Disclaimer:

Es schneit! Alle Busse kommen zu spät und Harry Potter gehört mir immer noch nicht, aber zumindest kann ich meine Professoren heimlich mit Schneebällen bewerfen. Auf dem Weg zur Uni kommt man sich vor, wie in einem Wintermärchen. Schnee, überall! Ok, das interessiert euch nicht... weiter mit der Geschichte!


Schatten der Wahl

24. Saat und Ernte

Tigris blieb außer Atem vor der geschlossenen Tür stehen. Sie waren zeitig aus Zauberkunst gekommen, so hatte er Zeit gehabt, noch einen Bissen zu essen, aber er war trotzdem so früh wie möglich gegangen. Die anderen hatten sich gewundert, dass er sich so schnell verabschiedete. Tigris hatte sie im Ungewissen gelassen. Je später ihr Vater von seinen Nachhilfestunden erfuhr, desto besser. Natürlich hatte er keine Garantie dafür, dass Snape es ihm nicht längst gesagt hatte. Tigris atmete tief durch und klopfte.

„Herein."

Snape saß am Lehrerpult und war damit beschäftigt, Aufsätze zu korrigieren. Als Tigris eintrat sah er kurz auf.

„Mister Malfoy. Nehmen Sie den Tisch vorne rechts. Der Trank den wir heute durchnehmen befindet sich auf Seite 25 in Ihrem Buch."

Es waren nur noch drei Tische in dem Raum, die in größtmöglichem Abstand zueinander standen. Es gab Tigris das Gefühl, in einer Prüfung zu sein anstatt in einer Nachhilfestunde.

Snape ignorierte ihn, also ging Tigris zu dem Tisch, den Snape ihm zugewiesen hatte, und baute seinen Kessel auf. Anschließend schlug er sein Buch auf und las sich das Rezept durch. Es war ein langweiliger Trank, der dazu diente Haare wachsen zu lassen. Er erforderte keine sehr empfindlichen Zutaten und kein großes Fingerspitzengefühl bei der Vorbereitung. Aber er brauchte vier Stunden um fertig zu werden und war während der meisten Zeit sehr empfindlich. Tigris würde immer darauf achten müssen, im richtigen Takt zu rühren und den Zeitpunkt für die Zugabe der nächsten Zutat nicht zu verpassen. Genau das, was ihm am schwersten fiel. Tigris seufzte innerlich. Das hatte Snape sicher mit Absicht getan. Er sah auf die Uhr. Es war kurz vor Sieben. Er war sehr früh da gewesen und es sah so aus, als kämen die Gryffindors zu spät. Zwei Tische – zwei Gryffindors. Tigris fragte sich, ob Hermione dabei war. Aber Hermione hatte sicher Snapes Vorgabe erfüllt. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sie etwas anderes als ein O in den OWLs erhalten hatte. Tigris sah zu Snape, der noch immer auf die Aufsätze konzentriert schien.

„Sir?"

Snape sah auf.

„Kann ich schon beginnen, die Zutaten vorzubereiten?"

„Sicher." Snape winkte in Richtung des Zutatenschranks. „Du weißt ja, wo du sie findest."

Tigris war ein wenig überrascht von Snapes Desinteresse. Nach einem kurzen Moment schob er seine Abneigung ebenso wie seine Neugier beiseite und entschied sich, Snape zu ignorieren, wie er ihn ignorierte. Tigris holte sich die erforderlichen Zutaten aus dem Schrank und begann damit, die Misteln klein zu hacken. Da die Gryffindors noch nicht da waren, verwendete er viel Zeit und Sorgfalt auf die Vorbereitung und war gerade mit dem Mörsern des Hämatits fertig, als Snape aufstand und um seinen Tisch herum trat. Eine Sekunde später öffnete sich die Tür.

„Sie sind zu spät, Mister Thomas, Mister Weasley.", sagte Snape, bevor die beiden überhaupt ganz eingetreten waren. „Fünf Punkte von Gryffindor für jeden von Ihnen. Wenn Sie Ihre Zeit für zu kostbar halten, um pünktlich zu meinem Unterricht zu erscheinen, sollten sie wenigstens die Konsequenzen ziehen und diesen Kurs verlassen. Sie ersparen mir und dem restlichen Kollegium damit sinnlos aufgewendete Zeit und Arbeit."

Auf Rons Wangen malten sich rote Flecken ab, und auch Dean warf Snape wütende Blicke zu. Dennoch beherrschten sie sich und gingen zu den beiden anderen Tischen. Rons Blick fiel auf Tigris und sein Gesicht verzog sich zu einer ärgerlichen Grimasse.

„Was tust du hier, Malfoy?"

„Es ist nicht Ihre Angelegenheit, was Mister Malfoy hier tut, Mister Weasley.", schnappte Snape. „Wenn Sie selbst diesen Unterricht schon nicht ernst nehmen, halten Sie wenigstens nicht bessere Mitschüler von der Arbeit ab. Ihr Rezept ist auf Seite 25. Worauf warten Sie noch?"

Ron sah aus, als wäre er kurz davor zu explodieren, aber er presste nur die Lippen zusammen und zog sein Buch aus der Tasche.

Snape wanderte zu Tigris hinüber und nickte, als er seine Zutaten sah.

„Lassen Sie sich von den Gryffindors nicht stören, Mister Malfoy. Ich weiß, sie sind nicht einfach zu ignorieren. Versuchen Sie es trotzdem."

Tigris nickte nur, weil er seiner Stimme nicht traute. Er musste sich bemühen, nicht stattdessen angewidert das Gesicht zu verziehen. Er versuchte sich daran zu erinnern, dass er kein Gryffindor mehr war und sich auf seinen Trank zu konzentrieren, aber es war nicht einfach. Als Snape wieder zu Ron und Dean hinüberging, atmete Tigris lautlos durch und sah sich noch einmal das Rezept an.

„Ich könnte schwören, meine Mutter tut Erdbeeren in diesen Trank.", murmelte Ron.

„Erdbeeren, Mister Weasley?", fragte Snape spöttisch. „Was sollte eine so vollkommen sinnlose und überflüssige Zutat wohl in diesem Trank zu suchen haben?"

„Vielleicht verbessert es den Geschmack?", spekulierte Dean.

Snape fuhr zu ihm herum. „Gratuliere, Mister Thomas. Das ist ohne Zweifel eine der idiotischsten Antworten, die ich je gehört habe. Aber ich werde Sie nicht davon abhalten, wenn Sie es ausprobieren wollen. Es ist ein weiterer Schritt dahin, mich von ihrer lästigen Gegenwart zu befreien."

ICH KANN ES SCHAFFEN, redete Tigris sich ein. ICH HÖRE IHN EINFACH NICHT. ICH STELLE MIR VOR, ICH BIN ALLEIN HIER.

Dean war kurz davor, Snape eine zornige Antwort zu geben, aber er beugte sich über seine Zutaten und hackte stattdessen die Misteln.

„Es tut weh, Ihnen zuzusehen, Mister Thomas.", kommentierte Snape prompt. „Wie Sie jemals ein E in Ihrem OWL erreichen konnten, ist mir schleierhaft. Wollen Sie uns alle umbringen, Mister Weasley? Nein? Dann frage ich mich, was Drachenknochen bei Ihren Zutaten zu suchen haben."

Tigris sah sich noch einmal seine Zutaten an, und versuchte, Snape zu ignorieren. Bisher war alles perfekt. Er konnte es schaffen. Jedenfalls versuchte er, sich das einzureden. Tigris steckte das Feuer unter seinem Kessel an und gab das Wasser hinzu. Er musste sich nur konzentrieren.

Snape fuhr fort, bissige Kommentare zu Ron und Deans Arbeit abzugeben. Der einzige Vorteil daran war, dass er nicht ein Mal in Tigris' Richtung kam und die beiden Gryffindors auch keine Gelegenheit hatten, ihn zu stören. Zweimal verpasste Tigris einen Zeitpunkt um ein paar Augenblicke, aber im Großen und Ganzen versprach dies der beste Trank zu werden, den er je in Snapes Unterricht gebraut hatte. Bis Rons Trank anfing, überzukochen. Ron sprang nach hinten und prallte dabei gegen Dean, der gerade gemahlene Schlingkrautsamen in der Hand hielt. Die Schale fiel ihm aus der Hand und zerschellte an der Wand. Das Mehl verteilte sich in der Luft und fiel als feiner Staub zu Boden und in die Kessel. Tigris stieß einen frustrierten Schrei aus, als sein Trank heftig zu Brodeln begann. Ärgerlich rief er „Evanesco!", bevor er überkochen konnte wie Rons.

Snape hatte inzwischen Rons und Deans Tränke verschwinden lassen.

„Sie unglaublicher Idiot!", schrie er Ron zornig an. „Sie haben es geschafft, drei Tränke auf einmal zu ruinieren!" Er fuhr zu Tigris herum und seine Miene wurde schlagartig freundlicher.

„Fünf Punkte an Slytherin für Ihre Geistesgegenwart, Mister Malfoy. Ich habe Ihren Trank vorher gesehen, er war in Ordnung. Ich will Sie nicht wegen Mister Weasleys Unfähigkeit weiter festhalten. Sie können gehen."

„Danke, Sir.", sagte Tigris hastig und löschte sein Feuer. Er wollte nicht riskieren, dass Snape seine Meinung änderte. Es war schon fast elf.

„Sie hingegen", fauchte Snape zu Ron und Dean gewandt, „werden diesen Trank noch einmal brauen... und zwar so lange, bis er fehlerfrei ist! Ich habe noch nie zuvor zwei so unfähige Dummköpfe unterrichten müssen! Selbst Neville Longbottom hatte den Verstand, Tränke nach der fünften Klasse abzuwählen!"

Tigris beeilte sich, seinen Kessel sauber zu machen, dann ging er. Snape kreiste noch immer um Ron und Dean wie ein rachsüchtiger Geier. Tigris bemitleidete sie unwillkürlich. Andererseits, sie hatten seinen Trank ruiniert. Den ersten Trank, der ihm in Snapes Unterricht gelungen war – beinahe. Tigris seufzte verärgert. Es war nicht zu ändern. Solche Unfälle passierten eben. Ärgerlich war es trotzdem.

o

Am nächsten Morgen hielt Tigris unauffällig nach Ron und Dean Ausschau. Dean rührte unlustig in seinen Bohnen und Ron sah aus, als würde er im Sitzen schlafen. Hermione reichte ihm eine Tasse und er trank in tiefen Zügen. Tigris runzelte die Stirn. Seit wann trank Ron Kaffee? Er fragte sich, ob die beiden in der letzten Nacht überhaupt ins Bett gekommen waren.

„Sie versuchen, Fudge abzusetzen.", meinte Draco, der gerade die Titelseite seines Daily Prophet überflogen hatte. Er steckte ihn ein um ihn später zu lesen.

„Ich habe mich schon gewundert, warum es so lange dauert.", sagte Blaise. Sie hatte ihren leeren Teller von sich geschoben und trank nur Tee.

„Isst du nichts?", fragte Tigris erstaunt.

„Heute ist Mabon.", erwiderte Blaise überlegen. „Ich habe bereits das Morgenritual vollzogen. Nun faste ich bis heute Abend."

„Ah, es ist Mabon.", kommentierte Richard spöttisch.

Tigris sah auf seinen Teller und zuckte mit den Schultern. „Ich werde trotzdem etwas essen."

„Ich bezweifle, dass unsere Familie deswegen aussterben wird.", meinte Draco amüsiert und biss in seinen Toast.

„Tut was ihr wollt.", sagte Blaise ruhig. „Ich faste jedenfalls."

Einige die in ihrer Nähe saßen betrachteten sie eine Weile unschlüssig, aber schließlich begannen sie alle zu essen.

„Ich habe einen anstrengenden Tag vor mir.", sagte Tracey, ihren Teller füllend. Millicent nickte nur. Ihr Mund war zu voll um etwas zu sagen. Vincent und Gregory hatten nicht einmal zugehört.

Blaise zuckte nur mit den Schultern und trank weiter ihren Tee. Als Tigris seinen Blick über den Slytherintisch wandern ließ, fiel ihm auf, dass sie nicht die einzige war, aber es waren nur wenige.

„Tun unsere Eltern das auch?", fragte er Draco.

Sein Bruder zuckte mit den Schultern.

„Vielleicht. Aber ich erinnere mich wirklich nicht daran. Es gibt unterschiedliche Bräuche, was Mabon betrifft. Außerdem ist es kein so wichtiger Feiertag wie Litha oder Yule."

Tigris nahm sich vor, etwas über diese Feiertage nachzuschlagen, denn die Namen sagten ihm überhaupt nichts. Eigentlich hatte er das schon beim letzten Mal, als sie erwähnt wurden vorgehabt, aber zu viel war dazwischen gekommen. Draco musste seinen verwirrten Blick bemerkt haben, denn er grinste flüchtig.

„Brauchst du einen kleinen Auffrischungskurs in Zauberertraditionen, Bruder? Litha ist die Feier zu Sommersonnenwende. Es ist ein Fest des Lebens und der Traditionen. Meistens feiern wir ein großes Fest mit vielen Gästen im Garten. Es wird Musik gespielt und getanzt, es gibt gutes Essen... Ich liebe dieses Fest. Yule ist ganz anders. Es ist die Feier der Wintersonnenwende. Das bedeutet Erneuerung und Nachdenken. Es ist ein eher stilles, ernstes Fest. Ich habe es nie besonders gemocht, aber das ist Ansichtssache. Du kannst dir selbst ein Urteil bilden, wenn wir in den Winterferien zuhause sind."

„Wir werden es mitfeiern?", fragte Tigris fasziniert.

„Sicher. Es ist am 22. Dezember. Warum dachtest du beginnen immer dann die Ferien?"

„Ich dachte, es liegt daran, dass die Muggel kurz darauf Weihnachten feiern."

„Das ist möglicherweise ein weiterer Grund.", meinte Blaise abfällig, die ihnen zugehört hatte. „Aber ganz kann Dumbledore die alten Traditionen noch nicht abschaffen."

Sie hatte ihren Tee inzwischen ausgetrunken. „Kommt jemand mit zur Bibliothek?"

„Ich.", sagte Tigris ohne wirklich Nachzudenken.

„Was ist mit unserem Training?", fragte Draco.

„Richtig! Entschuldige, das habe ich total vergessen."

„Macht ja nichts.", meinte Blaise. „Kommst du noch mit, Theodore? Ich dachte daran, das Numerologie- Rätsel zu bearbeiten, das Professor Vektor uns als Zusatzaufgabe gegeben hat."

„Wir kommen später nach.", sagte Draco. „Ich will diesen Artikel über Fudge zu Ende lesen."

„Er wird diesen Winter nicht überstehen.", meinte Blaise. „Er hat zu viele Parteien gegen sich. Nachdem er nun auch die Unterstützung eures Vaters verloren hat, verliert er den Boden unter den Füßen."

Theodore nickte. „Vermutlich werden sie noch vor Januar Madame Bones als provisorische Ministerin einsetzen, bis es Neuwahlen gibt."

Tigris betrachtete sie überrascht. „Mir war nicht klar, dass ihr euch so mit Politik beschäftigt."

Blaise grinste verlegen. „Man kann sich nicht NICHT mit Politik beschäftigen, Tigris."

Theodore nickte. „Sehr richtig. Wollen wir gehen?" Er hielt Blaise den Arm hin.

Blaise ignorierte ihn und stand auf. „Hast du das Rätsel noch im Kopf? Ich denke, dass die Sieben der entscheidende Faktor ist."

„Ja, aber es hängt alles von der Stellung der Sterne zum Equinox ab." Theodore nahm seine Tasche und schloss sich ihr an. „Hast du dir schon die Sternkarten angesehen?"

„Nein. Am Besten tun wir das als Erstes."

„Gehen wir?", meinte Draco.

Tigris nickte. „Kann es sein, dass sich zwischen Blaise und Theodore etwas anbahnt?"

Draco lachte. „Wenn es nach Theodore geht vielleicht. Blaise hat da glaube ich andere Ansichten."

Er stand auf und sie verließen die Große Halle. Vincent und Gregory folgten ihnen, aber sie taten das so oft, dass er sie kaum noch wahrnahm. Sie waren leicht zu ignorieren.

„Vielleicht ändert sie ihre Meinung noch. Die beiden passen zusammen, meinst du nicht?"

Draco schüttelte den Kopf. „Es scheint vielleicht so, aber du kennst Blaise nicht gut genug. Sie würde sich mit Theodore zu Tode langweilen."

„Ist er so langweilig?", fragte Tigris amüsiert.

Draco zuckte mit den Schultern. „Er hat nicht viel Fantasie, wenn es nicht um Formeln und Zahlen geht. Blaise... Nun, Blaise ist Blaise."

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Tigris machte an diesem Tag ein paar Fortschritte beim Fechten und sie schafften es doch nicht mehr, noch zur Bibliothek zu kommen. Ihre Pflanzen in Kräuterkunde entwickelten sich hervorragend. Als Sprout sie daran erinnerte, am nächsten Sonntag nach ihren Pflanzen zu sehen, wurde Tigris wieder bewusst, dass schon in einer Woche das Spiel gegen Hufflepuff war.

Als sie wieder zum Schloss zurückgingen, dachte Draco laut darüber nach, in der nächsten Woche noch ein paar zusätzliche Trainingsstunden einzulegen. Tigris sah zum Himmel hoch, wo dunkle Wolken aufzogen. Das Wetter war schon die ganze Woche trüb und kalt gewesen.

„Damit wirst du dir keine Freunde machen."

Draco warf ihm einen aufgebrachten Blick zu. „Wir wollen gewinnen! Es spielt keine Rolle, wie das Wetter ist. Wer Probleme mit ein bisschen Regen hat, hat beim Quidditch nichts zu suchen!"

„Okay, okay.", sagte Tigris hastig. Er fragte sich, ob es eine ungeschriebene Regel war, dass alle Mannschaftskapitäne vom Gewinnen besessen waren.

Als sie später in den Gemeinschaftsraum zurückkamen, saß Blaise mit ein paar anderen an einem Tisch und aß sich satt. Draco schlenderte zu ihnen hinüber und nahm sich ungeniert etwas von einer der Platten. Sie hatten eine Menge Getreide und Gemüse auf dem Tisch und Karaffen mit roten und weißen Wein.

„Ist die Fastenzeit zu Ende?"

Blaise betrachtete Draco etwas missbilligend. „Ja, das Abendritual ist vorbei."

„Es könnte sicher nicht schaden, wenn du dich auch etwas um die alten Rituale kümmern würdest.", meinte einer der Älteren am Tisch.

Draco grinste abfällig. „Vielleicht wenn ich älter bin." Er schlug Blaise auf die Schulter. „Wir trainieren morgen. Denk daran, früh aufzustehen."

„Was? Aber morgen ist Sonntag!", rief Blaise.

„Nur noch eine Woche bis zum Spiel, Blaise!"

Blaise seufzte und schüttelte den Kopf. „Ich sag's weiter."

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Am nächsten Tag regnete es, also entschied Tigris sich, dem Training nicht zuzusehen. Stattdessen setzte er sich mit einem Buch in den Gemeinschaftsraum. Er wollte nicht in die Bibliothek gehen, da er Angst hatte, dass Hermione dort sein würde. Es waren nur wenige Slytherins im Gemeinschaftsraum, hauptsächlich aus den jüngeren Jahrgängen. Die meisten von ihnen waren mit Hausaufgaben beschäftigt. Das Buch, das Tigris las, war nicht sehr interessant, also beobachtete er immer wieder die anderen im Raum. Nach einer Weile hörte er drei Viertklässlern zu, die über einer Hausaufgabe für McGonagall brüteten. Irgendwann wurde es ihm zuviel und er ging zu ihnen hinüber.

„Braucht ihr Hilfe?"

Sie sahen zu Tigris hoch. „Wir haben nichts, was wir dir dafür geben könnten.", sagte der dunkelhaarige Junge ein wenig feindselig.

Tigris zog die Brauen hoch. „Ich habe nicht danach gefragt, was ihr mir geben könnt, oder?"

„Du würdest uns umsonst helfen?", fragte der Nachbar des Dunkelhaarigen ungläubig.

„Sei kein Narr, David.", schnappte der Dritte in der Gruppe. „Umsonst ist der Tod."

Tigris musterte die drei nachdenklich. „Vielleicht könnt ihr mir ja später dafür einen Gefallen erweisen."

Sie sahen ihn misstrauisch an. Schließlich nickte der Dunkelhaarige. „Ich bin Charles, das ist Sidney und das David."

„Ich bin Tigris."

Charles lachte. „Du dachtest doch nicht wirklich, dass wir nicht wissen, wer du bist?"

Tigris überlegte einen Moment, dann grinste er flüchtig. „Nein." Er setzte sich zu ihnen. „Ich denke, ich weiß, wo euer Problem liegt."

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Als das Quidditchteam wieder kam, hatten die drei ihre Hausaufgaben gerade fertig.

„Es war nett von dir, ihnen zu helfen.", meinte Blaise später. Sie spielte Backgammon mit ihm und war dabei, zu gewinnen. Tigris zuckte nur mit den Schultern und würfelte.

„Sie schulden dir nun einen Gefallen." Sie warf einen Pasch und setzte vier ihrer Steine.

Tigris zuckte wieder mit den Schultern. Er war dabei zu verlieren. Nicht nur war Blaise strategisch geschickt, sie hatte auch noch unverschämtes Glück.

„Es ist nützlich in Slytherin, jemanden in seiner Schuld stehen zu haben."

„Vielleicht."

„Beschäftigst du dich nicht damit? Es geht immer um Politik, weißt du?"

„Das hast du schon mal gesagt."

Sie nahm ihre ersten Steine vom Brett.

„Ich sage das sehr oft. Menschliches Verhalten ist sehr interessant."

„Geht es dir nur darum, uns alle zu analysieren?", fragte Tigris ein wenig verstimmt.

„Natürlich nicht. Aber ich tue es ganz automatisch."

Tigris knallte den Würfelbecher auf den Tisch. Ein Pasch. Aber das war nicht genug, um Blaise einzuholen.

Er betrachtete sie. Sie wirkte nicht sehr konzentriert. Trotzdem machte sie eigentlich nie einen taktischen Fehler. Jedenfalls keinen, den Tigris erkennen konnte.

„Was würdest du tun, wenn du jemanden loswerden wolltest?", fragte er aus einem spontanen Einfall heraus.

„Loswerden in welcher Hinsicht?", entgegnete sie, ohne vom Brett aufzusehen.

„Einfach auf Distanz halten."

„Geht Draco dir auf die Nerven?", lachte Blaise. „Er kann manchmal recht anstrengend sein."

„Nein.", erwiderte Tigris ärgerlich. „Es ist nur eine hypothetische Frage."

„Wirklich? Nun, meistens reicht ein wenig Arroganz und Unfreundlichkeit dafür völlig aus. Sieh dir deinen Cousin an, er beherrscht das meisterhaft."

„Es würde nicht funktionieren, wenn du am Anfang zu freundlich warst."

Blaise zuckte mit den Schultern. „Dann müsste ich die Person einfach davon überzeugen, dass meine Freundlichkeit nicht ernst gemeint war. Das ist nicht sehr schwierig. Die meisten Leute sind innerlich unsicher und misstrauisch." Sie nahm ihren letzten Stein vom Brett. „Gammon. Du schuldest mir zwei Sickel."


Vielen Dank für eure Reviews an: Truemmerlotte, Kylyen, YanisTamiem, auxia, Stupor, Little Nadeshiko, eniloiv, Novemberkind, Condor, Lary-Lynx, blubb, Esta

Kylyen: Das Buch und dieser Ausschnitt daraus spielen später noch eine Rolle, wenn auch keine sehr große. Ich habe diesen Teil schon vor einiger Zeit geschrieben. Erst wollte ich ihn zusammenkürzen, aber ich wollte auch nicht, dass etwas Wichtiges verloren geht, also habe ich es einfach so gelassen, wie es war. Ich hoffe, es hat den Erzählfaden nicht zu sehr gebrochen, aber na ja... Ich bin wohl einfach ein wenig eitel, was mein Geschreibsel angeht und zensiere mich nicht gerne selbst. Für die, die eine Herausforderung lieben, habe ich ein kleines Rätsel. Wer es löst, kann vielleicht etwas über die kommende Handlung erraten. Hier ist es: Wann genau wurde das Vorwort des Buches geschrieben?

Little Nadeshiko: Hasst Tigris Dumbledore? – Vielleicht. Immerhin ist Dumbledore schuld, das Sirius tot ist... andererseits denkt er nicht viel über Sirius nach, oder?

Condor: Solche Ehen werden meistens arrangiert, solange die Kinder noch klein sind. Wenn das nicht getan worden ist, sind die Eltern wahrscheinlich völlig dagegen.

Lara- Lynx: Ich mag dein Sinnieren, sinniere so viel du willst ;-). Die Zwillinge haben das gedacht, aber tatsächlich hat das Versprechen das nicht beinhaltet, richtig. Tja, warum... Es hat alles etwas mit Dumbledore zu tun – in gewisser Weise.