Disclaimer:

Aus dem Dunkel der Nacht taucht eine kleine grüne Gestalt auf. Sie wirft einen grimmigen Blick in die Runde und hält dann entschlossen mit beiden Händen einen Kochlöffel hoch.

/starrt einige Sekunden ungläubig/ „Dobby!"

Die kleine Gestalt macht einen erschrockenen Hüpfer und fährt herum. „pilarius! Gegrüßt sei!"

Ähm, ja, ebenso. Dobby... was tust du da?"

Tellergroße Augen sehen sich besorgt um und richten sich dann verschwörerisch auf pilarius. „Dobby mit Winky Muggel- Nachrichten angesehen hat. Viele bewegte Bilder! Neues Vorbild Dobby hat! Mächtigen und weisen Elf mit Namen Yoga!"

/verwirrt guckt/

Möge Joanne mit dir sein!" Der Kochlöffel leuchtet plötzlich in einem mysteriösen grünen Licht und eine kleine Gestalt verschwindet mit einem Salto in der Dunkelheit...


Schatten der Wahl

49. Zwischen Füchsen und Wölfen

„Kann ich kurz mit dir reden, Vater?"

Tigris' Vater sah von seinem Schreibtisch auf. „Wenn es wichtig ist."

Tigris ging zu Lucius hinüber und reichte ihm einen Brief, den er kurz zuvor per Eule bekommen hatte. Sein Vater überflog das Pergament stirnrunzelnd.

„Du erinnerst dich vielleicht an Madame Polydora Ringwood. Sie leitet die Abteilung für magische Artefakte im Ministerium. Wir haben uns auf der Weihnachtsfeier unterhalten und sind seitdem in Kontakt geblieben. Sie hat mir angeboten, in den Ferien ein Praktikum in ihrer Abteilung zu machen."

Sein Vater zog eine Braue hoch. „Interessant. Ich bin… positiv überrascht. Möchtest du dieses Praktikum machen?"

„Ja, sehr gerne. Ich habe über ihre Briefe einiges über ihre Arbeit erfahren, und sie ist sehr interessant. Ich könnte mir durchaus vorstellen, nach meinen NEWTs in diesem Bereich zu arbeiten."

Sein Vater zog ein überraschtes Gesicht und ließ seine Augen erneut über den Brief wandern. „Es kann sicherlich nicht schaden, Kontakte im Ministerium zu knüpfen, auch wenn diese Abteilung ein wenig… ungewöhnlich ist. Ich selbst habe in der Abteilung für internationale Zusammenarbeit angefangen, wenn dich das interessiert. Natürlich haben mich meine Erfahrungen in Nigeria dabei unterstützt…" Lucius hielt inne. „Wenn du das tun willst, hast du meine Unterstützung. Wann planst du, damit anzufangen?"

Tigris war ein wenig verblüfft, dass sein Vater so schnell zusagte, aber fing sich schnell. „Madame Ringwood schrieb, ich könne jederzeit anfangen, also… heute? Es ist schon Nachmittag, aber ich kann mir meinen Arbeitsplatz ansehen und dann morgen richtig anfangen."

„Du hast es eilig, hm?", meinte sein Vater ein wenig amüsiert. „Wie du willst. Weißt du, wohin du in London apparieren musst?"

„Ja, Vater."

„Gut, dann sehen wir uns beim Abendessen." Sein Vater gab Tigris den Brief zurück.

Tigris nahm ihn und verabschiedete sich hastig, bevor sein Vater es sich anders überlegte.

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Tigris apparierte zu der ihm inzwischen schon vertrauten Seitenstraße in der Mitte Londons und nahm die Telefonzelle zum Atrium. Der Brunnen der magischen Geschwister war wieder aufgebaut worden, wie Tigris schon bei seinem Appariertest bemerkt hatte. Tigris ging an ihm vorbei zu der Sicherheitskontrolle, wo ein glatzköpfiger kleiner Zauberer ihn kontrollierte. Der Mann warf einen neugierigen Blick auf die Plakette, die Tigris trug, während er seinen Stab wog.

„Tigris Malfoy… Sie sind nicht vielleicht mit Lucius Malfoy verwandt?"

„Er ist mein Onkel.", sagte Tigris gelangweilt. Die Hexe, die bei seinem Appariertest an der Kontrolle gewesen war hatte ihm dieselbe Frage gestellt. „Und mein Adoptivvater."

„Oh.", meinte der kleine Zauberer aufgeregt. „Das wusste ich nicht." Er warf Tigris einen anerkennenden Blick zu. „Mein Name ist übrigens Donald, Donald Trunks. Nennen Sie mich Don." Er hielt Tigris die Hand hin.

„Schön sie kennen zu lernen.", erwiderte Tigris, und schüttelte sie, dabei einen Blick auf die Waage werfend, die den Bon längst ausgegeben hatte.

Don schien das nun auch zu bemerken, da er den Bon hastig aus dem Gerät nahm und aufspießte.

„Sie sind wegen eines Praktikums hier, lese ich."

„Ja, in der Abteilung für magische Artefakte.", antwortete Tigris ein wenig ungeduldig, da der Mann noch immer keine Anstalten machte, ihm seinen Stab zurückzugeben.

„Ah, eine interessante Abteilung wirklich. Sie ist in der neunten Etage, direkt neben der Mysteriumsabteilung. Haben Sie gehört, was dort letztes Jahr passiert ist?"

„Natürlich.", sagte Tigris, langsam ungehalten. „Wer hat nicht davon gehört? Brauchen Sie meinen Stab noch?"

„Nein, wir sind fertig. Eine erschreckende Sache, nicht? Wer hätte gedacht, dass Sie-wissen-schon-wer…"

„Es tut mir leid, aber ich muss gehen.", unterbrach Tigris den redseligen Mann und nahm ihm seinen Stab beinah gewaltsam aus den Händen. „Schön mit ihnen geredet zu haben."

„Ebenso.", erwiderte der Mann, nun etwas schnippisch. „Immer diese reichen Zauberer…", hörte Tigris ihn murmeln, als er sich abwandte. „Halten für es für zuviel verlangt, wenn man eine freundliche Unterhaltung führen will..."

Tigris verbiss sich eine unfreundliche Entgegnung und machte sich auf den Weg zum Lift. Als der Lift sich nach unten zu bewegen begann, rief das ein paar ungute Erinnerungen wach. Der Appariertest war im sechsten Stock gewesen, das hatte Tigris nicht so sehr gestört. Aber der neunte Stock… Als Tigris in den spärlich beleuchteten Korridor hinaus trat schauderte er unwillkürlich. Dann wurde ihm klar, dass er keine Ahnung hatte, wo sich die Abteilung für magische Artefakte befand. Er ging langsam den Gang hinunter. Sie konnte nicht hinter der Tür am Ende des Ganges sein, dort befand sich, wie Tigris nur zu gut wusste, der runde Raum von dem die verschiedenen Kammern der Mysteriumsabteilung abgingen. Es gab eine Treppe auf der linken Seite, aber diese konnte es auch nicht sein, sie führte zu den alten Verhandlungsräumen. Nun, es gab dort unten einige Türen, von denen Tigris nicht wusste, wohin sie führten, aber er konnte sich nicht vorstellen, dass sich Madame Ringwoods Büro hinter diesen unzähligen Schlössern verbarg. Tigris erkannte schließlich erleichtert, dass eine schmale Treppe auf der rechten Seite abging. Er zögerte einen Moment, dann ging er sie langsam hinunter.

Sie führte eine Weile nach unten und machte dann einen Bogen, hinter dem es heller wurde. Tigris vermeinte Stimmen zu hören und verharrte einen Moment. Madame Ringwood hatte ihm geschrieben, er könne jederzeit vorbeikommen, aber er war dennoch ein wenig nervös. Was, wenn sie nicht da war, oder er sie bei etwas Wichtigem störte? Schließlich atmete er tief durch und trat um die Ecke.

Tigris betrat einen großen Kellerraum in dessen Mitte sich etwas befand, was aussah wie ein riesiger, ovaler Stein. Er war mit einer Menge Seilen am Boden und an der Decke befestigt, so dass er ein wenig über dem Boden schwebte. Von der anderen Seite drangen laut diskutierende Stimmen hervor.

„Nein nein, Sally, das wird nichts!", rief jemand aufgeregt. „Komm wieder herunter, du wirst es nur…"

Ein dumpfes Geräusch ertönte und eine Männerstimme fluchte in einer Tigris unbekannten Sprache. Die Bedeutung war allerdings unmissverständlich.

„Was hab ich dir gesagt!", rief die Frau, die Tigris als Madame Ringwood erkannte. „Und hör auf, in Gobbledegook zu fluchen. Du beeindruckst niemanden und es ist trotzdem unanständig. Hast du dir etwas gebrochen?"

Eine gedämpfte Entgegnung ertönte.

„Ein unverschämtes Glück. Sieh dir Mandy an, sie hört wenigstens auf mich. Bricht sie sich die Knochen? Nein. Es hat keinen Sinn auf diese Weise. Wir müssen es anders versuchen. Es scheint mir recht ähnlich der letzten Lieferung von Gizeh zu sein…"

Tigris umrundete den Stein und sah sich den beiden Diskutierenden gegenüber. Madame Ringwood stand vor dem Stein und schrieb hastig mit einer langen schwarzen Feder etwas auf eine lange Papierrolle, die bereits hinter ihr auf dem Boden Wellen schlug. Sie trug ein Kopftuch und, seltsam genug, einen blauen Muggelanzug. Neben ihr stand ein großer grauhaariger Mann, ähnlich gekleidet wie sie. Er hielt sich mit einer Hand den Rücken und warf dem Stein vor sich böse Blicke zu.

„Guten Tag.", sagte Tigris zögernd. Madame Ringwood sagte eine Weile nichts, während der Mann sich stöhnend aufrichtete und Tigris einen messenden Blick zuwarf. Schließlich sah sie von ihrer Rolle auf.

„Oh, hallo, Tigris." Sie rückte ihre Brille auf der Nase zurecht. „Wir sind mitten in der Arbeit, wie du siehst. Das ist Sally. Sally – Tigris. Du kannst Mandy helfen. Mandy!"

Tigris fühlte sich ein wenig überrollt. Bevor er etwas erwidern konnte, ertönte ein klapperndes Geräusch und etwas rollte unter dem Stein hervor. „Ja?"

Es war eine junge Frau, die mit dem Rücken auf einem Rollbrett lag. Sie trug eine schwarze Jeans und ein ebenfalls schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Denn du bist, was du isst', welche allerdings von Steinstaub grau getönt waren. Ihre kurzen Haare waren ebenfalls schwarz und standen in alle Richtungen von ihrem Kopf ab. Die Hälfte ihres Gesichts war von einer riesigen Brille verdeckt.

„Das ist Tigris, er fängt heute hier an. Zeig ihm, was du machst, so dass er dir helfen kann. Wir sind auf der anderen Seite." Madame Ringwood zog an der Rolle, die sich von selbst zusammen rollte und marschierte von dem humpelnden Sally gefolgt um den Stein herum.

„Okay, Polly!", rief die Frau auf dem Rollbrett ihr nach. Sie nahm ihre Brille ab und sah Tigris an. Tigris sah nun, dass ihre Augen dick mit schwarzem Maskara umrandet waren und sie zudem schwarzen Lippenstift trug. Außerdem hatte sie einen silbernen Ring in der Nase. Sie schürzte abschätzig die Lippen. „Na wenn du nicht piekfein angezogen bist. Nein wirklich."

Ehe Tigris reagieren konnte hatte sie ihren Stab gezogen und auf ihn gedeutet, und bevor er wusste was geschah hatte sich seine Robe in einen Arbeitsanzug verwandelt. Die Frau nickte zufrieden. Anschließend murmelte sie ein paar weitere Zauber vor sich hin und ein zweites Rollbrett und ein paar andere Dinge erschienen neben ihr. „Nicht so schüchtern, komm her."

Tigris riss sich aus seiner Verblüffung und legte sich etwas umständlich so wie sie auf das Rollbrett. Die Frau grinste ihm zu und hielt ihm die Hand hin. „Ich bin Amanda Black, kurz Mandy."

„Tigris.", sagte Tigris, und ergriff ihre Hand. Sie war rau und schwielig.

„Okay, Ti, willkommen in unserem Verein. Hier, setz die Brille auf und nimm das."

Mandy drückte Tigris einen Hammer, einen Meißel und einen Pinsel in die Hand. Dann setzte sie ebenfalls ihre Brille wieder auf und winkte ihm, ihr zu folgen, bevor sie sich wieder unter den Stein rollte. Tigris war ein wenig unbehaglich dabei, sich unter einen tonnenschweren Felsklotz zu begeben, aber er tat es. Es war ein wenig gewöhnungsbedürftig, sich auf diese Weise zu bewegen, aber er erreichte schließlich die Stelle wo Mandy war.

Als Tigris dann neben ihr war, war seine Besorgnis vergessen. Über ihnen war eine Fläche, wo der graue Stein abgemeißelt worden war. Darunter befand sich eine glatte, dunkelgrüne Fläche, in der unzählige Runen eingegraben waren. Tigris betrachtete sie fasziniert.

„Dieses Baby hat es in sich.", meinte Mandy. „Es stammt von Inis Mor. Lässt keine Magie an sich heran, also müssen wir es auf Muggelweise hinbekommen. Der Malachit unter der Kalksteinmatrix ist unzerstörbar, also musst du nicht sonderlich vorsichtig sein. Pass nur auf, dass du nicht zu große Brocken absprengst. Kann ganz schön unangenehm sein, wenn dich die Dinger am Kopf treffen."

„In Ordnung.", sagte Tigris, noch immer von den Runen über ihm fasziniert. „Das sieht nach älterem Futhark aus, was ist es, Zweites Jahrhundert?"

Mandy warf ihm einen neugierigen Blick zu. „Gregorianisch? Ja, könnte ungefähr hinkommen. Aber wir sind noch nicht so weit, Radiometrietests mit dem Kern zu machen."

„Radiome…was?", fragte Tigris verwirrt. Er wusste natürlich, was ein Radio war, aber was hatte das mit dem Alter eines Steines zu tun?

„Muggelmethode. Komm, lass uns vorwärts kommen. Je schneller wir fertig sind, je schneller kommen wir zu dem wirklich interessanten Teil."

Am Abend war der Stein nicht auf sie herab gefallen und sie hatten den größten Teil der Unterseite freigelegt. Auch wenn Tigris' Arme wehtaten, er war stolz auf das, was er erreicht hatte. Tigris hätte liebend gerne die Runen genauer studiert, aber Mandy ließ ihm nicht die Zeit dafür. Sie bestand darauf, dass erst der ganze innere Stein sichtbar sein musste.

Als sie wieder unter dem Stein hervorkamen sahen sie, dass Madame Ringwood und Sally sich inzwischen um die Seiten gekümmert hatten. Man konnte nun erahnen, dass das dunkelgrüne Innere des Steines schneckenförmig war.

„Großartig.", sagte Madame Ringwood, den Stein zufrieden musternd. „Das war doch einmal ein erfolgreicher Tag. Kommt ihr noch mit etwas Trinken in den Dancing Imp?"

„Klar.", sagte Mandy auf der Stelle. „Das haben wir uns verdient, nicht wahr, Ti?"

Tigris machte einen schnellen Zeitzauber und war erschrocken, wie spät es war. „Es tut mir Leid, aber ich kann nicht, ich muss zum Abendessen zuhause sein."

Mandy lachte. „Schaut an, wir haben mal ein richtiges Küken unter uns."

Tigris spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss.

Sally schlug ihm wohlmeinend auf die Schulter. „Keine Sorge, so sind wir hier alle. Du gewöhnst dich schon noch daran. Ich bin übrigens Salomon – oder Sally, wie du willst."

Tigris nahm die breite Hand des Mannes. Etwas an ihm schien ihm vertraut, aber er konnte nicht genau sagen was.

„Tigris… Na ja, ich nehme an, Mandy hat mich zu Ti umbenannt."

Sally lachte. „Ja, sie ist die Expertin hier für Spitznamen. Nicht wahr, Polly?"

Madame Ringwood grummelte etwas Unverständliches. „In Ordnung.", sagte sie dann. „Gehen wir uns umziehen. Wir treffen uns im Atrium. Auch du, Tigris. Ich muss dich noch ins Mitarbeiterbuch eintragen lassen. Du kannst schließlich nicht immer über den Besuchereingang kommen."

„In Ordnung, Madame.", erwiderte Tigris.

Ringwood warf ihm einen strengen Blick zu. „Wage es nicht, mich Madame zu nennen. Ich fühle meine alten Knochen auch schon so genug. Ich bin Polydora… sogar Polly, wenn es sein muss. Aber bitte nicht Madame." Sie schauderte übertrieben.

„In Ordnung, Polly.", sagte Tigris lächelnd.

Polly seufzte. „Er ist nicht einmal einen Nachmittag hier, und ihr beiden habt ihn schon verdorben. Kommt, Kinder, ich brauche einen Feuerwhisky."

Die beiden anderen lachten. Sie gingen zur Seite des Raumes, wo sich eine hölzerne Tür befand. Dahinter war ein schmaler Gang, von dem mehrere Türen abgingen. Eine davon führte in einen Raum mit zwei langen Holzbänken, mehreren Kleiderständern und einem großen Schrank. Tigris war überrascht, seine Robe an einem der Kleiderständer hängen zu sehen. Mandy bemerkte seinen Blick.

„Was, hast du gedacht ich lasse deine teuren Klamotten verschwinden?"

„Ich dachte, du hast sie verwandelt."

Sie schüttelte den Kopf. „Verwandlungen sind nicht so mein Ding. Bann- und Herbeirufungszauber, darin bin ich gut. Außerdem habe ich ein gutes Auge für Größen."

„Nun, ich muss zugeben, dass ich froh darüber bin."

Mandy grinste. „Hattest du Angst davor, du müsstest im Muggelaufzug rumlaufen?", stichelte sie.

Tigris zuckte mit den Schultern und sprach einen Reinigungszauber auf sich, um den Staub loszuwerden. Nachdem er sah, dass die beiden Hexen kein Problem damit hatten, sich im gleichen Raum umzuziehen, tat er es ebenfalls.

Mandy trug eine schwarze Robe, die sie noch blasser machte, als sie ohnehin war.

„Du hast eine Vorliebe für schwarz, nicht wahr?", fragte Tigris scherzhaft.

„Ja, und Silber.", meinte sie unbeteiligt. „Obwohl ich Letzteres wegen unserem ansässigen Wolf im Zaum zu halten versuche." Sie deutete auf Sally.

Tigris sah den Mann überrascht an.

Der rollte mit den Augen. „Taktvoll, Mandy. Sehr taktvoll."

Sie verbeugte sich spöttisch. „Bin ich das nicht immer?"

„Was sie sagen will, ist, dass ich ein Werwolf bin.", sagte Sally, Tigris dabei prüfend ansehend.

„Ja, das… dachte ich mir schon.", erwiderte Tigris zögernd. Er wusste nicht genau, was er dazu sagen sollte. Natürlich hatte er kein Problem damit, aber er konnte nicht gerade sagen, dass er schon einen Werwolf gekannt hatte.

„Und?", fragte Sally.

Tigris zuckte mit den Schultern. „Solange du bei Vollmond dein Wolfsbann nicht vergisst. Ich bin nur ein wenig überrascht. Das Ministerium…"

„… hat niemanden, um mich zu ersetzten.", sagte Sally trocken. „Das, und es kommt selten jemand nach hier unten. Man könnte sagen, sie machen einfach beide Augen zu, wenn ich vorbeikomme."

„Aha.", sagte Tigris lediglich.

Mandy warf sich eine Tasche über die Schulter und grinste ihnen zu. „Bis gleich."

Sie hatte ihre Arbeitssachen mit einem Reinigungszauber besprochen und auf einen der Kleiderständer gehängt. Tigris folgte ihrem Beispiel und ging danach ebenfalls. Im Atrium fand er Mandy am Brunnen der magischen Geschwister wieder, wo sie Geldstücke aus dem Wasser zauberte, um sie gegen die Statuen zu werfen. Der Zauberer an der Kontrollstelle betrachtete sie stirnrunzelnd, sagte jedoch nichts. Polydora und Sally kamen etwas später. Polydora diskutierte eine Weile mit dem Wachzauberer und winkte Tigris dann an die Kontrolle. Tigris musste erneut seinen Stab abgeben und der Wachzauberer schrieb etwas in ein großes schwarzes Buch, das an der Seite auf dem Tisch lag.

„Gut, jetzt kannst du die Feuerstellen benutzen, wie jeder andere Mitarbeiter.", sagte Polydora schließlich, als Tigris seinen Stab zurückbekam.

„Wann soll ich morgen früh da sein?", fragte er.

„Oh, nicht vor elf. Wir sind alle Langschläfer.", erwiderte Polly. „Komm wann du willst. Arbeit gibt es immer."

Das kam Tigris gerade entgegen. Ihm gefiel die Arbeit mit den dreien, aber das war schließlich nicht der wirkliche Grund, warum er dieses Praktikum machte. Er sah noch einmal auf die Zeit und erkannte, dass er schon beinah zu spät zum Abendessen war. Tigris verabschiedete sich hastig und benutzte eine der Feuerstellen, um zu gehen.

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Am nächsten Morgen stand Tigris früh auf und ging direkt nach dem Frühstück. Das gab ihm noch Gelegenheit, mit Draco zu reden, der die nächsten Wochen bei seiner Freundin Athena verbringen würde. Sein Bruder hatte sich spontan dazu entschlossen, nachdem er von Tigris' Praktikum erfahren hatte. Es konnte Tigris nur recht sein. Draco war zuweilen gefährlich scharfsinnig, etwas, das Tigris im Moment gar nicht gebrauchen konnte.

Es war etwa acht Uhr morgens, als Tigris zur Norris Lane in Sussex apparierte. Das ließ ihm drei Stunden, bis er im Ministerium sein musste. Mehr, wenn er es darauf ankommen ließ und zu spät kam. Tigris sprach einen Illusionszauber auf sich, der ihn wie einen gewöhnlichen braunhaarigen Muggel erscheinen ließ. Illusionszauber waren nicht sehr gut darin, Zauberer zu täuschen – zumindest nicht auf dem Level, das Tigris zustande brachte – aber für Muggel reichte es allemal. Muggel hatten das bemerkenswerte Talent, alles zu ignorieren, was ihnen merkwürdig vorkam. Tigris erinnerte sich daran, „Philosophie des Gewöhnlichen" gelesen zu haben, und grinste flüchtig. Es war geradezu absurd, was alles unter der Nase von Muggeln geschehen konnte, ohne dass sie es merkten.

Tigris ging die schmale Straße hinunter und hielt nach Nummer 16 Ausschau. Er fand sie schnell. Inmitten der weißgetünchten Häuser mit gepflegten Vorgärten befand sich eine von Unkraut überwachsene Ruine mit einem „Vorsicht, Betreten auf eigene Gefahr" – Schild davor. Tigris nahm den Fotoapparat, der zu seiner Illusion gehörte, und gab vor, ein paar Fotos zu machen. Kurz darauf sah er eine Bewegung an einem Fenster der Nachbarhäuser. Er grinste zu sich selbst. Muggel waren so leicht vorhersehbar. Er ging zu dem entsprechenden Haus hinüber und klingelte. Nach einer Weile öffnete eine braunhaarige Frau im Morgenmantel.

„Guten Morgen.", sagte sie mit schlecht verhohlener Neugierde.

„Guten Morgen, Madame.", entgegnete Tigris. „Mein Name ist Jonathan Brown. Ich bin von der Sunday Times, wir schreiben einen Artikel über den Brand hier letztes Jahr. Ich sah, dass Sie schon wach sind und hoffte, sie könnten mir ein paar Fragen beantworten?"

„Oh, natürlich.", sagte die Frau, sofort begeistert. „Mein Name ist Eloise Lafitter. Nennen Sie mich doch Eloise."

Tigris nahm ihre ausgesteckte Hand. „Vielen Dank, Eloise. Nennen Sie mich John. Ich hoffe wirklich, ich nehme nicht zuviel ihrer Zeit in Anspruch?"

„Oh nein, nicht doch.", sagte sie mit einem breiten Lächeln. „Kommen Sie herein. Darf ich ihnen einen Kaffee anbieten?"

„Nein wirklich, ich will ihnen keine Umstände machen."

„Das sind keine Umstände, ehrlich. Mein Mann ist gerade zur Arbeit, die Kanne ist noch halb voll."

„Dann nehme ich natürlich gerne an." Tigris folgte ihr in die Küche, wo sie mit schnellen Handgriffen zwei Tassen auf den Küchentisch stellte und sie füllte.

„Eine furchtbare Sache, das mit den Billards. Ich habe natürlich schon letztes Jahr der Polizei alles erzählt, was ich wusste. Furchtbar. Ich meine, wer denkt sich, dass so etwas direkt in der Nachbarschaft geschieht? Haben sie inzwischen herausgefunden, wer es gewesen ist, wissen Sie etwas?"

„Ich denke nicht.", erwiderte Tigris. „Ich habe noch nicht mit der Polizei gesprochen. Ich wollte mir erst einen Eindruck von der persönlichen Seite machen, wissen Sie?"

Sie nickte eifrig.

„Kannten Sie die Billards gut?", fragte Tigris.

Sie seufzte dramatisch. „Ach, wie gut kennt man überhaupt jemanden? Den alten Billard, den kannte so ziemlich jeder hier, aber der Sohn, der war immer sehr für sich. Hat vor einer Weile so eine feine Dame geheiratet, aus London oder so. Und dann…" Sie lehnte sich vor, als verriete sie ihm ein schwerwiegendes Geheimnis. „Ist sie gestorben. Niemand weiß wie. Er hat auffallend schnell wieder geheiratet danach. Ich meine, man würde denken, so ein junger Bräutigam trauert eine Weile, wenn seine Frau stirbt, aber nein. Ein Jahr später kam er mit seiner zweiten Frau zurück, Dorene hieß sie. Da hatte sie schon einen dicken Bauch. Nur ein Jahr danach! Ein ganz eingebildetes Ding, hat sich nie richtig mit mir unterhalten. Ich hab natürlich den Jungen gesehen, wenn er zur Schule ging. Ein süßer Zahn war das, der kleine Norman. Ich hab ihm immer mal was zugesteckt, wenn er vorbei kam. Ihm und seinen Freunden, Leonard Napper von gegenüber und Barry Ward vom Ende der Straße."

Tigris zog ein Foto aus seiner Tasche. Es zeigte ein Bild von ihm, wie er mit etwa dreizehn ausgesehen hätte. Es hatte ein wenig gedauert, ein Foto so zu manipulieren, aber letztendlich waren die Zauber dafür erstaunlich einfach. Tigris war gespannt, ob das was er vorhatte funktionieren würde. Nach seinem zufälligen Benutzen von Handmagie nach dem Unfall mit Martha hatte Tigris versucht, einfachere Zauber ohne Zauberstab auszuführen, aber es war ihm nicht gelungen. Dennoch hatte er es geschafft, nur mit einer Handbewegung Blaises Gedächtnis zu löschen. Tigris hatte die Theorie, dass die Zauber aus dem Buch der Blacks ihm aufgrund seines natürlichen Talentes leichter fielen. An wem ließ sich diese Theorie besser testen, als an einem ahnungslosen Muggel?

„Erinnern Sie sich an diesen Jungen?", fragte er.

Während Mrs. Lafitter auf das Foto starrte, beobachtete Tigris sie intensiv und dachte an das, was er bewirken wollte.

„Ja, ich glaube…", sagte sie nach einer Weile zögernd. „Er kommt mir bekannt vor. Warten Sie… Ja, ich denke ich habe ihn ein paar Mal im Garten der Billards beim Unkrautjäten gesehen."

Tigris musste sich bemühen, nicht triumphierend zu grinsen. „Das ist Tigris Billard, der ältere Sohn."

„Lances Sohn?", fragte Mrs. Lafitter schockiert. Dann wandelte sich ihr Gesichtsausdruck in Verwirrung. „Dann muss er von seiner ersten Frau gewesen sein. Seltsam, dass man ihn so selten gesehen hat. Tigris, sagen Sie? Nein, so einen merkwürdigen Namen hätte ich mir bestimmt gemerkt. Sind Sie sicher es ist kein Druckfehler? Vielleicht hieß er Tommy, oder Tim? Wenn ich darüber nachdenke, ich bin sicher, ich hörte, wie Mrs. Billard ihn Tim gerufen hat."

Tigris hätte sich ohrfeigen können, dass ihm das nicht früher aufgefallen war. Natürlich, ein Name wie Tigris war für Muggel ausgesprochen auffällig. Nun ja, er konnte immer noch sagen, seine Zieheltern hätten seinen Namen zu etwas ‚Normalerem' verändert.

„Sie haben bestimmt Recht.", sagte er, und schrieb etwas auf seinen Notizblock. „Es muss Tim sein, gar keine Frage. Wer weiß, wer da bei uns einen Fehler gemacht hat."

Sie lachten.

Ein wenig später ging Tigris, die Frau mit der Überzeugung zurücklassend, dass sie den merkwürdigen Jungen im Nachbarhaus gesehen hatte. Ohne Zweifel würde sie schon bald jemandem erzählen, dass dieser Junge Billards Sohn gewesen war. Sie würde sich an den Besuch des Reporters erinnern… nicht jedoch an den Namen der Zeitung, für die er gearbeitet hatte. Schließlich würde sie sonst vergeblich nach dem bewussten Artikel suchen. Wenn Mrs. Lafitter, eine offensichtlich neugierige Nachbarin, den Jungen nur selten gesehen hatte, würde ihr sicher bald die ganze Straße die Geschichte glauben. Tigris hatte gedacht, es würde schwieriger werden, aber das Glück spielte ihm in die Hände. Da die Billards so zurückgezogen gelebt hatten – ohne Zweifel aufgrund des Klatsches über Billards erste Frau – hatte sie sicher niemand gut genug gekannt, um Mrs. Lafitter zu widersprechen. Nun musste er sich nur noch mit den Nappers und den Wards unterhalten.

Das Haus der Nappers war dunkel, aber bei den Wards – deren Hausnummer Mrs. Lafitter ihm freundlicherweise verraten hatte – stand ein großes Wohnmobil in der Einfahrt. Auf der Vorgartenmauer saß ein etwa sechszehnjähriger Junge und rauchte, den Blick gelangweilt auf das Haus gerichtet.

„Guten Morgen.", grüßte Tigris. „Ich bin auf der Suche nach Barry Ward, kannst du mir vielleicht sagen, wo er wohnt?"

Der Junge betrachtete ihn abschätzig. „Was wollen Sie denn von ihm?"

Tigris gab ihm die gleiche Erklärung, die er Mrs. Lafitter gegeben hatte.

„Klar, Alter, das bin ich.", sagte der Junge daraufhin.

„Du warst ein Freund von Norman Billard, hab ich gehört?"

Der Junge zog einen tiefen Zug an seiner Zigarette. „Ja, wir waren gute Kumpel. War ein feiner Kerl, Norman. Echt scheiße, was mit ihm passiert ist. Ich wünschte, sie würden die Schweine kriegen, die das gemacht haben."

„Erinnerst du dich an seinen älteren Bruder, Tim? Ich habe hier ein Bild von ihm."

Tigris hielt ihm das Foto hin. Barry betrachtete es stirnrunzelnd. „Ach ja, der Freak.", sagte er dann. „Der hang immer irgendwo rum. Bis sie ihn nach St. Brutus geschickt haben, heißt das."

„War er kriminell?", fragte Tigris gespielt neugierig.

„Der? Ach, Quatsch. Den wollten sie nur loswerden. Frag mich nicht, was mit dem passiert ist. Stand nichts in der Zeitung über ihn."

In diesem Moment kamen zwei Muggel aus dem Haus, die beide große Kisten trugen.

„Barry!", rief die Frau ärgerlich. „Was machst du denn noch immer hier? Wir müssen los! Hast du deine Sachen gepackt?"

Der Junge verdrehte genervt die Augen. „Man, mach mal nicht so'n Stress, Mama. Ich komm ja schon." Er winkte Tigris zu. „Mach's gut, Alter. Ich muss. Wenn du meinen Freund Leonard suchst, der ist in den Ferien, aber die kommen morgen Nachmittag wieder."

„Okay, danke.", sagte Tigris.

„Keine Sache, Alter." Der Junge schnippte seine Zigarette zur Seite und schlenderte langsam, sehr zum Ärger seiner Mutter, ins Haus.

„Kann ich Ihnen helfen?", fragte sie dennoch, nachdem sie ihre Kiste im Wohnmobil verstaut hatte.

„Jonathan Brown, von der Sunday Times.", sagte Tigris, die Hand ausstreckend. „Ich schreibe einen Artikel über den Brand bei den Billards."

„Ah, ja.", sagte sie, seine Hand zerstreut ergreifend. „Wie Sie sehen haben wir gerade nicht viel Zeit. Ich kannte die Billards ja nicht so gut, aber Norman war ein paar Mal hier. Eine schreckliche Sache. Brandstiftung, hat die Polizei gesagt. Da fragt man sich, wohin die Welt gekommen ist, nicht wahr?" In diesem Moment kam ihr Mann wieder aus dem Haus, Barry mit einem Rucksack hinter sich. Sie lächelte entschuldigend. „Tut mir leid, aber wir müssen los. Der Stau nachmittags ist furchtbar im Tunnel."

„Klar, keine Ursache.", erwiderte Tigris. „Vielen Dank für Ihre Zeit."

Sie nickte und kletterte ins Wohnmobil. Es hatte gereicht, dafür zu sorgen, dass sie sich daran erinnerte, dass ihr Sohn ‚Tim' einige Male erwähnt hatte.

Tigris trat hastig zur Seite, als das monströse Gefährt ansprang, und sah auf die Uhr. Es war bereits fast halb elf. Als der Wohnwagen verschwunden war, trat er in einen nahe gelegenen Hauseingang, sah sich kurz um und apparierte dann nach Beenden des Illusionszaubers zum Leaky Cauldron, von wo er das Floo zum Ministerium benutzte.

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Tigris suchte die Polizeidienststelle den nächsten Tag auf. Es war nur ein älterer Beamter im Dienst, der anscheinend nie viel zu tun hatte. Das Feuer bei den Billards war ein Höhepunkt in seiner Karriere, und er erzählte gerne und viel darüber. Wie es schien waren einige überbezirkliche Beamte da gewesen – Tigris vermutete, es waren die Auroren, die die Beweise für einen Todesserüberfall vertuschten. Die Akten waren jedoch noch immer in dieser Dienststelle, und es kostete nicht viel Mühe, einen Absatz hinzuzufügen, in dem stand, dass der zweite Sohn zur Zeit des Unglücks in einem Internat gewesen war und zu Verwandten gekommen war.

Einen Tag später besuchte Tigris die Nappers, die sich als ebenso einfach erwiesen, wie die anderen Muggel.

Als letztes auf seiner Liste kam die Grundschule – das schwierigste, da dort die meisten Leute Tim gekannt haben müssten. Tigris ließ die Lehrerin glauben, dass Tim ein stiller, unauffälliger Junge gewesen war, der keine richtigen Freunde hatte und meist von Norman und seinen Freunden gehänselt wurde. Es half, dass die drei anscheinend wirklich Unruhestifter gewesen waren – kaum jemand würde sich genau an das Aussehen eines Jungen erinnern, auf den sie es abgesehen hatten. Tigris fügte eine Akte zu dem Schularchiv hinzu, die nicht viel mehr als einen Namen und durchschnittliche Zeugnisse erhielt. Danach war er froh, die Muggelwelt hinter sich zu lassen.

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Die Arbeit an dem schneckenförmigen Stein kam unterdessen weiter voran. Sie hatten inzwischen die ganze Matrix – den Kalkstein, der das Artefakt umgab – abgelöst, und man sah, wie großartig es tatsächlich war. Es zeigte sich, dass Sally ein herausragender Sprachenexperte war, der die Runen auf dem Stein so gut wie fließend übersetzen konnte.

Es schien die Würdigung an einen alten Druiden zu sein… zumindest nannte der Schreiber ihn „den Herrn von Aelwyd'ollam". Polydora vermutete, es handelte sich um einen Gedenkstein, was sie in große Aufregung versetzte. Anscheinend war es zu der damaligen Zeit üblich gewesen – Mandy hatte den Stein inzwischen auf etwa 95 n. C. datiert – das Wissen eines verstorbenen großen Meisters in irgendeiner Form in seinem Gedenkstein zu verewigen. Polydora hoffte, dass sie mit dem Stein auch einiges unbekanntes Wissen aus der damaligen Zeit entschlüsseln würden. Es blieb jedoch weiterhin das Problem, dass keinerlei Magie auf den Stein wirkte. Nicht nur das, er verhinderte auch jegliche Magie in seiner unmittelbaren Nähe – was Sally am Tag seiner Ankunft schmerzhaft erfahren hatte, als sein Schwebezauber versagte.

Sie machten eine Reihe Tests an dem Stein, die alle sehr spannend waren, aber nichts ergaben.

Inzwischen suchte Tigris nach einem Grund, um Hogwarts aufzusuchen. Um mit seinem Plan weiter voran zu kommen, brauchte Tigris drei bestimmte Tränke, deren Rezepte sich in Slytherins Tränkebuch befanden. Er wusste, dass er die Zutaten dafür besaß, aber sie waren in Slytherins Kammer.

Es ergab sich schließlich eine Möglichkeit, als Polydora eine Analyse einer Gesteinsprobe wollte. Sie regte sich darüber auf, dass der Tränkemeister, der dies gewöhnlich für ihre Abteilung machte, in Urlaub war, und erst in einer Woche zurückkehren würde. Es würde wahrscheinlich ohnehin nichts ergeben, da die Probe von der Matrix war, aber Polydora war eine ungeduldige Person. Als Tigris sich erbot, den ‚guten Freund seiner Familie' Severus Snape zu fragen, ob er die Analyse für sie machen würde, war sie sofort hell begeistert. Tigris wusste, dass Snape den größten Teil der Ferien in Hogwarts verbrachte. Zum einen wahrscheinlich, weil Dumbledore seinen Spion in seiner Nähe haben wollte, zum anderen aber auch, weil er Pomfreys Tränkeschrank wieder auffüllte.

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Als Tigris in Hogwarts ankam, wurde er von McGonagall begrüßt. Snape war anscheinend unterwegs, was Tigris nur recht war. Er sagte der Professorin, er würde in Slytherin auf Snape warten und ging danach auf schnellstem Wege zu der Kammer. McGonagall hatte gesagt, Snape würde nicht vor sechs Uhr Abends zurück sein, also nutzte Tigris die Zeit um die Tränke zu brauen. Keiner von ihnen benötigte viel Zeit. Einer war ein Bindetrank, dazu gedacht, Zauber an ein bestimmtes Artefakt zu binden. Die beiden anderen waren bewusstseinsbeeinflussende Tränke. Einer würde dafür sorgen, dass der Trinker glaubwürdiger und vertrauenserweckender erschien, der andere machte den Trinker anfälliger für gedankenverändernde Zauber. Tigris hatte nun seine Zauber an den Muggeln ausprobiert, sein nächstes Ziel waren Zauberer. Zauberer, auch wenn sie keine Okklumenten waren, waren weit feinfühliger als Muggel. Tigris konnte nicht hoffen, sie ohne weiteres bei einem einfachen Gespräch bezaubern zu können, wie er es mit den Muggeln getan hatte. Die bewusstseinsverändernden Tränke würden ihm dabei helfen. Was den Bindetrank anging… das war ein Schlüsselstück in seinem Plan, eines auf das er persönlich recht stolz war.

Als Tigris wieder nach oben kam, war Professor Snape bereits wieder da, was ein kleines Problem darstellte, da der Professor nach ihm gesucht hatte. Tigris behauptete, dass er durch Hogwarts gewandert war, um sich die Zeit zu vertreiben, aber konnte sehen, dass Snape misstrauisch war. Es ließ sich leider nicht ändern. Er wollte Snapes Gedanken nicht erneut beeinflussen. Es war ohnehin fraglich, ob es so leicht sein würde, wie beim ersten Mal. Das war jedoch nicht sehr schlimm. Was immer Snape dachte, was Tigris getan hatte, er würde kaum auf die Wahrheit kommen.

Zu Tigris' Freude stimmte der Tränkemeister zu, die Probe zu analysieren, so dass er Polydora mitteilen konnte, dass sie ihre Ergebnisse in zwei Tagen bekommen würde. Es hob ihn sichtlich in ihrer Gunst.

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Am Wochenende besuchte Tigris Blaise. Ihre Familie wohnte in einem alten Landhaus, das von einer Flussbiegung umgeben war. Es war in Schottland, in einem schönen Teil der Highlands. Sie verbrachten ihre Zeit damit, spazieren zu gehen und in der Sonne zu liegen. Der einzige trübe Punkt war Sameth, der sie nie lange genug alleine ließ, um es ernster zwischen ihnen werden zu lassen. Tigris begann Blaises Überzeugung zu teilen, dass kleine Geschwister eine von den Göttern geschaffene Plage waren.

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Tigris hatte Polydora gesagt, dass er am Montag etwas später kommen würde, vorgeblich, um mehr Zeit mit Blaise verbringen zu können. In Wirklichkeit ging er erneut früh und apparierte nach Michelham. Es war eine kleine Stadt – eigentlich mehr ein Dorf. Das Haus, was Tigris suchte, war ein wenig außerhalb, ziemlich am Rand der Stadt. Bevor er an der Tür klopfte, trank er einen Schluck von einem seiner Tränke – dem, der ihn vertrauenswürdiger machte.

Die Tür öffnete sich und Tigris sah sich einer uralt wirkenden, grauhaarigen Frau gegenüber. Er brauchte einen Moment, um sie mit den Fotos, die er gesehen hatte in Einklang zu bringen. Dann lächelte er.

„Guten Morgen, Miss Babcock."

Sie betrachtete ihn durch die Gläser ihrer dickglasigen Brille.

„Guten Morgen, junger Mann. Kennen wir uns?"

„Ich war einmal Schüler hier.", antwortete Tigris ohne zu Zögern. „Erinnern Sie sich nicht an mich? Tigris Billard, obwohl ich jetzt Malfoy heiße."

Sie starrte Tigris noch eine Weile nachdenklich an, dann nickte sie. „Wird schon Recht sein. Was wollen Sie hier?"

„Ich wollte Madame Rosier besuchen und vielleicht mit ein paar meiner alten Schulkameraden reden."

„Im Moment ist Unterricht, aber das wissen Sie ja. Madame ist im Teezimmer. Ich werde Sie anmelden."

Damit schlug die alte Frau Tigris die Tür vor der Nase wieder zu. Tigris war etwas verblüfft, aber nahm an, es gehörte einfach zu ihren Marotten. Er wusste von der Beschreibung von Ginevras, dass Miss Babcock die Haushälterin war.

Wenig später machte sie die Tür wieder auf. „Madame kann Sie jetzt empfangen."

„Danke, Miss Babcock.", sagte Tigris.

Sie führte ihn den Gang hinunter in das Teezimmer, wo Madame Rosier an einem kleinen Tisch saß und Zeitung las. Als Tigris eintrat, ließ sie die Zeitung sinken. Sie war in jeder Hinsicht so steif, wie er sie sich von dem Foto her vorgestellt hatte.

„Ah, guten Morgen, Mister Malfoy. Das wäre dann alles, Polly."

Die Haushälterin, die in der Tür gewartet hatte, offensichtlich um etwas von ihrem Gespräch mit zu bekommen, knurrte etwas Unverständliches und machte die Tür hinter sich zu.

„Guten Morgen, Direktorin.", erwiderte Tigris.

„Ich wundere mich.", sagte sie, ihn über den Rand ihrer Brille ansehend. „Ich habe mich erst neulich mit Ihrem Vater unterhalten, und er hat nichts von Ihrem Besuch erwähnt."

„Es war eine spontane Entscheidung.", antwortete Tigris. „Ich hielt es für sinnvoll, etwas mehr über meine alte Schule zu erfahren, für den Fall, dass mich einmal jemand danach fragt."

„Ah ja, ein lobenswertes Ansinnen. Setzen Sie sich doch. Ich werde sehen, was ich ihnen über mein liebes Haus erzählen kann."

Sie unterhielten sich eine Zeit lang. Madame Rosier war sichtlich stolz auf ihre Schule. Es gab zurzeit insgesamt siebenundzwanzig Schüler, niemals mehr als fünf pro Jahrgang. Die Schule hatte vier Lehrer, Madame Rosier eingeschlossen, von denen jeder, bis auf sie selbst, drei Fächer unterrichtete. Sie selbst unterrichtete Tränke und Astronomie, was erklärte, warum sie Zeit hatte, während alle anderen beschäftigt waren. Die Schüler stammten größtenteils aus alten Familien, die nicht wollten, dass ihre Kinder nach Hogwarts gingen. Es waren ebenso größtenteils Mädchen.

„Leider", sagte Madame Rosier, „ist ein Abschluss von Hogwarts noch immer in der Zaubererwelt besser angesehen, auch wenn unser Unterricht Hogwarts um nichts nachsteht. Es mag sein, dass Eltern eher geneigt sind, ihre Töchter zu uns zu schicken, da sie bereits verlobt sind und sehr wahrscheinlich kurz nach ihrem Abschluss heiraten werden, ohne einen Beruf zu ergreifen. Das ist allerdings, das kann ich versichern, bei der Mehrzahl nicht der Fall. Viele sehen sich von ihren Lehrerinnen inspiriert, die versuchen, sie zur Unabhängigkeit anzuregen. Ich beispielsweise war auch verheiratet, aber ich entschied mich trotzdem, in Ginevras zu unterrichten. Nun, da mein Mann tot ist, habe ich mir mein Amt als Direktorin zur Lebensaufgabe gemacht." Es klang wie eine oft wiederholte Ansprache. Sie beugte sich etwas zu Tigris hinüber. „Ihre Mutter ist übrigens das beste Beispiel für eine Schülerin, die das Beste aus ihren Kenntnissen gemacht hat. Sie ist nur wenig älter als mein Sohn Evan, deshalb erinnere ich mich so gut an sie. Sie hat sich entschieden, nach ihrem Abschluss zu studieren, bevor sie heiratete. Sie ist eine herausragend gebildete Hexe geworden, ich freue mich jedes Mal, mich mit ihr unterhalten zu können."

Etwas später klingelte die Pausenglocke.

„Wollen Sie mit uns essen?", fragte Madame Rosier. „Sie können sich mit den Kindern unterhalten. Es sind nur drei Mädchen im sechsten Jahrgang: Madeleine Nerva, Amalia Williams und Inocencia Macnair."

„Gerne.", erwiderte Tigris. „Ist Inocencia mit Walden Macnair verwandt?"

„Er ist ihr Onkel, wenn ich mich nicht irre. Sie sollten sich auch ein wenig mit den Jungen in unserem Haus unterhalten. Wir haben nur fünf insgesamt. Zwei von ihnen haben erst dieses Jahr angefangen, das macht drei, die Sie kennen sollten. Wir haben nur zwei Schlafräume, müssen Sie wissen, einen für die Jungen, einen für die Mädchen. Sie wären die ersten zwei Jahre alleine gewesen, aber dann kommt Liam Coryndon, er ist jetzt in der Vierten. Nach ihm sind die Stonehill- Zwillinge, Jason und Jonathan. Sie sind jetzt in der Dritten."

Das würde schwierig werden. Wenn sie nur so wenige waren, würden sie sich sicher gut kennen. Andererseits, Tigris könnte sie denken lassen, dass er eigenbrötlerisch und unfreundlich war. Ja, dieser Plan gefiel ihm gut. Es machte Sinn, dass er sich nicht näher mit den Mädchen befreundet hatte. Drei Mädchen würden sich wahrscheinlich ohnehin zusammentun. Hinzu kam, sie waren alle reinblütig, während Tigris vorgeblich ein Halbblut war. Es wäre ihm vermutlich nur recht gewesen, einen Schlafraum für sich allein zu haben, in dem er ungestört lesen konnte. Weitere Jungen waren da eher eine Störung als eine willkommene Gesellschaft. Wenn Liam Tigris nicht mochte, würde er sich schnell mit den Zwillingen zusammen getan haben, weswegen sie nicht viel über Tigris wussten, außer dass er sich viel zurückzog und las. Ja, das klang glaubwürdig und würde nicht zuviel Arbeit erfordern.

Die Lehrer mochten ein Problem darstellen… aber Tigris würde dieses Problem in Angriff nehmen, wenn es ihm ins Auge sprang. Es war ja nicht notwendig, dass sie sich im Detail an ihn erinnerten. Sie mussten nur davon überzeugt sein, ihn einmal unterrichtet zu haben.

Tigris hing seinen Gedanken nach und ging hinter Madame Rosier her, die ihn in den Speiseraum führte. Er war groß genug, um etwa dreißig Leuten Platz zu bieten. Die Lehrer saßen mit der Haushälterin am Kopfende des breiten Tisches, die Schüler an den Seiten. Als sie eintraten betrachteten die Schüler Tigris neugierig. Madame Rosier führte ihn zu einem Platz neben drei Mädchen seines Alters. Die vier, die wohl im siebten Schuljahr waren, rückten auf, um Tigris Platz zu machen.

Tigris unterhielt sich beiläufig mit ihnen während er die Lehrer beobachtete. Madame Rosier erklärte den Anwesenden, dass er ein Gast und der Sohn eines Bekannten von ihr sei, dann begann das Essen. Rechts neben Madame Rosier saß ein hagerer kleiner Mann, gekleidet in Frack und Zylinder. Dies musste Mordicus Egg sein, der Professor für Kräuterkunde, Pflege magischer Kreaturen und Muggelkunde. Links von der Direktorin saß eine dickliche, schwarzhaarige Hexe, die zufrieden in ihr Essen vertieft war. Aus Madame Rosiers Beschreibungen schloss Tigris, dass dies Sabinia Cochenille war. Sie unterrichtete Zauberkunde, Runen und Geschichte. Blieb noch die erstaunlich junge Hexe auf Eggs anderer Seite. Sie war sehr groß und dünn und hatte buschiges rotes Haar, das sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Wenn Tigris sich nicht irrte, war dies Iphigenia Suruta, Lehrerin für Verwandlungen, Arithmantik und Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Madame Rosier hatte gesagt, dass sie selbst einst in Ginevras zur Schule gegangen war. Von allen Lehrern war Suruta wahrscheinlich die schwierigste. Sie war diejenige, der Tigris am meisten zutraute, ihn zu durchschauen… oder zumindest seinen Plan zu vereiteln.

Am Ende war alles viel leichter, als er gedacht hatte. Tigris erinnerte sich am Ende des Essen ‚gerade noch rechtzeitig' daran, dass er Madame Rosier eine Packung Vanillefudge mitgebracht hatte. Es war eine recht große Packung, was Madame Rosier zunächst ablehnen ließ. Daraufhin schlug Tigris ihr vor, es mit den Schülern zu teilen. Die Lehrer aßen schon allein aus Höflichkeit ein Stück und schon bald war die große Schachtel leer… und damit konnte Tigris zweiter Trank seinen Nutzen erfüllen. Suruta war zu seiner Erleichterung kein Okklumens. Sie war in der Tat sehr intelligent und misstrauisch, aber durch die beiden Tränke war das kein Hindernis mehr. Als Tigris ging, war Tigris Billard eine real existierende Person geworden… zumindest in der Erinnerung derer, die jemand nach ihm fragen mochte.

Tigris hatte auch ein anderes Problem gelöst, dessen er sich bewusst geworden war, als er mit Rosier geredet hatte. Warum würde eine solche Schule überhaupt ein muggelgeborenes Kind aufnehmen? Weil Lucius Malfoy Madame Rosier vertraulich darum gebeten hatte natürlich. Mister Malfoy wollte sicherstellen, dass der Sohn seiner Schwester eine vernünftige Ausbildung erhielt, trotz der Muggel, mit denen er aufwuchs. Zumindest dachte Madame Rosier, dass er das gesagt hatte…

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An einem Tag in der Woche besuchte Blaise Tigris im Herrenhaus, da er zuviel zu tun hatte, um sie besuchen zu können, und sie am kommenden Wochenende beschäftigt war. Sie aß mit seiner Familie zu Abend und kam dann wie selbstverständlich mit in sein Zimmer.

„Weißt du, dass es einen nützlichen kleinen Zauber gibt, der Hauselfen fernhält?", fragte sie, als er die Tür schloss.

Tigris grinste ihr zu. „Nein wirklich? Zeig ihn mir doch mal."

Sie schwenkte ihren Stab. „Fugalbis!"

Ein heller Lichtpunkt schoss aus ihrem Stab und verschwand in der Tür.

„Sehr interessant.", meinte Tigris, und ging auf Blaise zu. „Was machen wir jetzt nur? Keine Elfen die uns etwas zu essen bringen."

Er schlang die Arme um sie und küsste ihre Schulter.

„Keine Elfen, die hinter uns aufräumen, wenn wir Unordnung machen.", murmelte sie, und begann, Tigris' Robe aufzuknöpfen.

„Keine Elfen, die uns dringende Nachrichten übermitteln wollen." Tigris deutete mit seinem Stab auf die Tür und sprach einen Verschluss- und einen Stillezauber. „Auch keine Menschen."

„Wirklich… Was machen wir nur?" Sie grinste und zog ihm seine Robe aus.

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Etwas später lagen sie zufrieden nebeneinander in seinem Bett, und Tigris wunderte sich, warum sie solange gewartet hatten. Andererseits, es hatte sich gelohnt, zu warten. Sie strich mit dem Finger über seinen Rücken und küsste ihn dann auf den Nacken.

„Verrätst du mir, welche Katze das war, so dass ich sie vergiften kann?"

Tigris versteifte sich für einen Moment, dann entspannte er sich wieder. Dies war Blaise, er konnte ihr vertrauen. Pansy hatte nie etwas zu seinen Narben gesagt, aber sie war… nun ja, Pansy.

„Keine lebendige.", erwiderte er trocken.

Blaises Hand auf seinem Rücken verharrte und fuhr dann langsam fort, ihn zu streicheln.

„Jemand hat dich ausgepeitscht? Warum? Wer? Waren es diese fiesen Muggelverwandten von dir?"

Tigris drehte sich auf den Rücken und sah zu ihr hoch. Sie hatte sich auf einen Ellenbogen aufgestützt. Er lächelte sie humorlos an und hielt ihre Hand fest.

„Nein. Mein Vater. Um mich zu bestrafen. Ja.", beantwortete er ihre Fragen von hinten nach vorne.

Blaise blinzelte einen Moment verwirrt, dann runzelte sie zornig die Stirn. „Ich hätte nie gedacht… aber dann ist es wahrscheinlich ein Unterschied… Ich vermute, ich habe nie zuvor richtig wahrgenommen, wie glücklich ich mit meiner Familie bin." Ihre Stirn glättete sich und sie küsste ihn. „Es tut mir leid."

„Das muss es nicht.", entgegnete Tigris automatisch.

„Draco hat nicht so viele Narben.", meinte sie nachdenklich.

Tigris lachte rau. „Ich vermute, ich habe mehr Talent dazu, unseren Vater wütend zu machen. Oder vielleicht ist es nur Erfahrung." Er überlegte einen Moment. „Du hast ihn nicht danach gefragt?"

„Er hat gesagt, es war ein Kniesel."

Tigris lachte erneut. „Und du hast ihm geglaubt?"

Sie lächelte traurig. „Nein. Aber ich habe nicht weiter gefragt."

„Lass es uns vergessen.", sagte Tigris, und küsste sie. Merkwürdigerweise erinnerte er sich gerade in diesem Moment, dass es der sechzehnte Juli war – genau ein Jahr nach seinem angeblichen Tod.

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Tigris hatte den Freitag gefürchtet und aus seiner Erinnerung verdrängt. Es war der achtzehnte Juli, und auf dem zentralen Zaubererfriedhof in London fand eine Gedenkfeier für Harry Potter statt. Alle bekannten Zauberer waren anwesend, also natürlich auch die Malfoys. Tigris fragte sich, was Hermione und die Weasleys wohl darüber dachten. Vermutlich empfanden sie es als Hohn. Tigris stellte sich für einen Moment vor, wie sein Vater die Grabrede hielt und lachte schroff. Was würde er wohl sagen…

„Harry Potter, mutiger Befreier von Hauselfen, wir alle werden ihn vermissen…"

Aber nein, wenn sein Vater tatsächlich die Grabrede halten würde, würde er es mit Sicherheit als nichts anderes als ein politisches Werkzeug sehen. Tigris wusste gut genug, dass sein Vater Sprache wie ein Schwert benutzte. Er dachte an den Tag zurück, als er seinem Vater mit Arthur Weasley im Ministerium begegnet war… Sie hatten nicht einmal gemerkt, wie sehr Lucius sich über sie lustig gemacht hatte. Zumindest war Tigris nicht mehr so naiv, wie er damals gewesen war.

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Tigris zupfte nervös an seiner Galarobe und warf einen unbehaglichen Blick auf die Zauberer und Hexen, die neben ihnen zum Zentrum des Friedhofs strömten. Menschen die er nie gekannt hatte weinten hemmungslos. Etliche trugen steinerne Gesichtsausdrücke zur Schau. Nur wenige, wie seine Eltern, zeigten offen ihr Desinteresse.

Der Friedhof selbst war düster und beklemmend. Riesige Gedenksteine ragten moosbewachsen über verfallenen Gräbern auf. Meterbreite Marmorplatten trugen die Namen ganzer Generationen von Zauberern und Hexen, die alle in einem riesigen Grab beerdigt worden waren. Er las Namen wie Macnair, Snape und Black, die alten reinblütigen Familien. Andere Gräber huldigten gefallenen Größen der Zaubererwelt, berühmten Meistern, ehemaligen Zaubereiministern. Tigris erkannte einige Namen wieder, die er auf den Porträtrahmen in Dumbledores Büro gesehen hatte, die Schulleiter von Hogwarts. Was musste man tun, um ein Grab auf diesem Friedhof zu bekommen? Offensichtlich gab es hier keinen Platz für die gewöhnlichen Menschen. Es widerte Tigris an, die Art, in der sie ihn idolisiert hatten. Was unterschied ihn von den vielen anderen, die in diesem Krieg gestorben waren? Wenn Tigris in diesem Moment jemand gefragt hätte, was er von Harry Potter hielt, hätte er ehrlich antworten können, dass er ihn hasste. Er hasste diesen Namen, die sinnlose Symbolfigur zu der sie ihn gemacht hatten.

Draco zog an seinem Ärmel. „Bekomm dich wieder unter Kontrolle.", flüsterte er. „Du siehst aus als ständest du in einem Raum voller toter Ratten und nicht auf einer Totenfeier."

Tigris atmete tief durch und schulte sein Gesicht in einen Ausdruck der Indifferenz. „Danke. Mir war nicht klar, das meine Gedanken so offensichtlich waren."

Draco verzog das Gesicht. „Sieh dich um, das beantwortet deine Frage."

Tigris befolgte Dracos Rat und merkte, dass einige Leute neben ihnen ihm böse Blicke zuwarfen.

Sein Vater legte ihm die Hand auf die Schulter. „Du musst in der Öffentlichkeit vorsichtiger sein."

Tigris zuckte unwillkürlich zusammen. „Ja, Vater. Es tut mir leid."

Sein Vater nickte nur, ohne Tigris anzusehen.

Sie gelangten schließlich zum Zentrum des Ganzen, wo sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte. Vor ihnen war eine große Bühne mit einem Rednerpult aufgebaut, auf der einige Zauberer und Hexen standen, die sich leise unterhielten. Tigris erkannte Arthur Weasley, Ministerin Bones und Dumbledore.

Erst als Tigris die Leute auf der Bühne angesehen hatte, fiel sein Blick auf die Statue dahinter. Er hatte sie zunächst nicht für voll genommen, aber nun konnte er den Blick nicht von ihr wenden. Es war das Absurdeste, Monströseste, was Tigris je gesehen hatte. Eine sicher fünfzehn Meter hohe, vergoldete Statue von… ihm. Harry Potter, um genau zu sein, so wie er zuletzt ausgesehen hatte. Er stand in Siegerpose, seinen Stab erhoben, einen Fuß auf einer Gestalt die vermutlich den Dunklen Lord darstellen sollte. Seine Augen und - das Absurdeste von allem, seine Narbe – bestanden aus grünen Edelsteinen. Es war unglaublich kitschig, unrealistisch und lächerlich… Tigris fand nicht genug Worte. Er fragte sich, ob der Dunkle Lord davon wusste, und wenn, warum er die Statue nicht in einem Wutanfall zu Staub gehext hatte. Vielleicht konnte er es nicht. Vielleicht hatten sie das Kunstwerk mit Schutzzaubern gegen ihn versehen. Bevor Tigris es verhindern konnte lachte er laut auf.

Sein Vater ohrfeigte ihn, und ein zweites Mal, diesmal mit der Rückseite seiner Hand, als Tigris nicht aufhörte. Der scharfe Schmerz, als sein Ring Tigris' Wange aufriss reichte aus um Tigris zur Besinnung kommen zu lassen.

Tigris erkannte mehrere Dinge zugleich: Eine Menge Leute um sie herum starrten ihn an, entweder mit Unglauben, oder mit offenem Zorn. Draco war entsetzt. Sein Vater war nicht annähernd so wütend, wie Tigris es erwartet hatte – und er hatte das erste Mal einen von ihnen in der Öffentlichkeit geschlagen.

„Es tut mir Leid.", sagte Tigris hastig, laut genug, dass die Umstehenden ihn hörten. „Ich wollte niemanden kränken, es hatte nichts mit dem heutigen Anlass zu tun, wirklich."

Einige der Anwesenden schauten ungläubig, aber sie wandten sich schließlich ab.

„Das ist ein unentschuldbares Verhalten für ein Mitglied meiner Familie.", entgegnete sein Vater zornig, und ebenso laut. „Dies ist ein Trauertag für unsere Welt. Ich kann nicht fassen, dass du so wenig Respekt für die Toten hast, besonders für einen, der uns allen so viel bedeutet hat."

Sein Vater schwenkte seinen Stab und Tigris spürte, wie das Blut das über seine Wange gelaufen war verschwand. Dafür begann der Schnitt, den der Ring hinterlassen hatte zu brennen. Tigris sog scharf die Luft ein, aber widerstand der Versuchung, mit der Hand darauf zu fassen. Stattdessen sah er zu Boden.

„Ich bitte um Verzeihung, Vater. Ich wollte niemanden beleidigen."

„Wir werden später noch darüber reden.", zischte sein Vater, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder der Bühne zu. Etliche Zauberer und Hexen um sie herum, die ihr Gespräch mit Interesse verfolgt hatten, taten das Gleiche.

Die Trauerfeier begann damit, dass die Musiker auf der Bühne anfingen, schwermütige Musik zu spielen. Es zehrte an Tigris' Nerven, aber er ließ es sich nicht anmerken. Sehr wahrscheinlich war sein Vater bereits wütend auf ihn, es war nicht nötig, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Die Sprecher auf der Bühne hielten langwierige und nichts sagende Reden über ihn, bei denen Tigris geflissentlich weghörte. Das Brennen seiner Wange war genug um ihn abzulenken, besonders, da es stetig zunahm, bis dass es ihm die Tränen in die Augen trieb. Tigris rieb sich ärgerlich die Augen und erkannte erst dann, dass gerade Hermione ihre Rede beendet hatte und etliche Zauberer und Hexen um ihn herum in Tränen aufgelöst waren. Wunderbar, dachte er sarkastisch. Wenn ihn jemand gesehen hatte würde er denken, er heulte wegen ihrem verblichenen Helden.

Als sie endlich gehen konnten, kochte Tigris innerlich. Sie apparierten zum Herrenhaus zurück – das hieß, Draco wurde appariert, da er noch keine Lizenz besaß.

Sobald sie auf dem Vorplatz des Herrenhauses erschienen, begann sein Vater zu lachen. Tigris betrachtete ihn ungläubig und sah, dass es Draco nicht viel anders ging. Er war vollkommen fassungslos, als sein Vater ihm auf die Schulter klopfte.

„Gratuliere, Sohn, du hast meinen Tag gerettet."

Tigris klappte seinen Mund ein paar Mal auf und zu, ohne dass etwas herauskam, dann holte er tief Luft. „Heißt das, du wirst diesen Schnitt heilen?"

Sein Vater lachte erneut und tätschelte Tigris' Wange, was ihn dazu brachte, die Zähne zusammenzubeißen.

„Nein, du musst lernen, dich in der Öffentlichkeit zu benehmen, auch wenn deine Narrheiten meinem Amüsement dienen. Ich denke noch immer darüber nach dich auszupeitschen. Ich sollte es tun, schließlich hast du uns alle in Verlegenheit gebracht. Andererseits, diese ganzen Idioten haben es verdient, ausgelacht zu werden."

„Ich habe nicht…", setzte Tigris an zu widersprechen, aber sein Vater brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.

„Schsch. Ich weiß genau, worüber du gelacht hast." Er betrachtete Tigris einen Moment erheitert, dann ohrfeigte er ihn erneut, auf der gleichen Seite, wo sich der Schnitt befand. Ein heftiger Schmerz schoss über Tigris' ganze Gesichthälfte und ließ ihn aufschreien. „Das soll für dieses Mal Strafe genug sein. Der Schnitt wird bis Montag verheilt sein. Ich bin dieses Wochenende nicht da, aber sei versichert, dass ich es wissen werde, wenn du zu betrügen versuchst wie das letzte Mal – und dann werde ich dich auspeitschen."

Tigris zuckte heftig zusammen. Es war offensichtlich, dass sein Vater über Sarins Hilfe sprach. Er wusste nicht, was er sagen sollte.

„Hast du mich verstanden?", fragte sein Vater.

Tigris nickte hastig. „Ja, Vater."

Sein Vater lächelte zufrieden.

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„Was hat er gemeint?", fragte Draco Tigris später, als sie alleine waren. Sein Bruder würde erst am nächsten Tag zu den Hectors zurückkehren, da es nicht genau bekannt gewesen war, wie lange die Feier dauern würde.

Tigris zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Sarin hat mich ein wenig geheilt, als er mich an Litha bestraft hat. Nur genug, dass ich mich wieder bewegen konnte… ich habe es ihr extra gesagt. Anscheinend hat er irgendwie davon erfahren." Auch wenn Tigris nicht wusste, wie. Sarin zischte ungehalten auf seinem Arm.

„Ja, Vater hat ein Talent dafür, solche Dinge zu erfahren." Draco wirkte einen Moment lang geistesabwesend. Dann gestikulierte er zu dem Schnitt. „Tut es sehr weh?"

Tigris verzog das Gesicht. „Er hat es verhext. Es brennt wie Feuer."

Draco fuhr mit der Hand über die Wunde. Tigris presste die Lippen zusammen, um nicht aufzuschreien.

„Entschuldige.", sagte Draco mit einem mitfühlenden Blick. „Ich sehe, was er getan hat. Es wird in ein paar Stunden nachlassen."

„Wenigstens etwas.", murmelte Tigris.

„Er war überraschend nachsichtig. Was hast du dir dabei gedacht?"

Tigris schüttelte den Kopf. „Ich konnte mir nicht helfen. Das Ganze war einfach so lächerlich und absurd…"

„Also hast du über die Leute gelacht.", sagte Draco überrascht.

Tigris wandte sich unbehaglich ab. „Hauptsächlich über die Statue."

Draco starrte ihn an. „In Ordnung, das kann ich verstehen.", sagte er dann gedehnt. „Das Ding ist grotesk."

„Grotesk? Es ist das hässlichste Machwerk, das ich je gesehen habe."

Draco lachte. „Ich wollte es nicht ganz so deutlich sagen, aber… ja. Ich stimme dir zu."

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Als Tigris am Montag ins Ministerium kam, traf er zu seiner Überraschung auf Dean Thomas. Der Gryffindor wurde von zwei Auroren und einem gebrochen wirkenden älteren Mann begleitet, er vermutete es war Thomas' Vater. Tigris war mit den Gedanken bei der Arbeit und interessierte sich nicht wirklich dafür, weshalb die beiden im Ministerium waren. Er hatte vor, sie zu ignorieren und an ihnen vorbei zu gehen, aber ein zorniger Aufschrei von Thomas hielt ihn davon ab.

„Du!", schrie der dunkelhäutige Junge außer sich. „Du hattest etwas damit zu tun!" Thomas machte eine Bewegung, als wolle er sich auf Tigris stürzen, aber einer der Auroren hielt ihn davon ab.

„Es tut mir Leid, Mister Malfoy.", sagte der andere Auror. „In Mister Thomas' Familie hat es vor kurzem eine Tragödie gegeben. Er ist nicht ganz er selbst."

Tigris zog unwillkürlich eine Braue hoch und betrachtete Thomas, der noch immer gegen den Griff des Aurors ankämpfte. „Ich habe keine Ahnung, worum es geht, Thomas."

„Meine Mutter!", schrie Thomas. „Ihr verdammten Todesser habt sie auf dem Gewissen! Tu nicht so, als wenn du nichts davon weißt!"

„Deine falschen Beschuldigungen werden langsam alt.", entgegnete Tigris kühl. „Mein Beileid zu deinem Verlust, aber nun entschuldige mich bitte. Ich habe es nicht nötig, mich von dir beleidigen zu lassen."

„Lügner!", zischte Thomas. „Ich weiß, dass du etwas damit zu tun hattest. Du und dein Flittchen, ihr habt es getan um euch für das zu rächen, was wir mit deinem Bastard von Bruder getan haben! Ich wünschte, wir hätten ihn erledigt!"

„Mister Thomas!", rief einer der Auroren empört.

Tigris war so wütend, es kostete ihn seine ganze Selbstkontrolle, nicht nach seinem Stab zu greifen und Thomas zu verhexen. „Ich sehe, warum du eine Eskorte brauchst, Thomas.", zischte er. „Offensichtlich hat dieser tragische Vorfall dich um den Verstand gebracht. Du hast mein Mitleid. Ich spende an St. Mungos für dich." Tigris griff in die Tasche und warf einen Knut in den Brunnen der magischen Geschwister.

Thomas stieß einen wütenden Schrei aus. Der Auror schaffte es kaum mehr, ihn zu halten, und betäubte ihn schließlich mit einem Stupefy. Der ältere Mann sah entsetzt aus, als Thomas zusammensackte. Tigris erinnerte sich daran, dass Thomas muggelgeboren war und verzog angewidert das Gesicht. Warum in aller Welt mussten sie Muggel ins Ministerium bringen? Der arme Mann mochte an Schock sterben.

„Es tut mir ausgesprochen Leid, Mister Malfoy.", sagte der Auror, nachdem sein Kollege die beiden hinausbegleitet hatte. „Sie müssen verstehen, es war ein Schock für die Familie. Es war reiner Zufall, dass die Frau allein zuhause war, der Mann war mit den kleineren Kindern unterwegs. Sie haben sie mit dem Cruciatus in den Wahnsinn getrieben."

„Also lebt sie noch?", fragte Tigris überrascht.

„Ja.", sagte der Auror bedauernd, seinen Tonfall missverstehend. „Es wäre wahrscheinlich gnädiger gewesen, sie umzubringen. Als ich sie zuletzt gesehen habe, war sie in St. Mungos und schrie sich die Seele aus dem Leib."

„Entsetzlich.", sagte Tigris geistesabwesend. Warum hatten die Todesser sie nicht umgebracht? Das war sehr ungewöhnlich.

„Ja, das ist es. Das ist nicht alles. Sie haben sie verunstaltet. Über ihr ganzes Gesicht sind Zahlen und Buchstaben eingebrannt. Wir haben noch nicht herausgefunden, was es bedeutet."

Tigris runzelte die Stirn. „Wissen Sie, was es ist? Vielleicht kann ich ihnen helfen. Ich arbeite zurzeit in der Abteilung für magische Artefakte, ich habe ein wenig Ahnung von Codes."

Der Auror sah Tigris einen Moment nachdenklich an, dann durchwühlte er seine Robe und holte schließlich ein Stück Papier hervor, um es ihm zu zeigen.

„Das ist es."

Tigris las die Schrift.

3 MOS 24 20

Stirnrunzelnd schüttelte er den Kopf. „Es tut mir Leid, aber ich kann Ihnen nicht weiterhelfen. Vielleicht hat meine Vorgesetzte, Madame Ringwood, eine Idee." Tigris hatte ein nagendes Gefühl im Hinterkopf, dass er wissen sollte, was das hieß, aber er kam nicht darauf. „Gibt es irgendeinen Hinweis? Hat sie etwas getan, um sie dazu zu provozieren?"

Der Auror schüttelte traurig den Kopf. „Sie hat nicht einmal gegen sie gekämpft. Sie war eine sehr gläubige Christin, als wir sie fanden wiederholte sie Gebetsfetzen. Sie hat für die Bastarde gebetet, während sie sie gefoltert haben." Der Auror schüttelte zornig den Kopf. „Wenn ich sie nur in die Hände bekommen würde…"

Tigris nickte, während das nagende Gefühl zunahm. „Es tut mir Leid, aber ich muss nun wirklich zur Arbeit."

„Ja natürlich.", erwiderte der Auror. „Danke, dass Sie versucht haben zu helfen. Ich bitte nochmals um Entschuldigung, mein Sohn hält große Stücke auf Sie."

„Ihr Sohn?", fragte Tigris interessiert. „Ist er ein Slytherin?"

„Ja. Entschuldigen Sie. Mein Name ist Frobisher. Neil Frobisher."

Tigris nahm die ihm dargebotene Hand. „Ah ja, Fabian. Aquila kann froh sein, ihn zum Freund zu haben."

Der Auror lächelte. „Ja. Er sagte mir, wie sehr Sie und Ihr Bruder sich für Aquila eingesetzt haben."

Tigris zuckte mit den Schultern. „Er ist ein talentierter Sucher. Nun muss ich aber wirklich gehen. Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag. Grüßen Sie Fabian von mir."

Der Auror nickte. „Ihnen ebenso. Ich werde es ihm ausrichten."

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Sie waren nah daran, das Geheimnis des Artefakts zu lüften. Der Tag verging rasend schnell, und Tigris vergaß den Zusammenstoß mit Thomas. Erst auf seinem Heimweg fiel es ihm wieder ein und er grübelte erneut über die seltsame Zahlen-Buchstaben-Kombination nach. Tigris hatte das eindeutige Gefühl, dass es etwas mit dem was der Auror über Mrs. Thomas gesagt hatte zu tun hatte. Sie war eine sehr gläubige Christin… Tigris wusste nicht viel über das Christentum. Die Dursleys hatten ihn als kleines Kind in die Sonntagsschule geschickt, in der Hoffnung, dass es ihm ‚seine Abartigkeit austreiben' würde, aber hatten es aufgegeben, als er zunehmend magische Ausbrüche hatte. Zu dieser Zeit wusste Tigris natürlich nicht, warum sein Lehrer plötzlich keine Haare mehr hatte. Die Dursleys selbst waren alles andere als treue Kirchgänger, Christentum bestand bei ihnen aus Ostern und Weihnachten und die Bibel auf dem Regal war nur ein Ausstellungsstück. Die Bibel! Warum war Tigris das nicht früher eingefallen? Er grüßte seine Eltern beiläufig, als er zuhause ankam, und ging schnellsten Weges in die Bibliothek. Sein Vater schien jedes existierende Buch zu besitzen, warum also nicht auch die Bibel? Sie war schließlich das meistgedruckte Buch der Welt! Tigris sprach ein paar schnelle Suchzauber, und tatsächlich – er fand eine alte, in Leder gebundene Bibel direkt neben „Philosophie des Gewöhnlichen". Tigris blätterte hastig und erkannte schließlich den wahren Grund für Dean Thomas' Wutausbruch. Für ihn waren die kryptischen Buchstaben offenbar kein Rätsel gewesen.

3. Buch Mose 24. Kapitel 20. Vers

Schaden um Schaden. Auge um Auge. Zahn um Zahn. Was der eine dem anderen angetan hat, so soll man ihm antun.

Mrs. Thomas hatte für ihre Folterer gebetet, und sie hatten sie dafür verhöhnt. Was anderes war von Todessern zu erwarten? Es war tatsächlich Rache gewesen, nicht nur der zufällige Angriff auf eine Muggel, die einen Zauberer geboren hatte. Wie es schien wusste Tigris nun, womit sein Vater sein Wochenende verbracht hatte. Er schloss die Bibel, die sich merkwürdig falsch in seinen Händen anfühlte und dachte darüber nach, was er herausgefunden hatte. Tigris hatte das Gefühl es sollte ihn mehr berühren. Sie war eine Unschuldige. Sie hatten eine Unschuldige gefoltert – SEIN VATER hatte das getan, um den Angriff auf Draco zu rächen. Aber Draco war auch unschuldig gewesen, nicht wahr? Thomas war das auch egal gewesen, als er ihn verhext hatte. Tigris stellte die Bibel hastig ins Regal zurück. In der Sonntagsschule hatten sie ihnen nie erzählt, dass auch solche Dinge in diesem Buch standen. Nur solche Sätze, wie „man soll seinen Feinden vergeben" und „wenn dich einer auf die eine Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin". Das war der Grund dafür, warum Tigris sich nie wirklich mit der Bibel hatte anfreunden können. Wirklich, wenn Dudley ihn schlug, dann rannte er so schnell er konnte, und wartete nicht darauf, dass er ein zweites Mal ausholte.

Tigris schnaubte und ballte die Fäuste. Er wollte seine Gefühle nicht analysieren. Er hatte sie nicht gekannt, und sie war schließlich nur eine Muggel gewesen. Er sollte nicht das Geringste fühlen. Er fühlte nicht das Geringste, und das war auch richtig so.

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Am kommenden Freitag endete sein Praktikum. Sie hatten das Geheimnis des Artefakts schließlich gelöst, auch wenn es nach all der Suche ein wenig unbedeutend war. Wie sich herausstellte war das Interessanteste an dem Gedenkstein der Zauber, der den Stein gegen Magie immun machte. Er enthielt noch Nachweise anderer Zauber, aber diese waren alle schon ausführlich bekannt. Tigris hatte dennoch aus dem Praktikum viel gewonnen. Er hatte viele neue Dinge gelernt, aber vor allem hatte er etwas gefunden, was ihm wirklich Spaß machte. Als Tigris das Praktikum begonnen hatte, war es nicht mehr gewesen, als ein Mittel zum Zweck. Er brauchte die Gelegenheit, unbemerkt das Haus verlassen zu können. Er hatte seinem Vater zwar gesagt, dass er eine Karriere im Ministerium in Erwägung zog, aber das war nicht viel mehr als eine Ausrede gewesen. Nun zog er es ernsthaft in Betracht. Tigris mochte Polydora, Mandy und Sally. Alle drei waren zwar etwas merkwürdig, aber sie waren geniale Wissenschaftler, von denen er ohne Zweifel viel lernen konnte. Außerdem interessierten ihn magische Artefakte. Tigris hatte das was er in Slytherins Kammer gelernt hatte in seinem Praktikum sehr nützlich gefunden, und umgekehrt würde es wahrscheinlich genauso sein. Er hatte noch keine wirkliche Vorstellung, was er nach den NEWTs tun wollte, also warum nicht dies? Polydora würde ihn sicher mit offenen Armen willkommen heißen, und das Ministerium sollte kein Problem darstellen.

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Es war Samstag, und Tigris war mit Blaise verabredet. Seine Mutter war auf einer Benefizgala, die sie in den letzten Tagen organisiert hatte, und sein Vater war ebenfalls abwesend. Er hatte noch einige Stunden Zeit und dachte darüber nach, was er mit Blaise unternehmen würde, als ihm auffiel, dass er seine Halskette nicht hatte.

Tigris durchsuchte sein ganzes Zimmer und die Bibliothek, aber die Halskette blieb verschwunden. In Gedanken sah er bereits den zornigen Blick von Blaise vor sich. Er war fast sicher, dass seine Mutter sie genommen hatte, aber sie war noch immer nicht von der verdammten Gala zurück. Tigris hatte nun einmal die Angewohnheit, die Kette beim Lesen in der Hand zu halten und mit ihr zu spielen. Wahrscheinlich hatte er sie so in der Bibliothek liegen lassen. Schließlich gewann Tigris' Ungeduld und er schlug die Höflichkeit in den Wind. Er hatte schließlich nicht vor etwas zu stehlen. Er wollte nur zurückhaben, was rechtmäßig ihm gehörte. Es war schließlich nicht seine Schuld, wenn seine Mutter ihre Obsession mit Schmuck nicht im Zaum halten konnte. Wenn sie ein Animagus wäre, wäre sie mit Sicherheit eine Elster. Tigris ging in das Zimmer seiner Mutter und fand in wenigen Augenblicken, was er suchte – ihre Schmuckschatulle. Es war eigentlich mehr eine Truhe als eine Schatulle. Sie war natürlich verschlossen. Tigris richtete seinen Stab darauf, wohl wissend, dass es keinen Zweck hatte, es mit ‚Alohomora' zu versuchen.

„Patefacio omnies."

Die Schatulle sprang ohne weitere Probleme auf, und tatsächlich, die Kette lag direkt im obersten Fach. Als Tigris die Schatulle wieder schließen wollte, fiel ihm ein seltsames Seitenfach auf, das sich durch die schiere Kraft des Zaubers geöffnet hatte. Als er es schließen wollte, weckte die kleine Phiole darin seine Neugier. Tigris nahm sie heraus und betrachtete sie stirnrunzelnd. Wozu versteckte seine Mutter Zaubertränke in ihrer Schmuckschatulle? Es war eine blassgrüne Flüssigkeit. Tigris öffnete die Phiole. Sie roch flüchtig nach Vanille. Der Trank kam ihm vage bekannt vor, aber es war sicher kein gewöhnlicher Schönheitstrank oder etwas Ähnliches. Tigris stellte sie zurück und schloss die Schatulle, dann eilte er in die Bibliothek.

Etwas später hatte Tigris gefunden, was er gesucht hatte. Er hatte es gewusst, er hatte über diesen Trank schon zuvor gelesen.

Der Libera Trank

Wenige Tropfen des Libera Tranks verringern die Kontrolle des Trinkers über seine Gefühle. Die Wirkung hält an, solange das gegenwärtig stärkste Gefühl vorherrschend ist und wird gebrochen, sobald ein anderes starkes Gefühl es ablöst.

Tigris rieb sich die Stirn. Etwas nagte in seinem Hinterkopf, aber er konnte den Finger nicht darauf legen. Schließlich zuckte er mit den Schultern. Er würde seine Mutter morgen zur Rede stellen. Heute war er mit Blaise verabredet.

Tigris verbrachte einen angenehmen Abend und eine angenehmere Nacht mit Blaise, aber als er am nächsten Tag zurückkam war das nagende Gefühl noch immer da. Es war, als wäre ihm etwas extrem Wichtiges entfallen und er hasste es. Er beschloss schließlich, seine Mutter auf den Trank anzusprechen.

Sie war in ihrem Zimmer und malte. Als Tigris eintrat, legte sie den Pinsel beiseite und musterte ihn fragend.

„Kann ich dir bei etwas helfen, Tigris?"

„Tatsächlich, Mutter." Tigris schloss die Tür hinter sich und setzte sich. „Ich wunderte mich, warum du den Libera Trank in deiner Schmuckschatulle hast."

Narcissas Gesicht war einen Moment lang blank, dann zeigte es Ärger. Sie erhob sich. „Was fällt dir ein, meine Sachen zu durchsuchen?"

„Ich habe meine Kette gesucht." Tigris hielt sie hoch.

„Oh." Einen Augenblick lang war sie peinlich berührt, dann überwog der Ärger wieder.

„Trotzdem, du hättest mich fragen sollen!"

„Du warst nicht da.", entgegnete Tigris ruhig. „Ich war mit Blaise verabredet und die Kette ist ein Geschenk von ihr. Was hätte ich ihr sagen sollen? Meine Mutter hat sie geklaut?"

Klatsch. Die Ohrfeige hatte gesessen. „Rede nicht in diesem Ton mit deiner Mutter! Du bist mein Sohn und ich liebe dich, aber du wirst mir den Respekt erweisen, der mir zusteht – und meinen Besitztümern, wo wir dabei sind. Du weißt, es war keine Absicht, dass ich die Kette genommen habe. Ich habe sie für eine von meinen gehalten. Du musst zugeben, sie ist feminin."

Tigris seufzte und rieb sich die brennende Wange. „Fein, ich entschuldige mich. Aber das beantwortet noch immer nicht meine Frage. Wozu versteckst du diesen Trank?"

Pinke Flecken begannen, sich auf ihren Wangen abzuzeichnen. Sie wich seinem Blick aus. „Um deine Neugierde zu befriedigen..." Sie holte tief Luft. „Dein Vater ist ein sehr distanzierter Mann."

Tigris schüttelte verwirrt den Kopf. „Und?"

Narcissa stöhnte und verbarg das Gesicht in den Händen. „Bevor wir dich wieder fanden... und auch noch einige Zeit danach... war er immer sehr kühl mir gegenüber. Unsere Nächte waren... lieblos. Ich bin auch nur eine Frau! Er trinkt gewöhnlich ein Glas Wein, bevor er zu Bett geht. Einige Tropfen des Tranks, etwas Überzeugung... muss ich noch deutlicher werden? Die Wirkung verfliegt sobald wir..." Sie räusperte sich betreten. „... den Höhepunkt erreichen. Also was ist falsch daran?" Ihre Stimme war ein klein wenig höher als gewöhnlich.

Tigris starrte sie an und fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. Das hatte er definitiv nicht hören wollen. Er versuchte erfolglos das Bild zu verdrängen, das sich in seinem Kopf geformt hatte. „Entschuldigung."

„Sag ihm einfach nichts davon."

Tigris schüttelte nur den Kopf. „Keine Sorge." Er wollte nicht die Reaktion seines Vaters erleben, wenn er DAVON erfuhr. Er runzelte die Stirn. Da fehlte noch immer etwas. Tigris sah zu der Schatulle und plötzlich ergaben die Puzzleteile ein Bild. Kälte breitete sich in ihm aus. Auf einmal ergab ihr blanker Gesichtsausdruck zu Beginn einen Sinn. „Du hast es ihm gegeben."

„Ich verstehe nicht?", sagte sie mit zu hoher Stimme.

Tigris sah auf. „Als ich hierher kam. Der erste Monat, als sich Vaters Verhalten plötzlich änderte. Du hast ihm den Trank gegeben, oder nicht? Deshalb bist du zu mir gekommen, deshalb warst du so aufgeregt. Du hast dich schuldig gefühlt, ODER NICHT?" Er schrie nun.

Narcissa sank in sich zusammen. „Es tut mir leid."

„Es tut dir leid.", wiederholte Tigris heiser. „Das ist alles, was du zu sagen hast?" Er spürte, wie er zunehmend die Beherrschung verlor. Alles in ihm schrie danach sie anzuschreien und zu schütteln, eine Erklärung aus ihr heraus zu schütteln. „Warum hast du es getan?", rief er. „Hast du es genossen, dass er die Kontrolle über sich verlor? Warum, Mutter?"

Sie vergrub die Finger in ihren sonst perfekten Haaren. „Ich habe das nicht gewollt. Du musst mir glauben, Tigris, ich... Die Situation war so verfahren. Er war am Rand eines furchtbaren Wutanfalls, ich wusste es. Er unterdrückte seinen Ärger dir gegenüber und ließ ihn an mir und Draco aus. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Ich dachte, wenn er einfach sagen würde, was er denkt... Ich habe nie erwartet, dass er so reagieren würde. Ich gab ihm erst einen Tropfen und er zerrte dich in die Ahnenkammer, aber es half nicht. Danach... ich wollte ihm nur eine kleine Dosis geben, aber ich muss mich verschätzt haben, oder seine Wut war einfach zu groß. Wie ich mir gewünscht habe, ich könnte es rückgängig machen..."

„Draco und ich haben es uns sicher gewünscht.", sagte Tigris kalt. „Ist es dir jemals in den Sinn gekommen, warum dieser Trank zu den Dunklen Künsten gezählt wird? Er hat uns gefoltert, Mutter! Du wolltest einen Wutanfall verhindern? Wie nennst du das, was du erreicht hast!"

Narcissa schloss die Augen. „Ich habe das nicht gewollt.", flüsterte sie. „Ich hatte solche Angst. Du hast ihn nicht erlebt, die Dinge, die er in seiner blinden Wut getan hat…" Ihre Stimme war zum Ende hin immer leiser geworden und erstarb. Eine einsame Träne lief über ihr Gesicht.

Tigris war auf der Stelle erstarrt und sah sie an. „Es tut mir leid.", sagte er heiser. „Ich kann dir das nicht so einfach verzeihen. In einiger Zeit vielleicht." Damit wandte er sich ab und stürzte aus dem Raum. Hinter sich hörte er ihr trockenes Schluchzen.

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Am nächsten Tag suchte Tigris seinen Vater auf. Er hatte seit ihrem Gespräch nicht mit seiner Mutter geredet und beim Essen ihren Blick gemieden. Tigris hatte Draco, der inzwischen von den Hectors zurück war, erzählt was er erfahren hatte, aber Dracos Reaktion hatte ihn überrascht. Draco hatte gesagt, dass er verstand, wie verzweifelt sie gewesen war, und dass ihr Vater vielleicht noch schlimmer reagiert hätte, wenn sie es nicht getan hätte. Tigris fiel es nicht so leicht, ihr Handeln zu erklären. Sicher, Menschen handelten unter Stress nicht immer logisch, das hatte Draco auch gesagt. Aber wie hatte sie denken können, dass ein Trank der jemanden die Kontrolle über seine Gefühle verlieren ließ irgendetwas zum Besseren verändern würde? Wenn sein Vater kurz vor einem Wutanfall gestanden hatte, warum hatte sie ihn nicht einfach weggeschickt, damit er es an ein paar Muggeln ausließ oder etwas in der Art? War es nicht das, was Lucius normalerweise tat? Nein, Tigris verstand ihre Motive nicht.

Tigris öffnete entschlossen die Tür zum Studierzimmer. Sein Vater war wie immer in seine Dokumente vertieft und sah erst nach einigen Sekunden auf.

„Kann ich etwas für dich tun, Sohn?" In Lucius' Stimme war ein seltsamer Unterton, aber Tigris entschloss sich, ihn zu ignorieren.

„Ja, Vater, ich… wollte mit dir reden."

Sein Vater winkte mit der Hand zu dem Stuhl vor seinem Schreibtisch. „Ja?"

Tigris trat vor den Schreibtisch, setzte sich aber nicht. „Ich wollte dir etwas geben… und mich entschuldigen."

Sein Vater zog eine Braue hoch. „Und wofür glaubst du, dich entschuldigen zu müssen?"

Tigris verkrampfte die Hände nervös um das Holzkästchen, das er mitgebracht hatte. „Für mein Verhalten in der Vergangenheit. Ich habe vor kurzem ein paar Dinge erfahren, die meine Meinung über dich geändert haben. Ich war ärgerlich auf dich, aber aus den falschen Gründen. Ich habe mich dir immer widersetzt, und das hätte ich nicht tun sollen."

Sein Vater betrachtete ihn mit einem kalkulierenden Blick. „Das ist ohne Zweifel eine positive Erkenntnis.", sagte er schließlich. „Du sagtest, du hast etwas für mich?"

„Ja.", sagte Tigris hastig. Er stellte das Kästchen auf den Tisch und öffnete es. „Es ist ein Schutzamulett, das gegen die meisten feindseligen Zauber wirkt. Madame Ringwood hatte es in ihrer Artefaktsammlung, und sie hat es mir als ein Abschiedsgeschenk gegeben. Ich wollte es zuerst selbst behalten, aber dann dachte ich mir, du kannst es wahrscheinlich besser gebrauchen."

Tigris hatte das Gefühl, er benutzte viel zu viele Wörter und sagte trotzdem nicht, was er wirklich wollte. Er sah verlegen zu Boden und schob das Kästchen auf seinen Vater zu. Sein Vater sprach ein paar Zauber auf das Amulett und, nachdem er sicher war, dass es tatsächlich das war, was er gesagt hatte, nahm es heraus und betrachtete es. Es war eine im Grunde unscheinbare silberne Halskette, von der kaum jemand vermuten würde, welchen Effekt sie hatte.

Sein Vater betrachtete sie nachdenklich und richtete dann seinen Blick auf Tigris. „Danke.", sagte er, mit ein wenig Verwunderung. „Das kann ich tatsächlich gut gebrauchen."


Vielen Dank für eure Reviews an: GeorgiDee, Avallyn Black, Mmmel, blue phoenixtear, Detlef, Carabina, LaraAnime, milva, pandoradoggis, Kylyen, CitySweeper, Lara-Lynx, Lobarie, Tora-Kokoro

blue phoenixtear: Oh je, das fällt einem selbst gar nicht auf! Es stimmt, ich lese inzwischen fast nur noch Englisch. Jedes Mal wenn ich im UK bin plündere ich die Buchläden /grins/. Ich weiß nicht warum, wahrscheinlich, weil die meisten meiner Lieblingsautoren in Englisch schreiben.

CitySweeper: Spekulier ruhig weiter, ich finde es toll wenn ihr spekuliert! Zeigt mir, dass mein Geschreibsel interessant war ;-)

Lara-Lynx, Tora-Kokoro: Ihr werdet es schon noch herausfinden... Bis dahin: Ich habe auch an das Sprichwort „curiosity killed the cat" gedacht.