Disclaimer:
Harry Potter gehört JK.. Was ist das? Warum wird es auf einmal so kalt hier?
Das ist der Fimbulwinter.
Das kannst du nicht machen!
Kann ich wohl, ich bin der Autor. Ha!
Schatten der Wahl
45. Scientes bonum et malum
Tigris atmete tief durch, bevor er das Amulett auf das Ornament an der Wand presste. Es hatte drei Tage gedauert, es zu erschaffen. Er hatte die Runen, die auf es reagierten, in der Nacht zuvor auf die Türen gezeichnet. Die drei hinter ihm holten überrascht Luft, als die Wand sich öffnete. Tigris hielt die Tür offen, bis sie alle hindurch getreten waren.
„Hast du hier deine ganze Zeit verbracht?", fragte Blaise beeindruckt, als sie die Steintreppe hinuntergingen.
„Ja.", gab Tigris zu. „Ich habe diesen Ort kurz nach den Ferien gefunden."
„Also dahin bist du immer verschwunden.", meinte Theodore wissend. „Es hat dich nie jemand erwischt?"
„Es scheint so, als ob nie jemand in diesen Teil der Burg kommt."
„Perfekt.", flüsterte Blaise. Sie strich mit einem ehrfürchtigen Gesichtsausdruck über die Steinwände. „Dies muss noch aus der Zeit der Gründer stammen."
Tigris hatte nicht vor ihr zu sagen, wie recht sie damit hatte. Als er die Tür zu der Kammer öffnete, verharrten alle drei mit großen Augen.
„Wow.", sagte Blaise schlicht.
Draco drehte sich zu Tigris um und boxte ihn in die Rippen. „Wie konntest du so etwas finden und es vor mir geheim halten?"
„Hab ich ja nicht.", gab Tigris zurück. „Du bist hier, oder?"
Draco warf ihm einen bösen Blick zu, aber richtete seine Aufmerksamkeit schnell wieder auf die Kammer. „Das ist unglaublich… Jeder weiß, dass Hogwarts Geheimnisse hat, aber das hier…"
Die beiden anderen nickten.
„Brauchst du immer das Amulett, um die Türen zu öffnen?", fragte Blaise schließlich.
Tigris nickte. „Ja, aber ich habe eine Lösung dafür." Er ging die Treppe hinunter in Richtung der Bühne. Er hatte ein wenig an ihr gearbeitet. Vor den beiden Seiteneingängen war nun eine Wand eingezogen, wodurch die Bühne nur noch ein Drittel ihrer vorigen Tiefe hatte. In die Mitte der Wand war das Wappen eingemeißelt, das Tracey gemalt hatte. Die Zauber, um das zu erreichen, waren zum Glück nicht sehr schwierig.
Tigris setzte sich auf die Kante der Bühne und wartete, bis die drei sich genug umgesehen hatten.
„Ich habe eine Lösung, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir das tun sollten.", sagte er, als sie sich zu ihm gesetzt hatten. „Deswegen möchte ich, dass wir alle darüber diskutieren."
Blaise zog die Brauen hoch. „Was ist das Problem?"
„Ich habe ein sehr altes Tränkebuch gefunden.", begann Tigris. „Wo ist unwichtig. Es enthielt ein Rezept für den Protean-Trank."
Draco runzelte die Stirn. „Davon habe ich noch nie gehört."
Tigris lächelte schwach. „Es ist vermutlich eins der letzten Rezepte. Wie ihr vielleicht wisst, hat Granger den Protean-Zauber benutzt, um Erkennungsgegenstände für die DA zu schaffen."
„Wirklich?", fragte Theodore verblüfft. „Erstaunlich. Das ist ziemlich fortgeschrittene Magie, besonders für ein Schlammblut."
„Sie ist nicht umsonst unser kleines Schulgenie.", spottete Blaise. „Was ist der Unterschied?"
„Der Zauber verzaubert nur Gegenstände. Der Trank lässt sich sehr gut mit einem Eid verbinden. Nicht nur das, er würde auch das Problem lösen, wie sich Mitglieder unserer Gruppe gegenseitig erkennen können."
„Klingt gut.", meinte Blaise. „Also was ist das Problem?"
Tigris wand sich ein wenig unbehaglich. „Jeder, der diesen Trank aus einem bestimmten Gefäß trinkt, bindet sich an eine bestimmte Gruppe und ihre Prinzipien. Auf diese Weise können wir sicher gehen, dass niemand unseren Eid bricht. Es hindert niemanden daran, es zu versuchen… aber wer es versucht, muss die Konsequenzen tragen. Konsequenzen, die wir bestimmen. Zusätzlich sorgt der Trank dafür, dass die Gruppe geheim bleibt… niemand, der es nicht will, kann gezwungen werden, uns zu verraten. Egal mit welchen Mitteln."
Tigris hob die Hand, als Blaise etwas sagen wollte. „Ich weiß, du siehst das als einen Vorteil. Aber das ist nicht alles. Mann kann den Trank mit einem Spruch verbinden, der ein Erkennungsmal erzeugt, das nur für Mitglieder der Gruppe sichtbar ist. Wir können dieses Mal benutzen, um uns gegenseitig zu rufen, oder uns mitzuteilen, wann das nächste Treffen stattfindet. Ich dachte an eine Schlange, so wie sie Tracey gezeichnet hat. Zum Beispiel am Handgelenk. Ich kann es außerdem so modifizieren, dass eine Berührung mit dieser Hand die Türen nach hier unten öffnet."
„Ich sehe das Problem nicht.", beharrte Blaise.
„Willst du es nicht sehen?", meinte Draco.
Sie sah ihn verwirrt an.
„Die Parallelen zum Dunklen Mal natürlich.", sagte Theodore sanft.
„Was hat das mit dem Zeichen der Todesser zu tun?", fragte Blaise, sichtlich verwundert.
„Das weißt du nicht?", entgegnete Draco überrascht. Dann weiteten sich seine Augen in Erkenntnis. „Natürlich, deine Familie ist neutral! Aber sicher hat dir einmal jemand erzählt…"
Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht, was ihr meint. Lässt der Dunkle Lord seine Gefolgsleute einen Trank trinken?"
Draco runzelte die Stirn. „Um die Wahrheit zu sagen, das weiß ich nicht. Vater hat niemals über die Initiationszeremonie gesprochen. Aber alle Gefolgsleute des Dunkeln Lords haben das Dunkle Mal auf ihrem linken Unterarm. Er benutzt es, um sie zu sich zu rufen. Nach seinem Fall war es verschwunden, aber inzwischen ist es wieder klar zu sehen."
„Ich verstehe.", murmelte Blaise nachdenklich. „Ich denke trotzdem nicht, dass es ein Problem ist. Du hast gesagt, niemand kann es sehen, außer Mitglieder unserer Gruppe?"
Tigris nickte. „Das ist richtig."
„Da haben wir schon einmal einen großen Unterschied. Außerdem ist der Eid, den wir leisten, nicht auf eine Person. Jeder, der ihn leistet, weiß genau, was er verspricht. Das Mal ist nur ein Symbol. Ich denke, die meisten werden stolz sein, es zu tragen. Es steht schließlich jedem frei, es abzulehnen."
„Wenn wir das tun, muss jeder vorher genau wissen, worauf er sich einlässt.", sagte Theodore ernst. „Wir können ihr Gedächtnis löschen, wenn sie danach ablehnen, aber es sollte sich keiner an etwas binden, ohne genau Bescheid zu wissen."
„Das versteht sich von selbst.", sagte Tigris. Er war überrascht, dass keiner von ihnen empört von der Idee war. Ihm selbst war sie ausgesprochen unangenehm, aber es war die einzige Möglichkeit, die er gefunden hatte, das Parsel-Passwort zu umgehen. Eine andere war das Amulett, aber er würde nur sehr ungern solche Amulette verteilen. Sie konnten zu leicht in falsche Hände geraten.
„Ich denke, es ist eine gute Idee.", sagte Draco nach einigem Nachdenken. „Es wird das Vertrauen in unsere Gruppe stärken."
„Noch etwas.", sagte Tigris. „Die Eigenschaften des Mals können nur vom Anführer der Gruppe beeinflusst werden. Ich hatte vor, die Streifen der Schlange den Zeitpunkt des jeweils nächsten Treffen formen zu lassen. Indem ich mein Mal verändere, kann ich auch alle anderen verändern."
„Wie weiß der Zauber, dass du der Anführer bist?", fragte Blaise neugierig.
„Indem ich derjenige bin, der den Trank gebraut hat und der den Spruch spricht, der das Mal erzeugt.", erwiderte Tigris schlicht.
„Ah. Was ist, wenn man in Schwierigkeiten ist und um Hilfe rufen will?"
„Ich habe daran gedacht. Wenn jemand das Mal mit seiner anderen Hand berührt und um Hilfe ruft, wird es alle Mitglieder unserer Gruppe in einem bestimmten Umkreis – ich dachte an etwa zwanzig Meter – benachrichtigen. Und mich natürlich."
„Wie erkennt man das?", fragte Draco.
Das war ein anderer Aspekt, der Tigris nicht gefiel. „Ein brennendes Gefühl."
Draco und Theodore zuckten zusammen.
Tigris seufzte. „Ich weiß, aber es lässt sich nicht ändern."
„Ich nehme an, das tut das Dunkle Mal auch?", fragte Blaise.
Tigris nickte. „Es ist allerdings lange nicht so unangenehm. Mehr wie Brennnesseln als wirkliches Feuer."
Theodore verengte die Augen. „Und woher weißt du, wie sich das Dunkle Mal anfühlt?"
Tigris zuckte zusammen. „Ich weiß es nicht.", sagte er hastig. „Es ist nur, was ich gehört habe."
Er hatte eine gute Vorstellung aus seinen Visionen, aber er hatte nicht vor, das Theodore und Blaise zu erklären.
„Damit kann ich leben.", meinte Draco. „Wie lange brauchen wir, um diesen Trank zu brauen?"
„Ihr seid alle einverstanden?", fragte Tigris ungläubig. „Mit allem, was ich gesagt habe?"
„Unter der Bedingung, die ich genannt habe.", sagte Theodore. „Ja."
Die anderen beiden nickten nur.
„Ich habe den Trank bereits gebraut.", gab Tigris zu. „Ich hoffe, ihr versteht, dass ich das Rezept lieber für mich behalte. Ich habe auch einen Kelch hergestellt… Der Kelch ist das wichtigste an dem Ganzen, da er die Maßstäbe enthält. Ich nahm an, wir würden ihn noch verändern."
Tigris stand zögernd auf und ging zu der Wand mit dem Symbol der Gemeinschaft hinüber. Auf einen Druck seiner Hand ging eine Kammer auf, in der sich ein großer Kessel mit dem Trank und der Kelch befand. Durch die Zauber auf der Kammer würde der Trank niemals verderben.
Er nahm den Kelch heraus und zeigte ihn den anderen. Es war ein silberner Kelch, den er in der Vorratskammer gefunden hatte. Rund um ihn herum waren die Runen eingeritzt, die die Wirkung des Trankes bestimmten. An seinem Rand war die Schlange abgebildet, die auch im Wappen ihrer Gruppe zu finden war.
„Er ist schön.", sagte Blaise, als Tigris ihn ihr reichte.
„Was sind die Konsequenzen, wenn man den Eid bricht?", fragte Draco, ihn ihr aus der Hand nehmend.
„Der Malesomnium- Fluch.", antwortete Tigris. „Wer vorhat, den Eid zu brechen, fällt in ein Koma voller Albträume, das je länger anhält, je größer der beabsichtigte Verrat war."
„Fies und wirkungsvoll.", kommentierte Blaise. „Gut so."
„Außerdem wird niemand ernsthaft verletzt.", stimmte Theodore zu. „Ich bin einverstanden."
„Dann zeigt mal euren Eid.", meinte Draco zu den beiden. „Ich bin gerade erst aus einem Koma aufgewacht, ich hoffe, ihr habt etwas Vernünftiges zusammengedichtet."
„Das war Arbeit.", entgegnete Blaise entrüstet. „Wisst sie gefälligst zu schätzen." Sie zog einen Bogen Pergament hervor. „Wir präsentieren mit Stolz: Der Eid der Schattengemeinschaft."
Tigris zog die Brauen hoch. „Schattengemeinschaft?"
Theodore deutete auf Blaise. „Ihre Idee."
„Du musst zugeben, es übertrifft ‚Dumbledores Armee' um Längen."
Tigris setzte sich zu ihnen, um das Pergament lesen zu können.
„Vorsicht vor kreativen Geistern.", spottete Draco, neben ihn rückend.
„Er ist gut.", sagte Tigris, als er den Eid durchgelesen hatte. „Schön, dass ihr einen besonderen Absatz für mich als Anführer hinzugefügt habt."
„Du findest es gut?", meinte Blaise überrascht. „Ich nahm an, wir müssten dich dazu überreden."
„Nein, ich denke, es ist sehr im Sinn dieser Gemeinschaft."
„Das ist sein innerer Gryffindor, der hin und wieder durchscheint.", kommentierte Draco.
Tigris schubste ihn amüsiert. „Halt die Klappe, Draco."
„Sollen wir sofort damit anfangen?", fragte Theodore.
Sie wurden alle ernst.
„Es hat keinen Sinn, es hinauszuschieben, nicht wahr?", meinte Tigris zögernd. Er war plötzlich doch nervös.
„Hast du Zweifel?", fragte Blaise ruhig.
Tigris atmete tief durch. „Nein. Es ist nur… Nein, ich habe keine Zweifel." Er nahm den Kelch und stand entschlossen auf, um ihn zu füllen.
„Ein paar letzte Änderungen?", fragte Blaise, als er wieder zu ihnen zurückkam. Sie gingen das ganze noch einmal durch, dann begannen sie.
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Draco nahm die Stelle ein, die Tigris bei den kommenden Ritualen einnehmen würde. Er stand vor dem Wappen der Gemeinschaft auf der Bühne und hielt den Kelch in der einen, das Pergament in der anderen Hand.
„Knie nieder und nimm diesen Kelch, zum Zeichen, dass du bereit bist dieser Gemeinschaft beizutreten, ihr und ihren Mitgliedern Respekt zu erweisen und dich ihren Regeln zu unterwerfen."
Tigris bewunderte seinen Bruder dafür, wie ruhig seine Stimme klang. Als täte er so etwas jeden Tag. Er kniete sich vor Draco hin und nahm den Kelch in seine beiden Hände. Seine Finger berührten dabei die seines Bruders. Tigris fühlte, wie sich die Finger unter seinen kurz anspannten, dann fuhr Draco fort. Angenehm zu wissen, dass er nicht ganz so ruhig war, wie er schien.
„Diese Vereinigung dient niemandem außer ihren Mitgliedern und dem Haus Slytherin. Sie existiert um uns zu schützen und um uns beizubringen, wie man sich verteidigt. Nicht mehr, und nicht weniger.
Schwörst du, Tigris Malfoy, Loyalität zu dieser Vereinigung und dem Haus Slytherin?
Schwörst du, sie vor der Entdeckung durch Außenstehende zu bewahren,
ihre Mitglieder und deine Hausgenossen mit all deinen Fähigkeiten zu beschützen,
solange du in dieser Schule bist,
und immer dein Bestes zu tun, damit sie ihre Ziele erreicht?"
„Ich schwöre."
„Schwörst du als der Anführer dieser Gemeinschaft,
deine Verantwortung gewissenhaft wahrzunehmen,
diese Gemeinschaft vor Missbrauch zu bewahren,
und ihren Mitgliedern mit Achtung zu begegnen?"
„Ich schwöre."
Draco ließ den Kelch los und Tigris trank. Der Trank schmeckte bitter. Als Tigris ihn hinuntergeschluckt hatte, spürte er, wie sich eine angenehme Wärme in seinem Körper ausbreitete. Er stellte ihn vor sich auf den Boden. Dann hob er seinen Stab und deutete mit der Spitze auf sein Handgelenk.
„Signum proteanum."
Silbernes Feuer züngelte um sein Handgelenk. Tigris fühlte nur einen Hauch von Wärme. Als die Flammen verschwanden, sah er die kleine Schlange, die sich nun um sein Handgelenk wand.
Tigris stand auf. Draco betrachtete sein Handgelenk neugierig. „Ich sehe nichts."
Tigris grinste ihm zu. „Gut. Das zeigt, dass es funktioniert."
Er nahm den Kelch und füllte ihn wieder. Er brauchte das Pergament nicht, er kannte den Eid bereits auswendig. „Bereit?"
Draco nickte ruhig.
„Knie nieder…"
Tigris fühlte Dracos kühle Finger über seinen, als er die Worte des Eides vorsagte.
„Schwörst du, Draco Malfoy, Loyalität zu dieser Vereinigung und dem Haus Slytherin?
Schwörst du ihr Geheimnis zu bewahren, was immer die Umstände auch sein mögen,
ihre Mitglieder und deine Hausgenossen mit all deinen Fähigkeiten zu beschützen,
solange du in dieser Schule bist,
deinen Anführern im Rahmen dieser Gemeinschaft zu gehorchen,
und immer dein Bestes zu tun, damit sie ihre Ziele erreicht?"
„Ich schwöre.", erwiderte Draco ohne zu zögern.
„Gib mir deine linke Hand.", sagte Tigris, als sein Bruder den Kelch gelehrt hatte.
Draco gehorchte und Tigris berührte sein Handgelenk mit seinem Stab. „Signum proteanum."
Die Schlange erschien auf Dracos Handgelenk wie auf Tigris' eigenem.
„Ich konnte das Mal sehen, als ich deine Finger berührte.", sagte Draco, als er aufstand.
„Gut, so ist es beabsichtigt.", erwiderte Tigris. „Es hätte dir eine letzte Chance gegeben, dich dagegen zu entscheiden, bevor du den Eid schwörst."
Draco nickte verstehend.
„Beeil dich.", sagte Blaise. „Ich will es auch sehen."
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Nachdem auch Blaise und Theodore ihr Mal empfangen hatten diskutierten sie darüber, wie sie die restlichen Slytherin dazu bringen würden, ihrer Gruppe beizutreten. Sie würde schließlich nichts erreichen, solange sie nur aus vier Leuten bestand. Blaise war der Überzeugung, dass kaum einer ablehnen würde, wenn sie nur fragten. Tigris vertraute ihr in dieser Ansicht, da Blaises Menschenkenntnis nur selten fehlschlug. Sie entschieden sich, dass Tigris die jüngeren Jahrgänge ansprechen würde. Er kannte die meisten von ihnen persönlich, durch seinen Nachhilfeunterricht. Draco würde sich um ihren Jahrgang kümmern und Theodore um die Siebtklässler. Blaise würde sich einfach umsehen, wen sie für geeignet hielt. Sie beschlossen außerdem, niemals mehr als fünf an einem Tag aufzunehmen. Ansonsten würde nicht genug Zeit zum Lernen übrig bleiben. Tigris machte sich noch keine großen Gedanken darüber, was er unterrichten würde. Das würde ohnehin sehr darauf beruhen, was die Mitglieder ihrer Gruppe bereits wussten.
Bevor sie gingen gab Tigris ihnen noch den Befehl, außerhalb der Kammer nicht über die Gemeinschaft zu reden. Sie würden sie in einer hypothetischen Form gegenüber anderen erwähnen können, aber wenn diese mehr darüber erfahren wollten, würden sie mit in die Kammer kommen müssen. Der Eid verpflichtete sie zwar ohnehin, die Gemeinschaft geheim zu halten, aber das war zu allgemein für Tigris' Geschmack. Schließlich hatten die Wände in Hogwarts buchstäblich Ohren.
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Als sie die Kammer verließen, dachte Tigris über all das nach, was geschehen war. Es war alles so schnell passiert. Als Tigris den Trank gebraut hatte, hatte er nicht wirklich gedacht, dass sie zustimmen würden. Im Nachhinein wusste er nicht einmal mehr genau, warum er ihn überhaupt gebraut hatte. Vielleicht weil ein kleiner Teil von ihm gehofft hatte, sie würden zustimmen. Selbst wenn ein anderer Teil von ihm sagte, dass es falsch war. Ganz am Anfang, als Tigris vorgeschlagen hatte die Kammer als Treffpunkt zu benutzen, war es ihm als eine gute Idee erschienen. Erst später war ihm klar geworden, dass er dieses Geheimnis eigentlich nicht teilen wollte. Das war der Grund, warum er die falsche Wand vor den Seitentüren eingezogen hatte. Es war nicht nötig, mehr als notwendig preiszugeben. Den Trank als Sicherheit zu benutzen war ihm ein wenig unangenehm, aber nun gab es kein Zurück mehr. Irgendwie hatte Tigris die Kontrolle über die Situation verloren und sie hatte ein Eigenleben entwickelt. Er runzelte die Stirn. Was geschehen war, war nicht zu ändern. Die anderen vertrauten ihm. Er würde sich dieses Vertrauens einfach als würdig erweisen müssen.
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Theodore verabschiedete sich in sein Zimmer, als sie nach Slytherin zurückkehrten. Draco ging, um sich mit Vincent und Gregory zu unterhalten. Tigris war so in Gedanken, dass er nicht merkte, dass Blaise ihm folgte, bis sie in seinem Raum waren.
„Wolltest du noch etwas?", fragte Tigris ein wenig ungehalten. Er gab ihr in gewisser Weise die Schuld daran, dass das Ganze so aus dem Ruder gelaufen war, auch wenn er nicht genau sagen konnte, warum. Es war nur ein Gefühl.
Blaise setzte sich auf Tigris' Bett und betrachtete ihn nachdenklich. „Du wirkst überraschend unglücklich. Kommt mir das nur so vor? Man sollte meinen, du freust dich, dass wir so viel erreicht haben. Ich weiß, ich tue es."
Tigris warf ihr einen leicht ärgerlichen Blick zu. „Hast du jemals darüber nachgedacht, wie viel Macht ihr mir gegeben habt? Vielleicht bin ich einfach nicht sicher, ob ich die Verantwortung will."
Sie lächelte ihm zu. „In dem Moment, in dem du begreifst, dass Macht Verantwortung bedeutet, zeigst du, dass wir richtig entschieden haben."
Tigris verzog das Gesicht. „Gut, dass einer von uns sich dessen sicher ist."
Blaise lehnte sich auf dem Bett zurück und ihr Lächeln vertiefte sich. „Macht bringt immer Verantwortung mit sich. Ich wusste vom ersten Moment in dem ich dich sah, dass du mächtig bist. Nenn es meine Begabung, wenn du so willst. Du wärst so oder so dazu bestimmt gewesen, die Welt um dich herum zu beeinflussen. Sieh es doch einfach als dein Schicksal."
„Und was, wenn ich dieses Schicksal nicht will?", fauchte Tigris. „Nur weil man Macht hat, bedeutet das nicht, dass man sie auch benutzen muss."
Blaise richtete sich auf. Plötzlich funkelten ihre Augen ärgerlich. „Wenn du das wirklich glaubst, Tigris, bist du ein Narr. Macht wird immer die um dich herum beeinflussen, ob du es willst oder nicht. An dir liegt es nur, ob du es bist, der die Art dieses Einflusses bestimmt, oder ob es die Welt für dich tut. Ich weiß, du hältst nichts von Politik, aber du kannst nicht ohne sie leben. Sie umgibt uns, jeden Tag. Es gibt die von uns, die handeln, und die, für die gehandelt wird. Dazwischen ist NICHTS."
Tigris blinzelte überrascht von dem Eifer, in dem das gesprochen wurde.
„Ich verabscheue Macht.", murmelte er.
„Dann bist du wirklich ein Narr.", sagte sie, aufstehend. „Macht ist das, was unsere Welt bestimmt. Alles kreist um sie. Ohne Macht gibt es keinen Fortschritt, keine Veränderung. Die, die das nicht erkennen, werden an ihrer Schwäche untergehen."
Sie wandte sich ärgerlich zum Gehen, aber hielt auf halben Weg zur Tür inne. Anstatt den Raum zu verlassen kam sie auf Tigris zu. Sie fasste seinen Kopf mit beiden Händen und starrte in seine Augen. Er war zu verblüfft, um etwas dagegen zu tun.
„Ich wünschte, du würdest das begreifen. Ich wünschte, du würdest annehmen, was du bist. Stell dir vor, was du erreichen könntest, wenn du nur wolltest. Ist es dir wirklich lieber, wenn andere die Entscheidungen für dich treffen?"
Sie ließ Tigris abrupt los und wandte sich ab.
„Mein ganzes Leben lang bin ich mit den Ansichten meiner Eltern über Neutralität aufgewachsen. Es ist ein Mantra für sie, eine Obsession. Sie begreifen nicht, dass wir uns im Krieg befinden, und im Krieg gibt es keine Neutralität. Es gibt nur Sieger und Verlierer. Die, welche zu schwach sind, Entscheidungen zu treffen, sind von Beginn an dazu verdammt, zu verlieren."
„Hast du dich denn bereits entschieden?", fragte Tigris ruhig, auch wenn er sich nicht so fühlte.
Blaise drehte sich zu ihm um und lächelte wieder. „Natürlich. Ich werde niemals zu den Verlierern gehören."
„Also wofür hast du dich entschieden?", beharrte Tigris.
Ihr Lächeln verbreiterte sich. „Für die Seite der Gewinner natürlich." Sie wurde ernst. „Denk darüber nach, was ich gesagt habe. Du bist ein Slytherin. Du musst ein wenig Ehrgeiz besitzen."
Damit ging sie.
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An diesem Abend lag Tigris noch lange wach. Er versuchte Blaises Worte aus dem Sinn zu bekommen, aber es gelang ihm nicht. Hatte sie wirklich Recht? Bedeutete Macht zu haben automatisch, dass man die Welt um sich veränderte? Es war keine Verantwortung, die Tigris wirklich tragen wollte. Doch wenn sie Recht hatte, hatte er keine Wahl. Einer ihrer Sätze wiederholte sich immer wieder in seinen Gedanken: ‚Ist es dir wirklich lieber, wenn andere die Entscheidungen für dich treffen?'
„Nein.", flüsterte Tigris schließlich die Antwort in die Dunkelheit. „Nein, natürlich nicht."
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Seit Draco aus dem Koma aufgewacht war, hatte Tigris versucht, die Folgen von Ceridwens Trunk zu vergessen. Er erneuerte jeden Morgen die Tarnzauber über den Armschienen und versuchte, ihre Existenz zu ignorieren. Sie machten Tigris ein wenig schwächer als zuvor, aber nicht so sehr, dass es ihn wirklich beeinträchtigte. Die Gründung der Schattengemeinschaft hatte ihm eine willkommene Ablenkung geboten.
Blaises Worte hatten Tigris gezeigt, dass es närrisch war, vor sich selbst wegzulaufen. Er hatte eine Verantwortung, ob er es wollte oder nicht. Also kehrte er in Slytherins Bibliothek zurück, um die Armschienen weiter zu studieren.
Knapp eine Woche später lag Tigris in Basiliskform in der unteren Kammer und wartete darauf, dass ein Trank fertig kochte, der die Armschienen dauerhaft unsichtbar machen würde, wenn Tigris sie trug. Es war ein komplizierter Trank, besonders da die Armschienen in der letzten Phase mitkochen mussten, aber es würde sich lohnen.
Tigris hatte Glück gehabt, dass niemand bemerkt hatte, dass er sein Stab-Holster nicht mehr benutzte – er konnte es nicht über den Armschienen anbringen. Er hatte sich so an das Holster gewöhnt, dass er es außerordentlich unpraktisch fand, seinen Stab in einer Tasche seiner Robe aufzubewahren. Der Trank verbunden mit den neuen Runen auf den Armschienen würde auch dieses Problem lösen.
Tigris nutzte seine Zeit als Basilisk, erneut seine Gedanken zu ordnen. Blaise hatte recht, er hatte nicht das Recht, seine Fähigkeiten zu vergeuden. Er würde damit beginnen, die Armschienen zu verändern, so dass sie mehr von seinem Potential freigaben. Immer ein wenig, so dass er lernen konnte, es zu kontrollieren.
Tigris wusste, dass er vorsichtig sein musste. Er erinnerte sich noch gut an Dumbledores Bemerkung in der Krankenstation. Sie erweckte den Verdacht in ihm, dass der alte Mann Auras lesen konnte. Wie sonst hätte er wissen sollen, dass Tigris magisch schwach war? Tigris konnte nicht zuviel seiner Magie freigeben, ohne das Dumbledore es bemerkte, und das wollte er gewiss nicht.
Tigris konnte seine Magie lange genug im Zaum halten, um die Armschienen aus dem Trank zu nehmen, als er fertig war, und zu trocknen. Als er sie umgelegt hatte, beobachtete er, wie sie verschwanden. Das einzige, was von ihnen übrig blieb, waren drei kleine Runen oberhalb von Tigris' Handgelenk, die leicht zu verbergen waren. Die Schienen selbst waren weder sichtbar noch fühlbar. Nun konnte er das Stab-Holster ohne Probleme anlegen. Tigris hatte die Armschienen außerdem noch ein wenig mehr angepasst und bemerkte zufrieden, dass er keine Abschwächung seiner Zauber mehr feststellen konnte. Niemand, der nicht Bescheid wusste, würde jemals etwas Außergewöhnliches bemerken.
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„Wenn es eine Gemeinschaft wie die DA in Slytherin gäbe, würdest du beitreten?" Es war eine beiläufig eingeworfene Frage.
„Natürlich. Sofort.", erwiderte Charles ohne zu zögern.
„Selbst wenn es dich einen Preis kosten würde?", fragte Tigris.
„Ich würde beinahe alles tun, um das selbstzufriedene Grinsen von Thompsons Gesicht zu vertreiben.", antwortete Charles zornig.
Sydney nickte entschieden. David nickte auch, wenn auch zögerlicher. Tigris musterte die drei nachdenklich. Sie wirkten ehrlich, und all seine Erfahrung mit ihnen gab ihm keinen Grund, ihre Entschiedenheit in Zweifel zu ziehen.
„Diese Bücher behandeln das Thema über das wir reden einfach nicht gut genug.", sagte Tigris mit einer Handbewegung zu dem Tisch, auf dem ihre Verwandlungshausaufgaben ausgebreitet waren. „Ich habe ein besseres Buch in meinem Raum. Warum kommt ihr nicht kurz mit, wenn ich es hole? Vielleicht findet ihr noch etwas anderes, was euch interessiert."
Die drei wechselten einen Blick und standen gemeinsam auf. „Sicher. Geh voraus."
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Tigris lag in seiner Basiliskform in der unteren Kammer. Es gab keinen besonderen Grund dafür, außer, dass es ihm half, nachzudenken. Die Schattengemeinschaft war in der letzten Woche bedeutend angewachsen. Bisher bestand sie aus einem Großteil der sechsten Stufe, einem Teil der vierten und allen Mitgliedern des Quidditchteams. Tigris hatte damit begonnen, ihnen den Expelliarmus beizubringen, da sich das bereits einmal bewährt hatte. Zwar hatte er diesmal nicht die Motivation einer ‚Damit-besiegte-ich-Ihr-wisst-schon-wen' - Ansprache auf seiner Seite, aber es funktionierte auch so sehr gut. Slytherins verstanden offenbar besser als Gryffindors den Nutzen darin, seinen Gegner zu entwaffnen.
Tigris war allerdings klar, dass er nicht lange auf diese Weise weiter unterrichten können würde, besonders wenn die Gemeinschaft größer wurde. Die einzelnen Mitglieder waren einfach auf einem zu unterschiedlichen Level. Blaise und Draco beispielsweise waren beide sehr fortgeschritten, aber hatten unterschiedliche Stärken. Es war offensichtlich, warum Theodore Verteidigung gegen die Dunklen Künste abgewählt hatte. Aquila merkte man an, dass er vor diesem Jahr keinen vernünftigen Lehrer gehabt hatte, auch wenn er sehr begeistert mitmachte. Für alle anderen galt ähnliches. Tigris würde sie nach ihren Fähigkeiten einteilen müssen. Es war Tigris auch klar, dass er, wenn sie erst mehr wurden, unmöglich alle persönlich unterrichten konnte. Er würde die weniger Fortgeschrittenen jenen überlassen müssen, die bereits weiter waren. Auch würde es auffallen, wenn ständig so viele Slytherin verschwanden. Tigris zerbrach sich eine Weile den Kopf darüber und entschied schließlich, es Theodore und Blaise zu überlassen. Sie waren nicht umsonst die Planer ihrer Gruppe.
Nachdem Tigris damit abgeschlossen hatte, ließ er seine Gedanken wandern. Unwillkürlich kehrten sie wieder zu seinem Gespräch mit Blaise zurück. Wenn er seine Fähigkeiten wirklich nutzen wollte, musste er noch eine Menge lernen. Er hatte bereits viel gelesen, aber es gab noch immer so viel, das er nicht wusste. Blaises Widerwillen gegen die Neutralität ihrer Eltern ging ihm durch den Kopf und Tigris fragte sich, ob sie mit dem Gedanken spielte, dem Dunklen Lord beizutreten. Was könnte Blaise dazu bewegen, sich diesem wahnsinnigen Psychopaten anzuschließen? Es führte ihn zu der alten Frage: Was konnte überhaupt jemanden dazu bewegen, sich dem Dunklen Lord anzuschließen? Es musste doch etwas an ihm geben, das so viele Zauberer und Hexen bewog, sich ihm anzuschließen.
Während Tigris darüber nachdachte, fand er sich unwillkürlich vor dem verfallenen Pfad in seinem Geist. Ohne es wirklich zu beschließen, begann er, ihn entlang zu wandern. Tigris war ihn bereits zur Hälfte gegangen, als ihm klar wurde, was er tat. Sobald er es realisierte, zuckte er schockiert zurück, nur um zu erkennen, dass der Pfad hinter ihm sich erneuert hatte. Tigris erstarrte in Gedanken. Er konnte das nicht zulassen! Was bedeutete das? Würde die Narbe auf seiner Stirn wieder auftauchen? Während Tigris dabei war, in Panik zu geraten, fuhr der Pfad fort, sich zu erneuern. Tigris beobachtete wie gelähmt, wie die zerstörte Verbindung zum Leben erwachte, bis sie so klar und leuchtend war, wie seine Verbindung zu Draco.
Das nächste, was Tigris mit erschreckender Klarheit begriff, war, dass wenn der Dunkle Lord bemerken würde, dass die Verbindung wieder aktiv war, es sein Ende wäre. Nicht nur seines, sondern das seiner gesamten Familie. In dem Moment, in dem Tigris das begriff, erloschen alle seine Gefühle. Er hatte nie zuvor die Fähigkeiten der Black Familie so dringend benötigt. Nun wusste er plötzlich, mit einer untrüglichen Sicherheit, was er tun musste. Tigris verbarg seinen Geist vollkommen gegenüber der Verbindung. Er schlich sie entlang wie ein Schatten, tauchte flüchtig und unauffällig in den anderen Geist ein und zog sich zurück wie ein Dieb. Er manipulierte die Verbindung, verdunkelte und verschloss sie, bis er sicher war, dass der andere sie niemals bemerken würde.
Als Tigris in seinem Geist zurück war atmete er erleichtert auf. Voldemort hatte ihn nicht bemerkt. Der dunkle Magier würde nie erfahren, was geschehen war. Nicht nur das, Tigris hatte nun eine Möglichkeit, aus erster Hand etwas über den Dunklen Lord zu erfahren. Er hatte sichergestellt, dass die Verbindung vor Voldemort verborgen war und er war zuversichtlich, dass der Magier ihn niemals bemerken würde, wenn er einen Blick in seine Gedanken warf. Tigris lächelte zufrieden, wenn ein Basilisk lächeln konnte. Vielleicht würde er schließlich doch noch die Antworten auf seine Fragen erhalten.
Als Tigris sich in einen Menschen zurückverwandelte, erschuf er zuallererst einen Spiegel und betrachtete sich darin. Er atmete erleichtert auf, als er sah, dass seine Narbe nicht wieder aufgetaucht war. Dann lachte er über sich selbst. Wie kindisch, natürlich tauchte seine Narbe nicht wieder auf, nur weil die gedankliche Verbindung wieder da war. Es war eine törichte Furcht. Ohnehin, er hatte die Verbindung versiegelt. Es gab nichts, worüber er sich Gedanken machen musste.
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„Ich weiß nicht…", meinte Tracey unsicher. „Ich war niemals wirklich gut in Verteidigung."
„Unsinn.", widersprach Daphne. „Das spricht doch nur dafür. Du kannst ein paar Grundlagen aufholen. Schließlich hast du es als NEWT-Kurs."
„Ja, aber ich habe das Fach nie gemocht. All die dummen Flüche und Hexe… Ich hab es nur genommen, weil Ma es wollte."
Daphne seufzte ungehalten. „Komm, sei kein Frosch, Tracey. Wir alle würden mitmachen. Es ist für unser Haus. Du schließt dich schon so genug aus."
Tracey wich ihrem Blick aus und biss sich auf die Lippen. „Ich bin mir einfach nicht sicher. Was, wenn ich nicht gut darin bin?"
„Du musst nicht gut in Verteidigung sein.", meinte Draco überzeugend. „Es geht nur darum, uns gegenseitig zu helfen. Wenn etwas zu schwer für dich ist, lernst du eben etwas, was du kannst."
„Aber es wird so viel meiner Zeit in Anspruch nehmen, und nächstes Jahr sind die NEWTs… Außerdem muss ich auch Hausaufgaben machen und für meine Kurse lernen…"
Daphne rollte mit den Augen. „Das müssen wir alle. Du hast nur keine Lust. Komm schon, gib dir einen Ruck!"
„Es ist nicht nur, weil ich keine Lust habe…", protestierte Tracey, und begann, offensichtlich unbewusst, an ihren Nägeln zu kauen.
„Aber zum großen Teil!", rief Daphne triumphierend. „Du hast es gerade zugegeben. Du hast gesagt ‚nicht nur'!"
Tracey wich ihrem Blick aus. Sie wusste offenbar nicht, was sie darauf entgegnen sollte.
„Du musst nicht mitmachen, wenn du nicht willst.", warf Tigris ein. „Es ist allein deine Entscheidung. Lass dich nicht davon beeinflussen, wenn die anderen alle mitmachen. Niemand nimmt es dir übel, wenn du dich anders entscheidest."
Daphne öffnete den Mund, um zu widersprechen, aber Tigris warf ihr einen ärgerlichen Blick zu. Er wollte, dass jeder sich frei entscheiden konnte, ob er der Gemeinschaft beitreten wollte oder nicht. Es war nicht richtig von ihr, Tracey zu drängen. Tigris hatte gedacht, was er sagte würde das rothaarige Mädchen beruhigen, aber sie sah nur noch besorgter aus.
„Also gut.", sagte sie schließlich. „Ich komme mit."
„Klasse!", rief Daphne erfreut. Tracey lächelte ihr zögernd zu.
„Du musst wirklich nicht, wenn du nicht willst.", wiederholte Tigris. Er hatte kein gutes Gefühl bei Traceys Entscheidung.
Sie lächelte ihm unsicher zu. „Doch, ich will mitmachen, wenn es so etwas gibt. Wirklich."
„Gut.", erwiderte Tigris stirnrunzelnd. „Wie ich schon sagte, es ist deine Entscheidung."
Tracey nickte und sah zu Daphne, die strahlte.
„Es wird dir Spaß machen, Tracey.", sagte Daphne glücklich. „Du wirst schon sehen."
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Die Gemeinschaft traf sich inzwischen zweimal in der Woche und am Sonntag. Zum einen, um das Wissen aufzuholen, mit dem sie hinter der DA zurücklagen. Zum anderen aber auch, weil so viele Leute der Gemeinschaft beitreten wollten, und sie noch immer daran festhielten nicht mehr als fünf Leute gemeinsam aufzunehmen. Es war überraschend, aber besonders die jüngeren Jahrgänge waren begeistert gewesen, als sie gemerkt hatten, dass einige ihrer Hausgenossen neue Zauber lernten. Sie hatten in Bezug auf Zauber noch nicht viel Fortschritt gemacht – schließlich war die Gemeinschaft gerade mal einen Monat alt. Dennoch merkte man bereits einen Effekt. Es waren hauptsächlich die Strategien von Blaise und Theodore die das bewirkten. Sie hatten zum Beispiel besprochen, dass Mitglieder der Gemeinschaft oberhalb von Slytherin immer mindestens zu dritt sein sollten. Gerieten sie in Schwierigkeiten, konnte einer von ihnen einen Lehrer oder einen Vertrauensschüler benachrichtigen, während die anderen ihre Gegner ablenkten. Draco hatte ihnen beigebracht, schneller zu reagieren, während Tigris selbst ihnen die wichtigsten Verteidigungszauber lehrte. Es kam natürlich immer noch zu Auseinandersetzungen, aber sie verliefen ausgeglichener. Tigris war zuversichtlich, dass sie der DA schließlich überlegen werden würden. Es würde noch Zeit brauchen, aber sie hatten die Vorteile auf ihrer Seite. Noch waren sie zu wenige, als dass ihre Fähigkeit, andere Mitglieder der Gemeinschaft zur Hilfe zu rufen wirklich ins Gewicht fallen konnte, aber das war dabei, sich zu ändern.
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Es war ein weiterer Donnerstag. Tigris hatte sich angewöhnt, Donnerstage zu benutzen, um mit den Armschienen zu experimentieren oder sich aus anderen Gründen in einen Basilisk zu verwandeln. Donnerstags waren Blaise und Draco beide beim Quidditchtraining, so dass ihnen seine Abwesenheit nicht auffiel. Einer der Nachteile der Gemeinschaftsregeln war, dass Tigris nicht einfach alleine in der Bücherei verschwinden konnte.
Heute hatte Tigris versucht, die Stärke der Armschienen noch ein wenig zu reduzieren, doch sobald er sie schloss, spürte er, dass etwas nicht in Ordnung war. Seine Magie beruhigte sich nicht, wie es normalerweise der Fall war.
Tigris keuchte und ballte die Fäuste. Schließlich ließ er mit einem frustrierten Aufschrei die Armschienen aufschnappen und verwandelte sich in seine Basiliskform. Es hatte keinen Sinn. Er konnte die dämpfende Wirkung der Armschienen auf keinen Fall weiter abschwächen, wie er es geplant hatte. So wenig es auch schien, es war offenbar gerade das entscheidende Lot, das seine Magie außer Kontrolle geraten ließ. Er hatte nicht die geringste Aussicht, auf diese Weise zu lernen, seine Magie zu kontrollieren. Es war Alles oder Nichts. Tigris starrte frustriert auf seinen Schlangenkörper hinunter. Es war in der Tat noch ein sehr, sehr langer Weg.
Vielen Dank für eure Reviews an: Dax, YanisTamiem, Lara-Lynx, Tolotos, Lyonessheart, Minnilein, Revange, Avallyn Black, Turquenione, Kylyen, Klee, Nissa7, Lobarie, LaraAnime, milva, CitySweeper, Feles Argentea
Lara-Lynx: Du hast vollkommen Recht mit deinen Gedankengängen. Ob sich das eines Tages wirklich ändert... das wäre zuviel verraten.
Tolotos: Ich verrat's aber nicht /grins/ Dumbledore bleibt erst mal unwissend (zumindest soweit wir es wissen...). Das mit dem Wappen war ausnahmsweise einmal wirklich Zufall. Apropos Wappen...
A/N: Ein Bild vom Wappen der Schattengemeinschaft findet ihr auf meiner Homepage.
Nissa7: Oh ja... Dafür schenke ich dir glatt ein Stück Torte. Ich hoffe, du bist nicht zu enttäuscht.
