Disclaimer: Es ist eine feindselige Welt... In der Harry Potter noch immer JKR gehört!
Schatten der Wahl
41. Bellum omnium in omnes
Die Wochen vor den Osterferien vergingen wie im Flug. Tigris verbrachte einen großen Teil seiner freien Zeit in Slytherins Kammer und las sich durch die Bücher. Er wollte die alten Bände nicht aus der Bibliothek entfernen, aus Sorge, dass sie in falsche Hände gerieten. Aus diesem Grund hatte Tigris auch das Tränkebuch in Slytherins Bibliothek gebracht. Draco hatte es durch Zufall geöffnet und ihn gefragt, in welcher Sprache es geschrieben sei. Erst das hatte Tigris darauf gebracht, dass es in Parsel geschrieben war. Draco hatte das nicht erkannt, aber es war besser, kein Risiko einzugehen.
Die Bücher waren teilweise sehr alt und umständlich geschrieben, und es kostete Mühe, sich durch sie hindurch zu arbeiten. Tigris hatte sich etliche Notizen gemacht und sie zu Hilfe genommen, die Gegenstände in der Lagerkammer zu sortieren. Die Tränkezutaten waren noch das einfachste. Etliche von ihnen waren selten oder sogar einzigartig, da sie von ausgestorbenen Lebewesen stammten. Der Zauber, der auf den Räumen lag, hatte sie in hervorragendem Zustand erhalten. Die magischen Artefakte in dem Raum waren ähnlich wertvoll. Tigris hatte ein Denkarium gefunden und etwas, das sich Merlins Spiegel nannte – es galt als Mythos. Die meisten Artefakte waren ihm unbekannt, und ohne die Bücher hätte er niemals herausgefunden, wofür sie nützlich waren. Einige von ihnen waren alles andere als ungefährlich, und Tigris hütete sich, etwas anzufassen, bevor er wusste, worum es sich handelte.
Er hatte auch begonnen, Sarins Gift zu sammeln, nur für den Fall, dass es sich für einen Trank als nützlich erweisen würde. Tigris musste sie dafür zurückverwandeln, aber in der Kammer war das ja kein Problem. Er versuchte, genug Zeit in Slytherin zu verbringen, damit seine Abwesenheit nicht auffiel.
Draco war erstaunlich leicht zufrieden, er hatte ein neues Interesse an Verwandlungen entwickelt und war die meiste Zeit mit Blaise in ein Buch vertieft. Außerdem war er bis Ende Januar mit der Vorbereitung für das Spiel gegen Ravenclaw beschäftigt gewesen. Theodore hatte eine neue Strategie entwickelt, nachdem Cho offensichtlich hinter ihre alte gekommen war. Er hatte sich mit Richard abgesprochen, der den Spielern die richtigen Zeichen gab, während Theodores nur dazu dienten, die Ravenclaws zu irritieren. Trotzdem war es ihnen nicht gelungen, einen so großen Punktevorsprung zu gewinnen wie bei Hufflepuff. Draco hatte Aquila schon früh das Zeichen gegeben, ernsthaft nach dem Schnatz zu suchen und Slytherin hatte nach etwas über einer halben Stunde mit 210 : 50 gewonnen.
Tigris nahm sich die Zeit, den Jüngeren Nachhilfe zu geben. Sie verließen sich inzwischen darauf, dass er da war, wenn sie ihn brauchten, auch wenn sie niemals von ihm verlangten, ihnen zu helfen, wenn er etwas zu tun hatte. Es amüsierte Tigris ein wenig, wie zögerlich sie um Hilfe baten, und er betrachtete es als einen persönlichen Erfolg, dass sie es überhaupt taten. Er hatte auch versucht, die Dritt- und Viertklässler, die er bereits besser kannte, dazu zu bewegen, den Jüngeren ihre Hilfe anzubieten. Tigris war ziemlich stolz, als er bemerkte, dass sie seinen Rat tatsächlich ernst nahmen. Sie nörgelten zwar darüber, dass die Mätzchen der ‚Kleinen' ihnen auf die Nerven gingen, aber man konnte sehen, dass sie sich freuten, wenn ihre Bemühungen Erfolg hatten. Tigris hoffte, es würde sie dazu bringen, zu verstehen, dass er wirklich nichts für seine Hilfe wollte. Es war noch ein langer Weg, aber er war zuversichtlich, dass er Fortschritte machte.
Die einzige, die eine Zeit lang unzufrieden war, war Pansy. Tigris verbrachte so viel Zeit mit ihr wie er konnte, aber die Geheimnisse der Kammer waren ihm wichtiger. Er war ihr bereits aus dem Weg gegangen, aus Angst, dass sie wieder an ihm herummeckerte. Wenn er gewusst hätte, dass eine Freundin so viel Mühe machte... Zum Glück akzeptierte sie irgendwann, dass Tigris nicht mehr so viel Zeit für sie hatte, wie zu Beginn ihrer Beziehung. Es machte den Umgang mit ihr sehr viel einfacher.
Obwohl Tigris sich nicht mehr so viel im Gemeinschaftsraum aufhielt, fiel ihm auf, dass es häufiger Streitigkeiten mit den anderen Häusern gab. Besonders die jüngeren Jahrgänge schimpften über die DA, deren Mitglieder immer wieder Auseinandersetzungen begannen. Draco hatte mit Professor Snape darüber geredet, aber wie er es vorhergesehen hatte, hatte es nichts gebracht. Schließlich ging der März dem Ende zu und Tigris hatte sich durch einen Großteil von Slytherins Nachlass durchgearbeitet. Was noch übrig war, war entweder zu kompliziert, um es in kurzer Zeit herauszufinden, oder interessierte Tigris nicht wirklich, wie die Bücher über Arithmantik.
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„Es ist einfach unfair!", sagte Charles Moulsecombe. Er war einer der Viertklässler, denen Tigris bei den Hausaufgaben half.
„Nun, wir haben gegen die Schulregeln verstoßen…", wandte David Larkey zaghaft ein. Er gehörte zu Charles Freunden und war der ruhigste und nachdenklichste der Gruppe.
„Vielleicht.", entgegnete Charles ärgerlich. „Aber wegen uns ist niemand im Krankenflügel. Wenn wir Gryffindors wären, hätte sie uns keine Strafarbeit gegeben."
„Darf ich fragen, worum es geht?", fragte Tigris neugierig. Er war eigentlich nur durch Zufall in ihre Nähe gekommen.
„Ach, nur diese Schnepfe McGonagall.", sagte Charles ärgerlich. „Du kennst doch Lionel Thompson?"
Tigris nickte. Thompson war ein Gryffindor, mit dem Charles aus unerfindlichen Gründen immer wieder aneinander geriet.
„Thompson, seine Freundin und ein paar Hufflepuffs haben sich mit uns angelegt. Ich provoziere ihn ja schon mal, aber diesmal hat wirklich er angefangen. Vielleicht wollte er seine Gans von Freundin beeindrucken, keine Ahnung. Jedenfalls konnte ich kaum so schnell meinen Stab heben, wie er begann, mich zu verhexen. Zum Glück bin ich ganz gut in Verteidigung und habe mich an den Protego erinnert, den Hatkee uns vor kurzem beigebracht hat. Sidney hatte leider Pech und liegt im Krankenflügel. McGonagall tauchte auf. Du kannst dir ja denken, was passiert ist. Sie hat allen, die einen Stab in der Hand hatten, eine Strafarbeit gegeben und von jedem zehn Punkte abgezogen, Sidney eingeschlossen. Es ist nicht fair! Was hätte ich wohl machen sollen, zulassen, dass er mich verhext?"
„Du warst drauf und dran, zurückzuhexen.", wandte David ein.
„Und zurecht!", schimpfte Charles. „Auf welcher Seite bist du eigentlich?"
„Es tut mir leid.", murmelte David. „Ich wollte nur sagen, wie es für Professor McGonagall ausgesehen hat."
„Ja.", meinte Tigris nachdenklich. „Aber Charles hat Recht, sie hätte sich zumindest beide Seiten anhören müssen."
„Sie hat mir überhaupt nicht zugehört!", stimmte Charles zornig zu. „Dabei war es offensichtlich, wer angefangen hat. Das war wieder einmal typisch McGonagall."
„Sie ist doch meistens fair, oder?", meinte Tigris.
„Fair!", schnaubte Charles. „Nicht wenn es um Gryffindors und Slytherins geht. Dann hält sie treu zu ihren Kätzchen."
Tigris nickte zögernd. „Das Problem ist die Verteidigungs- Vereinigung. Dumbledore hätte niemals zulassen dürfen, dass Weasley sie leitet. Seitdem kommen sich die Gryffindors unbesiegbar vor."
„Ja, und sie kommen mit allem davon, was sie tun. Wenn wir uns so verhalten würden, wären wir längst geflogen. Aber nein, es sind ja Gryffindors…"
„Hat dein Bruder nicht mit Professor Snape darüber gesprochen?", fragte David.
Tigris seufzte. „Ja, aber Dumbledore hält den Klub für wertvoll." Er verzog das Gesicht. „Wenn er wenigstens jemand anderem die Leitung übertragen würde. Aber nein, Weasley ist ja angeblich das Beste, was Hogwarts zu bieten hat."
Charles lachte auf. „Das kommt doch nur daher, dass er der beste Freund des Jungen-der-lebt war. Wahrscheinlich kann Old Al ihm keinen Wunsch abschlagen, wenn er ihn mit Dackelblick ansieht."
„Old Al?", fragte Tigris lachend. „Lass das ja keinen der Lehrer hören. Aber du hast wahrscheinlich Recht. Ich hörte, dass allein das der Grund ist, dass Weasley Tränkenachhilfe bekommt. Professor Snape wollte ihn niemals in seinen Kurs aufnehmen."
„Ich hoffe, er macht ihm die Nachhilfe so unangenehm und nutzlos, wie er nur kann.", meinte Charles böse. „Wenn Weasleys Kessel eines Tages mit ihm in die Luft fliegt, sind wir einige unserer Probleme los."
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Am nächsten Morgen beim Frühstück flog eine majestätische Waldohreule herein, die Tigris sofort als eine Eule des Ministeriums erkannte. Er verfolgte sie mit seinem Blick und sah, wie sie vor Seamus Finnigan landete. Seamus wirkte überrascht, als er die Schriftrolle von der Eule in Empfang nahm. Die Eule hielt sich nicht lange an seinem Tisch auf. Sobald Seamus ihr ihre Post abgenommen hatte, flog sie wieder davon.
„Seht euch das an!", sagte Draco neben ihm, der gerade den Daily Prophet aufgeschlagen hatte. Tigris achtete nicht auf ihn, er fand die Vorgänge am Gryffindortisch interessanter. Seamus hatte das Siegel der Nachricht gebrochen und sein Gesichtsausdruck wandelte sich von Neugier zu Schock. Einen Augenblick später sprang er auf. Sein Stuhl fiel mit einem lauten Klappern zu Boden.
„Nein! Das ist nicht wahr!"
Etliche Schüler an den anderen Tischen drehten sich herum. Tigris sah, wie Ron versuchte, Seamus wieder auf seinen Platz zu ziehen, aber Seamus schüttelte ihn ärgerlich ab.
„Ich glaube das nicht! Es ist nicht wahr!"
Ron hatte einen Blick auf den Brief geworfen, und wechselte nun ein paar Worte mit Dean. Die beiden standen auf und redeten auf Seamus ein. Schließlich gab er offensichtlich nach, denn er ließ sich von den beiden hinausbegleiten. Aufgeregtes Murmeln ertönte in der Halle. Tigris drehte sich zu Draco um, und legte ihm die Hand auf den Arm, als er den dreien etwas nachrufen wollte. Draco sah ihn an und nickte schließlich kaum merklich. Dann hielt er ihm seine Zeitung hin.
„Da, es ist bereits auf der Titelseite."
Tigris überflog den Artikel und seufzte. Wie er bereits vermutet hatte, war es ein Todesserüberfall gewesen. Laut dem Artikel hatte niemand aus Seamus' Familie überlebt.
„Unglaublich, dass das Ministerium es nicht schafft, schneller zu sein, als der Daily Prophet.", meinte Blaise. „Es war höchste Zeit, dass Fudge zurückgetreten ist."
„Er ist zurückgetreten?", fragte Draco neugierig.
„Ja, es ist auf Seite drei. Madame Bones wurde bereits als provisorische Ministerin bestätigt. Sie wissen noch nicht, wann es Neuwahlen gibt."
„Höchste Zeit.", meinte Theodore.
Draco grinste flüchtig. „Das ist ein Schlag für Dumbledore. Mrs. Finnigan hat ihm nach Potters Tod eine Menge Sympathien eingebracht."
„Wie das?", fragte Tigris verwirrt.
„Hast du das nicht mitbekommen?", fragte Blaise erstaunt. „Die Finnigans waren auch auf Potters Beisetzung, und Mrs. Finnigan gehörte zu denen, die vom Prophet interviewt wurden. Sie sagte, dass sie lange Zeit an Dumbledore gezweifelt habe, aber die Ereignisse sie überzeugt hätten, dass er die einzige Hoffnung der Zaubererwelt sei. Nach ihr gab es viele, die ähnliche Erklärungen abgaben. Es brachte etliche dazu, für Dumbledore zu plädieren, die zuvor geteilter Meinung waren."
„Sie war etwas wie eine Leitfigur. Eine selbstständige Hexe, mit einem Muggel als Ehemann und einem magiebegabten Kind in Hogwarts."
„Kein Wunder, dass sie ein Ziel war.", sagte Tigris trocken. „Man wundert sich, warum Dumbledore nicht mehr getan hat, um sie zu schützen."
„Ja, nicht wahr?", meinte Theodore ironisch. „Das würde doch einmal eine gute Titelgeschichte für den Prophet abgeben."
„Nicht mit Bones als Ministerin.", sagte Blaise. „Bones ist ganz klar für Dumbledore, und der Prophet richtet sich noch immer nach dem Ministerium."
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„Ich bleibe über die Osterferien hier."
Hermione sah Ginny erstaunt an. „Warum? Ron fährt nach Hause."
Ginny zuckte mit den Schultern und beugte sich über ihr Buch. „Es ist ein wenig kompliziert. Aber ich muss ohnehin für die OWLs lernen. Ich will die Ruhe in den Ferien nutzen."
„Ein guter Vorsatz.", nickte Hermione. „Was ist mit Dean? Bleibt er auch hier?"
Ginny seufzte. „Nein. Ich habe mit ihm Schluss gemacht."
„Was?", rief Hermione überrascht. „Warum?"
Ginny zuckte mit den Schultern, aber ihre Augen verengten sich etwas. „Wir passen einfach nicht zusammen. Er hat seine Vorstellungen vom Leben, ich habe meine. Es war besser so."
Hermione nickte nachdenklich. Ginny war in den letzten Monaten erstaunlich reif geworden. Sie drehte sich um, als das Porträt aufschwang, und Ron, Dean und Seamus hereinkamen.
„Eine furchtbare Sache, das mit Seamus, nicht wahr?", sagte sie leise.
Ginnys Gesicht wurde zu ihrer Überraschung angespannt, und sie presste die Lippen zusammen.
„Ja. Ein herbeigezogener Grund mehr für ihren lächerlichen Kleinkrieg."
Die Gehässigkeit in Ginnys Stimme erstaunte Hermione. Sie wurde abgelenkt, als die drei Jungen miteinander tuschelten. Stirnrunzelnd sah sie ihnen zu, aber dann schüttelte sie energisch den Kopf. Dean und Ron versuchten nur, Seamus auf andere Gedanken zu bringen. Ron versuchte immer, den anderen zu helfen, das war eine seine großen Stärken. Hermione lächelte flüchtig. Sie stritt sich oft mit Ron, in letzter Zeit hauptsächlich über die DA. Scheinbar konnten sie sich nie einigen, wie sie unterrichten sollten. Sie war einige Male kurz davor gewesen, sich von ihm zu trennen, aber Geschehnisse wie dieses erinnerten sie immer wieder daran, was sie an Ron mochte. Ginny war ihrem Blick gefolgt und verzog abschätzig das Gesicht.
„Ich sage dir, sie sind Affen, Hermione. Große, dumme Affen, die sich auf den Brustkorb trommeln, um allen zu beweisen, wie toll sie sind."
„Geht es um Dean?", fragte Hermione vorsichtig. Sie wusste nicht, was zwischen Ginny und Dean vorgefallen war, aber es schien Ginny sehr aufgebracht zu haben.
Ginny schnaubte. „Nein. Kerle im Allgemeinen."
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Draco kam von Arithmantik und hatte die anderen Slytherin zurückgelassen, um in Ruhe nachdenken zu können. Seit Wochen ging ihm sein Gespräch mit Firenze nach den Winterferien nicht aus dem Kopf. Er hatte sich gewundert, dass Tigris ihn nicht gefragt hatte, warum er sich plötzlich so viel mit Verwandlungen beschäftigte, aber Tigris schien seine eigenen Probleme zu haben. Er hatte nicht einmal gemerkt, was mit Pansy vorging. Draco hatte keine Beweise, aber er kannte Pansy. Nun, darauf würde sein Bruder früher oder später selber kommen.
Draco blieb stehen, als Weasley vor ihm in den Korridor trat, von Finnigan und Thomas gefolgt. Weasley faltete ein leeres Pergament und steckte es ein, Draco dabei seltsam anlächelnd. Draco musste sich zwingen, keinen Schritt zurück zu gehen. Sein Instinkt riet ihm, sich umzudrehen und zu rennen.
„Frettchen!", sagte Weasley erstaunlich fröhlich. „Was für ein Zufall! Wir wollen uns mit dir unterhalten."
„Ich habe keine Lust, mich mit Abschaum wie dir zu unterhalten, Wiesel.", gab Draco zurück, und versuchte, mit ein paar schnellen Schritten an den dreien vorbei zu kommen.
„Nicht so unhöflich, Frettchen!" Weasley grinste und schloss zu Draco auf. „Du läufst doch nicht etwa vor uns davon?"
„Natürlich nicht!", sagte Draco, aber beschleunigte trotzdem seinen Schritt. Sie waren nicht mehr weit von den Kerkern entfernt, wo sie auf andere Slytherin treffen würden. Draco war nicht schnell genug, als Weasley seinen Stab auf ihn richtete.
„Expelliarmus." Dracos Stab, den er unbewusst umklammert hatte, flog in Weasleys Hand.
„Weißt du was?", meinte der Rotschopf hämisch. „Ich denke, das tust du doch."
„Wirklich nicht nett von dir.", sagte Thomas. „Wo Ron dir doch gerade mitgeteilt hat, dass wir uns mit dir unterhalten wollen." Er hatte nun auch seinen Stab auf Draco gerichtet.
„Wagt es nicht, mich anzurühren.", fauchte Draco, unfähig, die Furcht aus seiner Stimme herauszuhalten. „Mein Vater wird dafür sorgen, dass ihr alle fliegt."
„Dieser Todesser, den du als Vater bezeichnest, ist nichts gegen Direktor Dumbledore.", sagte Weasley verächtlich. „Dumbledore würde uns nie wegen einer Schlange wie dir der Schule verweisen."
„Ihr werdet es bereuen!", rief Draco, sich nach Hilfe umsehend. Niemand war zu sehen, und er erkannte mit Entsetzen, dass sie in einem Teil von Hogwarts waren, in den selten jemand kam. Er war einen Umweg gegangen, um allein zu sein. Nun bereute er das zutiefst.
Die drei Gryffindors drängten ihn in einen Seitengang. „Falsch, Malfoy.", sagte Finnigan bösartig. „Du wirst es bereuen, wenn du dich weigerst, mit uns zu reden."
„Was wollt ihr überhaupt?", fragte Draco, vor ihnen zurückweichend. Er wusste, dass er ohne Stab keine Chance gegen die drei hatte und hoffte lediglich, dass jemand zufällig an ihnen vorbei kam.
„Du könntest damit anfangen, uns zu sagen, was du über den Überfall auf die Finnigans weißt.", sagte Weasley kalt.
„Was?", entfuhr es Draco. „Ich weiß nicht mehr, als im Daily Prophet stand!"
„Wer's glaubt wird selig.", spottete Thomas.
„Vielleicht braucht er einen kleinen Anreiz, um es sich noch mal zu überlegen.", meinte Weasley grinsend. „Ich habe diesen Spruch nur für dich gelernt, Frettchen. Mutabor!"
Plötzlich fühlte Draco, wie er schrumpfte. Er wich panisch zurück und fühlte plötzlich das unangenehm vertraute Gefühl, sich auf vier Beinen fortzubewegen. Er schrie entsetzt auf, aber es kam nur als Quieken aus seinem Mund. Ein sehr großer Ron Weasley grinste auf ihn hinunter. „Flieg, Frettchen."
Draco wurde nach oben gerissen, dann fiel er nach unten und prallte mit Wucht auf den Boden. Einen Moment später war er wieder in der Luft und wurde gegen die Wand geschleudert.
Einiges später kam er atemlos in seinem eigenen Körper wieder zu sich. Es gab keinen Teil seines Körpers, der nicht wehtat.
„Wie ist es, hast du über unsere Frage nachgedacht, Frettchen?", fragte Weasley spöttisch.
„Ich weiß nichts darüber.", spie Draco. „Aber ich denke, dass diese verkommene Hexe und ihr Muggelehemann es verdient haben. Ich hoffe, eure restlichen Familien sind die nächsten!"
„Mutabor!", rief Weasley wutentbrannt. Eine Sekunde später wurde Draco erneut gegen die Wand geschleudert, diesmal dank Finnigan.
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Tigris sah auf und runzelte die Stirn. Er hatte ein ungutes Gefühl, was sich mehr und mehr verdichtete.
„Was ist los?", fragte Sidney.
Tigris schüttelte den Kopf. „Wartet einen Moment."
Er ging zu Theodore und Blaise hinüber, die an einem anderen Tisch im Gemeinschaftsraum Schach spielten. „Wo ist Draco? War er nicht mit euch in Arithmantik?"
„Ja, aber er ist nicht mit uns mitgekommen. Wahrscheinlich ist er in der Bibliothek.", erwiderte Theodore. „Warum?"
Das Gefühl das Tigris spürte, gewann schlagartig Substanz. „Etwas stimmt nicht mit ihm."
Er wandte sich ab und rannte aus dem Gemeinschaftraum, seinen Instinkt folgend. Blaise sprang auf und rannte ihm nach. „Warte, Tigris! Was meinst du damit, etwas stimmt nicht mit ihm!"
„Ich habe keine Zeit, es zu erklären.", rief Tigris, ohne langsamer zu werden. „Wir müssen ihn finden!"
Blaise hastete ihm nach. Aus einem unbekannten Grund wusste Tigris, wo er suchen musste. Er stellte es nicht in Frage, er hatte in den letzten Wochen gelernt, seinen instinktiven Eingebungen zu vertrauen. Sie rannten die Treppen hinauf und bogen in einen der Seitenkorridore ab, als er plötzlich ungewollt langsamer wurde.
„Mister Malfoy, Miss Zabini! Rennen in den Korridoren ist verboten! Fünf Punkte Abzug von Slytherin für jeden von ihnen!", rief eine strenge Stimme.
Tigris beendete den Zauber, der ihn verlangsamt hatte, ärgerlich. „Es ist ein Notfall, Professor! Ich habe nicht die Zeit dafür!"
Er rannte weiter. Kurz darauf holte ihn eine Tabbykatze ein, von Blaise gefolgt. Tigris nahm zwei weitere Abbiegungen und sah sich plötzlich drei Gryffindors gegenüber, zwischen denen sich ein arg mitgenommenes Frettchen befand.
„Weasley!", rief Tigris zornig.
Ron fuhr zu ihm herum und ballte die Fäuste. „Du! Eine Schande, dass du immer von deinen Verehrern begleitet wirst!"
Die Tabby verwandelte sich in Professor McGonagall, die schockiert auf das Frettchen starrte. „Mister Weasley, was haben sie mit dem armen Tier gemacht?"
„Das ist kein Tier!", schrie Tigris wütend, einen Schritt auf Ron zutretend. „Verwandle ihn zurück!"
Ron öffnete den Mund, aber warf dann einen Blick auf Professor McGonagall und deutete ärgerlich mit seinem Stab auf das Frettchen. „Finite!"
Eine Sekunde später lag Draco da, wo sich kurz zuvor noch das Frettchen befunden hatte. Blaise stieß einen wütenden Schrei aus und deutete mit ihrem Stab auf Dean, der ihr am nächsten war. Tigris dachte nicht einmal an Zauberei. Er ballte einfach die Faust und schlug Ron mit aller Kraft ins Gesicht.
„Du kranker, tollwütiger Irrer! Du solltest dich in St. Mungos einweisen lassen!"
„Mister Malfoy!", sagte McGonagall. „Mäßigen Sie sich. Stecken Sie Ihren Stab weg, Miss Zabini, oder ich sehe mich gezwungen, Punkte abzuziehen."
Blaise gehorchte widerwillig. Tigris beugte sich zu Draco hinunter. Sein Bruder hatte eine Reihe Prellungen und Schnitte und war nicht bei Bewusstsein. Als Tigris sich neben ihm hinkniete, sah er einen gefalteten Bogen Pergament, der Ron offenbar aus der Tasche gefallen war, als Tigris ihn niedergeschlagen hatte. Tigris erkannte ihn sofort als die Karte der Marauder. Während die Aufmerksamkeit der Gryffindors auf McGonagall gerichtet war, steckte er ihn unauffällig in Dracos Tasche, die neben ihm auf dem Boden lag.
„Bitte bringen sie Ihren Adoptivbruder zum Krankenflügel, Mister Malfoy.", sagte McGonagall ernst. „Ich begleite Mister Weasley, Mister Finnigan und Mister Thomas zum Schulleiter."
„Ja, Professor.", sagte Tigris, noch immer ärgerlich. Er hob Draco mit einem Mobilicorpus. Blaise nahm Dracos Tasche und begleitete ihn. Im Krankenflügel scheuchte Madame Pomfrey sie sofort hinaus, nachdem Tigris Draco auf eins der Betten gelegt hatte. Tigris nahm Blaise Dracos Tasche ab und stürmte noch immer kochend nach Slytherin zurück.
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„Was ist passiert?", fragte Theodore, sobald er und Blaise eintraten.
„Später!", fauchte Tigris, und ging ohne ein weiteres Wort in Richtung der Jungenschlafräume, die Tür hinter sich zuschlagend. Als er in ihrem Zimmer allein war, ließ er seiner Wut freien Lauf und trat erst den Stuhl, dann den Tisch um. Er fuhr fort, die Einrichtung zu demolieren, bis er erschöpft war. Als Tigris sich abreagiert hatte, sah er auf ein Bild der Verheerung, aber zumindest fühlte er sich besser. Er verbrachte die nächste Stunde damit, den Schaden zu reparieren, den er angerichtet hatte. Danach war er um einiges ruhiger. Er murmelte einen weiteren Zauber, holte ein gefaltetes Blatt Pergament aus Dracos Tasche, und setzte es mit einem Incendio in Flammen. Zufrieden sah er zu, wie es verbrannte, blaue und grüne Funken versprühend.
Wenig später klopfte es an der Tür und Professor Snape sah herein. „Mister Malfoy, der Schulleiter will Sie sehen."
„Fein.", sagte Tigris brüsk, aufstehend. „Wie geht es Draco?"
Snape warf ihm einen mitfühlenden Blick zu. „Er ist noch immer bewusstlos."
Tigris presste die Lippen zusammen und folgte Snape ärgerlich. Er hörte, wie die Slytherin tuschelten, als er den Gemeinschaftsraum durchquerte. Offenbar hatte Blaise ihnen inzwischen gesagt, was geschehen war. Snape begleitete ihn bis zum Eingang zu Dumbledores Büro, aber blieb zurück, als Tigris die Treppe hinauf ging.
„Mister Malfoy.", begrüßte ihn Dumbledore, mit seinem verdammten Zwinkern in den Augen.
„Schulleiter.", entgegnete Tigris kühl. „Ich hoffe, Sie haben mich gerufen, um mir zu sagen, dass diejenigen, die für diesen Vorfall verantwortlich sind, der Schule verwiesen werden."
Dumbledores Zwinkern verringerte sich etwas.
„Sicher kannst du dir nicht wünschen, dass Ron der Schule verwiesen wird. Mir ist bewusst, dass du in letzter Zeit nicht gut mit ihm zurecht gekommen bist, aber nach allem, was ihr gemeinsam erlebt habt..."
„Seien Sie versichert, dass ich mir sehr wohl wünsche, dass MISTER WEASLEY, der dafür verantwortlich ist, dass mein Bruder bewusstlos im Krankenflügel liegt, seine gerechte Strafe erhält!", sagte Tigris eisig, und zog seinen Stab. „Dissimula ex toto!"
Dumbledore sah ihn ernst an. „Ich habe mit den drei Verantwortlichen gesprochen, und ich bin mir der Schwere der Situation wohl bewusst. Aber ich kann nicht die Umstände außer Acht lassen. Seamus' Eltern sind vor kurzem getötet worden, und das veranlasste ihn und seine Freunde irrational zu handeln. Das entschuldigt nicht, was sie getan haben, aber es macht es verständlicher. Zudem war dein Bruder an der Sache nicht ganz unbeteiligt. Wie ich es verstanden habe, sagte er einige recht provozierende Dinge..."
„Oh, ich bin sicher, das rechtfertigt alles!", rief Tigris höhnisch. „Geben Sie ihnen einen Klaps und sagen sie ihnen, dass sie es nicht wieder tun sollen! Ich bin sicher, sie weinen sich bereits die Augen aus!"
„Sie alle haben Strafarbeiten bis zum Ende des Jahres und jeder fünfzig Punkte verloren. Ich denke, das ist Strafe genug. Ich verstehe jedoch, warum du voreingenommen bist. Es tut mir leid wegen Draco."
„Es tut Ihnen leid?", spie Tigris. „Ich bin nicht derjenige von uns, dessen Urteilsvermögen von Vorurteilen beeinträchtigt wird, Direktor! Erzählen Sie mir nicht, dass die drei nicht bereits packen würden, wenn Draco ein Gryffindor wäre und sie Slytherin! Als Potters Bande versucht hat, Professor Snape umzubringen, haben sie ihm da auch gesagt, dass er sie nicht hätte provozieren sollen? Wahrscheinlich. Ihre kostbaren Löwen haben niemals unehrenhafte Motive, wenn sie etwas tun. Das ist allein unser Monopol, richtig?"
Dumbledores Zwinkern war erloschen. „Ich verstehe, warum du ärgerlich bist, Harry. Ich schlage vor, du denkst noch einmal über deine Worte nach, wenn du dich etwas beruhigt hast."
„Mein Name ist Tigris!", zischte Tigris wütend. „Sicher kann es nicht so schwer für Sie sein, sich einen Namen zu merken, oder?"
„Wie auch immer, Mister Malfoy.", sagte Dumbledore, tief durchatmend. „Das ist nicht der Grund, warum ich Sie hergerufen habe."
Tigris verzog das Gesicht, aber setzte sich in den Stuhl vor dem Tisch. „Wieder formell, Professor?"
„Es gibt Zeiten, zu denen selbst ich müde bin.", erwiderte Dumbledore mit einem angespannten Unterton in der Stimme. „Um genau zu sein, hat all dies nicht das Geringste mit dem zu tun, weswegen ich Sie hergerufen habe."
Tigris verschränkte die Arme. „So?"
Dumbledore seufzte und legte eine Plakette vor ihm auf dem Tisch. „Ich wollte Ihnen mitteilen, dass Sie der neue Vertrauensschüler im sechsten Jahrgang sind."
Tigris starrte auf das Abzeichen, mühsam die in ihm brodelnde Wut im Zaum haltend. „Was ist mit Draco?"
„Er ist im Moment kaum in der Lage, seine Pflicht zu erfüllen."
Tigris sprang zornig auf. „Das ist Ihre Gerechtigkeit? Mein Bruder wird angegriffen, und Sie entziehen ihm den Rang eines Vertrauensschülers? Äußerst gerecht, wirklich!"
„Die kürzlichen Vorfälle haben nichts damit zu tun. Ich habe diese Entscheidung schon seit Längerem mit dem Kollegium diskutiert. Es gibt viele gute Gründe dafür. Mister Malfoys gegenwärtiger Zustand war nur der letzte Anlass."
„Tatsächlich? Und was sagt Professor Snape dazu?"
„Er ist nicht sehr glücklich damit, aber er akzeptiert meine Entscheidung."
„Es würde Ihnen gut tun, wenn Sie hin und wieder auf das hören würden, was Ihr Hausvorstand Ihnen rät, wenn es um sein Haus geht!", fauchte Tigris bissig. „Er hat Ihnen gesagt, dass die Verteidigungs-Vereinigung Probleme macht, aber Sie haben ja nicht darauf gehört! Nun sieht man, wohin das geführt hat!"
„Es stand allen Schülern jederzeit offen, dem Klub beizutreten.", sagte Dumbledore ruhig. „Es ist nicht das Problem der Vereinigung, wenn niemand aus Slytherin dieses Angebot annimmt."
Tigris schnaubte. „Bitte, Direktor! Ich bin kein Idiot."
„Wenn Sie nicht bereit sind, die Pflichten eines Vertrauensschülers zu übernehmen, bin ich sicher, ich kann jemand anderes finden, der dafür geeignet ist.", sagte Dumbledore, ihn über seine halbmondförmigen Brillengläser hinweg ansehend.
„Nein.", sagte Tigris kalt. „Ich nehme die Plakette, aber nur, damit Sie nicht den Nächstbesten, leicht zu manipulierenden Idioten benennen." Er befestigte die Plakette an seiner Robe. „Ist das alles?"
„Nur noch eine Sache... Mister Weasley scheint der Ansicht zu sein, dass sie ein Besitztum von ihm an sich genommen haben... Sie wissen nicht vielleicht etwas darüber?"
„Falls er die Karte der Marauder meinen sollte, er hat es nicht verdient sie zu besitzen. Ich werde sie ihm bei Mordraud nicht zurückgeben, damit er weitere meiner Hausgenossen anfallen kann."
„Was immer er damit angefangen haben mag, sie ist Mister Weasleys Eigentum. Ich muss darauf bestehen, dass Sie sie zumindest mir zur Aufbewahrung aushändigen."
Tigris lachte bissig. „Tut mir sehr leid, Professor, aber dafür ist es zu spät. Ich fürchte, seine kostbare Karte hatte einen unglücklichen Zusammenstoß mit dem Feuer. Falls Sie mich dafür bestrafen wollen... Alles, was ich aufgehoben habe war ein leeres Blatt Papier, von dem ich annahm, dass es aus Dracos Tasche gefallen war. Ich kann wirklich nichts dafür, dass jemand es in den Kamin geworfen hat. Wenn Sie mir etwas anderes beweisen wollen... ich bin gespannt. Besonders auf Weasleys Erklärung, warum er die Karte überhaupt bei sich hatte. Schließlich ist er nur rein ZUFÄLLIG auf meinen Bruder getroffen, nicht wahr? Kann ich jetzt gehen?"
Dumbledore seufzte. „Ja. Sie können gehen. Ich wünsche Ihrem Bruder gute Besserung."
Tigris ging zur Tür und zog sie auf, aber verharrte auf halbem Wege hinaus. „Mein Vater wird davon erfahren.", sagte er eisig. „Ich hoffe, dass er den Schulrat davon überzeugt, die drei der Schule zu verweisen. Ich hoffe außerdem, dass SIE ihnen nachfolgen. Guten Tag, Direktor." Er schlug die Tür mit einem Knall hinter sich ins Schloss.
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Hermione wartete im Gemeinschaftsraum, bis Ron schließlich auftauchte, und trat ihm in den Weg, bevor er ihr wieder entwischen konnte.
„Ronald Weasley!", sagte sie in der kühlsten Stimme, die sie fertig brachte. „Ist es wahr, was ich höre?"
Ron zuckte sichtlich zusammen. Etliche Anwesende im Gemeinschaftsraum drehten sich zu ihnen um, einige grinsend. Offenbar erwarteten sie ein amüsantes Schauspiel. Hermione war zu wütend, um sich darum zu kümmern.
„Ist was wahr, Hermione, Liebes?", fragte Ron in einem etwas nervösen Tonfall.
„Dass du, Seamus und Dean Draco Malfoy in ein Frettchen verwandelt und gefoltert habt!", schrie sie außer sich. „Gibt es sonst noch etwas, von dem ich wissen sollte, Ronald? Hast du es zu einem Hobby gemacht, andere Mitschüler zu misshandeln?"
„Wirklich, Hermione, du übertreibst da ein wenig.", sagte Ron, beschwichtigend die Hände hebend. Auf seinen Wangen malten sich rote Flecken ab. „Wir haben ihn nur ein wenig aufgemischt. Das Frettchen macht es dramatischer, als es ist, wie immer."
„Oh, dann habt ihr nicht gegen die Schulregeln verstoßen und ihn in ein Frettchen verwandelt?"
„Nun ja..."
„Ihr habt ihn wohl auch nicht bewusstlos geprügelt und gehext? Ich vermute, Professor McGonagall hat es sich eingebildet und Madame Pomfrey ist eine Lügnerin?"
„Das war nicht was ich meinte, Herm..."
„Komm mir nicht mit Herm, Ronald! Ich hätte nie gedacht, dass du zu etwas so Niederträchtigen, Widerlichen, Verabscheuungswürdigen fähig wärst! Ich bin angeekelt von dir!"
„Also ehrlich, Hermione!", sagte Ron, langsam ärgerlich werdend. „Es ist Malfoy, über den wir hier reden! Der rassistische Widerling und Möchte-gern-Todesser, den wir alle hassen."
„Es ist mir egal, wer er ist!", zischte Hermione. „Jeder, der so etwas einem anderen Menschen antut, widert mich an. Es ist aus zwischen uns, Ronald! Geh mir in Zukunft aus dem Weg!"
„Du machst Schluss mit mir?", fauchte Ron wütend. „Wegen Malfoy? Ich vermute, der Eid, den wir für Harry geleistet haben, bedeutet dir überhaupt nichts mehr, nicht wahr!"
„Wage es nicht, Harry hier mit hinein zu bringen!", rief sie außer sich. „Harry hat nichts damit zu tun. Er wäre enttäuscht von dir, zutiefst enttäuscht!"
„Er wäre stolz auf mich!", schrie Ron zurück. „Du hast ihn nie wirklich verstanden! Du, mit deiner Nase ständig in den Büchern! Wann hast du jemals eine vernünftige Unterhaltung mit Harry geführt?"
„Ich kannte ihn besser, als du es jemals wirst!", schrie Hermione, ihre Stimme immer schriller werdend. „Du hast ihn immer zu etwas gemacht, dass er nicht war!"
„Weißt du was?", zischte Ron. „Geh nur! Ich bin froh, dass ich dich besserwisserische Ziege los bin!"
„Fein!", rief sie, sich von ihm abwendend, um zu den Mädchenschlafräumen zu laufen.
„Fein!", rief er ihr nach.
Hermione schlug die Tür hinter sich zu und schluchzte.
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Tigris stürmte nach Slytherin zurück. Die Schüler, die ihm in den Weg kamen, wichen hastig zur Seite. Sobald er in seinem Raum war, griff er sich einen Bogen Pergament und knallte ihn auf den Tisch. Einen Moment kaute er auf dem Ende der Feder herum, um sich seine Worte zu überlegen. Dann begann er seinen ersten Brief an seinen Vater.
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„Lucius, da ist eine Eule für dich.", sagte Narcissa. Sie saßen zusammen im Salon und tranken Tee. Es war einer der wenigen Nachmittage, an denen Lucius zuhause war.
Ihr Mann runzelte die Stirn. „Warum ist der dumme Vogel nicht in die Eulerei geflogen, damit eine der Hauselfen mir die Post bringen kann?" Er stand auf, um die Eule herein zu lassen, die aufgeregt mit ihrem Schnabel an das Fenster trommelte. Sobald er das Fenster öffnete, flog sie herein und landete auf seiner Schulter. Als Lucius nicht sofort reagierte, kreischte sie ärgerlich und zog an seinen Haaren.
„Lass das, du verdammte Harpyie.", schimpfte Lucius und griff nach dem Pergament.
Narcissa betrachtete den Vogel genauer und schnappte überrascht nach Luft. „Das ist Tigris' Eule, Lucius!"
„Kein Wunder.", murmelte Lucius ärgerlich, dann hielt er inne. „Warum schreibt er mir? Das hat er bisher nicht getan."
Ein eisiger Schrecken durchfuhr sie. „Merlin, Lucius, was ist, wenn etwas passiert ist?"
Sie stand auf und eilte zu ihm, während Lucius den Brief überflog.
„Verehrter Vater", las sie. „Draco und ich werden leider nicht mit dem morgigen Zug nach Hause kommen können. Ich bin sicher, der Grund dafür wird dich ebenso aufbringen, wie mich..."
Lucius ballte plötzlich seine Hand zur Faust und zerknüllte das Pergament zwischen seinen Fingern, bevor sie weiter lesen konnte.
„Dieser verdammte alte Mann... Diesmal ist er zu weit gegangen..."
„Was ist passiert?", fragte Narcissa besorgt.
Lucius atmete tief durch und drückte sie in einen der Sessel. „Versuch, dich nicht aufzuregen, Cissy..."
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Als Tigris von der Eulerei hinunter kam, bemerkte er flüchtig ein küssendes Pärchen neben dem Aufgang zum Westturm. Normalerweise hätte er sie nicht beachtet, aber etwas an dem blonden Mädchen kam ihm bekannt vor. Tigris trat einen Schritt näher und schnappte nach Luft.
„Pansy?"
Die beiden fuhren herum.
„Was willst du?", fragte der Siebtklässler neben ihr unfreundlich.
„Ich bin der Freund des Mädchens, das du gerade zu verschlingen versuchst.", zischte Tigris.
Der Ravenclaw traf auf seinen Blick, und floh. Pansy hingegen begegnete ihm ruhig.
„Du betrügst mich.", stellte Tigris kalt fest.
Pansy verzog ärgerlich das Gesicht. „Was hast du von mir erwartet, Tigris? Wann hast du mich das letzte Mal geküsst? Vor zwei Tagen? Ich sehe dich kaum genug, um dich als meinen Freund zu bezeichnen. Was denkst du, was ich bin, ein Dekorationsobjekt? Ich bin eine Frau. Ich habe Bedürfnisse."
„Ach, und das ist ein Grund, dass du dem Nächstbesten deine Zunge in den Hals schiebst?", fragte Tigris höhnisch.
Pansy zuckte nur mit regungslosem Gesicht mit den Schultern.
„Ich denke, es ist das Beste, wenn wir diese Beziehung beenden.", sagte er kühl.
„Ja, so sehe ich das auch.", entgegnete sie, nicht im Geringsten wärmer.
„Gut, dann sind wir uns ja einig." Tigris wandte sich ab, und ging. „Nun ja.", murmelte er auf dem Weg in die Kerker. „Zumindest kann dieser Tag nicht NOCH schlechter werden." Auf halben Weg änderte er sein Ziel, und ging zum Krankenflügel.
„Kann ich ihn sehen?", fragte er Madame Pomfrey.
Die Medohexe sah ihn stirnrunzelnd an. „Haben Sie nicht Unterricht, Mister Malfoy?"
„Das ist mir egal.", sagte Tigris ärgerlich. Das war es wirklich.
Pomfrey musterte ihn einen Moment, dann seufzte sie. „Also gut, ich schreibe Ihnen eine Entschuldigung. Kommen Sie, aber Sie müssen ruhig sein."
Tigris nickte nur. Sie führte ihn in den hinteren Teil des Krankenflügels.
„Er ist noch immer nicht aufgewacht.", sagte sie leise. „Körperlich ist er auf dem Weg der Besserung, die Ursache muss psychologisch sein. Vielleicht kann Ihre Anwesenheit ihm helfen."
Tigris presste die Lippen zusammen, in Gedanken Wege aufzählend, wie er den Gryffindors das Leben zur Hölle machen konnte. Ron mochte einmal sein Freund gewesen sein, aber alle freundschaftlichen Gefühle, die Tigris noch für ihn übrig gehabt haben mochte, waren lange verschwunden. In diesem Moment hasste er ihn leidenschaftlich.
Draco lag in dem hintersten Bett. Die Prellungen in seinem Gesicht waren verschwunden, aber er sah blass und schmal aus in den weißen Kissen. Tigris setzte sich neben ihn und fasste seine Hand. Sie war kalt. Tigris drückte sie leicht, ohne eine Reaktion zu erhalten. Nur das Heben und Senken von Dracos Brustkorb bewies, dass sein Bruder noch am Leben war.
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Tigris musste eingedöst sein, denn er erwachte erschrocken, eine Hand seine Schulter berührte. Es war Professor Snape.
„Deine Eltern sind da.", sagte er uncharakteristisch sanft.
Tigris nickte und ließ widerstrebend Dracos Hand los, um ihm zu folgen. Seine Eltern waren im Vorraum und sprachen leise mit Madame Pomfrey. Sein Vater sah zornig aus, während seine Mutter sehr blass war. Als sie Tigris sah, fiel sie ihm in die Arme und schluchzte. Tigris strich ihr beruhigend über den Rücken und traf den Blick seines Vaters.
„Irgendeine Veränderung?", fragte sein Vater lautlos.
Tigris schüttelte den Kopf und der Gesichtsausdruck seines Vaters verdüsterte sich noch ein wenig mehr. Seine Mutter beruhigte sich langsam und atmete tief durch, ihre Beherrschung wiedergewinnend. Sie lächelte ihm traurig zu und wandte sich dann an Madame Pomfrey. „Kann ich jetzt meinen Sohn sehen?"
„Natürlich.", erwiderte die Medohexe. „Kommen Sie mit mir, Mrs. Malfoy."
„Also hat er dich wirklich zum Vertrauensschüler gemacht.", meinte sein Vater, sobald sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, auf Tigris' Plakette deutend.
„Ja.", zischte Tigris. „Wenn der alte Narr glaubt, dass ich ihm dankbar dafür bin, hat er sich sehr getäuscht!" Er sah seinen Vater an. „Wirst du mit dem Schulrat sprechen?"
Sein Vater nickte kalt. „Sei versichert, dass ich das tun werde."
„Ich hoffe, er wird gefeuert.", sagte Tigris böse, sich nicht darum kümmernd, dass Snape zuhörte.
Sein Vater bedachte ihn mit einem kalkulierenden Blick, dann drehte er nachdenklich seinen Spazierstock ihn der Hand. „Bedauerlicherweise ist mein Einfluss auf den Schulrat nicht mehr so groß, wie er einmal war. Außerdem hat der alte Mann in letzter Zeit eine Menge Rückhalt gewonnen."
Tigris nickte ärgerlich. „Ja." Eine Idee kam ihm und er sah auf, wieder auf den Blick seines Vaters treffend. „Arbeitet Rita Skeeter nicht wieder für den Daily Prophet? Ich nehme an, Draco hat dir von ihr erzählt..."
Sein Vater grinste plötzlich. „Ja. Ich müsste mich mit Mugnelda unterhalten, aber ich denke, der Prophet wird einer kleinen Spende nicht abgeneigt sein..."
Tigris erwiderte das Grinsen und fühlte sich ein klein wenig besser. Dann fiel ihm ein, dass Professor Snape noch im Raum war, und er drehte sich zu ihm um.
„Kennen Sie irgendwelche Tränke, die Draco helfen könnten, Professor?"
Snape schüttelte den Kopf. „Ich habe bereits getan, was ich konnte. Wie Madame Pomfrey bereits sagte, es ist nichts Körperliches."
Sein Vater ballte die Faust. „Wenn sie ihn dazu gebracht haben, den Verstand zu verlieren..."
Professor Snape legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. „Es ist noch zu früh, einen solchen Schluss zu ziehen. Nach allem, was wir wissen, könnte er jeden Moment aufwachen."
„Oder niemals.", fauchte sein Vater. „Ich bin kein Narr, Severus. Ich habe diese Symptome schon gesehen."
„Es ist zu früh.", wiederholte Snape. „Du solltest Narcissa mit nach Hause nehmen. Madame Pomfrey ist eine fähige Medohexe, und ich bin ebenfalls da. Hier beunruhigt sie sich nur unnötig."
Tigris' Vater nickte langsam. „Du hast vermutlich Recht, Severus. Ich spare es mir, mit Dumbledore zu reden. Der alte Narr wird mich nur noch weiter aufbringen."
Professor Snape nickte lediglich.
Lucius wandte sich zu Tigris. „Du wirst mir Bescheid geben, sobald sich etwas verändert." Es war keine Frage.
„Selbstverständlich, Vater."
Sein Vater nickte und ging, um seine Mutter zu holen. Wenig später waren sie gegangen.
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Turquenione: ‚Dahana' heißt einfach nur ‚verbrennen', was der Zauber ja auch tut.
Minnilein: Das mit den vier Schlangen stimmt leider nicht. Zum einen stammt Sarin nicht nur von einer Schlange ab, Slytherin erschuf mehrere Schlangen mit den gleichen Eigenschaften (schließlich wollte er eine ganze Rasse von Schlangen erschaffen, er war Züchter genug um zu wissen, dass das nicht mit einer Schlange geht). Zum anderen entstanden die ‚Fehler' in Sarins Genpool durch zufällige Mutationen im Laufe der Jahrhunderte, der ursprüngliche Genpool, den Slytherin geschaffen hat ist also verloren. Hilfe, ich babble fachchinesisch, nicht wahr? Ich hoffe es ist verständlich, wenn nicht, sag's mir.
milva: Ein wenig pantheistisch vielleicht. Dir auch schöne Ostern.
Esta: Tigris ist NICHT der Erbe Slytherins, jedenfalls nicht von der Blutlinie her, das ist noch immer Voldie. Slytherin ging davon aus, dass nur Mitglieder seiner Familie Parsel beherrschen. Was die Sache mit dem Hut angeht, dafür kann es viele Erklärungen geben. a) Dumbledore hat nicht die Wahrheit gesagt. b) Er meinte nur „ein Gryffindor im Herzen", was Harry zu diesem Zeitpunkt auch war (dunkle Zauberer zu bekämpfen und Basilisken zu töten war sicherlich sehr in Gryffindors Sinn) c) Der Hut und/oder das Schwert wurde von dem Trank getäuscht, der Tigris zum Sohn der Potters machte, und einer der Potters stammt aus Gryffindors Blutlinie d)... denk dir was aus.
