Disclaimer: siehe erstes Kapitel
Dieses Kapitel hab ich komplett überarbeitet um die Charaktere runder zu gestalten. Dennoch wird es für Nichtfreunde meines Remuscharakter eine harte Kost. Ich hoffe, dass ihr dennoch lest und reviewt. Freu mich auf jede einzelne Antwort
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Remus stierte vor sich hin. Die Stimmung war mies und er mit den Gedanken ganz wo anders. Bei James und Lily, in Hogwarts, in der Heulenden Hütte. Die Gegenwart mit ihren ganzen Unannehmlichkeiten erschien ihm dagegen blass und irreal.
Genau zwei Tage war die neue Wohngemeinschaft mit Hund gut gegangen. Zwei Tage lang hatten Remus und Danielle sich gestrichen. Er hatte ihre Wutausbrüche, Tritte in Richtung Hund und gelegentliches Betteln ertragen. Sie seine steinerne Miene, seine geistige Abwesenheit und das Vermeiden eine Lösung für den Hund zu finden. Heute Morgen hatte sie mit ihm reinen Tisch gemacht.
Erst vorsichtig und dann mit einigem Nachdruck hatte Remus ihr klar gemacht, dass der Hund bleiben würde und dass sie das akzeptieren müsste. Wenig beeindruckt hatte Danielle schwere Geschütze aufgefahren und hatte mit der „Alles oder nichts"-Frage (ich oder der Hund!) das Ende der Beziehung heraufbeschworen. Es war ihm alles zu schnell gegangen. Er schien neben sich selbst zu stehen und das andere Ich, das da neben Danielle saß, hätte einem Eisberg nicht ähnlicher sein können. Er fühlte nichts, aber auch gar nichts. Und Danielle kam mit ihrem üblichen überquellenden Temperament einem Vulkan gleich.
Nun lehnte Danielle an der Wand und blickte ins Leere, sie schien alles gesagt zu haben, was sie sagen konnte. Remus spürte, wie bei ihrem Anblick Wut in ihm aufstieg. Seine Geduld wurde von Minute zu Minute weniger und ihr gelegentliches Schniefen ließ ihn langsam und beherrscht einatmen.
„Du willst mich verlassen, nicht wahr?"
Merlin! Die Art von Diskussion fehlte ihm grade noch. Er fühlte sich wie im falschen Film, als hätte er Sirius Rolle eingenommen und würde mit seiner zweitausenddreihundertfünfundfünfzigsten Freundin Schluss machen. Er wollte ihr nicht wehtun, warum konnte sie nicht einfach verstehen, dass es nicht mehr funktionierte.
„Ja, ich denke schon. Hat nicht sollen sein. Mit uns" Nach all den Jahren Schluss-machen-mit-Sirius sollte er eigentlich wissen, wie das funktioniert. Immerhin hatte er es in allen Spiel- und Lebensarten mitbekommen. Aber irgendwie spielte er seine Rolle bescheiden.
„Vielleicht sollten wir uns mehr Mühe geben? Immerhin empfinden wir doch so etwas wie Liebe füreinander, oder?" sie hob den Kopf und blickte ihn aus braunen Augen fragend an.
Nein, nicht die L-Frage. Die bedeutete Genickbruch, irgendwie musste er sie umgehen. „Es hat keinen Wert mehr, wir passen nicht mehr zusammen."
„Wenn du mich liebst, dann sollten wir es nicht unversucht lassen." Sie blickte ihn aus geröteten Augen an. Wartend, fast lauernd..
„Ich weiß nicht..." Das schien nicht die gewünschte Antwort gewesen zu sein.
Sie nickte langsam und zischte dann: „Du weißt es nicht? Wir sind seit 4 Monaten zusammen, du solltest schon wissen, ob du mich liebst."
Womit sie wohl recht hatte. Sein Gewissen nagte gewaltig an ihm und er wartete die ganze Zeit über auf ein markerschütterndes Gefühl. Es wollte einfach nicht kommen.
„Hör mal Danielle, ich...vielleicht ist es besser wenn wir das nicht ausdiskutieren. Es ist auch gar nicht wichtig, weil...-
„- Es ist nicht wichtig? Es ist schon wichtig, ob du mit mir zusammen bist und mich liebst oder nicht, also sag mir, ob du mich liebst!" Rage zeichnete sich in roten Flecken auf ihrem Gesicht ab.
„Mensch Danielle, es ist vorbei, glaubst du denn, dass ich da noch sonderlich viele Gefühle für dich habe?" Er raffte sich auf.
„Du liebst mich also nicht mehr?"
Hatte er das nicht gerade gesagt?
„Nein." Er zog sich an der Wand hoch und stand vor ihr. „Hör mal, lass uns kein Drama draus machen, ja?"
Sie saß vor ihm und blickte ihn fassungslos an, ein Drama war wohl unvermeidlich. Der Vulkan explodierte.
„Eine Frage noch, Remus. Hast du mich denn irgendwann mal geliebt?"
Bingo! Das war wohl von allen Fragen, diejenige, die er am wenigsten beantworten konnte. Und wollte.
„Gut möglich."
Und das war wohl von allen die Antworten, diejenige, die das Drama noch unvermeidlicher machte.
„Remus Lupin, wann bist du so ein machohaftes Ekelpaket geworden?", zischte sie ihn an.
Jetzt kam die temperamentvolle Danielle zu Tage, das Drama brach einem Gewitter gleich über ihn herein. „Es ist doch so gar nicht deine Art, vier Monate mit jemandem zusammen zu sein und dann alles nur als ein großes, buntes Spiel anzusehen."
Nein, es war eigentlich nicht seine Art, er hatte sich selbst überrascht. Aber es war angenehm gewesen, vielleicht moralisch nicht korrekt, aber angenehm. Sie war ihm im Starbucks bei der Arbeit über den Weg gelaufen und irgendwie war das Ganze ins Rollen gekommen. Ein erster Flirt und dann ein Kuss, der Rest kam wie von selber. Nach zwei Monaten war er bei ihr eingezogen. Sie war hübsch, temperamentvoll und offen gewesen, hatte ihn angesprochen und er hatte sich treiben lassen. Sie hatten viel unternommen, waren am Wochenende fortgefahren, er hatte sie ins Theater mitgenommen und im Gegenzug war er mit ihr durch Kneipen und Bars gezogen. Aber es war ihm damals wie heute bewusst gewesen, dass sie ihm nichts bedeutete. Sie war ein nettes Mädchen und eine angenehme Gesellschaft, er mochte sie, aber es gab keine Gefühle, die sein Herz berührten. Es war keine tiefgründige, alles verzehrende große Liebe. Es war eher eine Symbiose. Und wie sich jetzt herausstellte, eine einseitige.
‚Parasit' schoss ihm durch den Kopf.
„Woher willst du wissen, was meine Art ist? Wir kennen uns erst seit vier Monaten." Wehrte er sich schwach und eigentlich nur, um irgend etwas gesagt zu haben.
„Ach komm schon, du machst immer einen auf netten, jungen Mann von neben an. Und dann so was? So eine eiskalte Abfuhr?" Sie schüttelte den Kopf und funkelte ihn an. „Es ist aus? Also gut, weißt du was? Pack deine Sachen und verschwinde."
Das hatte ja kommen müssen, irgendwie lief alles schief.
„Hör zu Danielle. Ich wollte dich nicht verletzen, und ich wollte auch nicht, dass es dir schlecht geht...-„
Sie blickte ihn abschätzend an und lachte dann kurz und humorlos „Du weißt nicht wo du hinsollst, was? Keinen Job mehr, keine Wohnung. Dumm gelaufen würde ich sagen." Sie zuckte mit den Schultern und ging an ihm vorbei. So böse und verbittert hatte er sie noch nie gesehen, auch wenn ihr jetzt deutlich die Tränen die Wangen hinunter liefen.
„Können wir das nicht regeln wie vernünftige Menschen? Ich bleib so lange hier wohnen, bis ich eine neue Wohnung gefunden habe?" Einen Versuch war es ja wert.
„Nein, Remus, wenn's vorbei ist, dann will ich dich auch nicht mehr hier haben. Pack deine Sachen und geh. Ach, und nimm das stinkende, schwarze Kalb in der Küche mit.
Remus hatte sein gesamtes Hab und Gut in zwei Umzugskartons, einem Seesack und einer Schuhschachtel untergebracht. Das meiste davon waren Bücher und ein Schlafsack, der das Bett ersetzen würde.
Unter Danielles kalten Blicken hatte er die Regale leer geräumt, sein Bett abgezogen und die Senfgläser verstaut. Tatze lag während dessen auf der Eckbank und beobachtete ihn mit großen Augen. Es war Mittag als er die Kartons zur Tür schob und nach der Leine griff. „Komm Tatze, wir gehen."
Danielle stand in der Tür und wartete bereits auf die Beiden.
„Tja, was sagt man in so einer Situation?" Remus zuckte hilflos mit den Schultern und bugsierte einen Karton nach dem anderen hinaus.
„Nichts, es ist alles gesagt." Sie öffnete ihm die Tür.
Remus schüttelte den Kopf, packte Tatze am Halsband und verließ die Wohnung. „Na dann, machs gut-„, murmelte er.
Danielle blieb wortlos in der Tür stehen, und beobachtete, wie er den Karton nahm und die Treppen hinunter trug. Als er wieder kam, um die restlichen Sachen zu holen war die Tür zu und er konnte laute Musik hören.
Einige Zeit später saß er auf den Umzugskartons hinterm Haus, blickte zu einem Baum auf und streichelte Tatze abwesend. „Was machen wir denn jetzt, du dummer Hund?"
Unter seiner Hand tat es einen Ruck, und dann stand Sirius neben ihm.
„Bist du des Wahnsinns, dich hier zu zeigen?" fauchte Remus entsetzt.
„Es ist nicht sonderlich hilfreich, dich anzubellen, weißt du. Und ich hätte zu gerne ein Dach über dem Kopf heute Nacht."
„Hast du eine Idee, wo wir hin können?" Remus wandte sich hoffnungsvoll seinem Freund zu.
„Nicht die geringste." Sirius schüttelte entschuldigend den Kopf.
Remus seufzte leise, er hatte selbst nicht den blassesten Schimmer. Bevor er bei Danielle eingezogen war, hatte er in der Jugendherberge gewohnt. Aber damals hatte er noch Geld verdient und war dort als Aushilfshausmeister tätig gewesen. Davor die Wohnung in Hogwarts. Und davor hatte er lange Zeit bei einem entfernten Verwandten gewohnt, der aber inzwischen ausgewandert war, und weiß der Geier was tat. Sein Elternhaus war längst verkauft worden, das Geld zum Begleichen der Schulden seiner Eltern verwendet worden. Er hatte wirklich nichts, und bei Sirius sah es nicht besser aus. Bis auf...
„Sag mal, hast du eigentlich noch irgendwelche Verwandten in London?"
Sirius blickte ihn erst erstaunt an und schüttelte dann abermals den Kopf. „Bella und Narzissa wohnen zum Teufel wo und Ted Tonks und seine Tochter haben eine Wohnung in irgendeinem Vorort."
„Und dein Elternhaus? Steht das leer?"
Sirius Gesicht zeigte erst Überraschung und dann Entsetzen. „Du willst doch nicht allen Ernstes...nein!" Er war einen Schritt zurückgegangen und winkte mit beiden Händen ab. „Keine zehn Pferde..., vergiss was ich über ein Dach über dem Kopf gesagt habe."
„Fällt dir irgendwas anderes ein?"
„Obdachlosenheim, Brücke, Einbrechen. Es gibt jede Menge Möglichkeiten."
„Das ist doch auf die Dauer keine Lösung" Remus war aufgestanden und gestikulierte wild, er hatte Hoffnung geschöpft. „Steht das Haus jetzt leer oder nicht?"
„Wahrscheinlich ist es voller Doxys, kleineren und größeren Monstern und Spinnenweben, eine Brücke ist segensreich dagegen."
„Steht es leer?" Remus trommelte ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden.
„Ja." Sirius ließ den Kopf hängen.
„Na was hindert uns denn daran, wenigstens mal nachzusehen?"
„Das ich da nicht wieder hin will. Ich bin mit 15 gegangen und hab mir geschworen, dass ich diese niederhöllenähnliche Sphäre nie wieder betrete."
„Aber doch wegen deinen Eltern und nicht wegen dem Haus selbst."
„Meinst du das Haus bleibt normal, wenn alle, die darin wohnen, einen völligen Schaden haben?"
Remus seufzte, er musste schwerere Geschütze auffahren. „Komm schon Sirius, ich möchte, dass du mir ein einziges Mal einen Gefallen tust. Wir schauen uns das nur mal an."
„Das ist unfair. Ich will da nicht hin."
„Sei kein Kindskopf, wir schauen uns das an. Und es muss ja auch nicht für die Ewigkeit sein."
„Dieses Haus ist ein Gefängnis, wenn ich da noch mal reingehe, dann komm ich vielleicht nie wieder raus." Aber er gab klein bei. Geknickt half er Remus, die Kartons vor zur Straße zu tragen und kramte dann die letzten Pennys zusammen, so dass sie gemeinsam ein Taxi nehmen konnten. Der Taxifahrer war über zwei Umzugskartons, einen Seesack, den Schuhkarton und einen Hund als Passagier nicht besonders erfreut und froh, sie nach kurzer Fahrt am Grimmauld Place wieder los zu werden.
