Disclaimer:

Wem gehört Harry Potter? Wer könnte diese Frage besser beantworten als unser Held selbst? Und hier ist er auch schon. Guten Tag, Harry. Nur eine kurze Frage...

Du bist Rita Skeeter in Verkleidung, nicht wahr? Hermione!

Also wirklich, wer hätte gedacht, das Harry so schreckhaft ist? Hilft mir jetzt jemand aus diesem Glas? Ich gebe auch zu, dass Harry JKR gehört...


Schatten der Wahl

20. Erscheinungen

Tigris legte seine Feder beiseite. Es war bald Zeit für Mittagessen und er hatte bereits alle Hausaufgaben für die nächste Woche erledigt. Sprouts Aufsatz war der anspruchsvollste gewesen, aber ‚Tausend magische Kräuter und Pilze' hatte ihm sehr dabei geholfen. Der Aufsatz für Zaubertränke war leichter gewesen, als Tigris gedacht hatte, aber es war schließlich nur Theorie. Er hatte sich noch immer nicht mit Snapes seltsamen Verhalten auseinandergesetzt, und er war sich auch nicht sicher, ob er das wollte. Tigris runzelte ärgerlich die Stirn und sah sich nach einem Buch um, das er noch nicht gelesen hatte. Als er nicht sofort eines fand, räumte er die Pergamentrollen zur Seite und sah unzufrieden auf den leeren Tisch. Plötzlich hasste er den Verlauf, den sein Leben genommen hatte. Er konnte sich nicht wirklich vormachen, dass er Spaß daran hatte, seine Zeit nur mit Lesen zu verbringen, so nützlich es auch war. Natürlich dachte er nicht darüber nach, solange sich seine Gedanken mit einem Buch beschäftigten. Hatte er nicht noch ein Buch über Verteidigung gegen die Dunklen Künste, das Hatkee empfohlen hatte?

Was würde Harry Potter wohl jetzt gerade tun? Vielleicht wäre er in ein Kartenspiel mit Ron vertieft oder würde mit dem Gryffindorteam Quidditchmanöver planen. Tigris lachte heiser auf bei dem Gedanken, in den Slytherin-Gemeinschaftsraum zu gehen und mit einem der Anwesenden ein Spiel Explodierendes Snap zu spielen. Die Slytherin akzeptierten ihn inzwischen, aber Tigris hatte das Gefühl, sie taten es mehr wegen Draco als wegen ihm selbst. Manchmal wünschte er sich, er könnte mit ihnen so unbekümmert herumalbern und lachen wie mit den Gryffindors, aber das war schlicht unmöglich. Es war, als unterläge alles, was sie taten, obskuren Spielregeln. Tigris würde ein Außenseiter bleiben, so lange er sie weder kannte, noch bereit war sie mitzuspielen. Es war soviel einfacher, sich in eine Ecke zu setzen und ein Buch zu lesen.

Er wühlte in seiner Truhe. Er war sicher, er hatte dieses Buch aus der Bibliothek mitgenommen. Draco hatte die ärgerliche Angewohnheit, Dinge die ihm im Weg waren einfach in die nächstbeste Ecke zu werfen. Vielleicht hatte Tigris das Buch auf dem Tisch liegen lassen und er hatte es Merlin weiß wohin geschmissen. Tigris schlug gereizt den Deckel der Truhe zu. Wahrscheinlich würde Harry Potter sich gerade wieder in eines der haarsträubenden Abenteuer verwickeln, die ihn so anzuziehen schienen, sich und seine Freunde dabei in Lebensgefahr bringend, gelegentlich einen von ihnen dabei sterben lassend. Er sollte dankbar dafür sein, dass er die Chance hatte, ein normales Leben zu führen. Es hatte keinen Sinn, darüber nachzudenken. Nicht den geringsten.

Tigris war kurz davor, in die Bibliothek zu gehen, als sich die Tür öffnete und Draco und Pansy hineinkamen. Tigris seufzte innerlich. Er fand ihr öffentliches Flirten inzwischen nur noch nervtötend, eins der wenigen Dinge, in denen er mit Theodore übereinstimmte. Er war nur dankbar, dass Draco nie über Pansy sprach, wenn sie allein waren, wie verliebt er ansonsten auch schien. Tigris konnte sich nicht dazu durchringen, das Mädchen zu mögen. Es wäre eine grauenhafte Vorstellung, mit ihr verheiratet zu sein.

Tigris war überrascht, als Draco die widerstrebende Pansy von sich weg schob, sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte.

„Das reicht, Parkinson. Wir sind unter uns."

„Was ist mit ihm?", gurrte sie, mit dem Kopf auf ihn deutend, die Arme noch immer um Dracos Hals geschlungen.

„Er ist mein Cousin.", antwortete Draco ungehalten. „Er zählt nicht." Er schob sie von sich weg und ließ sich auf sein Bett fallen. „Platzier dein dekoratives Selbst irgendwo entfernt von mir. Es gibt eine Menge Platz in diesem Raum."

Pansy setzte sich auf den nächsten Stuhl. „Du bist so ein arrogantes Arschloch, Malfoy. Ich habe es langsam satt, weißt du?"

Draco zuckte mit den Schultern. „Wirklich? Denkst du, es ist ein Vergnügen für mich, den größten Teil meiner Zeit mit einer hirnlosen Hure zu verbringen?"

Pansy presste die Lippen zusammen und ihre Augen funkelten wütend. „Ich bin nicht diejenige von uns, die sich für andere verkauft.", zischte sie.

Draco lachte spöttisch. „Denkst du das wirklich, SCHATZ?"

Tigris überwand seine Verblüffung. „Gibt es da etwas über euch zwei, dass ich wissen sollte?"

Draco seufzte. „Du weißt doch, dass wir verlobt sind. Wir sind ein paar Mal ausgegangen, aber es hat nicht funktioniert. Wir sind zu unterschiedlich."

„Was für eine unglaubliche Untertreibung.", sagte Pansy zynisch. „Ich habe niemals zuvor einen so selbstverliebten und gefühllosen Idioten getroffen, wie ihn. Er denkt, die Welt sollte sich um ihn drehen, nur weil sein Nachname Malfoy lautet."

„Und du bist eine Schlampe, die jedem Wesen hinterherläuft, was einigermaßen männlich aussieht.", gab Draco zurück. „In deinem hübschen Kopf existiert Nichts außer Status, Sex und Aussehen."

Pansy verzog spöttisch das Gesicht. „Immerhin mehr, als man über DEIN hübsches Köpfchen sagen kann, Malfoy."

„Halt, halt.", sagte Tigris. „Wieso gebt ihr euch überhaupt miteinander ab, wenn ihr euch so verabscheut?"

„Weil alle es erwarten.", spie Draco. „Meine Eltern, ihre Eltern, die Slytherins... Jeder, der weiß, dass wir verlobt sind."

„Nachdem ich einmal mit ihm ausgegangen war, konnten wir nicht mehr Schluss machen. Es wäre ein Skandal gewesen.", fügte Pansy hinzu.

„Etwas, dass sie fürchtet wie ein Grindylow das Feuer.", spottete Draco.

„Ach, und du nicht Malfoy? Wer von uns babbelt denn dauernd Vater hier, Vater da?"

„Fein.", murmelte Draco. „Jedenfalls ist das der Grund. Ich mag sie nicht mal besonders wäre ein Understatement."

„Gefühle, die ich aus tiefstem Herzen erwidere."

Die beiden starrten sich ärgerlich an.

Tigris runzelte die Stirn. „Vielleicht bin ich ein wenig schwer von Begriff, aber warum könnt ihr nicht Schluss machen? Es heißt ja nicht, dass ihr eure Verlobung aufkündigt. Wann wollte ihr heiraten, in vier Jahren, fünf? Wer kann es euch zum Vorwurf machen, wenn ihr vorher noch ein paar andere Erfahrungen sammeln wollt?"

„Das ist nicht so einfach!", zischte Pansy. „Wir haben eine Vorbildfunktion. Wir würden unsere Positionen in Slytherin riskieren!"

„Richtig.", sagte Draco. „Sie erwarten, dass wir ein perfektes, glückliches Paar sind. Da bleibt kein Platz für ‚andere Erfahrungen'"

Tigris zuckte mit den Schultern. „Ich hatte zwar nie das Gefühl, dass sie euch für ein perfektes Paar halten, aber es ist schließlich euer Leben."

Pansy stand ärgerlich auf. „Ich habe genug von diesem sinnlosen Gequassel. Ich gehe jetzt. Ich habe noch Hausaufgaben zu erledigen."

„Oh bitte, entziehe uns nicht deiner lieblichen Gegenwart, Pansy-Herzchen!", sagte Draco zynisch. „Meine Welt wird arm sein ohne dich."

„Ich wünschte, dein Spiegelbild würde eines wundervollen Tages zu deinem qualvollen Untergang, Drakie-Schatz.", erwiderte Pansy mit zuckersüßer Stimme, warf ihm einen Kuss zu und ging.

„Warum hast du mir das nicht früher gesagt?", fragte Tigris Draco, als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte. Sein Bruder zuckte mit den Schultern.

„Du hast nie gefragt." Er sah auf die Uhr. „Wir sollten zum Mittagessen gehen."

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Als sie den Gemeinschaftsraum betraten sah Draco sich stirnrunzelnd um. „Wo bei Mordraud sind Vincent und Gregory? Als ich ging waren sie noch genau dort drüben."

In einer Ecke des Raumes hatte sich eine Ansammlung von Slytherins gebildet, aus der sich nun Helena Wilkes löste. Sie kam mit zweien ihrer Klassenkameraden auf sie zu und baute sich vor Draco auf.

„Hast du vor das zu erklären?"

„Was sollte ich deiner Meinung nach erklären, Helena?", fragte Draco, unbekümmert von dem Aufruhr.

„Was für ein Spiel spielst du eigentlich?", kreischte sie unerwartet. „Nimmst dieses... dieses dreckige Halbblut in unser Team auf! Warte, bis dein Vater davon erfährt!"

„Mein Vater", entgegnete Draco bemerkenswert gelassen, „versteht den Wert von Talent. Er hat außerdem ein Verständnis für das, was man das höhere Ziel nennt. Etwas, was dir offensichtlich fehlt."

„Etliche Leute können bezeugen, dass ich besser geflogen bin!"

„Dann lügen sie. Du fliegst nicht einmal genauso gut. Außerdem hast du vor dieser Auswahl nie ein Interesse an Quidditch gezeigt. Wann hattest du vor zu trainieren, neben all deinen anderen Tätigkeiten? In der Nacht? Ich hatte gute Gründe, dich nicht zu nehmen, glaub mir. Es ist nichts gegen dich persönlich. Es geht allein um das Team und Slytherin."

„Er bringt Schande über das Team."

„Das Team wird mit ihm gewinnen. Das ist das einzige, was zählt. Am Ende wirst du das begreifen."

„Es wird dir kein Glück bringen, wenn du dich mit seinesgleichen abgibst.", warnte Helena.

„Ich habe nie gesagt, dass ich ihn mag.", entgegnete Draco unberührt. „Er kann den Schnatz fangen, nicht mehr und nicht weniger."

Helena starrte ihn an. „Es wird dir kein Glück bringen.", wiederholte sie dann.

Die restlichen Slytherin hatten ihrer Debatte zugehört. Als sie nun ging begannen sie heftig zu diskutieren.

„Ich denke, es ist die richtige Entscheidung.", meinte Blaise, die irgendwo hinter ihnen gestanden hatte. „Das Team wird mit ihm gewinnen."

„Das wird es.", meinte Theodore. „Aber ist es das wert?"

Draco zuckte die Schultern. „Er ist nur ein Halbblut. Zweite Generation. Sie werden lernen, damit zu leben."

„Hoffen wir es.", sagte Theodore, alles andere als überzeugt.

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Am Dienstag war Tigris mit den Mädchen auf dem Weg zu Alte Runen. An dem Verhältnis zwischen Pansy und Draco hatte sich nach außen hin nichts geändert. Sie waren beide gute Schauspieler. Tigris verstand sie nicht, also hatte er beschlossen, es zu ignorieren. Er für sich fand die Vorstellung grauenhaft, eine Beziehung mit jemandem vorzutäuschen, den er verabscheute. Er hätte alles getan, um sie zu beenden, aber Draco und Pansy dachten da offensichtlich anders. Nun, das war nicht seine Angelegenheit. Tigris hatte gesagt, was er dachte. Mehr konnte er nicht tun.

„In zweieinhalb Wochen ist das Spiel gegen Hufflepuff.", meinte Tracey gerade. „Denkt ihr, wir haben eine Chance mit so vielen neuen Spielern?"

„Wir werden gewinnen.", antwortete Tigris, wie etliche Male zuvor. Dracos Team war seit seiner Bekanntgabe das Hauptgespräch in Slytherin. Er hoffte, das würde sich geben, wenn sie das erste Spiel gewonnen hatten.

„Es ist nicht wirklich ein Slytherin Team.", meinte Millicent.

„Warum nicht?", entgegnete Tigris etwas ärgerlich. „Alle Spieler sind Slytherin, oder nicht? Als ich das letzte Mal nachsah, waren es die besten Spieler, die Slytherin zu bieten hat."

„Woher weißt du überhaupt so viel von Quidditch?", fragte Pansy. „Ich dachte, in Ginevras wird nicht gespielt?"

„Das stimmt, aber ich habe mich theoretisch damit beschäftigt."

„Theorie kann man nicht mit Praxis vergleichen.", sagte Millicent überlegen. „Ich spiele Quidditch und ich sage, es ist ein schlechtes Team. Er hätte es lieber lassen sollen, wie es vorher war. Mit Spielern aus den alten Familien, wie es immer war. Wir sollten uns nicht mit Mittelmaß messen müssen."

„Wer aus dem Team ist denn Mittelmaß für dich?", zischte Tigris zwischen zusammengebissenen Zähnen. „Hitoshi? Blaise?

„Dieses Halbblut natürlich."

„Sicher hatte er seine Gründe.", widersprach Pansy halbherzig. „Er ist ein Malfoy. Er weiß was er tut." Sie lächelte übertrieben verliebt.

Tigris bewunderte sie halb, halb widerte sie ihn an. Sie gingen um eine Ecke. Tigris war noch immer in Gedanken und sah das entgegenkommende Mädchen erst, als sie bereits in ihn hineingerannt war. Er stolperte einen Schritt zurück, konnte sich aber auf den Füßen halten. Das Mädchen landete auf dem Boden und die Bücher, die sie in ihrer Tasche gehabt hatte, verteilten sich um sie herum.

„Entschuldigung.", sagte Tigris erschrocken. „Es war meine Schuld, ich habe nicht darauf geachtet, wohin ich laufe. Warte, ich helfe dir."

Er bückte sich, um eins der Bücher aufzuheben. Sie schüttelte ihre Verwirrung ab und sah auf.

„Nein, es war meine Schuld. Ich war in Gedanken..."

Sie erstarrten beide, als sie ihr Gegenüber erkannten. Dann fuhr Tigris fort, die Bücher aufzuheben und streckte die Hand aus, um ihr auf die Füße zu helfen. „Wir sollten in Zukunft wohl beide mehr auf unsere Umgebung achten."

„Ja." Hermione ließ sich aufhelfen und nahm verlegen die Bücher in Empfang. „Wir... ähm... sollten zum Unterricht gehen."

„Ja." Es folgte ein Moment unangenehmer Stille. Dann begann sie, ihre Bücher zurück in die Tasche zu räumen und er wandte sich ab.

„Wie kannst du nur so freundlich zu ihr sein?", zischte Pansy, sobald sie einen Schritt entfernt waren.

„Ich habe nie viel von dieser übertriebenen Hausrivalität gehalten.", antwortete Tigris gespielt unwissend.

„Das ist es nicht.", sagte Millicent mit gesenkter Stimme. „Sie ist ein Schlammblut!"

„Tatsächlich?", entgegnete Tigris unbeeindruckt. „Das ist nicht ansteckend, oder?"

„Bist du so dumm?", fragte Pansy. „Du kannst dich nicht mit etwas wie ihr abgeben!"

„Was du nicht sagst. Ich dachte, ich hätte es gerade getan."

Pansy schüttelte ärgerlich den Kopf. „Es ist peinlich. Vernünftige Leute werden auf Distanz gehen, wenn sie dich so sehen. Glaube mir, es ist besser für dich, sie in Ruhe zu lassen. Ein reinblütiger Zauberer wie du, der aus einer so guten Familie stammt... das ist doch kein Umgang für dich."

Tigris verzog das Gesicht, aber rang seine wütende Entgegnung nieder. „Ich werde darüber nachdenken."

Pansy legte ihm gönnerhaft die Hand auf den Arm. „Tu das. Du wirst sehen, dass wir recht haben."

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Als Hermione sich nicht mehr konzentrieren konnte, ließ sie ihr Buch sinken und strich ihrem Kater durch das Fell.

„Er ist eigenartig, Crookshanks. Ich weiß nicht, ob ich ihm trauen kann, aber etwas in mir sagt, ich kann es. Ist das nicht seltsam?"

Der rotbraune Halbkniesel schnurrte laut vor sich hin und rieb seinen Kopf an ihrer Hand. Sie seufzte. „Manchmal wünschte ich, du könntest reden. Ich habe das Gefühl, du weißt immer ganz genau, was vor sich geht."

Crookshanks schnurrte noch lauter und leckte ihr mit seiner rauen Zunge über den Finger. Parvati steckte den Kopf zur Tür herein.

„Hermione? Ron ist draußen und will dich sprechen."

Hermione legte ihr Buch beiseite. „Hat er gesagt, was er will?"

„Nein, aber er sieht nicht sehr glücklich aus."

„Wann ist er jemals glücklich?", sagte Hermione ungehaltener, als sie beabsichtigt hatte.

Parvati zog die Brauen hoch. „Habt ihr Krach?"

Sie stand auf. „Nein. Nein, er ist einfach nur so... Ron."

„Oh, ich verstehe.", sagte Parvati wissend.

„Nein, tust du nicht.", erwiderte Hermione, an ihr vorbeigehend. „Wehe, du erzählst dem ganzen Haus, wir hätten Krach. Ich lasse dich nie mehr von mir abschreiben, das schwöre ich."

„Das würde ich doch nie tun.", sagte Parvati beleidigt. „Ich erzähle solche Sachen nicht weiter."

„Natürlich nicht. Denk einfach daran, was ich gesagt habe." Hermione ging.

Kurz vor der Treppe zögerte sie einen Moment. Ihr wurde plötzlich bewusst, dass sie begonnen hatte, Ron zu meiden. Kein Wunder, ihr Zusammensein endete jedes Mal auf die ein oder andere Weise unangenehm. Sie hatte das Gefühl, dieses Mal war keine Ausnahme.

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„Du bist ein Idiot." Draco war ärgerlicher, als er die ganze Woche gewesen war. „Warum kannst du nicht einfach die Finger von ihr lassen? Sie ist tabu, begreifst du das nicht?"

„Ich habe ihr nur die Bücher aufgehoben!", schrie Tigris ärgerlich zurück. „Was hätte ich tun sollen, einfach weitergehen?"

„Ja!" Draco hob frustriert die Hände zum Himmel. „Du bist so intelligent, wenn es sich um Bücher handelt, aber wenn es um das richtige Leben geht hast du nicht mehr Verstand, als ein Dreijähriger. HALTE DICH VON IHR FERN! Das kann doch nicht so schwer sein."

„Ich habe nicht vor, so zu werden, wie du!", fauchte Tigris zurück.

Draco starrte ihn an, dann presste er ärgerlich die Lippen zusammen. „Tu, was du willst. Es wird dir noch früh genug leid tun."

Sie sahen sich zornig an. Plötzlich hasste Tigris die bevorstehende Tränkestunde noch mehr als ohnehin.

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„Kannst du mir erklären, was du mit diesem Slytherin zu schaffen hast?" Hermione war nicht einmal die Treppe hinunter. „Ich habe dir doch gesagt, du sollst dich von ihm fernhalten!"

Etliche Augen im Gemeinschaftsraum richteten sich auf sie. Hermione spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss.

„Ich habe gar nichts mit ihm zu schaffen! Ich bin zufällig in ihn hineingelaufen, wenn du das meinst.", antwortete sie so ruhig wie möglich.

„Ach, und rein zufällig hat er dir aufgeholfen?", fragte Ron sarkastisch.

„Ja, weil er ein Gentleman ist."

„Er ist ein Slytherin!"

„Na und? Ich habe noch nie gelesen, dass man unhöflich sein muss, um nach Slytherin zu kommen!"

„Diese Schlangen tun doch nie etwas ohne einen verborgenen Grund! Wie kannst du ihn auch noch verteidigen?"

„Vielleicht, weil er nicht so ist, wie du ihn darstellst? Du kennst ihn doch gar nicht!"

„Oho, und du kennst ihn, ja?"

„Zufällig, ja, Ronald. Ich bin in mehr als einem Kurs mit ihm."

„Deswegen unterhältst du dich mit ihm, als wärt ihr die besten Freunde? Er ist gefährlich, Herm!"

„Woher willst du das wissen?"

„Ich weiß es einfach!", schrie Ron. „Du solltest nicht einfach allein durch Hogwarts wandern und dich mit Slytherins abgeben! Wer weiß, was passieren könnte! Man kann ihnen nicht trauen, Hermione!"

„Und was sollte hier passieren?", fragte Hermione ungewollt spöttisch. „Dies ist Hogwarts, Ron. Dumbledore hat seine Augen überall."

„Man kann nie wissen! Verstehst du nicht, dass ich dich nur beschützen will!", rief er.

„Ich kann auf mich selbst aufpassen!", schrie sie, die Beherrschung verlierend. „Ich bin kein kleines Kind mehr! Harry hätte das verstanden!"

Ron wurde blass und schluckte. Dann sah er zu Boden. „Ich bin sicher, das hätte er.", entgegnete er heiser.

In diesem Moment erkannte Hermione ihren Fehler und beruhigte sich schlagartig. „Ron... Ron, es tut mir leid."

Ron wandte sich ab. „Nein... mir tut es leid, Hermione... Ich... Lass mich einfach einen Augenblick alleine." Er verließ mit schnellen Schritten den Gemeinschaftsraum in Richtung der Jungenschlafräume.

„Ron!", rief Hermione ihm nach. Sie wollte ihm nachlaufen, aber Sally-Ann hielt sie auf. „Vielleicht solltest du ihn wirklich eine Weile allein lassen."

„Ich denke nicht..." Hermione seufzte. „Vielleicht hast du Recht."

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„Wir werden dieses Spiel gewinnen!"

Tigris schlug gegen Dracos Hand. „Kein Zweifel daran."

Es war Donnerstag und sie kamen von einem hervorragenden Training. Zu aller Überraschung hatte keiner der anderen Spieler gegen den neuen Sucher protestiert. Das Team spielte besser zusammen, als sie je erwartet hatten.

„Es könnte nicht schaden, Theodore wegen der Taktik zu fragen." Tigris hatte das Spiel von der Tribüne aus beobachtet und fand, das war das einzige, was ihnen noch fehlte.

„Theodore hat doch keine Ahnung von Quidditch."

„Aber er hat Ahnung von Taktik und er kennt die Spielregeln. Wenn er sich ein wenig mit dem Gedanken beschäftigt, kann er uns bestimmt nützlich sein."

Sie hatten die Eingangshalle betreten und Draco blieb abrupt stehen. Tigris folgte seinem Blick und erstarrte.

Snape war gerade aus der Großen Halle getreten und direkt neben ihm war jemand, den sie beide nicht erwartet hatten – ihr Vater.

Er sah zu ihnen hinüber und lächelte. „Draco! Tigris! Ich war bereits auf der Suche nach euch."

Zögernd gingen sie auf ihn zu, aber Draco fiel schnell in sein geübtes Lächeln.

„Vater! Ich wusste nicht, dass du kommst!"

Ihr Vater warf Snape einen kurzen Blick zu und lächelte dünn.

„Nachdem einer der Schulräte überraschend verstorben war, beschloss der restliche Schulrat, mich zurück zu berufen. Ich hielt es für meine Pflicht dem Direktor bei meinem Amtsantritt einen Besuch abzustatten. Außerdem habe ich mich natürlich darauf gefreut, euch zu sehen."

„Was für eine großartige Überraschung! Wie geht es Mutter?"

„Gut. Sie richtet euch ihre Grüße aus. Vielleicht sollten wir an einen Ort gehen, wo wir uns in Ruhe unterhalten können. Severus?"

„Natürlich. Rechts neben meinem Büro ist ein unbenutzter Raum. Ich habe noch etwas in der Bibliothek zu tun. Du kennst das Passwort, Lucius."

Ihr Vater nickte Snape zu. „Danke, Severus."

Snape erwiderte das Nicken und ging.

Ihr Vater lächelte ihnen zu. Sein Blick erschien Tigris wie der einer großen Raubkatze, die ihre Beute studiert. Tigris kam sich gerade sehr vor wie Beute. „Kommt."

Tigris wechselte einen unbehaglichen Blick mit Draco und sie folgten ihm.


Vielen Dank für eure Reviews an: Stupor, blub, YanisTamiem, Truemmerlotte, Esta, Kissymouse, Momochan, Die Happy, Angie, asani-celine, Detlef, Minnilein, Kardia, Kylyen

Angie: Wenn du die letzten Kapitel verfolgst, wirst du sehen (hoffe ich), dass es weniger Angst ist als Nervosität.