Disclaimer: Ich traf gestern mal wieder auf Joanne, also fragte ich sie, ob ihr Angebot noch steht. Sie sagte: „Sorry, ich hab's mir anders überlegt. Man gewöhnt sich so sehr daran, in einem großen Schloss zu wohnen und jeden Monat einen anderen Briefträger an der Tür zu finden, weil der alte sich weigert all die Fanpost auszutragen... du weißt schon." Ich hatte nicht das Herz ihr zu gestehen, dass ich nicht im Entferntesten weiß was sie meint... also gehört noch immer alles hier JKR.
Schatten der Wahl
6. Auseinandersetzungen
Teil 1
Die nächsten Tage verliefen kaum anders als dieser Morgen. Harry kam zu den Mahlzeiten nach unten, aber er weigerte sich, an einer Unterhaltung teilzunehmen. Fragen beantwortete er in einem knappen, aggressiven Tonfall, aber außer Malfoy selbst sprach ihn ohnehin niemand an. Malfoy ignorierte sein Verhalten offensichtlich, was Harry noch zorniger machte. Er ging regelmäßig, sobald er aufgegessen hatte.
Die meiste Zeit verbrachte Harry in seinem Zimmer und las. Er verließ es nur, um sich neue Bücher aus der Bibliothek zu holen. Er vergrub sich in Bücher über Zauber, Flüche, Verwandlungen und dergleichen. Er entwickelte sogar ein Interesse für die Theorie von Tränken... erstaunlich, wie interessant sie sein konnten, wenn jemand anders als Snape sie erklärte.
Es frustrierte Harry jedoch, dass er keinen Zauberstab hatte, um die neu gelernten Sprüche auszuprobieren. Er probte zwar die Handbewegungen – der Spiegel gratulierte ihm dazu – aber dabei kam er sich rasch albern vor. Was brachte es schließlich, wenn er nicht wusste, ob es funktionierte? Zaubern war mehr als Sprüche und Handbewegungen. Das Entnervendste daran war der Gedanke, dass er hier tatsächlich zaubern könnte, wenn er einen Zauberstab hätte. Das Haus war abgeschirmt vom Ministerium. Aber dann, wenn er einen Zauberstab hätte, würde er ihn nicht benutzen, um alberne Zauber zu üben. Er würde einen Weg finden, von hier zu verschwinden. Sicher könnte Dumbledore ihm helfen. Er war ein manipulierender alter Mann, aber er wusste fast immer eine Lösung. Alles würde sich aufklären, Harry bekäme sein altes Aussehen zurück und Malfoy würde nach Askaban wandern, wo er hingehörte.
Doch wohin konnte Harry gehen? Die Dursleys waren tot. Vielleicht würden die Weasleys ihn aufnehmen, aber sie wären alle in Gefahr, wenn Harry im Fuchsbau wohnte. Er könnte in Hogwarts bleiben, aber war überhaupt jemand außer Filch in den Ferien in Hogwarts? Im Grunde hatte Harry niemanden, zu dem er gehen könnte. Vielleicht war es besser, dass man ihn für tot hielt. So waren zumindest alle sicher. Keiner würde mehr wegen ihm sterben, so wie Sirius, Cedric und seine Eltern... die Potters... seine Eltern. Je mehr er darüber nachdachte, desto frustrierter wurde er.
Am liebsten wäre Harry auch zu den Mahlzeiten in seinem Raum geblieben, aber die Elfen weigerten sich, ihm Essen ins Zimmer zu bringen. Malfoys Verdienst, ohne Zweifel. Harry hatte nicht vor, zu verhungern, also ging er nach unten, jedes Mal ärgerlicher. Doch wie unfreundlich er auch war, Narcissa würde nur schweigend lächeln, Draco auf seinen Teller starren und Malfoy ein paar gleichmütige, unbeeindruckte Bemerkungen von sich geben. Es machte ihn verrückt.
Eines Morgens wachte Harry auf und fand einen Stapel Pakete vor seinem Bett. Er betrachtete sie einige Sekunden lang verwirrt, bis ihm klar wurde, dass es sein Geburtstag sein musste. Plötzlicher Zorn wallte in ihm auf. Er ignorierte die Pakete und begann seinen Tag wie immer. Nachdem er sich angekleidet hatte, ging sein Blick automatisch zu den Paketen zurück. Es waren eine Menge Pakete. Sie erinnerten Harry an Dudleys Geburtstage. Natürlich hatten die Dursleys ihm nie etwas geschenkt. Aber normalerweise würden nun die Eulen seiner Freunde eintreffen. Mrs. Weasley hätte sicher einen Kuchen gebacken. Hagrid würde ein Paket seiner ungenießbaren Kekse schicken. Die Weasleyzwillinge würden ihn ohne Zweifel über den Fortschritt ihrer Geschäfte informieren und ein paar ihrer neusten Erfindungen mit dazugeben. Schließlich würden Ron und Hermione ihm ein paar sorgsam ausgewählte Geschenke senden, dazu aufmunternde Briefe in denen sie berichteten, wie ihre Ferien verlaufen waren, vielleicht eine Einladung in den Fuchsbau. Oder nach Grimmauld Place.
Harry unterdrückte die Tränen, die aufsteigen wollten. Nur von Sirius würde dieses Jahr nichts kommen. Doch nun erreichte ihn keine dieser Eulen. Sie hielten ihn für tot. Was dachten sie wohl jetzt? Trauerten sie um ihn? Trauerten sie um den „Retter der Zaubererwelt"? Oder hatten sie ihn vielleicht schon vergessen? Nein, Ron und Hermione würden an ihn denken. Sicher auch die Weasleyzwillinge. Und Mrs. Weasley. Dumbledore... Dumbledore war sicher schon längst damit beschäftigt, neue Pläne zu schmieden. Einige andere Leute feierten möglicherweise... Snape zum Beispiel. Harry betrachtete die Pakete hasserfüllt. Er wollte keine Geschenke von IHNEN, denen, die ihn aus seiner Welt herausgerissen hatten. Geburtstagsgeschenke sollte man von Freunden bekommen, diese Leute hatten ihn aller seiner Freunde beraubt.
Sein Blick fiel auf eine Pergamentrolle zuoberst aller Pakete. Harry nahm sie widerwillig. Es war ein Brief, in einer kunstvoll geschwungenen Handschrift, die unverkennbar weiblich war. Narcissa, ohne Zweifel. Eigentlich hatte er nicht die Absicht, ihn zu lesen, aber Neugier siegte über Abneigung.
Geliebter Tigris,
Wir wissen, du bist noch sehr zornig über alles, was geschehen ist. Es war für uns alle ein Schock, für dich am meisten. Du brauchst Zeit, wir verstehen das. Wir möchten dir dennoch etwas zum Geburtstag schenken. Sieh es als einen Teil der Wiedergutmachung für all die Jahre, die wir nicht für dich da sein konnten. Wir sind deine Eltern und wir lieben dich. Es ist im Moment vielleicht schwer für dich, das einzusehen, aber es ist die Wahrheit.
Lucius und Narcissa
Harry starrte auf die Geschenke. Der Brief rief unterschiedliche Gefühle in ihm wach. Sie waren nicht seine Eltern. Sie liebten ihn? Wie konnten sie, sie kannten ihn doch gar nicht! Außerdem wussten sie gar nicht, was Liebe war, sie waren Todesser. Verständnis? Unsinn. Wiedergutmachung? Für was? Für das Leben, das sie ihm weggenommen hatten? Für all die Jahre, in denen die Dursleys ihn wie Dreck behandelt hatten? Für all die Jahre, in denen er nicht gewusst hatte, dass er ein Zauberer war? In denen die Dursleys ihn glauben machten, er wäre wertlos, abnormal, eine Last, personifiziertes Unglück? Für was, in aller Welt? Aber da war auch noch etwas anderes. Ein merkwürdiges Gefühl. Es war fast, als fühlte er sich schuldig, dass er so dachte. Es machte Harry wütend. Sie waren nicht seine Eltern! Wieso sollte er sich schuldig fühlen, wenn er sie verabscheute? Wenn er alles, was von ihnen kam verabscheute? Sie hatten es verdient, dass er sie verabscheute. Sie waren Todesser. Mörder. Abschaum. Dennoch... warum schmerzten ihn diese Gedanken dann so?
In wütender Hilflosigkeit begann er, das Papier von den Paketen zu reißen. Er warf es zornig zur Seite und trat danach, als es zu leicht war und vor ihm zu Boden segelte. Da waren Bücher, alle Schulbücher, die er jemals besessen hatte. „Die Geschichte von Hogwarts". „Fliegen mit den Cannons"... woher konnten sie wissen, dass Harry dieses Buch besessen hatte? Da waren ein Kessel und eine Reihe Glasphiolen, eine Menge Gläser mit Zaubertrankzutaten... dank der Bücher erkannte Harry nun etliche davon. Eine Festrobe. Ein Besen... Firebolt Advanced stand auf dem Griff. Kurz, alle Dinge, die im Haus der Dursleys verbrannt waren, nur teurer, neuer. Bis auf seinen Unsichtbarkeitsmantel, den Zwei- Wege- Spiegel und die Karte der Marauder natürlich. Eine große Truhe mit Schnitzereien und Verzierungen. Es waren mehrere Schlüssel dabei. Harry vermutete, es war eine Truhe, wie Moody sie besessen hatte, jeder Schlüssel öffnete einen anderen Inhalt. Er wollte es nicht ausprobieren. Er fühlte sich verhöhnt. Es war, als wollten sie die Tatsache, dass sie ihm seine Vergangenheit weggenommen hatten ausgleichen, indem sie seine früheren Besitztümer durch teurere ersetzten. Aber es waren SEINE Sachen gewesen. Jedes davon verbunden mit Erinnerungen. Wie er erfahren hatte, dass er ein Zauberer war, und Hagrid ihn mit nach Diagon Alley genommen hatte. Hermiones ständige Zitate aus „Die Geschichte von Hogwarts". Ron hatte ihm das Quidditchbuch geschenkt. Selbst Lockharts lächerliche Werke erinnerten Harry an Ginnys erstes Jahr.
Er starrte finster darauf. Malfoys Ränke hatten sie beinahe umgebracht, nur für einen politischen Vorteil... um Arthur Weasley loszuwerden. Der Besen... wie konnte jemals der Besen ersetzt werden, den Sirius ihm geschenkt hatte? Dieser Besen war nun Asche. Für immer verloren, wie Sirius selbst. Harry hieb mit der Faust auf den Boden. Wenn wenigstens Ron ihn bekommen hätte! Aber sie mussten ja ein Feuer legen, ein Feuer das jegliches Erinnerungsstück zerstörte. Als könnten sie die Vergangenheit dadurch ungeschehen machen. Nichts konnte die Vergangenheit ungeschehen machen. Es schmerzte nur noch mehr, nun, da er nichts mehr hatte, um sich daran festzuhalten. Es waren auch andere Sachen dabei. Roben. Einige der Bücher, die Harry in den vergangenen Tagen gelesen und interessant gefunden hatte. Einige Bücher über ähnliche Themen, die er noch nicht kannte. Eine Brosche und ein Ring mit dem vertrauten Symbol aus zwei Schlangen und einem Schwert. Harry kam zu dem Schluss, dass es das Malfoy- Familienwappen sein musste.
Harry erinnerte sich daran, wie Sirius verächtlich einen ähnlichen Ring wegwarf. Den Ring seines Vaters. Er fasste keine der Sachen zweimal an. Selbst wenn er ein Malfoy war, es bedeutete nicht, dass er denken musste wie sie. Sirius hatte nicht gedacht wie seine Eltern und sein Bruder. Er war von zuhause weggelaufen, als er so alt war wie Harry jetzt. Er hatte seine eigene Entscheidung getroffen. Unwillkürlich ging Harrys Hand zu seiner Halskette. Sirius war zu den Potters geflüchtet, zu seinem besten Freund James. Wohin sollte er gehen? Er hatte keinen Platz, wo er bleiben konnte. Die Weasleys? Vielleicht würden sie ihm nicht einmal glauben, wenn er sagte, wer er war. Vielleicht würden sie ihn für einen Spion halten. Immerhin sah er aus wie ein Malfoy, eine Familie dunkler Zauberer. Harry lachte bitter auf. Es war ironisch. In gewisser Weise war Harry Potter tatsächlich tot. Da war nichts übrig, was das Gegenteil bewies.
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Beim Frühstück verhielt Harry sich, als wäre nichts geschehen. Er bemerkte, dass Narcissa ihm forschende Blicke zuwarf, aber ignorierte sie. Er hatte das Bedürfnis, sie anzusehen und zu fragen: „Was?", aber er ließ es. Er wusste selbst nicht genau warum. Plötzlich stand sie auf und entschuldigte sich. Er atmete fast erleichtert auf. Draco legte sein Besteck zur Seite. Als Harry aufsah, begegnete er seinem zornigen Blick.
„Was?", fragte er diesmal laut.
Draco ballte die Fäuste. „Es ist dir egal, nicht wahr? Wie unglücklich du sie machst, meine ich. Du könntest dich wenigstens bedanken."
„Draco!", sagte Mr. Malfoy scharf.
Draco warf seinem Vater einen ärgerlichen Blick zu.
Harry lehnte sich zurück. „Warum sollte ich?"
„Es ist ein Akt der Höflichkeit.", antwortete Draco zornbebend. „Natürlich kannst du das nicht wissen, ignoranter Flegel der du bist."
„Draco!", wiederholte Mr. Malfoy, diesmal mit einem gefährlichen Unterton.
Draco sah ihn an. „Entschuldige, Vater, ich weiß ich habe die Grenze überschritten. Aber weißt du was? Es ist mir egal. Ich kann ihn normalerweise ignorieren, aber ich werde nicht zulassen, dass er Mutter verletzt – und du solltest es auch nicht. Wenn du mich nun entschuldigen würdest... Wenn ich hier bleibe tue ich etwas, das ich bereue. Ich warte in meinem Zimmer auf dich."
Mit diesen Worten stand er auf und verließ den Raum. Harry sah ihm nach, dann zuckte er mit den Schultern und aß weiter. Er fühlte Mr. Malfoys Blick auf sich ruhen.
„Denkst du wirklich, es gibt keinen Grund, dich bei ihr zu bedanken?", fragte Malfoy schließlich. „Ich verstehe, wenn du mir nicht danken willst. Aber sie hat nie etwas getan, um deinen Hass auf sich zu ziehen. Also warum?"
Harry legte sein Besteck beiseite und starrte ihn an.
„Warum?" Seine Stimme bebte leicht. „Sie fragen mich warum?" Harry ballte die Faust. „Warum sollte ich Ihnen für Geschenke danken? Sie haben mich aller meiner Besitztümer beraubt, meines Vermögens, meiner Erinnerungsstücke, meines Erbes! Warum sollte ich Ihnen für ein paar Dinge wie diese danken? Es ist nur ein Bruchteil dessen, was Sie mir genommen haben!"
Er widerstand der Versuchung mit der Faust auf den Tisch zu schlagen.
„Die Potters waren nicht deine Eltern.", entgegnete Malfoy ruhig.
Harry hasste seine Ruhe. Wahrscheinlich tötete er selbst mit dieser Ruhe. Er hatte den Drang, ihm ins Gesicht zu schlagen, nur um diese ruhige Fassade zu durchbrechen.
„Ihr Vermögen war nie dein Erbe."
Harry biss die Zähne zusammen. Er wollte das nicht hören.
„Vielleicht nicht.", zischte er. „Aber das ist nicht alles, was Sie mir genommen haben. Das Potter Vermögen war niemals so wertvoll für mich, es war nur Gold in einem Verließ."
„Dann was?", fragte Malfoy. Er wirkte verwirrt.
Harry lachte kalt auf. Plötzlich wusste er genau, was Malfoy am meisten treffen würde. Menschen waren Malfoy egal. Geld und Status andererseits... „Sie wissen es nicht? Wie ironisch, bedenkt man, wer ihre Frau ist. Ich freue mich, es Ihnen zu erklären. Wussten Sie, dass Sirius Black mein Pate war? Er war der letzte lebende Black und er hat mich zu seinem Erben ernannt. Ich bin... war... der Besitzer des gesamten Vermögens der Familie Black."
Malfoy erbleichte, als ihn die Erkenntnis traf. Harry lächelte böse. Also war seine Fassade doch nicht so perfekt.
Mit einer sadistischen Freude fuhr Harry fort. „Wissen Sie, was mit diesem Vermögen passiert ist? Sie werden es lieben, das zu hören... Ich habe ein Testament hinterlassen. Ich hinterließ mein gesamtes Vermögen einer Familie, der ich sehr viel schulde..."Er machte eine genussvolle Pause. „... den Weasleys."
Der Horror im Gesicht seines Gegenübers war das beste Geburtstagsgeschenk, das Harry sich hätte wünschen können.
Harry grinste. „Wenn Sie mich nun entschuldigen würden..."
Er verließ den Raum mit deutlich besserer Laune, als er ihn betreten hatte. Kurz bevor die Tür sich schloss, hörte er das Krachen eines umfallenden Stuhls. Harry kicherte leise und beeilte sich, in sein Zimmer zu kommen. Er hatte nicht wirklich vor, sich mit einem wütenden Lucius Malfoy auseinanderzusetzen. Obwohl... es könnte amüsant sein. Narcissa stand oben an der Treppe und sah ihn mit bleichem Gesicht an.
„Was hast du zu ihm gesagt, Tigris?"
Harry grinste sie an. Nicht einmal der verdammte Name konnte seine gute Laune jetzt stören.
„Fragen Sie ihn doch."
Er ging leichten Schrittes an ihr vorbei und in sein Zimmer, wo er die Tür hinter sich schloss. Es konnte doch noch ein guter Tag für ihn werden.
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DIESER VERFLUCHTE JUNGE. ER HAT MICH DOCH TATSÄCHLICH DAZU GEBRACHT, DIE FASSUNG ZU VERLIEREN. Lucius starrte auf die zerbrochenen Stühle vor sich, dann reparierte er sie mit einer Bewegung seines Zauberstabs. Den Weasleys... von allen Leuten... als wenn ein armer Arthur Weasley nicht Plage genug wäre. UND DA DACHTE ICH, EIN TOTER HARRY POTTER WÄRE NICHT MEHR IN DER LAGE, MIR DAS LEBEN ZUR HÖLLE ZU MACHEN. Lucius lachte plötzlich, aber es war ein etwas hysterisches Gelächter. ER WIRD MICH NOCH AUS DEM GRAB VERFOLGEN. DAS IST NICHT WITZIG. Er beruhigte sich ein wenig, als Narcissa um die Ecke sah.
„Lucius?"
„Frag nicht.", entgegnete er. Er starrte zur Decke. Er musste noch mit Draco reden. Er konnte ihn verstehen, aber er konnte ein solches Benehmen nicht dulden. Kein guter Zeitpunkt. Er seufzte tief.
„Er hat das Black Vermögen den Weasleys vermacht."
Narcissa starrte ihn mit großen Augen an. „Das hat er nicht. ... Wie?"
Lucius grinste humorlos. „Dein Idiot von Cousin. Offenbar war er sein Pate. Und natürlich hat er. So, wie er immer mit dem Weasley Jungen herumgehangen hat, mit der ganzen Bande von ihnen... sie müssen etwas wie eine zweite Familie für ihn gewesen sein. Denk darüber nach... diese Muggel mit denen er gelebt hat... Es waren Weasleys, aber es waren die einzigen vernünftigen Leute, die er kannte."
„Ich verstehe.", flüsterte sie.
Dann fiel sie in Ohnmacht. Großartig. Einfach großartig.
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Harry weigerte sich, zum Mittagessen nach unten zu kommen und ignorierte seinen knurrenden Magen. Immerhin war er Hunger gewöhnt, die Dursleys hatten ihm manchmal tagelang nichts zu Essen gegeben. Stattdessen blätterte er in einem Buch über Zaubertrankzutaten und versuchte, die Gläser, die er geschenkt bekommen hatte, zuzuordnen. Nachdem er das geschafft hatte, beschriftete er sie. Er erinnerte sich daran, dass Snapes Gläser alle beschriftet waren. Es war nicht wirklich ersichtlich warum, sicher kannte Snape die Zutaten auswendig. Aber es war praktisch. Harry ertappte sich dabei, dass er beim Zuordnen darüber nachdachte, wofür man die einzelnen Sachen benutzen konnte. Es war erstaunlich, anscheinend hatte er wirklich einige der Tränke behalten, über die er gelesen hatte. Er überraschte sich selbst. Es war so viel einfacher, wenn er ein Tränkebuch ohne automatische Antipathie in die Hand nahm. Wo war die Antipathie geblieben? Er wusste es selbst nicht genau. Als er fertig war, setzte er sich auf den Balkon und begann ein Buch über Geschichte zu lesen. Es war nicht wie die Bücher, die Binns ihnen zu lesen gab. Tatsächlich war es die Geschichte der Gründer von Hogwarts, die eine Menge über die Zeit enthielt, in der sie lebten.
Das Abendessen verlief schweigend. Draco sah Harry nicht einmal an. Sein Gesicht war starr, und wenn er in Harrys Richtung sah, sah er durch ihn hindurch. Narcissa und Malfoy ignorierten ihn beide. Narcissa lächelte kein einziges Mal. Harry fühlte sich mies, nachdem er gegangen war. Gleichzeitig ärgerte er sich darüber, dass er sich mies fühlte, weil er wusste, dass die Ursache dafür Narcissa war. Sie war nicht seine Mutter, was kümmerte es ihn, wenn sie unglücklich war? Wahrscheinlich regte sie sich darüber auf, dass die Weasleys das Black Vermögen bekommen hatten. Wie erbärmlich. Sirius hatte seine Familie gehasst und die Weasleys gemocht. Er hätte Harrys Entscheidung zugestimmt. Die Weasleys waren gute Zauberer, die Gutes mit dem Geld anfangen würden. Im Gegensatz zu den Malfoys oder den Lestranges. Außerdem brauchten sie das Geld. Es gab keinen Grund, die Weasleys nicht zu mögen, außer wenn man ein Gefolgsmann Voldemorts war.
Was die Malfoys waren. Deswegen verabscheute Harry sie. Deswegen würden sie nie seine Familie sein, ob er mit ihnen verwandt war oder nicht. Was er nicht war. Er hatte Kopfschmerzen, als der Abend weiter voranschritt, also ging er zu Bett und fiel in einen unruhigen Schlaf.
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Der nächste Tag verlief nicht anders, als die Tage zuvor. Zwei Tage später war Harry auf dem Weg zur Bibliothek, als er Stimmen vom Erdgeschoss hörte. Malfoy hatte offenbar Besuch. Harry erstarrte, als er die Stimme erkannte.
„Ja, die Weasleys sind in das alte Potter Herrenhaus umgezogen.", sagte jemand in seidigem Tonfall. „Dumbledore ermutigte sie dazu. Die Zwillinge sind allerdings im Fuchsbau geblieben. Ich denke, Dumbledore versucht, Arthur Weasley als seriös hinzustellen. Er baut seinen Einfluss im Ministerium aus, es scheint, dass er versucht Fudge zu ersetzen. Weasley wäre ein guter Kandidat, schließlich ist er im Orden, wie der größte Teil der Familie..."
Harry überlief bei diesen Worten ein kalter Schauer. Sie sollten nicht über den Orden Bescheid wissen. Wieso redeten sie darüber? Ein Verdacht keimte in ihm. Wenn er wahr war, musste Dumbledore darüber informiert werden. Aber wie?
„Wir sollten uns auf Percy konzentrieren. Er ist beeinflussbar und verabscheut seinen Vater. Die Familie hingegen versucht noch immer, ihn zurück zu gewinnen. Du hast einen Gast, Lucius?"
Harry erstarrte. In seinem Versuch zu lauschen, war er der Treppe zu nahe gekommen. Er trat aus dem Dunkel heraus und sah zu den beiden Männern in der Halle hinab.
„Tigris!", sagte Malfoy mit einem sehr gekonnten Lächeln. „Darf ich dir Severus Snape vorstellen. Er ist ein alter Freund der Familie."
Harry verbarg seinen Widerwillen hinter einer kalten Maske und kam die Treppe hinunter. Snape durfte nicht erfahren, wer er war. Nicht, wenn er nicht wusste, wo seine Loyalität lag. Wenn Snape ein treues Mitglied des Ordens gewesen wäre, hätte er Harrys Rettung sein können. Verdammt. Harry streckte seine Hand aus.
„Sehr erfreut. Mein Name ist Tigris Malfoy."
„Die Freude ist meinerseits."
Snape maß ihn mit einem stechenden Blick. Harry vermied es, ihm in die Augen zu sehen.
„Ich wusste nicht, dass Draco einen Bruder hat."
„Ich bin sein Cousin.", entgegnete er, bevor Malfoy antworten konnte.
„Der Sohn meiner Schwester Agrippinilla.", warf Malfoy ein.
Snape zog die Brauen hoch. „Tatsächlich? Entschuldige meine Neugier, aber ist er..."
„Nein, ist er nicht.", unterbrach Malfoy ihn.
Harry sah zu ihm, bevor das Gespräch noch gefährlicher wurde.
„Wenn du mich entschuldigst, Onkel... Ich war auf dem Weg zur Bibliothek."
„Natürlich, Tigris.", lächelte Malfoy.
Harry verneigte sich leicht. „Mister Snape."
„Er verbringt eine Menge Zeit in der Bibliothek.", hörte Harry Malfoy sagen, nachdem er gegangen war. „Ich hoffe, er endet nicht in Ravenclaw. Er erinnert mich an einen gewissen Bekannten von mir."
Die beiden lachten. Es war unheimlich, Snape offen lachen zu hören.
„Ach komm, so schlimm war ich nicht...", sagte Snape und Harry war schlecht.
„Also willst du ihn nach Hogwarts schicken?"
„Ja, dieses Jahr. Er ist in einem Schuljahr mit Draco, das wird von Vorteil sein."
„Er scheint ein intelligenter Junge zu sein. Ravenclaw ist nicht so schlimm, weißt du... solange es nicht Gryffindor ist..."
Sie lachten wieder, und Harry beeilte sich, außer Hörweite zu kommen, bevor ihm wirklich übel wurde.
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„So.", sagte Mr. Malfoy beim Abendessen. „Du weißt also, wie man sich benimmt, wenn du willst."
Harry warf ihm einen zornigen Blick zu. „Sicher. Ich bin kein Idiot."
„Nun, es würde es für uns alle einfacher machen, wenn du ein wenig dieses Wissens in unseren Alltag mit einfließen ließest."
„Danke.", entgegnete Harry mit einem spöttischen Lächeln. „Kein Interesse."
„Weißt du...", sagte Malfoy beiläufig, „Ich bin ein sehr geduldiger Mann, aber ich habe dir schon eine Menge Geduld gewidmet."
„Also was wollen Sie tun?", erwiderte Harry spöttisch. „Vernunft in mich hineinprügeln?"
Malfoy lächelte ihn an und trank einen Schluck Tee. „Bring mich nicht auf falsche Gedanken, mein Junge."
Es war das erste Mal, dass er Harry so nannte. Normalerweise reservierte er diese Bezeichnung für Draco und sprach Harry mit Tigris an. Draco warf seinem Vater einen raschen Blick zu, der Harry nicht entging.
„Bessere als Sie haben das versucht." Harry beobachtete Malfoy sorgfältig, als er das sagte. „Aber wem sage ich das? Sie waren schließlich dabei, oder?"
Malfoy erwiderte seinen Blick ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
„Du hast ein gutes Urteilsvermögen, was das „besser" angeht. Überraschend. Ich hoffe, das bleibt so."
Harry starrte ihn mit offenen Mund an und gewann nur langsam seine Fassung zurück. Malfoy grinste und aß schweigend zu Ende. Harry war noch zu geschockt um wie gewöhnlich früher aufzustehen. Malfoy hatte ihm die Worte im Mund umgedreht, so dass es klang als würde er... er hatte das nicht wirklich gesagt, oder? Aber das hatte er, nur hatte er es nicht so gemeint. Natürlich nicht. Es wäre absurd, Voldemort besser als irgendetwas zu bezeichnen. Bastard.
„Das Abendessen ist zu Ende.", sagte Malfoy amüsiert. „Gute Nacht zusammen. Schlaft gut, meine Söhne. Narcissa, Liebling..."
Die beiden standen auf und verließen den Raum. Draco grinste.
„Sind dir die Worte ausgegangen, Bruder?"
„Halt die Klappe.", fauchte Harry ärgerlich. „Und nenn mich nicht Bruder."
Dracos Grinsen verbreiterte sich noch. „Gute Nacht, Bruderherz."
Harry fuhr herum. „Sag das noch mal, und ich schwöre..."
„Was?", grinste Draco. „Mich zu verhexen? Zu verfluchen? Mir böse Grimassen zu schneiden?" Er ging an Harry vorbei. „Ich schlottere bereits vor Angst, Bruderherz."
Er winkte Harry zu und verschwand nach oben. Harry ballte die Fäuste und war kurz davor, einen kindischen Wutanfall zu bekommen. Langsam kam er zur Ruhe und kehrte in sein Zimmer zurück. Er hasste sie, alle von ihnen.
Vielen Dank an Lea, Padfoot's Mate, Kissymouse, Ilona, Momo-chan21989
Kissymouse: Dumbledore denkt, Harry ist tot.
