Disclaimer: Mir gehört nichts, nicht einmal die unverschämte Katze, die auf meiner Tastatur liegt (aber ich bin nicht sicher, ob sie nicht denkt ich gehöre ihr).


Schatten der Wahl

7. Auseinandersetzungen

Teil 2

Am nächsten Tag beschloss Harry, dass es keinen Grund für ihn gab, sich in seinem Raum zu verkriechen. Sicher, außerhalb seines Raumes würde er höchstwahrscheinlich einem der nervigen Malfoys begegnen. Na und? Er würde sie einfach ignorieren. Mit etwas Glück würde sie das zu Tode ärgern. Sie waren so von sich eingenommen, dass sie es sicher hassten, ignoriert zu werden. Der Gedanke hob Harrys Laune etwas.

Nach dem Frühstück machte Harry sich auf den Weg in die Bibliothek. Er setzte sich in einen der Sessel im hinteren Teil und vertiefte sich in Bücher über Verwandlungen. McGonagall hatte ihnen eine Menge Hausaufgaben gegeben, erinnerte er sich, um ihre Abwesenheit im letzten Jahr wett zu machen. Natürlich war sein Aufgabenzettel verbrannt, mit all den anderen Dingen. Harry hatte jedoch an den komplexeren Verwandlungen von Lebewesen, die sie im letzten Jahr durchgenommen hatten, Interesse gefunden. Zu seiner Freude gab es mehrere sehr interessante Bücher dazu in der Bibliothek. Sie stapelten sich schnell neben seinem Sessel, da die einzelnen Bücher verschiedene Aspekte der gleichen Sprüche beschrieben. Harry fand es schnell von Vorteil, in der Bibliothek zu lesen. Wenn er etwas in den Büchern, die er bereits hatte, nicht fand, brauchte er nur in den Regalen nachzusehen. Die meisten Bücher gaben auf einen einfachen Spruch hin Hinweise auf andere Bücher, die das Thema vertieften. Es beschämte Harry ein wenig, diesen Spruch erst jetzt gefunden zu haben. Er war sicher, Hermione hatte ihn schon in ihrem ersten Jahr beherrscht. Ebenso, wie den Spruch, der einen ein bestimmtes Buch im Regal finden ließ, oder den, der ein Buch dazu veranlasste, zu einem bestimmten Thema oder Kapitel zu blättern. Sie hätten ihm sicher viel Arbeit erspart, hätte er sich früher darum gekümmert, sie zu lernen. All die Zeit, die er in der Bibliothek verbracht hatte und er war nie auf die Idee gekommen, dass sie ihre eigene Magie hatte. Aber früher war er nie besonders belesen gewesen. Harry war zu sehr mit seinen Freunden und Quidditch beschäftigt gewesen. Er hatte eine Menge verpasst, wenn er im Nachhinein darüber nachdachte.

Zum ersten Mal seit Jahren konnte Harry Hermione wirklich verstehen. Er lächelte amüsiert. Wenn Hermione ihn jetzt sehen könnte... nein, wenn Ron ihn jetzt sehen könnte... er würde glauben, jemand hätte ihn verhext. Harrys Lächeln verblasste und er starrte auf sein Buch. Er sah nicht nur anders aus, er verhielt sich auch anders. Vielleicht war das ein Nebeneffekt des Trankes. Aber welchen Sinn hätte es, ihn zuvor weniger belesen zu machen? Es war nicht nur das, er war auch kälter. Er dachte mehr nach und kalkulierte, bevor er handelte. Vorher hatte er oft überstürzt gehandelt, gefühlsgetrieben. Er erinnerte sich an Professor Snapes Worte.

‚Narren, die ihr Herz auf der Hand tragen, die ihre Gefühle nicht kontrollieren können, die in schlechten Erinnerungen schwelgen und sich so leicht provozieren lassen – schwache Menschen, mit andern Worten – haben keine Aussicht gegen ihn...'

Harry würde den Mann nie mögen, aber im Nachhinein musste er zugeben, er hatte in gewisser Weise recht gehabt. Wenn er nachgedacht hätte, wenn er sich nicht hätte provozieren lassen... vielleicht hätte er Okklumentik gemeistert und Sirius wäre noch am Leben. Er war schwach gewesen. Er würde sich nie mehr erlauben, so zu sein. Harry grinste leicht. Immerhin hatte sich gut beherrscht, als er mit Snape zusammengetroffen war. Er bezweifelte, dass Snape irgendeinen Verdacht geschöpft hatte. Sogar Malfoy hatte es beeindruckt. Aber es hatte ihn auch darauf gebracht, dass Harry ihn mit Absicht provozierte... er hatte dadurch einen Vorteil verloren. Nicht, dass ihn das wirklich kümmerte. Im Gegenteil, es machte mehr Spaß, wenn Malfoy wusste, dass es Absicht war.

Vielleicht wurde er nur erwachsen. Vielleicht hatte er vorher einfach nicht gemerkt, wie viel Spaß es ihm machte, zu lesen, weil er noch nie soviel Zeit und Bücher gehabt hatte. Es war schwer zu sagen.

Als Harry nach dem Mittagessen in die Bibliothek zurückkehrte, wurde seine angenehme Einsamkeit ein wenig gestört. Draco kam und setzte sich ein gutes Stück entfernt von ihm an einen Tisch. Er sprach Harry jedoch nicht an, sondern vertiefte sich in, wie er schätzte, Schulaufsätze. Er schrieb die meiste Zeit und stand nur gelegentlich auf, um ein Buch zu holen. Das machte es einfach, ihn zu ignorieren. Draco erschien recht vertieft in seine Aufsätze zu sein, was Harry überraschte. Er hatte Draco nie für so wissbegierig oder gewissenhaft gehalten. Nun, das konnte Draco auch über Harry sagen.

Harry vertiefte sich in sein Buch – ‚Anspruchsvolle Verwandlungen des Lebendigen'– und tat so, als wäre er allein. Bis auf das Kratzen von Dracos Griffel auf dem Pergament störte ihn nichts dabei. Harry gewöhnte sich so daran, das es ihm auffiel, als es längere Zeit aufhörte. Als er aufsah, bemerkte er, dass Draco die Regale entlang ging, offenbar auf der Suche nach einem Buch. Harry fragte sich, ob Draco den Bücherfinde-Spruch nicht kannte. Er dachte einen Moment lang darüber nach, ihn darauf hinzuweisen, aber strich den Gedanken sofort. Draco würde ihn bestenfalls nur beleidigen und es würde gegen Harrys Vorsatz verstoßen, ihn zu ignorieren. Also vertiefte Harry sich wieder in sein Buch.

„Entschuldige, Tigris?"

Harry war überrascht, dass Draco ihn ansprach, noch dazu in einem zivilisierten Tonfall. Er bemerkte, dass er nur einen Schritt von ihm entfernt stand. Dennoch tat er so, als hätte er ihn nicht gehört. Einige Sekunden herrschte Stille.

„Sieh mich an, ich weiß, dass du mich gehört hast."

Diesmal klang er deutlich unfreundlicher. Harry fuhr fort, ihn zu ignorieren.

„Potter!", fauchte Draco schließlich.

Als auch das nichts brachte, zerrte er Harry das Buch aus der Hand. Harry zog es ärgerlich zurück und sah Draco an. Er war gerade bei einem spannenden Absatz gewesen.

„Was willst du?"

Draco grinste schief. „Na endlich, du bist also doch nicht stumm und taub."

Harry warf ihm einen ärgerlichen Blick zu und blätterte in dem Buch, um seine Seite wieder zu finden.

„Entschuldige.", sagte Draco überraschend.

Es verwunderte Harry genug, dass er ihn wieder ansah. Sein ehemaliger Feind – stopp, seit wann war das Vergangenheit? – focht offenbar einen inneren Kampf.

„Ich wollte dich fragen, ob ich dein Buch kurz ausleihen kann. Ich brauche es für meinen Aufsatz."

„Nein.", sagte Harry simpel.

Dracos Mund zuckte ein wenig, aber er blieb ruhig.

„Sieh mal, ich brauche es nur für eine halbe Stunde, dann bist du mich los. Bitte?"

So, er kannte also doch dieses Wort, dachte Harry amüsiert.

„Nein.", wiederholte er.

„Und warum nicht?", fragte Draco, langsam ärgerlich.

„Weil ich es gerade lese."

„Es gibt noch eine Menge anderer Bücher in dieser Bibliothek."

„Dann nimm doch eins davon."

„Es sind nicht die, die ich brauche!"

„Noch sind es die, die mich gerade interessieren."

„Du kannst es immer noch später lesen!"

„Aber ich will es jetzt lesen."

Draco griff nach dem Buch.

„Lies ein anderes!"

Seine grauen Augen funkelten nun vor Zorn. Harry hielt das Buch fest und lächelte spöttisch.

„Wenn dein Vater schon über deinen Spruch am Tisch verärgert war, was wird er wohl hierzu sagen?"

Draco versteifte sich und starrte ihn hasserfüllt an. Dann ließ er abrupt das Buch los und ging. Harry grinste und beobachtete über seinen Buchrücken hinweg, wie er die Regale durchsuchte. Harry wusste genau, dass es nichts bringen würde, schließlich befanden sich alle Bücher zu dem Thema auf dem Stapel unter seinem Tisch. Natürlich würde er eher eine unbekannte Süßigkeit von den Weasleyzwillingen essen, als Draco das zu sagen. Schließlich gab Draco auf und setzte sich wieder, um das durchzulesen, was er vorher geschrieben hatte.

Harrys gute Laune wurde gestört, als Malfoy eintrat. Draco erhob sich sofort. Harry tat, als hätte er ihn nicht bemerkt.

„In einer halben Stunde gibt es Abendessen.", verkündete Mr. Malfoy und ging zu Draco hinüber.

Harry fragte sich, ob Malfoy hier war, um ihnen das mitzuteilen. Es verwunderte ihn, dass er etwas tat, was eine Hauselfe hätte erledigen können. Er beobachtete ihn über den Rand seines Buches.

„Hast du deine Aufsätze beendet?", fragte Malfoy und blätterte durch die Pergamente auf dem Tisch.

Draco starrte auf den Boden. „Nein, Vater."

Malfoy hörte auf zu blättern und zog überrascht die Brauen hoch. „Nein?"

„Mir hat ein Buch gefehlt.", erklärte Draco.

Malfoy bedachte ihn mit einem kalten Blick. „Wirklich? Du enttäuscht mich, Junge. Das wären fünf dafür, dass du nicht erfüllt hast, was ich dir aufgetragen habe."

„Ja, Vater."

„Worauf wartest du? Knie dich hin."

Harry gefror und nahm nicht wirklich war, dass er sein Buch sinken ließ, als Draco seine Robe auszog und vor seinem Vater auf die Knie fiel. Als er sich vornüber beugte, sah Harry mehrere rote Striemen auf seinem Rücken, die schon etwas älter schienen. Sein Magen krampfte sich zusammen, aber er rührte sich nicht. Er fühlte sich wie erstarrt. Ihm war nicht ganz klar, warum er nicht geglaubt hatte, dass der ältere Malfoy etwas wie das tun würde. Harry starrte auf die beiden, während Malfoy mit einer Bewegung seines Zauberstabs eine Peitsche hervorzauberte. Vielleicht, weil Draco in der Schule immer so verwöhnt und arrogant wirkte. Oder weil Malfoy sich ihm gegenüber immer so gelassen verhalten hatte. Er schrie nicht oder wurde jähzornig, wie Harrys Onkel. Harry hatte wirklich geglaubt, trotz allem was er über diesen Mann wusste, er würde seine eigene Familie nicht anrühren.

Plötzlich erschien Dracos früheres Verhalten in einem anderen Licht. Es erschreckte Harry, wie ruhig Draco war. Als geschähe etwas alltägliches. VIELLEICHT IST ES DAS. Er sprang auf die Füße, als die Peitsche mit einem abstoßenden Geräusch Dracos Rücken traf. Sie hinterließ einen blutigen Striemen, der vor seinen Augen verheilte.

„Stopp!", rief Harry ohne Nachzudenken, als Malfoy ein zweites Mal ausholte. „Es ist nicht seine Schuld! Er hat mich nach dem Buch gefragt, aber ich habe mich geweigert, es ihm zu geben!"

Draco hob den Kopf ein wenig, offensichtlich überrascht. Malfoy sah ihn an.

„Also willst du, dass ich dich an seiner Stelle bestrafe?"

Harry verharrte und Malfoy lächelte spöttisch.

„Das dachte ich mir."

Ein zweiter Hieb traf Draco. Harry hörte, wie Draco zählte. Seine Stimme war ruhig dabei, fast unbeteiligt. Aber Harry sah ihn unter den Hieben zusammenzucken.

„Stopp!", wiederholte Harry. „Tun Sie es. Es ist meine Schuld."

Er griff nach den Verschlüssen seiner Robe. Malfoy hielt inne und musterte ihn mit einem kalkulierenden Blick.

„Lass das.", sagte er dann. „Ich werde das nicht tun. Außerdem gibt es mehr als ein Buch in dieser Bibliothek."

‚Aber ich habe sie alle genommen.' , wollte Harry sagen. Er blieb still. Offensichtlich hatte nichts was er sagte einen Effekt. Er sah zu, als Draco die restlichen drei Hiebe erhielt. Danach ließ Malfoy die Peitsche verschwinden und ging. Draco stand auf und zog sich wieder an. Er sah Harry nicht an. Aber Harry fühlte seinen Blick auf sich, als er die Bücher in die Regale zurückstellte. Es war seine Schuld. Warum hatte er sich geweigert, ihm das Buch zu geben? Es war kindisch. Er hätte sich denken können, dass es Folgen haben würde, wenn Draco seine Aufsätze nicht beendete. ABER DU HAST DARAN GEDACHT, sagte eine verräterische kleine Stimme in Harrys Inneren. DU HAST DARAUF GEHOFFT. DU HOFFTEST, ER WÜRDE ÄRGER BEKOMMEN. UND ER WEIß ES.

Es herrschte eine angespannte Stille zwischen ihnen, als sie zum Abendessen hinunter gingen. Diesmal blieb Harry bis zum Ende sitzen, obwohl alles in ihm danach schrie, zu gehen. Er sah, wie Draco in sein Zimmer ging, das sich direkt neben seinem eigenen befand. Einen Moment war Harry unsicher, aber dann klopfte er und öffnete die Tür. Dracos Zimmer war sehr ähnlich zu seinem eigenen. Es waren mehr Regale an den Wänden, die mit Büchern gefüllt waren. Es gab einen Tisch mit Geräten und Zutaten für Zaubertränke, offenbar war Draco wirklich interessiert daran. Eine Glasvitrine enthielt mehrere Waffen, unter anderem Dolche und einen Degen. Was Harry überraschte war das Klavier, das in einer Ecke des Raumes stand. Draco saß auf dem Bett, als er eintrat. Seine Augen verengten sich, als er Harry sah.

„Was willst du?"

„Wie geht es dir?", fragte Harry zögernd.

„Was kümmert es dich?", entgegnete Draco feindselig.

Harry wich einen Schritt zurück. „Ich... Es tut mir leid."

„Spar dir die Mühe."

Draco klang frostig.

„Ich brauche dein Mitleid nicht. Du hast es recht klar gemacht, was du von mir hältst. Wie man sieht rührt er dich nicht an. Du bist sein kostbarer Erstgeborener." Draco lächelte bitter. „Ich wusste immer, dass ich nicht gut genug für ihn bin, aber es ist schon hart, es so offensichtlich gezeigt zu bekommen."

Harry wusste nicht, was er dazu sagen sollte. „Ich wollte nie...", begann er hilflos, aber hielt inne, als er den Zorn in Dracos Augen aufflackern sah. Er starrte zu Boden.

„Zu deiner Beruhigung:", sagte Draco kalt. „Ich bin in Ordnung. Das war nichts. Ich bekam fünfzehn nach der Sache beim Frühstück. Etwas hat ihn aufgebracht. Es hatte nicht vielleicht etwas mit dir zu tun? Jetzt verschwinde hier. Ich habe genug von deiner überragenden Präsenz für heute."

Harry wusste nichts mehr zu sagen und ging.

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An diesem Abend fiel es Harry schwer einzuschlafen. Die Szene in der Bibliothek ging ihm immer wieder durch den Kopf. Er war angewidert von sich selbst. Er hatte gewusst, dass der Mann grausam und gewissenlos war. Er war ein Todesser, verdammt. Harry hatte ihn lachen gehört, als Voldemort den Cruciatus- Fluch sprach. Warum beschäftigte es ihn so? ER IST DEIN VATER, sagte die verräterische Stimme in seinem Hinterkopf. Harry presste sein Gesicht in sein Kissen. Nein, dieser Mann war nicht sein Vater. Das war Lucius Malfoy, Todesser, fanatischer Gefolgsmann von Lord Voldemort. Er war nicht sein Vater. James Potter war sein Vater. Ein Auror, Kämpfer für die richtige Seite. Der Mann, der gestorben war, um ihn zu retten, sein Patronus.

„Krone.", flüsterte Harry.

Er ignorierte die Tränen, die über seine Wangen liefen.

„Krone ist mein Vater, niemand sonst..."

Aber ein Teil von ihm wusste, das war nichts als eine Lüge.

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Als Harry am nächsten Morgen aufwachte, paralysierte ihn die Vorstellung, zum Frühstück hinunter zu gehen. Er fürchtete sich davor, Draco in die Augen zu sehen. Außerdem verabscheute er den Gedanken, neben Malfoy zu sitzen. Alles in allem war es ein komfortabler Gedanke, einfach liegen zu bleiben, und die Decke über den Kopf zu ziehen. Aber Harrys Magen war anderer Meinung. Er hatte am Abend zuvor nicht viel gegessen. Nun war er hungrig. Harry rollte sich zu einem Ball zusammen und versuchte, das Gefühl zu unterdrücken, aber es gelang ihm nicht für lange. Schließlich resignierte er und stand auf.

Das Frühstück verlief in unheilvoller Stille. Schließlich lehnte Malfoy sich zurück und bedachte Harry mit einem nachdenklichen Blick.

„Es scheint, dass du dich inzwischen eingelebt hast, Tigris.", sagte er mit falscher Freundlichkeit. „Vielleicht ist es Zeit, ein paar Regeln festzulegen."

Harry warf ihm einen zornigen Blick zu.

„Ich werde mich nie hier einleben.", spie er giftig. „Wieso sollte ich mich an irgendeine REGEL halten, die SIE festlegen?"

Narcissa sah ihn an, dann Malfoy, und runzelte die Stirn.

„Ist etwas passiert, von dem ich nichts weiß?"

Harry sah sie wütend an. „Warum fragen Sie nicht Ihren Ehemann?"

Sie wandte sich verwirrt Malfoy zu. „Lucius?"

„Halt dich da raus, Narcissa.", entgegnete Malfoy in seinem gewöhnlichen ruhigen Tonfall.

Narcissas Blick wurde schlagartig besorgt, aber sie wandte sich ab und sah auf ihren Teller.

„Erteilen Sie allen ihren Familienmitgliedern Befehle?", fauchte Harry. „Was, wenn sie es nicht tut? Schlagen Sie sie dann ebenfalls?"

Seine Wut wurde plötzlich zuviel für ihn. Er sprang auf. Sein Stuhl fiel klappernd zu Boden und er stürzte aus dem Raum.

„Bleibt sitzen.", sagte Malfoy hinter ihm warnend.

Harry durchquerte die Halle, aber als er an die Treppe kam, traf er auf eine unsichtbare Wand.

„Ich wollte mit dir reden.", sagte Malfoy hinter ihm.

Harry fuhr herum und ballte die Fäuste.

„Wozu? Ich werde niemals auf das hören, was Sie sagen!"

Malfoys Augen verengten sich.

„Also fällst du auf die Knie auf Befehl eines dreckigen Muggel, aber du verweigerst dich deinem eigenen Vater?"

„Sie sind nicht mein Vater!", schrie Harry. „James Potter ist mein Vater! Ich bin nicht verwandt mit Ihresgleichen und werde es nie sein!"

„Bei Merlin, sieh in den Spiegel, Bruder!", rief Draco. Harry hatte nicht bemerkt, dass er ihnen gefolgt war. Nun stürmte er an ihm vorbei die Treppe hoch.

„Draco!", rief Malfoy aufgebracht, aber sein Sohn war schon im oberen Korridor verschwunden.

Malfoy kochte. Er deutete mit dem Zauberstab auf Harry. „Du..." Er wandte sich ruckartig ab. „Komm mit!"

Er ging mit energischen Schritten auf eine Tür neben dem Treppenansatz zu. Eine unsichtbare Kraft zog Harry hinter ihm her. Harry versuchte, dagegen anzukämpfen, ohne Erfolg. Es war, als wäre er durch ein Seil mit ihm verbunden.

Hinter der Tür führte eine schmale Steintreppe hinab. Harry folgte Malfoy unfreiwillig immer tiefer und fühlte sich von Stufe zu Stufe unwohler. Was wenn er zu weit gegangen war? Aber Malfoy behauptete, er wäre sein Vater. Sicher würde er nicht wirklich seinen eigenen Sohn verletzen. SICHER, schnaubte seine innere Stimme. SIEH, WAS ER ERST GESTERN GETAN HAT. SELBST WENN, gab eine andere Stimme zurück. ICH WERDE NICHT KLEIN BEI GEBEN. ICH WERDE NICHT ANFANGEN, DIESEN MANN ALS VATER ZU BEZEICHNEN UND SEINEN VERRÜCKTEN REGELN ZU FOLGEN. WAS IMMER ER TUT. Trotzdem jagte Harry der Gedanke Angst ein, wozu Malfoy fähig sein mochte, wenn er nur wollte. Am Ende der Treppe kamen sie in einen langen, schmalen Gang. Das einzige Licht kam von Malfoys Stab, irgendwann auf dem Weg nach unten hatte er wohl einen Lumos- Zauber gesprochen. Harry fragte sich, wie tief unter der Erde sie waren. Die Wände des Ganges bestanden aus rohen Felsen, in denen hin und wieder Symbole eingegraben waren, das häufigste drei Spiralen, die ineinander übergingen.

Harrys Gedankengang wurde unterbrochen, als sie eine große unterirdische Höhle erreichten. Malfoy schwenkte seinen Stab in einer kreisförmigen Bewegung.

„Lucesce!"

Von einem Moment auf den anderen war die Kammer taghell, ohne das irgendwo eine Lichtquelle zu sehen war. Als sich Harrys Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten, sah er sich um. In der Mitte stand ein Steinaltar mit einer steinernen Schale darauf. In seine Platte waren Zeichen eingegraben, die uralt wirkten. Rechts und links waren Nischen in den Stein gehauen, in denen kleinere Schalen standen. Aber Malfoy ging ohne ihn zu beachten an dem Altar vorbei auf die Rückseite der Höhle zu. Die Decke wurde zum hinteren Ende höher, bis sie vielleicht acht Meter hoch war. Die Höhle endete vor einer riesigen Tafel aus grünem Diabas- Gestein, die die gesamte hintere Wand einnahm. Als sie näher kamen, sah Harry, dass ein Baum silberner Namen sie einnahm, der irgendwo an der Decke entsprang. Viele Zweige endeten auf halber Höhe, einige wenige verliefen weiter bis zu ihnen. Die obersten, die Harry noch lesen konnte, waren in Runen geschrieben. Weiter unten verwandelte sich die Schrift in altertümliches Latein, bis sie schließlich etwa eineinhalb Meter über ihnen die Form heute üblicher Druckschrift annahm. Auf einer Platte auf dem Boden davor war das Malfoy- Familienwappen eingraviert. Eine Zeile darüber war in Runen geschrieben, eine andere in Latein.

‚Gens Malifontis nobilis omnisque'

Es bedurfte nicht viel Fantasie zu erkennen, das dies der Stammbaum der Malfoys war. Wider Willen betrachtete Harry ihn beeindruckt.

„Sieh her!", sagte Malfoy. Harry trat unwillig näher und starrte auf die Namen, auf die Malfoy zeigte. Die meisten Namen waren in einem dumpfen, dunklen Silber. Einige waren braun, wie getrocknetes Blut – so wie der Name „Agrippinilla Malfoy – Billard", der sich neben Lucius' befand. Etwas weiter oben, neben Abraxas Malfoy, Lucius' Vater, führte ein Zweig zu Eusebia Snape. Harry schauderte. Hieß das Snape und Malfoy waren Cousins? Sein Blick wanderte zu dem Punkt, auf den Malfoy zeigte. Diese Namen waren in einem helleren, leuchtenden Silber geschrieben. Lucius und Narcissa Malfoy und darunter erst Livia (in dunklem Silber), dann Tigris und zuletzt Draco. Er starrte darauf.

„Warum stehen sie nicht auf dem Black- Familienstammbaum?", fragte Harry abweisend.

„Du hast den Stammbaum der Blacks gesehen?", fragte Malfoy überrascht. Dann zuckte er mit den Schultern. „Ich nehme an, er wurde im Mittelalter geschaffen. Vermutlich erneuert er sich nicht durch das Blut an sich, sondern durch die Akten des Ministeriums. Es tauchen keine Namen darauf auf, die nie in einer Schule als Zauberer eingeschrieben wurden – wie Livia – oder nie offiziell als Familienmitglied anerkannt, so wie du. Dieser Baum hier ist anders, seine Magie ist alt und mit unserem Blut verwoben. Sobald ein Kind einen Namen erhält erscheint es hier, und die Namen können niemals entfernt werden."

Harry starrte abwehrend auf die silbernen Buchstaben. „Was ist, wenn jemand enterbt wird, so wie Sirius oder Andromeda von ihrer Familie?", fragte er spöttisch. „Können Sie ihn nicht auslöschen?"

„Tatsächlich nicht.", antwortete Malfoy mit einem Hauch von Ärger. „Aber das Silber würde verschwinden. Während mit dem Tod eines Familienmitglieds nur der Glanz des Silbers erlischt, färbt sich der Name eines Verräters an unserer Blutlinie rot – oder braun, wenn er stirbt."

„Also bin ich angeblich der Sohn einer solchen Verräterin?", fragte Harry zynisch, auf den braunen Namen Agrippinillas deutend.

Malfoys Gesicht verdüsterte sich. „Sie lief davon, schwanger, zu einem Muggel. Töricht von ihr, denn er verließ sie, als er herausfand, dass sie eine Hexe war, und heiratete eine andere. Das Kind starb bei der Geburt."

„Warum erscheint es hier nicht?", fragte Harry, wider Willen neugierig.

„Sie starb bei der Geburt, so wurde es nie benannt. Es würde auch nur auftauchen, hätte sie es Malfoy genannt. Keins der Kinder unserer Frauen mit anderem Namen erscheint hier. Das ist offenbar ebenfalls ein Unterschied zum Stammbaum der Blacks. So wie ich es verstanden habe, steht Draco dort?"

„Ja.", murmelte Harry. Dann machte er eine ungeduldige Geste zu dem Stammbaum hin. „Das beweist nichts. Es zeigt nur, dass Sie einen Sohn haben, der Tigris heißt, sonst nichts."

Malfoy seufzte frustriert. „Wie lange willst du das Offensichtliche noch leugnen, Tigris? Wie du willst. Wie ich bemerkt habe, hast du ein Interesse für Tränke. Komm mit."

Wieder wurde Harry hinter Malfoy hergezogen, Treppen hinauf und durch mehrere Gänge hindurch, bis sie sich in einem Tränkelabor befanden.

„Hier.", sagte Malfoy. „Brau den Paternitas Trunk. Wenn du das getan hast, reicht dir das Ergebnis hoffentlich als Beweis, weil ich langsam meine Geduld verliere. Ich habe dir viel Zeit gegeben, aber wir haben keine Ewigkeit zur Verfügung."

Damit ging er und schlug die Tür hinter sich ins Schloss. Harry war zu verblüfft, um zu reagieren. Als er schließlich an die Tür kam, war sie verschlossen. Er war eingeschlossen in einem Labor voller mysteriöser Zutaten und Bücher. Harry war sich ziemlich sicher, dass er es nicht verlassen würde, bis er diesen Trunk gebraut hatte. Plötzlich wünschte er sich, er hätte Professor Snape mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

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Harry tigerte vor der Tür auf und ab. Er war wütend und ganz und gar nicht in der Laune, etwas zu tun, was Malfoy ihm befohlen hatte. Allerdings wurde er langsam hungrig und nirgendwo war eine Hauselfe in Sicht. Würde Malfoy ihn in diesem Raum verhungern lassen, wenn er sich weigerte, ihm zu gehorchen? Irgendwann würde er ihn ohnehin umbringen. In dem Moment, in dem er begriff, dass Harry nicht die Rolle seines Sohnes spielen würde. Der Gedanke, was ein wütender Lucius Malfoy tun könnte, erschreckte Harry, aber er würde nicht klein bei geben. Er hatte sich Voldemort widersetzt, was war Lucius dagegen? Harry starrte auf die Regale voller Töpfe, Phiolen und Bücher. Er machte sich nichts vor, er war unfähig, was Tränke anging. Er mochte sie theoretisch interessant finden, aber das Brauen an sich war etwas anderes. Ob Snape nun hinter ihm stand oder nicht. Er war einfach nicht dafür geschaffen. Lucius musste ihn beobachtet haben, um zu wissen, dass er sich mit Tränken beschäftigt hatte. Harrys Wut auf den Mann stieg und stieg, aber sein Hunger wuchs ebenfalls.

Schließlich entschied er sich, es zumindest zu versuchen. Er griff nach einigen Büchern und bekam schnell Kopfschmerzen von dem schwachen magischen Licht, das den Raum erhellte. Zu seiner Überraschung fand er den Trank recht schnell. Es war kein einfacher Trank, aber Snape hatte sie schon Kompliziertere brauen lassen. Andererseits, Harry hatte keinen einzigen davon richtig hinbekommen. Er seufzte und suchte die Zutaten zusammen. Das war ebenfalls kein einfaches Unterfangen. Sie waren ungeordnet, einige waren verdorben, etliche nicht beschriftet. Zum Glück gab es ein Buch, anhand dessen er sie zuordnen konnte. Als Harry alles was er brauchte zusammengesucht hatte, hatte sein Körper akzeptiert, dass er in vorerst kein Essen bekommen würde, und der Hunger war einem dumpfen Ziehen in seiner Magengegend gewichen, das Harry zu ignorieren gewohnt war. Das Feuer entfachte sich von selbst, als er den Kessel darauf stellte.

Einige Zeit später starrte Harry auf einen giftgrünen Trank, wo sich ein blassgelber befinden sollte. Er nahm ihn frustriert vom Feuer und schüttete ihn in den Abguss. Nachdem er den Kessel sauber geschrubbt hatte – das war zumindest etwas, das er beherrschte, nach unzähligen Strafarbeiten mit Snape – begann er von vorn. Diesmal las er sich die Anleitung sorgfältiger durch. Als er die vorletzte Zutat hinzufügte, verfärbte sich der Trank in ein hässliches Rotviolett. Er sollte nach Pfefferminze riechen, aber der widerwärtige Gestank, der aus dem Kessel hochstieg, war alles andere als Pfefferminze. Ärgerlich schüttete Harry auch diesen Trank in den Abguss. Als er den Kessel abstellte, gab der Abguss ein zischendes Geräusch von sich und kurz darauf stieg stinkender weißer Qualm daraus auf. Harrys Augen brannten und er begann zu husten. Er wedelte mit einem Buch, um den Qualm zu vertreiben, ohne Effekt. Wenig später war der Raum davon angefüllt.

Harry erwachte auf dem Steinboden mit stechenden Kopfschmerzen. Stöhnend setzte er sich auf . Der Qualm war verschwunden. Als er an den Tisch mit den Zutaten zurückkehrte, fand er einen Zettel.

Schütte niemals unbekannte Tränke in den Abguss. Sie könnten miteinander reagieren.

Harry stieß einen wütenden Schrei aus und trat gegen den Tisch. Der einzige Erfolg war, dass sein Kopfschmerz explodierte und er zudem noch einen schmerzenden Fuß davontrug. Er stützte sich an der Wand ab und rieb sich die pochende Stirn.

„Zur Hölle mit dir, Lucius!"

Nachdem Harry das geschrieen hatte, fühlte er sich ein wenig besser, aber nur ein wenig. Sein Hunger war mit aller Macht zurückgekehrt. Diesmal, das wusste er aus Erfahrung, bestand keine Hoffnung, dass er bald weichen würde. Harry starrte böse auf die Tränkezutaten.

„Ein letztes Mal.", murmelte er zu sich selbst, und setzte ein weiteres Mal den Kessel auf. Diesmal achtete er peinlich genau darauf, dass alle Zutaten rein waren, korrekt geschnitten und gemörsert, dass von allem die richtige Anzahl vorhanden war und alles das korrekte Gewicht hatte. Er beobachtete mit Argusaugen jede Veränderung des Trankes und bemühte sich, gleichmäßig und in die richtige Richtung umzurühren. Am Ende war er vollkommen erschöpft, aber der Trank hatte eine Farbe, die man mit etwas Liebe als Blassgelb bezeichnen konnte und ein leicht minziger Geruch lag in der Luft. Ohne es zugeben zu wollen, fühlte Harry sich unterschwellig stolz. Er ließ sich auf den einzigen Stuhl im Raum fallen und sah nicht auf, als sich die Tür öffnete.

„Wie ich sehe, warst du erfolgreich.", sagte Lucius grinsend.

Harry verbiss sich eine sarkastische Entgegnung. Er war zu hungrig und zu erschöpft.

„Das einzige, was noch fehlt, ist unser beider Blut.", fuhr Lucius fort und trat zu dem Kessel, seinen Dolch ziehend. „Komm her."

Harry warf ihm einem zornigen Blick zu, aber war zu müde, um zu streiten. Also ging er zu ihm hinüber und überließ ihm seinen Arm. Ein schneller, scharfer Schnitt über seinen Unterarm und drei Blutstropfen fielen in den Trank. Harry spürte es kaum. Er fühlte sich ein wenig, als würde er schweben. Oder als wäre sein Kopf ein Ballon. Lucius wiederholte die Prozedur bei sich selbst. Der Trank verfärbte sich in ein strahlendes Blau. Lucius griff nach dem Buch.

„Gelb: Keinerlei Verwandtschaft. Purpur: Entfernte Verwandtschaft. Blau: Enge Verwandtschaft, Eltern und Kinder, Geschwister.", las er laut. „Überzeugt, Tigris?"

„Fein.", schnappte Harry, nicht wirklich in der Stimmung, sich damit auseinander zu setzen. „Kann ich gehen?"

„Sicher." Lucius lächelte und ging an ihm vorbei aus dem Raum. Harry widerstand der Versuchung, ihn zu schlagen. Das wäre sicher nicht die klügste Handlungsweise. Außerdem fühlte er sich so schwindelig, das er nicht sicher war, dass er ihn überhaupt treffen würde. Ihm war nicht danach, die Strafe auf sich zu nehmen, ohne die Genugtuung dem arroganten Bastard zumindest die Nase gebrochen zu haben.

Harry stolperte aus dem Raum, die Treppen hoch. Irgendwie schaffte er es zu seinem Raum und seinem Bett, auf dem Weg dorthin gelegentlich gegen eine Wand taumelnd. Er bemerkte nie ein paar grauer Augen, das ihm folgte, als er die Eingangshalle durchquerte. Sobald er sein Bett erreicht hatte, fiel er auf die Matratze und ergab sich der gnädigen Dunkelheit.

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Lucius tigerte in seinem Studierzimmer auf und ab. Das Gefühl der Unruhe, das ihn seit einiger Zeit verfolgte, hatte nicht abgenommen, wie er es gehofft hatte. Im Gegenteil, es hatte zugenommen. Er schlug mit der Faust auf den Tisch, mühsam seine Beherrschung aufbauend. Was er wirklich brauchte, war ein Ruf. Aber überraschender Weise hatte es in den letzten Wochen keinen gegeben. Vielleicht sollte er sich einfach mit Lestrange treffen und vielleicht den Parkinsons. Sie waren immer für ein wenig illegalen Spaß zu haben. Narcissa riss ihn aus seinen Gedanken.

„Lucius."

Er hob den Kopf und verbarg seinen Ärger. „Ja, Liebling?"

Sie bedachte ihn mit einem kummervollen Blick und kam ein paar Schritte näher. „Wir müssen uns unterhalten."

Lucius sah sie nur wortlos an.

Sie seufzte. „Es kann so nicht weitergehen, Lucius. Es ist nicht fair gegenüber Draco. Es ist nicht fair uns allen gegenüber."

Lucius presste seine Hände gegen die Tischplatte in einem vergeblichen Versuch gleichgültig zu erscheinen. „Was du nicht sagst."

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„Es macht keinen Unterschied!" Harry schlug mit der Faust auf den Tisch.

Draco und Narcissa zuckten zusammen.

„Ich hasse dich, Lucius. Ich verabscheue alles, woran du glaubst. Wir haben nichts gemeinsam außer unserem Blut, und das ist nicht genug!"

„Doch, das ist es.", erwiderte Lucius ruhig.

Er schien unberührt von Harrys Worten, aber seine Augen verrieten ihn. Sie waren kalt. So kalt, wie in der Mysteriumsabteilung in der Nacht, als Sirius gestorben war. Narcissa war noch blasser geworden als sonst.

„Du verstehst das vielleicht nicht. Kein Wunder, du wurdest von Muggeln aufgezogen. Es ist anzunehmen, der Narr Weasley und Dumbledore haben dir nie wirklich beigebracht, was die Blutlinie bedeutet. Das überrascht mich nicht. Aber du wirst es noch begreifen. Es ist genug, mehr als genug. Es ist genug, dass wir dich aufgenommen haben, trotz allem was du getan hast, trotz allem was du bist. Du solltest dankbar sein."

Harry starrte ihn ungläubig an. „Trotz allem, was ICH getan habe? Trotz allem, was ICH bin? Was ist mit dem, was DU getan hast, Lucius? Du glaubst doch nicht wirklich, ich könnte dich respektieren, als einen VATER, nach allem was du getan hast?"

„Und was wäre das?", fragte Lucius eisig.

„Oh, was wäre das?", wiederholte Harry spöttisch. „Lass mich darüber nachdenken. Vielleicht, dass du versucht hast mich umzubringen, seit wir uns das erste Mal begegnet sind? Oder dass du mich und meine Freunde in der Mysteriumsabteilung verfolgt hast und die meisten von ihnen beinahe gestorben sind? Die unbedeutende Tatsache, dass du die Gruppe von Mördern angeführt hast, die meinen PATEN UMGEBRACHT haben? Vielleicht reicht es auch schon aus, dass ich dich lachen gehört habe, als Voldemort mich gefoltert hat!"

Seine Stimme war mit jedem Satz lauter geworden und er hatte sich schließlich aus seinem Stuhl erhoben. Narcissa und Draco starrten ihn beide an, aber ihre Blicke waren leicht unterschiedlich. Während Narcissas Ausdruck schwankte zwischen Entsetzen und Widerwillen, zeigte Dracos Furcht und ein wenig... Bewunderung? Bei Harrys letzten Satz stand Lucius ruckartig auf.

„Du wirst diesen Namen nicht wieder aussprechen!", zischte er in einem drohenden Tonfall, seine Unerschütterlichkeit vergessen. „Es ist mir egal, was du in der Vergangenheit gelernt hast. In diesem Haus wird der Dunkle Lord mit Respekt betrachtet!"

„Niemals, in meinem ganzen Leben, werde ich Tom Riddle respektieren!", schrie Harry zurück. „Er ist ein Mörder, eine sadistische, verabscheuungswürdige Kreatur, und ich werde nie..."

Lucius' Faust beendete seinen Satz. Harry fiel über den Stuhl auf den Steinboden und überschlug sich beinahe von der Wucht des Schlages. Narcissa stieß einen unterdrückten Schrei aus.

„Das ist genug.", sagte Lucius tödlich leise. „Du wirst Respekt lernen. Du hast genug Zeit gehabt."

„Also hast du endlich genug von deinen kleinen Gedankenspielen und greifst auf profane Gewalt zurück?", entgegnete Harry spöttisch. Er grinste provozierend, obwohl sein Kinn höllisch schmerzte. Er kümmerte sich nicht mehr um das, was er sagte. Er wusste, er hatte verloren, egal was er jetzt noch sagte. „Wirklich, Lucius, ich hätte mehr von jemandem erwartet, der so stolz darauf ist, in Slytherin gewesen zu sein."

Lucius erwiderte nichts, sondern packte nur grob Harrys Arm und zog ihn auf die Füße.


Vielen Dank für eure Reviews, besonders an alle, die diese Geschichte von Anfang an gelesen haben und sie noch immer mögen ;-)

Danke an: skateZ, koryu, Deedochan, Romilly McAran, Momo-chan21989, Kissymouse, Legobaustein, Ken, Shenandoa, Devilsnight

Romilly McAran: Dracos Geburtstag wurde nicht vergessen, Harry hat nur nichts davon mitbekommen.

Momo-chan21989: Nein, Snape war kein Ravenclaw, nur ein Bücherwurm.

Ein Extra- Danke an Kissymouse, von der ich das 50. Review bekommen habe: Mrs. Malfoy wird für Tigris noch wichtig werden, aber sie ist eine komplexere Person, als es scheint. Wie viele Seiten hat Snape denn zur Auswahl?