Disclaimer:

Hi Mundungus. Was für ein Zufall. Da wir uns gerade so treffen, kannst du mir sicher auch sagen, wem Harry Potter gehört. Mir, richtig?

Nein, aber ich habe gute Beziehungen zu JKR. Für den richtigen Preis könnte ich ihn dir verkaufen, sagen wir 200 Galeonen? Es gäbe auch noch eine Brücke gratis dazu, mit einem wunderbaren Blick auf San Francisco...


Schatten der Wahl

22. Gespräche

„Zitronenbonbons. Bertie Bott's Bohnen. Zuckerstangen. Lakritzschnecken! Vanillefudge! Öffne dich endlich, du dumme Tür!"

Der steinerne Wächter warf Hermione einen schrägen Blick zu und sprang zu Seite. Sie starrte ihn an.

„Das war das Passwort? Oh, wie auch immer." Sie schlüpfte hinein und ließ sich von der Treppe nach oben tragen.

Dumbledores Büro war mit seltsamen Dingen vollgestopft wie immer. Der weißhaarige Schulleiter saß hinter seinem Schreibtisch und musterte Hermione über den Rand seiner halbmondförmigen Brillengläser.

„Willkommen, Miss Granger. Schön, dass Sie einem alten Mann einen Besuch abstatten. Ich fürchte, ich werde in letzter Zeit nur noch von Papierkram heimgesucht."

Er schob die Papierstapel auf seinem Schreibtisch beiseite. Mit einem Wink seiner Hand erschienen eine Teekanne und zwei Tassen an ihrer Stelle.

„Darf ich Ihnen etwas Tee anbieten? Meine Enkelin hat mir diesen hervorragenden Krokantfudge zum Geburtstag geschenkt. Ich versichere Ihnen, er schmeckt wunderbar zu einer Tasse Chinese Green."

Hermione schüttelte stumm den Kopf. Sie hatte absolut keine Lust, etwas zu essen, zu Allerletzt etwas Süßes. Sie hatte noch immer ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Dumbledore goss ihr eine Tasse ein.

„Trinken Sie etwas Tee, meine Liebe. Das beruhigt."

Er hob seine eigene Tasse und atmete den Duft ein. „Ahhh... Eine hervorragende Ernte."

Hermione setzte sich zögernd.

Dumbledore trank einen Schluck, dann öffnete er die Augen und betrachtete sie ernst.

„Ich befürchte, Sie sind nicht nur hier, um mir ein wenig Gesellschaft zu leisten, Miss Granger?"

Sie atmete tief durch und trank einen Schluck Tee. Er war heiß und bitter, aber der Knoten in ihrem Magen löste sich ein wenig.

„Ich gebe zu, ich war neugierig."

„Das kann eine nützliche Eigenschaft sein. Ich gebe zu, manchmal bin ich selbst recht neugierig.", meinte Dumbledore augenzwinkernd. „Aber hin und wieder ist es auch ein Laster."

Hermione beschloss, direkt auf den Punkt zu kommen.

„Ich bin heute Lucius Malfoy gefolgt."

„Mit Hilfe eines gewissen Unsichtbarkeitsmantels, vermute ich? Ich gebe zu, ich bin überrascht, Miss Granger. Ein solches Verhalten ist alles andere als üblich für eine so vorbildliche Vertrauensschülerin wie Sie."

„Ich beobachtete ein Gespräch zwischen ihm, Draco und Tigris.", fuhr Hermione entschlossen fort. „Er misshandelt sie, Professor! Sie müssen etwas dagegen unternehmen! Ich sah es mit meinen eigenen Augen! Ich kann es bezeugen, wenn es notwendig ist!"

Dumbledore sah plötzlich sehr müde aus. Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und seufzte tief. „Ich befürchtete so etwas. Aber natürlich habe ich nie näher nachgeforscht."

„Natürlich?", rief Hermione schockiert. „Wie können Sie so etwas sagen? Wenn Sie es wussten... wenn Sie es auch nur vermuteten... Wie konnten sie einfach zusehen?"

Dumbledore betrachtete sie traurig. „Manchmal, Miss Granger, inmitten der vielen wunderbaren Dinge, die unsere Welt uns bietet, ziehen wir es vor, ihre Schattenseiten zu ignorieren. Aber sie sind dennoch da. Ich bedaure es, dass Sie es auf diese Weise erfahren mussten."

„Ich verstehe nicht...", sagte sie. Ein Teil von ihr weigerte sich, zu begreifen, was er meinte. Sie liebte diese Welt inzwischen. Sie war zu einer Heimat für sie geworden, auch wenn sie Fehler hatte. Sie wollte einfach nicht glauben, dass etwas wie dies ein Teil davon war.

„Es tut mir leid, Miss Granger.", sagte Dumbledore mitfühlend. „Es gibt nichts, was ich tun kann."

„Was?", stammelte Hermione. „Das kann nicht Ihr Ernst sein! Sicher gibt es irgendein Gesetz dagegen! Er hat sie ausgepeitscht! Das kann nicht legal sein!"

Dumbledore lächelte unglücklich. „Ich versichere Ihnen, dass es das ist. Sicher erinnern Sie sich, dass Inquisitor Umbridge letztes Jahr die Prügelstrafe wieder einführen wollte. Denken Sie, das wäre so einfach möglich gewesen, wenn es ein Gesetz gegen solche Strafen gäbe? Noch bei meinem Amtsantritt war es üblich, Schüler zur Strafe auszupeitschen. Es war meine persönliche Entscheidung, das abzuschaffen. Ich war nie der Auffassung, dass körperliche Strafen zur Erziehung beitragen. Bedauerlicherweise wird diese Meinung nicht von allen geteilt."

„Das ist... barbarisch.", sagte Hermione, zutiefst erschüttert. „Jemand sollte etwas dagegen unternehmen."

„Das ist nicht so einfach, Miss Granger, so wünschenswert es auch sein mag. Sie sind in einer anderen Welt aufgewachsen, deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn es Ihnen manchmal schwer fällt, die Konzepte zu verstehen, die in unserer Welt herrschen. Wie Sie noch häufiger feststellen werden, kann die Zaubererwelt im Vergleich zu der Ihren recht... archaisch... sein. Aber alte Auffassungen sind nicht so leicht zu ändern. In diesem Fall sorgt eine sehr einflussreiche Lobby dafür, dass der Status Quo erhalten bleibt."

„Aber es muss doch einen Weg geben, Ihnen zu helfen!", rief sie. „Ganz offensichtlich zwingt Lucius Malfoy die beiden, seinen Idealen zu folgen. Sie wurden bestraft, weil Tigris nett zu mir war! Wir könnten sie davor bewahren, Voldemort zu verfallen!"

Dumbledore strich sich über den Bart. „Vielleicht gibt es tatsächlich noch Hoffnung für sie. Aber ich fürchte, das hängt von ihnen allein ab. Wir können nichts tun, um ihnen zu helfen, solange Lucius Malfoy die Vormundschaft über sie hat, so sehr ich es auch bedaure." Er beugte sich etwas zu Hermione vor und sah ihr ernst in die Augen.

„Das einzige, was Sie für sie tun können, ist Stillschweigen zu bewahren, Miss Granger. Jede Intervention unsererseits würde die Situation nur verschlimmern. Was Mister Malfoy tut mag legal sein, aber es ist keineswegs gut gelitten. Wie glauben Sie wird er reagieren, wenn die Öffentlichkeit davon erfährt? Er wird Draco und Tigris die Schuld dafür geben. Wir können das nicht zulassen. Versprechen Sie mir, Miss Granger, dass Sie niemandem sonst davon erzählen werden. Wirklich niemandem."

Hermiones Gedanken rasten. Dumbledore hatte sie noch nie zuvor belogen. Er war überzeugt von dem, was er sagte. Aber alles in ihr schrie, dass es falsch war. Sie presste die Lippen zusammen. Ihre Eltern waren aus tiefster Überzeugung liberal, und sie hatten sie mit ihren Werten erzogen. Hermione glaubte daran, dass einige Rechte für eine Gesellschaft elementar waren, und sie war immer bereit gewesen, für diese Überzeugung einzutreten. Dies widersprach allem, was sie je gelernt hatte zu glauben. Es war schlimmer als die Sache mit den Hauselfen, die sie von Anfang an verabscheut hatte. Aber dies war Dumbledore und sie vertraute ihm. Sie wollte wirklich nicht daran schuld sein, dass es den beiden noch schlechter ging.

„Also gut.", sagte sie langsam. „Ich verspreche es. Aber ich verspreche Ihnen noch etwas. Wenn ich diese Schule verlasse, werde ich alles daran setzen, diese Missstände in unserem Gesetz aufzudecken und zu beenden. Ich kann nicht untätig in einer Welt leben, die solche Dinge kritiklos hinnimmt."

Dumbledore lächelte ihr zu. „Ich bin überzeugt, Sie werden dieses Versprechen einlösen, Miss Granger. Sie sind eine couragierte junge Frau. Ich werde mit Freude den Tag erleben, an dem Sie erfolgreich sind."

„Er wird früher kommen, als Sie glauben.", sagte Hermione grimmig. „Vor diesem Tag war ich im Zweifel über meine Zukunft. Aber von diesem Moment an weiß ich, welchem Ziel ich mein Leben widmen werde. Ich werde das Ministerium reformieren."

„Wenn das jemandem gelingen kann, dann Ihnen." Das Zwinkern war in Dumbledores Augen zurückgekehrt.

Hermione trank ihren nun kalten Tee aus und erhob sich.

„Ich werde gehen, wenn Sie erlauben, Direktor."

„Natürlich, Miss Granger. Es war eine Freude, Sie hier zu haben." Dumbledore nickte ihr zu.

Sie erwiderte sein Lächeln pflichtschuldigst und verließ das Büro. Hermione respektierte Albus Dumbledore wie keinen anderen Zauberer auf der Welt. Er war ein bewundernswerter Mann. Natürlich konnte er sich nicht mit allen Missständen in der Zaubererwelt beschäftigen. Er musste sich um Voldemort kümmern. Sie wusste das. Aber warum fühlte sie sich dann so mies?

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Hermione kehrte gedankenversunken in den Gryffindor- Gemeinschaftsraum zurück. Den Unsichtbarkeitsmantel hatte sie natürlich längst wieder in ihrer Tasche verstaut. Sie hatte immer gewusst, dass sie mit der Zaubererwelt eine neue und fremde Kultur betrat. Aber das war leicht zu vergessen, wenn die Menschen um sie herum aussahen wie sie, redeten wie sie und sich meistens auch so verhielten. Es war einfach, sich der Illusion hinzugeben, dass alles genauso war, wie bei ihr zuhause, nur dass alle die Fähigkeit besaßen zu zaubern. Bis sie manchmal mit der Nase darauf gestoßen wurde, wie fremd ihr diese Kultur in mancher Hinsicht war. Wie in dem Moment, als Hermione von den Hauselfen erfahren hatte. Und jetzt. Sie ließ sich neben Ron auf die Couch vor dem Kamin fallen und sah in die Flammen. Das Flackern hatte etwas Beruhigendes an sich und ließ sie ihre Sorgen beinah für einen Moment vergessen. Ron beugte sich zu ihr hinüber und küsste sie flüchtig.

„Ist alles in Ordnung, Herm? Du wirkst nachdenklich."

Hermione lächelte müde. Seit ihrem Streit war Ron sensibler als gewöhnlich.

„Ja. Es ist nur etwas, was ich gelesen habe. Nichts Wichtiges."

„Sicher? Es scheint dich zu beunruhigen. Du kannst mit mir darüber reden, weißt du?" Er grinste schief. „Ich tue auch mein Bestes, dir zu folgen."

Hermione kaute unwillkürlich auf ihrer Unterlippe. „Wusstest du, dass es in der Zaubererwelt erlaubt ist, Kinder zu schlagen?"

Ron zuckte mit den Schultern. „Sicher. Aber meine Eltern würden das nie tun."

Sie sah Ron verblüfft an.

„Beunruhigt dich das nicht?"

Ron musterte sie verwundert. „Nein, warum? Du kennst meine Eltern. Mama müsste schon sehr wütend sein, um auch nur einem von uns eine Ohrfeige zu geben. Sogar die Zwillinge sind immer mit allem davon gekommen, und sie haben einigen Unsinn angestellt."

„Aber denkst du nicht, dass es falsch ist, Kinder zu schlagen, die sich nicht wehren können?", beharrte Hermione.

„Natürlich ist es nicht gut.", stimmte Ron ihr zu. „Aber nicht alle Eltern sind so geduldig wie meine. Wenn Malfoy nicht so verwöhnt wäre, würde ich wetten, dass sein Vater ihn grün und blau schlägt." Er grinste flüchtig. „Ich würde es dem Frettchen gönnen."

„Wie kannst du so etwas sagen!", rief Hermione entsetzt. „Niemand verdient so etwas. Es sollte ein Gesetz geben, welches das verhindert!"

Ron lachte. „Also komm, Herm, übertreibst du da nicht etwas?" Er wurde wieder ernst, als er ihren zornigen Blick sah. „Meinst du das wirklich? Ein Gesetz? Gibt es bei den Muggeln Gesetze, die Eltern vorschreiben, wie sie ihre Kindern erziehen sollen?" Er klang schockiert.

„Ja, die gibt es!", schnappte Hermione. „Um die zu schützen, die es nicht selbst tun können!"

Ron schüttelte abgestoßen den Kopf. „Schön und gut, Herm. Du hast in gewissem Sinne recht. Aber was die Familien betrifft, sollte auch in den Familien bleiben. Das Ministerium kann sich nicht in die Familien einmischen. Das ist einfach... nun, das ist bei uns nicht möglich. Wie stellst du dir das vor?"

„Es sollte strafbar sein, Kinder zu misshandeln!", fauchte sie. Es war ihr unverständlich, wie er so ignorant sein konnte.

„Strafbar? Du meinst, Auroren sollten Eltern verhaften, nur weil sie ihre Kinder schlagen? Hermione, wirklich, das... das ist absurd. Sollen am Ende noch die Kinder gegen ihre Eltern aussagen? Das könnte eine Familie zerstören! Du weißt, wie schrecklich es war, als Percy uns verlassen hat. Ich würde das keiner Familie wünschen, nicht einmal den Malfoys. Familien müssen zusammen halten. Wenn es in der Familie Unstimmigkeiten gibt, dann muss man sie unter sich lösen. Es ist nicht Sache des Ministeriums und wird es nie sein. Das Ministerium ist für andere Dinge da." Ron beugte sich etwas zu Hermione vor und nahm ihre Hand. „Sieh mal, Hermione... Ich weiß, du beschäftigst dich immer sehr mit solchen Dingen. Wie zum Beispiel die Sache mit den Hauselfen. Ich bewundere dich dafür, wirklich. Aber manchmal muss man akzeptieren, dass die Dinge eben so sind, wie sie sind. Abgesehen davon, in vernünftigen Familien kommt so etwas nicht vor."

In diesem Moment begriff Hermione, dass er sie nie wirklich verstehen würde. Er würde nie über seine Erziehung sehen können, und sie nie über ihre. In diesem Bereich tat sich zwischen ihnen ein Abgrund auf, der unüberwindlich war. Sie befürchtete, dass sie das eines Tages auseinander treiben würde. Aber noch hoffte sie, sie könnten darüber hinweg sehen. Sie lächelte resigniert.

„Ich bin anderer Meinung, Ron. Es scheint, dass wir in dieser Sache einfach keinen gemeinsamen Nenner finden. Aber wie ich zu Beginn schon sagte, es ist nicht so wichtig."

Ron küsste sie auf die Stirn. „Das ist es wirklich nicht. Du wirkst müde. Hast du noch viel gearbeitet?"

„Ja. Gelesen, hauptsächlich."

Er lächelte. „Wie immer. Hilfst du mir noch bei meinem Aufsatz für Verwandlungen, oder willst du lieber zu Bett gehen?"

Hermione warf noch einen Blick zum Kamin. Es war, als hätte sich nichts geändert. Aber etwas hatte sich geändert. Sie hatte sich geändert. „Natürlich helfe ich dir. Lass mich einen Blick auf das werfen, was du schon geschrieben hast."

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Tigris rührte den Trank vor ihm im Uhrzeigersinn und sah auf die Uhr. Bisher hatte der Trank eine dunkelrote Farbe, genau wie es sein sollte. Er war nicht ganz sicher bei der Konsistenz, vielleicht war zwischenzeitlich das Feuer etwas zu heiß gewesen. Es gab keinen Weg, das jetzt noch zu korrigieren, aber es war auch kein gravierender Fehler. Der Trank würde keine so starke Wirkung entfalten, wie er eigentlich sollte, aber er war nicht fehlgeschlagen. Tigris sah zu Draco hinüber, der vollkommen auf seine Arbeit konzentriert war. Er gab sich nicht damit ab, die Hufflepuffs zu ärgern, sondern nutzte seine Zeit sinnvoller. Kein Zweifel daran, dass sein Trank tadellos war. Es war inzwischen fast eine Woche seit dem Besuch ihres Vaters vergangen und Tigris hatte noch immer nichts wegen Hermione unternommen. Er war dazu übergegangen, sie zu ignorieren. Sie hatte ihm hin und wieder seltsame Blicke zugeworfen, aber ihn zu seiner Überraschung nicht angesprochen. Tigris wusste jedoch, dass das nur eine Frage der Zeit war. Hermione war von Natur aus neugierig. Sie würde sein aus ihrer Sicht seltsames Verhalten nicht auf Dauer hinnehmen. Was sollte er ihr dann sagen? Seine Uhr blinkte und er begann gedankenverloren in die andere Richtung zu rühren. Tigris hatte am Tag zuvor in einem plötzlichen Geistesblitz seine Uhr so verzaubert, dass sie ihn erinnerte, wenn er zum nächsten Schritt eines Rezepts übergehen musste. Es hatte sich bisher als sehr nützlich erwiesen. Er würde etwas unternehmen müssen, damit Hermione sich von allein von ihm fernhielt. Es wäre besser gewesen, wenn sie von Anfang an auf Ron gehört hätte. Tigris starrte nachdenklich zur Tafel. Vielleicht war das die Lösung. Wenn sie glaubte, dass Ron Recht hatte, würde sie beginnen, Tigris zu hassen. Das würde seinen Vater sicher zufrieden stellen. Tigris verabscheute den Gedanken, sich Hermione zum Feind zu machen. Er hatte gehofft, dass sie zumindest ein Verhältnis gegenseitigen Respekts entwickeln konnten, aber das war offensichtlich nicht möglich. Es war besser, wenn sie ihn hasste. Besser für ihn, für Draco und nicht zuletzt Hermione. Im Moment war sein Vater mit anderen Dingen beschäftigt, aber Tigris graute davor, was geschehen mochte, wenn er seine Aufmerksamkeit länger auf Hermione richtete. Tigris zweifelte nicht daran, dass Dumbledore Maßnahmen ergriffen hatte, um Hermiones Eltern zu schützen, aber das hatte bei ihm nicht geholfen. Warum sollte es bei ihr anders sein? Er sah stirnrunzelnd auf seinen Trank hinunter, der sich kristallblau verfärbt hatte. Es wäre eine wunderbare Farbe gewesen, wäre es die Farbe, die er haben sollte. Sie war es nicht. Tigris fluchte lautlos, als ihm klar wurde, wo sein Fehler lag. Er hatte vergessen, Chamäleonschwänze zuzugeben, bevor er begann, in die andere Richtung zu rühren. Er gab sie nun hinzu, aber es war bereits über eine Minute zu spät. Der Trank war eigentlich nicht mehr zu retten. Tigris überlegte einen Moment, dann entschied er sich, einen Teelöffel Knochenpulver zuzugeben. Das stand nicht im Rezept, aber mit etwas Glück würde es verhindern, dass der Trank vollkommen verdorben war. Die Wirkung konnte er bereits jetzt vergessen. Es würde vielleicht ausreichen, eine Maus zu verfärben, aber nicht einen Menschen, wie es beabsichtigt war.

Tap, Tap. Snape war neben Tigris und trommelte scheinbar geistesabwesend mit den Fingern auf seinen Tisch. Er sah nur einen Moment in Tigris' Kessel, dann wandte er sich wortlos ab und ging zur Seite der Hufflepuffs hinüber. Tigris ballte frustriert die Faust. Es war hoffnungslos. Er würde niemals fähig sein, einen vernünftigen Trank in diesem Kurs zu brauen. Der einzige Grund, warum er noch immer hier war, war sein Nachnahme. Draco warf ihm einen mitfühlenden Blick zu. Selbst von seinem Platz aus war es offensichtlich, dass Tigris' Trank verdorben war. Schon wieder. Tigris widerstand der Versuchung, dem Ganzen einfach mit einem ‚Evanesco' ein Ende zu setzen. Auch dieser Trank mochte ihm noch ein A einbringen – das Beste, was er jemals erreichen würde. Er füllte eine Probe ab und schrubbte dann wütend seinen Kessel aus. Ein O. Lächerlich. Snape musste seine Begutachter bei den OWLs für senil halten. Tigris gab seine Phiole ab. Snape nahm sie und stellte sie zu den anderen. Er wirkte dabei, als hätte Tigris ihm etwas Scheußliches gegeben. Was er aus Snapes Sicht wahrscheinlich hatte.

„Mister Malfoy, könnten sie bitte einen Moment zurück bleiben?"

Snape klang gelangweilt. Snape klang selten gelangweilt. Wütend, gehässig, kalt... das ja, aber nicht gelangweilt. Tigris wertete es als ein schlechtes Zeichen. Nach Dracos Blick zu urteilen hatte er recht damit. Tigris packte seine Tasche und wartete vor Snapes Pult, während die anderen den Raum verließen.

„Ich warte auf dich.", raunte Draco Tigris zu, als er an ihm vorbei ging.

Tigris lächelte flüchtig, aber er hatte einen Stein im Magen. Snape ging zu seinem Schreibtisch hinüber und musterte Tigris regungslos. Das einzige Geräusch war das Trommeln von Snapes Fingern auf der Tischplatte. Tigris begann, es zu verabscheuen.

„Ich fände es faszinierend zu erfahren", sagte Snape dann schneidend, „womit sich Ihre Gedanken beschäftigen. Es müssen höchst interessante Dinge sein, Mister Malfoy. Das einzige, womit sie sich offensichtlich NICHT beschäftigen, ist der Trank, den Sie brauen."

Tigris zuckte zusammen. Snapes Lippen verzogen sich zu einem hässlichen Lächeln.

„Ich habe recht, nicht wahr? Ja. Bedauerlich. Eine Menge theoretisches Wissen... vergeudet. Ich dachte, es wäre zu vermeiden, aber Sie lassen mir keine Wahl: Sie werden in Zukunft an dem Aufbaukurs teilnehmen, der eigentlich für diejenigen gedacht ist, die meine gewöhnlichen Vorrausetzungen für die Aufnahme in den Kurs nicht erfüllt haben. Was natürlich heißt, dass Sie mit Gryffindors zusammenarbeiten müssen. Ich nehme nicht an, dass Ihr Vater darüber erfreut sein wird, aber das ist allein Ihre Angelegenheit. Es wäre zu vermeiden gewesen, wenn Sie ein wenig mehr Anstrengung gezeigt hätten. Wir sehen uns am Freitag um sieben Uhr abends, hier. Sie können gehen."

„Ja, Professor.", brachte Tigris hervor. Er musste sich bemühen, nicht vor unterdrückter Wut zu zittern. Die Erwähnung seines Vaters hatte nicht zu seiner Beherrschung beigetragen. Tigris wandte sich hastig ab, bevor seine Abneigung zu offensichtlich wurde.

Draco wartete vor der Tür auf ihn. „Schlecht gelaufen?", fragte er.

Tigris nickte nur. „Können wir trainieren gehen? Gleich jetzt?" Er zischte es zwischen zusammengebissenen Zähnen. Draco musterte ihn besorgt, aber nickte nur.

„Natürlich. Ich sage Vincent und Gregory, sie sollen uns etwas zu Essen aufheben."

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Als Tigris am Abend ins Bett fiel, war er erschöpft und zerschlagen. Er hatte im Zweikampf nicht viel auf Technik geachtet und es war nie gut, Draco auf diese Weise herauszufordern. Überraschender Weise war Tigris nicht wütend deswegen. Es war, als hätte er genau das gewollt. Tigris drehte sich zur Seite und zuckte ein wenig zusammen. Der nächste Morgen würde nicht angenehm werden. Was machte es? Das bedrückende Gefühl das ihn nach seinem Gespräch mit Snape verfolgt hatte war verschwunden, und das war die Hauptsache. Er hatte sich abreagiert.

„Hast du darüber nachgedacht?", fragte Draco in die Dunkelheit.

„Über was?", fragte Tigris ungehalten.

„Dumbledore."

Tigris starrte ins Dunkel. „Wir müssen auf eine Gelegenheit warten."

„Besser früher als später."

„Ich weiß." Tigris drehte sich auf die andere Seite. „Aber jetzt bin ich müde. Lass mich morgen darüber nachdenken."

„Solange du es überhaupt tust..."

„Ich sagte, ich werde es, okay?"

„Mir gefällt der Gedanke genau so wenig wie dir, aber du hast es versprochen."

„Ich weiß.", wiederholte Tigris. „Gute Nacht."

„Gute Nacht." Draco klang unbefriedigt, aber Tigris ließ es nicht zu, dass das in seinen Gedanken Platz fand. Er war müde, und morgen war ein neuer Tag.

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„Heute.", sagte Draco am nächsten Tag, bevor sie zum Frühstück gingen.

„Wir sollten bis Samstag warten.", wandte Tigris ein.

„Nein." Draco schulterte seine Tasche. „Heute nach dem Training. Niemandem wird auffallen, wenn wir etwas später kommen, und alle neugierigen Augen sind im Gemeinschaftsraum."

Tigris presste die Lippen zusammen. „Ich fühle mich noch nicht bereit dafür."

„Du wirst es nie sein.", sagte Draco scharf. „Wie lange du auch wartest, es wird weder etwas daran ändern, dass Vater es verboten hat, noch daran, dass du es versprochen hast. Also lass es uns hinter uns bringen."

Tigris atmete tief durch. Sein Bruder hatte recht. Es ging kein Weg daran vorbei. „Also gut. Heute Abend. Aber du kommst mit mir."

„Wie du willst. Denkst du, ich kann Dumbledore ausblocken?"

„Ja. Ich weiß nur nicht, wie sehr ich es kann."

Draco runzelte die Stirn, sagte aber nichts mehr.


Vielen Dank für eure Reviews an: blub, Little Nadeshiko, Stupor, Deedochan, Kylyen, Padfoot's Mate, auxia, YanisTamiem, Lara-Lynx

Kylyen: Ja, auf der Karte steht Tigris Malfoy. Sie wurde vorher durch den Trank getäuscht. Ja, bei Vielsaft funktioniert das nicht, aber der Trank der Elben war ein wenig komplexer (er hätte zum Beispiel auch bewirkt, dass ein entsprechender Zauber Lily und James Potter als Tigris' Eltern ergibt). Hermione weiß, dass Lucius Tigris adoptiert hat.

Lara-Lynx: Es ist das fünfte Kapitel, und natürlich es ist versteckt! Wenn du es nicht herausfindest, musst du halt warten, bis Draco es herausfindet ;-). Tigris hat es den Zwillingen versprochen. Wenn ich so weiter vorankomme, wie ich es geplant habe (und mich Schreibblockaden weiterhin meiden), wird sie noch laaang. Nein, sie ist noch nicht geschrieben.