Disclaimer:

Ich wünschte wirklich, JKR würde mir etwas von Harry Potter abgeben. Zumindest Lucius. Ich habe mich mit allen in der Zaubererwelt so gut verstanden, nur er...

Um die Wahrheit zu sagen, haben sie alle Lucius gratuliert.

Hey, wer bist du denn?

Ratatöskr.

Hmph. Du bist hier ganz falsch. Dir glaubt sowieso keiner.


Schatten der Wahl

27. Springer, Läufer, Trumpf

Es war Dienstagmorgen nach Alte Runen. Draco hatte Arithmantik und es blieb noch einige Zeit zum Mittagessen. Tigris hatte die Hausaufgaben für Verwandlungen bereits am Abend zuvor erledigt. Es gab ihm eine gute Entschuldigung, Draco aus dem Weg zu gehen. Wie er vor sich selbst zugeben musste, war er ihm in den letzten Tagen so viel wie möglich aus dem Weg gegangen. Mit ein Grund, warum er nun in der Eulerei stand und Sceolaing fütterte, während draußen ein Herbststurm tobte. Tigris' Eulerich schuhute leise und knabberte an seinem Ohrläppchen.

Tigris lächelte und strich ihm über die Federn. Er hatte nicht viel Zeit für ihn gehabt, aber das schien Sceolaing nichts auszumachen. Er war ein paar Mal mit den Posteulen in die Halle geflogen, und Tigris hatte ihm etwas von seinem Frühstück abgegeben, aber es war das erste Mal, dass Tigris die Eulerei besuchte. Draco war natürlich öfter hier, da er die Briefe an ihre Eltern abschickte.

Tigris seufzte lautlos. Es war so viel einfacher, mit seinem Bruder zurechtzukommen, wenn sie zuhause waren. Zuhause benahm Draco sich nicht wie der Idiot, den Tigris den größten Teil seiner Schulzeit hindurch gehasst hatte. Wenn Tigris ihn nur deshalb nicht gemocht hätte, weil er in einem anderen Haus war, wäre es einfacher gewesen, aber so war es nun einmal nicht. Manche von Dracos Verhaltensweisen hatte er niemals ausstehen können, und das änderte sich nicht, nur weil Draco plötzlich sein Bruder war. Die meiste Zeit konnte Tigris über sie hinwegsehen, aber in den letzten Tagen sprangen sie ihm förmlich ins Gesicht.

Ein Teil von ihm sagte sich, dass er nicht wirklich hatte erwarten können, dass Draco sich zurückhaltend und taktvoll verhielt. Das war einfach nicht Dracos Art. Aber Tigris hatte auch nicht erwartet, dass Draco so offenkundig seine Zufriedenheit über den Tod dieser Auroren zur Schau trug. Er hatte nicht erwartet, dass Draco ein solches Ereignis benutzte, um die Gryffindors zu verspotten. Er hätte es erwarten sollen, aber er hatte es nicht. Irgendwie war Tigris zu der Auffassung gelangt, sein Bruder wäre eine andere Person als der Draco, den er seit seinem ersten Schuljahr innig verabscheute. Sceolaing schuhute erneut und zog an einer Strähne seines Haares, als wolle er Tigris aus seinen Gedanken reißen. Als Tigris aufsah, bemerkte er eine andere Eule, die auf dem Ruhebalken über ihnen näher zu ihnen herangehüpft war. Sie beobachtete sie mit zur Seite gedrehtem Kopf, hüpfte noch einen Schritt näher und drehte den Kopf zur anderen Seite. Dann schüttelte sie sich und Tigris erkannte einen Schimmer Weiß in den Schatten.

„Hedwig?", fragte er verblüfft, ohne nachzudenken.

Die Eule stieß einen entzückten Schrei aus und flatterte zu ihnen hinunter, nur um auf Tigris' freier Schulter zu landen. Sceolaing schnappte indigniert nach ihr, aber das störte sie nicht. Sie hüpfte aufgeregt auf Tigris' Schulter hin und her und schlug mit den Flügeln, dabei immer wieder jubelnde Kreischlaute von sich gebend.

Tigris sah sich erschrocken um, aber niemand sonst war in der Eulerei. Er hatte Glück, dass es so früh am Tag war.

„Ist ja gut, Hedwig, beruhige dich! Ich weiß, du hast mich vermisst, Mädchen, aber du musst dich beruhigen! Was, wenn dich jemand hört?"

Tigris war schockiert, dass sie ihn erkannt hatte. Er hatte gelesen, dass Eulen eine besondere Bindung zu ihrem Zauberer eingehen konnten, aber er hatte dem nicht viel Bedeutung geschenkt. Selbst Fawkes hatte ihn nicht erkannt, und er war ein Phönix! Tigris streichelte die Eule und sie wurde langsam ruhiger. Sceolaing klapperte beleidigt mit seinem Schnabel und verzog sich auf einen Balken in der Nähe. Tigris gab ihr etwas von dem mitgebrachten Futter und sie fraß es zögernd, immer wieder inne haltend, um ihn anzustarren. Tigris seufzte tief. Er hasste, was er tun musste, aber es ging nicht anders.

„Hör mir zu, Hedwig, du darfst nicht mehr zu mir kommen."

Hedwig klapperte fragend mit dem Schnabel. Tigris schloss die Augen. Es sollte nicht so schwer sein, sie war schließlich nur eine Eule!

„Ich bin jetzt jemand anderer und du bist Ginnys Eule. Du solltest mich gar nicht kennen."

Hedwig kreischte protestierend und grub ihre Krallen fester in seine Schulter. Tigris zuckte ein wenig zusammen, als sie durch den Stoff drangen.

„Es tut mir leid, Mädchen, aber du bringst uns beide in Gefahr. Es ist besser, wenn du mich nicht kennst. Geh."

Sie schuhute leise und hüpfte von seiner Schulter auf den Balken, Tigris mit großen Augen anstarrend.

„Geh!", schrie Tigris, die Beherrschung verlierend. „Kannst du dummer Vogel nicht verstehen, was ich sage?!"

Hedwig schuhute noch einmal und wandte sich dann ab, um im Dunkel der Eulerei zu verschwinden. Tigris schloss die Augen und unterdrückte das Schluchzen, das in seiner Kehle aufstieg. Sie war nur eine Eule, verdammt. Er hatte bereits eine neue! Aber sie war auch ein Freund, der ihn jahrelang begleitet hatte. Irgendwie kam es ihm vor, als hätte er soeben willentlich die letzte Verbindung zu seiner Vergangenheit durchtrennt. Als wäre er nun endgültig ein Anderer, jemand Fremdes. Sceolaing landete auf seiner Schulter und vergrub seinen Kopf in seinen Haaren. Tigris streichelte ihn abwesend und lächelte bitter. Vielleicht war er jemand anderes. Er wusste es nicht mehr.

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Als Tigris die Treppe hinunter kam, traf er zu seiner Überraschung auf Draco. Er lehnte an der Wand und wartete offenbar auf ihn.

„Ich dachte, du wärst in Arithmantik!", entfuhr es Tigris.

Draco betrachtete ihn nachdenklich. „Professor Vektor hat uns früher gehen lassen."

„Wo sind Vincent und Gregory?"

„Sie haben Wahrsagen, wie du weißt."

Tigris biss sich auf die Lippen. „Woher wusstest du, wo ich bin?"

Draco zuckte mit den Schultern. „Ich wusste es einfach." Er stieß sich von der Wand ab und blockierte so Tigris' Weg über die enge Treppe nach unten. „Du bist mir aus dem Weg gegangen."

Tigris versuchte, an ihm vorbeizukommen. „Unsinn. Ich bin nur sehr beschäftigt."

„Ach wirklich? Dann ist es also nur meine Einbildung, dass du immer gehst, wenn ich komme?"

„Ich weiß nicht, wovon du redest.", sagte Tigris ärgerlich.

Draco stieß ihn gegen die Wand, einen wütenden Ausdruck im Gesicht. „Wenn du ein Problem mit mir hast, dann rede mit mir! Aber hör auf, dich wie ein Idiot zu benehmen!"

Tigris stieß ihn zurück. „Ich bin nicht derjenige von uns, der sich wie ein Idiot verhält!"

„Was?"

Tigris wich Dracos Blick aus und stieß ihn zur Seite, um an ihm vorbei nach unten zu kommen. Draco packte seinen Arm und hielt ihn auf.

„Was ist dein Problem, Bruder? Sag es!"

„Was mein Problem ist?", fauchte Tigris ärgerlich. „Lass mich überlegen, was könnte es wohl sein? Gar nichts. Schließlich bist du nur genau so, wie du immer warst!"

„Und wie bin ich deiner Ansicht nach?", fragte Draco.

„Arrogant? Taktlos? Oder ist charakterlos das Wort das ich suche?"

„Ah, ich verstehe.", zischte sein Bruder. „Es sind die armen verblichenen Auroren die dich beschäftigen. Ich bin gerührt."

„Es ist nicht die Tatsache, dass sie tot sind.", zischte Tigris zurück. „Es ist die Tatsache, dass du keinen Respekt vor den Toten hast – oder ihren Angehörigen. Du konntest dir die Gelegenheit einfach nicht entgehen lassen, ein paar Leute zu verletzen, nicht wahr? Egal, wie tief unter die Gürtellinie du gehen musst. Aber das war ja noch nie dein Problem."

Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte Draco getroffen, aber das wurde schnell von Zorn überdeckt. „Ich dachte wirklich, du würdest es inzwischen verstehen. Offensichtlich lag ich damit falsch. Du bist noch immer der gleiche engstirnige, dumme Gryffindor." Draco stieß Tigris grob gegen die Wand und ging an ihm vorbei nah unten. Bevor Tigris etwas entgegnen konnte, war er hinter der Biegung der Treppe verschwunden.

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Die folgende Zaubertränkestunde verlief alles andere als angenehm. Draco hatte sich zu Theodore nach vorne gesetzt, also setzte Tigris sich nach hinten zu Tracey. Sie war ein wenig überrascht, fragte ihn aber nicht nach dem Grund. Stattdessen fühlte er Blaises prüfenden Blick auf sich ruhen. Draco weigerte sich, Tigris anzusehen, selbst als sie nebeneinander vor dem Zutatenschrank standen. Tigris wollte eine wütende Bemerkung darüber machen, wie kindisch Draco war, aber hielt sich zurück. Er fühlte eine Mischung aus Verwirrung und Ärger. Ein Teil von ihm schämte sich dafür, dass er Draco offensichtlich verletzt hatte, aber ein anderer Teil sagte sich, dass er nicht den geringsten Grund hatte, beschämt zu sein. Schließlich war es Draco, der dieses lächerliche Schauspiel eines fanatischen Möchtegern-Todessers abzog, warum auch immer. Es wäre eine weisere Entscheidung, sich bedeckt zu halten. Besonders da die Gryffindors die Slytherin zurzeit hassten wie nie zuvor. Was in aller Welt erhoffte Draco sich davon? Tigris erkannte, dass er das Klabberthorn zu einen hauchfeinen Pulver gemörsert hatte und seufzte ungehalten. Es schien, dass sie niemals ihre Differenzen überwinden würden. Wie sollte er jemals in dieser Familie zurechtkommen, wenn er nicht einmal mit Draco klar kam? Aber schließlich war es nicht seine Schuld. Draco war der unkorrigierbare Idiot. Tigris presste die Lippen zusammen und begann zu brauen, entschlossen, alles andere zu ignorieren. Besonders seinen Bruder und Blaise, die ihn noch immer mit einem grübelnden Ausdruck musterte. Sein Tag war endgültig verdorben, als Snape ihn nach dem Unterricht bat, zurückzubleiben. Was hatte er nun wieder falsch gemacht? Er hatte ausnahmsweise einmal gedacht, sein Trank wäre in Ordnung.

Snape betrachtete Tigris mit einem bohrenden Blick, als die anderen den Raum verlassen hatten.

„Der Schulleiter wünscht mit Ihnen zu sprechen. Sie können die Feuerstelle nebenan benutzen, um in sein Büro zu kommen."

„Was?", entfuhr es Tigris ärgerlich. „Was zur Hölle will er von mir?"

Snapes Augen verengten sich ein wenig. „Professor Dumbledore hat mir nicht mitgeteilt, was er mit Ihnen diskutieren will. Ich rate Ihnen jedoch dringend, dem Leiter dieser Schule den Respekt entgegenzubringen, der ihm gebührt."

Tigris verbiss sich eine gehässige Entgegnung. Hatte er nicht klar gemacht, dass er nichts mehr mit Dumbledore zu tun haben wollte? Aber natürlich, der aufdringliche alte Mann ignorierte solche Signale einfach. Tigris könnte ihn anschreien und er würde ihm noch immer mit diesem verdammten Zwinkern in den Augen ein Zitronenbonbon anbieten. Mit finsterer Miene stürmte er an Snape vorbei in den Nebenraum, der sich als Snapes Büro herausstellte und warf eine Handvoll Floopulver ins Feuer.

„Büro des Schulleiters, Krokantfudge!"

Kurz darauf stapfte Tigris aus Dumbledores Feuerstelle, sich nicht um den Staub auf seiner Robe kümmernd.

„Was fällt Ihnen ein, mich hierher zu rufen? Mit Hilfe von Snape noch zudem!"

Dumbledore betrachtete ihn ruhig.

„Severus sagte mir, dass er dich bereits öfter nach der Stunde zurückgehalten hat. Ich habe keinen Grund ihm nicht zu vertrauen."

Tigris verzog sarkastisch das Gesicht. „Was Sie nicht sagen."

Dumbledore betrachtete ihn nachdenklich. „Hast du Grund, etwas anderes anzunehmen?"

Tigris lachte spöttisch. „Nein, warum sollte ich?"

„Harry..."

„Dissimula ex toto!", rief Tigris ärgerlich. „Sind Sie so versessen darauf, mich umzubringen?"

Dumbledores Zwinkern verschwand für einen Moment. „Diese Räume sind abgeschirmt, wie du wohl weißt. Ich habe nicht und werde nie bewusst etwas tun um dir zu schaden."

Tigris lachte zynisch. „Sicher, Schulleiter. Also warum bin ich hier?"

Dumbledore bedachte Tigris mit einem traurigen Blick, dann seufzte er und schloss die Augen. Für einen Moment wirkte er uralt und müde. Es war ein wenig schockierend, aber es dauerte nicht sehr lange. Sobald er aufsah, war der Eindruck verflogen. „Soweit es Severus angeht, hatten wir einige Dinge wegen deines Schulwechsels zu besprechen. Ich vertraue ihm, aber ich akzeptiere, dass es dir nicht so geht. Wie auch immer, der wirkliche Grund ist ein anderer. Es geht um die jüngsten Ereignisse."

Tigris versteifte sich ein wenig. „Ich wüsste keinen Grund, warum sie mich mehr angehen sollten, als die anderen."

„Denkst du, dein Vater war beteiligt?", fragte Dumbledore, Tigris eine Tasse Tee zuschiebend.

Tigris bückte sich, um den Staub aus seiner Robe zu klopfen. „Ich nehme es an. Natürlich kann ich es nicht mit Gewissheit sagen."

„Und wie fühlst du dich dabei?"

Tigris sah ärgerlich auf. „Ich vertraue Ihnen nicht. Warum sollte ich mit Ihnen über meine Gefühle reden? Ich betrachte Sie nicht als einen Freund."

„Ich verstehe das. So wie ich es sehe, hast du aber nicht viele andere Leute, mit denen du reden kannst."

„Haben Sie mich darum hergerufen?", fragte Tigris ungehalten. „Wenn ja, sagen Sie es, denn dann gehe ich wieder. Ich habe nicht vor meine Zeit zu vergeuden."

„Nein, das ist nicht der einzige Grund.", erwiderte Dumbledore ruhig. „Ich wollte dir etwas geben."

Er legte etwas vor sich auf den Tisch. Tigris sah darauf. Es war ein Stab. Sein alter Stab. Stirnrunzelnd sah er Dumbledore an.

„Was soll ich damit? Ich habe einen neuen Stab, mit dem ich wunderbar zurechtkomme."

„In Zeiten wie diesen kann es niemals schaden, vorbereitet zu sein."

„Ich bin Lucius Malfoys Sohn. Ich habe keinen Grund, mir Sorgen zu machen. Dieser Stab wird nur Verdacht erregen, wenn ich ihn bei mir trage."

„Es gibt Zauber, um ihn zu verbergen."

„Trotzdem, ich sehe nicht ein..."

Sie wurden von Fawkes unterbrochen, der von seiner Stange auf den Tisch flatterte und zu singen begann. Tigris versuchte, sich dem Einfluss des Phönixgesangs zu widersetzen, aber es gelang ihm nicht. Er fühlte sich unwillkürlich ruhiger, friedfertiger und gelassener. Sein Ärger verschwand spurlos und er fand es unsinnig, dass er zu Beginn so wütend gewesen war. Es gab schließlich keine Probleme, die sich nicht irgendwie lösen ließen. Nachdem er geendet hatte, nahm Fawkes den Stab in den Schnabel und hielt ihn Tigris hin. Tigris nahm ihn zögernd.

„Also gut... ich nehme an, ich kann ihn vor den anderen verbergen. Ich halte es zwar noch immer für sinnlos, aber vielleicht erweist es sich ja eines Tages als nützlich."

Fawkes gab einen freudigen Triller von sich und flog auf seine Stange zurück, Tigris dabei leicht mit seinem Flügel streifend. Dumbledore lächelte ihm zu.

Tigris steckte den Stab ein. Er fühlte sich fremd an, anders als früher. „War das alles?"

„Wie geht es deinem Bruder?"

Tigris seufzte. „Wir haben uns gestritten. Ich nehme an, er tut nur, was er denkt, dass es von ihm erwartet wird. Dennoch..."

Dumbledore strich sich über den Bart. „Sein Verhalten lässt mich überlegen, ob es richtig war, ihn zum Vertrauensschüler zu machen."

„Jetzt auf einmal?", fragte Tigris spöttisch. Er konnte noch immer nicht wirklich ärgerlich werden, aber Dumbledores Worte verstimmten ihn etwas. „So wie ich es sehe, hat sich sein Verhalten seit dem ersten Schuljahr nicht wesentlich verschlechtert. Im Gegenteil, ich vermute, es hat sich dieses Jahr verbessert."

„Mag sein, aber die Zeiten sind andere. Wir können uns keinen Vertrauensschüler leisten, der so offenkundig Voldemorts Ideale vertritt."

Tigris zuckte unwillkürlich zusammen und fluchte innerlich. Sein Vater hatte ihn zu gut konditioniert. „Sie werden kaum einen Slytherin finden, der sich wesentlich anders verhält."

Dumbledore betrachtete Tigris bezeichnend.

Tigris lachte heiser und schüttelte den Kopf. „Oh nein, denken Sie nicht einmal daran. Ich bin mit meinem jetzigen Status vollkommen zufrieden. Außerdem, wenn Sie denken, dass ich mich wie ihre lieben Gryffindors verhalte, täuschen Sie sich. Vater würde das nie tolerieren."

Dumbledores Zwinkern verschwand und er seufzte lautlos. „Ich verstehe." Er lächelte Tigris zu. „Trinkst du noch etwas Tee mit einem alten Mann?"

Tigris lachte leise und setzte sich. „Also gut. Da ich Ihnen ja doch nicht entkommen kann..."

Sie tranken ihren Tee in Ruhe aus. Er war diesmal süßer, ein leichter Tee mit einem Hauch von Karamell.

„Ich hoffe, du besuchst mich wieder.", sagte Dumbledore dann.

„Hoffen sie nicht darauf.", erwiderte Tigris, etwas amüsiert. Der alte Mann gab auch niemals auf. Bevor er in die Feuerstelle trat, verharrte er noch einmal. „Ich weiß, Sie geben nicht viel auf meine Meinung, aber seien Sie vorsichtig mit Snape." Er trat in die Flammen, bevor Dumbledore etwas erwidern konnte. Tigris fühlte sich besser als zuvor. Er schob es auf den Phönixgesang, aber ein Teil von ihm wusste, das war nicht der einzige Grund.

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Auf dem Weg zum Slytherin-Gemeinschaftsraum verschwand Tigris' künstliche Ruhe langsam und machte neuem Ärger Platz. Der alte Mann hatte ihn schon wieder manipuliert. Zornig schloss er seine Finger um seinen alten Stab. Er fühlte sich unangenehm an, ganz anders als früher. Einen Moment lang war Tigris versucht, ihn zu zerbrechen, aber dann konnte er sich doch nicht dazu durchringen. Zu viele Erinnerungen waren mit diesem Stab verbunden. Zur Hölle mit Dumbledore! Was erhoffte er sich davon? Denn dass er sich etwas davon erhoffte war klar. Dumbledore tat niemals etwas ohne einen verborgenen Grund. Stirnrunzelnd strich Tigris über das Holz. Es fühlte sich so fremd an. Vielleicht hatte Dumbledore den Stab irgendwie verändert? Wie auch immer, es konnte Tigris egal sein. Er hatte nicht vor, diesen Stab zu benutzen. Er würde ihn in einer weit entfernten Ecke verstecken und nie mehr anrühren.

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Der Gemeinschaftsraum war fast leer, als Tigris eintrat. In einer Ecke waren Blaise und Theodore dabei, Schach zu spielen. Blaise stand auf, als er eintrat. Sie wechselte ein paar leise Worte mit Theodore, die Tigris nicht verstand und Theodore nickte und packte das Schachspiel ein.

„Gab es ein Problem mit Snape?", fragte sie, zu Tigris hinüber kommend.

„Nein, es ging nur um meine Nachhilfestunden."

Blaise lächelte. „Du wirst bestimmt bald besser werden. Du bist in allen anderen Fächern gut."

Tigris nickte, auch wenn er es innerlich bezweifelte.

„Gehen wir etwas spazieren? Ich wollte mit dir über etwas reden."

Tigris betrachtete sie verwundert, aber nickte. „Nur einen Moment, ich stelle eben meine Tasche in meinem Zimmer ab."

Sie nickte und setzte sich wieder zu Theodore. Tigris ging in sein Zimmer. Draco war zu seiner Erleichterung noch nicht da. Er stellte seine Tasche beiseite und holte dann den Stab hervor. Nach einem Moment der Überlegung gab Tigris ihm die Erscheinung eines Buchs über Verwandlungen und legte ihn in das unterste Fach seiner Truhe.

Als er in den Gemeinschaftsraum zurück kam war nur noch Blaise da. Sie stand auf und lächelte Tigris zu.

„Lass uns etwas spazieren gehen. Im Laufen kann man sich besser unterhalten."

Tigris nickte und sie verließen den Gemeinschaftsraum. Für eine Weile gingen sie nur schweigend durch die steinernen Korridore. Einige der Porträts betrachteten sie neugierig.

„Das Ravenclaw – Gryffindor Match ist bald.", sagte Tigris, um die Stille zu durchbrechen. Er ahnte, worüber Blaise mit ihm reden wollte, und ihm war nicht wirklich danach, es zu diskutieren. „Habt ihr eine neue Taktik gegen die Ravenclaws? Cho hat sich Theodores Zeichen aufgeschrieben."

„Ja, er hat das bemerkt.", antwortete Blaise. „Du bist schon lange nicht mehr bei unserem Training gewesen."

Tigris zuckte mit den Schultern. „Bequemlichkeit, muss ich zugeben. Es wird langsam ungemütlich draußen."

Blaise zog die Brauen hoch. „Also hilfst du lieber den jüngeren Jahrgängen bei ihren Hausaufgaben? Nun, es ist das strategisch bessere..."

„Ich sehe es nicht auf diese Weise.", erwiderte Tigris ärgerlich.

„Das dachte ich mir, aber es ist so. Es verschafft dir Einfluss. Du tust es nicht nur um Draco aus dem Weg zu gehen oder? Ich meine, was läuft da zwischen euch? Ihr redet kaum noch miteinander."

„Er ist nur sein gewöhnlich charmantes Selbst.", entgegnete Tigris mürrisch.

„Hat es etwas mit dem Anschlag zu tun?", fragte Blaise neugierig. „Er reagiert nur, wie es von ihm erwartet wird, weißt du?"

„Es wird von ihm erwartet, dass er die Gefallenen in den Schmutz zieht und Witze über die ganze Sache macht?", sagte Tigris ärgerlich. „Wohl kaum."

Blaise betrachtete ihn nachdenklich. „Denkst du das wirklich? Du solltest dir einmal überlegen, was er ist. Er ist nicht nur irgendwer. Er repräsentiert etwas, bestimmte Ansichten. Offiziell mag niemand wissen, was sein Vater ist, aber in der Realität gibt es kaum jemanden in Slytherin, der nicht die Wahrheit kennt. Man sollte meinen, es wäre klüger von ihm, seine Loyalität für sich zu behalten, aber ist es das wirklich?"

Ihre Frage blieb einen Moment zwischen ihnen im Raum stehen.

„Ihr solltet euch wirklich wieder vertragen.", fuhr sie dann fort. „Es ist nicht gut für das Haus, wenn ihr euch streitet."

„Mach dich nicht lächerlich.", entgegnete Tigris ärgerlich. „Was hat das mit dem Haus zu tun?"

„Eine ganze Menge. Es mag dir nichts bedeuten, aber du HAST dir Einfluss geschaffen. Die jüngeren Jahrgänge respektieren dich und sie hören auf deine Meinung. Wenn du mit Draco in einer so politisch wichtigen Sache uneinig bist, verwirrt sie das. Es hat bereits Streitigkeiten deswegen gegeben."

„Lächerlich.", wiederholte Tigris. „Wir haben uns nicht einmal wirklich gestritten, wir gehen uns nur aus dem Weg. Ich helfe nur hin und wieder jemandem bei den Hausaufgaben, ich bin keine Symbolfigur oder so etwas. Wenn sie sich nicht ihre eigene Meinung bilden können, dann sind sie Narren."

„Das soll kein Vorwurf sein, aber du hast wirklich sehr wenig Ahnung, wie Slytherin funktioniert. Es geht immer um Politik, ich habe es schon unzählige Male gesagt. Du kannst das abstreiten, aber das heißt, das Offensichtliche zu leugnen."

Tigris seufzte frustriert. „Was sagt dir, dass es mich überhaupt kümmert, was die anderen denken? Es ist eine Sache zwischen mir und Draco."

„Das ist es, was ich dir die ganze Zeit versuche zu sagen: Nein, das ist es nicht."

Tigris hob ärgerlich die Hände zum Himmel. „Du und deine verdammte Politik! Sollen sie doch denken was sie wollen! Es interessiert mich nicht, ob sie sich streiten. Ich lasse mein Verhalten doch nicht von ein paar Idioten bestimmen, die nicht für sich selbst denken können!" Er fühlte sich plötzlich, als wäre er wieder in seinem alten Leben, wo jede seiner Handlungen sich sofort in den Zeitungen wieder fand und die ganze Zaubererwelt in Aufruhr versetzte. Er hatte diese Art von Aufmerksamkeit gehasst. Er war froh ihr entkommen zu sein. Jetzt drängte Blaise ihn plötzlich in eine Vorbildfunktion für die Slytherins. Tigris verzog das Gesicht. Was für ein Quatsch. Warum sollte es die anderen überhaupt kümmern, was er dachte? Er war ein Außenseiter, ein Niemand. Blaise war nur wieder einmal besessen von einer ihrer seltsamen Theorien.

„Es ist wirklich ignorant, das zu sagen.", meinte Blaise. „Da wir gerade dabei sind, es ist kindisch, wie ihr beide euch verhaltet. Ihr solltet euch einfach aussprechen."

Tigris warf ihr einen ärgerlichen Blick zu. „Es ist Draco, der sich kindisch verhält, nicht ich."

Blaise verdrehte die Augen. „Was für ein wirklich ERWACHSENES Statement."

Tigris war einfach mit Blaise mitgegangen und sie waren kreuz und quer durch die Korridore gewandert. Er wusste nicht genau, wo sie waren, aber das kümmerte ihn nicht sehr, da Blaise den Weg kannte. Er war überrascht, als sie Theodore vor sich sahen, der in einer offenen Tür lehnte und sich mit jemandem im Raum dahinter unterhielt. Tigris konnte nicht verstehen, was er sagte, da er zu leise sprach. Als Theodore sie kommen sah, unterbrach er sein Gespräch und sah sie an.

„Hallo, wo kommt ihr denn her?"

„Wir sind nur ein wenig in der Gegend herumgelaufen.", antwortete Blaise. Sie steuerte geradewegs auf den Raum zu und Theodore trat etwas zur Seite, um sie vorbei zu lassen.

„Es würde alles viel einfacher machen, wenn ihr miteinander reden würdet.", fuhr Blaise mit ihrer Rede fort.

Tigris seufzte ungehalten. „Mag sein, aber ich will mich nicht mit ihm unterhalten."

„Und du behauptest, er ist kindisch."

Tigris warf ihr einen wütenden Blick zu und achtete nicht auf den Raum, den er betrat. Als er einen Schritt hinein gemacht hatte, wichen Blaise und Theodore plötzlich zurück und schlugen ihm die Tür vor der Nase zu. Einen Augenblick lang war Tigris zu verblüfft, um zu reagieren. Dann griff er nach dem Türknauf, aber die Tür blieb verschlossen.

„Blaise, was soll das?", rief er ärgerlich.

„Theodore! Du hinterlistiger Bastard!"

Tigris erstarrte und fuhr herum. Er war im Trainingsraum gegenüber von seinem alles andere als erfreuten Bruder.


Danke für eure Reviews an: YanisTamiem, Little Nadeshiko, Kylyen, Stupor-mg, blub, Condor, Samantha Potter, Tora- Kokoro, Esta, DarkLuzie, Lara-Lynx, Novemberkind

Little Nadeshiko: Nein, Tigris hat Tränkenachhilfe zur gleichen Zeit. Selbst wenn es verlegt würde, sechs Fächer sind genug.

Lara-Lynx: Du liegst ziemlich richtig mit allem, was du zum letzten Kapitel geschrieben hast. Aber bei meinen Rätseln ist es noch immer ganz kalt. Nein, die Daten sind nicht zufällig, aber sie haben nicht direkt etwas mit dieser Geschichte zu tun. Heute ist übrigens der 23. 03. 5765 ;-).