Disclaimer:

Mein kleiner grüner Kaktus...

Harry Potter gehört JK... Autsch!

... der fiel soeben runter...


Schatten der Wahl

40. Die Kammer der Geheimnisse

Tigris blickte eine Weile auf die Treppe vor ihm hinunter. Der Gang vor ihm war dunkel, er konnte nicht erkennen, wohin er führte. Tigris wollte nichts mehr, als erkunden, wo die Treppe hinführte, aber es war bald Zeit zum Mittagessen und danach musste er bei Verwandlungen sein. Schließlich schloss er die Tür bedauernd, mit dem festen Vorsatz, am Abend zurückzukommen.

Es war ihm noch nie eine Verwandlungen- Stunde so lang vorgekommen, wie an diesem Nachmittag. McGonagall versuchte ihnen beizubringen, wie man seine Gesichtszüge mit Hilfe von Zaubern verwandelte, was interessant hätte sein können, hätte Tigris es nicht zuvor bereits gelesen und geübt. Blaise und Theodore amüsierten sich zumindest über diejenigen, die immer wieder scheiterten. Als Tigris in den Gemeinschaftsraum zurückkehrte warf er nur seine Tasche in ihren Raum, schnappte sich Sarin und verließ die Slytherinräume, sobald ihm keiner mehr Beachtung schenkte. Zum Glück war Theodore mit Richard beschäftigt und von den unteren Jahrgängen, denen Tigris manchmal bei den Hausaufgaben half, war keiner anwesend. Der Korridor, in dem sich das Ornament befand, war leer wie die beiden vorigen Male. Wenn er darüber nachdachte, begegnete ihm nie jemand in den Gängen, in denen sich keine Porträts mehr befanden. Eigenartig. Andererseits schien sich in diesem Teil des Schlosses auch nichts Bedeutsames zu befinden. Tigris hatte nie von einem Kurs gehört, der so weit unten in den Kerkern stattfand, es befanden sich keine Wohnräume in diesem Teil und selbst Filchs Lagerräume waren weiter oben. Allem Anschein nach war dieser Teil von Hogwarts verlassen.

Als Tigris den Raum hinter dem Ornament betrat, befand sich die Holztür noch immer auf der anderen Seite. Sie ließ sich ohne Probleme öffnen. Tigris setzte zögernd einen Fuß auf die Treppe, seinen Stab in der Hand. Bevor er einen Lumos sprechen konnte, erwachten zu beiden Seiten des Ganges magische Fackeln zum Leben. Vorsichtig ging er die Treppe weiter hinunter. Die Fackeln leuchteten in regelmäßigen Abständen vor ihm auf und erloschen wieder, wenn er ein Stück an ihnen vorbeigegangen war. Die Treppe war schmal, sie bot gerade einer Person Platz. Es war kalt, aber nirgendwo lag Staub. Die Steinquader, aus denen die Wände bestanden, lagen fugenlos aufeinander. Nirgendwo war Moos oder andere Zeichen des Verfalls zu sehen. Tigris wusste nicht, wie lange er der Treppe nach unten folgte, aber sie war sehr lang. Er spielte bereits mit dem Gedanken, umzukehren, als sie vor einer Steintür endete. In die Tür waren einige ineinander verwundene Schlangen eingemeißelt. Sie erinnerte Tigris deutlich an die Tür zu der Kammer, in der er in seinem zweiten Schuljahr den Basilisk bekämpft hatte. Er zögerte. Er hatte keinen Zweifel daran, dass der Basilisk tot war, aber es nagte trotzdem ein ungutes Gefühl in ihm. Schließlich gewann die Neugier.

Öffne dich!", zischte er auf Parsel. Wie Tigris es vermutet hatte entwanden sich die Schlangen, und die Tür ging auf. Als er hindurch trat, fand er sich auf einem Steinvorsprung wieder, von dem eine Treppe hinunter in eine große Halle führte. Auf der linken Seite befand sich eine Erhöhung, die wie eine Bühne wirkte, da sich hinter ihr die Halle ein Stück in die Wand erweiterte. Es sah aus wie ein altertümliches Theater, nur dass es keine Tribüne gab. Wände und Decke der Halle bestanden aus einem grün schimmernden Stein. Sie waren mit Schlangenskulpturen verziert, die aussahen, als seien sie aus dem Stein hervor gewachsen. Wenn man sie nur aus den Augenwinkeln betrachtete, wirkte es, als würden sie sich bewegen, aber sobald Tigris sie gerade ansah, lagen sie still.

Tigris ging die Treppe hinunter und sah sich um. Die Halle war groß, bestimmt vierzig Meter breit, und mehr als doppelt so lang. Nirgendwo waren Spuren des Basilisken zu sehen, was ihn erleichterte. Auch an diesem Raum schien die Zeit spurlos vorübergegangen zu sein. Kein Staub, keine Spinnweben, erst recht keine Skelette von Nagetieren, wie Tigris sie in der anderen Kammer vorgefunden hatte. Die Halle war leer und keine Türen waren zu sehen. Tigris ging an den Wänden entlang und betrachtete die Schlangenskulpturen. Er versuchte, mit ihnen zu sprechen, aber sie waren offenbar wirklich nur Skulpturen. Schließlich betrat er die Bühne. Sie ging etwa fünf Meter in die Wand hinein. Als er an ihre hintere Wand gekommen war und sich umdrehte, sah er zu seiner Überraschung, dass sie in der Mitte einen halben Meter breiter war als vorne. Es war von vorne nicht zu sehen. Zu beiden Seiten bildeten die Wände einen Winkel, bevor sie nach vorne weitergingen. Tigris sah sich diese Teile der Wände an und tatsächlich, auf beiden Seiten waren die ineinander verwundenen Schlangen abgebildet, die er auch auf der Eingangstür gefunden hatte.

Öffne dich.", befahl er, zunächst auf der linken Seite. Die Schlangen entwanden sich, und das schmale Stück Wand verschwand. Tigris ging durch die entstandene Tür und betrat einen Raum, der sein Herz höher schlagen ließ. In der Mitte befand sich ein Schreibpult, auf dem ein aufgeschlagenes Buch lag. Auf beiden Seiten des Raumes standen Regale, angefüllt mit Büchern und Schriftrollen. Dahinter führte eine Tür in einen weiteren Raum. Tigris ging an dem Pult vorbei, um sich den zweiten Raum anzusehen. Neben dem Buch steckte eine Gänsefeder in einem Tuschefass, so als hätte jemand erst vor kurzem seine Arbeit abgebrochen. Im Vorbeigehen konnte Tigris sehen, dass die linke Seite des Buches beschrieben war, aber die rechte noch blank.

Der zweite Raum war größer als der erste und mit etlichen Regalen gefüllt, auf denen sich die unterschiedlichsten Gegenstände befanden. Kessel verschiedener Arten und Größen. Phiolen, Gläser und Tontöpfe, die vermutlich Zaubertrankzutaten enthielten. Aber auch seltsame Gerätschaften, deren Zweck Tigris unbekannt war. Selbst ein Schwert und mehrere Dolche hangen in einer Ecke. Tigris las flüchtig die Beschriftungen auf einigen der Gefäße. Die Schrift war dieselbe, wie in dem Tränkebuch, das er in seinem Raum liegen hatte, und bewies, dass es sich tatsächlich um Tränkezutaten handelte. Von der Decke hingen Bündel getrockneter Pflanzen und einige Felle ihm unbekannter Tiere. Es würde weit mehr als einen Abend dauern, alles zuzuordnen, was sich in diesem Raum befand.

Tigris kehrte in den vorigen Raum zurück. Er sah sich die Bücher nicht genauer an, denn er wusste, wenn er anfangen würde, sie zu lesen, würde er die ganze Nacht in diesem Raum verbringen. Irgendwo in diesen Regalen waren alle Antworten verborgen, die er suchte. Er würde endlich herausfinden, was es mit Slytherins Erdmagie auf sich hatte, und alle anderen Dinge, nach denen er in der Malfoy- Bibliothek wie auch in Hogwarts vergeblich gesucht hatte. Er wusste es einfach. Tigris trat an das Schreibpult. Die Tusche war zu seiner Überraschung noch flüssig. Er beugte sich über das Buch und begann zu lesen. Es war Slytherins Handschrift, mit der er inzwischen vertraut war.

Hogwarts, IAM 637, 26. Juli

Nach allem was geschehen ist, sehe ich keine andere Möglichkeit, als Hogwarts endgültig zu verlassen. Ich habe die Kammern vor dem Zugriff Gryffindors und der anderen verborgen… Dank sei erneut Hogwarts, unserem wundervollen Geschöpf. Wie sehr ich es bedaure, dass bald niemand mehr da sein wird, ihrer Stimme zu lauschen. Mit Medusas Hilfe ist es mir gelungen, zumindest diese Kammer dem Zugriff der Zeit zu entziehen. Es hat mir einige Probleme mit meinen Tränken beschert, wie ich zugeben muss, aber zum Glück ist Medusas Kammer nicht weit entfernt. Ich habe ihr eingeschärft, die Kammer nicht zu verlassen, bis mein Nachfolger kommt. Schließlich hat sie die Fähigkeit ewig zu leben, und ich möchte kein weiteres von meinen und Helgas Kindern an Gryffindors Schwert verlieren. Ich verlasse die Burg nur ungern, aber ein Teil von mir fühlt, dass es Zeit ist. Helga hatte Recht, wir entzweien uns stetig mehr voneinander. Ich bin Gryffindors Einmischung müde. Vielleicht finde ich bei den Magyaren mehr Gelegenheit, meine Ziele zu erreichen. Malifontis und Nigellus versuchen mich zu überzeugen, die Vereinigung weiter zu führen, aber ich muss gestehen, dass ich auch dessen müde bin. Ich bin es leid, meine Visionen an einen Haufen alter Aristokraten zu vergeuden, die nur reden und niemals handeln. Ich bin kein Seher, dennoch bin ich überzeugt, dass sie in tausend Jahren noch die gleichen Phrasen über Reformation dreschen werden, ohne die geringsten Fortschritte gemacht zu haben. Wenn es von Leuten wie diesen abhängig wäre, hätten uns die Muggel längst überrannt, während sie noch immer in ihren wohlbehüteten Häusern sitzen und beim Nachmittagstee über den Niedergang der Zaubererwelt diskutieren. Verzeiht, ich schweife ab…

Ich hege noch immer die Hoffnung, dass ich oder einer meiner Nachkommen eines Tages nach Hogwarts zurückkehren werden, um zu beenden, was ich begonnen habe. Aus diesem Grund hinterlasse ich einen Teil meines Besitzes in diesen Räumen, möge er unserem Ziel hilfreich sein. Es ist ein tröstlicher Gedanke, dass in dem Moment, in dem diese Zeilen erneut gelesen werden, meine Mühen nicht vergebens waren. Führt mein Tagebuch weiter, wer immer Ihr seid, so dass unsere Gedanken der Nachwelt erhalten bleiben. Ihr müsst mir ein würdiger Nachfolger sein, denn andernfalls hättet ihr nie den Weg in diese Räume gefunden. Ihr wäret nicht fähig diese Zeilen zu lesen, denn sie sind in einer Sprache verfasst, der nur noch Angehörige meiner Blutlinie mächtig sind.

Salazar Slytherin

Tigris blätterte in dem Buch zurück und vertiefte sich in die vorigen Einträge. Es war etwas wie ein Tagebuch, begonnen schon vor der Gründung von Hogwarts. Slytherin protokollierte darin die Experimente, die er gemacht hatte, aber beschrieb auch seinen Alltag mit den anderen Gründern, und was er von ihnen dachte. Als Tigris es las, kam ihm einiges davon bekannt vor, so als hätte er es bereits erlebt, doch wieder vergessen. Es war ein beunruhigendes Gefühl, weil er die Erinnerungen, von denen sein Gefühl behauptete, dass er sie hatte, nicht greifen konnte. Dennoch fiel es ihm leicht, Slytherins Erlebnisse zu verstehen, so als hätte er sie selbst erlebt.

Slytherin war Gryffindors Paladin gewesen, aber er stammte aus einer alten Zaubererfamilie und war sich dessen wohl bewusst. Er hatte starke Vorurteile gegenüber Muggeln und Muggelgeborenen und war dadurch schnell zu einem Wortführer in der Gesellschaft reinblütiger Familien der damaligen Zeit aufgestiegen. Wie er es in seinem letzten Eintrag beschrieben hatte, bestand zu seiner Zeit kein großer Wille zur Veränderung. Die reinblütigen Familien waren reich und mächtig, und nicht zuletzt untereinander zerstritten. Slytherin hatte radikale Ideen, die Zaubererwelt vollkommen von der Muggelwelt zu trennen, aber damals fand er kein Gehör dafür.

Tigris wusste, dass es zweihundert Jahre später dem Zauberer Krabat gelingen sollte, ähnliche Ideen durchzusetzen, aber zu Slytherins Zeit war die Zaubererwelt offensichtlich noch nicht bereit dafür. Zum Ende des Buches hin wurden die Einträge zunehmend frustrierter, und es war offensichtlich, dass es nicht nur Hufflepuffs Pläne zur Aufnahme Muggelgeborener in die Schule gewesen waren, die Slytherin bewogen hatten, Hogwarts zu verlassen. Er hatte gehofft, in Rumänien mehr Zuspruch zu seinen Ideen zu finden. Anscheinend war ihm das nicht gelungen.

Was Tigris interessant fand war, dass Slytherin niemals gefordert hatte, die Muggelgeborenen umzubringen. Er wollte sie ganz einfach in der Muggelwelt ihrem Schicksal überlassen. Das war in einer Zeit, in der die Muggel alles, was ihnen ungewöhnlich erschien, als Dämonenwerk betrachteten, natürlich auch nicht gerade human. Dennoch, es schien, dass die Ideen des Dunklen Lords weit über die Pläne seines Vorfahren hinausgingen. Tigris war sich allerdings auch nicht sicher, was Slytherin von diesen Ideen gehalten hätte. Vielleicht hätte er sie begrüßt. Es diente schließlich letztendlich seinen Zielen, und er hatte sicher niemals Mitgefühl für Muggel besessen. Als Tigris das Buch schließlich zuschlug, sah er auf die Uhr und erkannte entsetzt, dass die Ausgangssperre längst überschritten war. Er verließ den Raum bedauernd und eilte die Treppe hinauf zu den Slytherinräumen.

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Als Tigris in ihren Raum zurückkam, schlief Draco bereits. Vermutlich hatte er angenommen, dass Tigris bei Pansy war. Tigris zog sich leise um und ging zu Bett, aber es gelang ihm nicht, sofort einzuschlafen. Seine Gedanken kreisten noch lange Zeit um das, was er gefunden hatte, und er konnte es nicht erwarten, in die Räume zurückzukehren.

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Am nächsten Tag verschlief Tigris beinahe. Es überraschte ihn, das Draco keine spöttische Bemerkung dazu machte, aber sein Bruder schien mit den Gedanken woanders zu sein. Erst als Pansy sich beschwerte, dass Tigris ihr so wenig Zeit widmete, warf Draco ihm einen überraschten Blick zu. Am Nachmittag hatten sie Zaubertränke und brauten einen weiteren Bindetrank, über den er bereits gelesen hatte. Während Tigris braute, dachte er nicht über die Kammer nach, aber als er fertig war, beschloss er, zunächst das Tränkebuch zuende zu lesen. Einiges was darin stand hatte ihm tatsächlich geholfen, Zaubertränke besser zu verstehen. Slytherin war ein begabter Tränkemeister gewesen, wie sein Tagebuch bewies. Er hatte viele Experimente mit Tränken gemacht und auch bei den Kreuzungsexperimenten, die er mit Hufflepuff zusammen durchgeführt hatte, Tränke verwendet. Das meiste davon ging weit über Tigris' Verständnis von Tränken hinaus und er hatte es überblättert, als er das Tagebuch gelesen hatte.

„Wo bist du heute Nacht gewesen?", fragte Draco. „Ich dachte, du wärst bei Pansy."

„Ich habe etwas nachgeforscht.", erwiderte Tigris. „Ich habe dabei die Zeit vergessen."

„Ich werde niemals verstehen, wie jemand so besessen von Büchern sein kann.", meinte Draco kopfschüttelnd. „Da wir bei Büchern sind… könntest du mir dein Buch über Verwandlungen leihen? Ich möchte etwas nachschlagen."

„Sicher.", sagte Tigris etwas überrascht. „Es ist auf dem Regal. Allerdings habe ich es Pansy geliehen, und sie hat Notizen hineingeschrieben."

„Das stört mich nicht." Draco suchte sich das Buch heraus. „Ich schreibe selbst immer in die Bücher."

„Ich kann es nicht ausstehen, wenn jemand das macht.", murmelte Tigris. „Es macht es unmöglich, das Buch ungestört zu lesen."

„Na und? Dann kauft man eben ein Neues. Die meisten Bücher sind ohnehin nach einiger Zeit überholt. Außer denen, die sich selbstständig aktualisieren natürlich."

„Gut, so kann man es auch sehen.", meinte Tigris. Er würde sich niemals an die Sorglosigkeit gewöhnen, mit der Draco mit Dingen umging. Oder besser, er würde sich niemals abgewöhnen können, seine Besitztümer als wertvoll zu erachten. Er hatte zu lange zu wenig besessen.

Tigris näherte sich langsam dem Ende des Tränkebuchs. Der letzte Trank faszinierte ihn am meisten. Er hieß ‚Ceridwens Trunk'. Slytherin schrieb, dass er vor Jahrhunderten von einer Hexe entwickelt worden war, und es seitdem niemals wieder gelungen war, ihn zu brauen. Tigris konnte auch sofort sehen warum. Der Trank enthielt Blut eines Basilisken, eine freiwillig gegebene Phönixfeder, lebende Alraune und das Gift einer silbernen Tigerotter. Zu dem letzten hatte Slytherin eine Anmerkung geschrieben. Es überraschte Tigris, da er gedacht hatte, dass er die Schlangen erst nach seinem Verlassen von Hogwarts gezüchtet hatte. Slytherin schrieb jedoch, dass es ihm gelungen sei, eine Schlange zu züchten, deren Gift das der ausgestorbenen Brigitsotter ersetzen konnte. Möglicherweise waren die Schlangen zu dieser Zeit nicht mehr als eine Schlange mit einem bestimmten Gift gewesen, und Slytherin hatte sie erst später zu Gefäßen für seine Erinnerungen gemacht. Tigris konnte verstehen, warum Slytherin sich solche Mühe gegeben hatte, an einen Bestandteil dieses Trankes zu kommen. Der Trank diente dazu, die Fähigkeiten eines Zauberers um ein Vielfaches zu verstärken. Ein Zauberer dem es gelang, ihn zu brauen, würde außergewöhnlich mächtig werden. Vor dem Rezept des Trankes stand ein Gedicht, das Tigris nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte.

Macht ist, was uns alle bindet,

was den Lauf der Welt bestimmt.

Wer zur Macht den Schlüssel findet,

der sich selbst sein Schicksal spinnt.

Willst du herrschen, statt zu dienen?

Beugen statt gebeugt zu werden?

Willst du deinen Lohn dir selber wiegen?

Für dich leben, statt für andere zu sterben?

Willst du wissen was verborgen in dir schlummert?

Willst du deine wahre Macht erkennen?

Willst du wissen, was du sein kannst jenseits aller Bande, die dich binden?

Ich kann geben, was du wünscht, jedoch bedenke wohl:

Würdest du mit eigner Hand dich selbst erschaffen;

Götterwille spotten, dir dein eigner Gott zu sein?

Brechen welch Gesetz durch Welt, durch Mensch, durch Gott gegeben –

Auf das ein Gesetz allein nur gelte – du?

Hat dein Herz mit Furcht ergriffen

Was du last, so lies nicht weiter hier;

Kehr zurück, im Staub zu knien mit den andren Schafen

Einst gelenkt zu werden von dem einen

Welcher ohne Furcht regiert.

Tigris begehrte keine Macht, er hatte kein Bedürfnis, über andere zu herrschen. Aber war es nicht wahr, dass nur Macht es einem erlaubte, sein Schicksal selbst zu bestimmen? Tigris hatte sich sein Leben lang den Erwartungen anderer angepasst. Erst denen der Dursleys, dann denen von Dumbledore und der Zaubererwelt und schließlich denen seines Vaters. Es war verführerisch, sich vorzustellen, dass er einmal tun könnte, was er wollte, ohne sich an andere anzupassen. Es war ein sehr komplexer Trank und Tigris würde sicherlich nie die Bestandteile zusammenbekommen. Warum sollte ausgerechnet ihm gelingen, was so vielen weit erfahreneren Zauberern nicht gelungen war? Dennoch, es war ein interessanter Gedanke.

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Am Donnerstag ging Tigris direkt nach Runen zu der Kammer hinunter. Er hatte den Nachmittag frei und freute sich bereits darauf, den ganzen Tag mit Slytherins Büchern und Artefakten zu verbringen. Als er allerdings die Halle erreicht hatte, kam ihm ein anderer Gedanke. Slytherin hatte in seinem Buch von mehreren Kammern gesprochen. Tigris nahm an, dass Salazar mit Medusa den Basilisk gemeint hatte. War es möglich, dass es eine Verbindung zwischen dieser Kammer und der des Basilisken gab? Wenn das so war, dann brannte Tigris darauf, herauszufinden, wo sie war. Außerdem hatte er noch immer nicht die Tür auf der anderen Seite der Bühne geöffnet. Tigris überlegte einen Moment. Ein Teil von ihm wollte gerne sofort beginnen, die Bücher durchzusehen, aber die Kammer weiter zu erforschen reizte ihn ebenfalls. Schließlich entschied er sich für letzteres. Die Tür auf der rechten Seite der Bühne öffnete sich so problemlos wie die andere.

Dahinter befand sich ein Raum, der anscheinend als Teezimmer gedient hatte. Ein Tisch in der Mitte war von mehreren gepolsterten Stühlen und einer Bank umgeben. An der Seite stand ein Schrank, der altertümliches Geschirr enthielt. Gegenüber befand sich ein Pult, auf dem eine Marmorplatte lag. Darauf waren die miteinander verschlungenen Schlangen abgebildet, die Tigris zuvor auf den Türen gesehen hatte. Unter ihnen waren untereinander mehrere Edelsteine in die Platte eingelassen. Hinter jedem waren in verschiedenen Handschriften einige Zeilen geschrieben. Die Worte waren schwer zu entziffern, da sie in einer altertümlichen Schrift geschrieben waren, aber mit etwas Mühe gelang es Tigris, zumindest teilweise.

Draco dormiens nunquam titillandus. Salazar Slytherin", stand neben einem Smaragd,

Varietas infinita in iuncturam infinitam. Helga Hufflepuff.", neben einem Bernstein darunter. „Gweini ag ywen, llywio gwaed gan. Agamemnon Malifontis.", lautete die nächste Zeile, neben einem Saphir. Etwas weiter unten entzifferte Tigris die Namen Severina Suavis, Akrisios Dagkano und den Schriftzug „Toujours pur. Marcus Nigellus". Die restlichen Namen waren ihm unbekannt. Tigris nahm an, dass dies die Mitglieder der Gemeinschaft reinblütiger Familien waren, von denen Slytherins Tagebuch gesprochen hatte. Ironisch, dass sie sich tatsächlich nicht im Geringsten weiterentwickelt hatten, wie Slytherin es angenommen hatte – Helga Hufflepuff ausgenommen. Es überraschte Tigris ein wenig, dass sie überhaupt auf der Liste stand. Er wandte sich von der Tafel ab und betrachtete den Rest des Raumes. Es war nicht mehr viel zu sehen, aber auf der Rückseite des Raumes war ein Schlangenornament an der Wand. Als Tigris ihm befahl, sich zu öffnen, wich die Wand zu Seite und gab einen Gang frei.

Das erste, was Tigris auffiel, war der muffige Geruch, der ihm entgegenschlug. Als er einen Schritt in den Gang hinein machte, wirbelte ihm eine Wolke von Staub entgegen und etwas knirschte unter seinen Füßen. Er hustete.

„Purgaerem!" Die Luft klärte sich, aber der Geruch war noch immer da. „Lumos!", sagte Tigris, und der Gang erhellte sich. Als er nach unten blickte, fiel sein Blick auf Skelette von Nagetieren. Offensichtlich war dies der Zugang zur Wohnstätte des Basilisken.

Etwas weiter in den Gang hinein führte eine Treppe nach oben, die weniger von Staub bedeckt war und wo auch der Modergeruch etwas nachließ. Tigris folgte ihr nach oben und gelangte in einen runden Raum mit zwei runden Fenstern, aus dem es nicht weiter ging. Er sah aus den Fenstern und blickte in eine hohe, spärlich erleuchtete Kammer hinunter. Sie sah von seinem Gesichtspunkt aus schmal aus. Rechts und links erhoben sich mächtige Säulen, um die sich Schlangen wanden. Sie formten sich nicht weit über ihm zu einem kuppelförmigen Gewölbe, das Tigris an Bilder alter Kirchen erinnerte, die er in Büchern gesehen hatte. Er versuchte, das Ende der Kammer zu erkennen, doch es verschwand in der Dunkelheit. Ein Schauer durchlief ihn, als er in das Dämmerlicht hinabblickte. Dies war die Kammer des Basilisken, wie er sich an sie erinnerte. Tief unter ihm, in dem schwachen Licht fast nicht zu erkennen, lag regungslos die mächtige Schlange. Tigris starrte überrascht auf sie hinunter. Offenbar war sie doch noch nicht ganz tot gewesen, als er sie mit dem Schwert getroffen hatte, denn es war ihr gelungen, zum Ende der Kammer zurück zu kriechen.

Tigris wandte sich von dem Fenster ab, ging die Treppe wieder hinunter und stieß auf dem Weg durch den Gang die Skelette mit dem Fuß zur Seite. Der Gang erweiterte sich schließlich in eine runde Höhle, in der der Modergeruch noch stärker war als zuvor. Der Boden war bedeckt mit Knochen und verrotteten Resten kleiner Tiere. Als Tigris sie zur Seite stieß flohen etliche Insekten vor dem Licht seines Stabes. Angewidert durchquerte er die Höhle, aus der es auf der anderen Seite einen runden Ausgang gab. Er verließ sie, so schnell er konnte.

Jenseits des Ausgangs ging es steil nach unten, doch mit etwas Vorsicht gelang es Tigris, bis nach unten auf den Boden zu klettern, indem er sich an Vorsprüngen und Kanten festhielt. Als er schließlich unten stand, sah er sich um und erkannte überrascht, dass er aus dem Kopf der gigantischen Statue gekommen war, aus der Riddle damals den Basilisken gerufen hatte. Er war den langen steinernen Bart hinuntergeklettert, dessen Wellen erstaunlicher Weise genügt hatten, um sich abzustützen. Nun stand er zu Füßen der Steinstatue, an dem Punkt, an dem er vier Jahre zuvor Ginny gefunden hatte. Wenn er nach oben sah, konnte er das Gesicht der Statue kaum in den Schatten ausmachen. Widerwillig schüttelte Tigris den Kopf. Er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, dass Slytherin Hogwarts aufgefordert hatte, eine solche Monstrosität zu schaffen, aber vielleicht war es Hogwarts' Tribut an den Erdelementaristen gewesen. Tigris drehte sich um und ging zögernd auf den Basiliken zu. Er wirkte noch beängstigend lebendig, aber Tigris wusste, dass sie tot war. Sarin schlängelte sich aus seinem Ärmel und betrachtete die größere Schlange interessiert.

Was ist mit der Königsschlange geschehen?", fragte sie erstaunlich ernst.

Sie hat versucht, mich zu töten.", erwiderte Tigris mit einem merkwürdigen Gefühl des Bedauerns. „Ich wäre beinahe gestorben."

Wie konnte sie das tun?", fragte Sarin erschüttert. „Mein Lord befahl ihr, niemals einen seiner Art zu verletzen."

Sie hat es nicht gewusst. Ich habe nicht mit ihr gesprochen, und der andere Sprecher, den du getroffen hast, hat ihr befohlen mich zu jagen. Ich war jung, und ich hatte Angst vor ihr."

Ich verabscheue ihn.", zischte Sarin böse. „Ich verabscheue ihn so sehr wie Nagini. Habt Ihr sie getötet, Meister?"

Ja." Tigris fühlte das Bedauern nun ganz deutlich. Salazar hatte niemals gewollt, dass der Basilisk auf diese Weise missbraucht wurde. Er hatte nur versucht, ihn zu beschützen. Er hatte das allerdings nicht sehr deutlich gemacht, als er mit Gryffindor gesprochen hatte. Wahrscheinlich waren daraus die ganzen Gerüchte über Slytherins Monster entstanden.

Tigris strich mit der Hand über den kalten Körper des Basilisken. Er war nicht verwest. Aus unbekanntem Grund, wahrscheinlich durch Slytherins Erinnerungen, wusste Tigris, dass es die Magie der Schlange war, die das verhinderte. Erst wenn die Magie völlig vergangen war – in hundert Jahren oder mehr – würde die Leiche zu Staub zerfallen. Wut auf Tom Riddle erfüllte ihn. Er mochte Slytherins Erbe sein, aber er hatte kein Recht, sein Erbe so zu missbrauchen. Eintausend Jahre hatte Medusa in den Tiefen von Hogwarts überlebt, und aufgrund Tom Riddles hatte sie schließlich doch durch Gryffindors Schwert ihr Ende gefunden. Tigris fühlte, wie seine und Slytherins Erinnerungen sich vermischten und atmete tief durch, um seine Gedanken zu klären. So lange so viele dieser Erinnerungen nur vage waren, gelang es ihm nicht völlig, sich von ihnen zu distanzieren. Tigris hoffte nur, dass sie ihn nicht zu sehr beeinflussten. Vielleicht könnte Ceridwens Trunk ihm helfen, die Erinnerungen klarer werden zu lassen. Er würde sicherlich die Begabung, die er durch die Black Familie erhalten hatte stärker werden lassen. Wenn Tigris seinen Geist wieder so klar sehen würde, wie er es mit Hilfe des Schlüsselsteins gekonnt hatte, wäre es ihm ein Leichtes, die künstlichen Erinnerungen von seinen echten zu trennen. Dann würde es ihm auch leichter fallen, sie zu analysieren. Vor ihm lag ein weiterer Bestandteil des Trankes, Basiliskenblut. Tigris betrachtete den Basilisk nachdenklich. Genau genommen waren viele Bestandteile des Basiliken wertvolle Zutaten für Tränke. Er sollte ihn auseinander nehmen, selbst wenn er niemals alle Zutaten für Ceridwens Trunk zusammen bekam. Es gab Zauber, die ihm dabei helfen würden. Ja, er würde dies an diesem Nachmittag tun. Später am Abend konnte er sich dann mit dem Inhalt der Bibliothek beschäftigen. Tigris nickte entschlossen. Mit etwas Aufwand erschuf er eine Treppe zum Mund des Steinkopfes und verzog widerwillig das Gesicht, als ihm der Geruch daraus entgegen schlug. In einem Anfall von Ungeduld hob er seinen Stab und deutete auf die Skelette.

„Dahana!" Es war Dunkle Magie, aber das kümmerte Tigris in diesem Moment nicht. Was zählte, war, dass der Abfall vor ihm samt Ungeziefer in Flammen aufging und innerhalb von Sekunden verschwunden war. Tigris reinigte die Luft mir einem Purgaerem und lachte erleichtert, als der Gestank endlich verschwunden war. Er wandte den Zauber noch zweimal in dem Gang an, dann waren auch die letzten Nagetierknochen verschwunden. Danach holte er sich etliche leere Gefäße aus dem Vorratsraum und begann damit, den Basilisken in seine Bestandteile zu zerlegen. Allein das Blut füllte etliche Flaschen. Da die anderen Räume von der Zeit unberührt blieben, würde es sich dort ewig halten. Würde Snape ihn nicht darum beneiden?

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Nachdem Tigris mit dem Basilisken fertig war, verbrachte er noch einige Zeit in der Bibliothek. Slytherin hatte Schriftstücke über die unterschiedlichsten Themen gesammelt, doch die meisten beschäftigten sich mit Tränken und magischen Tieren. Etliche waren auch über Arithmantik, aber die überging Tigris geflissentlich. Zu seiner Enttäuschung gab es kein Buch über Elementarmagie, also widmete er sich noch einmal Slytherins Tagebuch. Salazar war erstaunlich vage, was dieses Thema betraf, und Tigris konnte nur annehmen, dass es ein Geheimnis von Slytherins Familie war. Ein Geheimnis, das Salazar ärgerlicher Weise mit in sein Grab genommen hatte. Dennoch, es gab einige Hinweise, so dass Tigris zumindest vermuten konnte, was er bei dem Yule-Ritual gespürt hatte. Slytherin sprach von Hogwarts als einer Wesenheit, und es gab einige Hinweise darauf, dass das Yule-Ritual dazu diente, die Schutzschirme um das Herrenhaus zu erneuern und an seine Familie – oder genauer genommen, das Familienoberhaupt, seinen Vater – zu binden. Vielleicht war die Präsenz die Tigris gespürt hatte, das Haus gewesen. Schließlich war das Malfoy Herrenhaus sehr alt, älter als tausend Jahre. Warum sollte es nicht eine Art Bewusstsein haben, wie Hogwarts? Warum Tigris es gespürt hatte war allerdings eine Frage, die er noch immer nicht beantworten konnte.

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„Ich möchte, dass Sie diesmal etwas anderes brauen, als die anderen, Mister Malfoy." Snape legte einen Bogen mit einem Rezept vor Tigris auf den Tisch. Tigris sah den Lehrer überrascht an, stellte aber keine Fragen. Er sah Ron einen abfälligen Blick mit Dean wechseln. Tigris wusste, was sie dachten. Sie waren der Meinung, dass Snape ihn bevorzugte. Tigris las sich das Rezept durch und runzelte die Stirn. Es erschien ihm um einiges komplizierter, als das, was Ron und Dean brauen sollten, und nirgendwo stand, wie der Trank hieß. Tigris las es ein weiteres Mal und ging die Schritte im Geist durch. Der Trank war kompliziert, er glaubte kaum, dass er ihn ohne Fehler brauen konnte. Was bezweckte Snape damit? Tigris warf einen fragenden Blick zu dem Tränkemeister, aber der war mit den beiden anderen beschäftigt. Für einige Augenblicke war Tigris ärgerlich, aber dann verdrängte er dieses Gefühl. Snape wusste sicher, was er tat. Außerdem war dies nur eine Nachhilfestunde, der Trank war nicht wichtig für seine Note.

Tigris ging zum Zutatenkabinett und holte die Zutaten. Nach kurzem Nachdenken nahm er noch einige Zutaten mit, die die Fehler ausgleichen konnten, die er sicher machen würde. Zu viel bei diesem Trank kam auf das richtige Timing an, und darin war er noch nie gut gewesen.

Tigris begann zu brauen, und eine lange Zeit ging alles gut. Es gab jedoch eine sehr kritische Phase, in der mehrere Zutaten in einem genauen zeitlichen Abstand zugegeben werden mussten. Wie Tigris es geahnt hatte, war er nicht genau genug. Nachdem er die letzte Zutat zugegeben hatte, begann der Trank gefährlich zu brodeln, und Tigris wusste, dass er sie zu früh zugegeben hatte. Er gab hastig etwas Drachenknochenpulver in den Trank, bis das Brodeln stoppte. Eine Weile dachte Tigris, er hätte den Trank damit gerettet, aber als er die letzte Zutat zugegeben hatte schimmerte der Trank und verfärbte sich blassgrün, anstatt gelb wie vorgesehen. Tigris seufzte. Irgendwann musste seine Glückssträhne ja enden. Dies war der erste Trank, den er seit Yule verpatzt hatte. Er räumte resigniert seinen Arbeitsplatz auf und brachte die Phiole mit der Probe zu Snape. Dieser sah sie sich genau an, roch daran und nickte dann.

„Sehr gut, Mister Malfoy. Ich denke, Sie brauchen nicht mehr wieder zu kommen."

Tigris sah ihn erschrocken an. „Sie werfen mich aus dem Kurs?"

Snape sah ihn überrascht an. „Was? Nein, natürlich nicht. Ich meine die Nachhilfestunden. Offensichtlich brauchen Sie sie nicht mehr."

Tigris begegnete seinem Blick verwirrt. „Warum, Sir? Ich meine, der Trank ist verdorben."

Snape lächelte beinahe. „Ich habe nie erwartet, dass Sie ihn korrekt brauen, Mister Malfoy. Es ist ein Trank, mit dem selbst Lehrlinge noch Schwierigkeiten haben. Ich muss sagen, ich bin überrascht, dass Sie überhaupt so weit gekommen sind. Es war voraussehend, Drachenknochenpulver bereitzustellen. Allein das beweist, dass Sie in meinem Kurs richtig sind."

„Danke, Sir.", sagte Tigris verblüfft.

Snape machte eine ungeduldige Handbewegung.

„Schon gut. Gehen Sie, ich muss mich leider noch den weniger begabten Individuen in diesem Raum widmen."

„Ja, Sir!" Tigris grinste, schnappte sich seine Tasche und verließ den Raum. Er war so glücklich, dass er den halben Weg zum Slytherin-Gemeinschaftsraum rannte. Erst, als er ihn erreicht hatte, fiel ihm ein, dass Draco höchstwahrscheinlich noch in seinem Heilkundekurs war. Er konnte sich jedoch nicht lange darüber ärgern. Stattdessen zog er Pansy, die gerade im Gemeinschaftsraum war, in eine Umarmung und schwenkte sie herum. Sie schrie überrascht auf und lachte.

„Tigris! Was ist los?"

„Ich bin endlich aus der Nachhilfe heraus!", verkündete Tigris, und küsste sie.

„Großartig!", sagte sie erfreut. „Ist das der Grund, warum du so beschäftigt warst? Weil du geübt hast?"

Tigris hielt inne. „Nicht direkt…"

Sie runzelte kurz die Stirn, aber schüttelte dann den Kopf. „Egal. Das muss gefeiert werden!" Sie beugte sich zu seinem Ohr. „Was hältst du davon, wenn ich Millicent heute zu den drei anderen hinüberschicke?"

Tigris grinste. „Ich denke, das ist eine hervorragende Idee."


Vielen Dank für eure Reviews an: Truemmerlotte, YanisTamiem, Sweetmaike, Minnilein, IAmFallen, eiskugel, Monja, Lady-Claw, Dax, Igonia

IAmFallen: Tatsächlich habe ich mich ein wenig an Märchen und Sagen bedient. Baba Yaga werden wahrscheinlich noch die meisten kennen, einen Keks für den, der herausfindet wer Lycerzepa und Corne Mlynk sind (beide Namen stammen aus der Originalsprache der Märchen). Ich bin den Märchen allerdings nicht sehr treu geblieben. Aber wer weiß? Es sind ja schließlich nur Märchen...

eiskugel: Teils, teils.

Igonia: Ja. Ha, jemand liest die Titel meiner Kapitel! Es heißt „Wer die Charybdis meiden möchte.", aus dem Sprichwort „Incidit in scyllam, qui vult vitare charybdim." „Es gerät in die Scylla, wer..." Ja, richtig.