Disclaimer: Weder die Figuren, noch die darauf basierende Handlung meiner Fanfiction, gehören mir - sonst einzig und alleine nur der Plot und die Gedichtzeilen am Anfang eines jeden Kapitels. Die Rechte an Harry Potter liegen ganz alleine bei Joanne K. Rowling. Ich verdiene hiermit kein Geld, sondern schreibe dies zum reinen Zeitvertreib.
A/N: Dank geht an D.V.G.M.1, GossiP Girl16, julschn, Taetzchen und Viviann.
hegdl, eure Tanya :)

Überarbeitete Version. Keine Änderungen, die den Handlungsablauf verändern - jedoch Verbesserungen in Formatierung und Wiedergabe des Textes (Dezember 2006).


Without Existence - Suche dich, dann findest du mich - Changes

Eines Morgens wache ich auf und du bist weg.
Mir ist klar, ich hab dich immer behandelt wie Dreck.
Doch aber, hab ich dir in Gedanken immer gesagt,
wie du mir fehlst, jeden Tag..."


Langsam schritt Draco an der Seite von Snape durch die Gemäuer Hogwarts. Noch immer war es ein merkwürdiges Gefühl das anmutige Schloss so leer und still zu erleben.
„Irgendwie trostlos", meinte er und warf einen Blick durch eines der Fenster hinaus auf den leeren Rasen, auf welchem sich früher die Schüler im Sommer nach dem Unterrichtende immer tummelten, um den Rest des Tages zu genießen.

„Ich weiß was du meinst. Man mag es kaum glauben, doch die Schüler fehlen mir auch", erwiderte Snape ihm. „Vielleicht wenn das alles endlich vorbei ist, wird Hogwarts wieder einmal das was es war."
„Wieso hat Dumbledore sich zu diesem Schritt entschieden?"

„Hogwarts ist zu unsicher. Die Todesser des Dunklen Lords sind den Lehrern in der Zahl weit überlegen und von den Schülern kann man wohl kaum erwarten Kämpfe zu bestreiten, denen nicht mal Erwachsene richtig gewachsen sind. Die meisten von ihnen sind noch Kinder, das wäre einfach nicht fair. Außerdem ziehen die Eltern es vor ihre Sprösslinge zu Hause zu unterrichten. Ihnen ist die Schule auch viel zu unsicher und wenn du mich fragst, ich kann es nachvollziehen."

„Vorhin bin ich auf Weasley gestoßen."
„Oh ja...", seufzte Snape, „tut mir Leid für seine – um es mal nett auszudrücken – Vorsicht. Wir haben ihm und auch den anderen Mitgliedern nie gesagt, dass du für uns spioniert hast. Das Risiko war immer noch zu groß. Es hätte ja sein können, dass du doch noch am Leben bist und Voldemort nichts davon wusste. Wenn wir nun einen Verräter in unseren Reihen hätten, hätten wir dich direkt ins Grab befördert."

„Tja, Vorsicht ist die Mutter der Porzellanschüssel...", murmelte Draco und bemerkte dann schließlich das Hungergefühl, welches sich in seinem Magen ausgebreitet hatte. „Professor? Könnte ich vielleicht etwas essen? Wenn ich ehrlich bin habe ich schon sehr fast mehr als einem Tag nichts mehr zu beißen bekommen und Voldemort ist nicht gerade großzügig, wenn es um Nahrung für seine Gefangenen geht – vielleicht in der Hoffnung sie würden ohne große Mühe in den Kerkern verrecken."

„Natürlich. Ich wollte dir sowieso gerade diesen Vorschlag machen, denn in fünf Minuten gibt es sowieso Abendessen."
„Das ist ein glücklicher Zufall, denn weitere Minuten hätte ich es sicher nicht mehr ausgehalten."


In der Großen Halle hatten sich schon fast alle Mitglieder, welche sich zur Zeit in Hogwarts aufhielten, eingefunden. Die vier großen Haustische sind gegen zwei kleine ersetzt worden und standen in Mitten der Halle. Es war die gleiche gemütliche Runde wie bei den Weihnachtsessen, nur die Gesellschaft ließ wieder mal etwas zu wünschen übrig. Potter, unzählige Rotschöpfe, der Werwolf, ein paar unbekannte Gesichter, von denen er aber vermutete ihnen irgendwann mal über den Weg gelaufen zu sein, und ein paar ihm verhasster Lehrer, waren anwesend. Nur die Konstellation wirkte etwas eigenartig. Potter hatte es sich auf der anderen Seite zwischen den Unbekannten und dem Werwolf gemütlich gemacht, während seine „Ersatzfamilie" und vor allem das Wiesel weit entfernt saßen.
Gab es etwa Ärger im Paradies? Unmöglich..., meinte Draco spöttisch in Gedanken.

„Was macht der hier?", fragte Harry schließlich, als sich Draco und Snape an den Tisch setzten. Auch ein paar andere – vielleicht sogar alle – musterten ihn misstrauisch und etwas verunsichert. Weasley musste ihnen schon erzählt haben, dass er sich in Hogwarts befand, denn eine wirkliche Überraschung stand ihnen nicht ins Gesicht geschrieben.
„Er ist ein Todesser und somit unser Feind", meine Potter kühl.
„Es liegt nicht in meinem Aufgabenbereich Ihnen darüber Auskunft zu erstatten. Professor Dumbledore wird dies gleich selbst übernehmen, sobald er sich hier eingefunden hat."

Draco hielt sich nicht länger damit auf sich über die ärgerliche Miene Potters zu amüsieren, sondern warf einen weiteren prüfenden Blick durch die Große Halle. An den Wänden dieser, hingen Bilder, die er zu seiner Zeit hier, noch nie gesehen hatte. Alle samt in schwarzen Rahmen. Nachdenklich sah er sich die Reihen der Bild an. Es waren keine typischen Hogwartsgemälde, sondern magische Fotografien und wirkten recht aktuell.

Junge Menschen sowie Ältere. Draco glaubte ein paar dieser Personen, schon mal über den Weg gelaufen zu sein, jedoch hielt er das für unmöglich. Dann aber entdeckte er ein Foto, welches er nicht in der Reihe erwartet hatte. Eine junge hübsche Frau war darauf zu erkennen. Sie lächelte liebevoll. Der Wind blies ihr die braunen Locken sanft ins Gesicht und sie strich sie heraus. Hermione.

Jetzt war seine Neugierde aber nicht mehr zu bändigen. Nun musste er endlich wissen, was mit ihr geschehen war und wieso sie nun auf Voldemorts Seite stand.
„Darf ich euch vielleicht mal was fragen, Potter, Weasley?", hob Draco die Stimme in die nette kleine Runde, versuchte dabei so kalt wie möglich zu klingen und die Ungeduld vollkommen aus seiner Stimme zu bannen. „Ihr seit nicht komplett. Wo treibt sich den euer Gewissen und Intelligenz herum? Hat sie euch vielleicht sitzen gelassen?", gab Draco sich spöttelnd unwissend.

Potter und Weasley zuckten erschrocken zusammen. Selbst die kleine Schwester des Wiesels.
„Halt's Maul, Malfoy!", rief Potter ungewöhnlich aggressiv und funkelte ihn zornig an.
„Warum denn so empfindlich? Was doch nur eine ganz einfache Frage."
„Miss Granger ist letztes Jahr bei einem Angriff von uns gegangen", erklärte Snape schließlich schnell um einen nähernden Streit zu verhindern.

Verwundert zog Draco die Brauen zusammen. Jetzt verstand er. Hermione galt nicht als Todesserin, sondern offiziell als tot! Dann hieß das, dass sich auf den Bilder auch ehemalige Freunde, wenn nicht sogar Mitglieder des Ordens befanden, die ebenfalls verstorben waren. Er beschloss sie heute Abend darauf anzusprechen. Wenn sie schon auf Voldemorts Seite stand und ihre alten Freunde angeblich so sehr hasste, wie sie es zeigte, wieso machte sie ihnen dann etwas vor? Immerhin konnte es ihr ja dann eigentlich egal sein, was sie von ihr dachten, oder?

Ungefähr eine halbe Stunde später kam Dumbledore in die Große Halle und setzte sich in die Runde. Er wirkte müde und erschöpft, doch trug er ein Lächeln auf den Lippen.
„Professor?", rief Harrys Stimme und mit einer missbilligenden Kopfbewegung deutete er Richtung Draco. „Könnten sie uns vielleicht erklären, was der hier zu suchen hat?"
Augenblicklich wurde es in der Runde still und jeder lauschte gespannt den Worten, die folgen mochten.
„Oh,", entgegnete Dumbledore, „das hatte ich ja ganz vergessen."

Der alte Mann erhob sich wieder langsam von seinem Stuhl und sah fast schon entschuldigend in die Runde. Nachdem er einmal kurz Luft geholt hatte, begann er mit seiner Erklärung. „Mr Malfoy ist schon seit zwei Jahren ein vollwertiges Mitglied des Ordens."
Ein plötzliches Tuscheln ging durch die Reihen. Verwunderte Blicke wurden ausgetauscht aber auch Blicke der Missbilligung und des Zweifelns. Dumbledore fuhr aber unbeirrt fort. „Er arbeitete als Spion und tarnte sich als Todesser, so konnten wir Information über einige wichtige Angriffe und Schlachten bekommen. Letztes Jahr allerdings kam es zu einem unglücklichen Zwischenfall, der seine Tarnung auffliegen ließ. Er wurde verraten und hat seitdem als Gefangener Voldemorts gelebt. Es ist ihm allerdings gelungen zu fliehen und nun befindet er sich wieder sicher unter uns."

„Das ist doch Wahnsinn!", warfen die Weasley-Zwillinge gleichzeitig protestierend ein. Ron bestärkte seine beiden Brüder kopfnickend. „Dieser Typ gehört niemals zu uns! Der verarscht uns doch nach Strich und Faden!"
Dumbledore lächelte aber gutmütig. „Nein, dieser Typ verarscht uns nicht, wie du es so schön auszudrücken pflegst. Ich vertraue nicht blindlings jemandem. Natürlich haben Severus und ich, Draco vor seiner Aufnahme in den Orden sorgfältig geprüft und kamen zu dem Entschluss das er die Wahrheit gesagt hatte... die reine Wahrheit."

„Und was ist mit jetzt?", fragte dann Harry mit erhobener Braue. „Wer sagt uns das er nicht jetzt lügt? Immerhin war er doch ein Jahr bei Voldemort. Er könnte ihn doch schon längst als seinen Spion für uns nutzen!"
Dummer Idiot, schimpfte Draco in Gedanken. Er mochte sich nicht ausmalen was passieren würde, sobald Snape und Dumbledore ihn erneut unter dem Veritaserum prüfen würden. Dieses Mal gab es nämlich etwas zu verbergen und das würde ihn sicher das Leben kosten, sobald diese Seite davon Wind bekam. Auch wenn er sich nicht wirklich sicher war, welcher der beiden Teil für sein Ende sorgen würde.

„Was willst du denn für einen Beweis, Potter?", rief Draco spitz herausfordernd. „Glaubst du wirklich, ich würde es riskieren hier aufzutauchen, wenn ich doch ein Leben in Saus und Braus bei Voldemort geführt hätte? Ich war ein Jahr lang in einer kleinen kalten Zelle eingesperrt und habe Dinge gesehen, die du dir nicht mal vorzustellen vermagst. In meiner Zeit als Spion habe ich jeden Tag mein Leben aufs Spiel gesetzt, nur um den Orden zu unterstützen und dir dabei so einige Male den Arsch zu retten und dann kommst du und sagt, dass man mir nicht vertrauen kann, obwohl du doch ein viel besseres Leben hier hast, in dem sicheren Schloss in Frieden? Auch wenn alle sagen das du weißt was Schrecken und Grausamkeit ist, weil du es schon früh genug zu spüren bekamst, hast du doch keine Ahnung davon. Du warst ein Baby und kannst dich nicht mal daran erinnern. Ich aber träume jede Nacht davon!"

Wütend schlug Draco die Faust auf den Tisch – sodass das daraufstehende Geschirr zu Klirren begann – sprang erbost auf und verließ unter den verwunderten Augen aller Anwesenden die Große Halle. Teils waren seine Worte nur gespielt, doch er sie hatten einen wahren Kern. Potter hatte wirklich keine Ahnung davon, was Leiden und Sterben bedeutete. Stattdessen spielte er jeden Tag das tragische kleine Kerlchen und den großen Helden.

Plötzlich spürte er eine Hitze an der Seite seines rechten Oberschenkels und erinnerte sich an die Münze, welche Hermione ihm gegeben hatte. Langsam nahm er sie heraus und betrachtete die Galleone im Schein der Fackeln. Dann entdeckte er den Hinweis auf ihr nächstes Treffen. Mit Großbuchstaben prangte „JETZT" an der Seite.
Schnell steckte er sie wieder ein und sah sich kurz um – nur um ganz sicher zu sein, dass auch wirklich niemand hier war. Dann apparierte er.


Hermione saß auf ihrem Bett und hatte gerade den Kopf in einem ihrer neuen Bücher vergraben. Als sie Dracos Kommen mit einem „Plop" hörte, richtete sie sich auf und blickte ihn erwartungsvoll an, während er sich lässig gegen die gegenüberliegende Wand lehnte.
„Also, was ist?", fragte Hermione.
Draco fand, dass selbst wenn sie auf seine Informationen brannte, sie diese Tatsache wirklich gut verstecken konnte. Tatsächlich schien sie fast gelangweilt.

„Was willst du denn hören? Viele Infos kann ich dir wirklich noch nicht bieten", entgegnete Draco.
„Glauben sie dir?", fragte sie.
„Jedes Wort. Nur deine kleinen Freunde sind etwas misstrauisch. Hoffentlich legt sich das bald. Schauspielere Darbietungen sind zwar eine meiner größten Stärken, doch mir fehlen definitiv die Ideen für regelmäßige Auftritte."
„Ach ja? Was meinst du damit?"

„Na ja, dein kleiner Potter war nicht ganz begeistert von meinem Auftauchen und ich habe ihm eine herzzerreißende Rede gehalten. Von wegen er hätte ja keine Ahnung vom Leben, der Grausamkeit und dem Sterben."
„So... hast du."
Stille kehrte ein. Hermione wusste nicht was wie ihm entgegnen sollte, das merkte Draco. Sie wirkte verunsichert.

Wenn er ehrlich war, wusste er selbst nicht wieso er ausgerechnet ihr mit Freundlichkeit begegnete. Nun ja, er hatte sie angeschrien, beleidigt und ihm wäre fast mal die Hand ausgerutscht, trotzdem kam er trotzdem irgendwie „gut" mit ihr klar – sofern das in dieser Situation der richtige Ausdruck ist.
Nicht das Draco ihr die Sache mit dem Verrat groß übel nahm, doch sie war und ist... Hermione Granger, eben. Dieses kleine Mädchen, welches er immer so verabscheut hatte. Irgendwie aber konnte er sie jetzt nicht mehr verabscheuen. Ihm war so, als würde er sie sogar etwas mögen. Vielleicht auch deswegen, weil ihr Äußeres mehr als reizvoll erschien. Wahrscheinlich war es ihr überhaupt nicht bewusst, dass sie mit Hotpants und einem kurzen Top einen herrlichen Anblick auf ihren reizvollen Körper gewährte. Es könnte aber auch sein, dass es ihr wohl bewusst war. Immerhin schien sie sich in dem letzten Jahr ja irgendwie zu einer kleinen Todesser-Schlampe entwickelt zu haben.

Als Draco dieser Gedanke kam und Hermione von oben bis unten musterte, merkte er auch plötzlich, dass er eigentlich schon lange nicht mehr in den Genuss einer Frau gekommen ist. Wenn dabei von ihm die Rede war, dann hörte es sich wirklich ziemlich unwahrscheinlich an. Hatte er doch früher fast jeden Tag eine und nicht im seltenen Falle verschiedene. Ein ungewöhnliches Verlangen durchströmte ihn, während er Hermione innerlich verfluchte. Hätte sie sich vielleicht nicht etwas mehr anziehen können? Dann wäre er nie auf den Gedanken gekommen sie jetzt als richtige Frau wahrzunehmen.

Draco musste schlucken und versuchte sich abzulenken, indem er sie wieder in ein Gespräch verwickelte. „Hermione?", murmelte er.
„Hm?"
„Sie vermissen dich." Kaum waren jedoch diese Worte über den Lippen, verfluchte er sich auch schon innerlich dafür. Hätte ihm nicht was Besseres einfallen können? Er war doch nicht dazu bestimmt um ihr von Potters und Weasleys Herzleiden zu berichten.
„Kann sein", erwiderte sie kühl. „Wir waren Freunde. Nur verständlich."
„Wieso jetzt nicht mehr?"
„Es ist eben so geschehen. Wege trennen und Überzeugungen verändern sich."
„Und wieso hast du denn den edlen Potter und das dämliche Wiesel verstoßen?", fragte er, zu seiner Verwunderung schaffte er es sogar zu einem spöttischen Ton.

Finster hob Hermione ihren Blick. Bis jetzt hatte sie die ganze Zeit nur auf die Zeilen ihres Buches gestarrt. „Ich habe dir heute nicht schon einmal gesagt, dass dich das alles überhaupt nichts angeht?"
Draco zuckte mit den Schultern. „Jaah... doch, allerdings werde ich nicht aufgeben, denn irgendwann wirst du es mir erzählen. Wenn du mich heute nicht gerettet hättest, dann hätte ich dich nicht damit nerven können, also bist du im Endeffekt selbst daran Schuld."

Hermione blieb still. „Ich hätte dich sterben lassen sollen", murmelte sie dann dumpf. „Ich wusste, dass du nicht dem Dunklen Lord dienen willst, trotzdem aber ist deine Arbeit ein Vorteil für uns, deswegen habe ich es getan. Sie es also positiv, es ist für einen guten Zweck und du gehörst am Ende zu den Gewinnern... solange du nichts falsch machst."
Draco schüttelte den Kopf. „Ich verstehe es nicht. Du hörst dich an als hätte dir jemand eine Gehirnwäsche verpasst."

„Nein. Ich bin aus voller Überzeugung Todesserin. Ich bereue nichts, wie oft denn noch."
„Wieso hast du ihnen dann deinen Tod vorgetäuscht?"
„Es ging eben nichts anders."
Draco lächelte bitter. „Ich liebe solche Begründungen. Logischere gibt es einfach nicht."
Nachdenklich betrachtete Hermione ihn. Ihr Blick wirkte immer noch kühl, ihm kam es aber so vor, als würde sie etwas aus ihrer Fassung fallen.

Plötzlich stand sie langsam auf und ging auf ihn zu. Einen halben Meter vor ihm machte Hermione halt. „Wieso willst du dem Dunklen Lord nicht dienen?", wollte sie verständnislos wissen.
„Weil ich nicht abhängig sein will. Todesser haben keinen eigenen Willen."

Zu Dracos Verwunderung machte sich Hermione plötzlich an seinem Hemd zu schaffen. Er wusste nicht was er denken sollte, als ihre kleinen Finger die Knöpfe öffneten und er es schließlich von seinem Oberkörper gezogen bekam. Trotzdem aber ließ er sie gewähren.
Wahrscheinlich, weil er jeden Augenblick damit rechnete von ihr in irgendeine Art und Weise aufs Bett gezerrt zu werden und dagegen hatte er bestimmt nichts. Aber diese Vermutung stellte sich schließlich als vollkommen falsch heraus, denn ihre kalten Finger führen plötzlich über sein Dunkles Mal, während ihre Augen es nachdenklich betrachteten.

„Das Dunkle Mal", wisperte sie, „... du besitzt es doch auch... Glaubst du etwa, das du auch keinen eigenen Willen hast?"
„In gewisser Art und Weise ja...", erwiderte Draco ihr zu seiner Verwunderung, niemals hatte er darüber nachgedacht. „Ich weiß was ich will, mache aber trotzdem das, was andere mir sagen und von mir erwarten. Eigenen Willen kann das nicht wirklich nennen."

„Hast du noch nie das gemacht, was du wirklich wolltest? Sondern immer, weil jeder es von dir erwartet hat und du dachtest es gehört zu deinem Selbst?"
„Vielleicht. Ich weiß es nicht wirklich."
„Wieso glaubst du dann, dass ich jetzt nicht aus eigenem Willen handle?" Mit dieser Frage hob sie den Kopf. Draco wäre fast erschrocken, als er ihre braunen Augen sah. Zeichnete sich zum ersten Mal eine Art Gefühlsregung darin? Trauer? „Es könnte doch sein, das ich auch die ganzen Jahre nur das getan habe, was andere von mir erwartet hatten, bevor ich die Erfüllung, meinen Meister, fand."

„Das glaube ich nicht", erwiderte er und griff nach Hermiones Hand, die noch immer auf seinem Mal ruhte.
„Wieso denn nicht?"
„Weil du immer glücklich warst. Ich habe dich gehasst und glaube, dass es ein Teil von mir immer noch tut, doch trotzdem weiß ich, wann Menschen wirklich glücklich sind und wann nicht."
„Dann zeig mir doch was eigener Wille ist. Was willst du in diesem Augenblick tun?"

„Wieso tust du nicht einfach das, was du jetzt machen willst?"
Ein bitteres Lächeln zog sich auf ihr Gesicht. „Ich will Potter aus den Weg räumen."
Draco lächelte auf diese Aussage aber nicht, sondern sah sie scharf an. „Wirklich? Gibt es denn in diesem Moment nichts anderes, an das du denkst?"
„Was denn zum Beispiel?"

Ohne das Draco überhaupt richtig mitbekam was er tat, beugte sich sein Gesicht zu ihrem hinab und er bedeckte ihre sanften Lippen mit einem Kuss. Er fühlte sich komisch dabei. Plötzlich wollte er nichts lieber tun, als sie küssen... und sie erwiderte seinen Kuss.

Sein Herz pochte vor Aufregung und ein Kribbeln fuhr durch seinen ganzen Körper. Langsam ließ er seine Zunge durch ihre Lippen gleiten und schmeckte den verführerischen Geruch Karamells und Schokolade. Seine Hände glitten sanft über ihren zarten zierlichen Körper, während sie sich langsam auf Hermiones Bett fallen ließen. Sie wand sich unter seinen Berührungen und doch genoss sie sie.

Er roch den feinen Geruch ihrer langen braunen Haare. Vanille, stellte er fest. Wenn vorhin auch nur der kleine Zweifel in ihm bestanden hatte, dann war er in diesem Augenblick vollkommen verschwunden.

Ihm war egal, aus welcher Überzeugung sie welche Dinge tat.

Ihm war egal, wie viele Morde sie schon gegangen hatte.

Er wollte nur sie.

Das Dunkle Mal prangte auf den Unterarmen beider. Das einzige Zeichen dafür, dass sie eine grausame Vergangenheit und Zukunft hatte. Das Zeichen dafür, dass man wahrscheinlich nie wissen würde, wie am Ende alles kommen könnte.
An Vergangenheit oder Zukunft mochte man jetzt aber nicht denken, denn tat man es, würde man sein Leben in Angst verbringen...


Helles Sonnenlicht fiel ihm gleißend ins Gesicht und ließ Draco genervt auf die andere Seite drehen. Er vernahm sanftes Atmen und spürte jemanden dicht an sich. Neugierig geworden öffnete er langsam seine Augen und erkannte Hermione. Plötzlich fiel ihm alles wie Schuppen vor die Augen und erlebte die ganze Nacht in Lichtgeschwindigkeit noch mal.

Der Geschmack ihres Mundes lag noch immer auf seinen Lippen und diese fordernden, neckenden Spielchen ihrer Zungen, brannten sehr real in seinem Gedächtnis. Doch noch immer war ihm unklar, wie diese unglaubliche Nacht mit ihr zu Stande gekommen war. Er hatte tatsächlich mit ihr geschlafen, obwohl sein oberstes Grundprinzip doch lautete: Lass dich niemals auf ein Stück Dreck ein...

Der Gedanke Hermione aber als ein Stück Dreck zu bezeichnen, – sei es auch nur geistig – löste etwas Komisches in ihm aus. So schnell wie dieser Gedanke zustande gekommen war, tat es ihm auch schon leid. Wieso tat es ihm leid? Verdammt noch mal, wieso nur?! Was tat er hier eigentlich?!

Empfand er vielleicht Zuneigung, die über Mögen hinausreichte? Liebe? Das Gefühl zudem er nie fähig gewesen war? Das sollte sich dann ausgerechnet für sie in ihm entzünden? Nachdem sie sich gerade für einen Tag wieder gesehen hatten?
Draco schloss seine Augen und versuchte in sich zu horchen. Aber er spürte nichts. Keine bekannten Liebessymptome. Nichts von Herzklopfen oder Schmetterlingen in seinem Bauch.

Plötzlich aber wurde ihm schmerzhaft bewusst, dass er es aber gefühlt hatte. Heute Nacht. Als sie in sehnsüchtigen Küssen und brodelndem Verlangen versanken. Doch Liebe?
Aber er wollte das nicht! Die Tatsache, dass er noch nie Liebe gefühlt hatte und es ausgerechnet für sie zu fühlen schien, machte ihm mehr als alles Angst. Noch dazu war Hermione eine Todesserin, genau wie er. Sie jedoch war es aus Überzeugung.

Konnte das vielleicht das der Grund sein, wieso er Hermione plötzlich auf irgendeine Art in sein Herz geschlossen hatte? Früher waren sie zwei vollkommen verschiedenen Menschen gewesen, doch jetzt schienen sie sich auf irgendeine Art und Weise zu ähneln. Waren sie sich vielleicht schon immer etwas ähnlich gewesen? Zwei Menschen, die nicht wussten wohin sie eigentlich gehörten?

Langsam warf er wieder einen Seitenblick auf Hermione, die ihren Kopf zufrieden auf dem Kissen gebettet hatte, während ihr ein paar einzelne Strähnen ins Gesicht fielen und sich etwas unter ihrem leichten Atem bewegten. Sie sieht wie ein Engel aus..., schoss es Draco durch den Kopf. Obwohl sie eigentlich genau das Gegenteil von dem ist...

Als er sich bewusst wurde, dass er bei ihrem Anblick sogar schon etwas in Wehmut zu geraten schien, reichte es ihm. Entschlossen warf er die Bettdecke beiseite und kramte nach seinen Klamotten, welche im ganzen Zimmer verstreut zu sein schienen. Er musste weg hier – von ihr – und das zwar so schnell wie möglich. Mit einem kurzen Griff in seine Hosentasche vergewisserte er sich, dass die Galleone noch immer in seinem Besitz war, stellte sich dann den ehemaligen Ravenclaw-Gemeinschaftsraum in Hogwarts vor, der zu seinem neuen Zimmer im Schloss führte, und apparierte, ohne Hermione auch nur noch einen Blick zu schenken.

Still war es im Gemeinschaftsraum. Erleichtert atmete Draco aus. Er wagte es überhaupt nicht sich vorzustellen, was passieren würde, wenn man entdeckte auf welcher Seite der – gezwungenermaßen – stand. Immerhin wusste er ja nicht, ob noch irgendwelche anderen Personen vielleicht zu dem Gemeinschaftsraum Zugang hatten. Diese Frage wurde ihm jedoch schnell beantwortet, als ihm lieb war, denn plötzlich durchbrach eine kalte Stimme die Stille...

„Was zum Teufel wird das, Malfoy?"


TBC