Disclaimer:

Außerdem sagen alle, wer nach so vielen Disclaimern noch immer nicht weiß, dass Harry Potter JKR gehört, sollte am Besten überhaupt nichts schreiben.

Kapierst du's nicht, du bist hier falsch, verschwinde, geh wieder zurück wo du hingehörst! Ich hasse Eichhörnchen!

Na, na, man muss ja nicht gleich persönlich werden.


Schatten der Wahl

28. Zwischen Licht und Dunkel

„Alohomora!", rief Tigris ärgerlich. Die Tür rührte sich nicht.

Tigris sprach einen weiteren Zauber auf die Tür, gleichermaßen ohne Effekt. Draco trat neben ihn und schloss sich ihm an, ohne ihn auch nur anzusehen. Sie warfen abwechselnd und gemeinsam einen Zauber nach dem anderen gegen die Tür, zu Flüchen übergehend, als sie nicht reagierte. Aber was immer Theodore und Blaise getan hatten, es widerstand allen ihren Versuchen. Schließlich gab Tigris der Tür einen wütenden Tritt und wandte sich ab, Theodore und Blaise mit sämtlichen Flüchen verwünschend, die ihm einfielen. Als er sich umdrehte, sah er, dass Draco sich gegen die Wand gelehnt hatte und ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue betrachtete.

„Was?", fauchte Tigris.

„Man merkt, dass du eine lausige Erziehung genossen hast.", meinte Draco kühl.

Tigris richtete knurrend seinen Stab auf ihn. „Halt die Klappe. Ich will nicht hier sein, du willst nicht hier sein. Ich bin sicher, es wird angenehmer für uns beide, wenn du still bist – oder bewusstlos."

Draco starrte Tigris nur regungslos an, nicht im Geringsten eingeschüchtert. Tigris begegnete seinem Blick einige Sekunden lang, dann senkte er seinen Stab.

Sein Bruder verzog die Lippen zu einem humorlosen Lächeln. „Es scheint, wir wurden erfolgreich hintergangen."

Tigris steckte ärgerlich seinen Stab ein. „Blaise denkt, unser Streit schadet Slytherin."

„Theodore sagte etwas Ähnliches. Zwei illusionistische Strategen haben sich gegen uns verbündet. Wir sind verdammt."

Tigris sah sich nach etwas um, das er schlagen oder treten konnte. Zu seinem Pech war der Raum leer. Selbst das Schwert, mit dem Draco trainiert hatte, war verschwunden. „Wir könnten einfach warten. Sie können uns schließlich nicht ewig hier festhalten. Irgendwann müssen sie die Tür öffnen."

Draco verzog sarkastisch das Gesicht. „Ich denke nicht, dass wir so viel Glück haben. Die beiden sind schlau genug, uns auszuspionieren. Sie werden warten, bis wir uns ausgesprochen haben."

„Warum können sie sich nicht einfach um ihren eigenen Kram kümmern!", fauchte Tigris wütend.

„Das würde ich auch gerne wissen." Draco stieß sich von der Wand ab und machte einen Schritt auf ihn zu. „Wie es aussieht kommen wir nicht darum herum."

Tigris wich unwillkürlich einen Schritt zurück und starrte Draco wütend an. „Oh, du willst dich unterhalten? Ein bisschen sinnloses Gerede wird alles ändern, ich bin sicher. Warum schließen wir nicht gleich Frieden und bringen es hinter uns." Er griff nach Dracos Hand und schüttelte sie sarkastisch, dann hielt er sie hoch. „Habt ihr das gesehen? Fein, dann öffnet die verdammte Tür."

Draco entzog Tigris zornig seine Hand. „Im Gegensatz zu dem, was du von früher gewöhnt bist, bist du hier nicht von Idioten umgeben, Bruderherz. So sehr ich es auch wünschte, so einfach kommen wir hier nicht raus."

Tigris stieß Draco ärgerlich von sich weg und brachte ein paar Schritte Abstand zwischen sie, die Fäuste ballend.

„Oh, sind wir wütend?", spottete Draco. „Hast du Schwierigkeiten, dich zu beherrschen?"

Tigris fuhr herum, packte Draco ohne Nachzudenken und schlug ihn gegen die Wand. „Fahr nur fort, mich zu provozieren!"

„Und dann was?", zischte Draco eisig, Tigris gerade in die Augen sehend. „Willst du mich schlagen? Willst du mich bestrafen, für welch immer großartiges Unrecht ich deiner Meinung nach begangen habe? Mich blutig peitschen vielleicht?"

Tigris ließ ihn los, als hätte er sich verbrannt und wich einen Schritt zurück. Draco lehnte an der Wand und atmete heftig. Er hatte seinen Stab nicht in der Hand, noch hatte er eine andere Bewegung gemacht, sich zu verteidigen.

„Ich bin nicht...", stammelte Tigris. „Ich würde nie..."

„Wirklich?", entgegnete Draco lediglich.

Dennoch schaffte es diese simple Antwort mehr Furcht in Tigris hervorzurufen, als alles andere, was Draco hätte tun können. Er war nicht wie ihr Vater, das war er nicht! Aber für einen Moment hatte er Draco verletzen wollen. Einen Moment lang hatte er nichts gefühlt außer Wut und das Bedürfnis, sie an jemandem oder etwas auszulassen. Tigris vergrub seine Finger in den Haaren. „Nein..." Draco machte einen Schritt auf ihn zu und Tigris wich zurück. „Fass mich nicht an!"

Sein Bruder verharrte. „Warum bist du so wütend auf mich?"

„Tu doch nicht so, als wenn du das nicht weißt!"

Draco zuckte leicht zusammen. „Wenn du einen Hellseher suchst, musst du in den Nordturm hochgehen."

Tigris sah Draco ärgerlich an. „Soll ich dich erinnern? Hat es dir Spaß gemacht, Marwig an ihren toten Vater zu erinnern? Hast du es genossen, die Gryffindors zu verspotten, dafür dass die meisten der Auroren aus ihrem Haus kamen? Es hörte sich sicher so an. Gibt es irgendeinen Wettbewerb um den gemeinsten und niederträchtigsten Spruch in Slytherin, oder warum tust du es? Erzähl mir nicht, es geht um deinen Status oder deine Loyalität. Das ist Schwachsinn. Wenn das der Weg ist, auf dem du dir Respekt verdienst, sind die, die dich respektieren, es nicht wert."

„Du musst meine Sprüche wirklich faszinierend finden, dass du dir sie so gut eingeprägt hast.", erwiderte Draco, bleich geworden.

„Wie du weißt habe ich ein fotografisches Gedächtnis.", fauchte Tigris. „Bist du wirklich glücklich darüber, dass all diese Leute gestorben sind? Vielleicht sollten wir eine Party veranstalten und auf ihren Gräbern tanzen, würde dir das passen?"

Draco warf den Kopf zurück und stieß ärgerlich die Luft aus. Dann sah er Tigris wieder an und ballte die Faust. „Du weißt, dass das nicht wahr ist. Aber wenn du mich danach fragst, ob ich um sie trauere – nein, das tue ich nicht. Falls du es noch nicht gemerkt hast, wir sind im Krieg. Sie haben sich für die falsche Seite entschieden, und ich bemitleide sie nicht dafür. Erzähl mir nicht, dass du jemals um jemanden getrauert hast, der nicht auf deiner Seite war."

Tigris öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Er dachte an Quirrel und Barty Crouch. Es stimmte, er hatte keinen zweiten Gedanken an sie verschwendet. Aber das war nicht dasselbe.

„Mag sein.", entgegnete er eisig. „Aber selbst deine Feinde verdienen etwas Respekt. Vielleicht habe ich ihnen keine Träne nachgeweint, aber ich habe mich auch nicht darüber lustig gemacht. So etwas nennt man Anstand."

Draco wandte sich ab und stützte sich mit einer Hand an der Wand ab. „Vielleicht.", sagte er schließlich. „Auch wenn ich nicht weiß, warum du es so persönlich nimmst. Es ist schließlich nicht so, als ob du sie gekannt hättest. Oder ist es nur einfach Gewohnheit?"

Tigris verharrte und dachte darüber nach. „Nein." Er biss sich auf die Lippen. „Vielleicht... zum Teil. Aber ich konnte noch nie die Art ausstehen, auf die du... Es ist nicht so sehr das wer, es ist das wie, verstehst du? Ich gebe zu, ich weiß nicht, ob ich genauso reagiert hätte, ginge es um Todesser, aber ich weiß, dass ich auch dann nicht einverstanden gewesen wäre."

Draco wandte sich zu Tigris um. „Ich denke... das kann ich akzeptieren." Er schritt unruhig vor Tigris auf und ab. „Was soll ich also deiner Meinung nach tun? Ich kann nicht plötzlich mein Verhalten ändern. Das sollte dir bewusst sein."

„Warum nicht?", fragte Tigris.

Draco hielt inne und starrte ihn an. Er öffnete den Mund, aber Tigris unterbrach ihn.

„Sicher ist es kein Geheimnis, dass wir uns ausgesprochen haben. Ich habe nicht viel zu meiner Meinung gesagt, aber es war wohl für alle offensichtlich, dass wir unterschiedlicher Ansicht waren. Zumindest, wenn man Blaise und Theodore glaubt. Werden sie nicht einfach annehmen, dass dein verändertes Verhalten auf eine Abmachung zwischen uns zurückgeht?"

„Und wenn Vater davon erfährt?", spie Draco. „Was dann?"

Tigris zögerte. Sein erster Impuls war, zu sagen, dass er es auf sich nehmen würde. Aber das war das letzte Mal nicht glatt gegangen, es würde diesmal auch nicht klappen.

Draco starrte grübelnd ins Leere und der Ärger wich aus seinen Zügen. „Es könnte funktionieren.", sagte er schließlich langsam. „Aber..."

Tigris sah überrascht und ein wenig beunruhigt auf. „Aber?"

Sein Bruder betrachtete ihn nachdenklich. „Ich habe darüber nachgedacht, was deine unausstehlichen Zwillinge gesagt haben, und ich denke, sie hatten nicht ganz Unrecht. Es ist von Vorteil, nach außen hin einig zu erscheinen, und wenn wir wirklich so viel Einfluss auf das Haus haben, wie Blaise und Theodore meinen..."

Tigris sah Draco vorsichtig an. „Also willst du... was genau?"

Draco trommelte mit den Fingern gegen die Wand. „Ich denke, wenn ich mein Verhalten ändere, solltest du vielleicht deines ebenso ändern."

„Inwiefern?", fragte Tigris mit einem unwohlen Gefühl. „Willst du, dass ich mich wie du verhalte?"

„Ich will, dass du dich wie ein Malfoy verhältst.", entgegnete Draco kühl. „Denk darüber nach. Es würde zusätzlich dein Problem mit dem Wuschelkopf lösen, meinst du nicht? Ich muss sagen, es hat mich überrascht, dass sie ihre Nase bisher aus unseren Angelegenheiten herausgehalten hat. Wie lange denkst du bleibt das noch so? Abgesehen davon... du hast es bisher ganz gut geschafft, neutral zu erscheinen, aber wir sind nicht neutral. Es ist nicht genug. Vater wird das nicht für immer dulden."

Tigris wandte sich ruckartig ab. „Ich kann nicht etwas vertreten, an das ich nicht glaube."

„Woran glaubst du dann? Dumbledore?"

„Nein!"

„Nun, das ist ein Anfang! Ich erwarte nicht von dir, dass du dich plötzlich zu den Idealen des Dunklen Lord bekennst. Aber du gehörst zu einer der ältesten und reinblütigsten Familien der Zaubererwelt, und du solltest etwas Stolz auf deine Herkunft zeigen."

„Ich denke nicht, dass das etwas ist, worauf man stolz sein muss."

„Also wäre es dir egal, wenn du ein Muggel wärst?", fragte Draco mit Abscheu.

Ein Stich durchfuhr Tigris. „Nein, aber das ist nicht dasselbe."

„Ein Schlammblut dann?"

Tigris öffnete den Mund um Ja zu sagen, aber schloss ihn wieder. Er konnte nicht umhin zu denken, dass das wäre, als wären die Dursleys seine richtigen Eltern, und allein der Gedanke ließ ihn würgen. „Nein.", sagte er leise. Dann wandte er sich ruckartig um. „Aber das heißt nicht, dass ich denke, dass wir anderen Zauberern nur aufgrund unserer Herkunft überlegen sind. Sieh dir Vincent und Gregory an. Denkst du wirklich, sie sind besser als eine Hexe wie Hermione?"

„Granger!", rief Draco ärgerlich. „Es ist immer Granger! Granger ist eine Ausnahme. Im Übrigen, so klug sie auch ist, sie hat nicht unseren Status. Sie wird niemals sein was wir sind, wie viele Punkte sie auch sammelt. Sie wird niemals allein durch ihre Anwesenheit Respekt einfordern können. Weil ihr das Ansehen und die Anerkennung einer Familie fehlt, die so alt ist wie unsere. Du magst sagen, dass Blut allein kein Grund für Respekt ist und vielleicht ist das wahr. Aber das ist nicht der Grund, warum der Einfluss unseres Vaters an den des Zaubereiministers herankommt. Es ist die Geschichte unserer Familie, die Leistungen derer die uns vorangingen. Ich, für meinen Teil, halte das für etwas, auf das man mit Recht stolz sein kann."

Tigris sah Draco an und einen Moment lang schwiegen sie. Als Tigris darüber nachdachte, musste er zugeben, dass Draco vielleicht ein wenig recht hatte. Nicht mit seinem Glauben an die Überlegenheit von Reinblütlern, aber damit, dass man auf die Leistungen seiner Vorfahren stolz sein konnte. Tigris wusste nicht besonders viel über die Malfoyfamilie. Sicher waren sie nicht alle dunkle Zauberer gewesen? Es hatte immer in der Geschichte der Zaubererwelt dunkle und helle Zeiten gegeben. Sicher wären die Malfoys nicht so respektiert, wie sie es heute waren, wenn alle von ihnen Anhänger Dunkler Lords gewesen wären. Es würde sich zumindest lohnen, das nachzuforschen. Was aber viel wichtiger war, war die Tatsache, dass Draco offensichtlich bereit war, Tigris entgegenzukommen.

„Ich werde es versuchen.", sagte Tigris schließlich. „Ich weiß nicht, in wie weit ich das sein kann, was du für einen Malfoy hältst, aber ich werde tun was ich kann, damit wir nach außen hin einig erscheinen. Auch wenn ich sicher bin, dass wir unter uns noch unsere Auseinandersetzungen haben werden." Er streckte die Hand aus.

Draco ergriff sie. „Für mich gilt das gleiche. Ich werde die anderen Häuser in Ruhe lassen. Wenn aber einer von ihnen anfängt, werde ich nicht klein bei geben."

„Dagegen habe ich keine Einwände."

„Gut." Draco grinste. „Ich sollte mir das in den Kalender schreiben. Die Zeit ist schließlich gekommen, wo Tigris auf mich hört."

Tigris schlug spielerisch nach ihm. „Dieser Tag wird mein Untergang sein, ich bin sicher. Idiot."

„Gryffindor!"

„Hey!"

„Was? Ich dachte, du magst die Gryffis?"

Tigris verzog das Gesicht. „Das heißt nicht, dass ich einer sein will. Ich ziehe Slytherin vor, vielen Dank."

Draco lachte. „Wer hätte gedacht, dass ich das jemals von dir hören würde."

Tigris grinste. „Wahr. Aber um dir ein Geheimnis zu verraten, ich hätte von Anfang an ein Slytherin sein können. Ich wollte es nur nicht, weil ich lauter Vorurteile gegen unser Haus hatte."

Draco zog die Brauen hoch. „Wirklich? Du, der muggelliebende Narr der du warst? Wir hätten dich in der Luft zerrissen."

Tigris erwiderte die Geste amüsiert. „Denkst du das? Und dabei sagte mir der Hut ich könnte Großes erreichen in Slytherin."

Draco starrte Tigris an, dann gab er ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. „Idiot."

Tigris lachte leise. „Außerdem habe ich Muggel niemals geliebt.", murmelte er.

Draco schnaubte verächtlich. „Kann ich mir vorstellen, bei deinen Verwandten. Jetzt lass uns gehen, ich bin am verhungern."

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Wie Draco es vorher gesagt hatte, war die Tür offen, als sie es erneut versuchten. Ein kurzer Blick auf die Zeit sagte ihnen, dass sie das Abendessen verpasst hatten. Tigris überredete Draco, sich mit ihm hinunter in die Küche zu schleichen. Es überraschte ihn, dass Draco das noch nie zuvor getan hatte.

„Wer hätte je gedacht, dass die Slytherin sich so an die Regeln halten.", meinte er neckend.

Draco grinste nur. „Oh, das tun wir nicht. Wir wählen nur meistens weniger offensichtliche Wege, sie zu umgehen. Deswegen sind es auch immer die Gryffindors, die geschnappt werden."

Tigris lachte. Die Hauselfen waren nur zu gerne bereit, ihnen ein Essen zu servieren. Tigris sah weder Dobby noch Winky, aber das störte ihn nicht gerade. Wer wusste, wie Dobby auf die Anwesenheit der „bösen, bösen Zauberer" reagiert hätte, für die er einmal gearbeitet hatte? Nachdem sie gegessen hatten, kehrten sie zum Gemeinschaftsraum zurück, wo zu ihrer Überraschung noch der Großteil der Sechst- und Siebtklässler versammelt war. Blaise und Theodore grinsten ihnen zu und Tigris warf ihnen einen bösen Blick zu. Blaise kicherte und Theodore unterdrückte ein Lachen.

„Was ist so lustig?", fauchte Tigris.

„Nichts.", grinste Blaise.

„Nur dass ihr beiden euch so ähnlich seht, wenn ihr diesen Gesichtsausdruck drauf habt.", fügte Theodore hinzu.

Draco und Tigris starrten sich einen Moment verblüfft an, dann konnten sie nicht anders als grinsen.

„Was ist hier los?", verlangte Draco zu wissen.

„Das weißt du nicht?", fragte Tracey. „Oh richtig, ihr habt das Abendessen verpasst. Dumbledore hat angekündigt, dass es dieses Jahr einen Halloweenball geben soll."

„Freude in düsteren Zeiten und all das.", fügte Blaise ironisch hinzu.

„Mit Verkleidung?", fragte Tigris widerwillig.

„Verkleidung?", fragte Tracey. Auch die anderen warfen ihm verwirrte Blicke zu.

„Na ja, bei Muggeln ist es üblich, dass man sich an Halloween verkleidet.", erklärte Tigris ein wenig unbehaglich.

„Dumbledore hat nichts davon erwähnt.", meinte Tracey alarmiert.

„Ich werde mich ganz sicher nicht verkleiden.", entgegnete Theodore abgestoßen. „Es hört sich noch einem kindischen Brauch an, und ich fange sicher nicht an, Muggel zu kopieren."

Etliche der anderen nickten zustimmend.

„Woher weißt du das überhaupt?", fragte Richard neugierig. „Wir haben es nicht einmal in Muggelkunde besprochen."

„Ich wurde von Muggeln aufgezogen." Tigris konnte die Abneigung nicht ganz aus seiner Stimme fernhalten, als er das sagte. Ja, die Dursleys waren tot, aber das hieß nicht, dass er sie nicht noch immer verabscheute.

Ein paar schockierte Blicke wurden ihm zugeworfen und Tigris wurde bewusst, dass das neu für den Großteil der Slytherins war.

„Wirklich? Hast du dann auch diesen Brauch mitgemacht?", fragte Tracey interessiert.

Ein Bild wie er und die Dursleys sich als Zauberer verkleideten kam Tigris ungebeten in den Sinn und er lachte beißend. „Kaum. Es ist üblich, sich als Zauberer, Hexen oder andere magische Kreaturen zu verkleiden, und die Muggel mit denen ich lebte verabscheuten Magie. Die meisten Muggel halten Magie für ein Märchen, aber diese Muggel wussten, dass Zauberer tatsächlich existierten. Sie hätten... Sie wären ausgerastet." Tigris konnte sich Vernons purpurrotes Gesicht bildlich vorstellen. ‚Wie kannst du es wagen, deine Abartigkeit in unser Haus zu bringen, Missgeburt?' Er zuckte kaum merklich zusammen.

„Du musst froh sein, dass Dracos Vater dich aufgenommen hat.", meinte Blaise.

„Oh ja, das bin ich.", antwortete Tigris, ohne darüber nachzudenken. Eine Sekunde später ärgerte ihn die Ehrlichkeit in seiner Stimme. War er es wirklich? Aber vielleicht war er das. Tigris hasste seinen Vater, aber da waren auch seine Mutter und Draco. Er konnte nicht wirklich behaupten, dass er sie gegen die Dursleys eintauschen würde.

„Nun...", sagte Draco. „Wenn man sich als Zauberer verkleidet, haben wir ja kein Problem, schließlich sind wir das von Natur aus." Die anderen lachten. „Also, gehst du mit mir zum Ball, Blaise?"

Blaise wirkte einen Moment verblüfft, dann lächelte sie und zuckte mit den Schultern. „Natürlich, warum nicht?"

Draco küsste ihre Hand und grinste selbstzufrieden.

„Subtil wie immer, Malfoy.", meinte Theodore spöttisch.

„Du kannst nicht abstreiten, dass er recht hat.", meinte Richard. „Besser früh fragen, bevor die Besten vergeben sind." Er beugte sich zu Theodore hinüber. „Also, erweist du mir die Ehre?"

„Was?", entfuhr es Theodore schockiert. Dann errötete er und reichte Richard verlegen die Hand. „In Ordnung..."

Richard küsste die Hand und lächelte Theodore ermutigend zu. „Danke. Ich freue mich."

Wenn überhaupt möglich, errötete Theodore noch ein wenig mehr.

Tigris schluckte und dachte an den Yuleball und das Desaster mit den Patil- Schwestern zurück. Richard hatte einen Punkt. Er sah, wie Vincent und Millicent miteinander flüsterten und Tracey lächelte einem Siebtklässler zu. Aber Tigris hatte absolut keine Idee, wen er fragen sollte. Himmel, er kannte kaum jemanden!

„Nein, absolut NICHT!" Tigris blickte sich um, schnell genug um zu sehen, wie eine angewiderte Pansy ihre Hand aus der Pranke von Gregory Goyle zog. Gregory warf ihr einen verletzten Blick zu und ging. Vincent sah auf und warf Gregory einen mitfühlenden Blick nach, aber konnte sich offensichtlich nicht von Millicent lösen. Nach einer kurzen Diskussion standen die beiden auf und folgten Gregory. Draco lachte leise und zwängte sich auf die Coach zwischen Theodore und Blaise, einen Arm um Blaise legend. „Also, Liebling..."

Blaise schüttelte seinen Arm ab. „Ich habe zugestimmt, mit dir zum Ball zu gehen. Ich habe sicherlich nicht zugestimmt, dass du mich LIEBLING nennst, oder irgendeinen anderen lächerlichen Kosenamen."

Draco seufzte und schüttelte traurig den Kopf. „Eines Tages wirst du sehen, dass wir füreinander geschaffen sind, Blaise."

Blaise warf Draco einen finsteren Blick zu. „Bleib bei dieser Haltung, und ich überlege es mir noch mal."

Draco wurde auf der Stelle ernster. „Okay, okay. Kein Grund zur Aufregung."

Blaise schürzte die Lippen, sagte aber nichts mehr.

Tigris hatte ihrem Gespräch nur mit halben Ohr zugehört, denn seine Gedanken kreisten um etwas anderes. Pansy hatte mürrisch vor sich hingestarrt, seit Gregory gegangen war, nun stand sie auf um zu gehen. Tigris nahm seinen Mut zusammen bevor er es sich anders überlegen konnte und die innere Stimme lauter wurde, die ihm einzureden versuchte, dass er diese Entscheidung bereuen würde. Er ging ihr nach und holte sie vor der Tür zu den Mädchenschlafräumen ein.

„Pansy?"

Sie fuhr herum. „Ja?"

Ihr schnippischer Tonfall verunsicherte Tigris weiter und er biss sich auf die Lippen. „Würdest du... ich meine..."

„Was willst du?", fragte Pansy ungeduldig.

Tigris holte tief Luft. „Gehst du mit mir zum Ball?"

Sie starrte ihn an, dann lachte sie. „Um einen Malfoy mit dem anderen zu vertauschen?"

Tigris spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss und er wich einen Schritt zurück. „Entschuldige, es war eine dumme Idee. Vergiss einfach..."

„Sei kein Narr.", unterbrach Pansy ihn und hielt ihm ihre Hand hin. „Sicher gehe ich mit dir."

Tigris atmete erleichtert auf und küsste die Hand, ohne sie tatsächlich zu berühren. Wer hätte gedacht, dass die Bücher über Etikette sich so schnell auszahlen würden?

„Aber wir werden uns vorher ein paar Mal treffen.", sagte Pansy. „Du musst an deinen Tanzfähigkeiten arbeiten." Ein paar Mädchen hinter ihnen lachten leise.

Tigris war sicher, er war so rot wie ein Weasley, als sie gegangen war. Er hatte sie gerade erst gefragt, und er bereute es bereits! Nun, zumindest hatte er eine Tanzpartnerin.

Er drehte sich um und sah, dass Draco noch immer mit Blaise beschäftigt war und Theodore starrte auf Richard, der ein Gespräch mit Tracey vertieft war. Tigris grinste erleichtert. Wenigstens etwas. Wenn sie das gesehen hätten...

Blaise sah zu ihm und zwinkerte ihm zu. Tigris stöhnte innerlich. Das sah Blaise ähnlich, warum musste sie immer ALLES sehen?

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Am Nachmittag des nächsten Tages lag Tigris auf seinem Bett und las, während Theodore Draco bei den Arithmantikhausaufgaben half. Er hörte ihnen mit halbem Ohr zu und war froh, dass er das Fach nicht belegt hatte. Die merkwürdigen Gleichungen und Variablen über die sie redeten ergaben nicht den geringsten Sinn für ihn.

„Nein, nein.", sagte Theodore gerade. „Du musst den geometrischen Quotienten der Zutaten in die Lullusische Formel einsetzen und integrieren. Dann kannst du es mit der magischen Energie gleichsetzen. Siehst du, das ergibt dreimal p hoch 4. Damit kommst du dann auf die Wirkungsstärke des Trankes. Im Grunde ist es ganz einfach. Du differenzierst zurück, um es zu überprüfen..."

Draco seufzte und massierte seine Schläfen. „Tut mir leid Theodore, ich habe genug für heute."

„Ach komm schon.", widersprach Theodore ein wenig ärgerlich. „Das ist wirklich nicht so schwer. Diese Aufgabe noch zu Ende..."

„Ich habe Kopfschmerzen, und ich kann mich nicht mehr konzentrieren.", schnappte Draco. „Ein anderes Mal, okay?"

„Fein.", schnappte Theodore zurück, offenkundig ungehalten. „Aber so wirst du nie weiterkommen."

Draco schlug ärgerlich auf den Tisch. „Wenn ich deine Meinung hören will, dann frage ich danach."

„Wenn es dir nicht passt, wie ich es dir beibringe, dann such dir doch jemand anderes!"

Draco schloss die Augen und rieb sich die Stirn. „Entschuldige. Aber ich habe wirklich, WIRKLICH genug für heute. Nicht jeder ist so ein arithmantisches Genie wie du."

„Fein.", wiederholte Theodore, aber ein wenig beschwichtigt.

Draco lächelte müde. „Reden wir über etwas anderes. Wie läuft es zwischen dir und Richard?"

Theodore errötete schlagartig. „Da läuft gar nichts! Wir gehen nur zusammen zu diesen dummen Ball!"

Draco grinste wissend, sagte aber nichts weiter. Er lehnte sich zurück und massierte seinen offenbar verspannten Nacken.

„Im Übrigen, wir haben bisher noch nicht über diesen hinterhältigen Streich geredet, den du mit Blaise ausgeheckt hast."

Theodore lehnte sich gegen die Wand und zuckte unverbindlich mit den Schultern. „Wie Blaise schon sagte, es war wichtig für Slytherin, dass ihr miteinander auskommt."

„Du warst auch vorher schon auffallend wenig glücklich über das, was in Askaban passiert ist. Oder kommt mir das nur so vor?"

Theodore zuckte erneut mit den Schultern, aber sagte nichts.

„Man sollte meinen, du wärst glücklich darüber, dass dein Vater wieder frei ist.", beharrte Draco.

Theodore verzog ärgerlich das Gesicht. „Es ist nicht so, als würde das etwas ändern, oder? Ich bekomme ihn noch immer nicht zu Gesicht."

„Wenn du dich erst dem Dunklen Lord angeschlossen hast, siehst du ihn bei jedem Treffen."

„Wer sagt, dass ich das überhaupt will?", fauchte Theodore. Dann erblasste er. „Ich meine...Ich denke nicht, dass der Dunkle Lord Unrecht hat, nur... Ach, verdammt..." Er presste die Lippen zusammen. Dann wandte er sich ruckartig ab und verließ den Raum.

Draco sah ihm mit hochgezogenen Brauen nach. „Das war... unerwartet. Vater wird überrascht sein, das zu hören. Er war sicher, Theodore würde beitreten. Na ja..." Er streckte sich. Dann bemerkte er Tigris' schockierten Blick. „Was? Oh, krieg dich ein, Tigris."

Tigris schluckte. Sie redeten so gut wie nie über das Thema. „Hast du nie Bedenken?"

„Natürlich nicht!"

Tigris rang mit sich. „Er ist ein Halbblut, wusstest du das?"

Dracos Hand ballte sich zur Faust und seine Augen verengten sich ein wenig. „Der Dunkle Lord ist ein großer Zauberer. Ein sehr mächtiger, ambitionierter Anführer. Er weiß mehr über Magie als wir jemals hoffen können zu wissen. Es ist eine Ehre, ihm zu dienen. Ich werde ignorieren, was du gesagt hast. Sag es nicht noch mal. Und jetzt lass uns das Thema wechseln."

„Das sind Vaters Worte..."

Draco hieb auf den Tisch. „Ich sagte, lass uns das Thema wechseln."

Tigris biss die Zähne zusammen. „In Ordnung." Er schluckte mühsam seinen Ärger hinunter. „Wie geht das Quidditchtraining voran?"

Dracos angespannter Gesichtsausdruck wich ein wenig. „Hervorragend. Wir werden immer besser. Ravenclaw hat keine Chance gegen uns. Aber wir werden uns natürlich ihre Taktik ansehen, wenn sie gegen Hufflepuff spielen. Die Jäger brauchen noch ein wenig Übung..."

Tigris hörte ihm halbherzig zu und strich mit dem Finger über sein Buch. Es war ‚Von Taliesin über die Hexen von Salem'. Tigris hatte bisher eine Menge über die Antike gelesen. In vielen Kulturen wurden Zauberer als Götter angesehen, oder sie waren Priester, die im Namen imaginärer Götter Wunder vollbrachten. Niemals, in den alten Zeiten, hatte es Probleme zwischen Zauberern und Muggeln gegeben. Muggel waren immer beeinflussbar und ignorant gewesen. Es hatte alles erst angefangen, als die Zauberer sich von den Muggeln zurückzogen. Mit dem Verlust des Wissens verwandelte sich die ehemalige Hochachtung in Aberglauben und Furcht. Wann hatten Zauberer angefangen, Muggel zu fürchten? Wann hatte sich die Furcht in Hass verwandelt?

Es begann alles mit Mordraud. Wie passend, dass das Buch mit seiner Geschichte begann. Seit Mordraud hatte es keinen dunklen Zauberer gegeben, der nicht von Hass auf Muggel erfüllt war. Und warum? Tigris verstand es nicht. Früher hatte er den Dunklen Lord verabscheut, aber je mehr er las, desto mehr fand er seinen Feldzug nur noch lächerlich und unverständlich. Konnten intelligente Zauberer wie Draco oder sein Vater nicht sehen, wie absurd seine Ziele waren? Zauberer konnten nicht ohne Muggel überleben. Die muggelgeborenen Zauberer waren notwendig, um die Zaubererwelt zu erhalten. Ohne sie gab es keine neuen Fähigkeiten, keine Entwicklung! Einige der größten Zauberer aller Zeiten waren muggelgeboren! Sicher, der Dunkle Lord war ein mächtiger Zauberer. Aber das konnte doch kein Grund sein, jemandem zur Macht zu verhelfen, zu wünschen, dass er die Kontrolle über die gesamte Welt übernahm. Nicht nur, dass es keinen Sinn hatte, alle Muggel umbringen zu wollen... es war schlichtweg unmöglich. Es gab Milliarden Muggel auf der Welt. Ihre schiere Masse machte es unmöglich. Wenn man es versuchte, würden sie früher oder später bemerken was passierte. Und dann? Sie würden gegen die Zauberer kämpfen, sie fürchten, wie es im Mittelalter schon geschehen war. Aber sie waren nicht mehr so dumm, wie sie damals gewesen waren. Es würde zu einem Krieg führen, schrecklicher als ihn die Welt je zuvor gesehen hatte. Warum sahen sie das nicht?

„Tigris!"

Tigris schreckte aus seinen Gedanken auf. „Was?"

„Ich habe dich gefragt, ob du mir zustimmst."

Tigris schlug verlegen das Buch zu. „Tut mir leid, ich habe nicht zugehört. Was hattest gerade gesagt?"

„Ich habe von Cho Chang geredet. Wir müssen aufpassen, dass sie nicht hinter unsere neue Taktik kommt."

„Ach ja. Ja, richtig. Cho ist nicht zu unterschätzen."


Vielen Dank für eure Reviews an: Truemmerlotte, YanisTamiem, blub, Lara-Lynx, Deedochan, Little Nadeshiko, Igonia, Kylyen, Kissymouse

Little Nadeshiko: Da wollte mich doch schon mal jemand zu einem Pfeiler machen... Ich verrate nichts... ;-)

Igonia: Wow, danke. Ja, du hast Recht! Aber das eigentliche Rätsel lautete: Wann wurde die Einleitung zu ‚Von Taliesin...' geschrieben?

Lara-Lynx: Alles Gute zum Geburtstag! Zwei Tipps für dich: Was kommt in Kapitel 5 und 11 vor, aber nirgendwo sonst? Vor wie vielen Jahren war das Jahr 0? Igonia hat übrigens etwas herausgefunden. PS: Vielen Dank, dass du meine Kurzgeschichte reviewt hast. Ich dachte schon, sie wäre wirklich schlecht, weil ich keine Reviews bekommen habe. Und nein, aber ich weiß wirklich nicht mehr, woher ich es habe. Ich habe es aus einem Poesiealbum abgeschrieben, denke ich, und als ich es wieder las, kam mir diese Geschichte in den Sinn.