Disclaimer:

Sag mal, Albus, ihr gehört doch mir, oder?

Lass mich einen Moment darüber nachdenken, pilarius... nein, ich denke nicht. Aber vielleicht gehören wir dieser netten jungen Dame, der ich einmal nachts begegnet bin. Ich wollte mir eigentlich nur eine Tasse heiße Schokolade holen. Sie sagte, ich erinnere sie an eine Hummel...


Schatten der Wahl

15. Ein Zwilling...

Die Zwillinge hatten in der kurzen Zeit wirklich eine Menge auf die Beine gestellt. Tigris ging begeistert an den Regalen entlang, einen aufgebrachten Draco hinter sich.

„Sieh nur, sie verkaufen tatsächlich diese Feuerwerkskörper! Da ist der tragbare Sumpf – wie wäre es, wir könnten ihn in der Eingangshalle auslegen..."

„Tigris...", zischte Draco. „Sei kein Narr, das ist es nicht wert. Wir müssen hier verschwinden."

„Was ist so schlimm daran, sich einen neuen Laden anzusehen?", fragte Tigris unbekümmert. Er war an einem Regal angekommen, das in eine Süßwarenhandlung gepasst hätte. Er bemerkte verschiedene Süßigkeiten, die er als Tricks kannte. Als er die Beschreibungen las lachte er leise.

„Diese hier sind neu. Sie müssen sie in den Ferien entwickelt haben! Sieh dir das an – Pinke Umbridge - Unken, sorgen dafür dass du in Kleinkinderstimme Nonsens redest... Feiger Fudge, erzeugt irrationale Paranoia... wäre der Minister nicht außer sich, wenn er davon wüsste?"

„Verdammt, hör auf!", flüsterte Draco. „Wenn Vater erfährt, dass wir hier waren! Das sind die Weasleys, bei Mordraud!"

„Ach komm, übertreib nicht so furchtbar.", erwiderte Tigris, von den Scherzartikeln vor sich fasziniert. „Er wird nie erfahren, dass wir hier waren, er ist irgendwo in London. Hier, iss ein Schokoladenbonbon und beruhige dich."

Draco war so sehr damit beschäftigt, Tigris davon zu überzeugen, den Laden zu verlassen, dass er ohne Nachzudenken das Bonbon schluckte, das Tigris ihm hinhielt.

„Hör zu, Tigris..."

Es gab ein leises „Pop" und an Dracos Stelle saß ein verdutztes, schlohweißes Kätzchen.

Tigris lachte begeistert. „Oh, ich liebe die Zwillinge! Bist du nicht ein süßer kleiner Kater!"

Womit Tigris nicht gerechnet hatte war, wie schnell das Kätzchen seinen Schock überwand und sich in ein überaus ärgerliches Kätzchen verwandelte. Womit er außerdem nicht gerechnet hatte, war ein entscheidender Nachteil der traditionellen Zaubererkleidung, die er trug. So war es eine unangenehme Überraschung, als besagtes verärgertes Kätzchen etliche spitze Krallen und Zähne in sein ungeschütztes Bein schlug.

Tigris versuchte es erfolglos abzuschütteln. Die Eule auf seiner Schulter flatterte indigniert auf eins der Regale und stieß ein paar schrille Warnlaute aus.

„Ah... lass los... Bist du verrückt geworden?"

„Sieh an, sieh an..."

„Wer verursacht denn hier..."

„... so einen Aufruhr?"

Zwei grinsende Zwillinge sahen Tigris zu.

„Hat da wohl jemand das Schild übersehen, auf dem steht: ‚Kein Ausprobieren unserer essbaren Artikel vor Kauf'?"

„Scheint so, Gred. Er hat es verdient, ein wenig zu leiden, meinst du nicht?"

„Jepp, wir sollten ihm nicht helfen, Forge. Andererseits..."

„... freundlich und zuvorkommend, wie wir sind..."

„Impedimenta!"

Das mörderische Kätzchen wurde von Tigris weggerissen und landete spuckend und fauchend ein paar Meter entfernt auf seinen Pfoten.

„Danke, Leute.", keuchte Tigris außer Atem. „Ich begreife nicht, was in ihn gefahren ist. Es war schließlich nur ein harmloser Scherz."

Fred und George kicherten erheitert. „Tierische Instinkte... der beste Teil dieser unserer neusten Spezialität..." „Können tückisch sein..."

Fred streckte fordernd die Hand aus. „Ich denke, du schuldest uns etwas."

Tigris nickte. „Natürlich. Ich bezahle euch... gleich nachdem mein Cousin sich zurück verwandelt hat heißt das... er hat unser Geld." Er kam sich ein wenig töricht vor.

Die Zwillinge lachten spöttisch. „Uh... oh."

„Wenn das nicht ein genialer Scherz ist..."

Dann wurden sie ernst und musterten Tigris kritisch. „Sollten wir dich kennen?"

„Du gehst nicht nach Hogwarts, oder?"

Plötzlich schlug Tigris' Herz schneller als zuvor. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, hierher zu kommen. „Nein... das heißt, erst ab diesem Jahr..."

George runzelte die Stirn. „Du kommst mir bekannt vor..."

„... nicht angenehm bekannt, um genau zu sein.", ergänzte Fred.

„Tatsächlich erinnerst du mich verblüffend an einen gewissen..."

„..schleimigen Bastard..."

„... mit Namen Lucius Malfoy."

Tigris zuckte zusammen.

„Passt auf, was ihr sagt." Tigris fuhr herum. Draco hatte sich zurückverwandelt, und sein Gesichtsausdruck war jenseits von gut und böse. Wenn Blicke töten könnten, wären Tigris und die Zwillinge vom Erdboden verschwunden, bevor man den Mund öffnen konnte, um ‚Avada Kedavra' zu sagen.

„Sieh an..." Die Blicke der Zwillinge waren eisig geworden.

„Was haben wir denn da?"

„Wie amüsant es auch gewesen sein mag, Miezmiez..."

„...wir müssen euch jetzt bitten zu gehen..."

„...denn wir machen keine Geschäfte mit euresgleichen."

Sie hatten die Arme verschränkt.

„Keine Umstände." Draco warf ihnen ein paar Sickel vor die Füße. „Kauft ein paar Blumen für euren dahingeschiedenen Sugardaddy."

„Wie kannst du es wagen!", fauchte Fred. Beide Zwillinge waren rot angelaufen und hatten die Fäuste geballt.

„Ich schlage vor, du nimmst deinen Bruder und verschwindest, Malfoy.", zischte George. Aus seinem Mund klang der Name wie etwas zutiefst Widerwärtiges.

„Bevor wir dich für immer in ein hässliches kleines Jarvey verwandeln..."

„... damit dein Inneres auch von außen zu sehen ist."

„Keine Sorge, ich habe nicht vor, mich noch länger durch eure Gegenwart zu besudeln.", erwiderte Draco mit Abscheu. „Komm." Er packte Tigris grob am Arm, um ihn mit sich zu ziehen.

Tigris riss sich los und starrte die Zwillinge an. „Warum nennt ihr ihn meinen Bruder? Ich habe euch gesagt, dass er mein Cousin ist."

„Ach wirklich?", spie Fred.

„Das beweist nur, dass du ein genauso mieser Lügner bist, wie der Rest deiner verkommenen Familie."

„Also wo hast du deinen Zwilling bisher versteckt, Malfoy?", fragte Fred spöttisch.

„Tief im Kerker eures hübschen kleinen Hauses? Würde zu dem guten alten Lucius passen, nicht wahr, Gred?"

„Er ist nicht mein Bruder.", zischte Draco, weiß geworden.

„Oh, ist es ein kleines Geheimnis, Jarveylein?"

„Vielleicht sollten wir mal ein Schwätzchen mit der lieben Rita halten."

„Stellt euch vor wie aufgeregt sie darüber sein wird."

„Das ist lächerlich.", sagte Draco heiser. „Es ist nur euer Hirngespinst."

George drohte ihm spöttisch mit dem Finger. „Tut tut. Hast du noch nie das Sprichwort gehört: „Ein Zwilling erkennt den anderen?"

„Das ist nur ein dämliches Sprichwort!"

Fred grinste hämisch. „Nicht, wenn du ein Weasley bist, Jarveylein."

Tigris begriff, dass dies schon viel zu weit gegangen war. Er wusste, die Zwillinge würden nicht zögern, diese Information gegen sie zu benutzen, nachdem sie entdeckt hatten, dass sie es konnten. „Können wir uns hier irgendwo ungestört unterhalten?", fragte er mit gedämpfter Stimme.

„Warum sollten wir mit dir reden wollen, Malfoy Zwei?", fragte Fred verächtlich.

Draco wurde noch bleicher, wenn das überhaupt möglich war. „Du wirst nicht mit ihnen reden.", zischte er.

„Doch, das werde ich.", gab Tigris zurück. „Es ist zu spät, ich muss mit ihnen reden."

„Nein! Wir gehen!" Draco packte ihn, aber Tigris wehrte sich gegen ihn. Verstand Draco nicht, wie gefährlich es war, die Zwillinge einfach so zurück zu lassen? Draco fauchte aufgebracht und drehte ihm den Arm auf den Rücken. „Tu was ich sage, verdammt!"

„Stopp!", sagte Fred kalt. Als Tigris aufsah, erkannte er, dass beide Zwillinge ihre Stäbe gezogen hatten und sie auf sie richteten.

„Lass ihn los, Frettchen."

„Wir sind urplötzlich sehr daran interessiert, was er uns zu sagen hat."

Draco ließ Tigris los und trat wütend einen Schritt zurück.

„Nenn uns nur einen guten Grund, warum wir dir zuhören sollten, und wir werden dir zuhören.", sagte George.

Tigris überlegte fieberhaft. „Kannst du uns einen Moment allein lassen, Draco?"

Draco verschränkte zornbebend die Arme. „Wenn Merlin wieder unter den Lebenden wandelt, Tigris."

Tigris presste kurz die Lippen zusammen, dann trat er näher zu den Zwillingen. Vorsichtig, damit sie noch immer Draco im Blick hatten. Er beugte sich zu ihnen vor, so dass Draco ihn nicht hörte.

„Haben wir uns vielleicht schon mal in Grimmauld Place gesehen?"

Die Augen der Zwillinge weiteten sich kaum merklich.

„Ich sage Lee Bescheid, dass er sich ein paar Minuten um den Laden kümmert.", sagte Fred dann.

„Was ist mit den anderen Kunden?", fragte Tigris, zurücktretend. „Wir haben eine Menge Radau veranstaltet."

„Keine Sorge.", sagte George. Er hatte noch immer seinen Zauberstab auf Draco und Tigris gerichtet. „Es liegt ein Obscuro Zauber auf dem Laden. Nur wir bekommen mit, wenn es etwas lauter wird."

„Gut." Tigris winkte Sceolaing, der sich wieder auf seine Schulter setzte.

George kam wieder. „Alles erledigt. Kommt mit." Er führte sie in den hinteren Teil des Ladens. Fred folgte ihnen.

Sie gelangte über eine schmale Treppe in ein Dachzimmer, das den Zwillingen offenbar als Pausenraum diente. Als sie die Tür geschlossen hatten, schob Tigris Draco vor die Zwillinge und drehte ihnen den Rücken zu. Dann zog er seinen Zauberstab und versiegelte den Raum gegen unerwünschte Zuhörer. Der neue Stab fühlte sich angenehm an, wie ein Teil seiner Selbst.

„Ich verlasse mich darauf, dass dieses Gebäude vor der Überwachung des Ministeriums geschützt ist.", sagte er dann.

„So ist es.", sagte George. „Aber woher kannst du das wissen?"

„Einfach gut geraten." In Wahrheit erinnerte Tigris sich an die Pläne der Zwillinge, dies zu tun. Etlichen ihrer Experimente würde das Ministerium eher kritisch gegenüber stehen... und dann waren da ihre weniger offiziellen Handelspartner.

Er wandte sich zu ihnen um, unsicher, wo er beginnen sollte.

„Also.", sagte Fred. „Wir warten."

„Sprich deinen verdammten Zauber auf sie und dann lass uns hier verschwinden.", zischte Draco. „Es ist bereits jetzt ein Desaster."

Die Stäbe der Zwillinge hoben sich etwas. „Niemand verhext uns hier.", sagte George grimmig.

Tigris steckte seinen Stab weg. „Gratuliere, Draco. Selbst wenn ich das gewollt hätte, wäre es jetzt unmöglich. Aber wie du dich vielleicht erinnerst, brauche ich Einverständnis für diesen Spruch. Ich bezweifle, dass ein einfacher Obliviate hier ausreichen würde."

Die Augen der Zwillinge verengten sich. „Vielleicht wäre es besser, wenn ihr beide uns eure Stäbe geben würdet."

„Kein Problem.", sagte Tigris, Fred seinen Stab hinhaltend. George winkte Draco mit den Fingern.

„Her damit, Frettchen." Draco gab ihm seinen Stab mit einem furiosen Gesichtsausdruck.

Fred nahm ihre Stäbe und die Zwillinge senkten die ihren. „So... das sieht doch schon etwas mehr nach einer zivilisierten Unterhaltung aus."

„Sei vorsichtig.", sagte Draco drohend. Tigris ignorierte ihn.

„Das mag euch jetzt überraschen,", begann er, „aber ihr kennt mich. Allerdings habe ich vor ein paar Wochen noch anders ausgesehen."

„Hör auf.", warnte Draco gepresst. „Du kannst es ihnen nicht sagen. Du hast es versprochen."

„Das ist nicht, was ich versprochen habe.", entgegnete Tigris ruhig.

Bevor irgendjemand im Raum reagieren konnte, hatte Draco ihn gepackt und gegen die Wand gedrückt. Er hatte einen Dolch in der Hand, von dem Tigris nicht gewusst hatte, dass er ihn bei sich trug. Hatte Draco immer einen Dolch in seinem Ärmel? Wie verrückt war das? Tigris schluckte, als sich das kalte Metall gegen seine Kehle presste. Dracos Stimme war leise und zornig.

„Versprich mir jetzt auf der Stelle, dass du deinen Mund hältst. Du bringst unsere gesamte Familie in Gefahr. Willst du uns umbringen? Sag es, oder ich schwöre beim Grab unserer Schwester, ich töte dich hier und jetzt."

Einen Moment lang war Tigris zu schockiert, um zu antworten. Als er Draco dann in die Augen sah, erkannte er, dass sein Bruder nicht länger wütend war, sondern nur noch verzweifelt. Was, wie ihm mit Schrecken bewusst wurde, viel gefährlicher war. Er presste sich gegen die Wand.

„Hör zu, Draco... sei vernünftig... Ich tue nur, was notwendig ist."

Der Druck an seiner Kehle verstärkte sich. „Das ist kein Scherz, Bruder. Merlin weiß, es ist das letzte auf der Welt, was ich tun will, aber ich WERDE es tun, bevor du uns alle in Gefahr bringst."

In diesem Moment hatten Fred und George sich nah genug herangeschlichen und rissen Draco zurück. Tigris atmete erleichtert auf. Er war sich sicher, dass Draco seine Drohung nicht wirklich wahr gemacht hätte, aber es war dennoch ein beunruhigendes Gefühl, einen Dolch an der Kehle zu haben. Einen ausgesprochen scharfen Dolch. Tigris spürte nun das Brennen, wo er seine Haut geritzt hatte.

Draco kämpfte gegen den Griff der beiden an. Bevor die Situation noch schlimmer wurde, fand Tigris seinen Stab, den Fred fallen gelassen hatte, und lähmte Draco.

Die Zwillinge starrten schockiert auf Draco hinunter. „Das war..."„... unerwartet."

Tigris seufzte. „Wem sagt ihr das?"

Sie sahen ihn an. „Was zur Hölle weißt du, das so verdammt wichtig ist?"

„Lasst uns zuerst dafür sorgen, dass das nicht noch mal passiert." Tigris durchsuchte Draco und fand zwei weitere Dolche. Er legte sie kopfschüttelnd zur Seite. „Ich kann es nicht glauben."

Zusammen mit den Zwillingen setzte er Draco auf einen Stuhl und band ihn daran, dann löste er den Zauber. Draco zerrte einen Moment lang an seinen Fesseln, dann gab er auf, als er merkte dass es zwecklos war. Er sah zu Boden, dann warf er Tigris einen beschwörenden Blick zu. „Tu es nicht, Tigris, bitte. Wenn du es ihnen erzählst, werden sie es anderen erzählen, und je mehr Leute davon wissen, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Verräter darunter ist. Außerdem weißt du, dass ich kein guter Okklumens bin. Vater wird es herausfinden. Du hast versprochen..."

Er beendete den Satz nicht. Tigris griff nach seiner Hand und ging neben ihm in die Knie. „Das habe ich, und ich verspreche dir nochmals: Ich werde nichts tun, was dich oder Mutter in Gefahr bringt. Aber sie wissen bereits zuviel, Draco. Ich weiß, sie können ein Geheimnis bewahren, wenn sie es wollen."

„Wenn sie es wollen.", betonte Draco sarkastisch. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass sie einem Malfoy helfen. Sie werden auf unseren Gräbern tanzen."

„Sie werden MIR helfen.", sagte Tigris ruhig. Er stand auf.

„Es wird Zeit, dass ihr die Wahrheit erfahrt."

Draco schloss die Augen, als könne er auf diese Weise verschwinden.

„Hört, hört.", sagte George. „Also wer bist du?"

„Ich bin Tigris Malfoy, Dracos Zwillingsbruder, wie ihr bereits herausgefunden habt. Die wichtigere Frage ist, wer ich war." Tigris zögerte einen Moment.

„Es wird euch sicher schwer fallen, mir zu glauben, aber ich werde versuchen, es euch zu beweisen. Ich bin in Hogwarts gewesen und wir haben uns gut gekannt. Ihr habt mich im zweiten Schuljahr mit dem Ford Anglia eures Vaters vor den Dursleys gerettet. Ihr habt mir in meinem dritten Schuljahr die Karte der Marauder gegeben. Man öffnet sie mit dem Spruch „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin." Erst letztes Jahr habt ihr für Ablenkung gesorgt, damit ich Umbridges Feuerstelle benutzen konnte, um mit Sirius zu reden. Ich habe euch in meinem Testament 20 000 Galeonen und meinen Anteil an eurem Geschäft vermacht, der von den 1000 Galeonen stammt, die ich euch nach dem Trimagischen Turnier gegeben habe."

Sie starrten ihn an. George fing sich als erster. „Harry?"

Draco zuckte zusammen.

„Du kannst es nicht sein.", sagte Fred. „Du bist tot. Alle Untersuchungen haben das ergeben."

Tigris lächelte bitter. „Oh ja, Vater war sehr gründlich."

„Also... was du sagst ist, du bist Harry Potter, aber Lucius Malfoy ist dein Vater? Das ist absurd."

„Ich wünschte, es wäre so."

Die Zwillinge zauberten ein paar Stühle herbei und setzten sich. Tigris folgte ihrem Beispiel.

„Das ist..."„...schwer zu schlucken."

Fred gestikulierte zu Draco. „Also er ist dein Zwillingsbruder? Seid ihr jetzt plötzlich ein Herz und eine Seele?"

Tigris lachte heiser und rieb sich über die Kehle. Er konnte einen dünnen Streifen getrocknetes Blut fühlen. „Ihr habt gesehen, wie ‚ein Herz und eine Seele' wir sind. Aber wir verstehen uns ein wenig besser, ja. Er kann ein ganz netter Mensch sein, wenn man etwas tiefer gräbt."

„Da muss man aber schon sehr tief graben.", meinte George.

Draco öffnete die Augen und sah Tigris ärgerlich an. „Habe ich dir je gesagt, wie sehr ich es hasse, wenn man über mich redet, als wäre ich nicht da?"

„Nein, aber ich kann es mir vorstellen. Ich dachte, du versuchst so zu tun, als wärst du nicht da."

„Das stimmt, aber du machst es unmöglich."

„Also ist es wahr, was er uns erzählt hat?", fragte Fred an Draco gerichtet. Draco sah ihn nur zornig an.

„Er kann euch nicht antworten.", erklärte Tigris. „Er steht unter einem Zauber, der das verhindert."

„Dem gleichen Zauber, den du auf uns sprechen willst."

„Ja.", gab Tigris zu. „Fragt mich was immer ihr wollt. Ich weiß nicht, wie ich euch beweisen kann, dass ich Harry war, aber ich versuche mein bestes."

Fred musterte ihn nachdenklich. „Welchen Streich haben wir deinem Cousin Rodney vor deinem dritten Jahr gespielt?"

„Du meinst vor meinem vierten Jahr, und er hieß Dudley. Ihr habt mich zur Quidditch-Weltmeisterschaft abgeholt und dabei das Wohnzimmer der Dursleys ruiniert, weil euer Vater nicht wusste, dass sie eine elektrische Feuerstelle haben. Sie waren außer sich, und als wir gingen hast du, Fred, einen Haufen Süßigkeiten fallen lassen, die Dudley natürlich sofort essen musste, verfressen wie er war. Sie sorgten dafür, dass seine Zunge einige Fuß anschwoll. Euer Vater lieferte sich einen höllischen Kampf mit Tante Petunia, bevor sie zuließ, dass er sie schrumpfte."

„Eine Frage noch.", sagte George. „Mit welchem illegalen Geschäft hast du uns letztes Jahr geholfen?"

Darüber musste Tigris einen Moment nachdenken, dann grinste er. „Ihr habt giftigen Tentacula Samen von Mundungus Fletcher gekauft, weil es eine nichthandelbare Substanz der Klasse C ist. Er versuchte, den Preis in die Höhe zu treiben, aber knickte ein als ich sagte, dass Moody in eure Richtung blickt."

Die Zwillinge lächelten sich zu, dann zogen sie ihn in eine Umarmung. „Verdammt Harry... weißt du wie am Boden zerstört wir alle waren? Mutter war in Tränen aufgelöst, ich sage dir, sie hat tagelang nicht geschlafen. Ginny auch nicht. Und Ron..."

„Ihr könnt niemandem davon erzählen.", sagte Tigris sofort.

„Das haben wir schon vermutet.", meinte George ernst. „Aber warum nicht? Sie lieben dich alle, weißt du?"

„Ich weiß!", rief Tigris. „Ich kann nichts dafür! Es war nicht meine Entscheidung!" Er verbarg das Gesicht in den Händen.

Fred legte ihm die Hand auf die Schulter. „Schon gut, Partner. Wir verstehen das. Warum erzählst du uns nicht von Anfang an, was passiert ist?"

Tigris atmete tief durch, dann erzählte er ihnen, was sein Vater ihm erzählt hatte. Er erzählte ihnen auch, wie er bei den Dursleys überrascht worden war und wie er im Malfoy Herrenhaus aufgewacht war.

„Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mich an den Gedanken gewöhnt habe." Tigris wechselte einen Blick stummen Einverständnisses mit Draco. Einige Dinge brauchten die Zwillinge nicht zu wissen. „Aber ich habe es inzwischen akzeptiert."

„Das klingt alles ziemlich weit hergeholt.", meinte George.

Tigris grinste schief. „Stellt ihr plötzlich eure Zwillingserkennungsfähigkeit in Frage?"

Fred schüttelte den Kopf. „Nein, aber es ist trotzdem schwer zu glauben. Wie hast du es geglaubt?"

„Er hat mich dazu gebracht, dass ich den Paternitas Trunk braue."

Fred lachte leise. „Du, mit deinen miserablen Braufähigkeiten? Bist du sicher, du hast das Richtige zusammengemischt?"

„Ich habe drei Versuche gebraucht und mich beinah vergiftet, aber ja, es war das Richtige."

Die Zwillinge musterten ihn mitfühlend. „Wir können verstehen, dass du dir eine Familie wünscht, Harry...", begann George.

„... aber wirklich, die Malfoys?"

„Ich hatte keine Wahl, oder?"

„Offenbar nicht. Trotzdem, du solltest darüber nachdenken. Dumbledore kann dich sicher irgendwo verstecken. Denkst du, Sirius hätte das gewollt?"

„Nein.", sagte Tigris ärgerlich. „Sirius hätte gewollt, dass ich renne so schnell ich kann. Aber er ist tot, und ich bin am Leben. Ich habe nie zuvor eine Familie gehabt. Ich mache mir keine Illusionen, Vater ist ein Dunkler Zauberer wenn es je einen gab. Aber ich will es zumindest versuchen." Er griff nach Dracos Hand, der das Gespräch angespannt verfolgt hatte. „Ich weiß selbst nicht, warum ich so fühle, wenn ich sie noch vor zwei Monaten innig gehasst habe. Aber Draco ist mein Bruder..."

Sie lächelten ihm zu. „Wir verstehen das, Harry." Sie nahmen sich demonstrativ bei der Hand. „Wie könnten wir es nicht verstehen? Zwillinge sind etwas Besonderes."

„Aber es ist nicht dasselbe wie bei euch.", wandte Tigris ein. „Wir streiten uns ständig. Ihr streitet euch nie."

George lachte. „Das glaubst du. Wir streiten uns eine Menge, Harry. Aber das muss außer uns keiner wissen."

„Es ist von Vorteil, nach außen hin immer einig zu erscheinen." Fred warf Draco einen Blick zu. „Du solltest das verstehen, als ein Slytherin."

Draco sah einen Moment verblüfft aus. Dann verzog er das Gesicht. „Mag sein. Aber wir werden todsicher nicht anfangen, gegenseitig unsere Sätze zu beenden."

Fred grinste. „Eine sichere Methode, Mütter und andere lästige Personen in den Wahnsinn zu treiben. Es hätte ohnehin nicht den gleichen Effekt, so unterschiedlich wie ihr seid."

Die beiden wurden ernst. „Zusammengefasst lässt sich sagen, keiner darf davon erfahren, wer du bist und dass du Dracos Zwilling bist, weil Voldie euch sonst alle umbringt."

Tigris zuckte leicht zusammen, Draco deutlich heftiger. „Ja."

„Der alte Lucius hat die Dursleys erledigt.", meinte George. „Damit hat er zumindest einmal im Leben der Menschheit einen Dienst erwiesen. Wer hätte das gedacht?"

Draco sah angemessen schockiert aus.

„Mach den Mund wieder zu, Jarv.", sagte George in seine Richtung. „Wir haben diese Entschuldigungen für menschliche Wesen nie gemocht. Das heißt nicht, dass wir mit eurem ganzen Todesser- Quatsch einverstanden sind."

„Also was ist das für ein Spruch, den du auf uns sprechen willst?", fragte Fred.

„Er sorgt dafür, dass ihr niemandem etwas über eine bestimmte Sache mitteilen könnt, ohne dass ihr sie vergesst."

George betrachtete Tigris skeptisch. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit einverstanden bin. Ich finde, zumindest der Orden sollte davon erfahren."

„Nein, Draco hat recht.", widersprach Tigris. „Je mehr Leute davon wissen, desto größer das Risiko."

„Dumbledore.", sagte Fred. „Wenigstens Dumbledore. Er kann sich dann zumindest darauf einstellen."

Tigris nickte, ohne es wirklich zu meinen. „Ich denke darüber nach. Aber der Spruch lässt sich nicht auf diese Weise manipulieren. Ich kann immer noch selbst mit ihm reden, sobald ich in Hogwarts bin."

„Versprich uns, dass du mit Dumbledore redest.", sagte George. „Sonst ist der Deal geplatzt."

Tigris wechselte einen Blick mit Draco. Draco nickte deutlich widerwillig.

„Also gut, ich gebe euch mein Wort als Zauberer, dass ich mit Dumbledore reden werde."

„Gut." Fred wechselte einen nervösen Blick mit George. „Müssen wir irgendetwas tun?"

„Nein. Entspannt euch einfach und denkt an alles, über was wir heute geredet haben."

Tigris konzentrierte sich.

„Recordatio saeptum es."

Die Zwillinge blinzelten. „Es fühlt sich eigenartig an."

Tigris ging zu Draco und sah ihn gerade heraus an. „Kann ich dich jetzt losbinden?"

Draco nickte nur. Tigris ließ die Fesseln verschwinden. Sein Bruder rieb sich die Arme, um die Durchblutung wieder anzuregen. „Ich habe ehrlich nicht gedacht, dass sie dich das tun lassen."

Tigris lächelte den Zwillingen zu. „Du kennst sie eben nicht so gut wie ich."

Draco steckte seine Dolche und seinen Zauberstab wieder ein. „Es ist spät geworden. Wir sollten gehen. Es ist nicht ratsam, Vater warten zu lassen."

Fred heilte den Schnitt an Tigris' Hals, dann legte er ihm kameradschaftlich die Hand auf die Schulter. „Wir wünschten, wir könnten dir einen Anteil an unserem Geschäft geben, Tigris."

Tigris lachte. „Danke, aber das ist wirklich unmöglich. Wenn das nicht ein Skandal wäre: Weasleys, die Geschäfte mit einem Malfoy machen."

„Ich kann mir Vaters Gesicht vorstellen, bevor er den dazugehörigen Wutanfall bekommt.", meinte Draco humorlos. Er strich seine Robe glatt. „Können wir gehen? Es sei denn, du willst noch mit ihnen Katzenwitze auf meine Kosten reißen."

George öffnete den Mund und runzelte die Stirn. Draco musterte ihn nachdenklich, dann grinste er. „Sie können nicht über die Katzensache reden? Da hast du einmal etwas Vernünftiges getan, Bruder."

Tigris zuckte mit den Schultern. „Ich hatte das Gefühl, ich schulde dir etwas."

„Warum nennst du ihn so, wenn er dein Cousin ist?", fragte Fred.

„Lucius hat mich offiziell adoptiert.", erklärte Tigris. „Er hat Recht, wir sollten gehen."

Fred und George umarmten ihn kameradschaftlich. „Sei dir sicher, dass du immer hier willkommen bist, Tigris."„Du kannst sogar ihn mitbringen, wenn du musst."

„Ich bin begeistert.", murmelte Draco.

Tigris grinste. „Lass uns gehen."

Als sie in den Laden zurückkamen, sahen sie Lee Jordan hinter der Theke, der mit Verkaufen beschäftigt war.

„Noch etwas.", meinte George. „Ich will dich nicht beunruhigen, aber so wie du aussiehst und mit deinem Namen... sei vorsichtig mit Ron."

Tigris warf ihm einen überraschten Blick zu. „Vorsichtig? Ich habe nicht erwartet, dass er freundlich reagiert, aber was meinst du mit vorsichtig?"

„Du wirst sehen.", meinte George vage. „Ich wollte es nur gesagt haben."

Draco blieb stehen und sah zum Schaufenster hinaus. „Verdammt."

Tigris folgte seinem Blick und erstarrte.

Nicht weit von Weasleys Wizard Wheezes entfernt stand ihr Vater und unterhielt sich mit einem Auror.

„Das ist Jennings.", zischte George hinter ihm. „Auf du und du mit Lucius... die Schlange."

„Er leitet die Suche nach Bellatrix Lestrange.", erklärte Fred hinter ihm. „Kein Wunder, dass er keinen Erfolg hat."

„Ich frage mich, wie viel Gold da die Hand wechselt."

„Würdet ihr bitte davon Abstand nehmen, in unserer Gegenwart so über unseren Vater zu reden.", zischte Draco mit zusammengebissenen Zähnen, den Blick noch immer auf die beiden Männer fixiert.

„Gibt es eine Möglichkeit, wie wir ihm aus den Weg gehen können?", fragte Tigris leise.

„Uneinigkeit im Hause Malfoy?", meinte Fred spöttisch. „Sicher. Wenn ihr kein Problem mit Knockturn Alley habt, heißt das."

„Das ist kein Problem.", sagte Draco hastig.

„Aber Mutter...", wandte Tigris ein.

„Wen willst du lieber verärgern, Mutter oder Vater?", schnappte Draco.

Tigris schauderte unmerklich. „Wo müssen wir hergehen?"

Die Zwillinge grinsten und führten sie tiefer in den Laden. „Lasst euch den größten Vorteil dieses Standorts zeigen!"

Sie durchtraten eine Tür und der Laden wurde um einiges düsterer, wie auch die Auslagen dubioser.

„Einige unserer weniger erprobten..." „... oder vom Ministerium abgesegneten..." „... Artikel. Willkommen zu ‚Gred und Forge's'..." Fred öffnete eine Tür neben einem verstaubten Fenster. „In Knockturn Alley."

Tigris starrte zur Tür hinaus. „Wow... das ist..."

„... beeindruckend.", beendete Draco den Satz.

Fred und George kicherten. „Wartet es nur ab, wir bekommen euch noch so weit..."„... dass ihr euch Digris und Traco nennt."

„Nur über meine tote, kalte Leiche.", murmelte Draco.

Die beiden grinsten breit. „Auf Wiedersehen, Digris." „Wir würden sagen, wir würden dich vermissen, wenn wir's würden, Jarv." „Geht nicht verloren." „Grüßt Luc nicht von uns."

„Vielen Dank für alles.", erwiderte Tigris. „Alles Gute."

Damit standen sie vor einem winzigen alten Geschäft in Knockturn Alley. Draco atmete sichtlich erleichtert auf.

„Endlich." Er sah sich um. „Hier entlang."

„Komm, so schlimm sind sie nun auch wieder nicht."

Sceolaing auf Tigris' Schulter schuhute zustimmend.

Draco warf Tigris einen ärgerlichen Blick zu. „Sie sind furchtbar... Ich muss zugeben, sie sind am erträglichsten von allen Weasleys... was nicht viel heißt."

„Du musst zugeben, sie hatten nicht unrecht damit zu sagen, dass man nach außen hin einig erscheinen soll."

„Würdest du das auch nur versuchen? Es würde niemals funktionieren. Du, mit deinem unerschütterlichen Glauben, dass Muggel und Zauberer gleich sind."

„Ich denke nicht, das Muggel uns gleich sind.", protestierte Tigris.

„Wirklich?", meinte Draco sarkastisch. „Ich vermute, die letzten Jahre waren nur ein cleveres Schauspiel."

„Wirklich nicht!", bestand Tigris. „Ich meine, es wäre Unsinn das zu denken, schließlich können Muggel eine Menge Dinge nicht, die wir können. Wovon ich hingegen überzeugt bin ist, dass Reinblütige und Muggelgeborene gleich sind."

„Welcher Unterschied."

„Es ist ein großer Unterschied!"

„Wenn du das sagst. Hör zu, ich habe keine Lust mehr zu streiten. In erster Linie deshalb, weil ich noch so sauer auf dich bin, dass ich eine Prügelei anfangen könnte und ich denke nicht, dass Vater darüber glücklich wäre. Lass uns diese Diskussion für zuhause aufheben... am besten bis morgen. Dann sind wir ausgeruht und ich kann vielleicht der Verlockung widerstehen, dir ein paar Rippen zu brechen."

„Okay..." Tigris warf Draco einen unsicheren Seitenblick zu. Draco hatte allen Grund wütend auf Tigris zu sein, das konnte er nicht abstreiten. Tigris hatte ihn in Weasleys' Wizard Wheezes geschleift, ihn in eine Katze verwandelt und an einen Stuhl gebunden. Andererseits hatte Draco gedroht Tigris umzubringen und ein paar hässliche, schmerzhafte Kratzer in Tigris' Bein hinterlassen. Tigris' Meinung nach waren sie quitt. Er scheute jedoch davor zurück, dies gerade jetzt zu Sprache zu bringen. Vor allem, da Draco sich offensichtlich anstrengte, nicht auszurasten.

Ihr Vater war zu ihrem Glück nicht sehr daran interessiert, wo sie gewesen waren, auch wenn er der Eule einen missbilligenden Blick zuwarf. Er schien mit seinen Gedanken woanders zu sein und ging, sobald sie zurück im Herrenhaus waren. Ihre Mutter war begeistert, weil die Pakete von Madame Malkin's inzwischen angekommen waren und ihr aufgeregter Redeschwall lenkte Tigris eine Weile von den Geschehnissen ab.


Danke für eure Reviews an: anni kiddo, Cat Ballou, Esta, Kissymouse, Stupor, auxia, Lyoness, blub

Stupor: Ich habe überlegt, ob ich deine Frage beantworte (wie ihr vielleicht gemerkt habt, lege ich gerne Rätsel ;-) ), aber da es nicht so leicht herauszufinden ist:

Sceolaing und Bran sind die Hunde des Finn aus den keltischen Sagen. Es sind Zwillinge, und man sagt auch, dass sie den Raben Odins aus dem germanischen Mythos entsprechen. Sceolaing bedeutet übersetzt „Bringer von Neuigkeiten".

Esta: Arrgh, ein Zaunpfahl! Sie werden immer nach mir geworfen und verfehlen mich jedes Mal... ;-) /duckt sich, sieht sich vorsichtig um, und tippt dann unbeeindruckt weiter/