Disclaimer: siehe erstes Kapitel

Anmerkung der Autorin: Die letzten Kapitel haben gemischte Gefühle bei einigen von euch hervorgerufen. Woran ich festhalten möchte ist meine Vorstellung von den Charakteren. Vielleicht lesen die, die sich gerade mit Remus noch nicht anfreunden können auch die anderen Kapitel (nach diesem kommen noch zwei). Dann bin ich für ein Feedback außerordentlich offen, aber vielleicht rundet der Schluss das Bild besser ab.

Dieses Kapitel hab ich komplett überarbeitet um die Charaktere runder zu gestalten. Dennoch wird es für Nichtfreunde meines Remuscharakter eine harte Kost. Ich hoffe, dass ihr dennoch lest und reviewt. Freu mich auf jede einzelne Antwort

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Sie hatten Norwegen verlassen. Eine endlos lange Fahrt mit dem Zug, bei der Remus Tatze im Gepäcknetz verstecken, den Impfpass verhexen und einer alten Dame mit Hut das Gedächtnis manipulieren musste, nach dem diese ihm nicht glauben wollte, dass das Knurren seinem ausgehungerten Magen entsprang. Auf der Fähre hatten sie dann herausgefunden, dass Sirius seekrank war. Remus hatte mit ihm eine romantische Nacht an der Reling verbracht und die Sterne gezählt. Immerhin konnte ein Hund nicht grün im Gesicht werden.

Jetzt, vier Tage nach ihrer Ankunft im Hafen von Newcastle, waren sie in London angekommen. Es hatte gedauert, bis sich jemand gefunden hatte, der den heruntergekommenen Streuner und einen schmutzigen Riesenhund im Auto mitnahm. Nun waren sie müde und ausgelaugt, aber am Ziel. Gemeinsam trotteten sie zu Fuß durch London, um zu Remus Wohnung zu kommen.

Das Viertel war heruntergekommen, Fensterläden klapperten lose im Wind und über allem thronten rauchende Schornsteine. Ein Teil Londons, in dem sich Sirius früher rumgetrieben hatte, um sich unerkannt zu betrinken. Doch jetzt nahm Tatze andere Dinge wahr als damals. Seiner feinen Hundenase wurden allerlei Gerüche zugetragen. Er roch andere Hunde, Abgase und den nahen Gully. Müllsäcke standen am Straßenrand, und stanken nach allem möglichen. Das durchsichtige Plastik bot einen abwechslungsreichen Anblick, als Hund und Mann daran vorbei gingen.

Irgendwo in dieser städtischen Einöde blieb Remus vor einem gelblichen Häuserblock stehen. Seine Schlüssel klimperten, eine alte Holztür schwang auf und gab den Blick auf das Treppenhaus frei. Irgendjemand hatte es gut gemeint und ihm einen Anstrich in einem kräftigen Gelbton verpasst. Zusammen mit einer uralten Treppe und einem rauen Putz, in dem sich der Schmutz der Jahre sammelte, war das Ergebnis ... heruntergekommen.

Tatze folgte Remus in den zweiten Stock. Es roch nach Zigaretten und irgendetwas, das wohl ein fettiges Mittagessen war. Er hörte das Türschloss klicken, eine Tür ging auf und Remus schob ihn in die Wohnung. Der Gang war dunkel und schmucklos, einige Schuhe standen im Weg und ein großer Spiegel zierte ein der schmalen Wände.

„Bleib bloß wie du bist!" zischte Remus ihm zu als er Anstalten machte, sich zu verwandeln. Tatze knurrte unwillig und zögerte einen Moment. Dann lenkte ihn ein neuer Geruch ab, er kam aus dem Zimmer vor ihm. Der Geruch eines weiteren Menschen. Tatze tappte einige Schritte durch die Wohnung, stieß eine Tür auf... und wurde von Remus im Nacken gepackt und zurück gezogen.

„Du bleibst hier, und keine falsche Bewegung, sonst schmeiß ich dich wieder raus!"

Dieses Mal fletschte Tatze die Zähne und knurrte bedrohlich.

„Halt die Klappe!" Remus deutete auf den Schuhabstreifer, „Da bleibst du!"

„Remus, bist du das? Mit wem redest du da?" Eine Frauenstimme kam aus dem Raum, den Tatze als Wohnzimmer identifiziert hatte.

„Hi Danielle!" Remus zog seine Schuhe aus und warf sie unachtsam in die Ecke. Schritte näherten sich.

„Du bist es ja tatsächlich." Sie nahm ihn kurz in den Arm und ließ ihn dann erschrocken wieder los

„Sag mal hier riecht's doch nach..." Jemand stand im Türrahmen und blickte Tatze mit Entsetzen an. „Hund" vervollständigte Remus den Satz.

Danielle wich einige Schritte zurück und starrte Remus entsetzt an. „Du weißt genau, was für eine Scheißangst ich vor den Viechern hab! Wie kannst du nur..." Sie brach ab und starrte den schwarzen Hund vor ihr an. Tatze konnte die Angst riechen, die in ihr hoch kroch.

„Er tut dir nichts, er bleibt nur vorübergehend." Remus hängte seine Jacke auf.

„Warum bist du überhaupt schon zurück?" Sie gewann langsam ihre Fassung zurück „Ich hab dich erst nächste Woche erwartet! Du hättest wenigstens anrufen können."

Tatze beschloss die Wohnung zu erkunden.

„Pass auf den Hund auf!", schrillte ihre Stimme durch die Wohnung. Zu laut für Tatzes Geschmack. Er zeigte ihr die Zähne.

„Schon gut, er tut dir wirklich nichts. Ich bring ihn in die Küche und dann reden wir über alles, ja?" Remus sprach leise und beschwichtigend auf sie ein, bis sie zurück ins Wohnzimmer ging.

Dann packte er Tatze im Genick. „Ich hätte dir sagen sollen, dass sie Hunde hasst. Aber wer kann denn ahnen, dass du nicht nur wie einer aussiehst, sondern dich auch wie einer benimmst? Tatze knurrte missmutig aber folgte ihm in die enge Küche. Remus war wütend, das konnte er deutlich riechen.

Der Mittag nahm seinen öden Lauf - Tatze schnüffelte in den Schubladen, fand alte Kekse und fraß sie auf. Kauend nahm er die hässliche rot-grüne Eckbank ein und schaute aus dem Küchenfenster. Irgendwann musste er eingeschlafen sein, denn als Remus in anschubste, war es draußen dunkel.

„Wach auf!" Er rüttelte ihn ein wenig fester, als es nötig gewesen wäre.

„Wir gehen mal besser Gassi und besorgen dir was zu Fressen. Und eine Leine."

Knurrend bekundete Tatze seine Einwände und blickte Remus aus großen Augen an. Ein Halsband würde er auf gar keinem Fall tragen! Remus schien seinen Aber gegen jede Art von Bindung nicht zu bemerken und marschierte aus der Tür.

„Na komm schon!" Remus klatschte ungeduldig in die Hände und ging voraus. Sie verließen das Mietshaus und gingen einige dunkle Seitenstraßen entlang. Hier und da huschte eine Katze oder eine Ratte über den Weg, die Sonne ging bereits unter. Die Straßenbahn zog mit lautem Gebimmel vorbei, um den unfähigen Hundehalter darauf hinzuweisen, dass die Bahn keinen „Ich bremse auch für Tiere" Aufkleber trug.

Die gemeinsame Wanderung nahm in der Nähe eines großen Einkaufscenter auf einem Stück Grün ich Ende. Ratlos kratzte sich Remus am Kopf. „Was mach ich denn jetzt mit dir? Ich kann dich unmöglich da mit rein schleppen!"

Tatze blinzelte, dann schien er zu wachsen und schließlich stand Remus Sirius gegenüber.

„Spinnst du? Du kannst dich nicht hier in aller Öffentlichkeit verwandeln!"

„Alle Öffentlichkeit? Wir stehen hinter einem Busch an der Rückseite eines Einkaufszentrums. Kein Mensch hat das gesehen, reg dich wieder ab."

„Und was bringt das jetzt? Du kannst so nicht in ein Einkaufszentrum. Bis vor einem halben Jahr hing in jeder Muggelpolizei ein Fahndungsphoto von dir." Remus schüttelte den Kopf.

„Ich will da gar nicht rein, ich will nur ein paar Dinge klarstellen. Erstens: ich werde kein Halsband tragen und du wirst mich nicht an einer Leine durch die Gegend führen. Dass das klar ist! Zweitens: Wie soll ich in einer Wohnung mit deiner hysterischen Freundin wohnen, wenn die keine Hunde ausstehen kann? Drittens: Wie soll's denn jetzt weiter gehen? Was soll ich denn jetzt machen?" Sirius blickte an Remus vorbei und fixierte finster einen Strauch.

Remus antwortete leise und sehr beherrscht „Erstens musst du dich wie ein Hund verhalten, wenn du dich in einen verwandelst. Es ist nämlich so, dass ich aus der Wohnung geworfen werde, wenn du dich nicht ordentlich verhältst. Und es kann passieren, dass dich die Tierfänger mitnehmen, wenn du hier einfach so rumstreunst. Und ich werde dir deinen Arsch nicht retten, wenn deine verdammte Eitelkeit dich in Gefahr bringt. Zweitens wirst du dich entweder mit Danielle verstehen, oder du fliegst raus! Und drittens habe ich nie angeboten, dein Leben in Ordnung zu bringen. Als ich in Harstadt sagte, dass du erst mal mit zu mir kommen kannst, hieß das nicht, dass ich eine Patentlösung habe! Ich hab keinen blassen Schimmer, wie es weiter gehen soll!" Remus riss wütend ein paar Blätter von einem Baum und warf sie auf den Boden. „Es wäre wundervoll, wenn du mal bemerkst, dass es unter der Sonne nicht nur dein Leben gibt. Es gibt neben dem großen Sirius Black andere Menschen, die ein Leben haben und das in Ordnung bringen müssen. Danielle hat heute Mittag damit gedroht, mich zu verlassen..." Bei den letzten Worten wurde er immer leiser, dann ließ er die Schultern hängen und blickte auf den Boden.

„Was hat sie? Oh verdammt. Scheiße!" Sirius blickte Remus an und zupfte hilflos an seinem Ärmel herum. „Ich...ich will nicht, dass-"

„Lass es gut sein Sirius." Remus zuckte mit den Schultern. Sie sahen sich an, kurz, als könnte man sich an einem Blick verbrennen.

„Dann geh ich jetzt da rein und kauf Hundefutter, eine Leine und ein Halsband."

Sirius sah aus als würde man ihm mit Folter drohen. „Bitte, Moony, kein Hundefutter. Das Halsband, ok, aber bitte kein Hundefutter." Der Blick wurde fast flehend.

„Was denn dann?"

„Ich... Ravioli?" ein nahezu flehender Blick. Über Remus Gesicht zog ein Grinsen. „Du meinst Dosenravioli? Du willst wirklich lieber Dosenravioli als Hundefutter? Ravioli aus der Dose?" Er begann leise zu kichern als Sirius verkniffen nickte, und ging dann lachend von dannen. Zurück blieb ein großer schwarzer Hund, der auf dem Boden lag und schwer seufzte.