Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sonst einzig und alleine nur der Plot und die Gedichtzeilen am Anfang eines jeden Kapitels. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld, sondern schreibe dies zum reinen Zeitvertreib.
A/N: Dank geht an Ewjena, KleeneMalfoy, Reditus Mortis, Reni und Tory.
hegdl, eure Tanya :)

Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2006).


Without Existence - Suche dich, dann findest du mich - Agony

Der Mensch ist eine Wesen, welches nur aus Schwäche besteht.
Mögen's gute oder böse sein, kein Fehler vergeht.
Schließt man aber die Augen dann,
stellt sich nur noch die Frage: Zum ersten mal, wann?"


Ein knackendes Geräusch riss Draco aus seinen Gedanken und sogleich schnarrte die große rostige Tür, die unter einem schweren dumpfen Hall geöffnet wurde. Er hob nicht seinen Kopf. Zum einem, weil er zu schwach dazu war und zum anderen, da er sowieso wusste, dass dieser Besuch bestimmt kein für ihn erfreulicher sein würde.

„Draco...", raunzte ein raue bekannte Stimme barsch.

Auch dieses Mal reagierte er nicht, stattdessen starrte er weiter auf die schwere Steinwand ihm gegenüber und versuchte seinen Besucher so gut wie möglich zu ignorieren.

„Komm steh auf", meine er wieder kühl. „es ist Zeit."
„Wofür?", fragte Draco nun doch mit leise, fast gebrochner Stimme.
Ein spöttisches Lachen erklang von Dracos Gegenüber. „Du weißt genau wie du diesen Tag hättest verhindern können."

„Nicht jeder hat so eine perfekte Kenntnis wie du Zabini. Also erwarte nicht solche großen Gedankensprünge von anderen", entgegnete er ihm gleichgültig.
„War das gerade eben etwa Sarkasmus, Malfoy?", fragte Zabini eisig. „Oder einfach nur ein verzweifelter Versuch zu einer ironischen Bemerkung, weil gleich dein Ende nahen würde?"

Draco Malfoy und Blaise Zabini. Früher war diese Konstellation eine perfekte Freundschaft genannt worden. Zwei Menschen von gutem Stande, gleich hoher überdurchschnittlicher Intelligenz und bei allen gleich bliebt so wie gefürchtet. Doch waren sie zwei vollkommen verschiedene Menschen gewesen und irgendwie... immer inneren Rivalen.

In solchen schweren Zeiten erkannte man, wer seine wirklichen Freunde waren. Oft schon hatte Draco das erkennen müssen. Aber eigentlich war es naiv zu glauben, man hatte Freunde. Schon immer zwang er sich dazu einem Menschen auch nur so einen Titel zu schenken, egal wie freundlich er gegenüber ihm war und egal was sie zusammen erlebten. Blaise jedoch, ist eine Ausnahme gewesen. Letztendlich allerdings war er der selbe – genauso wie alle anderen.

„Hast du dich etwa darum gerissen mir beim Sterben zuzusehen?", stellte Draco stattdessen seine Gegenfrage. „Wolltest du dir einmal sagen können: Ha Malfoy, zum ersten Mal bin ich besser als du?"

Zabini seufzte genervt auf und noch ehe Draco sich versah, wurde er von seinem Freund unsanft an de Schultern gepackt und auf die Beine gezogen.
Fast wäre Draco wieder zu Boden gesackt. Seine Beine fühlten sich seltsam taub an, beinahe so, als würden sie überhaupt nicht mehr vorhanden sein. Das mochte aber daran liegen, dass er sie wirklich schon lange nicht mehr benutz hatte, geschweige den überhaupt aufgestanden ist.

„Natürlich,", spöttelte Draco verächtlich, „wir möchten den geliebten Herren ja nicht waren lassen, immerhin würdest du ja dann gleich neben mir im Dreck liegen, was? Es wäre nichts mehr mit diesem überlegenen Triumph, das kann ich verstehen."
Draco konnte erkennen, wie Blaise seine Braue ärgerlich verengte und sein Mundwinkel sich erhob. „Ich hoffe der Dunkle Lord nimmt sich für dich ganz besonders viel Zeit", knurrte er boshaft und ohne eine Vorwarnung zog er Draco grob aus der Zelle hinaus.

Jeder Schritt bedeutete für Draco unendlich Qual. Der Schmerz in seinen Füßen war wirklich unermesslich, doch auf irgendeine Art und Weise fühlte er sich auch seltsam befreit. Es war komisch, wenn man sich vor Augen führte, dass dieser Gang sein letzter sein würde.
Blaise hatte keine Sicherheitsvorkehrung getroffen, um ihn am Fliehen zu hindern. Nicht einmal seinen Zauberstab hatte er hervorgeholt, doch dieser wusste auch, das er niemals fliehen würde.

Fliehen, bedeutete Davonlaufen. Es zeugte nicht von Stolz, sondern einfach nur von schierer Verzweiflung und Panik. Und so etwas – egal, wie aussichtslos die Lage doch auch war – war definitiv unter Dracos Würde. Sein Vorhaben mit Stolz aus dem Leben zu scheiden, wäre dann kein fester Vorsatz mehr gewesen.

Es war komisch diese Menschen hinter den Zellen durch die Gitterstäbe zu betrachten, bemerkte er, während er zusammen mit Blaise an ihnen vorbeieilte. Manche von ihnen nahmen die beiden überhaupt nicht wahr, andere hingegen warfen ihnen interessierte Blicke zu. Was Draco aber wirklich auffiel, war, dass viele dieser Menschen sich sogar in einem noch schlechteren Zustand als er, befanden.

Einige von ihnen schienen sogar nicht mehr ganz bei klarem Verstand zu sein. Draco mochte sich bei dem Gedanken daran überhaupt nicht vorstellen, was Voldemort mit diesen Menschen alles anstellt. Irgendwie war er ihm auch etwas dankbar. Niemals hätte er sein Leben so in der kleinen Zelle verbringen wollen. Jetzt würde er sterben, noch bevor er zu diesem Häufchen Elend gemacht werden konnte und das war auch gut so.

Draco – als er noch als Todesser und Spion für die gute Seite gearbeitet hatte – hatte es nie wahrgenommen, dass es diesen Menschen so schlecht ging und sie jämmerlich dahinvegetierten. Vielleicht wollte er es auch einfach nicht bemerken, denn selbst er hatte in solchen Situation Herz. Mitleid – so wie jetzt – hätte er auf jeden Fall empfunden, ganz gleich für welche Eigenschaften der Name Malfoy auch stand.

Nachdem die beiden die Kerker verlassen hatten, wurde Draco von Blaise in den großen Saal gebracht. Er selbst hatte schon viele Menschen auf dem letzten Wege zu Voldemort begleitet, hingeführt jedoch wurde er bis jetzt noch nie. In diesem Augenblick – als er so in dem Saal stand und Voldemorts unmenschliche Züge hasserfüllt kalt auf ihn herabstarrten – regte sich doch auch etwas in seinem Inneren.

Draco war bewusst, dass es keine Angst war. Zumindest war es keine Angst vor dem Tod, sondern einfach nur vor dem Schmerz bis zur rettenden Erlösung. Ihm graute förmlich schon vor der Pein, welche er gleich, und mit ziemlicher Sicherheit, ertragen musste.

Blaise verstärkte den Griff um Dracos Hände, welche er auf dessen Rücken gefangen hielt und drückte ihn grob zu Boden, so dass sein Gesicht beinahe den kalten Stein berührte. Dracos ebenfalls gehegten Vorsatz, seinen Stolz in keinster Weise auch nur ankratzen zu lassen, konnte er nun genauso gut verwerfen. Vor Voldemort auf dem Boden kriechen, reichte vollkommen. Die Kraft um wieder hochzukommen, besaß er aber nicht. Dafür waren seine Beine einfach viel zu schwach und Blaise konnte er in seinem jetzigen Zustand gewiss nicht überrumpeln.

Voldemort musterte Draco kühl von oben herab und machte schließlich eine ausladenden Handbewegung in Richtung Blaise, welche ihm zeigen sollte, dass seine Anwesenheit nun nicht mehr länger erwünscht wurde.
Dieser nickte kurz und eilte dann schnellen Schrittes aus dem Saal.

Plötzlich, kaum das sich die große Tore zum Saal hinter Blaise verschlossen hatten, war die Stille nicht nur zum Greifen nahe, sondern durchflößte Dracos Körper auch schon auf eine schauderhafte Art und Weise. Mit was würde Voldemort wohl beginnen? Welcher Fluch und welche Schmerzen würde er zuerst ertragen müssen?

Langsam erhob sich Voldemort von seinem kleinen Thron und trat auf den unterwürfigen Draco zu, dabei ließ er es nicht aus, ihn mit seinen roten Augen buchstäblich aufzuspießen, während nicht einmal das geringste Zucken in seiner Miene wahrzunehmen war.

„Sieh mich an", bellte er schließlich hart. „Oder schaffst du es nicht mehr, nach deinem Verrat an mir?"
Mühevoll hob Draco den Kopf und kroch sich auf seine Knie. Es war ihm mehr als zuwider seine Befehle auszuführen, Stolz hieß allerdings auch, dem Tod direkt ins Auge zu sehen. „Sind wir stolz auf uns, junger Malfoy?", wollte Voldemort dann wissen. „Auf das Erreichte und das Ende, was nun folgen würde?"
Draco zog die Braune zusammen. „Nun ja... Ich bin stolz auf mich, allerdings würde ich sagen du hast total versagt. Wie du das siehst weiß ich ja nicht genau, allerdings glaube ich, dass ich immer noch der Bessere von uns beiden bin."

Sogleich traf Draco der harte Schlag Voldemorts Hand in seinem Gesicht. Er verlor das Gleichgewicht und fiel zur Seite, wobei sein Kopf hart auf den Steinboden aufschlug. Ein unendlicher Schmerz stach durch seinen Kopf. Fast wäre ein Schrei über seine Lippen geglitten, den er gerade noch so hatte verhindern können. Die Tränen allerdings waren nicht zurückzuhalten und schossen ihm in die Augen. So gut es konnte, versuchte Draco zu verhindern, dass sie auch noch über seine Wangen glitten. Ein komischer Geschmack hatte sich in seinem Mund breit gemacht. Es dauerte nicht lange bis er begriff, was es war. Oft schon so oft hatte er seinen Geschmack gespürt und es gerochen. Blut.

„Du willst der Bessere von uns beiden sein?", fuhr Voldemort kalt höhnend fort. „Sie dich doch an. Ich bin nicht derjenige der vor Schmerzen auf dem Boden kauert und wie ein dreckiges Häufchen Elend auf seinen Tod wartet."

Draco konnte aus den Augenwinkeln erkennen, wie Voldemort seinen Zauberstab hervorholte. Unweigerlich schloss er die Auge und biss sich fest auf seine Zähne. Sterben mit Stolz, rief er sich wieder in erinnern. Wenn, dann mit Stolz.

Auf einmal aber vernahm Draco statt einem Fluch den zerreißenden Klang Stoffes und merkte, wie jemand an ihm zerrte. Langsam öffnete er wieder die Augen und sah vorsichtig zu Voldemort empor. Dieser schien wie gebannt auf seine Oberarm zu starren und Draco wusste auch sofort was ihn so zu beanspruchen schien.

„Das Dunkle Mal", murmelte Voldemort gehässig. „Das ist mein Zeichen und man sollte Stolz sein, wenn man sich würdig erwies um dieses Zeichen zu erhalten."

Jetzt verstand auch, woher das Reißen kam. Voldemort hatte mit einem Zauber sein weißes – nun fast graues – Hemd zerrissen, an der Stelle, an der das Mal prangte.

„Ich bin aber nicht Stolz darauf", erwiderte Draco schwach und brüchig. Es war nicht gut, wenn er Voldemort weiterhin verärgerte, doch er konnte einfach nicht anders. „Ich war es nie und werde es auch nie sein."
„Ach ja? Und bist du dann Stolz auf deine Taten? Auf den Verrat an mir, deinem Lord? Deinem einzigen Herrscher?"
„Du bist nicht mein Herrscher. Und ja ich bin Stolz auf meine Taten."
„Wieso? Sag mir wieso du anders sein solltest?" Voldemort betrachtete ihn kühl und fuhr dann mir eisiger Stimme fort. „Welche Überzeugung hält dich denn daran an unsere Feinde zu glauben?"

Stille kehrte ein. Was sollte Draco darauf erwidern? Er war nie ein guter Mensch gewesen und würde es auch nie sein. Er hatte schon vielen Unschuldigen das Leben genommen. Zwar unter Voldemorts Befehl – aber er hatte es getan.
„Ich glaube nicht an die Seite, für die ich wirklich gearbeitet habe", erwiderte Draco schließlich ehrlich. „Für mich war das alles einfach nur ein Spiel, denn ich wollte Rache. Rache an meinem Vater."

Voldemort begann zu lachen. Kalt und grausam hallte es schallend und freudlos durch den Saal, während Draco ein unangenehmer Schauer über den Rücken rannte.
„Aus Rache?", wiederholte Voldemort süffisant. „Dafür hast du dein Leben weggeworfen? Wie erbärmlich."
„Wieso?", keuchte Draco. „Tust du nicht das gleiche bei Potter auch?"

Grelles rotes Licht erstrahlte. Purer Schmerz zog sich von seiner Sekunde zur nächsten durch Dracos Körper. Der Schmerz eines Zaubers. Er war nicht darauf vorbereitet gewesen, hatte sich nicht konzentrieren und zusammenreißen können. So schrie er. Einfach Schreien, denn die Qual war viel zu groß und drohte ihn fast von innen zu zerreißen.

Nach ein paar Sekunden, welche ihm wie endlose Minuten vorkamen, ließ sein Leid nach. Voldemort nahm den Fluch von ihm. Draco aber meinte noch jeden Funken Schmerz in seinen Gliedern wie eingebrannt fühlen zu können. Er keuchte unregelmäßig. Seine Hände waren nass und auch an seiner Brust konnte er Hitze spüren.

„Wir beide haben keine gleichen Bewehgründe, junger Malfoy", meinte Voldemort bitter. „Denn ich besitze Kraft und werde diesen Potter eines Tages aus dem Weg räumen, du hingegen bist schwach und hättest nie wirklich das bekommen, was du gewollt hättest!"

Stille trat ein. Es gelang Draco nicht irgendetwas auf seine Worte zu erwidern. Die Wahrheit schien in jedem einzelnen Buchstaben zu stecken.

Erst nach ein paar Sekunden, konnte er wieder das Wort erheben. „Da wir das geklärt hätten, kannst du ja endlich allem ein Ende bereiten", meinte Draco kraftlos und müde. Vorbei? Wann war es endlich vorbei?
„Willst du etwa so schnell das Handtuch werfen?", lächelte Voldemort bitter. „Das enttäuscht mich nun wirklich, denn ich dachte du hättest noch etwas mehr Lebensgeist. Aber keine Sorge, ich werde dich noch früh genug zur Hölle schicken."

„Und wenn wir uns dort wiedersehen werden,", erwiderte er schlappt, schaffte es aber Voldemort gehässig anzugrinsen. „wissen wir, was mit dem mächtigen Lord Voldemort geschehen ist."

Ein weites Mal fuhr die Qual wie ein eiserner Blitz über ihn herein. Wieder waren seine Schreie einfach nicht zu unterdrücken und die Kraft des Dunklen Lords schien ihn nun härter zu treffen, als zuvor.
Als Voldemort zum zweiten Mal den Fluch von ihm nahm, konnte Draco fast nicht mehr, nichts mehr anderes als die Schmerzen spüren. Sie rauschten in seinen Ohren, pressten seine Glieder zusammen und nahmen ihm die Luft zum Atmen. Langsam und allmählich ging es wirklich dem Ende zu.

„Na? Und wie fühlt man sich jetzt? Bereust du es vielleicht jetzt, deinem Vater und somit auch mir, in den Rücken gefallen zu sein?"
„Nein", keuchte Draco. „Wenn ich... es wirklich bereuen würde... dann würde ich keinen Funken Stolz mehr... besitzen."
„Etwa, weil du glaubst deine Überzeugung zu verraten?", hakte Voldemort amüsiert nach und wieder einmal erfüllte sein lebloses Lachen die Stille des Saales und somit Dracos Körper. „Wie kann man Überzeugung verraten, wenn man überhaupt keine besitzt? Und ohne Überzeugung, besitzt man nicht mal einen kleinen Funken Stolz."

„Glaubst du...", stöhnte er schwach.
„Nun ja, red dich ruhig noch weiter in Ausflüchte hinein. Selbst wenn du Stolz hättest, du kauerst doch schon vor mir auf dem Boden, wo soll der dann bleiben? Vielleicht in deinem Herzen? Wäre ja wirklich süß..." Voldemort Grinsen wurde kälter. „... und so nutzlos."

Wieder einmal erwiderte Draco nichts mehr darauf. Er war es nun leid zu reden und somit noch weiter leiden zu müssen. Jetzt würde er einfach warten. Warten auf das Ende und die Erlösung. Sei es durch Gott oder durch den Teufel. Das einzige was zählte, war, dass sie überhaupt kam und das hoffentlich bald.

„Soll ich dir vielleicht etwas verraten, junger Malfoy?", fragte Voldemort und fuhr sogleich fort, ohne seine Antwort abzuwarten. „Die ganze Zeit hast du umsonst auf Rache gehofft, denn am gleichen Abend als du verraten wurdest, ist auch das Schicksal deines Vaters besiegelt worden."

Ein Stich zog sich durch Dracos Herz, der ihn wie eine bittere Erkenntnis zu treffen schien. Zweifellos sprach Voldemort die Wahrheit, wieso allerdings traf er ihn so? Vielleicht deswegen, weil er den Mann, welcher in seinem Leben so viel Ruhm und Ansehen geerntet hatte, schon als kleines Kind bewundert und jetzt sogar jetzt noch insgeheim getan hatte?

Selbst er erfahren hat, dass sein Vater diesen ganzen Erfolg und Respekt durch Unterdrückung und Grausamkeit erlangte, wurde seine Bewunderung für diesen Menschen, den er seinen Vater nennen durfte, nur noch größer. Für ihn war es eine Ehre in seine Fußstapfen treten zu dürfen.

Trotz allem hatte er aber immer diese kleine Stimme in seinem Hinterkopf, welche ihm zuflüsterte, dass dieser Weg der Falsche sei. Ja, genau dafür hatte er ihn gehasst, denn bei jedem grausamen Verbrechen welches er beging, wurde diese Stimme immer lauter und brachte ihn somit in immer mehr Gewissenskonflikte. Wirklich wehren konnte Draco sich aber nicht gegen den Einfluss seines Vater. Viel zu sehr mitgerissen war er von seiner Euphorie, seinem Machthunger und der doch existierenden Liebe – welche man damit erklären konnte, dass er eben letztendlich sein Dad war – zu ihm.

Trotzdem aber war es Hass größer. Sein Dad war ein Mörder und Tyrann und jetzt war Dad tot.

„Weißt du eigentlich wie lange du schon da unten dein Leben in den Kerkern fristest?", erkundigte sich Voldemort, während sich erneut ein Lächeln über seine Lippen schlich. „Fast ein Jahr... und noch immer kennst du nicht die Wahrheit, hab ich Recht. Wer hatte dich verraten?"

Deutlich konnte man erkennen wie sehr Voldemort die letzten Minuten Dracos Leben auskosten wollte. Es musste ihm wirklich einen reinen Genuss bereiten, diesem kurz vor seiner Ermordung zu sagen, wer eigentlich für all dies verantwortlich war. Irgendwie aber schien es Draco gleich. Die ganzen letzten Monate hatte er nicht wirklich darauf gesinnt den Namen des Verräters zu erfahren, hatte er doch das gleiche mit vielen anderen Todessern auf der guten Seite auch getan. Es war wie eine Art „Job" und im Grunde waren sich er und der Verräter in diesem Punkte ähnlich.


Blaise!", donnerte Draco über das dröhnende Schlachtgebrüll hinweg. „Versuche..."

Dann aber gab er den Versuch auf, seinem Freund irgendetwas mitzuteilen. Er konnte ihn sowieso nicht hören. Der Lärm war fast ins Unermessliche gestiegen. Zauberer und Hexen lieferten sich gegenseitig unerbittliche Kämpfe. Mit Zauberstäben, aber auch mit bloßer Muskelkraft oder anderen gefährlichen Gegenständen.

Blut. Überall war Blut. Auch er war voll von der roten dicken Flüssigkeit. Sie klebte an seinen Händen und an seinem ganzen Körper, wollte nicht ab – schien ihn verfluchen zu wollen. Das schlimme daran aber war, dass er nicht genau wusste von wem es stammte. Blut der Feinde oder vielleicht sogar das der „Freunde", seiner Verbündeten?

Ihn Draco keimte jedoch keine Angst. Er machte sich keinerlei Sorge darüber, wie es wohl den Mitgliedern des Ordens ginge. Dies gehört nicht in seinen Aufgabenbereich und sie konnten sicherlich nicht verlangen, dass er ihnen menschliche Liebe entgegenbrachte. Das einzige was er tun sollte, war sie mit wertvollen Informationen über Voldemorts Pläne zu versorgen und er fand, dass er diese Aufgabe gut erfüllte. Ohne ihn wären sie heute Abend alle zu Grunde gegangen.

Für eine Sekunde lang war er so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht mitbekam, dass er durch seine Unachtsamkeit nun dem „eigentlich Feind" und somit Voldemort und seiner Todesser plötzlich hilflos ausgeliefert war, als auf einmal ein starker harter Schmerz über seinen Kopf hereinbrach und im sich im nächsten Moment die Welt verdunkelte. Das Blut verschwand.


Gleich nachdem er in seiner Zelle erwacht ist, ist Voldemort erschienen. Hatte ihm erzählt, dass er verraten wurde und wie schwer enttäuscht er nun von ihm sei. Was wirklich geschehen ist und wie oder wer ihn „ausgeliefert" hatte, hatte er nie ein Wort verloren. Vielleicht auch deswegen, weil er viel zu beschäftigt damit gewesen ist, Draco die schlimmsten Schmerzen seines Leben zuzuführen. Damals schienen es für ihn jedenfalls die Schlimmsten zu sein.

„Warte auf ihn. Irgendwann kommt er... der Tod und dann wird er dich in die Hölle bringen", dies waren Voldemorts letzten Worte gewesen, nachdem die Zellentür hinter ihm ins Schloss fiel und er ihn alleine zurückließ.

Und Draco hatte gehorcht. Er hatte gewartet. Heute würde es endlich soweit sein.

„Möchtest du nicht wissen, wer es gewesen ist?", fragte er.
Nun mühte sich Draco doch noch etwas hervorzubringen. „Das ist mir scheißegal. Soll derjenige doch zur Hölle fahren."
„Mehr hast du dazu nicht zu sagen? Dein Verräter hat dich in dieses dreckige Loch da unten gebracht. Wegen ihm hast du diese ganzen Qualen ertragen müssen. Wegen ihm ging dir ein Jahr deines Lebens verloren und wegen ihm wirst du heute elendig zu Grunde gehen und dich soll das alles kalt lassen?"

Plötzlich – Draco wusste nicht wie er das machte und erst recht nicht wieso – nahm er all seine Kraft zusammen und richtete sich langsam auf. Seine Beine schwankten beträchtlich und er meinte, jeden Augenblick wieder auf den Boden zu sacken, liegen zu bleiben und dieses mal für immer.

„Dann sag es mir doch endlich!", schrie er Voldemort zornig entgegen. „Sag mir endlich wer mich verraten und leiden lassen hat, damit ich ihn selbst in die Hölle schicken kann, wenn du schon so erpicht darauf bist." Voldemort hob die Braue. War er beeindruckt? Er erwiderte aber nichts auf seine Worte, sondern blieb still.

„Ich war es", erklang plötzlich eine eindeutig weibliche Stimme kalt hinter ihm.

Beim Klang dieser Stimme zuckte Draco erschrocken zusammen. Fast hatte ihn diese Überraschung seine Konzentration geraubt und er wäre wieder zusammengebrochen. Ihm war so, als würde er diese Person kennen. So vertraut wirkte ihre Stimme, doch auch so weit entfernt – tief in seinen Erinnerungen vergraben. Eine leise Ahnung machte sich in ihm breit, er wusste aber, dass es eigentlich unmöglich war.

War sein Verräter wirklich...?


TBC