Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf
basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sonst
einzig und alleine nur der Plot und die Gedichtzeilen am Anfang eines
jeden Kapitels. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei
Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld, sondern schreibe
dies zum reinen Zeitvertreib.
A/N: Dank geht an
D.V.G.M.1.
hegdl, eure Tanya :)
Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2006).
Without Existence - Suche dich, dann findest du mich - Traitress
„Blick' ich zum Sternenhimmel hinauf,
wünsch' ich
mir, mein Stern geh auf.
Früher tat er's, jetzt aber
scheint er verglüht...
Ich weiß es schon längst,
es ist Verrat, der mir blüht..."
„Ich war es", erklang plötzlich eine eindeutig weibliche Stimme kalt hinter ihm.
Beim Klang dieser Stimme zuckte Draco erschrocken zusammen. Fast hatte ihn diese Überraschung seine Konzentration geraubt und er wäre wieder zusammengebrochen. Ihm war so, als würde er diese Person kennen. So vertraut wirkte ihre Stimme, doch auch so weit entfernt – tief in seinen Erinnerungen vergraben. Eine leise Ahnung machte sich in ihm breit, er wusste aber, dass es eigentlich unmöglich war.
War sein Verräter wirklich...?
„Gra...", Draco stockte.
Diesen Namen zu sprechen kostete ihn unendlich viel Kraft. Auch
weil er es einfach nicht glauben konnte. Sie? Niemals. Immerhin war
sie doch...
Die schwarze vermummte Gestalt seiner Verräterin
schritt langsam, wie in Zeitlupe, auf ihn zu. Ihre Schritte hallten
laut wieder und jedes Mal wenn ein neuer erklang, konnte er den
Schauer spüren, welcher über seinen Rücken rannte.
Wieder, wieder und wieder.
Voldemort blieb stumm. Seine roten Augen verfolgten interessiert das Schauspiel zwischen den beiden, das konnte Draco spüren. Er wusste, dass es ihn amüsierte. Plötzlich machte sie einen halben Meter vor ihm halt. Noch immer konnte er nicht wirklich erkennen, wer diese Frau war. Die übergroße Kapuze hatte sie tief in ihr Gesicht gezogen und ließ einfach keine Enttarnung zu.
Draco wollte es wissen. Jetzt da sie vor ihm stand, brannte es mehr den je auf seiner Seele. Nun, bevor er sterben würde, mochte er wenigstens wissen wollen, wer ihn verraten hatte und vor allem ob sie es wirklich war. Noch immer schien diese Verstellung schier unbegreiflich.
„Wer bist du?", wisperte er langsam.
„Hast du mich schon
vergessen? Nach zwei Jahren gelingt es dir einfach nicht mehr, dich
an mich zu erinnern?", fragte sie kalt und fügte dann wissend
hinzu: „Du weißt es."
Nein, das konnte einfach nicht sein. Sie war seine beste Freundin
und nicht nur das, sondern auch noch viel mehr für ihn! Hatte
sie etwa auch ihn verraten?
Ihre Stimme klang ungewöhnlich
kalt. In seiner Erinnerung hatte sie oft mit Kälte gesprochen,
vor allem wenn die Worte an ihn gerichtet gewesen waren, doch niemals
hatte sie so wie jetzt geklungen. Da, lebendig und doch vollkommen
tot.
„Ich... ich weiß nicht mehr du bist."
Draco konnte
hören wie sie kurz spöttisch lächelte. „Doch das
weißt du, mein Lieber. Mach dir nichts vor, du musst dieser
Tatsache ins Auge sehen und dich deiner Schande stellen. Du würdest
von einem dreckigen Muggel verraten."
Im gleichen Moment zog sie die Kapuze vom Kopf. Lange, braune
Locken fielen über ihre Schultern und tiefe braune Augen
starrten ihm kalt in seine. Sein Herz schien stehen zu bleiben und
für einen Augenblick wusste er einfach nicht was er denken
sollte. Sie sah anders aus... reifer und hübscher... doch...
Es
war ihr Gesicht. Es war ihre Haut. Es war ihr Haar. Es waren ihre
Augen. Sie war es... Zumindest äußerlich.
„Hermione Granger...", murmelte er nun mit entsetzter Stimme,
dieser Erkenntnis konnte er nun einfach nicht mehr entkommen.
Ein
Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Voller Hohn sah sie
ihn an. „Hermione Granger, genau", lachte sie schrill und
unglaublich hoch.
Dieses Lachen kannte er von ihr nicht. So lachte sie nicht. Er hatte sie oft mit ihren Freunden lachen hören und immer voller Leben, Freude und Ausgelassenheit. Nun aber lag nichts mehr darin. Die Menschlichkeit schien verschwunden. Vollkommen.
Niemals hatte er Hermione Granger, das wandelte Lexikon aus Gryffindor, Harry Potters beste Freundin, das Schlammblut und die Musterschülerin, die immer besser war als er, leiden können. Er hatte sie gehasst und tat es auch heute noch. Doch sie nun hier vor ihm stehen zu sehen, warf ihn plötzlich mehr als alles andere aus der Bahn.
„Nein..." Draco schüttelte ungläubig den Kopf. Er fühlte sich so, als würde Voldemort ihn in seinen letzten Minuten auch noch auf den Arm nehmen wollen. „Das kann nicht sein. Du bist Potters Freundin und würdest ihn niemals verraten. Niemals. Du hasst Voldemort. Außerdem bist du ein Muggel... ein Schlammblut. Schlammblüter können keine Todesser werden."
Das Lächeln verschwand nicht von Hermiones Gesicht, wurde aber bitter. „Ich weiß, Malfoy. Du hattest Recht, mit allem was du sagtest. Wie gesagt... hattest. Es hat sich nämlich viel geändert. Sehr viel. Ich war Potters Freundin, nun bin ich es nicht mehr. Ich hasste den Dunklen Lord, nun tu ich es nicht mehr. Aber... ich war ein Muggel... und bin es immer noch. Doch, schau..."
Langsam zog sie den Ärmel ihres Armes empor und zeigte ihm ihren linken Unterarm. Tatsächlich. Ein großer schwarzer Totenkopf prangte auf ihrer zarten goldbraunen Haut und glich haargenau dem seinen. Das Dunkle Mal. Keinerlei Rötungen zeichneten sich auf ihrer Haut um den Schädel. Es war kein frisches Zeichen. Sie besaß es schon länger.
Für einen Augenblick verspürte Draco den Drang sie an
den Schultern zu packen und kräftig zu schütteln. Er
verstand das einfach nicht.
„Wieso?", hätte er sie am
liebsten angeschrien. „Wieso wirfst du dein Leben weg, du dummes
Mädchen?"
In seinen Augen war sie dumm und vielleicht sogar
noch viel mehr als das.
In dem einen Jahr, in welchem er Voldemort gedient hatte, hatte er
viel Schreckliches begangen. Die Spionage für den Phönixorden
und all das Gute, welches er damit vollbrachte, war aber keineswegs
ein Ausgleich für seine Verbrechen.
Gerne hätte er sich
niemals Voldemort angeschlossen, sein Vater aber hatte es verlangt.
Schon bei seiner Geburt stand fest, was ihn nach seinem Abschluss in
Hogwarts erwartete und es geschah dann auch so.
Draco hatte sich nie gegen seine Zeremonie wehren können. Zum größten Teil aus Angst, welche er seinem Vater und Voldemort entgegen brachte. Er konnte und wollte sich nicht vorstellen, was sie mit ihm machen würde, sobald er sagte, dass dies nicht sein Wunsch sei. In purer Verzweiflung und natürlich auch aus Rache an seinem Vater – das er nun doch andere Weg einschlug, wenn auch geheim –, hatte er sich sofort nach seiner Ernennung zu einem Voldemorts Todesser, an den Phönixorden gewandt. Dumbledore und Snape hatten ihn unter das Veritaserum gestellt und er hatte die Prüfung bestanden. Er wurde einer von ihnen.
Niemals aber war es seine freiwillige Entscheidung gewesen. Niemals wollte er zu einem Todesser gemacht werden und wirklich freiwillig wurde er auch kein Mitglied des Phönixordens. Granger aber war ein freiwilliges Mitglied dieser Organisation und war immer mit Leib und Seele dabei gewesen. Seit ihrem Hogwartsabschluss war er ihr zwar nie mehr begegnet, aber er wusste für was ihre Initialen standen. Sie hatte sich immer mit viel Hingabe die Gerechtigkeit in der Welt gewünscht. Diese Frau nun vor ihm, war nicht der Mensch, den er mal gekannte.
Wütend machte ihn aber auch, dass er nicht die Wahl gehabt hatte. Sie aber doch. Wie kann ein Mensch den nur sein Leben wegschmeißen? Was kann denn geschehen sein, dass man plötzlich alles vergaß, woran man glaubte? War sie etwa im Grunde so schwach, so dass sie Schicksalsschlägen nicht gewachsen war?
Abermals musste Draco vor lauter Ungläubigkeit den Kopf
schütteln. „Das ist doch ein Witz. Niemals machst du das hier
alles freiwillig. Ich kennen dich!"
„Wieso, denn nicht?",
fragte sie mit erhobener Braue. „Du kennst mich? Diese Behauptung
ist der einzige Witz an der ganzen Sache."
„Und was bitte schön ist geschehen? Warum hast du denn das Ufer gewechselt? Hat das Wiesel dich wieder mal geärgert oder aufgezogen wegen deiner vielen Lern- und Arbeiterei?"
Spott schwankte in seiner Stimme. Wirklich etwas auf ihre
Veränderung zu sagen, konnte er aber nicht. Es erschütterte
ihn, tief in seinem Inneren. Zeigen aber wollte er es nicht.
Egal
wie sehr er sie doch gehasst hatte, war Hermione Granger für ihn
immer der Mensch gewesen, mit dem reinsten Herzen überhaupt. Er
hätte alles darauf verwettet, dass sie für ihre Freunde in
den Tod gehen würde, egal wie aussichtslos die Lage auch
scheinen möge. Wenn selbst nicht mal das so was, woran konnte
man dann eigentlich noch glauben?
„Du bist erbärmlich, Malfoy", spuckte Granger ihm
hasserfüllt mit boshafter Stimme entgegen. „Winsle lieber um
Gnade. Schon vergessen? Dein letztes Stündlein hat bereits
begonnen und langsam dreht sich der Zeiger dem Ende dieser Stunde
entgegen."
„Hermione hat recht", hallte plötzlich die
kalte Stimme Voldemorts. „Es wird Zeit, dies zu beenden. Lange
genug habe ich mich mit dir abgegeben."
Erschrocken zuckte Draco zusammen. Er hatte Voldemort fast vergessen. Jetzt aber von seinem Tod zu sprechen, schien ihm irgendwie falsch. Mehr als falsch. Vor ein paar Minuten hätte er wirklich alles dafür gegeben, um endlich sterben zu dürfen. Nun aber hatte sich etwas geändert.
Er hatte erfahren, wer ihn damals verraten hatte. Oft hatte er sich die Begegnung mit diesem Menschen ausgemalt, auch wenn diese Person ihm gleichgültig schien. Trotzdem aber... bei diesen Begegnungen hatte er immer über seinen Verräter gesiegt, ihn in die Knie gezwungen und ihm gezeigt, wie falsch sein Handeln gewesen ist und zwar nicht im moralischen Sinne.
Nun würde es nicht geschehen. Draco würde sterben, bevor er ihr gezeigt hatte, was sie wirklich tat. Er wollte Hermione nicht besiegen, dafür war er immer noch viel zu geschockt von der Erkenntnis, dass tatsächlich sie es gewesen war. Jedoch wollte er wissen wieso und wissen was in ihr vorging. Plötzlich machte sich dieser komische Wunsch in ihm bereit, seine Verräterin aus dem Wahn Voldemorts zu entziehen, egal wie sehr er sie auch hasste.
Konnte es ihm denn nicht eigentlich vollkommen egal sein, was aus ihr wurde?
„Nein!", rief Draco hastig, ohne wirklich wahrzunehmen, was er gerade tat. „Ich will nicht sterben. Nicht jetzt!"
Er war schwach. Noch immer schmerzten all seine Glieder und jede Faser seines Körpers, doch er war fest entschlossen diese Schmerzen zu ertragen und ihnen nicht zu erliegen. Welche Art von Stolz besaß man denn, wenn man einfach so aufgab? Sicherlich, betteln war auch keine dieser edlen Taten. Jetzt aber war es egal.
Ein Grinsen erschien auf Voldemorts Lippen. „Angst?", lachte
er hämisch. „Wo ist denn deine plötzliche selbstsichere
Gelassenheit geblieben?
„Nein, nicht vor dem Tod", erwiderte
Draco. „Aber davor, was du mit ihr vielleicht machen wirst."
Energisch deutete er auf Hermione, während er Voldemort fast
schon anschrie. „Niemals ist sie aus freiwilligen Stücken
hier. Du hast sie gezwungen oder irgendeine Art von Gehirnwäsche
verpasst, das weiß ich genau!"
Jäh tat er auf einmal das, was er zuvor gerne gemacht hätte.
Gerade aber konnte er diesen Wunsch nicht mehr unterdrücken.
Draco packte Hermione an den Schultern und schüttelte sie.
„Wach doch endlich auf! Das bist doch nicht du! Wie kannst du
nur so dumm sein und das alles was du hier tust für richtig
halten? Wo bleibt denn dein Gerechtigkeitssinn? Wo bleibt dein Herz?"
Batsch! Erschrocken starrte Draco Hermione entgegen. Sie hatte seine Hand gehoben und ihm mit voller Wucht eine Ohrfeige verpasst. Das war nicht die erste Ohrfeige die er von ihr einstecken musste, aber diese schaffte es sogar sein Entsetzten noch größer werden zu lassen.
Er kannte ihren Blick, wenn sie wütend war. Oft hatte sie ihn
voller Wut und Zorn angefunkelt. Ihre Augen hatten gefährlich
geblitzt und ihn gehässig fixiert. Eine Ausstrahlung umgab sie
immer, mit der sie alles und jeden in den Bann zog.
Jetzt aber
war dem nicht so. Sie war nicht wütend, nicht zornig, geschweige
denn voller Hass. Sondern einfach nur ausdruckslos. Ihre Augen
wirkten leer.
„Nun ja Malfoy,", meinte Voldemort bitter lächelnd, „Hermione hat dir ja gezeigt, was sie von deiner absurden Theorie – von wegen sie sei nicht wirklich freiwillig hier – hält. Damit wäre das ja geklärt. Nun finde ich das es wirklich langsam genug ist."
Draco erwiderte darauf nichts mehr. Wie gebannt starrte er Hermione an. Er wusste einfach nicht mehr, was er tun oder sagen sollte. Alles schien so falsch, aber es lag nicht bei ihm, alles zu berichtigen.
Langsam erhob Voldemort seinen Zauberstab. Ein bitteres gehässiges
Lächeln lag auf seinem Gesicht. „Ava...", begannen seine
Lippen, doch da hielt er inne, als er von Hermione unterbrochen
wurde.
„Mylord, warten Sie!", rief diese.
Erstaunt wandten
sich seine kalten Augen ihr zu, während Draco ihr die gleiche
Verwunderung entgegenbrachte. Sie hatte Voldemort unterbrochen. Das
bedeutete eigentlich den Tod, das wusste er.
Voldemort schien auch nicht sichtlich begeistert davon zu sein.
„Was?", fragte er misstrauisch und etwas schroff.
„Vielleicht
sollten Sie ihn verschonen, Meister", meinte Hermione
vorsichtig.
Die Miene Voldemort wurde immer bitterer. Draco konnte
fast schon spüren, was er von Hermiones Idee zu halten schien.
„Wieso sollte ich so etwas Groteskes tun?", fragte er
scharf.
Hermione wirkte verunsichert, ließ sich aber nicht
von ihrer Sicht abbringen. „Er war und ist noch immer im
Phönixorden. Vielleicht sollten wir... Potter eine Falle
stellen? Malfoy wäre das beste Mittel dazu."
Voldemort zog die Stirn in Falten. Er schien ernsthaft darüber nachzudenken. Draco stellte sich aber mehr die Frage, warum Hermione diesen Vorschlag machte. Vielleicht stand sie ja doch nicht auf der Seite Voldemorts? Vielleicht war sie auch eine Spionin des Phönixordens? Wieso hatte sie ihn aber damals verraten? Blieb ihr vielleicht keine andere Wahl?
„Wie meinst du das?", fragte Voldemort dann.
„Wir haben
Dumbledore und seinen Handlangern nie gesagt, was mit ihrem Spion
geschehen ist. Sie haben ihn als Tod erklärt. Wir könnten
ihn doch unter eine Art Zauber stellen und ihn dann auf Potter
ansetzten. Er wird von Dumbledore noch immer geschützt.
Vielleicht aber würden wir so an ihn herankommen."
„Ein guter Plan. Ihren Spion als unseren anzuwenden. Aber Malfoy
sollte dann aus vollkommener geistlicher Überzeugung handeln.
Dumbledore ist nicht dumm. Er würde merken, wenn jemand unter
einem Zauber stünde."
„Nun ja, wir könnten ihn unter
einem Zauber stellen. Dieser Zauber aber sollte nicht sein Handeln
und Denken beeinflussen, sondern uns eher darüber informieren,
wenn er irgendetwas Falsches tut würde."
Voldemort wandte seinen Augenmerk Draco zu. Dieser fühlte sich ganz und gar nicht wohl bei dem ganzen Plan. Überhaupt fühlte er sich nicht wohl, da er gerade irgendwie unfreiwillig wieder in Voldemorts Dienste gestellt wurde und nichts dagegen machen konnte. Ein „Nein" würde kein große Wirkung zeigen, geschweige den Beeindruckung auf ihn ausüben.
Auf einmal erhob Voldemort wieder seinen Zauberstab und fuchtelte mit diesem schnell in der Luft herum. Für einen kurzen Augenblick glaubte Draco er wäre verrückt geworden, dann aber erfüllte ein gleißendes Licht den Saal. Es war so grell, dass Draco unter Schmerzen seine Augen schließen musste. Schließlich verlosch es. Langsam öffnete er sie wieder und erkannte, wie Voldemort eine kleine Brosche in der Hand hielt. Sie war aus einem matten ziemlich dreckigem abgenutzten Silber und hatte die Form eines Totenkopfes.
Voldemort betrachtete das Stück und schließlich breitete sich auf seinem Gesicht ein selbstgefälliges Grinsen aus. Er schritt auf Draco zu und hielt den Totenkopf an dessen rechtes Handgelenk, welcher sich von einer Sekunde auf die andere an ein, so eben noch unsichtbares, Lederband um dieses befestigte. Das ging so schnell, dass er es nicht schaffte, sich dagegen zu wehren. Wieder erstrahlte ein Licht und dieses Mal um seinen neues Lederband. Nun aber nicht mehr so hell wie das zuvor.
Draco versuchte das Band abzunehmen, aber es saß fest.
„Gib
dir keine Mühe", grinste Voldemort. „Dieses Lederband kann
nur von mir abgenommen werden. Somit kann ich dich im Auge behalten.
Du wirst zum Orden zurückkehren und erklären, dass es dir
gelang, zu fliehen. Solltest du ihnen aber irgendetwas über
unser Abkommen erzählen, wirst du es bitter bereuen, das kann
ich dir versprechen."
Voldemort stach mit seinen roten glühenden Augen fast förmlich warnend in die Dracos. Dann wandte er seinen Blick Hermione zu. „Hermione, ich erwarte von dir, dass du ihn im Auge behältst und ihr euch regelmäßig trefft, um einen Plan über die Gefangennahme Potters zu entwickeln, außerdem, um alle wichtigen Information auszutauschen. Es wäre zu riskant noch andere Todesser in den Plan einzuweihen, denn der Orden hat sicher noch andere Spione auf unserer Seite."
Hermione nickte und verbeugte sich tief vor ihrem Meister. „Ihr
Wunsch ist mir Befehl, Mylord."
„Gut, dann schaff ihn mir aus
den Augen. Du weißt ja wohin", befahl er
schließlich.
Abermals nickte Hermione. Sie warf sich wieder
ihre Kapuze ins Gesicht, packte Dracos Handgelenke und hielt diese –
wie zuvor auch Blaise getan – hinter dessen Rücken fest, um
mit ihm den Saal zu verlassen.
Schweigend ging die beiden nebeneinander durch die Tore des Saales und ließen sie ins Schloss fallen. Draco entdeckte Blaise, welcher die ganze Zeit vor dem Tor gewartete hatte und aufgeregt auf und ab geschritten ist, und konnte sich ein genugtuendes Grinsen nicht verkneifen, obwohl er nicht recht wusste, ob er vielleicht Bedauern empfinden musste, weil er ihn vielleicht noch länger ertragen musste. Als Hermione mit dem lebenden Draco herausschritt, sah Blaise verwundert fast schon erschrocken aus und Draco war sich sicher: definitiv Genugtuung.
Nach dem ersten Schock schritt Blaise nun so gemächlich er
konnte auf Hermione zu, um seine Neugier nach dem Geschehenen nicht
ganz so offensichtlich zu zeigen.
„Wieso lebt dieser Verräter
noch?", herrschte er sie an, ganz so, als müsste er ihr die
Schuld daran geben.
„Voldemort hatte seine Gründe", entgegnet Hermione
knapp.
„Welche?", hakte er weiter.
„Die gehen
Unterrangige nichts an."
Verwundert warf Draco einen Blick auf Hermiones linke Brust. Tatsächlich, das war ihm zuvor überhaupt nicht aufgefallen. Ein kleiner Totenkopf, welcher die Form des Dunklen Males hatte, prangte an ihrem Umhang.
Der Totenkopf war die höchste Auszeichnung für einen Todesser und stellte seinen höchsten Rang dar. Doch man musste Voldemort wirklich treu untergeben sein, um so einen zu bekommen. Nicht mal sein Vater hatte dieses Meisterstück jemals vollbracht. Doch das bedeutete auch, dass man bereits viele grausame Morde auf seinem Gewissen hatte. Erneut musste sich Draco fragen, ob diese Frau wirklich Hermione Granger war.
Blaise schien mehr als verärgert über Hermiones Antwort und musterte sie spitz. „Für ein Schlammblut reißt du aber ganz schön die Klappe auf, Kleines. Vielleicht sollten wir ja mal wieder nett unterhalten. So wie damals," Ein schmieriges Lächeln zog sich über seine Lippen. „dann würdest du vielleicht wieder etwas Respekt vor mit bekommen. Überleg es dir, du weißt ja du mich findest", meinte er lasziv.
Blaise streifte Hermione und ging dann an ihr vorbei. In ihrer Miene hatte sich jedoch kein Muskel geregt. Sie sah ihm einfach nur kühl hinterher. Dann setzte sie zusammen mit Draco ihren Weg in die entgegengesetzt Richtung, die Treppen empor, fort.
„Was sollte das?", fragte Draco. „Was meinte er gerade
damit?"
„Nichts", entgegnete Hermione.
„Natürlich
hatte er etwas damit gemeint."
„Natürlich hat er auch.
Doch nichts, was dich etwas angehen sollte, Malfoy. Mit wem ich etwas
habe ich meine Sache."
Entsetzt blieb Draco wie angewurzelt stehen. „Du und Blaise? Das
ist ein Witz!"
„Nein, ist es nicht und jetzt weiter."
Grob
zog Hermione ihn wieder mit sich. „Was soll dieses Spielchen,
Granger? Wieso gibt's du dich mit dem ab und wieso arbeitest du für
Voldemort? Ich dachte selbst so ein kleines Schlammblut wie du
besitzt Verstand und ein paar Ideale."
Sie strafte ihm mit einem
finsteren Blick. „Wer von uns keinen Verstand besitzt ist hier eher
die Frage. Auch habe ich habe nicht um mein Leben gebettelt, so wie
du eben. Das nenne ich verrat der Ideale."
„Gibt's doch zu. Du arbeitest auch als Spion, sonst hättest
du mir eben nicht das Leben gerettet."
Keine Sekunde später
wurde Draco von Hermione hart gegen die Wand gedrückt. Ihre
Augen funkelten zornig und sie hatte den Griff um seine Handgelenke
auf das doppelte verstärkt. „Ich habe dir nicht das Leben
gerettet. Der einzige Grund für mein Handeln ist der, weil du
uns Potter ausliefern kannst, verstanden?"
„Du und Potter wart die besten Freunde und so weit ich mich erinnere, habt ihr doch noch so eine kleine Bettgeschichte am laufen gehabt, die ihr als Liebe bezeichnet habt, nicht? Ich hab euch immer gehasst und – bei Merlin – ich will ja nicht eure Freundschaft retten, oder so was, aber ich versteh das nicht. Wieso bist du hier? Damit wirfst du doch dein Leben weg."
„Das siehst du vielleicht so. Ich aber sehe darin meine Erfüllung. Endlich habe ich jemandem gefunden, denn ich voll und ganz lieben kann. Der Dunkle Lord ist stark, mächtig und vollkommen. Er wird es schaffen diese elende Welt in eine bessere zu verwandeln. Er schafft ein Utopia und darin haben solche Leute wie Muggel ohne jede magische Fähigkeiten einfach keinen Platz. Auch nicht Zauberer und Hexen mit solchen naiven Idealvorstellungen. Wenn du weiterleben willst, dann würde ich dir auch raten, deine naiven Idealvorstellungen zu überdenken."
„Schlammblüter", erwiderte Draco und betrachtet sie
aufmerksam.
Irritiert hob Hermione die Braue. „Bitte,
was?"
„Schlammblüter", wiederholte er entschlossen.
„Wieso schaffst du es als Todesser nicht, dieses Wort auszusprechen
und nennst sie stattdessen Muggel? Das war vorhin auch schon so."
Hermione antwortete ihm nicht. Sie schien nicht zu wissen, was sie sagen sollte. Stattdessen aber wich sie aus, packte Draco wieder und zog ihn weiter.
„Wirst du es mir irgendwann sagen?", fuhr Draco unbeirrt
fort.
„Was sagen?"
„Wieso du das bist, was du jetzt
bist?"
„Du bist dumm, wenn du glaubst, dass es dafür
einen Grund gibt", antwortete sie kalt.
TBC
