Disclaimer:
Ich habe letztens versucht, Joanne ihre Rechte an Harry Potter bei einer Partie Schach abzugewinnen, aber ich bin ein lausiger Schachspieler, also gehört noch immer alles JKR!
Schatten der Wahl
8. Konsequenzen
Lucius schleifte Harry hinter sich her, Harrys Arm in einem schmerzhaften Griff. Ein weiteres Mal gingen sie Treppen in den Keller hinab, nur diesmal durch eine Tür auf der anderen Seite der Halle. Lucius stieß Harry beinahe die letzte Treppe hinunter. Irgendwie schaffte Harry es, sich zu fangen und nicht die Stufen hinunter zu fallen, aber er taumelte auf der letzten Stufe und landete ein weiteres Mal auf dem Boden. Lucius packte erneut seinen Arm und zog ihn vorwärts. Der Gang in dem sie sich befanden war kalt und Unheil verkündend.
Es gelang Harry, ein paar rasche Blicke um sich zu werfen. Sie mussten tief unter dem Haus sein, in einem sehr alten Teil, der eher zu einem Schloss passte, als zu einem Haus. Der Gang war so niedrig, dass er beinahe mit seinem Kopf an die Decke stieß. Decke und Wände bestanden aus roh behauenem Steinen. Sie durchquerten eine schwere Eisentür, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie tatsächlich die Kerker betraten. Sie quietschte nicht, als Lucius sie öffnete, sie bewegte sich völlig lautlos in den Angeln. Offenbar war sie häufig in Gebrauch. Ein paar Stufen tiefer und sie erreichten die Zellen. Lucius öffnete ein eisernes Gitter mit einer Bewegung seines Zauberstabs und stieß Harry in das leere Verließ dahinter. Harry fiel ein weiteres Mal. Die Decke dieses Raumes war höher als die der Gänge. Es fiel Lucius leicht, seinen Arm zu heben, als er nach ihm eintrat.
„Du hast gesehen, was ich erwarte. Knie dich hin."
Harry starrte ihn an. „Du halluzinierst, wenn du glaubst, dass ich das tue, Lucius."
Lucius blinzelte nicht einmal.
„Vincire!", sagte er mit kalter Stimme und schwang seinen Zauberstab in einer eleganten Bewegung. „Wingardium Leviosa!"
Ketten erschienen aus dem Nichts und schlossen sich um Harrys Handgelenke. Harry wurde hoch gerissen, als sie sich nach oben bewegten. Einen Moment später hing er mit den Handgelenken an der Decke, gerade tief genug, dass seine Füße noch den Boden berührten.
„Fühlst du dich jetzt stark?", spottete er, innerlich gegen seine Furcht ankämpfend. Das einzige, womit ihm das gelang, war seine Wut.
Lucius trat zu ihm und griff nach Harrys Kinn, das noch immer von seinem Schlag schmerzte. Harry biss die Zähne zusammen.
„Hier geht es nicht um Stärke.", sagte Lucius sanft. „Es geht um Disziplin. Du musst lernen, Sohn, eine Menge. Du lässt mir keine Wahl, als es dir beizubringen."
Harry spuckte ihm ins Gesicht.
Lucius fuhr sich einfach mit der Hand über das Gesicht, unberührt. „Damit kämen wir auch schon zu deiner ersten und wichtigsten Lektion. Respekt." Er winkte mit seinem Stab und Harrys Robe verschwand einfach. Harry fühlte sich plötzlich sehr verletzlich, mehr als bei allem, was zuvor geschehen war.
„Du wirst mich mit Vater oder Sir ansprechen.", sagte Lucius in einem sachlichen Tonfall. „Du wirst meine Anordnungen befolgen. Wenn du sie missachtest, wirst du bestraft werden. Du wirst mich nicht in der Öffentlichkeit kritisieren. Du wirst älteren und einflussreicheren Leuten gegenüber Respekt zeigen, insbesondere gegenüber dem Dunklen Lord. Du wirst darauf achten, dass die Reputation des Hauses Malfoy nicht durch dich in Misskredit gerät. Hast du das verstanden?"
„Was immer du sagst, Lucius." Harry bewegte den Kopf um eine spöttische Verbeugung anzudeuten, was ihm nicht wirklich gelang.
„Das wären zehn.", sagte Lucius gleichgültig. Er murmelte etwas, und die Peitsche erschien in seiner Hand. „Du wirst die Hiebe zählen. Ich werde aufhören, wenn du bis zehn gezählt hast."
Er trat hinter ihn. Harry hörte, wie die Peitsche durch die Luft sauste. Sie traf seinen Rücken mit einem einzelnen, schmerzhaften Stich. Er presste die Lippen aufeinander und gab keinen Laut von sich. Harry spürte ein Prickeln, als der Striemen verheilte. Der Schmerz wich und nur ein dumpfes Pochen bleib zurück. Aber das war nicht von Dauer. Ein neuer Hieb traf ihn, und ein weiterer. Der Schmerz nahm zu, als sie die bereits empfindliche Haut trafen. Harry schloss die Augen, biss die Zähne zusammen und versuchte, sich weg zu denken. Als es andauerte, wurde es vergebens. Die Peitsche traf ihn wieder. Und wieder. Irgendwann hörte die Heilmagie auf, zu wirken, und Harry spürte, wie das Blut über seinen Rücken rann. Irgendwann wurde der Schmerz zuviel und er schrie. Er verlor sein Zeitgefühl. Der Schmerz war alles, was existierte. Alles andere verschwand. Schließlich verlor er das Bewusstsein. Er zählte kein einziges Mal.
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Harry erwachte in einer Welt aus Schmerz. Nicht nur sein Rücken, sein ganzer Körper schrie vor Schmerz. Die Muskeln in seinen Armen protestierten gegen die kleinste Bewegung. Seine Kehle war trocken und er hatte schrecklichen Durst. Er öffnete die Augen. Er war allein. Einen Moment lang brachte das Erleichterung. Ein Schauer durchlief seinen Körper, wie ein Schock. Dann begann er, zu weinen. Seine Schluchzer schüttelten ihn und verstärkten den Schmerz, aber das kümmerte ihn nicht. Er konnte nichts anderes tun. Die Tränen rannen sein Gesicht hinunter und während er weinte versuchte er mit der Zunge die Tränen aufzufangen, um ein wenig Feuchtigkeit in seinen Mund zu bekommen. Es half nicht wirklich. Schließlich, nach einer scheinbaren Ewigkeit, hörte er auf zu weinen und nur das Zittern blieb. Schauer, die seinen Körper hinauf und hinunter rannen.
Er zuckte zurück, als Lucius die Zelle betrat. Der Versuch, ihm zu entkommen war natürlich zwecklos, aber es war eine rein instinktive Reaktion.
„Du bist wach, wie ich sehe.", bemerkte Lucius in seinem üblichen emotionslosen Tonfall. „Ich habe dich bisher nicht zählen gehört."
„Küss einen Dementor.", erwiderte Harry, aber die Kraft hinter seinen Worten fehlte. Seine Stimme war heiser, kaum hörbar. Seine Kehle schmerzte, als er sprach. Er hielt sich einfach an seinen Hass, wie an eine Rettungsleine. Er konnte nicht aufgeben. Er konnte nicht alles, woran er glaubte einfach verraten und sich unterwerfen. Also hasste er. Er hasste mit jedem Rest Kraft, der in ihm übrig war.
Diesmal schrie er beim ersten Schlag.
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Es war nur Neugier. Draco fuhr fort, sich das einzureden, aber ein Teil von ihm wusste, dass es eine Lüge war. Tigris war verschwunden, seit sein Vater ihn an diesem Morgen vom Tisch weggezerrt hatte. Draco wusste nicht, wann in seinen Gedanken aus Potter Tigris geworden war. Wann er akzeptiert hatte, dass er einen Bruder hatte. Aber er hatte es akzeptiert. Es schmerzte jedes Mal, wenn der andere Junge es abstritt. Fast so wie an dem Tag im Zug, an seinem ersten Schultag, als Tigris seine Freundschaft abgelehnt hatte. Für Weasley. Draco verzog angewidert den Mund beim Gedanken an den ungehobelten Kupferkopf. Das war das Schlimmste daran. Tigris hatte Draco nicht einmal gekannt. Wenn er Draco gekannt hätte... wenn er seine Familie gekannt hätte... wenn er Draco abgelehnt hätte, weil ihm Dracos Benehmen oder seine Familie missfiel... Aber Tigris hatte nichts davon gewusst. Er hatte einfach Weasley Draco vorgezogen. Draco unterbrach diesen Gedanken. Das war kindisches Geplänkel. Die Vergangenheit ließ sich nicht ändern. Selbst wenn Tigris damals seine Hand genommen hätte, wären sie höchstwahrscheinlich auf verschiedenen Seiten geendet. Sie waren einfach zu unterschiedlich. Tigris, der perfekte, selbstlose Gryffindor, Dumbledores Liebling, die Paradefigur der „guten" Seite, gegenüber Draco, dem arroganten Slytherin, einem zukünftigen Todesser. Draco hatte sein Schicksal schon vor langer Zeit akzeptiert. Er verhielt sich, wie man es von ihm erwartete, ohne darüber nachzudenken. Sein Vater war kein Mann, der ein Nein als Antwort hinnahm, noch weniger der Dunkle Lord. Draco war... nun, vielleicht nicht zufrieden, aber auch nicht bitter damit.
Doch nun kam Tigris und lehnte sich gegen seinen Vater auf, unbeachtet der Konsequenzen. Tigris mochte sie nicht so gut kennen wie Draco, aber er kannte seinen Vater. Draco erinnerte sich an das, was Tigris am Tisch gesagt hatte. Er war mutiger, als Draco es je gewesen war. Nun, er war ein Gryffindor. Draco lachte leise. Dann wurde er ernst. Ein Teil von ihm hatte sich gefreut, als sein Vater Tigris niederschlug. Der Teil von ihm, welcher der Meinung war, dass er es verdiente. Der Teil, der hoffte, dass Tigris es endlich akzeptierte, dass er endlich klein bei gab. Aber das hatte Tigris nicht getan. Draco hatte auch gedacht, er würde aufgeben, als er am Tag zuvor in diesem furchtbaren Zustand aus den Kellern gekommen war, aber das hatte er nicht. Im Gegenteil, es hatte ihn nur noch wütender, noch kämpferischer gemacht.
Dann war da der Teil von Draco, der gehofft hatte, sein Vater würde Tigris niemals anrühren. Der Teil, der gehofft hatte, er wäre die Ausnahme. Es hätte auf verdrehte Weise etwas besser gemacht. Aber natürlich hatte sein Verstand die ganze Zeit gewusst, dass das eine Illusion war.
Draco verstand ein Stück weit, warum Tigris sich so gegen die Wahrheit wehrte. Vielleicht würde er es auch tun, wenn er alles in Frage stellen müsste, woran er glaubte. Alles, was ihm von klein auf beigebracht worden war. Andererseits, vielleicht auch nicht. Draco hatte nie diese Überzeugung gefühlt, die er in Tigris' Augen sah, wenn er zum Beispiel seine Schlammblut Freundin verteidigte. Draco kämpfte für seine Überzeugungen, ja, aber mehr weil ihm beigebracht worden war, dass das erwartet wurde. Tigris hatte andere Gründe, Gründe, die Draco nicht wirklich verstand. Ein Teil von ihm sehnte sich danach, es zu verstehen. Er hasste und beneidete Tigris gleichzeitig dafür. Er wusste nicht mehr, wann der Hass sich verringert und der Neid und die Bewunderung zugenommen hatten.
Vielleicht in dem Moment in der Bibliothek, als Tigris bereit gewesen war, Dracos Strafe auf sich zu nehmen. Draco hatte nicht wirklich verstanden, warum er es getan hatte. Es war so typisch Gryffindor. Er hatte versucht, es als Dummheit abzutun, aber das konnte er nicht. Es hatte etwas in Draco berührt, von dem er nicht gewusst hatte, dass es da war.
Das Resultat aus allen diesen Gedanken war, dass er sich fragte, was mit Tigris passiert war. Die Stimmung seines Vaters hatte sich seit diesem Morgen deutlich verbessert und Draco kannte seinen Vater gut genug, um zu wissen, dass das kein gutes Zeichen war. Diese scheinbar gute Laune war in gewisser Weise bedrohlicher als seine Wut. Sie gab Draco ein unbehagliches Gefühl, als würde sich ein Sturm über ihnen zusammenbrauen. Sie war unwirklich, ohne dass er wirklich erkennen konnte, was nicht stimmte.
Draco sah seinen Vater gehen und wiederkommen, zu ruhig, zu... beschwingt. Ein Wort, das wirklich nicht zu ihm passte. Die Tatsache, dass seine Mutter nicht ebenso gut gelaunt war, zeigte Draco, dass seine Befürchtungen begründet waren.
Auch das war etwas, wofür Draco Tigris dankbar war. Seit seiner Ankunft war seine kalte und distanzierte Mutter wärmer geworden. Manchmal schien es, als wenn sie sich tatsächlich um ihn kümmerte. Draco hatte vorher nur selten das Gefühl gehabt, dass er mehr für sie war als eine Pflicht, die sie erfüllt hatte. Aber die Geschichte seines Vaters bewies ihm, dass sie ihn tatsächlich gewollt hatte. Sie hatte sich sogar dem Dunklen Lord widersetzt, um ihn zu behalten. Es führte Draco zu der Vermutung, dass ihr kaltes Äußeres nicht mehr war als eine Maske, die sie aus unbekannten Gründen trug. Tigris hatte diese Maske irgendwie ins Wanken gebracht. Sie war zu Draco gekommen, um mit ihm zu reden, nachdem sein Vater ihn an Tigris' Geburtstag bestraft hatte. Nicht um über seinen Vater zu reden natürlich, aber sie war gekommen. Das hatte sie nie zuvor getan. Es hatte Draco überrascht, dass sie wusste, welches Quidditchteam er bevorzugte und welche Stücke er am liebsten auf seiner Harfe und auf dem Klavier spielte. Sie hatte ihn nie danach gefragt und er hatte immer gedacht, es wäre ihr egal. Offensichtlich war es das nicht, sie hatte es ihm nur nie gezeigt. Er wunderte sich nur, warum nicht.
Draco traf schließlich eine Entscheidung und machte sich sofort an ihre Ausführung, bevor er begann, sie zu bereuen.
Er wusste, dass sein Vater einen Unsichtbarkeitsmantel besaß. Er befand sich in seinem Schrank, zwischen seinen teuersten Roben. Als Draco sah, dass sein Vater wieder in den Kerker hinunter ging, schlich er sich in das Zimmer seiner Eltern und stahl den Mantel. Er wusste, wenn sein Vater jemals erfuhr, was er getan hatte, wäre das Ergebnis gelinde gesagt unerfreulich. Aber er hatte nicht vor, es ihn herausfinden zu lassen.
Sobald Draco den Mantel hatte, folgte er seinem Vater in den Kerker hinunter. Die Eisentür vor den Verliesen war geschlossen, aber er hoffte, dass sein Vater abgelenkt war, während er eintrat. Draco dachte richtig. Dennoch wurde er beinah ertappt, als er die Tür öffnete. Sobald sie offen war, hörte er Tigris Schreie und gefror in Horror. Er schaffte es gerade noch rechtzeitig, sich zusammen zu reißen, und sie hinter sich zu schließen, bevor sein Vater in seine Richtung sah.
Nichts hatte Draco auf den Anblick vorbereitet, den er vor sich sah. Tigris hing an seinen Armen von der Decke, seine Beine offensichtlich zu schwach, um sein Gewicht zu tragen. Sein Rücken war nur noch eine blutige Masse. Er schrie, als die Peitsche ihn traf. Es war mehr wie der Schrei eines gequälten Tiers, heiser und völlig unkenntlich. Draco kämpfte hart gegen den Drang an, sich zu übergeben. Tigris war darin offensichtlich nicht erfolgreich gewesen. Es stank nach Erbrochenem und Fäkalien. Draco lehnte sich gegen die Wand, um nicht umzufallen. Es bedurfte nur eines simplen Spruchs, um diesen Dreck zu beseitigen, warum hatte sein Vater ihn nicht angewendet? Wie konnte er sich freiwillig an so einen ekelerregenden Platz begeben? Wie konnte er... lächeln? Denn das war es, was er gerade tat. Er faltete die Peitsche zusammen und hob Tigris Kinn damit an, so dass sein Bruder gezwungen war, ihm in die Augen zu sehen.
„Ich höre dich noch immer nicht zählen.", hörte Draco ihn mit einer widerwärtig freundlichen Stimme sagen. „Es wäre so einfach für dich, dies zu beenden. Du musst nur bis Zehn zählen. Kleine Kinder können das."
Die Antwort seines Bruders war fast nicht hörbar, aber nichts desto Trotz hasserfüllt. „Fahr zur Hölle."
Sein Vater antwortete darauf mit einem gut gezielten Schlag in Tigris' Magengegend. Tigris krümmte sich zusammen und hustete krampfhaft. Er spuckte Blut.
Was Draco jedoch wirklich schockierte war der unverhohlene Ausdruck von Befriedigung im Gesicht seines Vaters.
„Ich lasse dir etwas Zeit zum Nachdenken.", sagte er zu Tigris. Er strich ihm dabei zärtlich mit der Hand über den Kopf. Obwohl er unglaublich geschwächt sein musste, versuchte sein Bruder von der Hand zurückzuweichen. „Bis Morgen, Sohn."
Tigris zuckte zusammen und sein Vater LACHTE. Draco beobachtete es mit Horror. Er hatte schon einiges mit seinem Vater erlebt. Er hatte nur einmal den Fehler gemacht, zu sagen, Schlammblut Granger sei eine bessere Hexe als manche Reinblütler. Er wusste, dass es wahr war, aber es war eine törichte Wortwahl gegenüber seinem Vater, besonders, um seine Noten zu rechtfertigen. Draco hatte seine Wutanfälle erlebt und war schlau genug, ihm aus dem Weg zu gehen, wenn er sie hatte. Aber dies... dies war jenseits all dessen, was er ihm zugetraut hatte. Sicher, Draco hatte ihn und seine Freunde manchmal reden hören. Es war Spaß für sie, Muggel zu foltern und umzubringen. Aber Draco hatte nie wirklich darüber nachgedacht, was das hieß. Es waren schließlich nur Muggel. Draco hatte nie daran geglaubt, dass sein Vater Zauberer genauso behandeln könnte. Und dies war nicht nur ein Zauberer, es war sein eigener Sohn. Draco könnte leicht an seiner Stelle sein. Draco hatte immer Angst vor seinem Vater gehabt, aber nun kam ihm zum ersten Mal zu Bewusstsein, was für ein Mensch er tatsächlich war. Die Erkenntnis versetzte ihn in vollkommenes Entsetzen.
Er blieb stehen wo er war, gelähmt, während sein Vater die Kerker verließ.
Draco kam wieder zu sich, als sich einige Zeit später die Tür erneut öffnete und jemand eintrat, den er absolut nicht erwartet hatte – seine Mutter. Sie wirkte nervös, aber entschieden. Sie hatte einen Korb in der Hand, mit dem sie zu Tigris in die Zelle ging. Als sie ihn aus der Nähe sah, sog sie scharf die Luft ein, aber ihr Gesichtsausdruck änderte sich nicht. Sie holte ihren Zauberstab hervor und sprach ein paar schnelle Säuberungs- und Heilzauber. Draco war entsetzt. Seinem Vater würde auf jeden Fall auffallen, was sie getan hatte. Sie griff nach Tigris Schulter und schüttelte ihn sanft.
„Tigris... Tigris, wach auf!"
Sein Bruder stöhnte, aber öffnete die Augen. Sie hielt ein Glas an seine Lippen.
„Trink. Du musst etwas trinken."
Tigris drehte sich erst weg, aber sie redete weiter leise auf ihn ein, und schließlich trank er. Nachdem er etwas Wasser getrunken hatte, flößte sie ihm einige Heiltränke ein. „Du hast eine Menge Blut verloren.", sagte sie dabei. „Deine Lunge ist auch angegriffen. Dies wird dir ein wenig helfen."
Tigris schien es tatsächlich nach einer Weile etwas besser zu gehen. Sie massierte seine Arme mit einer Salbe, die offensichtlich einen muskelentspannenden Effekt hatte.
„Warum tust du das?", fragte er.
Ihre Augen weiteten sich schockiert. „Du bist mein Sohn! Ich kann dich nicht einfach hier unten lassen."
„Es ist gefährlich.", entgegnete er schwach. „Du solltest gehen."
Sie lächelte. „Mach dir keine Sorgen um mich. Ich habe ihm einen Schlaftrunk gegeben. Er wird in den nächsten drei Stunden nicht aufwachen."
Tigris starrte sie an und etwas blitzte in seinen Augen auf. „Hilf mir.", sagte er. „Hilf mir zu entkommen. Er wird mich umbringen."
Sie trat einen Schritt zurück und schüttelte heftig den Kopf. „Nein, das kann ich nicht tun. Er wird ärgerlich sein, weil ich dir geholfen habe. Ich kann ihn beruhigen, aber nicht, wenn ich dich gehen lasse. Ich kann nicht. Es tut mir leid." Ihre Stimme brach fast.
Tigris schloss die Augen und nickte. „Ich verstehe."
Sie atmete tief durch und fuhr fort, seine Arme zu massieren. „Er wird dich nicht töten.", sagte sie, aber es klang mehr wie ein Versuch, sich selbst zu überzeugen. „Du bist sein Sohn. Sein ältester Sohn. Er würde nicht..." Sie brach ab. Er sah eine Träne über ihre Wange laufen. „Warum gibst du nicht auf? Es ist kein schlechtes Leben, weißt du. Mit der Zeit lernst du vielleicht sogar, es zu mögen."
„Und schließe mich fröhlich dem Dunklen Lord an?", erwiderte Tigris sarkastisch. „Niemals. Es tut mir leid, aber das bin ich einfach nicht. Ich kann nicht das sein, was ihr euch wünscht."
Seine Mutter bedachte ihn mit einem schmerzerfüllten Blick. „Du wirst immer mein Sohn sein.", flüsterte sie. „Welche Entscheidung ihr auch fällt, ihr werdet immer meine Söhne sein, selbst wenn ihr euch unserem Lord entgegenstellt."
Tigris bedachte sie mit einem überraschten Blick. „Du bist nicht, was ich erwartet habe, ... Mutter." Das Wort klang merkwürdig aus seinem Mund, so als wüsste er nicht wirklich etwas damit anzufangen.
Sie begegnete ihm mit einem Lächeln, das zwischen Freude und Traurigkeit verzerrt war. „Und du bist genau was ich erwartet habe, Tigris. Ich wusste im ersten Augenblick als ich dich in meinen Armen hielt, dass du einen starken Geist besitzt."
Tigris blinzelte verblüfft. Sie lächelte erneut. „Ich muss gehen. Ich hoffe, ich kann wiederkommen, aber es kann unmöglich sein."
Tigris nickte nur. „Danke."
Sie schüttelte den Kopf. „Danke mir nicht."
Damit ging sie und Draco folgte ihr nach oben. Auf den Weg die Treppen hinauf dachte er fieberhaft nach. Er musste etwas unternehmen. Sein Vater war auf dem besten Weg, den Bruder umzubringen, den er gerade erst gefunden hatte. Er wagte es nicht, sich vorzustellen, was es seiner Mutter antun würde. Er musste ihm helfen. Aber wie?
A/N: Ich fahre morgen in Urlaub, und mein Computer fährt nicht mit! Deshalb müsst ihr auf das nächste Update noch etwas warten, und ich lasse euch an einer Klippe hängen (stellt euch hier mein boshaftes Grinsen vor). Ich freue mich auf alle eure Reviews und wenn es viele sind, vielleicht poste ich ja zweimal die Woche, wenn ich wieder da bin...
Da wir gerade bei Reviews sind, vielen Dank an: vampiry, skateZ, Deedochan, tinkita, mellin, Lyonessheart, Padfoot's Mate, YanisTamiem, Monja, stupor, anni kiddo, Gingerberry
Danke an Lyonessheart und Padfoot's Mate für die Übersetzung von Gillyweed!
anni kiddo: Also du hast mich jetzt ein wenig verwirrt, aber ich vertraue lieber der Mehrheit, deswegen heißt es bei mir Dianthuskraut.
