Disclaimer:

Ah, ein neues Jahr! Versuchst du es noch immer? Hat es nicht zu deinen guten Vorsätzen gehört, aufzuhören, Leute zu quälen?

Du schon wieder?!

Lass es lieber ganz. Ich meine, Harry Potter gehört ohnehin JKR... (P. S.: Der sechste Band ist fertig!) Also warum noch deine kläglichen Schreibfähigkeiten bemühen?

Eichhörnchen gesotten, Eichhörnchen gebraten, Eichhörnchen in Pfefferminzsoße...


Schatten der Wahl

30. Halloween

„Oh komm, Draco, du siehst gut aus."

Tigris hatte geduscht, sich gekämmt und eine Galarobe angezogen. Alles in allem hatte er eine halbe Stunde gebraucht, um fertig für den Ball zu sein, viel zu früh nach seiner Meinung. Aus unerklärlichen Gründen hatte er nun eine Stunde damit verbracht, sich zu langweilen und auf seinen Bruder zu warten.

„Denkst du nicht, ich sollte besser die grüne Robe nehmen? Was denkst du mag Blaise lieber?"

Tigris seufzte. „Die blaue Robe ist perfekt, Draco. Merlin, du führst dich auf wie ein Mädchen." Er traute sich nicht zu sagen, dass er keinen Unterschied sah. Tigris selbst hatte die erste Galarobe angezogen, die ihm in die Hand fiel – sie war silbrig-blau mit schwarzen Verzierungen. Er sah keinen Unterschied zwischen allen Roben, die Draco in der letzten halben Stunde angezogen hatte. „Was wirklich einen Unterschied machen würde wäre, wenn du einmal dieses verdammte Gel aus deinen Haaren lassen würdest, aber das willst du ja nicht hören, also warum fragst du mich überhaupt?"

„Denkst du wirklich?" Draco betrachtete sich skeptisch im Spiegel.

Tigris rollte mit den Augen. Wenn ihm vorher jemand erzählt hätte, dass sich jemand nur wegen seines Aussehens so nervös machen konnte, hätte er ihm nicht geglaubt. Aber nun stand der lebende Beweis vor ihm.

„Draco, du siehst gut aus, okay? Blaise wird dich lieben. Und jetzt komm, bitte! Der Ball fängt in einer halben Stunde an."

„Bist du sicher?"

„Ja!" Tigris packte seinen Bruder bei den Schultern und drehte ihn zum Spiegel. „Da, sieh, perfekt! Jetzt komm."

„Ihr seht gut aus, Jungs!", stimmte der Spiegel zu.

„Also gut.", stimmte Draco unsicher zu. Tigris unterdrückte ein erleichtertes Aufatmen und zog ihn mit sich aus dem Raum, bevor er es sich anders überlegen konnte.

Im Gemeinschaftsraum warteten bereits die anderen Jungen aus ihrem Jahrgang auf sie.

„Da seid ihr ja endlich.", sagte Theodore. Er war in ein Gespräch mit Richard vertieft gewesen, bevor sie eintraten und lächelte noch immer, was seinen Worten den üblichen Biss nahm. „Was hat so lange gedauert?"

„Fragt mich nicht.", erwiderte Tigris und setzte sich in einen Sessel neben Gregory. „Sind die Mädchen noch immer beschäftigt?"

„Ja. Wir waren kurz davor Wetten abzuschließen, ob ihr vor oder nach ihnen kommt."

Tigris öffnete den Mund, aber schloss ihn wieder. Zu dumm, dass er diesen Handel mit Draco abgeschlossen hatte. Draco grinste ihm zu. Offensichtlich ahnte er, was Tigris dachte. Tigris seufzte und lächelte Theodore zu.

„Du hast wirklich Glück, einen männlichen Tanzpartner zu haben."

Diesmal wurde Theodore zu seiner Überraschung nicht rot, sondern lächelte nur zurück. „In der Tat, das habe ich."

Richard nahm Theodores Hand. „Das Glück ist ganz auf meiner Seite."

Theodores Lächeln verbreiterte sich noch etwas und er zog seine Hand nicht zurück.

Tigris sah zu Draco und zog die Brauen hoch. Draco grinste und nickte unmerklich, dann wanderte sein Blick wieder zu dem Porträt, hinter dem sich die Mädchenschlafräume befanden.

Schließlich öffnete es sich und die ersten Mädchen kamen hinaus, aber es waren nur Siebtklässler und Tracey. Ihre Tanzpartner, alle aus der Siebten, standen auf und gingen zu ihnen hinüber. Als Blaise schließlich kam, hatte Tigris keine Gelegenheit, auf Dracos Reaktion zu achten, da Pansy direkt hinter ihr war. Sie trug ein hellblaues Kleid mit langen Ärmeln, das ihre Figur betonte und ihre Schultern frei ließ. Ihre Haare fielen ihr offen über die Schultern und schienen länger zu sein als vorher. Sie trug nicht viel Make-up, aber Tigris fragte sich, ob sie etwas mit ihren Augen gemacht hatte, um sie größer und glänzender erscheinen zu lassen.

Er trat zu ihr. „Du siehst atemberaubend aus." Tigris hielt ihr seinen Arm hin. „Wollen wir?"

Pansy nickte und hakte sich bei ihm ein. Tigris wandte sich Draco und Blaise zu. Blaise trug ein dunkelblaues Kleid und hatte ihre Haare hochgesteckt. Wenn sie den Kopf bewegte, sah es aus, als wären kleine Funken darin. Sie sah wirklich gut aus. Draco hatte sie angestarrt und schaffte es gerade, sich aus seiner Starre zu reißen.

„Du siehst traumhaft aus, Blaise.", sagte Draco nun. „Alle in der Großen Halle werden mich beneiden, wenn sie dich sehen."

„Oh, hör auf zu schmeicheln.", erwiderte Blaise und nahm seinen Arm. „Ich weiß, was du willst."

„Ich streite es nicht ab.", sagte Draco, sich näher zu ihr lehnend. „Wie könnte ich dich nicht wollen? Eine Veela ist nichts gegen dich."

Blaise lachte. „Wirst du jemals damit aufhören?"

„Niemals."

Blaise seufzte, aber lächelte.

„Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis sie nachgibt.", flüsterte er Pansy zu.

Pansy lächelte humorlos. „Sicher nicht mehr lange. Wenn Draco etwas haben will, dann bekommt er es auch."

Tigris küsste sie flüchtig. „Ärgere dich nicht über ihn, Liebes. Dieser Abend gehört uns."

Pansy sah zu Tigris hoch und nickte.

Als sie die Große Halle erreichten, war der größte Teil der Schüler schon da. Die meisten trugen die gewöhnlichen Festroben. Einige wenige – vorwiegend Gryffindors und Hufflepuffs – waren in Verkleidung gekommen. Am Lehrertisch war die einzige Professor Ophelia, die als Cleopatra gekleidet war. Dumbledore trug zwar kein Kostüm, aber dafür eine rote Robe mit orangenen Kürbisköpfen darauf, die kreuz und quer hin und her schwirrten. Pansy verzog das Gesicht in Widerwillen, als sie ihn sah.

„Es ist wirklich schwer, diesen Mann zu respektieren."

Tigris dachte an ihr letztes Zusammentreffen zurück und nickte ärgerlich. „Er tut das nur, damit man ihn unterschätzt."

Pansy sah ihn überrascht an. „Du kannst ihn wirklich nicht leiden, nicht war?"

Tigris schüttelte zustimmend den Kopf. „Ich habe meine Gründe dafür."

„Ist es wegen deinem Onkel?", fragte sie neugierig.

Tigris zuckte unbestimmt mit den Schultern. „Zum Teil."

Sie gingen zum Slytherintisch hinüber. Die Halle war von hunderten Fackeln, die über ihnen schwebten in ein dämmeriges Licht getaucht. Die Decke zeigte einen dunklen Nachthimmel mit einem unnatürlich großen Vollmond. Die Tische waren zur Seite gerückt, so dass in der Mitte eine Tanzfläche frei wurde und vorne vor dem Lehrertisch war ein langes Büffet aufgebaut. An der Seite befand sich eine Bühne, wo einige Schüler Musikinstrumente aufbauten. Tigris erkannte vage zwei Siebtklässler aus Ravenclaw, die anderen drei kannte er nicht. Der Slytherintisch war mit einer silbernen Decke gedeckt und als sie näher kamen sahen sie, dass die Mitte mit Ginsterzweigen verziert war.

„Beunruhigend, wie Dumbledore Traditionelles mit Muggelbräuchen vermischt.", meinte Blaise hinter ihnen.

„Ist Ginster traditionell?", fragte Tigris interessiert.

„Oh ja, Ginster ist eine typische Samhain- Pflanze, so wie Nachtschatten, Katzenminze und Salbei. Sie werden alle in Ritualen benutzt, die sich den letzten Vierteltag zu Nutze machen. Es ist ein guter Zeitpunkt für die meisten dunkleren Rituale, solche die sich gegen die Naturgesetze richten. Nekromantik, Temporalmagie und derlei."

Blaise setzte sich und goss sich ein Glas Kürbissaft ein, scheinbar ohne zu bemerken, dass Tigris sie anstarrte.

„Woher weißt du all das? Es stand in keinem der Bücher, die ich gelesen habe."

Sie grinste schief. „Du müsstest schon in der verbotenen Abteilung suchen, um etwas darüber zu finden. Ritualmagie gehört zu den Dunklen Künsten. Meine Eltern beschäftigen sich damit."

„Ist das der Grund, warum du dich so viel mit den alten Festen beschäftigst?", fragte Draco.

„Unter anderem wahrscheinlich. Es ist der Grund dafür, dass ich weiß, welche Macht in den alten Traditionen liegt."

„Warum gehört Ritualmagie zu den Dunklen Künsten? Ist sie so gefährlich?"

„Oh ja, in den falschen Händen... Sie ist schwer zu kontrollieren, nicht so wie die Stabmagie, die wir gewohnt sind. Es liegt daran, dass man wilde Magie benutzt. Wilde Magie ist ziemlich unberechenbar."

„Wilde Magie?"

„Die natürliche Magie um uns herum.", sagte Pansy. „Die Magie bestimmter Orte, wie zum Beispiel die Magie von Hogwarts. Es gibt wirklich eine Menge, was du nicht weißt, nicht wahr?"

„Er kann nichts dafür. Das sind Dinge, die Eltern ihren Kindern beibringen." Draco lächelte ihm zu. „Mach dir keine Sorgen, mit der Zeit wirst du das alles aufholen."

Tigris seufzte frustriert. „Ich hasse es, wenn mir so grundlegende Dinge fehlen."

Pansy nahm seine Hand. „Draco hat Recht, mit der Zeit wirst du es aufholen. Es ist auch nicht wirklich viel. Es kommt dir nur so merkwürdig vor, weil es für uns selbstverständlich ist."

Tigris lächelte ihr zu. „Danke."

Pansy lächelte zurück und goss sich ein Glas Saft ein. „Kommt einer mit zum Büffet?"

Sie stimmten alle zu und holten sich etwas zu essen. Wenig später begann die Musik zu spielen und Tigris forderte Pansy zum Tanzen auf. Er genoss den Abend, bis ein ungutes Gefühl ihn in Richtung der Hallentür sehen ließ. Sie hatten einige Stunden getanzt und saßen nun am Tisch mit Vincent, Millicent, Gregory und einer Fünftklässlerin, die mit Gregory gekommen war. Tigris' Blick fiel auf Draco und Blaise, die in eine hitzige Auseinandersetzung mit Ron Weasley, Terry Boot und Dean Thomas verstrickt waren. Er runzelte die Stirn. Konnte Ron nicht einen Tag lang Ruhe geben? Einen Moment lang wollte er es ignorieren, aber als es kein Anzeichen dafür gab, dass der Streit aufhörte, entschied er sich, dazwischen zu gehen. Als Vincent und Gregory sahen, dass Tigris aufstand, erhoben sie sich ebenfalls. Tigris nickte ihnen zu und sie folgten ihm zu der streitenden Gruppe.

„Zumindest ist mein Vater kein Versager, der von Erbschaften abhängig ist um seine Familie zu ernähren.", sagte Draco gerade. Er war offensichtlich schon ziemlich wütend.

„Mein Vater ist kein Versager!", schrie Ron. „Dein Vater kann sich nicht im Geringsten mit ihm vergleichen. Mein Vater würde nie vor Voldemort auf dem Boden kriechen!"

„Nimm das zurück!", zischte Draco, seinen Zauberstab ziehend.

„Wirklich, Weasley, deine Beleidigungen werden alt.", sagte Blaise kühl, Dracos Arm nach unten drückend. „Du solltest wirklich nachdenken, bevor du einen achtbaren Zauberer wie Lucius Malfoy verleumdest. Deine Familie könnte den finanziellen Auswirkungen nicht gewachsen sein."

„Du solltest besser darauf achten, mit was du dich abgibst, Zabini. Deine Familie war mal für ihre Neutralität respektiert."

„Du scheinst den Begriff der Neutralität ein wenig misszuverstehen, Weasley..." Blaise klang nun eisig, ein Tonfall, den Tigris noch nie zuvor von ihr gehört hatte.

„Gibt es Probleme?", fragte Tigris, neben Draco tretend.

„Der einzige, der hier ein Problem hat, ist Wiesel.", fauchte Draco. „Sein Problem ist seine jämmerliche Existenz."

„Nun pass mal auf, du kleiner Todesser...", rief Ron aufgebracht.

„Blaise hat Recht, du solltest wirklich aufpassen, was du sagst.", sagte Tigris. „Wenn du intelligent bist, dann gehst du jetzt, bevor du dich in Schwierigkeiten bringst."

Bevor Tigris reagieren konnte, hatte Ron seine Hand gepackt und seinen linken Ärmel hochgeschoben. Einen Augenblick lang war Tigris zu verblüfft um etwas zu tun, dann stieß er ihn zurück. Wütend schob er seinen Ärmel ganz zurück und hielt Ron seinen Arm hin.

„Zufrieden, Weasley?"

„Das beweist nur, dass du gut in Maskierungszaubern bist.", entgegnete Ron zornig.

Tigris zog seinen Ärmel wieder herunter und ballte zornig die Faust. „Du hast dein Gehirn bei deiner Freundin gelassen, was, Weasley? Ach ich vergaß, sie ist dein Gehirn. Geh besser zu ihr, bevor sie dich nicht mehr wieder erkennt."

„Drohst du mir etwa?", fragte Ron herausfordernd.

„Ich brauche dir nicht zu drohen. Du bist von alleine erbärmlich genug. Ich bemitleide dich. Jetzt geh endlich."

„Ja, quäle andere Leute mit deiner freundlichen Gegenwart.", sagte Blaise, sich die Stirn reibend, als hätte sie Kopfschmerzen.

Ron zog seinen Stab. „Du hast noch immer meine Frage nicht beantwortet, Malfoy."

„Merlin!", rief Draco. „Weißt du was..."

Tigris unterbrach ihn mit einer Handbewegung. „Wie du willst. WIR gehen. Kommt."

Tigris wandte sich ab und zog Draco mit sich.

„Typisch, feige Slytherins."

Draco versteifte sich, aber Tigris hatte seinen Arm um seine Schultern gelegt und ließ ihn nicht los. Vincent und Gregory hatten ihre Stäbe auf Ron gerichtet und passten auf, dass er sie nicht von hinten verhexte.

„Willst du ihn einfach so davonkommen lassen?", zischte Draco.

„Was willst du machen, mitten auf dem Ball ein Duell anfangen?", zischte Tigris zurück. „Komm, du bist zu schlau für so etwas."

Blaise nickte entschieden. „Weasley ist doch nur ein armer Idiot. Er ist es nicht wert, sich wegen ihm in Schwierigkeiten zu bringen."

Draco entspannte sich etwas, aber starrte noch immer düster vor sich hin.

„Was wollte er überhaupt?"

Draco wechselte einen schnellen Blick mit Blaise. „Nichts Besonderes. Er hat nur Streit gesucht, wie immer." Die Antwort kam ein wenig zu schnell für Tigris' Geschmack.

„Draco..."

„Du willst es besser nicht wissen, glaub mir."

„Draco!"

Draco seufzte. „Er wollte wissen, wie lange du schon ein Todesser bist."

Tigris rang schockiert nach Luft. „Was?"

Draco lachte humorlos. „Ja, der Idiot kommt einfach so zu uns herüber und fragt: Nun, Malfoy, wie lange arbeitet dein Cousin schon für V... Du -weißt -schon -wen? Ich gebe zu, einen Moment war ich sprachlos."

„Er hat doch nicht wirklich gedacht, dass du darauf antwortest."

„Vielleicht nicht, aber er war gut darin, so zu tun als ob."

„Wie blöd kann man werden?", sagte Tigris ärgerlich. Er konnte noch immer nicht glauben, dass Ron das getan hatte.

„Vermutlich versuchte er nur, seine kleinen Freunde zu beeindrucken.", fauchte Blaise, ungewöhnlich ärgerlich. „Weasley gehört zu einer außergewöhnlich beschränkten Spezies."

„Daran besteht kein Zweifel.", erwiderte Draco lachend.

Tigris grinste ebenfalls, und die Spannung wich ein wenig.

Er drehte sich zu Vincent und Gregory um. „Danke."

Die beiden schauten etwas verblüfft, dann grinsten sie.

Tigris schüttelte lächelnd den Kopf und sie setzten sich wieder.

„Was war los?", fragte Pansy.

„Wiesel.", sagte Draco, als würde das alles erklären. Das tat es.

Pansy rollte mit den Augen. „Man nehme sich in Acht vor chronischer Idiotie. Ihr seht alle ziemlich verärgert aus. Hat er einen Nerv getroffen?"

Tigris zuckte ungehalten mit den Schultern und Draco schnaubte ärgerlich.

Plötzlich wurde Tigris der ganze Trubel zuviel. „Pansy, es tut mir leid, aber ich würde gerne gehen. Es ist schon spät..." Es war vermutlich erst gegen elf, aber es war auch nicht mehr früh am Abend.

Sie musterte ihn nachdenklich, dann stand sie auf. „Ich komme mit."

„Du musst wirklich nicht..."

„Was soll ich hier alleine?"

Tigris seufzte. „In Ordnung. Einen schönen Abend noch."

Die anderen nickten ihnen zu. „Gute Nacht."

Sie verließen die Halle und machten sich schweigend auf den Weg zum Gemeinschaftsraum. Tigris brütete ärgerlich vor sich hin. Welchen Grund hatte er Ron jemals gegeben, dass er sich so verhielt? Er schien ihn mehr zu hassen als Draco, dabei kannte er ihn kaum! Tigris hatte immer versucht, Streit mit ihm aus dem Weg zu gehen, und trotzdem hatte Ron es auf ihn abgesehen. Warum? Was ging in seinem dicken Schädel vor? Tigris war ein Malfoy. Er musste ein Todesser sein. Völlig egal, dass er Ron niemals Anlass gegeben hatte, das zu glauben. Völlig egal, dass er freundlich zu Hermione gewesen war und dass er niemals an Dracos Gerede teilnahm. Er war ein verdammter Malfoy und das genügte. Tigris starrte finster vor sich hin.

Als sie im Gemeinschaftraum angekommen waren hielt Pansy ihn auf, als er zu seinem Raum gehen wollte.

„Was hat dieser dumme Klotz gesagt, was dich so aufgebracht hat?"

„Ich will nicht darüber reden.", sagte Tigris ärgerlich.

„Er ist doch nur ein Idiot."

„Ich weiß."

Pansy schlang die Arme um ihn. „Du bist völlig verspannt. Komm."

Sie zog Tigris in Richtung seines Raumes. Tigris öffnete die Türen ohne weiter darüber nachzudenken, seine Gedanken kreisten noch immer um Ron.

In seinem Raum setzte Pansy sich hinter ihm aufs Bett und begann seine Schultern zu massieren. „Dieser Dummkopf weiß doch gar nicht, was er sagt. Er ist so beschränkt, er würde eine richtige Beleidigung nicht erkennen, wenn sie nackend vor ihm Hula tanzt."

Tigris lachte und Pansy fiel ein. „Siehst du, schon besser."

Sie öffnete die Verschlüsse seiner Robe und zog sie ihm über die Schultern. „Leg dich hin, ich massiere dich." Sie stand auf, kramte in Dracos Truhe und kam mit einer Phiole zurück. „Der Vorteil, eine Ex-Freundin zu sein."

Tigris betrachtete sie etwas unsicher, aber war nicht wirklich in der Stimmung, etwas einzuwenden. Er zog seine Robe aus und rollte sich auf den Bauch. Pansy setzte sich neben ihn, und begann, seinen Rücken zu massieren. Er schloss die Augen und seufzte zufrieden, als seine verkrampften Muskeln sich entspannten. Sie hatte wirklich geschickte Finger.

„Also, was hat er gesagt?", fragte sie schließlich, Tigris' Rückrad entlangfahrend.

„Er glaubt, dass ich ein Todesser bin.", erwiderte Tigris müde.

„Bist du es?", fragte sie unbeteiligt.

„Nein!"

Er wollte sich aufsetzen, aber Pansy drückte ihn wieder nach unten. „Ich dachte es auch nicht. Was stört es dich, was Wiesel denkt? Er ist nur ein typisch idiotischer Gryffindor, der denkt, alle Slytherins sind das Böse in Person."

„Du hast wahrscheinlich recht.", murmelte Tigris.

„Sicher habe ich recht. Er ist es nicht wert, sich über ihn aufzuregen."

„So etwas in der Art hat Blaise auch gesagt."

„Dann hör auf sie. Blaise ist nicht dumm."

Pansy küsste seinen Nacken und fuhr fort, mit den Händen über seinen Rücken zu fahren.

„Dreh dich mal um."

Tigris drehte sich auf den Rücken und lächelte sie an. Sie goss sich noch etwas Massageöl auf die Hand und massierte seine Schultern und seine Brust. Schließlich beugte sie sich vor und küsste ihn. Als sie sich voneinander lösten sah sie ihn an.

„Weißt du, ich würde wirklich gerne bleiben."

Tigris starrte sie an und es dauerte einen Moment, bis er begriff, was sie gesagt hatte.

„Ich bin nicht sicher..."

Pansys Hände wanderten über seine Brust nach unten und sie massierte mit ihren Daumen zwei Punkte kurz über seinen Beckenknochen. Tigris rang nach Luft und sie lächelte.

„Sicherer?"

Er biss sich auf die Lippen. „Ich habe noch nie... ich meine..."

Pansys Augen weiteten sich etwas, dann verbreiterte sich ihr Lächeln und sie beugte sich hinunter um seine Brust zu küssen. „Dann wirst du mir wohl einfach vertrauen müssen."

Tigris fuhr sich nervös mit der Zunge über die Lippen. „Gut."

„Gut."

Sie zog ihre Schuhe und Strümpfe aus, dann stand sie auf und löste die Verschlüsse ihres Kleides mit einem Schwenk ihres Stabes. Es fiel um sie herum zu Boden und offenbarte, dass sie nichts darunter trug. Pansy lächelte, als Tigris sie anstarrte und kletterte zu ihm auf das Bett. Er streckte die Hände aus, um sie zu streicheln aber sie packte sie, bevor er sie berühren konnte.

„Nicht so schnell." Sie hielt seine Handgelenke fest und küsste ihn.

„Da du keinerlei Erfahrung hast, denke ich, es ist das Beste, wenn ich bestimme."

Sie saß nun rittlings auf ihm und allein das genügte, Tigris' Herzschlag um einiges in die Höhe zu treiben. Sie grub ihre Knie in seine Seiten und rutschte etwas nach unten. „Denkst du nicht auch?"

Er holte tief Luft. „Was immer du willst."

Pansy lächelte. „Nimm das ab." Sie deutete zu dem Stab-Holster an seinem Arm. Tigris löste es und legte es in seine Reichweite zur Seite. Sie schwenkte ihren Stab. „Vertraust du mir?"

„Ich vertraue niemandem." Er grinste flüchtig.

Sie zuckte mit den Schultern. „Wir werden sehen."

Sie nahm seine linke Hand und nahm seinen kleinen Finger in ihren Mund. Tigris schloss die Augen und genoss das Gefühl wie ihre Zunge und ihre Zähne über seine Haut glitten. Er hätte nie gedacht, dass etwas so simples so erregend sein konnte. Tigris wollte sie berühren, aber vergrub stattdessen die Finger seiner rechten Hand in die Kissen. Er öffnete die Augen wieder, als sich etwas Glattes um sein Handgelenk wand. Es war ein grüner Seidenschal. Pansy knotete ihn fest. „Streck deine Hand zum Bettpfosten über dir aus."

„Pansy...", sagte er unsicher.

Sie küsste seinen Hals entlang und fuhr mit der Zunge über sein Ohr. „Vertraust du mir?"

„Nein."

„Tu es."

Tigris tat es. Sie schwenkte ihren Stab und wie erwartet schlang sich das andere Ende des Schals um den Bettpfosten und knotete sich fest. Tigris zog probehalber an der Fessel, sie war fest. Es erregte ihn, ohne dass er genau sagen konnte warum. Pansy nahm seine rechte Hand und leckte mit der Zunge über seine Handfläche. Ein Schauer durchlief ihn und er schloss die Augen wieder.

Als auch seine rechte Hand festgebunden war, rutschte sie nach unten und zog ihm seine Schuhe und seine Hose aus, so dass er ebenfalls nackt war. Dann zog sie die Vorhänge des Bettes zu und begann, seine Brust zu küssen. „Ein Körper wie deiner verdient es, gewertschätzt zu werden." Pansy fuhr mit ihrer Zunge um seinen Nippel und biss ihn sanft. „Er ist zu gut für einfach nur schnellen Sex. Man muss jeden Zentimeter davon auskosten." Sie leckte über seinen Nabel. Tigris zerrte an seinen Fesseln ohne sich wirklich darüber klar zu sein, was er tat. Ihre Berührungen sandten Schauer sein Rückrad entlang und sein Blut direkt in seine Leistengegend. Genau dort wo ihre Zunge nun hinwanderte.

o

„Oh, das habe ich ja so was von nicht sehen wollen!"

Tigris schlug die Augen auf und war einen Moment verwirrt. Dann kam die Erinnerung von letzter Nacht zurück. Er schlang automatisch die Arme enger um Pansy, die verschlafen blinzelte.

Dann wurde ihm klar, was gerade passiert war und er zog hastig die Decke über sie. „Draco, mach die verdammten Vorhänge wieder zu!"

„Hast du überhaupt kein Mitleid mit mir?", lamentierte Draco. „Davon werde ich mich mein Leben lang nicht erholen!"

Pansy an seiner Brust kicherte und sah Draco dann verschlafen an. „Du? Mach dich nicht lächerlich. Überhaupt, wo bist du denn die ganze Nacht gewesen?"

„Ähm...", stammelte Draco, schlagartig verlegen.

Pansy grinste. „Wusste ich's doch. Und, wie ist Blaise? Aufregend? Jungfräulich? Dein Cousin..."

Draco hielt sich die Hände über die Ohren. „Argh... Sei still, sei still!"

„Vielleicht solltest du einfach gehen.", empfahl Pansy zuckersüß. Sie nahm das lose Ende des Seidenschals, der noch immer um Tigris' linkes Handgelenk geknotet war, und wickelte es um ihre Hand.

Draco erbleichte. „Wahrscheinlich." Er verließ hastig den Raum und schlug die Tür hinter sich zu. Pansy kicherte. Tigris zog sie zu sich und küsste sie.

„Du, Liebling, bist böse."

Sie grinste. „Und ich liebe es."

o

„Was ist passiert zwischen dir und Blaise?", fragte Tigris Draco später, als Pansy gegangen war.

Sein Bruder rollte mit den Augen. „Gar nichts. Wir haben uns noch bis spät in die Nacht unterhalten und sind im Gemeinschaftsraum eingeschlafen. Das ist alles."

Tigris sah ihn überrascht an. „Warum hast du das Pansy nicht gesagt?"

Draco seufzte entnervt. „Warum sollte ich? Soll sie doch denken, was sie will."

Tigris betrachtete ihn nachdenklich, dann grinste er. „Es ist dir peinlich ihr gegenüber, hab ich recht?"

„Unsinn! Wieso sollte es?"

Tigris lachte leise. „Ich habe recht. Aber es ist wirklich süß."

„Es ist nicht SÜß!", schnappte Draco.

Tigris lachte nur noch mehr.

„Ach, halt die Klappe!" Draco warf ein Kissen nach ihm und grinste. „Du bist unmöglich. Meine Ex färbt auf dich ab."

Tigris warf das Kissen zurück. „Vielleicht färbst du ja auf mich ab."

„Na warte!" Draco schwenkte seinen Stab, und sämtliche Kissen im Raum kamen in Tigris' Richtung geflogen und begruben ihn unter sich. Tigris versuchte vergeblich, sie abzuwehren und gab schließlich lachend auf.


Vielen Dank für eure Reviews an: Kylyen, YanisTamiem, Little Nadeshiko, Angie, blub, Morgenstern, Detlef, Condor, Lucy, Igonia, Novemberkind, Esta, Die Happy. Frohes Neues!

Kylyen: Ich habe den ‚Rahmen' der Geschichte im Kopf, aber die Details kommen mir oft erst beim Schreiben. Das letzte Kapitel zum Beispiel ist ziemlich spontan entstanden, obwohl ich von Anfang an wusste, dass Pansy und Tigris zusammenkommen. Einige Szenen habe ich schon fast im Detail im Kopf, z. B. das letzte Kapitel. Das kommt aber nur daher, dass sie entscheidend für die Handlung sind. Wie ich den Rahmen ‚auffülle' kommt ganz darauf an, was mir spontan einfällt.

Condor: Wow, 300... Vielleicht erfahren sie es nie? Hermione wird wieder auftauchen, aber nicht oft.