Disclaimer:

Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Seufz... Scrat.

Oh. Na fein. Nebenbei, wusstest du, dass Harry Potter JKR gehört?

Ja! Zum... verdammt, welches Kapitel ist das?


Schatten der Wahl

50. Bittersüß

Teil 1

„Vavisatkar!"

Draco schrie und Tigris beendete den Zauber. Ihr Vater reichte seinem Bruder einen Heiltrank, den dieser hastig schluckte.

Tigris schloss die Augen und genoss für einen Moment den Nachhall der Euphorie, den die dunkle Magie mit sich brachte. Ihr Vater hatte wieder mit ihrem Training begonnen, nachdem Tigris' Praktikum nun beendet war und Draco von seinem Besuch bei den Hectors zurück war. Tigris fand es einfacher als zuvor, die Magie zu kontrollieren. Er genoss noch immer das Gefühl, das sie ihm gab. Sie hob seine Stimmung und sein Selbstvertrauen. Aber sie überwältigte ihn nicht länger. Tigris konnte die Flüche beenden, wann immer er es wollte. Nicht dass er es wirklich wollte, aber er wusste, dass es richtig war, sie früh abzubrechen. Er wollte seinem Bruder nicht zuviel Schaden zufügen. Es würde sich schlecht auf ihr Verhältnis auswirken, wenn er ihn zu sehr verletzte. Außerdem, mit wem sollte er üben, wenn Draco starb? Tigris lächelte amüsiert und öffnete die Augen. Draco hatte sich inzwischen von den Verbrennungen erholt, die der Fluch erzeugt hatte, und war wieder aufgestanden.

Tigris seufzte innerlich und wappnete sich. Beim Beginn ihres Trainings hatte es ihn nicht gekümmert, wenn er selbst verflucht wurde. Es war nur eine lästige Notwendigkeit auf dem Weg zu seinem Ziel – mehr dunkle Magie zu lernen – gewesen. Inzwischen hatte die Gier nach dem nächsten Kick sich gelegt, und Tigris verabscheute es. Es gab allerdings nichts, was er dagegen tun konnte, solange sein Vater ihr Training kontrollierte.

Dracos Fluch traf ihn und Tigris schrie vor Schmerz auf. Draco hatte auf Tigris' Beine gezielt, vermutlich, um es einfacher für ihn zu machen, aber der Fluch hatte seine Füße mit einbezogen. Tigris fiel hin und unterdrückte ein Schluchzen. Er konnte nicht stehen, und seine Schuhe kamen ihm wie Folterinstrumente vor.

„Ruhig.", sagte sein Vater, Tigris eine Phiole hinhaltend. Tigris schluckte den widerlich schmeckenden Trank und atmete ein paar Mal tief durch, als seine Wunden heilten.

„Das reicht für heute.", sagte sein Vater, aufstehend.

Ein Teil von Tigris war enttäuscht, ein anderer erleichtert.

Sein Vater richtete den Blick auf ihn. „Kannst du stehen?"

Tigris nickte zögernd und kam etwas mühsam auf die Füße. Er fühlte ein Stechen, sobald er stand, aber es war erträglich.

Sein Vater griff Tigris am Kinn und drehte seinen Kopf etwas zur Seite, dann sah er ihm in die Augen. „Der Effekt hat nachgelassen. Du hast nicht geübt, oder?"

„Was? Nein!", antwortete Tigris schockiert.

Sein Vater zog eine Braue hoch. „Erstaunlich. Es ist nicht typisch, dass die Anpassung so schnell erfolgt. Nicht auf deinem Level zumindest. Wenn du das letzte Jahr geübt hättest, wäre das etwas anderes. Sicher, dass du es nicht getan hast?"

„Ja!", sagte Tigris entrüstet. Wie konnte er glauben, dass Tigris für sich dunkle Magie geübt hatte? An wem denn?

Lucius betrachtete Tigris nachdenklich. „Ich muss dir wohl glauben. Verblüffend, aber vielleicht hast du nur eine ungewöhnlich schnelle Anpassungsfähigkeit."

Er klang nicht, als würde er Tigris glauben. Tigris warf ihm einen unwilligen Blick zu. „Ich lüge nicht, Sir!"

„Ich habe nie behauptet, dass du das tust.", erwiderte sein Vater ruhig. „Wenn ich das denken würde, wäre das nicht angenehm für dich, glaub mir."

Tigris schluckte. „Entschuldige, Vater."

Sein Vater machte eine abwehrende Handbewegung. „Geht und ruht euch aus. Morgen werde ich testen, wie weit ihr inzwischen seid."

Sie bedachten ihren Vater daraufhin beide mit einem besorgten Blick, den dieser nur mit einem Lächeln erwiderte.

„Das hörte sich nicht gut an.", meinte Draco auf dem Weg zu ihren Zimmern beklommen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich schon sehr weit bin."

„Ich weiß, was du meinst.", erwiderte Tigris düster. Draco hatte Probleme mit den dunklen Künsten. Er hatte einen inneren Widerwillen gegen dunkle Magie, was nicht überraschte, da die Natur eines wahren Heilers nun einmal das genaue Gegenteil war.

„Hast du vor, es Vater zu sagen?"

Draco schüttelte heftig den Kopf. „Nein! Wer weiß, wie er reagieren würde."

„Wie du meinst." Tigris konnte nicht anders als zu denken, dass es wahrscheinlich vieles einfacher machen würde, wenn ihr Vater die Wahrheit wüsste. Vielleicht würde es ihm nicht gefallen, aber Tigris bezweifelte, dass Lucius Draco zwingen würde, es öffentlich zu machen. Wahre Heiler waren Symbole des Lichts, ihr Vater würde nicht wollen, dass der Dunkle Lord davon erfuhr. Der Dunkle Magier mochte es akzeptieren, selbst einen Nutzen darin sehen, aber es würde ihn misstrauisch machen, und ihr Vater konnte sein Misstrauen nicht gebrauchen, wenn er in der Gunst seines Meisters aufsteigen wollte.

Tigris setzte sich in einen der Sessel in Dracos Zimmer und nahm sich ein Bonbon aus der Schale mit Süßigkeiten, die auf Dracos Tisch stand. „Was hast du gemacht, während ich mein Praktikum hatte?"

Draco lehnte sich in dem anderen Sessel zurück und spannte die Seiten an seiner Harfe. „Für Verwandlungen geübt, Zeit mit Athena verbracht. Oh, du wirst nicht glauben, wen ich getroffen habe! Helena Wilkes. Es scheint, sie ist mit Athenas Schwester Lutetia liiert."

Tigris zog die Brauen hoch. Das war eine Überraschung. Es hatte schon immer Gerüchte darüber gegeben, dass Helena Mädchen bevorzugte – tatsächlich rankte sich eins der beliebtesten Gerüchte um Helena und Athena – aber bisher hatte Tigris das für nicht mehr als das gehalten – Gerüchte.

Draco grinste. „Ja, es hat mich auch überrascht. Wirkliche Turteltäubchen, die beiden. Ich bemitleide ihren Verlobten."

„Helena ist verlobt?", fragte Tigris interessiert.

„Natürlich. Ihr Vater war ziemlich konservativ. Ihr Verlobter ist Menelaos Mulciber, wenn ich mich nicht irre."

Tigris schüttelte etwas verwirrt den Kopf. „Der Name sagt mir nichts."

Draco zuckte mit den Schultern. „Er ist ein wenig älter als sie, hat Durmstrang besucht. Genug von Helena. Hat dir dein Praktikum gefallen?"

„Ja." Tigris erzählte seinem Bruder ein wenig von dem Praktikum, während Draco seine Harfe stimmte. „Vaters Unterstützung würde es bestimmt einfacher machen, in McGonagalls Kurs zu kommen.", sagte er dann.

Draco sah Tigris böse an. „Sicher. Vielleicht erinnert er sich dann auch an die überfällige Strafe dafür, dass ich ihn nicht über die Wahl meiner NEWT-Fächer informiert habe."

Tigris biss sich auf die Lippen. „Tut mir leid, daran habe ich nicht gedacht."

„Offensichtlich nicht."

Sie schwiegen eine Weile, während Draco ein Stück auf seiner Harfe spielte. Er hatte sehr geschickte Finger, was Tigris schon an seinem Klavierspiel bemerkt hatte. Es würde ihm als Heiler sicher zu Gute kommen.

„Was, wenn es nicht funktioniert?", fragte Tigris schließlich. „Willst du es dann trotzdem probieren?"

Draco seufzte. „Ich weiß nicht. Ein Jahr Verzögerung ist eine Menge, aber es kann sich lohnen. Von dem was du mir erzählt hast schließe ich, dass du im Ministerium arbeiten willst?"

„Ich denke darüber nach. Es ist sehr interessant."

„Vater wird das mit Sicherheit gefallen. Er hat gehofft, ich würde mich dafür entschließen. Es ist eine Arbeit, die… viele Möglichkeiten bietet."

Tigris betrachtete Draco nachdenklich, seine ungesprochenen Worte im Sinn. „Ob der Dunkle Lord wohl Verwendung für Heiler hat?"

Draco warf ihm einen scharfen Blick zu. „Ich weiß es nicht. Aber ich vermute, auch Todesser sind manchmal verwundet. Was bringt dich dazu, das zu fragen?"

Tigris zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Nur so ein Gedanke."

o

„Ihr duelliert heute. Gegen mich.", verkündete ihr Vater am nächsten Tag.

Draco schluckte. Tigris selbst warf seinem Vater einen unsicheren Blick zu. Traute er sich zu, Lucius zu schlagen? Tigris wusste es nicht. Er war ohne Zweifel besser als ein Jahr zuvor, aber er wusste nicht, wie gut sein Vater wirklich war. Die Erinnerungen Voldemorts hatten Tigris eine vage Vorstellung davon gegeben, was man alles wissen konnte, und das war bedeutend mehr, als er wusste. Wenn man viel gelesen hatte, tendierte man absurder Weise dazu, sich zu überschätzen. Tigris war gut, er wusste mehr, als die meisten in seiner Schule. Aber was hieß das wirklich? Waren Vincent, Pansy und Ron wirklich ein Maß für wirkliches Können? Sie waren Kinder, und besser als sie zu sein hieß noch lange nicht, dass Tigris sich mit wirklich erfahrenen Zauberern messen konnte. Es gab in jedem Jahrgang Schüler, die besser waren als alle anderen, wie sonst wurden die Schulsprecher gewählt? Vielleicht war Tigris so gut wie Percy, oder Hermione… aber wenn er ehrlich war, dann hatten die beiden keine Chance gegen seinen Vater, so brillant sie auch waren. Tigris erkannte, dass er sich selbst nervös machte, und schob diese Gedanken von sich.

„Die Regeln für dieses Duell sind einfach: Ihr könnt alles verwenden was ihr wisst, abgesehen von Zaubern die tödlich sind oder zu dauerhaftem Schaden führen." Sein Vater trat auf die Matte. „Du zuerst, Draco. Zähl für uns, Tigris."

Draco straffte sich und trat seinem Vater gegenüber.

Tigris ging in die Mitte und zählte für sie, dann sah er ihnen zu.

Draco war mit Sicherheit besser geworden. Ohne Zweifel hatte die Schattengemeinschaft dazu beigetragen. Er war schneller als ein Jahr zuvor, und besser in seiner Verteidigung. Als Draco gegen Tigris duelliert hatte, hatte er seine Kenntnisse vom waffenlosen Nahkampf nicht angewendet, aber nun tat er es. Tigris war beeindruckt, als sein Bruder einen Dolch herbeizauberte und nach seinem Vater warf, während er noch Lucius' Flüchen auswich. Sein Vater war ebenfalls überrascht davon, anders konnte Tigris es sich nicht erklären, dass der Dolch ihn tatsächlich traf.

Lucius fiel auf die Knie und krümmte sich, eine Hand auf seinen Bauch gepresst, wo sich seine Robe bereits rot färbte.

Draco war erstarrt, offensichtlich schockiert von seinem eigenen Erfolg. Das erwies sich als fataler Fehler, denn der Cruciatus seines Vaters traf ihn unvorbereitet.

Tigris konnte sich nicht erwehren zu denken, dass sein Vater den Fluch ein wenig länger hielt als notwendig. Als er ihn beendete war Draco nicht mehr in der Lage, etwas gegen den Expelliarmus zu tun, der ihn entwaffnete.

„Ruf deine Mutter.", brachte sein Vater heiser hervor, bevor ihm sein Stab aus der Hand fiel.

„Elf!", rief Tigris hastig.

Dilly erschien.

„Ruf Mistress, sie soll auf der Stelle herkommen!"

„Ja, junger Master Tigris!", rief die Elfe, mit großen Augen auf die Szene vor ihnen schauend, und verschwand.

Tigris wusste nicht, um wen er besorgter sein sollte, aber entschied sich schließlich für Draco, der heftig zitterte. Sein Vater war auf die Seite gefallen und hatte die Augen geschlossen, aber Tigris musste sich eingestehen, dass es ihm im Moment egal war, wenn er starb.

Er kniete neben Draco nieder und strich ihm beruhigend über den Rücken. Tigris wusste nicht, was er tun sollte. Was hatte Madame Pomfrey getan, nachdem Voldemort ihn mit dem Cruciatus belegt hatte? Sie hatte ihm Traumloser-Schlaf-Trank gegeben, aber das konnte er jetzt nicht tun.

Draco stöhnte und stemmte sich hoch, nur um gleich wieder zusammen zu brechen. „Vater…"

Es machte Tigris unglaublich wütend, dass trotz allem was er getan hatte, Draco noch immer als erstes an ihren Vater dachte. „Er wird schon wieder, Mutter ist auf dem Weg. Bleib liegen, es geht dir nicht gut."

„Ich bin in Ordnung.", protestierte Draco, und versuchte, sich erneut aufzusetzen.

„Das bist du nicht!", sagte Tigris ärgerlich. „Er hat dich viel zu lange unter dem Fluch gehalten!"

„Ich bin nicht verletzt!", bestand Draco. „Hilf mir… Hilf mir zu ihm!"

Als Tigris nicht reagierte, versuchte Draco allein zu seinem Vater zu kriechen, aber war zu schwach.

Schließlich konnte Tigris es nicht mehr mit ansehen und half Draco auf, obwohl sich alles in ihm dagegen sträubte.

Mit Tigris' Hilfe gelangte Draco an die Seite ihres Vaters und brach neben ihm in die Knie. Unter dem Körper hatte sich bereits eine Blutlache gebildet.

Draco legte eine Hand auf den Bauch seines Vaters und schloss die Augen.

„Er ist schwach, sehr schwach.", murmelte er. „Wo bleibt Mutter?"

Als Draco seine Hand zurückzog, war sie rot gefärbt. Draco presste für einen Moment die Lippen zusammen. Dann nahm er seinen Stab, der neben Lucius' Hand lag – Lucius hatte ihn gefangen, nachdem er den Expelliarmus gesprochen hatte – und murmelte ein paar Zauber. „In dem Schrank dort drüben sind Tränke.", sagte er dann. „Bring mir bitte einen Blut-Ergänzungstrank."

Tigris zögerte einen Moment, aber tat schließlich, was Draco sagte.

Draco flößte ihrem Vater den Trank ein. Er war noch bei Bewusstsein, aber nur fast.

„Er hat einige innere Verletzungen.", sagte Draco besorgt. „Ich kenne nicht die Zauber, um sie zu heilen." Er streckte unsicher die Hand nach ihrem Vater aus.

„Nein!", rief Tigris alarmiert. „Du bist zu schwach! Du schaffst es nicht!"

„Ich muss es versuchen…"

„Nein!" Tigris zog Draco zurück.

„Lass mich.", protestierte Draco. „Es geht mir schon besser, ich kann es versuchen…"

In diesem Moment flog die Tür auf und ihre Mutter rannte herein. „Es tut mir leid, ich war im Garten…", sagte sie außer Atem. „Lucius!"

Sie stürzte zu Lucius und sprach ein paar hastige Zauber. „Wie unverantwortlich! Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst mir Bescheid sagen, wenn ihr trainiert!"

Ihr Vater stöhnte und stemmte sich hoch. „Es geht mir schon besser."

„Ja, nicht dank dir!", sagte ihre Mutter ärgerlich. „Ist dein Leben nicht schon gefährlich genug? Musst du auch noch versuchen, dich selbst umzubringen?"

Ihr Vater schüttelte den Kopf. „Narcissa… du übertreibst."

Sie ohrfeigte Lucius. „Du hättest sterben können! Tu das niemals, niemals wieder!"

Sein Vater wirkte für einen Augenblick völlig verblüfft. Dann zog er Narcissa an sich und strich ihr über den Rücken. „Ist ja gut, Liebling. Es wäre nichts passiert. Es gibt Zauber in diesem Raum, die das verhindern."

Narcissa lehnte die Stirn gegen seine Schulter. Ihre Schultern bebten. „Du verdammter Mistkerl! Das hättest du mir früher sagen können!"

Ihr Vater lachte leise. „Und den ganzen Spaß verderben? Sicher nicht."

Ihre Mutter stieß einen ärgerlichen Schrei aus und hob ihre Hand, aber ihr Vater fing sie ab. „Das reicht für heute."

Sie schnaubte und stand zornig auf. Dann sah sie an sich hinunter und verzog angeekelt das Gesicht. Ihre Robe war blutverschmiert und ihre Haare waren in Unordnung. „Sieh mich an! Das ist nur deine Schuld!"

Narcissa schwenkte ihren Stab und kurz darauf war ihr normales Aussehen wieder hergestellt. Ihr Blick ging zu Draco und Tigris, und sie betrachtete Draco mit einem besorgten Blick. Sie ging zum Tränkeschrank und kam mit einer Phiole zurück, die sie Draco reichte.

Sein Bruder verzog das Gesicht, aber trank die dunkle Flüssigkeit widerspruchslos. Sein Zittern verschwand.

Ihre Mutter sah ihren Vater mit verengten Augen an. „Du kannst Severus erklären, warum unser Vorrat an speziellen Schmerzmitteln schon wieder alle ist. Das nächste Mal renne ich nicht durch das halbe Gut wegen deiner Spielereien."

Sie wandte sich ruckartig ab und ging, die Tür hinter sich ins Schloss werfend.

Ihr Vater zuckte leicht zusammen, aber wirkte ansonsten eher amüsiert. Er griff nach seinem Stab und sprach einen Reinigungszauber, der das Blut verschwinden ließ, dann stand er auf.

Draco stand ebenfalls auf und bedachte ihren Vater mit einem unsicheren Blick.

„Ich habe dich unterschätzt.", sagte ihr Vater ruhig. „Ich muss zugeben, ich bin beeindruckt. Du hast dich sehr verbessert."

Dracos Gesichtsausdruck wechselte von Verblüffung zu Stolz. „Danke, Vater."

„Du kannst zählen, während ich sehe, ob dein Bruder sich ähnlich weiterentwickelt hat."

Draco warf ihrem Vater einen besorgten Blick zu. „Aber Vater, du bist noch nicht vollständig geheilt! Denkst du wirklich…"

Der Blick ihres Vaters verdüsterte sich ein wenig. „Ich mag dir gerade ein Lob ausgesprochen haben, aber das heißt nicht, dass du meine Anordnungen in Frage stellen kannst."

Draco senkte hastig den Blick. „Es tut mir leid, Vater. Ich war nur besorgt…"

Der Blick ihres Vaters milderte sich ein wenig. „Das hast du mit deiner Mutter gemeinsam… ihr beide macht euch viel zu viele Gedanken. Nun zähl für uns."

„Ja, Vater."

Lucius winkte Tigris, sich ihm gegenüber aufzustellen. Tigris tat es und musterte seinen Gegner abschätzend. Sein Vater war noch immer schwach durch den Blutverlust, das diente Tigris zum Vorteil. Dennoch war er nicht zu unterschätzen.

Tigris murmelte einen Schutzzauber und beobachtete Lucius' Bewegungen.

Sein Vater begann recht harmlos mit einem Expelliarmus, der von Tigris' Schutzzauber absorbiert wurde.

Tigris machte einen Schritt zur Seite und sandte einen Impedimenta zurück. Der Hex hatte nicht den geringsten Effekt. Er wich dem Fluch seines Vaters aus und sandte den nächsten Hex, im Glauben es sei ein Schutzzauber. Als auch dieser wirkungslos blieb, begann Tigris, ärgerlich zu werden. Er sprach einen länger wirksamen Schutzzauber auf sich, hoffend, dass sein Vater noch keine dunkle Magie verwendete, und sandte dann in schneller Folge eine Reihe Flüche und Hexe in Lucius' Richtung. Keiner von ihnen hatte eine Wirkung.

„Du trägst das verdammte Amulett!", rief Tigris zornig. „Das ist unfair!"

Sein Vater grinste. „So ist das Leben, Sohn. Detorquete!"

Tigris wich dem Fluch aus.

„Es ist jedoch angenehm zu wissen, dass es wie vorgesehen funktioniert. Vahvisatkar!"

Tigris wich dem dunklen Fluch knapp aus – seine Schutzzauber halfen nicht dagegen. Wut erfüllte ihn. Das Amulett blockte sämtliche legalen Hexe und Flüche die ihm einfielen, ein Vorteil, den er kaum wettmachen konnte. Fein. „Vipralambha!", zischte er, seinen Stab in einer hiebartigen Bewegung nach unten bewegend.

Sein Vater rollte sich hastig zur Seite.

Tigris grinste flüchtig, als er sah, dass Lucius zusammenzuckte, bevor er aufstand. Ganz geheilt war er wohl doch noch nicht.

„Imperio!", rief sein Vater.

Tigris brach den Fluch nach ein paar Sekunden. Wirklich, hatte der Mann nichts dazugelernt? Er deutete mit seinem Stab auf den Bauch seines Vaters. „Chtypo!"

Diesen dunklen Zauber hatte ihr Vater ihnen noch nicht beigebracht, aber Tigris hatte über ihn gelesen. Er war vergleichsweise harmlos, mit einem Fausthieb vergleichbar. Tigris grinste selbstzufrieden, als das Singen der Magie ihm zeigte, dass er getroffen hatte.

Sein Vater stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus und krümmte sich.

Tigris fragte sich beiläufig, ob die Wunde sich wieder geöffnet hatte. Wahrscheinlich nicht, ihre Mutter wusste normalerweise, was sie tat. Er wich einem Fluch seines Vaters aus und nahm sich an Draco ein Beispiel, zwei Messer herbeizaubernd. Wurfmesser, die einzige Waffe, in der er passabel war. Er warf sie schnell hintereinander, eins nach dem Bein seines Vaters, das andere nach seiner Schulter.

Tigris war trotzdem zu langsam, der nächste Fluch seines Vaters streifte ihn und setzte seine Robe in Flammen. Tigris zauberte das Feuer aus, aber nicht bevor er ein paar unangenehme Brandwunden erhielt. Der Schmerz trieb ihm die Tränen in die Augen. Er biss die Zähne zusammen und wich dem nächsten Fluch aus. Die Messer hatten nicht getroffen. Sein Vater lernte offenbar aus seinen Fehlern. Der Gedanke erinnerte Tigris an Ron Weasley. Er grinste, als ihm eine Idee kam.

„Glacies!"

Der Zauber überraschte seinen Vater offenbar, da er nicht schnell genug reagierte und ausrutschte, als sich der Boden unter ihm in Eis verwandelte.

„Affere ardor!", sagte Tigris mit einer gewissen Genugtuung.

Glühende Funken prasselten auf seinen Vater hinunter, und auch wenn er schnell einen Schutzschild errichtete, wurde er verbrannt. Quid pro quo. Als sein Vater auf die Füße kam, war er sichtlich ärgerlich. Einen Moment später war er verschwunden.

Tigris hatte kaum Zeit zu reagieren, als sein Vater hinter ihm wieder auftauchte. Er hatte gedacht, man könnte im Haus nicht apparieren! Offenbar war sein Vater die Ausnahme.

Tigris schaffte es, einigen Flüchen auszuweichen, aber ein boshaftes „Caedes!" traf ihn. Er fiel auf die Knie. Es fühlte sich an, als träfen ihn mehrere Peitschenschläge auf einmal.

„Crucio!", rief er zornig.

Sein Vater gefror für den Sekundenbruchteil, den der Fluch brauchte, um ihn zu erreichen.

Dieses Mal hatte Tigris kein Problem damit, den Fluch aufrecht zu halten. Er wollte seinem Vater Schmerzen zufügen. Abgesehen davon war es ein wundervoller Anblick, wie Lucius sich unter dem Fluch wand. Ganz zu schweigen von dem euphorischen Gefühl, das der Gebrauch dunkler Magie mit sich brachte. Es war der stärkste dunkle Zauber, den Tigris bisher angewandt hatte. Der Effekt war äußerst angenehm.

Tigris kam mühsam auf die Füße, ohne den Fluch abzubrechen. Anschließend betrachtete er seinen Vater stirnrunzelnd. Er schrie nicht. Es schien, sein Fluch war schwächer, als er gedacht hatte. Aber das war kein Problem, schließlich war es dunkle Magie. Er konnte das ändern, wann immer er wollte. Tigris konzentrierte sich und ließ mehr Energie in den Zauber einfließen. Wie immer bei dem Gebrauch dunkler Magie konnte er wahrnehmen, welchen Effekt es hatte. Der Cruciatus wirkte nicht nur auf die Nerven, wie man annehmen mochte, sondern direkt auf das Gehirn. Er machte es so unmöglich, den Schmerz zu verdrängen. Das machte diesen Fluch so faszinierend, aber war auch der Grund dafür, dass seine Opfer so oft wahnsinnig wurden.

Es war recht interessant zu sehen, wie viel Energie es kostete, bis sein Vater schließlich schrie. Tigris fragte sich, ob das generell so war, oder ob sein Vater einfach eine hohe Resistenz besaß. Falls es möglich war, gegen den Cruciatus resistent zu werden. Nachdem Tigris die Wirkung des Fluchs verfolgt hatte, bezweifelte er das ein wenig.

Tigris' Betrachtungen wurden unterbrochen, als er plötzlich nach hinten geschleudert wurde. Er schlug gegen die hintere Wand und brauchte einen Moment, um seine Gedanken zu klären.

Bis dahin war sein Vater aufgestanden. Er konnte sich allerdings nicht auf den Beinen halten und fiel wieder auf die Knie. Trotzdem schaffte er es, einen Hex in Tigris' Richtung zu senden.

Tigris hätte ihm ausweichen können, aber er war noch zu überrascht. Er hatte gerade noch Zeit, Verlegenheit darüber zu empfinden, dass er von einem einfachen Stupefy geschlagen wurde, bevor er das Bewusstsein verlor.

Als Tigris erwachte – recht unfreundlich durch einen Ennervate – stand sein Vater neben ihm. Lucius sah aus, als wäre nicht das Geringste passiert. Die Brandflecke an seiner Robe waren verschwunden, und auch den Cruciatus sah man ihm nicht an. Von sich selbst konnte Tigris das nicht sagen. Er hatte eine schmerzhafte Brandwunde an der Seite, und der Peitschenfluch mit dem sein Vater ihn bedacht hatte, hatte einige Striemen auf seinem Rücken hinterlassen. Tigris setzte sich vorsichtig auf und unterdrückte ein Stöhnen, als ein scharfer Schmerz durch seine Wunde schoss.

„Hier, trink das."

Tigris hatte nicht bemerkt, dass Draco neben ihm war. Er nahm den Heiltrank dankbar. Seine Wunden verheilten kribbelnd, nur ein dumpfes Pochen blieb zurück.

„Wie ich sehe hast du dich ebenfalls gesteigert.", sagte sein Vater. „Gut, ich bin zufrieden mit euch beiden. Ich hatte vor, nächste Woche mit den Unverzeihlichen zu beginnen. Wie es scheint ist das bereits überflüssig." Sein Blick ruhte dabei auf Tigris. Tigris konnte ihn nicht deuten.

„Es ist erstaunlich einfach, wenn man bereits zuvor dunkle Magie benutzt hat.", entgegnete er kühl.

Sein Vater zog eine Braue hoch. „Offenbar." Er winkte Tigris, aufzustehen. „Für diese Woche ist euer Training beendet. Eure Geburtstagfeier ist schließlich in drei Tagen. Ich erwarte, dass ihr bis nächste Woche mehr über die dunklen Künste nachgelesen habt. Wir werden sehen, wie gut ihr in den Unverzeihlichen seid. Wenn ihr sie bereits ausreichend beherrscht, können wir etwas üben, was euch mehr interessiert."

„Wirklich, können wir es uns aussuchen?", fragte Tigris, wider Willen interessiert. Er hatte eine Menge über die dunklen Künste nachgelesen, und es gab einiges, was er faszinierend fand. Das meiste würde er nicht mit Draco üben wollen, aber das ein oder andere…

Sein Vater betrachtete ihn nachdenklich. „Ja, ihr beherrscht die Grundlagen inzwischen."

Tigris öffnete den Mund, um etwas nachzufragen, aber entschied sich kurz davor dagegen. Er würde erst noch einmal genauer nachlesen, welche Möglichkeiten es gab, und sich mit Draco absprechen. Sein Bruder wollte wahrscheinlich am liebsten gar keine dunkle Magie lernen, aber vielleicht konnten sie zu einem Kompromiss kommen. Einen flüchtigen Moment beneidete Tigris Draco dafür, dass er nicht im Geringsten von dunkler Magie angezogen wurde. Wie einfach und simpel es sein musste, gegenüber ihrer Faszination ignorant zu sein. Wie auch immer, Tigris war nicht sein Bruder, und er konnte sich ihrem Sog nicht entziehen. Vielleicht sollte er Draco eher bemitleiden. Er würde schließlich niemals die Schönheit dieser Zauber zu schätzen wissen, ihre Ästhetik und Eleganz. Er mochte sie benutzen, aber er konnte sie nicht fühlen. Es musste sein, als hätte man ein wundervolles Mahl vor sich und wäre nicht in der Lage, es zu riechen oder zu schmecken. Tigris erinnerte sich flüchtig daran, dass er diese Art Magie einmal verabscheut hatte, aber er wusste nicht mehr warum. Sicher, sie diente dazu, andere zu verletzen, aber das konnte man auch mit legalen Zaubern tun. Man konnte auch mit Wingardium Leviosa töten. Im Grunde genommen sollte man zwar niemanden verletzen oder töten, aber wenn man es ohnehin tat, warum nicht dunkle Magie benutzen? Es war der ehrlichere Weg, weil es direkt widerspiegelte, was der Zaubernde wollte. Tigris konnte sich nicht daran erinnern, was falsch daran war.

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Am nächsten Tag erwachte Tigris mit einem mürrischen Gefühl. Er hatte sich inzwischen daran gewöhnt, dass der Gebrauch dunkler Magie seine Gedanken beeinflusste, aber es gefiel ihm noch immer nicht. Tigris hatte gedacht, es würde mit der Zeit verschwinden, aber wie es schien wurde es nur weniger extrem. Es war, als wären seine Gefühle generell abgestumpft. Tigris steigerte sich nicht mehr in eine kopflose Euphorie hinein, während er die Zauber benutzte, aber dafür konnte er auch einen Tag später noch keine wirkliche Abneigung gegen die Zauber empfinden. Er wusste zwar, dass er so empfinden sollte, auch warum, theoretisch, aber seine Gefühle behaupteten etwas anderes.

Tigris fragte sich, welches seiner Gefühle richtig war. War es übertrieben, dass er sich seine frühere Abneigung zurück wünschte? Vielleicht war seine Abneigung ähnlich unsinnig wie seine früheren Vorurteile gegen Slytherin. Man hatte ihm immer erzählt, dunkle Magie wäre böse, aber wie konnte Magie an sich böse sein? Menschen waren böse, nicht Magie. Andererseits gab es da noch immer diese nagende Stimme in ihm, die behauptete, dass es falsch war, dunkle Magie zu benutzen. Tigris erinnerte sich an Professor Hatkees Worte. Dunkle Magie war unnatürlich. Laut ihrer Theorie. Aber wer bewies ihm, dass sie Recht hatte?

Später am Tag verdrängte Tigris diese Gedanken und vergrub sich in die Bücher. Hin und wieder diskutierte er etwas mit Draco, aber ihre Gespräche verliefen recht einsilbig. Tigris konnte verstehen, dass sein Bruder seine Begeisterung für einige der Zauber nicht nachvollziehen konnte, aber es war dennoch irgendwie enttäuschend.

Tigris wusste, dass er sich bald mit ihrem Vater unterhalten musste, aber er hatte einen inneren Widerstand dagegen. Schließlich schalt er sich einen Feigling und ging hinunter zum Studierzimmer.

Sein Vater sah von seinen Büchern auf. „Tigris. Gibt es ein Problem?"

Tigris öffnete den Mund, aber plötzlich schrie alles in ihm, dass es eine schlechte Idee war, die ohnehin nicht funktionieren würde. Er biss sich auf die Lippen. „Nein. Ich hatte eine Frage, aber gerade ist mir die Antwort selbst eingefallen. Es tut mir leid, dass ich dich unterbrochen habe, Vater." Er ging hastig.

Draußen in der Halle verfluchte Tigris seinen Mangel an Courage. War er nicht einmal ein Gryffindor gewesen? Er hatte dies für Wochen geplant, und nun zog er es nicht durch, weil er zu feige war. Er konnte sich jedoch nicht überreden, zurück zu gehen.

o

Am Wochenende feierten Draco und Tigris ihren siebzehnten Geburtstag. Am Samstagabend war die offizielle Feier, zu der eine Menge Bekannte ihrer Familie eingeladen waren, von denen etliche Tigris unbekannt waren. Einige gehörten zu den reinblütigen Familien, denn auch wenn es keine anderen Mitglieder der Malfoy und Black Familien mehr gab – abgesehen von Bellatrix, die natürlich nicht teilnehmen konnte – waren sehr viele Leute über mehrere Ecken mit ihnen verwandt. Tigris verlor schnell den Überblick über die Anzahl von Cousinen und Cousins. Professor Snape war natürlich als Dracos Pate da. Ihr Vater hatte entschieden, dass Draco bis auf weiteres die Erbstücke tragen würde, die ihn als Erben kennzeichneten. Als ihr Vater ihnen das mitgeteilt hatte, hatte es gewirkt, als erwarte er, dass Tigris dagegen protestierte. Das war natürlich absurd, die Erbstücke waren Tigris völlig egal. Tatsächlich war es ihm sogar lieber, dass Draco sie trug. Eine Verantwortung weniger, um die er sich Gedanken machen musste. Tigris hatte zwar über die Etikette gelesen, aber es war Draco, der sich sein ganzes Leben lang auf diese Rolle vorbereitet hatte. Tigris hätte sie wahrscheinlich ohnehin nicht ausfüllen können, selbst wenn er es gewollt hätte.

Der Abend war langweilig und anstrengend. Völlig unbekannte Leute gratulierten ihnen zur Volljährigkeit. Draco kam glänzend mit den ganzen Formalitäten zurecht, aber Tigris war froh, als es zu Ende war.

Am Sonntag fand die wirklich interessante Feier statt, die, zu der ihre Freunde eingeladen waren. Draco und Tigris hatten etwas darüber debattiert, und schließlich die gesamte Schattengemeinschaft eingeladen. Draco lud nicht immer so viele Leute ein, aber es war schließlich ihr siebzehnter Geburtstag. Es führte allerdings zu einigen Fragen, warum Tigris niemanden von seiner alten Schule eingeladen hatte. Tigris erklärte, dass er mit niemandem dort gut genug befreundet gewesen war, was ihm ein paar seltsame Blicke einbrachte, aber niemand zog sein Wort in Zweifel. Es war wunderbares Wetter, was es ihnen ermöglichte, im Garten zu feiern.

Am späten Nachmittag kam jemand auf die Idee, ein Quidditchspiel zu veranstalten. Die Möglichkeit, wieder Quidditch zu spielen reizte Tigris, aber er zögerte doch eine Weile, bis er sich überzeugen ließ. Schließlich hatte er vorgeblich keine Erfahrung in diesem Spiel, abgesehen von Spielereien mit Draco.

Am Ende spielte Tigris Sucher für ein Team, das Blaise zum Captain gemacht hatte. Sie hatten Millicent als zweiten Treiber, Kira, Graham und Daphne als Jäger, und Gregory als Hüter. Bei Letzterem war Tigris ein wenig skeptisch, aber Blaise hatte Vertrauen in Gregorys Fähigkeiten.

Draco hatte Aquila, Hitoshi und Clarissa aus dem Slytherin-Quidditchteam, Vincent als zweiten Treiber, und Fiona und Charles als zusätzliche Jäger.

Am Anfang war es ein wenig merkwürdig, wieder auf einem Besen zu sitzen. Nicht nur war Tigris anderthalb Jahre nicht geflogen, er flog auch das erste Mal mit seinem neuen Körper. Tigris war größer und schwerer, als er früher gewesen war. Der Firebolt Advanced glich das ein wenig aus, aber es war doch etwas seltsam. Tigris flog ein paar Proberunden, um sich daran und an seinen neuen Besen zu gewöhnen. Er kam sich ein wenig unbeholfen vor, mehr als bei seinem ersten Flug auf einem Besen. Wahrscheinlich lag es daran, dass er so lange nicht geübt hatte. Tigris genoss es noch immer, zu fliegen, aber es hatte nicht mehr ganz den Reiz, den es einmal gehabt hatte.

Schließlich begann das Spiel und Tigris kreiste über dem Spielfeld, um den Schnatz zu suchen. Gregory stellte sich als eine gute Wahl heraus. Er war um Längen schlechter als Hitoshi, aber Fiona und Charles konnten nicht mit Kira und Graham mithalten. Die größte Schwäche in Dracos Team war Vincent. Millicent war erstaunlich gut als Treiber. Kira warf das erste Tor, während Millicent und Blaise Hitoshi ablenkten. Tigris sah schließlich den Schnatz, zur gleichen Zeit wie Aquila. Aquila reagierte jedoch schneller als Tigris und war ihm trotz des Nimbus, den er flog, voraus. Sie jagten den goldenen Ball quer über das Spielfeld, zwischen den anderen Spielern hindurch und um die Ringe herum. Schließlich verlor Tigris den Schnatz für eine Sekunde aus den Augen, und bevor er es sich versah hatte Aquila seinen Besen herumgerissen und den Ball gefangen. Es dauerte einige Sekunden, bis Tigris klar war, was passiert war. Als er es schließlich realisierte, war er völlig verblüfft. Aquila hatte ihn geschlagen, auf einem schlechteren Besen noch dazu! Sicher, Tigris hatte zu Draco gesagt, dass er es dem Jungen zutraute, aber er war nicht wirklich davon überzeugt gewesen. Schließlich war Tigris noch nie in einem fairen Spiel geschlagen worden! Sicher, er hatte zuvor verloren, aber das lag an Dementoren und wild gewordenen Klatschern, nicht daran, dass der andere Sucher besser war als er!

Tigris stieg ärgerlich von seinem Besen. Aquila hatte einfach mehr Übung, das musste der Grund sein. Er war zu lange nicht geflogen, dann der unbekannte Besen… Blaise sagte Tigris, dass er für jemanden ohne Erfahrung erstaunlich gut geflogen war, aber Tigris hörte ihr nicht zu. Er war einmal der beste Sucher von Hogwarts gewesen! Er wurde nicht einfach so von einem Zweitklässler geschlagen, noch dazu einem, der erst ein Jahr Flugerfahrung hatte!

Nach einer Weile sagte Tigris sich, dass er es dem kleinen Jungen gönnen sollte, schließlich hatte er immer gewusst, dass Aquila ein guter Sucher war. Sein Missmut ließ sich dennoch nicht ganz vertreiben. Er war den ganzen restlichen Abend etwas reizbar, und war schließlich froh, als der Großteil der Gäste gegangen war. Draco war amüsiert als Tigris ihn anfuhr, weil er nicht aufhörte, sich in seinem Sieg zu sonnen. Wenigstens einer von ihnen, der etwas Erheiterndes an der ganzen Sache entdecken konnte. Tigris wollte nichts anderes, als das verwünschte Spiel zu vergessen und war froh, als Blaise es schließlich schaffte, ihn auf andere Gedanken zu bringen.

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Am nächsten Tag war Draco noch immer viel zu selbstzufrieden für Tigris' Geschmack. Er beschuldigte Tigris sogar, eitel zu sein. Tigris war nicht eitel! Tigris war noch nie in seinem Leben eitel gewesen! Wenn überhaupt einer von ihnen eitel war, dann war das Draco. Tigris war schließlich nicht derjenige von ihnen, der Stunden vor dem Spiegel verbrachte. Außerdem hatte Tigris das Recht, sich zu ärgern, wenn er sich ärgern wollte, und wenn Draco das nicht passte, dann war das sein Problem. Sein Bruder hatte auch noch die Dreistigkeit, das amüsant zu finden!

Aus Rache vergrub Tigris sich in der Bibliothek, las, und ignorierte Draco.

Beim Mittagessen hatte Tigris sich ein wenig beruhigt, und erkannte, dass er sich kindisch verhielt. Er hatte wichtigere Dinge zu bedenken als Quidditch. Er hatte ein Spiel verloren, warum auch immer. Es war nur Quidditch, und völlig unwichtig in seinem Leben. Worüber er sich wirklich Gedanken machen sollte, war das längst überfällige Gespräch mit seinem Vater. Als Draco am Nachmittag ging, um seine Apparierlizenz zu holen, sah Tigris schließlich die Gelegenheit mit seinem Vater zu reden. Er hatte noch immer ein ungutes Gefühl dabei, aber gewann schließlich seine innere Debatte. Tigris hatte so viel darüber nachgedacht, er konnte seinen Entschluss jetzt nicht mehr ändern. Ihre Trainingsstunden hatten Tigris' Zorn nur noch gesteigert, und der Gedanke, dass er und sein Bruder bald die Unverzeihlichen aneinander üben würden nährte ihn noch zusätzlich. Es war höchste Zeit, dass etwas geschah.

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Tigris betrat das Studierzimmer nervös. Sein Vater sah einmal mehr auf und bedachte ihn mit einem prüfenden Blick.

„Du willst mit mir sprechen, Tigris?"

Tigris atmete einmal tief durch. „Ja, Vater."

Sein Vater legte seinen Federkiel zur Seite. „Worum geht es?"

Tigris strich nervös seine Robe glatt, dann begann er, vor dem Schreibtisch seines Vaters auf und ab zu gehen. Sarin bewegte sich auf seinem Arm. Ihre Anwesenheit beruhigte Tigris ein wenig.

„Ich bin nicht ganz sicher, wo ich anfangen soll…" Tigris schloss für einen Moment die Augen. „Ich hatte im letzten Jahr eine Menge Gelegenheit nachzudenken. Über mich, über unsere Familie, über das woran ich glaube… Der Anschlag auf Draco hat mir in gewisser Weise die Augen geöffnet. Die Reaktionen der Gryffindors, aber vor allem Dumbledores Reaktion haben mir klar gemacht wie naiv ich immer gewesen bin. Ich habe kritiklos auf die Lügen gehört, die der alte Mann mir erzählt hat. Dabei hat er mich vom ersten Tag an manipuliert…" Tigris hielt einen Moment inne. „Ich hasse Muggel, weißt du?", wechselte er dann abrupt das Thema. „Ich habe sie immer gehasst. Selbst bevor ich wusste, was sie waren, und was ich war, habe ich sie gehasst. Ich habe schon als Kind gewusst, dass ich anders war. Ich konnte Dinge, die sie nicht konnten, und sie fürchteten mich dafür. Das ist das große Problem mit Muggeln, sie fürchten, was sie nicht verstehen, und was sie fürchten, das versuchen sie zu zerstören." Tigris ballte unwillkürlich die Fäuste. Er musste seinen Zorn nicht vortäuschen. Merlin, hatte er die Dursleys verabscheut. Es spielte keine Rolle, dass sie tot waren. „Ich habe dir nie dafür gedankt, dass du sie umgebracht hast. Möglicherweise war ein Teil von mir zornig auf dich deswegen – weil ich es lieber selbst getan hätte."

Sein Vater war Tigris' Bewegungen mit Interesse gefolgt. Nun faltete er seine Hände vor sich und stützte sein Kinn darauf, Tigris mit einem nachdenklichen Blick bedenkend.

„Was plant der Dunkle Lord, nun da Harry Potter tot ist?", wechselte Tigris das Thema erneut. „Er ist ein brillanter Magier, er kann nicht damit zufrieden sein, willkürlich ein paar Muggel umzubringen. Wenn er wirklich einen Umbruch in der Zaubererwelt erreichen will, muss er etwas planen."

„Warum willst du das wissen?", fragte sein Vater seidig. „Du hast nie zuvor Interesse an den Vorhaben unseres Lords gezeigt."

„Falsch.", widersprach Tigris. „Ich habe mich immer für ihn interessiert. Nur die Art meines Interesses hat sich verändert. Was plant er? Weißt du es, Vater?"

Sein Vater lächelte flüchtig. „Warum sollte ich es dir sagen, auch wenn ich es weiß? Wie du es schon sagtest, er ist ein brillanter Magier. Natürlich hat er Pläne. Was kümmert es dich, Tigris? Du bist nicht länger von seinen Angelegenheiten betroffen."

„Ja, er ist brillant, nicht wahr?", entgegnete Tigris, ohne die Frage zu beantworten. „Er weiß mehr, als wir jemals hoffen können zu wissen, hat Draco gesagt. Ich glaube das. Er ist siebzig Jahre alt. Er muss mächtiger sein als Dumbledore, um seine Herrschaft zu einer Zeit begonnen zu haben, als der alte Mann am einflussreichsten war. Ein schwächerer Zauberer hätte niemals so stark werden können in der Zeit nach Grindelwalds Tod. Es ist nur Hogwarts, das Dumbledore Stärke gibt. Er verschanzt sich hinter ihren Mauern."

„Sehr einsichtig. In der Tat, so ist es. Doch solange Dumbledore Hogwarts unter seiner Kontrolle hat, kann das niemand beweisen."

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Dumbledore verliert. Das Ministerium ist schwach, und der Großteil der Zaubererwelt besteht aus leicht beeinflussbaren Narren. Sie glauben alles, was der Daily Prophet ihnen erzählt. Ich bin kein Stratege, aber Blaise ist es. Ich habe ein paar Dinge von ihr gelernt. Wenn der Dunkle Lord zum richtigen Zeitpunkt angreift, hat Dumbledores ausgedienter Orden keine Chance."

„Sehr richtig. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis unser Lord den Sieg erringt. Sobald er erst an der Macht ist, wird er die schwächlichen Anführer unserer Welt durch bessere, wahre Führer ersetzen. Zauberer und Hexen, die loyal zu unserer Sache stehen und bereit sind, die nötigen Schritte einzuleiten, um unsere Welt zu erneuern. Wenn Britannien erst uns gehört, wird der Rest Europas bald folgen. Es gibt in allen Ländern genug Zauberer und Hexen, die mit unseren Ansichten übereinstimmen. Nicht nur wir hier sind es müde, uns ständig mit den Muggeln zu arrangieren, während sie uns immer mehr verdrängen. Wir stecken hinter ihnen zurück, machen Kompromisse und erneut Kompromisse, HANDELN mit ihnen, wenn es in Wirklichkeit unser naturgegebenes Recht ist, über sie zu herrschen. Wir sehen zu, wie sie sich immer weiter ausbreiten, wie eine Krankheit. Ein Geschwür muss herausgeschnitten werden, bevor es den ganzen Körper vergiftet. Wir können nicht länger ignorieren, dass sie die Welt zerstören in der wir leben. Die Zeiten, in der wir einfach in Frieden neben ihnen existieren konnten sind vorbei, aber es ist die Dummheit der Muggel, die uns zum Handeln zwingt. Die Ministerien sind nur zu blind das zu sehen. Sie weigern sich anzuerkennen, dass wir eine Verantwortung haben."

Tigris hatte seinen Vater noch niemals zuvor mit einer solchen Überzeugung sprechen hören. Er war unwillkürlich von seinen Worten fasziniert. Etliches davon hatte er selbst schon gedacht, aber als sein Vater es sagte, gewann es einen Zusammenhang und wurde klarer. „Ja, ich stimme mit dir überein." Tigris sah seinem Vater gerade in die Augen. „Ich habe kein Interesse daran, neutral zu bleiben."

Sein Vater lehnte sich langsam in seinem Sessel zurück. „Was willst du damit sagen?"

„Ich will nicht neutral bleiben.", wiederholte Tigris. „Ich habe nicht vor, passiv den Ereignissen zuzusehen. Blaise hat Recht, in einem Krieg gibt es keine wirkliche Neutralität. Es gibt nur die, die handeln, und die, für die gehandelt wird. Ich war noch nie jemand, der tatenlos am Rand steht. Ich bin nicht blind. Ich sehe, wie sich dieser Krieg entwickelt, und ich will Teil der Entscheidung sein."

„Ich weiß noch immer nicht, was du mir damit sagen willst.", sagte sein Vater ruhig.

Tigris stützte seine Hände auf dem Tisch auf und begegnete Lucius' Blick ohne zu blinzeln. „Ich will mich dem Dunklen Lord anschließen, und ich möchte, dass du mir dabei hilfst in seinen Kreis aufgenommen zu werden."


Vielen Dank für eure Reviews an: Lara Lynx, Avallyn Black, Dax, Adsartha, Lyonessheart, LaraAnime, HermyBookworm, Esta, Die Happy, Mmmel, Lobarie, Chrissi88, milva, CitySweeper, gray angel, Katan Kun

Lara Lynx: Kommt ganz darauf an, wie viel Zeit ich habe. Manchmal schreibe ich fünf Kapitel am Stück, manchmal nur eins (oder keins). Meistens bin ich euch ein paar Kapitel voraus.

Lyonessheart: Sehr wahr.

HermyBookworm: Noch viele… aber erst im zweiten Teil. Ja, Lucius ist ein vielbeschäftigter Mann…

Esta: Ich stimme dir nicht ganz zu, was Dumbledore betrifft. Er hat Grindelwald vernichtet, das ist canon. Außerdem ist er nicht glücklich darüber, aber überzeugt davon, dass Harry Voldemort töten muss. Im Übrigen hat er keine Dunkle Magie benutzt, um Grindelwald zu töten. Rowling hat gesagt, dass er den wahren Grund, warum er Voldemort nicht töten will noch nicht verraten hat.

Mmmel: Ein Kniesel ist… „eine kleine, katzenähnliche Kreatur mit geflecktem, getupftem oder gesprenkeltem Fell, übergroßen Ohren und einem Löwenschwanz. Der Kniesel ist intelligent, unabhängig und gelegentlich aggressiv, aber wenn er eine Hexe oder einen Zauberer mag, ist er ein hervorragendes Haustier." (FB&WTFT)