Disclaimer:

Vertraue mir...

Wer bist du noch gleich? Merkwürdige Kreaturen tauchen sinnlos in meiner Geschichte auf...

Ich heiße Kaa. Vertraue mir...

Wozu? Du willst mir doch nur wieder einreden, dass Harry Potter JKR gehört.


Schatten der Wahl

34. Delirium

Weg, Ratte!", zischte die Frau mit Abscheu.

Er klammerte die Hand um den Kanten Brot und wich hastig zurück. Er hatte seit Tagen nichts gegessen. Der Hunger nagte in seinen Eingeweiden und ließ für kaum einen anderen Gedanken mehr Platz. Er grub seine Zähne in das Brotstück ohne sich um den bitteren Geschmack des Schimmels zu kümmern.

Macht Platz!" Die Leute wichen hastig von der Straße zurück und er presste sich gegen die Wand, als der Reiter vorbeipreschte, ohne sich um die Menschen in seinem Weg zu kümmern. Einige Mütter zogen hastig ihre Kinder beiseite. „Platz für seine Lordschaft, gemeines Pack!" Eine Kutsche fuhr heran und er starrte mit großen Augen darauf. Er hatte niemals zuvor etwas Vergleichbares gesehen. Sie war weiß und wurde von zwei geflügelten Pferden gezogen. Zwei weitere folgten hinter ihr. Auch die Leute um ihn herum begafften sie mit fassungslosem Staunen. Dies war ein Zaubererdorf, aber ein solcher Anblick bot sich nicht alle Tage. Plötzlich hielt die Kutsche an und zwei edel gekleidete Jungen sprangen vom Kutschbock, um die Tür aufzuhalten. Ein Mann trat heraus und ließ seinen Blick über die Menge schweifen. Er konnte nicht älter sein als siebzehn, aber die Autorität die er ausstrahlte war beeindruckend. Er trug eine rote Robe mit goldenen Stickereien und sein blondes Haar fiel ihm seidig über die Schultern. Seine Aura schimmerte in einem hellen, silbernen Licht um ihn herum. Alles an seiner Pose schrie Reichtum, Einfluss und Macht. Ein stechendes Gefühl durchfuhr ihn und er brauchte eine Sekunde, bis er es als reinen, ungezügelten Neid erkannte. Er verzog das Gesicht in Widerwillen über sich selbst. Er war nur ein Betteljunge, ein Nichts... es war ohne Wert, zu beneiden, was unerreichbar war. Dennoch... eine kleine Stimme in seinem Inneren flüsterte, was hätte sein können, was er hätte sein sollen... Er gefror, als die braunen Augen des Adligen sich in ihn bohrten. „Er da!"

Alles in ihm schrie danach zu fliehen, aber er war wie gebannt. Hände griffen ihn und stießen ihn vorwärts, vor die Füße des Mannes. Eine behandschuhte Hand griff nach seinem Kinn und zwang seinen Kopf nach oben. „Ja, er ist es... ich fühle Kraft in ihm... Ich fühlte sie schon Längen von hier... Wer ist er?"

Er starrte in die Augen des Mannes über ihm und sah wie seine Aura sich nach ihm ausstreckte und nach ihm tastete. Unwillkürlich hüllte er seine Magie wie einen Schatten um sich herum und erwiderte den Blick des Adligen herausfordernd. Ein kurzer Ausdruck der Überraschung huschte über das Gesicht über ihm. „Wie heißt er, Junge?"

Er biss sich auf die Lippen. „Ihr habt mir noch nicht Euren Namen genannt, Euer Gnaden."

Entsetzte Ausrufe ertönten um ihn herum und der Diener neben ihm riss ihn an den Haaren nach hinten und schlug ihm ins Gesicht. „Was wagt er sich? Dafür soll er ausgepeitscht werden!"

Stopp!", befahl der Mann und lachte leise. „Wie er will. Er spricht mit Lord Godric Gryffindor von Dartmoor. Erweist er uns nun die gleiche Höflichkeit?"

Er wischte sich das Blut von Mund und kniete in einer Mischung aus Respekt und Trotz, auf die Weise, die seine Mutter ihm einst beigebracht hatte. „Mein Name ist Salazar, Euer Lordschaft." Er zögerte einen Moment, bevor er einen Namen sprach, den er in Jahren nicht in den Mund zu nehmen gewagt hatte. „Salazar Slytherin."

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„Mächtiger Merlin, Lucius. Das ist eine Silberne Tigerotter, eine der gefährlichsten Schlangen die es gibt! Was hast du dir dabei gedacht!"

„Du kannst mir später Vorwürfe machen.", rief Lucius, ziemlich aufgeregt. „Jetzt tu etwas!"

Severus Snape atmete tief durch und betrachtete den sterbenden Jungen auf dem Bett besorgt. „Ich werde tun, was ich kann, mein Freund, aber ich will ehrlich sein... Es wird gesagt, dass Slytherin selbst diese Schlangen geschaffen hat und bisher hat niemand ihren Biss überlebt."

Lucius wurde noch blasser als er ohnehin war und ballte die Faust. „Dann streng dich an! Wenn er stirbt, dann bin ich nicht der einzige der es bereut, sei versichert!"

„Du kannst mir drohen soviel du willst.", zischte Severus wütend. „Das kann die Tatsachen nicht ändern!"

Lucius zog seinen Stab und deutete auf ihn. „Fang endlich an!"

Snape warf ihm einen zornigen Blick zu und verbeugte sich spöttisch. „Ich tue das nicht für dich, Cousin. Ich tue das einzig und allein für ihn. Der Cruciatus wird meine Hände nicht ruhiger machen."

Lucius senkte seinen Stab und verbarg das Gesicht in den Händen. „Fang einfach nur an, Severus. Bitte."

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Ha, nehmt das!" Godric war in seinem Element. Er hatte nun fast eine Stunde Verwünschungen und Flüche nach ihm geschleudert und erschien nicht im Geringsten müde. Nicht dass Salazar müde war, oh nein. Er würde sich doch von diesem eingebildeten Pfau nicht schlagen lassen.

Rictusempra!"

Godric wich dem Zauber aus. „Ist das das Beste, was Ihr könnt, Slytherin? Ich bin enttäuscht. Zutiefst enttäuscht. Vielleicht hätte mich ich besser mit Sir Nigellus' kleinem Sohn duellieren sollen, er würde mir eine Herausforderung bieten."

Salazar grinste bösartig. „Ihr wollt also im Ernst spielen, Gryffindor? Wie Ihr wünscht."

Er warf ihm einen Strom von Verwünschungen entgegen, von denen einige sehr unangenehm hätten sein können, wenn sie seinen Gegner getroffen hätten. Godric war außer Atem, als er den letzten seiner Zauber geblockt hatte.

Ich sehe, Ihr seid doch nicht ganz das Weib das Ihr scheint, Slytherin. Wingardium Leviosa!"

Dieser Zauber war Salazar neu und er war ein wenig überrascht, als er vom Boden gehoben wurde, unterband es aber schnell mit einem Schwall roher Magie. Godric verbrachte den größten Teil seiner Zeit damit, neue Zauber zu entwerfen, so dass er seine Gegner im Duell unvorbereitet erwischen konnte. Bei den meisten funktionierte es, aber nicht bei Salazar. Zu Godrics Pech hatte Salazar ein Verständnis für Magie, das den anderen fehlte. Gryffindor nannte es abfällig ‚Wilde Magie', aber im Duell musste er es respektieren. Salazar grinste über Godrics verärgerten Gesichtsausdruck.

Umbrosus!", rief er und plötzlich befanden sie sich in Dunkelheit. Salazar hörte Godrics Fluchen und unterdrückte ein Lachen. Er verwandelte sich und orientierte sich an der Körperwärme seines Gegners, bis er direkt hinter ihm war. Dann verwandelte er sich zurück und presste seinen Stab gegen Godrics Nacken, im selben Moment in dem dieser die Dunkelheit bannte. „Wer ist nun das Weib, Gryffindor?"

Oh bitte, verschont mein Leben, Mächtiger!", rief Godric in gespieltem Entsetzen.

Salazar lachte leise und zog seinen Stab zurück. „Sehr wohl, ich werde Gnade wallten lassen. Ich wage es nicht, mich dem Zorn Lady Helgas und Lady Rowenas zu stellen, sollte ich Euch töten."

Godric wandte sich um und verbeugte sich spöttisch. „Fürwahr, scheut die Furien, die Walküren! Mein Leben ist das Eure, Sir Slytherin. Ich bin in Eurer tiefsten Schuld."

Salazar wurde schlagartig ernst. „Was ihr für mich getan habt, Godric, wiegt etliche Leben auf. Ich hoffe, dass ich meine Schuld eines Tages begleichen kann."

Godric lächelte gutmütig und schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter. „Unsinn, Salazar. Ich gab Euch nur zurück, was rechtmäßig Euer war. Es wäre ein Frevel gewesen, hätte ich es nicht getan. Nun kommt, lasst uns Lady Rowena von ihren Büchern aufschrecken. Es ist ein zu schöner Tag, um ihn mit staubigen alten Folianten zu vergeuden, meint Ihr nicht auch?"

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Lucius ging unruhig vor dem Bett auf und ab. Am liebsten wäre er nach unten zum Tränkelabor gestürmt, um nachzusehen, wo Severus blieb. Er wusste jedoch, dass es keine gute Idee war, den Tränkemeister bei der Arbeit zu stören. Also war er darauf reduziert, in diesem Raum hin und her zu tigern, wie eine gefangene Raubkatze in einem Käfig. Es war nicht so, dass Severus nichts erreicht hätte, nein. Er hatte es zu Lucius' Überraschung fertig gebracht an eine Probe von dem Gift der Schlange zu kommen – mit einem Zauber natürlich. Das erste Gegengift, das er gebraut hatte, hatte das Fieber ein wenig gesenkt, doch das war alles. Nun suchte sein Cousin nach dem Grund dafür, dass es nicht funktionierte. Lucius ballte frustriert die Fäuste. Es schien, dass diese Schlange alle ihre Versuche vereitelte, gegen sie anzukommen. Vielleicht sollte er einfach ein Schwert holen und ihr den Kopf abschlagen. Andererseits, er war nicht sicher, dass DAS funktionieren würde, und er wollte lieber nicht in die Reichweite ihrer Zähne kommen. Außerdem, wenn Narcissa Recht hatte und eine Verbindung zwischen Tigris und der Schlange bestand... Lucius biss ärgerlich die Zähne zusammen. Er hasste es, hilflos zu sein. Er starrte zu Narcissa hinüber, die neben dem Bett saß und Tigris' Hand hielt.

„Du solltest schlafen gehen, Cis.", sagte er schließlich. „Du brauchst Schlaf. Du hilfst ihm nicht, wenn du dich verausgabst. Die Zauber werden uns benachrichtigen, wenn sich sein Zustand ändert." Er selbst hatte sich vor einiger Zeit ein paar Stunden hingelegt, aber wirklich geschlafen hatte er auch nicht.

Sie sah auf und starrte ihn mit leerem Blick an, dann nickte sie stumm. Sie stand auf, gab Tigris einen Kuss auf die Stirn und kam zu ihm hinüber.

„Komm, ich habe noch ein paar Schlaftränke in meinem Tränkekabinett. Sie sind nicht so stark, dass der Alarm uns nicht weckt."

Erst wollte Lucius entgegnen, dass er nicht müde sei, aber er wusste sehr gut, dass sie diese Lüge nicht akzeptieren würde. Schließlich nickte er und folgte ihr.

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Ist Helga schon wieder mit ihren Monstern beschäftigt? Ich habe das ganze Schloss nach ihr abgesucht."

Beruhigt Euch, Lady Rowena. Kann ich Euch vielleicht helfen?"

Die braunhaarige Frau warf Salazar einen ärgerlichen Blick zu. Himmel, sie war immer so steif!

Ich bezweifle es, Sir Salazar. Es geht um eine ganz und gar weibliche Angelegenheit."

Godric neben ihm wurde rot und hüstelte verhalten.

Nun dann... Lasst Euch nicht stören."

Salazar rollte in Gedanken die Augen. Es war erstaunlich, dass ein Mann so vieler Eskapaden wie Godric noch immer so prüde sein konnte. Rowena drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ging. Salazar starrte ihr nach.

Es wundert mich, wie diese beiden jemals so gute Freundinnen werden konnten. Ich meine, Helga ist so lebendig und abenteuerlustig und Rowena..."

Godric lachte. „Ja, das einzige, wofür sie ihre Bücher verlässt sind ihre Falken. Wenn ich darüber nachdenke, damit hat es glaube ich angefangen..."

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Salazar! Wo seid Ihr gewesen?"

Salazar lächelte die kleine rothaarige Frau vor ihm an. Er hatte sie von ihrer ersten Begegnung an ins Herz geschlossen, ohne wirklich zu wissen warum.

Ich habe nach den Eiern gesehen.", sagte er mit verschwörerischer Stimme.

Ihr ärgerlicher Gesichtausdruck wich auf der Stelle kindlicher Aufregung.

Wirklich? Wie viele? Wann? Ihr müsst mir alles erzählen!"

Sein Lächeln verbreiterte sich. „Zehn insgesamt. Zwei sind taub, befürchte ich, aber dass lässt sich erst wenn sie schlüpfen mit Gewissheit sagen. Nicht mehr lange. Nächste Woche vielleicht.", fügte er hinzu, als sie beinahe hüpfte vor Ungeduld.

Sie schlang die Arme um ihn. „Ich bin so aufgeregt! Ich will dabei sein! Ich sehe sie auch nicht an, versprochen! Außerdem sind ihre Augen bestimmt noch zu, es sind ja noch Babys!"

Helga, Helga!" Salazar schob sie amüsiert von sich weg. „Ihr seid wie eine Schwester für mich, aber Severina wird eifersüchtig werden, wenn sie uns so sieht."

Helga errötete und trat einen Schritt zurück. „Entschuldigt. Aber ich war nicht mehr so gespannt, seit unsere Runespoors geschlüpft sind. Ihr wisst, wie sehr ich Tiere liebe! Als ich Euch bei diesen Kreuzungen um Hilfe bat, hätte ich mir nie träumen lassen, dass wir so viele erstaunliche Dinge zusammen erreichen würden! Nun dies, es ist ohne Zweifel der Höhepunkt Eurer Arbeit! Oh Salazar, Ihr seid ein herausragender Züchter! Von den Geschöpfen, die wir aufgezogen haben, wird man noch in Jahrhunderten mit Erfurcht reden!"

Nun war es an ihm, zu erröten. „Wirklich, Helga, Ihr übertreibt. Ohne Euer Wissen über magische Kreaturen wäre ich nie so weit gekommen. Ich habe nur ein paar Tränke zusammengemischt und ein paar Formeln berechnet, das ist alles."

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Als er sah, dass seine Eltern gegangen waren, öffnete Draco leise die Tür zu Tigris' Raum und schlüpfte hinein. Sein Vater hatte ihn nicht bestraft, aber er hatte ihm auch nicht gesagt, was mit Tigris los war. Die Schlange neben dem Bett gab ihm allerdings einen guten Ansatzpunkt.

Draco warf der Kreatur einen ärgerlichen Blick zu. Sie schien zu schlafen, aber ihre lidlosen Augen waren noch immer auf seinen Bruder gerichtet. Sein Vater mochte glauben, dass er unschuldig an Tigris Zustand war, aber Dracos Meinung nach war es anders. Wenn er wirklich so viel über die Dunklen Künste wusste, wie er immer behauptete, wie konnte sein Vater dann so sorglos mit einer dunklen Kreatur umgehen? Draco hatte keinen Zweifel, dass diese Schlange eine dunkle Kreatur war. Normale Schlangen verhielten sich nicht wie sie, und er hatte seinen Vater toben gehört, weil seine Zauber nicht auf das Reptil wirkten.

Draco ging zu dem Bett hinüber und setzte sich daneben. Tigris warf den Kopf von einer Seite zur anderen, offenkundig ohne wahrzunehmen, was um ihn herum vorging. Nach einem Moment des Zögerns streckte Draco die Hände aus und ließ sie konzentriert über den Körper seines Bruders wandern. Was er fand, ließ ihn sie schaudernd zurückziehen. Firenze hatte ihnen beigebracht, dass jedes Lebewesen eine bestimmte Eigenfrequenz hatte. Ein rhythmischer Ton, wie ein energetischer Pulsschlag. Er fand persönlich, die restlichen Teilnehmer des Kurses waren ziemlich dämlich, denn er und ein Hufflepuffmädchen – dessen Namen Draco bereits wieder vergessen hatte – waren die einzigen gewesen, denen es gelungen war, diese Frequenz zu erspüren. Dabei war es lächerlich einfach, man musste sich nur ein wenig konzentrieren. Draco hatte es mit verschiedenen Versuchspartnern und selbst an einigen Tieren ausprobiert und jedes Mal nur Sekunden gebraucht, bis er das innere Pulsieren wahrnahm. Es war ein faszinierendes Gefühl, selbst bei etwas so Simplen wie einer Katze. Sein Bruder allerdings... sein innerer Rhythmus war, in Ermangelung eines besseren Ausdrucks, dissonant. Es war, als würde man einem grausam missgestimmten Instrument zuhören. Man musste kein Heiler sein um zu erkennen, dass das kein gutes Zeichen war. Draco strich Tigris seufzend die Haare aus dem Gesicht. Er glühte noch immer vor Fieber und gab nicht das geringste Anzeichen, dass er auch nur wusste, dass Draco da war. Draco fuhr fort, ihm über die Stirn zu streichen und unbewusst, wie er es mit einer verstimmten Harfe getan hätte, versuchte er, die Misstöne auszugleichen.

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Warum?", schrie Salazar. Er war außer sich vor Wut. Der größte Grund dafür war nicht einmal die Sache selbst, sondern der Anblick von Helga, deren Gesicht tränenüberströmt war. Rowena stand steinern an ihrer Seite.

Warum musstet Ihr sie umbringen?", schluchzte die sonst so fröhliche Lady Hufflepuff. „Sie haben niemanden etwas getan! Sie waren harmlose, unschuldige Babys!"

Harmlos?", schrie Godric. Er hatte die Hand um sein blutgetränktes Schwert verkrampft und seine Augen funkelten vor Zorn. Das, zusammen mit seiner rotgoldenen Robe, bot einen einschüchternden Anblick. Aber Salazar war nicht bereit, sich einschüchtern zu lassen. Nicht diesmal. Godric war zu weit gegangen.

Basilisken!", tobte der blonde Mann. „Was beim mächtigen Merlin habt Ihr euch gedacht? Das sind finstere Kreaturen! Von Euch habe ich nicht viel mehr erwartet, Slytherin. Ich habe lange genug weggesehen, wenn Ihr mit eurer wilden Magie experimentiert habt. Es zieht Euch ins Dunkel, das habe ich immer gesagt. Aber Ihr, Lady Hufflepuff!"

Helga starrte ihn an. „Sie haben nichts getan! Sie waren klein und ungefährlich! Ihr Mörder! Wie konntet Ihr... Wie konntet Ihr!" Damit schlug sie die Hände vors Gesicht und schluchzte hemmungslos. Rowena legte beruhigend einen Arm um sie, aber ihr Gesicht blieb eisig.

Ich war der Meinung, es ist allein meine Angelegenheit, welche Experimente ich mache.", zischte Salazar zornig. „Ihr hattet kein Recht!"

Ich werde keine solchen Kreaturen in meinem Schloss dulden!", schrie Gryffindor. „Und ich verbitte mir Euren unverschämten Ton!"

Salazar wurde bleich und ballte die Fäuste. „Euer Schloss?", fauchte er. „Sagtet Ihr nicht einmal, Ihr wolltet diese Schule unter Gleichberechtigten bauen? ‚Ein neuer Anfang, ohne Rang und Status. Nur vier Häuser, die ein jeder von uns nach seinem besten Vermögen leitet.' Waren das nicht Eure Worte?"

Da wusste ich noch nicht, dass Ihr die Privilegien, die ich Euch gab, auf diese Weise missbrauchen würdet! Vergesst nicht, mit wem Ihr sprecht! Ohne mich wärt Ihr Nichts! Gar nichts!"

Salazar gefror. In diesem Augenblick verließen ihn auch die letzten freundschaftlichen Gefühle für diesen Mann, den er einst Bruder genannt hatte, und die ersten Funken von Hass begannen zu glimmen. Er fiel auf die Knie und neigte den Kopf.

Vergebt mir, mein Lord. Danke, dass Ihr es mir so klar auseinandergesetzt habt. Hätte ich dies früher gewusst, hätte ich natürlich anders gehandelt. Bestraft mich für meinen Fehler wie Ihr es für richtig haltet."

Die beiden Frauen schnappten nach Luft. Gryffindor schwieg. Schließlich trat er einen Schritt vorwärts. „Steht auf, Salazar!" Er klang heiser.

Als Salazar sich erhob, sah er, dass Gryffindor schockiert wirkte. Er fühlte nichts als Abscheu.

Gryffindor streckte die Hände nach ihm aus. „Ich habe es nicht so gemeint, mein Freund. Ich war zornig, und Ihr wisst wie gedankenlos ich sein kann..."

Nicht doch.", entgegnete Salazar kühl. „Ihr habt keinen Grund, Euch zu entschuldigen, mein Lord. Schließlich habt Ihr Recht, ich bin Euer Paladin. Es war mein Fehler, nach Annahmen zu handeln, die nicht der Wahrheit entsprachen. Ich werde es nicht erneut vergessen, seid versichert."

Gryffindor öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Er betrachtete ihn traurig. „Salazar..."

Wenn das alles war, würde ich gerne gehen, wenn Ihr erlaubt."

Wie Ihr wollt.", erwiderte Gryffindor, nun ärgerlich. Die beiden Frauen starrten ihn wütend an. Helga hatte die Fäuste geballt und in ihrem Gesicht malten sich rote Flecken ab. Rowena war stiller, wie immer, aber der Zorn strahlte von ihr aus wie ein eisiger Windhauch.

Salazar verbeugte sich gegenüber Gryffindor und wandte sich ab.

Ich hoffe, ihr seid nun glücklich, MEIN LORD!", fauchte Helga den blonden Mann an und stürmte aus dem Raum, an Salazar vorbei.

Wir haben Euch vertraut, und Ihr habt dieses Vertrauen enttäuscht.", hörte er Rowenas sanfte Stimme hinter sich zu Gryffindor sagen. „Ich war auch nicht damit einverstanden, was sie getan haben, aber Eure Reaktion ging zu weit."

Ich habe es doch nicht so gemeint!", rief Gryffindor außer sich.

Manche Dinge müssen einfach ungesagt bleiben, ob man sie meint oder nicht. Wenn Ihr das nicht wisst, seid ihr nicht der Mann, für den ich Euch hielt. Guten Tag, Lord Gryffindor."

Fein!", schrie Gryffindor. „Wenn Ihr es so haben wollt, dann sei es so!"

Der Hass in Salazar wuchs noch ein weiteres Stück und er ging endgültig.

In einem Moment schritt Tigris noch durch die Korridore von Hogwarts, im nächsten schien er vom Grunde eines tiefen Teiches an die Oberfläche zu treiben. Desorientiert versuchte er, nach seinem Stab zu greifen, aber fand, dass er sich nicht bewegen konnte. Panik erfasste ihn und er kämpfte gegen was immer ihn festhielt an. Plötzlich spürte er, dass er auf etwas Weichem lag und Hände beruhigend über ihn strichen.

„Schsch.", sagte jemand mit einer ruhigen Stimme, die ihm seltsam bekannt vorkam. „Alles ist in Ordnung. Entspann dich. So ist es gut."

Tigris blinzelte verwirrt und erkannte vage einen Schemen über sich, dem er mit einiger Mühe einen Namen zuordnete. „Draco..." Seine Zunge fühlte sich schwer an, als wolle sie ihm nicht ganz gehorchen.

Aufhören!", zischte eine Stimme im Hintergrund. „Weg von ihm, Mensch! Weg, oder ich beiße dich!"

Sarin.", sagte Tigris unwillkürlich. Seltsamer Weise hatte er diesmal keine Schwierigkeiten, zu reden.

Sagt ihm, er soll aufhören! Ich werde ihn beißen! Mein Biss kann in Sekunden töten!", drohte die Schlange aufgebracht.

Nein!", rief Tigris. „Bleib weg von ihm!"

Ich werde gehorchen, wenn er aufhört!"

„Tigris?", hörte er die Stimme seines Bruders. „Kannst du mich verstehen?"

„Hör auf.", brachte Tigris mühsam hervor. „Was immer du tust, hör auf damit!"

„Was?", fragte sein Bruder verwirrt. „Oh!"

Tigris fühlte, wie die Hände, die ihn berührten verschwanden. „Danke.", flüsterte er schwerfällig. Dann versank er wieder in Dunkelheit.

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Draco wich verwirrt zurück und starrte auf seinen Bruder hinunter. Einen Moment lang schien er beinah bei Bewusstsein zu sein, aber nun war sein Blick wieder leer wie zuvor.

„Ein gutes Zeichen.", sagte eine Stimme von der Tür her. „Vielleicht haben die Tränke schließlich doch einen Effekt."

Draco fuhr herum und sah Severus in der Tür stehen. Er kam zu ihm hinüber und hob Tigris Kopf an, um ihm einen Trank einzuflößen den er mitgebracht hatte.

„Wir sollten uns nicht zu früh Hoffnungen machen, aber vielleicht besteht noch eine Chance."

„Was meinst du damit?", fragte Draco alarmiert.

Severus runzelte die Stirn. „Hat dein Vater nicht mit dir geredet?"

Draco schüttelte unsicher den Kopf.

Das Gesicht seines Paten wurde eine Sekunde lang steinern. „Komm mit. Wenn dein Vater sich nicht imstande sieht, dir die Wahrheit zu sagen, dann muss ich es wohl tun."

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Wie könnt Ihr ihm zustimmen, Helga?" Salazar betrachtete die Frau vor sich. Er fühlte sich betrogen. „Ihr, von allen Leuten, solltet es verstehen. Gryffindor ist in einer behüteten, unrealistischen Welt aufgewachsen. Aber Ihr, Eure Geschichte ist wie die meine. Ihr wisst wie primitiv und gefährlich sie sind!"

Helga musterte ihn unsicher. Etwas an ihr störte ihn. Sie hatte ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt, das spürte er.

Was habt Ihr, Helga? Redet mit mir."

Sie seufzte, dann sah sie ihn ernst an. „Wir brechen immer mehr auseinander, Salazar. Rowena schließt sich in ihrem Turm ein und schreibt an ihren Memoiren, und Godric ist aufbrausend und irrational. Ich will nicht auch Euch verlieren. Ihr brütet so viel vor Euch hin, das ist nicht gut."

Oh ja, er erinnerte sich. ‚Ihr werdet es noch bedauern, dass ihr die Schriften so vernachlässigt.', hatte Rowena gesagt. ‚Mein Vermächtnis soll in etwas dauerhafterem erhalten bleiben als Liedern. Man wird noch über mich lesen, wenn ihr längst vergessen seid.' Aber das war es nicht, was Helga tatsächlich bewegte. „Was ist es, was Ihr wirklich sagen wollt?", fragte er ungeduldig.

Sie lächelte unglücklich. „Ihr kennt mich zu gut, Salazar. Es war nicht Godrics Idee. Es war meine."

Was?", fragte Salazar ungläubig. „Wie habt Ihr ihn davon überzeugt, auf Euch zu hören?"

Sie sah zu Boden. „Ich bin des Streitens müde, Salazar. Wir sind zu einer Einigung gelangt."

Er betrachtete sie misstrauisch. „Sicher ist er nicht umsonst darauf eingegangen."

Nein." Sie sah traurig aus dem Fenster. „Es tut mir leid, Salazar... Ich habe die Runespoors und die Drachen zu den Magyaren gesandt. Sir Marek wird sich gut um sie kümmern, er war einer meiner besten Schüler..." Ihre Stimme versagte.

Die Runespoors?", fragte Salazar heiser. „UNSERE Runespoors?"

Es tut mir leid. Es fiel mir schwer, sie gehen zu lassen... aber Godric hasste sie, Ihr wisst das."

Wann?", krächzte er.

Gestern."

Er ballte die Faust. „Ihr habt mir nicht einmal Gelegenheit gegeben, mich von ihnen zu verabschieden! Und warum? Für einen Haufen dreckiger Muggelstämmiger!"

Helga betrachtete ihn flehentlich. „Es ist nicht die Schuld der Muggelgeborenen, wo sie herkommen. Jemand muss sich um sie kümmern. Sie haben doch sonst niemanden."

Salazar hieb mit der Faust auf den Tisch und sie zuckte zusammen. „Begreift Ihr denn nicht, sie bringen uns alle in Gefahr! Durch sie gelangt unser Wissen zu ihren Muggelverwandten, und diese werden es benutzen, um uns zu vernichten! Sie sind verdorben durch ihre Herkunft. Ihre Vorurteile und ihre Missgunst werden unsere Welt langsam zerstören. Es ist, als schütte man Schlamm in eine klare Quelle. All unser Wissen und unsere Traditionen werden verschwinden, bis nichts mehr davon übrig ist. Sie werden unser Untergang sein!"

Aber vielleicht wird auch die Quelle den Schlamm reinwaschen und das Gold hervorbringen, das in ihm verborgen war.", entgegnete Helga lächelnd.

Salazar empfand ihr Lächeln wie einen körperlichen Schmerz. Also hatte sie ihn auch verraten. Dabei hatte er geglaubt, sie würde es verstehen. Er wandte sich ab.

Ich kann niemals diese... diese Schlammblütler unterrichten. Ihr müsst Euch entscheiden, sie oder ich."

Das meint Ihr nicht wirklich!", sagte Helga erschrocken.

Salazar starrte sie an. „Doch, das meine ich."

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„Hast du das gespürt?", fragte Narcissa verschlafen.

„Was?", erwiderte Lucius, nur halb bei Bewusstsein.

„Der Alarm. Ich dachte ich hätte etwas gehört."

Er lauschte einen Moment und schüttelte den Kopf. „Nein, es war nichts. Schlaf weiter, es war bestimmt nur ein Traum."

Sie horchte noch ein paar Augenblicke lang unsicher, dann legte sie sich wieder hin und schlief weiter.

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Vor ihm stand eine unirdisch schöne Frau. Sie war blass, als hätte ihre Haut nie die Sonne gesehen. Ihr rotbraunes Haar fiel ihr in leichten Wellen über die Schultern, und ihre Augen waren so schwarz, dass man keine Pupillen mehr erkennen konnte. Salazar hatte sich immer gefragt, ob sie nicht vielleicht einen Vampir in ihrer Ahnenreihe hatte. Sie streckte die Hand nach seinem Gesicht aus und strich sanft sein Haar zurück.

Ich will bei Euch bleiben, Salazar."

Nein.", entgegnete er ziemlich brüsk.

Warum nicht?", fragte sie, mit einem leichten Funken Ärger in ihrer Stimme.

Salazar sah ihr gerade in die schwarzen Augen. „Weil ich Euch nicht liebe, Severina."

Ihr Gesicht verhärtete sich unmerklich. „Ich verstehe. Falls es Euch interessiert, Sir Dagkano hat mir angeboten, mich zu einer ehrlichen Frau zu machen. Ich nehme an, es ist Euch gleich, wenn ich annehme?"

Salazar lachte und ignorierte den Stich, der ihn durchfuhr. „Dagkano? Der Phantast? Ich kann mir bereits vorstellen, wie begeistert Ihr seinen Theoremen lauschen werdet."

Ich habe nichts gegen seine Theoreme.", zischte sie. „Zumindest geben sie mir nicht das Gefühl, billiger zu sein, als eine gewöhnliche Hure."

Er grinste und streckte die Hand nach ihr aus. „Wie wundervoll Ihr seid, wenn der Zorn in Euch glüht, meine Schöne."

Sie machte eine Bewegung von ihm weg aber verharrte auf halben Wege, als er sich näher zu ihr beugte.

Ich hasse Euch.", flüsterte sie, kurz bevor seine Lippen sich über ihren schlossen.

Schsch, mein Feuer. Ich weiß."

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„Er hat ein paar Stunden geschlafen, aber nun fantasiert er wieder, wie zuvor."

„Hast du etwas verstanden, was er sagt?", fragte Narcissa besorgt.

Severus schüttelte den Kopf. „Es ist zu undeutlich. Ich habe noch ein Rezept auszuprobieren, aber dann bin ich mit meinem Wissen am Ende. Das einzige, was ich sonst noch wüsste, sind Phönixtränen, aber ich wüsste nicht, wie wir sie bekommen sollten."

Narcissa schluchzte auf und Lucius legte beruhigend den Arm um sie. Innerlich war er nicht weniger verzweifelt als sie. Wenn alles andere fehlschlug, gab es noch immer eine Möglichkeit... aber er würde sie nur ergreifen, wenn ihm keine andere Wahl blieb.

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Godric sah glücklich aus, während Helga und Rowena trübsinnig wirkten. Salazar grinste ihm böse zu und zurrte die Geschirre an den Palominos, die seine Kutsche zogen, ein letztes Mal fest. Dann verabschiedete er sich von Helga und Rowena. Beide sagten ihm, dass sie ihn vermissen würden und Salazar glaubte ihnen. Aber er konnte nicht bleiben. Dieser Ort war zwanzig Jahre zuvor als ein Ort der Freundschaft erbaut worden, ein Heim für Menschen, die sich als Familie betrachteten. Nun war er für ihn nur noch eine Ruine seiner Hoffnungen. Er hatte sein Haus in Severinas Obhut zurückgelassen und wusste, dass es dort in guten Händen war. Es war ihm schwer gefallen, sie zurück zu lassen, aber schließlich hatte er sie nicht geliebt. Außerdem würde sie nicht lange um ihn trauern, wenn er die Blicke, die der Grieche Dagkano ihr zuwarf richtig interpretierte. Auch wenn er nie verstehen würde, was sie an dem krummnasigen Architekten fand. Als er zu Godric kam, verbeugte er sich spöttisch.

Ich weiß, Ihr würdet mich am liebsten aus der Geschichte schreiben, mein Lord, aber das wird nicht so einfach gelingen. Mein Element ist Erde, wie Ihr wisst, und diese Burg ist schließlich aus Stein erbaut. So war es nicht schwer, Hogwarts zu überzeugen, mir einen kleinen Gefallen zu erweisen. So lange das Schloss steht werden meine Überzeugungen in meinem Haus weiterleben."

Salazar lachte über Gryffindors ärgerlichen Gesichtsausdruck. „Noch etwas:", fügte er hinzu, bevor er die Kutsche bestieg. „Ihr habt nicht alle getötet."

Was meint Ihr?", fragte Gryffindor heiser. Salazar lachte nur und trieb die Pferde an, die sich elegant in die Lüfte erhoben. „Was meint Ihr?", schrie Gryffindor ihm nach.

Er lehnte sich lächelnd zurück und knallte die Peitsche über den Köpfen der Pferde. „Auf zu den Magyaren!" Das letzte, was er von Hogwarts sah, war Godrics furioser Gesichtsausdruck, bevor ein magischer Sog die Kutsche erfasste und mit sich riss. Als der Sog verschwand, sah Salazar auf dicht bewaldete Berge hinunter, zwischen denen sich ein leuchtend blauer Fluss wand – die Donau. Er fühlte sich plötzlich freier, als in Jahren und er lachte... zum ersten Mal seit langem nicht bitter. Er fühlte sich bereit, neu anzufangen, etwas Großes zu beginnen. Ja, die Leute würden noch in tausend Jahren seinen Namen singen, wenn Gryffindor längst vergessen war. Es lag alles vor ihm... er brauchte nur die Hand auszustrecken. Er lächelte und trieb die Pferde an. Zuerst würde er Marek finden, und dann würde er weiter sehen.


Vielen Dank für eure Reviews an: blub, Kissymouse, Truemmerlotte, AngieMaus, Lady-Claw, GeorgieDee, YanisTamiem, Konni, Igonia, Die Happy, Kylyen

AngieMaus: Ah, aber Sarin ist eine wirklich WUNDERSCHÖNE Schlange. Es ist schwer, ihr etwas abzuschlagen.

Igonia: (1) Je mehr Tigris aus dem Buch liest, desto mehr davon werde ich updaten. Ich habe die Kapitel schon geschrieben, aber es würde zu viel vorweg nehmen, wenn sie noch nicht in SdW vorgekommen sind. (Mist, jetzt habe ich verraten, dass Tigris uns erhalten bleibt...) Zu den Ritualen gibt es erstmal nichts, aber vielleicht lasse ich ja später Blaise etwas dazu erzählen ;-). (2) Sie prophezeit nicht direkt etwas, es ist mehr das, was sie sich wünscht. Sie ist übrigens nicht Narcissa...

Die Happy: Nagini? lol Nein, garantiert nicht.

Kylyen: Oh ja, das hat sie. In mehr als einer Hinsicht.

An alle die daran interessiert sind: Von Taliesin über die Hexen von Salem könnt ihr als Compagnon lesen.