Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sonst einzig und alleine nur der Plot und die Gedichtzeilen am Anfang eines jeden Kapitels. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld, sondern schreibe dies zum reinen Zeitvertreib.
A/N: Dank geht an julschn und Viviann.
hegdl, eure Tanya :)

Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2006).


Without Existence - Suche dich, dann findest du mich - Mercy

Von deiner Unschuld ist nichts mehr da.
Deine Anmut ist auch nicht mehr die, die sie früher mal war.
Blut klebt an deinen Händen,
doch du willst nicht deine Gedanken daran verschwenden..."


„Du kannst baden. Ich werde deine Sachen in der Zwischenzeit reinigen", erklärte Hermione ihm in einem sehr geschäftlichen Ton, nachdem sie in eine Art Wohnung traten, die anscheinend ihr gehören zu schien.
„Am besten brichst du dann gleich nach Hogwarts auf."
„Wieso nach Hogwarts?", wollte Draco verwundert wissen und sah sich neugierig um.

Der erste Zimmer hatte keine besonders liebevolle Einrichtung, welche er eigentlich von ihr erwartet hätte. Nirgends hingen Bilder, standen Blumen oder war irgendeine Dekoration vorhanden. Das einzige was man vielleicht als eine „Deko" bezeichnen konnte, waren die schwarzen Vorhänge am Fenster. Doch die schiene auch nur aus dem Grund da zu sein, um Hermione vor dem Sonnenlicht zu schützen, denn sie waren geschlossen. So war alles recht dunkel in dem Zimmer. Auch waren nur ein Tisch und dazu zwei Stühle vorhanden. Ein großes Doppelbett stand in der Ecke, während es mit mitsamt den Möbeln ziemlich verloren in dem großen Raum wirkte.

„Das ist das neue Hauptquartier des Ordens", erwiderte Hermione auf seine Frage. „Sie denken wir wüssten es nicht, aber unsere Spione haben ganze Arbeit geleistet. Es ist schwer es zu erkennen, doch sie verschanzen sich tatsächlich dort. Wie einfältig von ihnen. Vielleicht war das aber auch ihr Plan. Es könnte sein, dass sie wirklich gedacht hatten, wir würden es nicht in Erwägung ziehen. Dann wäre es fast schon genial. Nur eben dieser Schönheitsfehler, dass wir nicht dumm sind."
„Was ist aus der Schule geworden?", fragte Draco neugierig.
„Geschlossen."
„Und wieso greift ihr sie nicht an, wenn ihr wisst, dass sie dort sind?"
„Wir müssen erst Kräfte sammeln. Aber der Tag der Schlacht rückt langsam näher", meinte sie und fuhr dann kalt fort. „Jetzt gib mir aber endlich deine Sachen. Ich hab noch Besseres zu tun."

Draco ging ins Bad – welches Hermione ihm gezeigt hatte – und warf schnell die dreckigen und auch ziemlich stinkenden Sachen von sich. Voldemort hatte ihm nur einmal im Monat die Gelegenheit gegeben solchen Dingen wie der Reinigung des Körpers nachzugehen und daher war dieser „Waschtag" für ihn immer der Himmel auf Erden. Dabei hatte er es mit seinem „einmal im Monat" noch recht gut getroffen, denn manche bekamen nie die Gelegenheit dazu.

Er betrachtete nachdenklich sein rußiges, mit Blut verschmiertes, Gesicht im Spiegel. Der schon ziemlich ausgeprägte Bartansatz gefiel ihm überhaupt nicht und verunstaltete auch seine vorhanden Schönheit noch mehr, als es Draco liebt war. Also musste er sich auch heute noch unbedingt rasieren. Erst aber mal entspannen.
Draco wandte sich zu der Badewanne zu und drehte den Hahn auf, der sofort angenehm warmes Wasser laufen ließ und die Wanne damit zu füllen begann.


Als Dracos glitzerndes Erscheinungsbild frisch gewaschen und rasiert nach fast mehr als einer Stunde wieder aus dem Bad kam, entdeckte er Hermione, die gedankenversunken auf ihrem Bett lag und gegen die Decke starrte. Zuvor hatte sie seine frisch gewaschenen Sache und ein neues Hemd ins Bad gelegt. Hermione hatte ihn nicht bemerkt, zumindest tat sie so. Nun trug sie nicht mehr ihren schwarzen Todesser-Umhang, sondern ganz normale Klamotten, bestehend aus einem kurzen schwarzen T-Shirt und einer Jeans. War es vielleicht Sommer?

Erst jetzt bemerkte er, dass er schon lange nichts mehr von Jahreszeiten zu spüren bekommen hatte. Langsam schritt er hinüber zum Fenster und zog die Vorhänge beiseite. Sogleich wurde der Raum in eine Lichtflut aus Sonne getaucht, in der er unterzugehen schien. Tatsächlich. Der Himmel trug ein wunderschönes Blau und die Welt schien in einen kräftigen Schleier aus Grün getaucht. Blumen hatten ihre hübschen Köpfe aus der Erde gestreckt und lieferten sich einen Konkurrenzkampf, wer von ihnen nun die Schönste war.

„Was machst du da?", fragte Hermiones kalt. Sie war aufgestanden und zog die Vorhänge wieder zu. Sogleich verschwanden die wunderbaren Sonnenstrahlen aus dem Zimmer.
„Wieso lebst du in Dunkelheit?", fragte Draco verständnislos.
„Das geht dich nichts an."
„In Dunkelheit zu leben, ist kein Leben. Glaub mir. Welchen Monat haben wir jetzt?"
„Ende Mai", entgegnet sie.

„Mai...", wiederholte Draco langsam und schloss sie Augen. Er lehnte sich erschöpft gegen die Wand. Die Müdigkeit schien je über seinen Körper zu fallen. Plötzlich fühlte er sich endlos erschöpft. Noch immer schmerzten seine Glieder. „Es ist wirklich schon fast ein Jahr her... Es war Juni. Ich weiß es noch ganz genau. Zuvor hatte es ein Wärmegewitter gegeben. Als der Kampf begann war die Luft von einer warmen Kälte umgeben. Ich liebe die Luft nach einem Gewitter... doch diesen Tag hätte ich nie erleben wollen...", murmelte er.

Draco wusste das Hermione ihn die ganze Zeit aufmerksam betrachtet hatte.
„Wieso?", wollte sie plötzlich wissen.
Verwundert öffnete er wieder seine Augen und sah sie fragend an. „Was wieso?"
„Ich verstehe dich nicht", meinte sie kopfschüttelnd. „Wieso bist du nicht auf der Seite des Dunklen Lords? Früher, in der Schule, hast du die ganze Zeit von seiner Macht geschwärmt. Jetzt fragst du mich, was aus mir geworden ist, dabei könnte ich doch genau so gut fragen: Was ist mit dir passiert?"

„Mit mir ist nichts passiert. Ich war nur fast ein Jahr gefangen", erwiderte er. „Ich bin kein guter Mensch. Dafür habe ich viel zu viel Hass in meinem Herzen und viel zu viele Verbrechen begangen. Vielleicht liegt meine Veränderung auch nur daran, dass ich so unendlich erschöpft bin. Heute hatte ich wirklich damit gerechnet zu sterben und irgendwie war ich etwas froh darüber. Dann wäre ich vielleicht endlich frei gewesen."

„Aber als der Dunkle Lord es vollbringen wollte, bekamst du Angst."
Draco schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein, ich bekam keine Angst. Ich hab mir Sorgen gemacht. Hermione... ich will die zeigen, dass das was du tust, falsch ist. Als ich gemerkt habe, dass du nicht mehr daran glaubst, wovon du so fest überzeugt gewesen bist, habe ich es als meine Aufgabe gesehen, dir dies wieder nahe zu bringen. In diesem Augenblick konnte ich nicht gehen, sonst... wärst du verloren gewesen."

„Wieso machst du dir so viele Gedanken über mich? Es kann dir doch egal sein, woran ich glaube und woran nicht, wen ich hasse und wen nicht."
Draco zuckte mit den Schultern. „Stimmt, da hast du recht. Wie gesagt, dieses eine Jahr hat mich verändert... Ich finde dein Leben traurig und irgendwie glaube ich, dass du fast keines mehr besitzt."
„Du hast kein Recht über mein Leben zu urteilen und wieso maßt du dir überhaupt an, zu sagen, dass ich kein Leben haben würde?"

Draco schwieg und betrachtete ihr Gesicht aufmerksam. Die Mimik war immer noch voller Kälte. Jetzt schien sie allerdings mit ihrer Aura den bloßen Winter hervorrufen zu können. „Vielleicht habe ich kein Recht darüber zu urteilen, doch nennst du das etwa Leben was du hier führst? Potter oder andere deiner tollen Freunde müssen dir irgendetwas getan haben, so dass du jetzt zu treu hinter Voldemort stehst, aber glaubst du etwa du hättest es bei ihm besser als bei ihnen? Was bist du denn bei Voldemort schon großartiges? Eine gefühllose Mörderin die Unschuldige tötet, während sie ihren Racheplan an ihrem ehemals besten Freund schmiedet und in der Zwischenzeit die Beine für die Todesser breit macht."

Noch ehe Draco sich versehen konnte, bekam er eine erneute Ohrfeige von Hermine. Wahrscheinlich war sie die einzige Frau, die es sich erlaubt hatte ihm jemals ins Gesicht zu schlagen – und das nicht nur einmal. Jetzt aber kochte auch er vor Wut. In seinen Augen war sie wirklich dieser Mensch, den er eben beschrieben hatte und zudem noch unheimlich dumm.
Wütend griff er nach ihren Handgelenken, drehte Hermione gegen die Wand und drückte sie dagegen. „Wage es ja nicht, mir noch einmal ins Gesicht zu schlagen. Wenn ich dir meine Meinung sage, dann hast du das gefälligst zu akzeptieren."

Hermione zeigte aber keinerlei Angst. „Ich akzeptiere deine Meinung nicht, weil ich glaube, dass du nicht das Recht hast darüber zu urteilen. Du bist selbst nicht besser und jetzt lass mich los."
Zornig befreite sie sich aus seinem Griff und drückte ihn von sich. „Willst du wissen, wieso ich dich verraten habe?", schrie Hermione wütend. „Willst du wissen, wieso ich zu diesem Menschen geworden bin?"
„Sag es mir doch. Das wären dann vielleicht mal die ersten ehrlichen Worte von deinen Lippen."
„Wegen dir! Ich habe dich bewundert, denn ich dachte du wärst aus voller Überzeugung und Liebe zu deinem Lord, Todesser. Als ich aber mitbekam wie du die Nachricht an Dumbledore gesendet hattest, in der stand, dass bald der Angriff statt finden würde, konnte ich einfach nicht anders handeln. Im Kampf habe ich dich bezwungen und schließlich an Voldemort angeliefert, weil du es einfach nicht besser verdient hast!"

Draco sah sie erstaunt an, dann musste er lachen und unter diesem Lachen fühlte sich Hermione sichtlich mit jeder Sekunde unwohler in ihrer Haut.
„Wegen mir?", gluckste er. „So ein Quatsch! Du hasst mich – damals und auch jetzt noch! Niemals kannst du von mir enttäuscht gewesen sein." Schließlich erstarb sein Lachen wieder. Dracos Miene wurde zu Eis. „Ja, vielleicht warst du ja doch von mir enttäuscht und das war auch der Grund für deinen Verrat, aber bestimmt nicht der Grund für deine Veränderung. So wie es aber aussieht, willst du mir und Potter die ganze Schuld in die Schuhe schieben, weil du selbst nicht zu wissen scheinst, was du eigentlich hier tust. So was nennt man Verzweiflung, Mädchen."

Hermione wirkte irritiert. Draco merkte, dass ihr Schweigen ein Zeichen dafür war, dass sie nicht wusste, was sie darauf erwidern sollte. Schließlich rang sie nach Luft, mühte sich nicht auszurasten und wandte sich von ihm ab in Richtung Tür.
„Wo willst du hin?", wollte Draco wissen, „Etwa davonlaufen?"
Hermione warf ihm einen finsteren Blick über die Schulter. „Ich laufe vor nichts davon, kapiert? Du brauchst einen Zauberstab, den besorge ich dir – während du dich nicht von der Stelle rührst."

„Ich will Voldemort aber nicht dienen", rief er ihr jedoch einwenden nach.
Hermione hielt im Hinausgehen inne. „Besser du tust es. Er hat dich begnadigt, wenn auch als Eigennutz. Wenn du aber lieber sterben willst, dann bist du auf dem richtigen Weg."

Mit diesen Worten schloss sie die Tür und war verschwunden. Draco sah nur kurz auf den Punkt, an dem sie gestanden hatte, öffnete dann noch einmal die Vorhänge des Fensters und dann gleich danach das Fenster selbst. Eine frische warme Brise wehte herein. Einige Sekunden warf er einen sehnsüchtigen Blick hinaus, zog die Luft ein und sah dann auf Hermiones Bett. Wieder spürte er die Müdigkeit in seinem Körper, also ging er kurz entschlossen hinüber, legte sich hinein und schlief sofort ein.


Draco wusste nicht wie lange er geschlafen hatte. Er könnten ein paar Stunden gewesen sein, aber auch nur ein paar Minuten. Das Öffnen der Tür hatte ihn wieder aus seiner Traumwelt gerissen. Für einen Augenblick hatte er geglaubt, ein Feind würde ihn angreifen, es war aber bloß Hermione – mit dem Feind behielt er aber trotzdem irgendwie recht.
Sie trug eine kleine Tasche, auf der in verzauberten Lettern Flourish & Blotts, dem Bücherladen in der Winkelgasse, mit einer Feder geschrieben wurde. Anscheinend hatte sie trotz ihrer erheblichen Veränderungen noch immer nicht ihre Leidenschaft für Bücher verloren. Es war ein beruhigendes Gefühl, dass sich wenigstens nicht alles zu ändern schien.

„Wie konntest du unbemerkt bei Flourish & Blotts einkaufen? Kennt dein Bild als Todesserin denn nicht jeder?", fragte Draco neugierig und dachte daran, dass er in der ganzen Welt als Todesser verrufen war, auch wenn dies nicht wirklich stimmte. Langsam kroch er aus ihrem Bett und versuchte sein Erscheinungsbild wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen.
„So in etwa", antwortete sie nur knapp. „Aber ich habe Vielsaft-Trank benutzt. Ich habe dir einen Zauberstab besorgt und auch ein paar Umhänge und Klamotten in Muggel-Läden gekauft. So nett eure Sachen in der Zauberwelt auch sind, wirklich das Wahre... nein... das kann man wirklich nicht behaupten."
Außerdem gab sie ihm noch eine Reisetasche, in der er alles verstauen konnte.

„Am besten du geht's jetzt", meinte Hermione dann. „Du gibt's mir dann sofort Bescheit, sobald du in Hogwarts eingetroffen bist. Und vergiss nicht, ein falsches Wort und du bist fällig."
Bei diesen Worten wirkten ihre Augen wieder wie Eis. Ganz so, als würde sie dann selbst für seine Hinrichtung sorgen wollen.
„Das gilt auch im Bezug auf mich. Niemand von ihnen darf von mir erfahren, verstanden?"

„Dann arbeitest du also wirklich nicht als Spionin?"
„Nein, das hab ich dir ja schon gesagt."
„Okay, Granger. Dann hab ich es eben jetzt verstanden. Kann ich gehen?"
„Halt, wir müssen erst noch klären wie wir in Verbindung bleiben. Schick keine Eulen, das werde ich auch nicht tun. Selbst verschlüsselte Nachrichten sind zu gefährlich. Die Menschen sind nicht dumm und bei solchen Texten weiß man sofort, dass man etwas zu verbergen hat."

„Wie sollen wir dann in Kontakt bleiben?"
„Hiermit."
Hermione drückte Draco eine Münze – in Form einer Galleone – in die Hand. Nachdenklich begutachtete er das Stück Gold, dann bekam er eine leise Ahnung, was sie wohl damit meinte.
„Oh... deine berühmten DA-Münzen, nicht?", spöttelte er und erinnerte sich sofort wieder an ihr fünftes Schuljahr, als er wie ein Verrückter versucht hatte, Potter, Weasley und ihr irgendetwas anzuhängen.
Hermione reagierte aber nicht auf diese Bemerkung. „Du weißt wie sie funktionieren? Dann ist ja alles klar. Du wirst dann einfach von Hogwarts aus hierher apparieren, sobald ich dich rufe."

„Man kann aber in Hogwarts nicht apparieren und disapparieren. Wie stellst du dir das vor?"
„Ich bin nicht dumm, Malfoy. Diese Münze allerdings ist so stark, dass sie Dumbledores Bann durchbrechen kann, ohne dass dieser etwas davon mitbekommt. Nicht mal von der Schwarzen Magie die dich umgibt. Ich habe lange daran gearbeitet und schließlich ist es mir gelungen sie zu entwickeln. Also trage sie immer bei dir und wage es nicht sie zu verlegen."

„Es gefällt dir mir zu drohen, was?", fragte er spitz.
Sie strafe ihn aber nur mit einem finsteren Blick. „Du weißt ja, apparieren und disapparieren kann man von diesem Gelände, solange man das Dunkle Mal besitzt. Also mach dich am besten gleich nach Hogsmeade auf und geh dann zum Schloss. Appariere nicht direkt dort hin, das wäre zu auffällig. Die Sicherheitsvorkehrungen sind relativ gering. Du musst aber aufpassen, denn Potter und Weasley wissen immer noch nichts darüber, dass du mal auf ihrer Seite gestanden bist."

„Gut, dann verschwinde ich jetzt", meinte Draco. „Wir sehen uns also heute Abend wieder?"
Hermione nickte und warf ihren Blick auf die Uhr, dann schien ihr was einzufallen, denn sie kramte hektisch in ihrer Tasche. „Das hätte ich noch fast vergessen", meinte sie und holte schließlich etwas hervor, was sie um sein linkes Handgelenk befestigte.
„Eine Uhr. Ich hab sie für dich besorgt, dann vergisst du unsere Treffen nicht."
„Danke", entgegnete Draco.

Verwundert hob Hermione ihren Kopf. „Ich konnte dich schon wieder fragen, was mit dir passiert ist, also lass mich gefälligst mit deiner Fragerei in Ruhe."
Er lächelte bitter. „Und wieder sage ich, dass nichts geschehen ist. Mir fallen nur gewisse Dinge jetzt leichter. Bei dir sieht es da ganz anders aus und ich wollte einfach nur wissen, wieso du dein Leben wegwirfst", erklärte er. „Also, Bis später."
Hermione nickte nicht, sondern betrachtete ihn nachdenklich, während er mit einem leisen „Plop" unter ihrem Blick verschwand.
„Vielleicht weiß ich es selbst nicht so genau... hast du schon mal daran gedacht?", murmelte sie in die Stille.


Es war ein komisches Gefühl in Freiheit zu sein. Die frische Luft wehte in einer angenehmen Brise durch Dracos etwas längeres blondes Haar und somit einige Strähnen ins Gesicht, welche er lässig wieder herausstrich. Vögel zwitscherten und begrüßten den nahenden Sommer, der nach seiner Meinung schon längst eingetroffen ist. Die Sonne stand am Horizont und würde bald ihre letzten Strahlen des Tages auf die Erde geworfen haben, doch es war immer noch warm.

Trotzdem aber war er sich auch schmerzlich bewusst, dass seine momentane Situation bestimmt nicht als „Freiheit" zu bezeichnen war. Er musste Voldemort dienen und wenn er das nicht tat, würde er sterben. Es war jetzt anscheinend so etwas wie seine Bestimmung und dies hieß, Menschen verraten, die ihn aufgenommen hatten. Er konnte nicht sagen, er würde eine Art Liebe oder Zuneigung für sie empfinden, aber er war ihnen dankbar. Sehr sogar. Auch als Malfoy, vergaß man nicht, was andere für einen getan hatten...

Hermione sollte Recht behalten. Die Tore Hogwarts waren tatsächlich nicht bewacht und das Schloss schien unbewohnt. Erinnerungen kamen in ihm auf. Schöne, aber auch ein schrecklichere. Vieles hatte er in diesen Gemäuern erlebt und es war wirklich komisch diese so einsam und verlassen vorzufinden.

Laut pochte Draco an dem Tor und wartete auf Einlass. Er war sich aber nicht sicher, ob es der richtige Weg wäre, um zu versuchen hinein zugelangen. Was würde geschehen, wenn sie denken würde, es wäre Voldemort mit seinen Todessern? Dann fiel ihm aber ein, dass diese bestimmt nicht auf die Idee kommen würden vor einer Stürmung des Schlosses daran zu klopfen, also würden sie ihn sicherlich nicht für einen Feind halten. Solange es nicht...

„Wer ist da?", erklang plötzlich eine bekannte Stimme von der anderen Seite des Tores. Die Stimme war sogar mehr als bekannt und dieser Augenblick war nicht gerade eine gute Situation um ihm zu begegnen.
„Weasley, ich bin's Malfoy", schrie er ihm entgegen. Was hatte er denn schon für eine andere Wahl? „Lass mich rein, ich muss zu Dumbledore. Es ist wichtig."
Ronald Weasley erwiderte nichts auf seine „freundliche Bitte". Für ein paar Sekunden war es vollkommen still auf der anderen Seite, so dass Draco schon befürchtet hatte, er wäre einfach wieder gegangen.

Stattdessen aber öffneten sich plötzlich die Tore. Das ging aber leicht, dachte er. War Weasley vielleicht wirklich so dumm und ließ einen potenziellen Feind einfach so ins Schloss?
Langsam schritt er durch die offenen Tore, als er aber plötzlich Weasley mit dem auf ihm gerichteten Zauberstab vor sich stehen sah – bereit zum Zuschlagen –, bemerkte auch er, dass diese doch etwas Intelligenz besaß.

„Was wird das Wiesel?", fragte Draco gelangweilt und betrachtete seinen Gegenüber missbilligend. „Willst du vielleicht etwas Duellieren üben? Dann auf jeden Fall nicht mit mir, such doch Potter, der sucht immer eine Möglichkeit um zu gewinnen. Ich hab allerdings was Besseres vor, wie gesagt... ich muss zu Dumbledore."
„Halt's Maul, Malfoy! Du bist ein Todesser!", bellte Ron wütend.

„Nein, bin ich nicht. Zumindest nicht einer der gefährlichen Sorte. Lass mich jetzt endlich durch, oder ich muss dich vielleicht noch ernsthaft verletzten."
„Ha! Wie willst du das denn machen? Bevor du deinen Zauberstab rausgeholt hast, hab ich dich schon längst umgebracht."
„Glaubst du? Nun ja, mag sein. Doch ich habe schon einmal jemand getötet und du kannst nicht davon reden, dass du in diesem Bereich Erfahrung hast. Versuch es doch, Weasley. Mal sehen wer von uns schneller ist."

Draco wusste, dass er ihn bis auf das Äußerste provozierte, doch er hatte bestimmt keine Angst vor ihm. Vor ein paar Stunden war er Voldemort gegenüber gestanden und nicht mal der hatte ihn umgebracht – auch wenn er es geschafft hätte. Da würde doch nicht Weasley daherkommen und ihn einfach so in die Hölle schicken!

„Mr Weasley", erklang plötzlich eine schnarrende kalte Stimme. „Was machen Sie hier?"
Etwas erleichtert erkannte Draco, das hinter Ron nun Snape erschienen war – sein ehemaliger Zaubertranklehrer und einer der wenigen, welcher in das Geheimnis seiner Spionage für den Orden des Phönix eingeweiht war.

Snapes kleine Augen blitzen Ron misstrauisch funkelnd an, als sein Blick jedoch auf Draco fiel, schien sein Gesicht noch fahler zu werden, als es sowieso schon war.
„Draco?", rief Snape ungläubig.
„Wir haben uns anscheinend zu früh gefreut, dieses Scheusal ist doch nicht tot", meinte Ron zornig, doch er wurde von Snape ignoriert.

„Was ist geschehen? Du bist nicht tot? Wir müssen sofort zu Dumbledore und es ihm erzählen! Komm mit."
Ohne noch weiter auf Ron zu achten ging er an ihm vorbei und Snape hinterher, der schnellen Schrittes voranging.


Das Büro des ehemaligen Schulleiters Hogwarts hatte sich nicht verändert. Immer noch war es der gleiche runde Raum mit den abnormsten Dingen die Draco je gesehen hatte. Irgendwie aber schien es, als hätten diese Dinge etwas Zuwachs bekommen. Er interessierte sich jedoch in diesem Augenblick nicht für die Gegenstände, sondern war ganz fest darauf bedacht, ja nichts Falsches zu sagen.
Er rief sich die eindringlichen Worte Hermiones noch mal in Erinnerung: „... vergiss nicht, ein falsches Wort und du bist fällig. Das gilt auch im Bezug auf mich. Niemand von ihnen darf von mir erfahren, verstanden..."

Der schon ziemlich alte Dumbledore sah ihn mit seinen klaren blauen Augen durch die halbmondförmige Brille neugierig an, während er ihm auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch gegenüber saß. Ein gütiges Lächeln hatte sich auf seinen Lippen gebildet. Hinter Draco stand Snape an die Wand gelehnt und betrachtete seinen ehemaligen Schüler aufmerksam, bereit jedem seiner Worte Glauben zu schenken.

„Wir haben lange nichts mehr von dir gehört Draco", begann Dumbledore. „Es freut mich zu sehen, dass es dir gut zu gehen scheint. Aber was ist geschehen?"
Draco musste sich räuspern. „Nun ja... ich wurde verraten", erklärte er.
Der alte Zauberer nickte schwermütig. „Das haben wir vermutet und wir dachten auch, dass Voldemort dich auf dem Gewissen hatte. Deine Leiche war spurlos verschwunden und wir waren uns sicher, du hättest den Kampf heil überstanden. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wer der Verräter gewesen sein sollte."

In diesem Augenblick musste er wieder an Hermione denken. Wussten sie etwa nicht das sie auf der Seite Voldemorts stand? Sonst hätte Dumbledore sie doch als Erstes in Erwägung gezogen? Allerdings sagte sie auch, niemand dürfe von ihr erfahren. Gerne hätte er Dumbledore einfach danach gefragt, was mit ihr geschehen sei, doch gleich das Gespräch auf Hermione zu bringen war wirklich ziemlich unklug und zudem auffällig in dieser Situation.

„Ich habe es auch nie erfahren", erklärte er ihnen. „Bei der Schlacht wurde ich überwältigt und bin schließlich in einer Zelle aufgewacht. Ein Jahr ohne Tageslicht und menschlichen Kontakt habe ich darin verbracht und heute hat Voldemort mich zu sich gerufen um mit mir endlich abzurechnen. Er hatte mir gesagt, der Tag würde kommen und es war soweit. Aber irgendwie gelang es mir zu fliehen. Ich hab den Todesser der mich zu Voldemort bringen sollte bezwungen und nachdem ich aus dem geschützten Bereich geflohen bin, bin ich nach Hogsmeade appariert."

„Darf ich vielleicht mal kurz eine Frage stellen?", meldete sich Snape aus dem Hintergrund.
Verwundert wandte sich Draco zu ihm um. „Ja?"
„Deine Sachen sehen ziemlich frisch aus und du wirkst auch nicht recht mitgenommen. Sagtest du nicht, du wärst ein Jahr lang in einer Zelle gefangen gewesen?"
„Oh... das?" Draco zupfte an seinem blitzblanken Hemd und lächelte liebevoll. Er war ein fantastischer Schauspieler, das wusste er. „Ich bin nicht direkt nach Hogwarts, sondern erst zu einer Freundin. Einer sehr engen Freundin. Von ihr habe ich die Sachen."

„Weiß diese Freundin denn, dass du ein Todesser bist?", fragte Dumbledore bedenkend. „Oder das du in den Diensten des Orden stehst, womöglich..."
„Sie hat mich bestimmt nicht verraten", warf Draco schnell ein. „Das kann ich Ihnen versichern und wenn es nötig ist mit meinem Leben."
„Wie auch immer." Dumbledore lächelte strahlend und schien zufrieden mit seiner Antwort, als auch Erklärung. „Es freut mich dich wieder in unseren Reihen sehen zu können und das unbeschadet."
„Danke. Ich bin auch sehr froh darüber. Ich dachte ich würde in diesem Loch zu Grunde gehen." Draco lächelte. Geschafft, erneut bestanden.


TBC