass du vor einer Woche aus deiner Hütte geworfen hast. Und jetzt willst du mich nach England importieren und bei dir wohnen lassen? Und ich dachte ich hätte was getrunken!" Sirius schüttelte den Kopf.

„Lass uns das vergessen. Ich war wütend und verletzt."

„Wir werden das gar nicht vergessen, du hattest Recht. So zu tun, als wäre alles gut, ist eine dumme Art, von vorne anzufangen."

„Ich habe Mist geredet, hab dich für Dinge beschuldigt, für die du nichts kannst."

Ein kurzer Schatten flog über Sirius Gesicht und dann nickte er und blickte traurig auf die Flasche, die inzwischen leer war. „Schon gut, altes Haus."

„Wir haben beide Mist gebaut, aber nicht jetzt oder letztes Jahr, sondern vor zwölf Jahren. Und vielleicht ist es an der Zeit, zu vergessen und vergeben."

„Das sind ja unglaublich einsichtige Worte. Ich meine, so etwas vor ein paar Tagen schon einmal gesagt zu haben." Sirius schüttelte den Kopf, aber seine Stimme hatte die Aggressivität verloren und klang jetzt müde.

„Ach sei doch still du dummer Hund, wenn ich mich schon mal bei dir entschuldige."

„Bist immer noch nicht besonders gut darin, oder?", spottete Sirius.

„Ne, manche Dinge ändern sich nie. Und jetzt hältst du besser den vorlauten Mund, sonst kommst du auf der Heimfahrt ins Handgepäck."

Sirius sank zurück aufs Bett, streckte sich aus und blickte zu Remus. „Lass uns schlafen, ich kann nicht mehr. Sobald ich den Kopf bewege steht die Hütte schief. Und das Plastik in meinem Bauch kämpft noch immer mit der Magensäure. Da kann übermäßige Bewegung verheerende Schäden haben."

„Und wo soll ich schlafen?" Einen Moment lang zog Remus den Tisch in Betracht, verwarf die Idee dann aber, bei dem Gedanken an die Rückenschmerzen, die ihm eine Nacht auf dem harten Ding bescheren würde.

„Keine Ahnung." Sirius zuckte mit den Schultern „Im Kuhstall?"

„Im Stall?" Remus zog skeptisch die Augenbrauen hoch.

„Ja klar, ich hab mich seit einer Woche nicht mehr geduscht, hab Wanzen und Flöhe und rieche wie Gully. Neben mir willst du bestimmt nicht schlafen! Und im Stall ist es warm." lachte Sirius und gähnte genüsslich.

Die Augen brannten Remus vor Müdigkeit und jedes Gähnen war noch tiefer als das zuvor. Langsam ging er zur Tür.

„Na dann wünsch ich dir eine gemütliche Nacht alter Schafskopf." Sirius winkte ihm vom Bett aus zu.

„Warum auch immer ich das tue", murmelte Remus bitter und öffnete die Tür. „Ich wünsche dir eine erholsame Nacht."

„Danke!" murmelte es noch aus der Ecke, drehte sich um und verstummte. Remus ging hinaus in die Dunkelheit. Sirius hatte sich schon immer das beste Stück vom Kuchen genommen und es mit so viel Charme getarnt, dass keiner ihm böse war. Manche Dinge änderten sich eben nie.